Ein junges Mädchen steht neben ihm. Das rote Licht der Gaslaternen glitzert auf den Stahlknöpfen ihres dunkelblauen Tuchmantels. Er kann vor Schluchzen nicht reden. Sie hebt ihn mitleidig in die Höhe »Willst Du etwas? Kann ich Dir etwas helfen?« Er blickt auf, in ein schmales, freundliches Gesicht mit ruhigen, grauen Augen. Er faltet die Hände. »Das Armband – da drüben. Ich muß es haben. Und ich habe nicht genug.«
Sie stutzt. »Wofür brauchst Du denn ein Armband?« Er giebt keine Antwort, murmelt nur eintönig, herzzerreißend vor sich hin: »Das Armband – das Armband.« Sie faßt ihn bei der Hand. »Komm' mit.« Sie führt ihn über die Straße, gerade vor das Schaufenster. »Welches willst Du?« Er weist hin. »Da, da.« »Wie viel Geld hast Du?« Er giebt ihr ein schmutziges Papier. Darin hat er's aufbewahrt. Sie zählt es nicht, sieht ihn nur nochmals an. »Warte hier. Ich werde Dir das Armband kaufen ...« Ihm ist, als fiele der ganze große Sternenhimmel zu seinen Füßen nieder. Er sucht und ringt nach einem Worte. »Mutter, Mutter!« Er findet kein anderes. Dasjunge Mädchen kommt aus dem Laden zurück und steckt ihm ein feines buntes Schächtelchen in die Hände. »Da – das ist Dein Christkindchen. Nun weine nicht mehr. Gute Nacht.«
Nach Hause! Nur nach Hause! Durch die stillen, eisigen Straßen stolpert er atemlos dahin, nicht einen Blick nach den weihnachtshellen Fenstern hinaufwerfend. In der Mauernstraße ist's dunkel. Die Gaslaterne brennt noch. Er steht vor der Thüre und drückt angestrengt auf den rostigen eisernen Knopf. Er giebt nicht nach. Die Thüre ist verschlossen. Es schlägt neun Uhr. Was soll er thun? Klopfen? Rufen? Man wird ihn nicht hören. Und er fürchtet sich auch. Er will warten. Um zehn Uhr muß sie heimkommen. Sie hat sich heute morgen den Hausschlüssel von der Mutter geben lassen. Es sei abends noch eine große Probe, aber um zehn Uhr sei sie gewiß zu Hause. Er wartet. In die Ecke zwischen Thüre und Mauer gedrückt, in der Hand das Armband. Er hat es aus dem Schächtelchen herausgenommen, um es zu betrachten. Wie's funkelt! Er denkt an ihre Freude. Nur daran. Nicht an seine Schmerzen. Auch nicht an die Geberin. Nur an sie.
Zehn Uhr. Nun wird sie gleich kommen. WirklichSchritte ... Er beugt sich weit vor. Es ist nur der Mann, der die Laternen auslöscht. Sie nicht. Die Probe kann länger gedauert haben. Sie hat sich vielleicht verspätet. Sie wird schon kommen. Gewiß. Es wird immer kälter. Er steckt die Hände in die Hosentaschen und zieht abwechselnd die Füße empor. Ist das ein trauriges Warten in der schneehellen, todesstillen Winternacht. Von Viertelstunde zu Viertelstunde verfolgt er die dröhnenden Schläge der Turmglocke. Elf Uhr. Sie ist nicht da. Er weint nicht. Er drückt die Hände in die kleinen spitzigen Eiszapfen an den Mauervorsprüngen. Wem er umsonst gebettelt hätte, umsonst ...! Ihm ist, als müßte das Blut zu seinen entzündeten Augen herausspritzen. Und warten, warten, warten! Er kann vor Kälte nicht mehr ruhig stehen. Er humpelt die Stufen herunter und wankt hin und her. Mechanisch drei Schritte vor und drei zurück, den Kopf weit zurückgeworfen, zum silberschimmernden Weihnachtshimmel aufstierend.
Mitternacht. – Er wirft sich zu Boden, heult und beißt mit den Zähnen in die gefrorene Erde. Seine Krücken hat er weit von sich geworfen. Auf allen Vieren kriecht er zur Thüre zurück. Und liegt da – ächzend, wimmernd, sterbend. Er verliert das Bewußtsein.Eine rote, glitzernde Schlange mit goldenem Krönchen ringelt sich um seinen Hals. Sie erwürgt ihn. Er regt sich nicht einmal. Da knarrt's über den Schnee her. Er richtet sich krampfhaft wild empor. Seine flimmernden Augen sehen zwei dunkle, aneinandergepreßte Gestalten. Mehr kann er nicht erkennen. Er hört nur, hört – Worte, die ihm alles Blut in Thränen verwandeln. Umsonst!
Müde, schwankend kommt sie die Stufen herauf. Ihre tastende Hand stößt an den Knaben. Sie fährt zurück. Er streckt ihr die erstarrte Hand mit dem funkelnden Reif entgegen. »Da – Dein Armband. Weißt Du, ich – habe – gebettelt.« Er fällt schwer und steif vor ihren Füßen zu Boden. Er ist tot.
Ein großes Zimmer. Im Hintergrund rechts eine Thüre. Vorn rechts ein geöffneter Flügel mit Notenheften und Partituren bedeckt. In der Mitte des Zimmers ein großer, runder Tisch. Darauf ein Schreibzeug. Rechts und links Stühle. Links vorn in einer Gruppe von Zierpflanzen eine schwarze Säule mit großer Beethovenbüste. Dicht davor ein kleiner Tisch mit zwei niedrigen Fauteuils. Weiter zurück links ein Fenster mit schweren Vorhängen. In der Mitte des Hintergrundes ein hohes Regal mit Partituren. Rechts und links davon Luftheizungsklappen. Die ganze Einrichtung schwer und dunkel. Es ist vollkommen Nacht.
Die Thüre wird von außen aufgeschlossen. Stoneberg in Winterrock und Cylinder. Der Diener trägt eine Lampe und einen Violinkasten. Die Thür bleibt offen. Man sieht in ein kleines Vorzimmer mit einigen Rohrstühlen, Kleiderhaken und Schirmständern. Von ferne hört man ganz leise die spanischen Weisen von Sarasate mit Orchesterbegleitung.
Stoneberg(auf den Mitteltisch deutend): Hierher.
(Der Diener stellt den Kasten und die Lampe nieder, hilft dann Stoneberg den Ueberrock ablegen. Stoneberg ist in Frack und weißer Kravatte.)
Stoneberg: Ich kann hier bleiben, ungestört?
Diener: Ganz ungestört. Das Zimmer wird nur vor- oder nachmittags zu den Einzelproben benützt. Abends nie.
Stoneberg: Gut. Zünden Sie das Gas an. (Zieht die Handschuhe aus, reibt sich die Hände.) Unerträgliche Kälte.
Diener: Ich werde sogleich die Heizungsklappen öffnen.
Stoneberg(geht an eine der geöffneten Klappen, die Hände in die ausströmende warme Luft haltend, spricht mit rückwärts gewendetem Kopf zu dem Diener, der die Fenstervorhänge zuzieht und das Gas anzündet): Wie lange bleibt der Portier auf?
Diener: Nach Schluß des Konzertes noch eine Stunde. Aber wenn Herr Stoneberg wünschen, daß er länger ....
Stoneberg: Nein; so lange bleibe ich nicht. (Geht im Zimmer umher, bleibt vor dem Flügel stehen): Ah, ein Stoneberg. (Schlägt ein paar Tasten an und geht dann an den Mitteltisch, sucht einen Briefbogen und ein Couvert heraus, schreibt. Der Diener ist unterdessen mit dem Anzünden fertig geworden.)
Diener: Wünschen Herr Stoneberg noch etwas?
Stoneberg(schreibend): Warten Sie. (Der Diener geht ins Vorzimmer.)
Stoneberg(schreibend): Sie haben auch den Dienstmannbezahlt, welcher den Violinkasten aus meinem Hotel holte?
Diener: Ja.
Stoneberg(steht auf, wirft einen prüfenden Blick nach dem Diener, geht langsam im Vordergrund des Zimmers auf und ab, halblaut das Geschriebene lesend): »Gnädigste! Heute Abend habe ich mich überzeugt, daß Ihr Instrument der Künstlerin nicht würdig ist. Sie haben das Adagio des Beethovenkonzertes nicht gespielt, wie Sie es spielen können. Das Publikum hat es nicht bemerkt, wohl aber das Ohr eines Musikers. Ich habe mich daher entschlossen, Ihnen die in meinem Besitz befindliche Amati zu überlassen. Ich muß so unhöflich sein, Sie noch heute Abend zu bemühen. Ein vor wenigen Stunden erhaltenes Telegramm zwingt mich morgen früh fünf Uhr zur Abreise nach New-York. Darf ich Sie für wenige Minuten auf das neutrale Gebiet des Probezimmers bitten? Ich habe das Instrument holen lassen, Sie können es genau prüfen. Ihr bewundernder Verehrer William Stoneberg.« (Geht an den Tisch, schließt den Brief in ein Couvert, schreibt die Adresse, winkt dem Diener.) Gehen Sie ins Künstlerzimmer und warten Sie bis zum Schluß des Konzertes. Wenn Fräulein Stanyek kommt, übergeben Sie ihr diesen Brief und bitten umAntwort. Sollte sie es verlangen, so führen Sie die Dame her. Nun – (zieht seine Börse heraus) für den Dienstmann und Ihre Bemühungen.
Diener: Danke, gnädiger Herr. (Geht, schließt hinter sich die Thüre.)
Stoneberg(allein. Klappt seinen Cylinder zusammen, trägt den Ueberrock auf einen Stuhl im Hintergrund, öffnet den Violinkasten). Wird sie kommen? Glaube wohl. Anstandsrücksichten kommen bei ihr nicht allzuviel in Betracht. Und wo sich's um eine Amati handelt, um diese Amati! – Aber warumlass'ich sie kommen? Um ihr die Amati zu überlassen? Ich denke nicht daran. Es wäre denn, daß sie einen Preis dafür zahlt, einen Preis ... ich glaube nicht, daß sie ihn zahlt. Aber versuchen. Und einmal will ich mit ihr allein gesprochen haben. Ganz allein. – Dies Geschöpf! Was zwingt mich zu ihr? Ihr Lachen, ihr großes tolles Lachen – und ihre schwermütigen Augen. Ich verstehe sie nicht. Gehört sie zu den Frauen, die nur deshalb reizend sind, weil sie sich an der äußersten Grenze bewegen? Ich habe viel Unpassendes von ihr gesehen, tausend Sonderbarkeiten wie die rätselhafte Gürtelkette,nie etwas Unschickliches. Bin ich noch deutsch-sentimental genug, daß ihre Begabung auf mein Gefühl wirkt? Zwanzig Jahre in Amerika und noch sentimental. (Pause.) Ob ich mir nicht Unrecht thue? Sentimental? Es könnte noch eine andre Regung dabei sein. Ich würde sie mir leichter verzeihen. (Die Musik verstummt. Man hört lange anhaltenden Applaus.) Zu Ende. Nun werde ich ja gleich wissen .... (Geht mit kurzen Schritten auf und ab, fährt sich ein paarmal erregt über die Stirne. Aergerlich): Daß mich so etwas noch nervös machen kann! Was ist's denn? Ein kleines Slavenmädchen von möglichst dunkler Herkunft. Aufgewachsen im künstlerischen Vagabundentum. Darin liegt meine Hoffnung. Und in der Amati. (Er nimmt die Violine aus dem Kasten, betrachtet sie. Es klopft.)
Stoneberg: Herein.
Katya Stanyek(tritt ein, läßt die Thüre halb offen. Man sieht den Diener und eine ältere, einfach gekleidete Person. Katya ist in vollständig weißer Konzerttoilette. Nur an der Schulter und im Haar dunkle Rosen. Um die Taille eine feine, goldene Gürtelkette, deren Enden sich in einer Falte des Kleides verlieren. Lose um die Schultern geschlungen ein weißes Seidentuch. In der linken Hand hält sie Stonebergs offenen Brief und ein kleines Taschentuch. Sie ist etwas erschöpft, in starker aber verhaltener Erregung, spricht mit durchaus czechischem Accent, aber ohne Gewöhnlichkeit, mit weicher, ein wenig gebrochener Stimme.)
Katya: Bin ich da. (Tritt an den Tisch.) Also?
Stoneberg(verletzt, macht ihr eine ostentative Verbeugung): Ich habe die Ehre, meine Gnädigste, Sie zu begrüßen.
Katya(ohne darauf zu achten): Wie viele Geld verlangen Sie? Bitte – rasch.
Stoneberg: Gnädiges Fräulein, Sie nehmen die Sache sehr geschäftlich. Ich halte die Hergabe einer Amati für mehr als einen bloßen Handel. Zum mindesten ist dabei ein oder das andere Wort zu reden, welches die Dienerschaft nicht zu hören braucht. (Geht an die Thüre, schließt sie.)
Katya(folgt ihm mit den Augen): Ah – so! (Geht.)
Stoneberg(für sich): Was?! (Laut, mit halbem Lachen): Das hätte ich von Fräulein Stanyek nicht erwartet. Sie fürchten sich?
Katya(schon an der Thüre, wendet sich rasch um, mißt ihn von oben bis unten, greift einen Moment an die Gürtelkette): Nein. (Geht an den Mitteltisch, fest sich auf den Stuhl rechts, nimmt ihr Tuch ab.)
Stoneberg(nimmt den Stuhl links): Gestatten ... ... (setzt sich.) Gnädiges Fräulein, Sie befinden sich in einer ungewöhnlichen – bei Ihnen ganz ungewöhnlichen Aufregung. Ich halte mich für berechtigt, nach der Ursache zu fragen.
Katya(schweigt).
Stoneberg: Wenn Sie meiner Neugierde die Erklärung verweigern, so gewähren Sie dieselbe meiner Teilnahme. Ich helfe gerne – Ihnen. Was haben Sie?
Katya(in Thränen ausbrechend, wirft sich vornüber auf die Tischplatte): Hab' ich gespielt schlecht.
Stoneberg: Schlecht gespielt?! Heute? Sie haben mit einem Feuer, mit einer Leidenschaft gespielt, das Publikum –
Katya: Feuer, Leidenschaft, Publikum! Adagio habe ich gespielt schlecht. Und Narren da unten haben geschrieen Bravo. O, hätten ausgezischt mich, mir wäre nicht so unglücklich. Aber nehmen Lob und haben nicht verdient. Ist mir in Herzen, als hätte ich beschimpft Mutter Gottes.
Stoneberg: Ach, lassen Sie doch die Mutter Gottes aus dem Spiel. Sie thun dem Publikum Unrecht und sich. Haben Sie Ihre Ansicht vielleicht meinen Zeilen entnommen? Sie haben das Adagio ausgezeichnet gespielt. Nur meine hohe Meinung von Ihrer Begabung veranlaßt mich zu dem Glauben, daß Sie's noch besser können.
Katya: Sie sind Narr wie Andere. Wissen nicht, daß man spielt Beethoven schlecht, wenn man nicht spielt Beethoven vollendet.
Stoneberg: Demzufolge müßten freilich sämtliche moderne Virtuosen das Beethovenspielen aufgeben.
Katya: Ich nicht gehöre zu Ihre moderne Virtuose. Hexerei von große Technik haben keine Wert für mich, seit ich kann Hexerei. Weiß ich sehr gut, daß ich kann mehr als die Andere. Und hab' ich gesehen heute, daß ich kann gar nichts.
Stoneberg: Auf die Gefahr hin, mich wieder von Ihnen den – Narren beigezählt zu hören, erlaube ich mir nochmal die Bemerkung, daß Sie sich Unrecht thun. Sie haben den ersten und letzten Satz des Beethovenkonzertes gespielt wie – wie eben nur Sie es können. Wenn das Adagio Sie nicht ganz befriedigen konnte, so liegt die Schuld an dem Ton Ihres Instruments. Er ist groß, kräftig, aber ohne jene höchste Weichheit, jene innere Verklärung, wie sie einer – Amati innewohnt.
Katya(leise): Weiß ich lange wohl. Aber will ich nicht geben zu mir. Ist so jämmerlich, suchen Entschuldigen für Nichtkönnen von sich selbst.
Stoneberg: Also diese weibliche Schwäche haben Sie nicht. Nur thun Sie auf der anderen Seite zuviel.Und wenn Sie wirklich schlecht gespielt hätten, so verstehe ich noch immer nicht, warum Sie die Sache so tragisch behandeln, als ein solches Unglück.
Katya: Für mich – ist es Unglück.
Stoneberg(zuckt die Achseln).
Katya(mit tiefgesenktem Haupt, sehr leise beginnend.) Seit erstemal habe ich gehört einer Melodie von Beethoven, ist Herz geworden taub für andere Ton. Hab' ich gespielt viel andre Ton, weil ich wollte lernen. Wollt' ich warten, bis ich konnte ganz viel, um es zu machen recht für Beethoven. Aber wenn ich habe gespielt andre Ton, war es immer so leise in mir:Kde je – milost Pan?Wo ist – gnädiger Herr? O mein gnädiger Herr, hab' ich es gemacht schlecht!
Stoneberg(für sich): Interessante Komödie. Gut gespielt. Nur ihre Augen – ich darf nicht hineinschauen. Sonst fange ich an, ihr zu glauben ....
Katya: Ist ungeschickt von meine Mund, Ihnen sagen solche Worte. Aber bin ich so große Trauer.
Stoneberg: Und in solchen Fällen thut es den Damen wohl, sich auszusprechen. Bitte, sprechen Sie nur weiter. Einem Freund gegenüber –
Katya(sehr rasch): Sie nicht sind Freund von mir.
Stoneberg: Warum nicht?
Katya: Weiß nicht so deutlich. Und Sie kennen gar nicht mich.
Stoneberg: Sie kennen mich auch nicht.
Katya: O ja.
Stoneberg: So?
Katya: Sie haben gewesen arm in Deutschland und haben verdient viele Geld in Amerika. Nun Sie haben gemacht Ihre Namen bis in die Hälfte amerikanisch. Stone-berg. Ihre deutsche Name ist Steinberg. Das ist nicht gefallen mir. Würde ich nie nehmen eine andere Nam' als die von meiner Vaterland.
Stoneberg: Mehr haben Sie mir nicht vorzuwerfen?
Katya: Doch. Ist mehr noch. Aber kann man nicht sagen es.
Stoneberg: Sagen Sie's nur. Meinen Ohren wirds nicht weher thun es zu hören, als Ihren Lippen es auszusprechen. Die Schellenkappe haben Sie mir vorhin schon aufgesetzt. Ich nehm's Ihnen nicht übel, wenn Sie mir auch noch die Pritsche in die Hand geben.
Katya: An die Uebelnehmen – die Uebelnehmen ist mir gleich. Werd' ich Ihnen sagen ganze Wahrheit. In Ihre Herz ist geblieben noch eine kleine Stück von deutsche Wald und so klare Blum'. Doch über sie stehen amerikanische Verstand, der ist so klug und haben eine große Sack mit Geld. Und über Wald und Blume und Verstand und Sack mit Geld ist gebreitet eine lange Teppich von Höflichkeit und ganz feiner Benehmen. Seit ich bin hier vier Wochen habe ich gesehen Sie vieler Abend in großer Gesellschaft. Haben Sie nie gemacht eine Fehler und haben nie gesagt besseres Wort als andre feine Herrn.
Stoneberg: Wissen Sie denn, Fräulein Stanyek, daß Ihre Worte eine große Schmeichelei für mich sind? Sie haben mich ja beobachtet, als ob ich Ihnen interessant wäre.
Katya: Hat man gesagt zu mir, Sie sind gewesen arm als kleine Junge. Sie sind gegangen ganz mit sich allein über Meer und haben gemacht Arbeit so viel und so gut, bis Sie waren reiche Mann, vor dem Leute haben Achtung. So hab' ich gehabt Aufmerken für Sie – weil ich war auch arm.
Stoneberg: Sie waren arm? Davon hab' ichnichts gehört. Aber sonderbare Dinge von Ihrer Herkunft. Eine sehr romantische junge Dame erklärte mir mit großer Bestimmtheit, Sie stammten von echt indischen Zigeunern ab. Der französische Gesandtschafts-Attaché äußerte sich mit liebenswürdigem Lächeln dahin, er hielte Sie für die Tochter eines ungarischen Magnaten; ein Dritter –
Katya: Haben Unrecht alle. Wahrheit weiß nur eine Mensch. Ich.
Stoneberg: Wollen Sie auch mir ein Geheimnis daraus machen?
Katya: Ja.
Stoneberg(erregt): Was haben Sie für einen Grund? Müssen Sie sich vielleicht der Wahrheit schämen?
Katya(schweigt).
Stoneberg: Reden Sie, ich bitte, reden Sie.
Katya: Habe ich keine Grund zu schämen mich, aber Grund Wahrheit nicht zu sagen. Sage ich ihr jetzt, so schreiben Sie morgen großer Artikel in Zeitung über Leben von Katya Stanyek.
Stoneberg: Ich werde schweigen. Mein Ehrenwort.
Katya: Ehrenwort? Habe ich gehört schon oft geben Ehrenwort und dann (macht die Bewegung des Entzweibrechens) – mitten entzwei. Nein. Ist nichts Ehrenwort.
Stoneberg: Sie mögen an manchen Menschen solche Erfahrungen gemacht haben. Ich halte denjenigen, der sein Wort bricht, für einen Schurken, dem nur eins übrig bleibt: sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Nochmals: mein Ehrenwort.
Katya(sieht ihn eine Weile stumm an): Sehen wohl, jetzt haben wieder gerauscht deutsche Wald in Ihre Herz. – Haben Sie gehört, was macht Böhme, wenn wird geboren eine Kind?
Stoneberg: Nein.
Katya: Rechts von Kind legt man Geige, links von Kind Beutel mit Geld. Greift Kind nach Geige, wird es Musikant. Greift Kind nach Geld, wird es Dieb.
Stoneberg: Es war schon klüger von Ihnen, nach der Geige zu greifen.
Katya: Habe ich müssen thun. Hat mir nurhingelegt Geige. Vater hatte keine Beutel mit Geld. War böhmische Musikante, wo ziehen hinauf hinunter an große Fluß Moldau. Hatte junges Weib mit Augen von Nacht und kleine Fuß. War nachgelaufen arme böhmische Musikante und geworden sein Weib ohne Ring an Finger und ohne Segen in Kirche. Ohne Segen! Auf Landstraße war geboren kleine Katya, auf Landstraße junge Weib war tot.
Stoneberg(ist ein wenig näher gerückt, beobachtet Katya mit wachsender Teilnahme): Und dann?
Katya: Dann hat Vater getragen kleine Mädchen auf der Rücken durch ganze Land. Waren Leute viel mitleidig, weil er war immer so traurig und hatte nur lieb kleine Katya. Hab' ich gelernt eher Singen wie Gehen. Und spielen auf Geige. Hat so geweint Vater als erstemal spielte ich ohne Helfen:Kde domov muj–
Stoneberg: Was heißt das?
Katya: Das ist schönste böhmische Volkslied und heißen: Wo ist meiner Heimat? Hab' ich es gesungen oft mit so heißer Gefühl und habe gehabt in Heimat so große Weh. Hab' ich gefürchtet mich, wenn kam weiße stille Schnee. War viel kalte Nacht und haben wir gehabt oft keine Bett zu schlafen. Aber bei Häuser,wo wird gemacht bunte Glas, liegt große Berg von Asche. Wird gefahren aus Ofen für Glas und ist warm. Haben wir uns gewühlt in warme Asche und geschlafen. Nach eine Nacht ist Vater geschlafen sehr lange. Hab' ich genommen Geige, gespieltKde domov muj. Vater haben geschlafen weiter. Hab' ich gewußt, er war tot. Leute haben gesagt, Asche war zu heiß, haben gehabt in sich böse Dampf, arme Vater ist erstickt. Arme, arme Vater.
Stoneberg: Armes Kind.
Katya: Hab' ich wollen springen hinein in Grab zu meine Vater. Aber Leute haben gehalten mich. Hab' ich geschrieen wie wilde Tier und gebissen mit Zähnen vor meine Jammer. Ist gekommen alte Herr von Haus mit buntes Glas, haben gesagt, er will geben viele Geld, weil ist geschehen mir so große Unglück auf seiner Eigentum. Haben mich schon gehört spielen Geige seine Arbeiter. Haben gesagt zu alte Herr, er soll schicken mich in Praha und geben zu gute Lehrer von Geige. Haben er gethan. War ich noch so kleine Kind von sechs Jahre, haben er mich lassen bringen in Praha durch eine von seine Arbeiter. Eine junge Mensch mit guter Gesicht. Haben mich gebracht zu seine Mutter.Alte Frau mit Schnee auf Haar. Alte Frau war gut mit traurige Kind. Haben geführt zu berühmte Lehrer von Geige. Hab' ich nicht wollen spielen vor. Habe wollen spielen nie wieder, nie wieder. Alle Rede von alte Frau und berühmte Mann waren keiner Hilfe. Ist geschehen eine Wunder. Im Zimmer neben haben gespielt eine Hand einer Melodie .... oh .... bin ich gefallen auf Knie, habe gebeten berühmte Mann, mir geben Lehre, daß ich könnte spielen eine Mal in meiner Leben solcher Melodie. War Beethoven.
Stoneberg: Was ist das für eine Melodie?
Katya: Opus 90, zweite Satz. Nicht für Geige, nur für der Klavier. Aber war meiner Sehnsucht von dieser Tag zu spielen ihn auf Geige. Wollte ich spielen jeder Melodie von Beethoven auf Geige. Habe ich immer gehabt Zorn, daß er haben gedichtet so vieler Melodie für Klavier. Ist eine tote Instrument – – Aber glaube ich meine Erzählen gehen lange, zu lange, werden haben Langeweile.
Stoneberg: Nein. Ich möchte Ihnen zuhören – tausend und eine Nacht.
Katya: Ist nicht mehr zu sagen vieles. Habe ich gespielt Geige ganze Tag und halbe Nacht. Nicht gethanandres, nicht gelernt andres. Haben keine Mensch mich erzogen. Als kam ich in große Welt war böse Gesellschaft. War ich oft in Gefahr, zu thun nicht gute Sache. Aber war dann in meine Ohr eine Zittern von Melodie von Beethoven und habe nicht gethan Unrecht. Ist meine Glauben, daß ich kann nicht mehr spielen Beethoven, wenn ich thue Sünde. Habe ich oft nicht rechte Benehmen, weiß ich wohl gut. Aber hab' ich in Herz Rechtes, weil bete ich zu große Genius. Er ist meine Heiland.
Stoneberg: Und dieser Heiland hat Sie bewahrt – in jeder Versuchung?
Katya: Ja. Denn hab' ich gelernt bewahren mich selbst. Sehen hier (zieht die Kette ein wenig empor. Am Ende derselben ist ein kleiner Dolch befestigt) kleine spitze Ding. Trag' ich seit lange Jahre. Ist Gefühl von Sicherheit. Habe ich geglaubt heute Abend Sie haben böse Sinn. Wäre nicht geblieben mit Ihnen ohne kleine Messer. Aber habe ich gehabt Unrecht. Sehe wohl, Sie sind nicht böse Sinn.
Stoneberg(ruhig, aber mit tiefer, innerer Bewegung): Sie irren sich, Fräulein Stanyek. Ich habe sehr bösenSinn gehabt. Ich wollte Ihnen keineswegs die Amati geben –
Katya: Die Amati? Nicht die Amati? O wie können sagen Sie so harte Wort. Will ich Ihnen geben, was Sie verlangen, will ich Ihnen geben alles, was werde ich verdienen noch in viele Jahre, will ich lieber hungern, aber geben Sie mir der Amati, geben Sie mir!
Stoneberg: Ich werde sie Ihnen geben. Aber lassen Sie mich jetzt reden. Ich werde es schlechter machen als Sie, wenn ich auch die rechten Worte habe. Sie haben den rechten Ton. Der geht in die Seele tief hinein. Ich wußte nicht mehr, daß ich eine Seele habe. Durch Sie, durch Ihr Wesen, durch Ihr .... ja, sehen Sie, ich weiß wirklich nicht weiter – ich liebe Sie.
Katya(steht langsam auf, die Augen starr auf ihn geheftet).
Stoneberg(leidenschaftlich werdend): Ich will vor Ihnen nicht mehr lügen. Ich liebe Sie – seit dieser Stunde. Aber ich verlangte nach Ihnen, leidenschaftlich, ehrlos, schon viele Nächte. Ich hatte nur eine Begierde: Sie zu küssen. Jetzt habe ich nur einen Wunsch: vor Ihnen zu knieen.
Katya: Ihre Worte klingen gut, aber kann ich nicht geben Glauben. Lassen mich gehen mit Amati und geben mir Hand als gute Freund.
Stoneberg: Nein.
Katya: Dann Sie haben nicht Liebe für mich. Nur Leidenschaft.
Stoneberg: Ich habe die wahre Liebe für Sie. Nehmen Sie die Amati – als Brautgeschenk. Werden Sie mein Weib.
Katya: Ah – die Amati –
Stoneberg(leise): Werden Sie mein Weib.
Katya: Nein. Lieb' ich Sie nicht.
Stoneberg: Sie haben Vertrauen zu mir. Sie werden's lernen mir gut sein.
Katya: Lernt man nicht.
Stoneberg: Ich liebe Sie so unendlich –
Katya: Glauben Sie – aber ist nicht Wahrheit. Haben mir jetzt gesagt viel Worte mit schöner Klang, nicht eine Mal meiner Nam', weil steht meiner Nam' nicht in Ihre Herz. Er haben mir nur gesagt meiner Nam', haben geschrien meiner Nam' im Tod ....
Stoneberg: Wer? wer?
Katya(eintönig): War arme Junge. Sohn von alte Frau, wo ich haben gewohnt in Praha. Haben mich sehr geliebt. Und ich – war ich jung und war er schöne Bursch, wär' ich vielleicht gelaufen mit ihm betteln auf Landstraße ohne Ring an Finger und ohne Segen in Kirche. Aber der gnädige Herr – haben er verlangt große Opfer und hab' ich gegeben ihm. Habe gesagt nein zu armer Junge. Bin gefahren hinaus in Welt und er haben geworfen sich vor der Pferde und geschrien meiner Nam': Katya, Katya! – Oh er haben geliebt mich recht.
Stoneberg: Aber begreifen Sie denn nicht, daß die Natur eines jeden Menschen sich anders äußert?
Katya: Ist nur eine Liebe. Liebe immer gleich.
Stoneberg: Ich mag's glauben, daß jener Ihnen seine Liebe anders gestanden hat. Ich glaub's nicht, daß er Sie mehr geliebt hat als ich. Ich mache Sie zu meinem Weib. Ich trete mit meinem Namen, mit meiner Ehre für das Weib ein. Das ist nicht wenig vor der Welt, denn die Welt kennt Sie nicht, wie ich. Und dennoch bin ich bereit, Sie auf meinen Armen wie eine Königin durchs Leben zu tragen, Allen zum Trotz.
Katya(leise): Ist Wahrheit, was er sagen. Sehr Wahrheit. Aber würde er nicht sagen mir, wenn er liebte mich.
Stoneberg: Glauben Sie mir nun?
Katya: Glaube ich, daß Sie würden haben wahre Liebe, wenn müßten leiden eine große, große Weh um mich. Jetzt – nein.
Stoneberg(wendet sich von ihr): Gute Nacht.
Katya(geht ein paar Schritte, wendet sich zögernd um) Und – der Amati – darf ich nicht nehmen ihr mit?
Stoneberg: Nein.
Katya(steht, mit sich kämpfend, an der Thüre): Der Amati – o der Amati – (Kehrt um). Bitte, schauen Sie mir in Gesicht. Habe ich Ihnen gesagt, daß ich nicht liebe Sie. Wollen Sie meiner dennoch?
Stoneberg: Ich will, ich will! Denn ich weiß, daß Sie mich lieben werden.
Katya: Wollen Sie helfen mir werden immer besser in meine Kunst?
Stoneberg: Ich werde ehrgeiziger sein als Sie.
Katya: Wollen Sie nicht haben Zorn, wennich mache Fehler in Leben und mit gute Wort mir sagen wie ich soll machen anders?
Stoneberg(neigt sein Haupt auf ihre Hände): Ich habe Ihnen nichts zu sagen.
Katya: So – so werd' ich sein Ihre Weib.
Stoneberg(fällt in wortloser Bewegung vor ihr auf die Knie): – Dank.
Katya: O nein. Wissen nicht, ob Sie haben Dank mir.
Stoneberg: Sie werden's nicht bereuen, Sie werden Ihr Wort nicht zurücknehmen?
Katya: Nein.
Stoneberg: Ich fürchte mich – ich fürchte mich, Sie zu verlieren. Sie – Sie werden mein Weib?
Katya(langsam): Meine Ehrenwort.
Stoneberg: Ihr Ehrenwort? Wissen Sie, was das bedeutet? Wissen Sie's?
Katya: O ja. Hab' ich jetzt Ring an Finger. Meine Ehrenwort.
Stoneberg(hält einen Moment stumm ihre Hand. Nimmt dann die Amati, giebt sie Katya): Ihr Brautgeschenk.
Katya(schreit auf, preßt die Geige in die Arme, küßt sie. In namenlosem Jubel): Mein, mein!
Stoneberg(für sich, auf Katya blickend): Mein.
Katya: O – o die kleine, braune Ding, wie ich ihr liebe. Wird sie helfen mir, wenn ich suche rechte Ton für gnädige Herr. Werd' ich können spielen, wie ich habe geträumt seit Jahre. Werd' ich finden eine Mal, eine Mal in meiner Leben Glück.
Stoneberg(für sich): Welche Schönheit, welche Kraft! Ich liebe – ich fürchte sie. Aber ich lasse sie nicht. Und müßte ich um sie ringen – mit ihr selbst.
Katya: Hab' ich einer großen Bitte an Sie. Kann nicht erwarten zu hören Amati. Möchte spielen Melodie, erste, die habe ich gehört von Beethoven als kleine Kind. Wollen begleiten mich auf Klavier. Bitte, bitte!
Stoneberg: Kind, großes Kind! Wenns Dir Freude macht – (Katya zuckt leicht zusammen). Aber ich kann den Satz nicht auswendig.
Katya: Wird sein hier unter Noten. Sehen wohl – hier Beethoven.
Stoneberg(nimmt den Band, setzt sich ans Klavier, schlägt auf. Katya behält von jetzt bis zum Schluß die linkeSeite, zwar so, daß sie sich immer mehr der Beethovenbüste nähert).
Stoneberg: Ja, hier stehts.
Katya: Spielen immer zu. Geh' schon mit. Aber Tempo zu schnell nicht. So. (Taktiert mit dem Bogen.)
Stoneberg(spielt prüfend die ersten Takte): So recht?
Katya: Ja. Eins, zwei –
(Katya und Stoneberg spielen den Satz durch. Nach dem Schluß läßt Katya Bogen und Geige sinken, unbeweglich vor sich hinstarrend.)
Stoneberg(steht auf, sehr erschüttert): Heute habe ich die Melodie zum ersten Mal gehört. Sind Sie zufrieden mit sich – und der Amati?
Katya(reicht ihm die Geige hin): Da.
Stoneberg: Was soll das? Sie geben sie mir wieder?
Katya(wie in einer Vision unbeweglich): Habe ich gehört reden zu mir seine Stimme aus kleine, braune Ding und sagen gewaltige Wort. Von Sünde, die trägt nicht Namen von Sünde, von Verbrechen, die trägt nicht Namen von Verbrechen, von Schande, die trägt nicht Namen von Schande. Und will ichthun Sünde, will ich thun Verbrechen, will ich thun Schande.
Stoneberg: Was geht in Ihnen vor? Um Gotteswillen, sehen Sie mich an, einmal –
Katya: Will ich werden seine Weib! Und habe nicht Gefühl zu gehen mit ihm auf Landstraße betteln, hungern, sterben. Ah, ah, will ich reißen von mir meiner Ehre – denn keine Ring an Finger und keine Segen in Kirche kann machen mich zu seine ehrliche Weib!
Stoneberg(sehr bleich, atemringend): Sie – steigern sich mit aller Gewalt in eine Einbildung hinein. Wären Sie nur einen Moment ruhig, Sie würden fühlen, daß es vor allem Sünde ist, das Glück eines Menschenlebens zu zertreten.
Katya: Ueber Glück stehen Ehre und meiner Ehre sein mehr wert als Menschenleben tausend! Haben es gesagt gnädiger Herr zu mir, und sollen er haben nicht gesprochen für nichts.
Stoneberg: Und hat er Ihnen auch von Ihrem – Ehrenwort gesprochen?
Katya(aufschreiend): Meine Ehrenwort! (Sehr leise): Bitte.
Stoneberg: Reden Sie nicht! Bitten Sie nicht! Jeder Laut von Ihren Lippen macht mich unfähiger, Sie zu lassen. Ich könnte Sie sterben sehen, ehe ich Sie freigebe!
Katya(ganz gebrochen, fällt vor ihm auf die Knie): Seien Sie Erbarmen! Geben Sie mir wieder meine Ehrenwort!
Stoneberg: Nein.
Katya(hebt die gerungenen Hände zu ihm empor): Geben Sie mir wieder –
Stoneberg: Nie, ich schwör' Dir's, nie!
Katya(springt auf): So muß ich brechen meine Ehrenwort – mitten entzwei. (Stößt sich mit einer raschen kleinen Bewegung den Dolch in die Brust.)
Stoneberg: Nicht – nicht – o Gott!
Katya(steht noch einen Augenblick aufrecht): Meine gnädige Herr werden verzeihen mir. (Sinkt langsam an der Beethovenbüste nieder.)
Stoneberg(hat unterdessen die Thür aufgerissen): Rennen Sie zu einem Arzt, schnell, aber erst Wasser, es ist ein Unglück – (zu Katya zurückkehrend) – und mußte das geschehen – o Du, Du!
Katya: Lassen doch! Ist Bestes für mich, sterben für meine Glauben. Hab' ich gespielt deiner Melodie doch gut. Nicht wahr –milost pane?(Sie sinkt tot zurück.)
Stoneberg(beugt sich über sie, fällt dann vor ihr nieder): Katya, Katya!
Ende.
Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.
S. Fischer, Verlag, Hofbuchhandlung, Berlin W.
A. Seydel & Cie., Berlin C., Neue Friedrichstr. 48.
Der Zweittitel wurde entfernt.
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
Darstellung abweichender Schriftarten:gesperrt,Antiqua,fett.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,
Seite14:":" eingefügt(tausend unnütze bunte Sächelchen: Zeitungshalter, Sofaschoner)
Seite29:".." geändert in "..."(Und so gut erzogen, so rührend ungalant ...)
Seite30:"." eingefügt(Nervenfieber. Hat sich beim Examen überarbeitet)
Seite35:"." eingefügt(Unser philosophischer Graf bleibt auch zu Hause.)
Seite39:"j .. ja" geändert in "j ... ja"(J ... j ... ja.)
Seite43:"." eingefügt(Ich habe mich noch nie um diesen Ruhm bemüht.)
Seite48:Absatz eingefügt hinter "lesen."(Ich habe keine Zeit, es zu lesen.)
Seite57:"sechszehn" geändert in "sechzehn"(Sie ist sechzehn Jahre und hat goldene Locken)
Seite62:"." eingefügt(Ich spiele meine Partie vortrefflich.)
Seite69:".." geändert in "..."(Er kann spielen ... aber ich habe die Sonate)
Seite70:"," entfernt hinter "diesen"(Verlangen in mir, diesen Knaben zu zwingen)
Seite71:"vosichtig" geändert in "vorsichtig"(Sie muß vorsichtig gewählt werden.)
Seite78:"," eingefügt(zerdrückten, vom Waldboden beschmutzten Kleider verbergen)
Seite79:"." eingefügt(Mit einem Ruck sprang er auf.)
Seite82:"nnd" geändert in "und"(trete an den Toilettentisch und schütte mir)
Seite82:"." eingefügt(ein wenigeau de Cologneaufs Taschentuch.)
Seite103:"mindenstes" geändert in "mindestens"(zeigte nur zu deutlich, daß er mindestens)
Seite105:"Korallenohringen" geändert in "Korallenohrringen"(mit großen Nasenlöchern und falschen Korallenohrringen)
Seite112:"vereidigen" geändert in "verteidigen"(Und doch hätte er sich nicht besser verteidigen können.)
Seite118:"," eingefügt(Dinge, die er nicht mehr hatte anbringen können.)
Seite124:"jämmerlicheu" geändert in "jämmerlichen"(Sie war schön in dem jämmerlichen zigeunerhaften Aufputz.)
Seite125:"." eingefügt(Rote Wangen und rote Lippen.)
Seite126:"Ausruck" geändert in "Ausdruck"(küßte sich mit einem seltsamen Ausdruck auf die Schultern)
Seite149:"," eingefügt(Klappt seinen Cylinder zusammen, trägt den Ueberrock)
Seite149:"nm" geändert in "um"(eine Amati handelt, um diese Amati!)
Seite155:"." eingefügt(Sie nicht sind Freund von mir.)
Seite157:"hab" geändert in "hab'"(So hab' ich gehabt Aufmerken für Sie)
Seite160:"." entfernt hinter "sein"(geworden sein Weib ohne Ring an Finger)
Seite163:"hab" geändert in "hab'"(Aber hab' ich in Herz Rechtes)
Seite164:"Tief" geändert in "tief"(Der geht in die Seele tief hinein.)
Seite165:"Nam" geändert in "Nam'"(haben geschrien meiner Nam' im Tod)
Seite172:":" eingefügt(Stoneberg(hat unterdessen die Thür aufgerissen):)