Jaffa.

Jaffa.

Das heutige Jaffa, das Joppe der Bibel, ist größer, als eine Abbildung es mir vorstellte. Es liegt am Meere auf einem Hügel, den es vollständig umhüllt. Von Mitternacht aus, auf dem mohammetanischen Gottesacker, genießt man den günstigsten An- und Ueberblick, und die vielen Kugeldächer rufen Gaza ins Gedächtniß zurück. An die Stadtmauern sind inwendig die elendesten Hütten gebaut.

Die Mohammetaner haben zwei Moscheen. Die eine, mit einem niedrigen Thurme, steht unten am Meere, einige Schritte vom armenischen Kloster; die andere, größere oben im nördlichen Stadtviertel. Daneben in Mitte des Doppelthores, welches auf das Land führt, spendet ein prächtiger Brunnen sein erfrischend Wasser, wovon auch die christlichen Pilger fleißig holen. Die Gassen sind unregelmäßig, enge, löcherig, in der Regenzeit schmutzig. Die Hauptgasse streicht einerseits an dem griechischen, lateinischen und armenischen Hospizium, andererseits an dem Hafen als Kai vorbei, und gegen Mitternacht eben davon bis zur kleinen Moschee. Hier biegt sie sich um, und steigt neben Handwerks- und Kaufbuden ein wenig gähe hinan, um sich ineinen kleinen, ziemlich ebenen Platz zu öffnen. Hier herrscht besonders viel Regsamkeit, schon der Fleischbänke willen. Von diesem Marktplatze ziehen gegen Morgen drei Gassen: die eine zu den Getreideläden, einem großen Kaffeehause und zur großen Moschee; die andere und mittlere zum Thore auf das Land; die dritte als Nebengäßchen zur Stadtmauer. Neben der Hauptgasse, deren Richtung dem lateinischenSam nächsten kommt, öffnet sich eine enge Gasse in den Marktplatz, welche erst gähe zu dem auf der Höhe der Stadt oder des Stadthügels liegenden Festungsschlosse hinauf-, von diesem aber herabsteigt. Die Gassen auf dem Gipfel und im südlichen Theile der Stadt sind, mit Ausnahme der letztern Gasse, ziemlich menschenleer, und verdienen auch keine nähere Würdigung.

Der Hafen, wenig Rührigkeit darbietend, ist eher eine Rhede, schlecht und klein, von Klippen umfangen, für größere Schiffe unzugänglich. In der Rhede lagen bei meiner Ankunft fünf Schiffe vor Anker; auf offener See in viertelstündiger Entfernung eine griechische Brigg[6].

Wie soll ich muthmaßen, daß die Stadt von 5000 Menschen bevölkert sei? Ich bin, wie in Jerusalem, soauch hier mit nackten Muthmaßungen über die Zahl der Bevölkerung, ohne über sichere Angaben gebieten zu können, selber vielleicht am meisten unzufrieden, und ich würde diese mit großem Vergnügen verzeichnen, wären sie nur erhältlich gewesen. Haben die ungefähren Ansichten von der Volkszahl weiter keinen Werth, so mögen sie doch als Wink dienen, andern Angaben nicht sicher zu vertrauen. Die Anzahl der Christen ist nicht geringe; die Lateiner und Maroniten zählen aber bloß 340 Seelen. Die Christen bewohnen den untern oder Hafentheil der Stadt, in welchem am Sonntage viele Läden geschlossen waren.


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