Der Tabakschneider.
Roman Pane, welcher die alte Welt mit dem Tabak bescherte, geschieht fürwahr in alle Zeiten Unrecht, daß er nicht wenigstens zur LinkenMohammetsvon den Moslim verehrt wird; denn wer möchte in Abrede stellen, daß diese den Tabak minder leicht entübrigen könnten, als den Koran?
Hätte ein Bursche nicht so lächerlich gelacht, als er an der Hand einen türkischen Pfeifenkopf drechselte, nach den Gedanken der alten Zeit umwendend, schier gedankenlos modelte, durchstach und in wenig Zeit fertig hudelte, ich würde eher zum Tabakschneider geeilt sein.
Hinter dem Handwerksmanne jene drei Wände von Mauer mit der offenen Seite und dem Thürverschlusse gegen die Gasse, mit dem platten Dache von Holz müssen ja das Audienzzimmer sein, welches er nur zur Seltenheit betritt. Denn — er hockt mit diesem Raume zwar auf gleicher Höhe, aber auf einem Mauervorsprunge und unter einem Vordache, vielleicht auch damit er mit seinen Kunden leichter verkehren könne. Wie mag den Glücklichen ein Anderer beneiden, dem bloß von außen an einer Bude ein kleiner obdachloser Winkel zu Verrichtung seiner Kunst vergönnt ist. Zu einem buchstäblichen Winkelhandwerke verurtheilt, begrenzt sich die Handthierung des armen Teufels einzig auf Zerschneidung und Zerschnitzelung des kundschaftsweise anvertrauten Rauchtabaks, und für einen Piaster schneidet er ein ordentlich Schock.
Wenden wir uns wieder zu dem Tabakschneider in derBude. Es sind bei ihm so wenig Artikel ausgekramt, daß er sein Gedächtniß damit nicht überladen darf. Haufen von unzerschnittenem und zerschnittenem Tabak liegen unordentlich herum. Eine Wage mit messingenen Schalen und einem hölzernen Balken lauert auf den Käufer. Damit aber den Verkäufer selbst das Warten nicht verdrieße, schneidet er für sich — und Andere Tabak in gar hübschen Nadeln. Ein der Länge nach gespaltenes, ziemlich großes Rohr oder Halbrohr dient zur Aufnahme des Tabaks. Jenes ist mit Eisen gerändert, wo das Schneidemesser hart vorbeifährt. Letzteres, auf einer Seite so befestiget, daß es mit geringer Mühe herab- und hinaufläuft, ähnelt in den wesentlichsten Beziehungen unserem Schneidemesser mit der Vorrichtung dazu, wie selbes die Apotheker zu Zerschneidung von Arzneien, z. B. von Wurzeln, und die Liebhaber des Tabaks zu anderem Behufe gebrauchen. Noch ähnlicher, als unserm Schneidemesser der Apotheker ist es dem Schneidestuhle, mittelst dessen der Häckerling bereitet wird. Drückt der morgenländische Tabakschneider mit der Hand das ungeschnittene Kraut im Halbstiefel wohl zusammen und ein wenig über den Rand, so schiert er mit dem herunterschwirrenden Messer gleichsam eine Scheibe ab, die, sogleich in viele Schnitzel zerzottelnd, auf eine Schilfdecke zu Boden fällt.