Spaziergang gegen Trianda.
Mich gelüstete, eine griechische Dorfschaft in einiger Entfernung von der Stadt zu besehen. Ich erstieg zuerstden Hügel gleich über Rhodos; der Weg durchstach einmal einen Felsen. Jener soll heuteSmithsHöhe heißen, weil der englische AdmiralSidney Smithauf demselben wohnte, ehe seine Flotte nach Egypten absegelte. Auf der Höhe eröffnet sich die köstliche Aussicht über die Stadt und einen Theil der Insel, auf andere Eiländer und an die Küste des alten Karien. Von den schneebedeckten, kühn in den blauen Aether tauchenden Ausläufern des Taurus schwang sich mein Gedanke beinahe unwillkührlich in die Gegend des Bodensees; denn das Meer, in engen Schranken zwischen Kleinasien und den Eiländern, glich einem See. Ich ging sofort eine Strecke weit auf dem Scheitel des Hügels, und lenkte dann rechts hinunter zum Meeresstrande, wo mir mehrere Marktleute mit Eseln und Maulthieren begegneten; Kameele traf ich nicht. Vor dem Siechenhause (casa dei leprosi) saßen einige Menschen, die bettelnd ihre Hand schüsselförmig hervorstreckten; eben ruhte auf ihren Gesichtern die erwärmende Sonne, von dem kalten Nordwinde sich erholend. Eine starke Stunde im Westen von Rhodos liegt eine sehr weitläufig gebaute Dorfschaft mit fest gemauerten Häusern, die in Höfe eingesperrt sind. Eine Menge Oelbäume trägt dazu bei, daß die Häuser noch mehr in der Verborgenheit erscheinen. Die alte Stadt Rhodos soll in der bedeutendenLänge vom Vorgebirge Bovo, dem gleich nördlich die neue Stadt Rhodos sich anschließt, die nach Trianda sich ausgedehnt haben.
Die Männer auf dem Lande waren mit einem Turbane bedeckt. Die meisten von denjenigen, welche an mir vorübergingen, hatten eine wilde, unfreundliche Miene. Ein Mann, der viele Jahre auf der Insel verlebte, versicherte mich, daß die rhodischen Griechen durchaus wackere Leute seien, und daß man unter ihnen völlig sicher reise, bei Tag und Nacht, über Berg und Thal. Nach dem Aeussern würde ich in der That ein ungünstiges Urtheil gefällt haben. Damit nicht dem Irrthume der Fang gelinge, soll Niemand verkündigen, daß er Fische gefangen habe, sobald er die Schwere des Netzes in der Tiefe des trüben Wassers verspürt, sondern erst dann, wenn er die Fische fühlt oder sieht.
Auf dem Rückwege, immer am Meere vorbei, hörte ich, seit ich Triest verlassen habe, wieder zum ersten Male einen Brunnen plätschern, zum ersten Male sah ich wieder den lautern Wasserstrahl mit den Perlen scherzen. Man nennt die Insel sehr reich an Brunnquellen, welche auf wohlthätige Weise in der wolkenlosen oder wolkenarmen Jahreszeit die Stelle des Regens übernehmen, um, durchdie Hand des berechnenden Landmannes geleitet, das Feld zu berieseln und zu befruchten.