VORWORT
Wie nach meiner amerikanischen und ostasiatischen Reise, war es nach meinem Aufenthalt in Mazedonien in den Jahren 1917 und 1918 mir ein seelisches Bedürfnis das, was ich dort erlebt und erfahren hatte, in einem Werk zusammenzufassen. Vielleicht ist es mehr eine künstlerische Neigung, welche sich in dem Drang ausspricht, einem großen, nachhaltigen Erlebnis eine Form zu geben; dem Gelehrten, dem Naturforscher hätte es näher gelegen, die Bearbeitung aller Forschungsresultate abzuwarten, um nach einer Reihe von Jahren die Gesamtergebnisse zusammengefaßt vorzulegen.
Überlegungen zweierlei Art waren es, welche mich veranlaßten, kurz nach meiner Heimkehr an die Ausarbeitung und Darstellung von Mazedonien heranzutreten. Zunächst, wie bei meiner „Ostasienfahrt‟ der Wunsch, noch unter dem frischen Eindruck meiner Erlebnisse die geeignetste Form der Darstellung zu finden. Während noch die Buntheit der Landschaften, die Bewegtheit der Vorgänge ungealtert in meinem Bewußtsein hafteten, sollten sie Gestaltung finden.
Dazu kam die Verpflichtung gegenüber den einstigen Angehörigen der mazedonischen Armee, die mir draußen soviel geholfen hatten, ihnen ein zusammenfassendes Bild des Landes zu geben, in welchem sie Jahre ihres Lebens in treuer Pflichterfüllung verbracht hatten, in militärischem Dienst, als Ärzte und Beamte. Es gibt keine solche Darstellung in deutscher Sprache; es ist doch eine merkwürdige Tatsache, daß Mazedonien in Europa vor dem Kriege zu den unbekanntesten Teilen der Erde gehörte, und daß es keine zusammenfassende Schilderung dieses Landes gab. Ich habe das Bewußtsein, durch mein Buch ein Stück von Europa, welches bisher nur einem kleinen Kreis von Spezialisten mehr oder minder bekannt war, vor den Augen einer größeren Öffentlichkeit zu entschleiern.
Was die Resultate der Forschungen anlangt, so ist an ihnen während des Krieges eine größere Anzahl von Fachleuten in den verschiedensten Wissenszweigen beteiligt gewesen. Deren Veröffentlichung wird sich auf Jahrzehnte erstrecken. Das konnteund wollte ich nicht abwarten. Die zoologischen Ergebnisse konnten sich dank der Mitarbeit zahlreicher Fachmänner soweit sichten lassen, daß ein Überblick über sie in meinem Buch gegeben werden konnte. Auch von den botanischen Forschungen stand mir alles, was für meine Darstellung wesentlich war, durch das kollegiale Entgegenkommen von Prof.Bornmüllerzur Verfügung. So war ich in der Lage, in einem Naturforscherbuch ein Bild des Landes, einen Umriß der Probleme, die dem Biologen das Zentrum der Balkanhalbinsel bietet, zu entwerfen.
Dabei bin ich einer ganzen Reihe von Mitarbeitern zu Dank verpflichtet. Diejenigen, welche draußen mitwirkten, sind in den einzelnen Kapiteln genannt, so auch die verschiedenen Gelehrten, welche mitgebrachtes Material schon so weit bearbeiteten, daß die Resultate angeführt werden konnten.
Für die Durchführung der Expeditionen bin ich außer der Heeresleitung, deren Entgegenkommen an vielen Stellen des Buches hervorgehoben ist, dem badischen Kultusministerium und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für Zuweisung von Geldmitteln zu Dank verpflichtet, welche einige der Gebirgsexpeditionen ermöglichten. Ersterem habe ich ferner die Großzügigkeit bei der Urlaubsgewährung zu danken.
Der reiche Bilderschmuck des Buches besteht meist aus von mir selbst gefertigten photographischen Aufnahmen von Landschaften und Naturgegenständen. Dazu kommen vier farbige Bilder nach meinen Aquarellen. Eine Anzahl Photographien verdanke ich den Kameraden beim Mazedonischen Heer Dr.Laser, Dr.Burmester, Dr.Nachtsheim, Prof.Müller, Dr.Gripp, Dr.Hansen, Dr.Frischholz. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt. Manche nicht im Text genau nach Urheber bezeichnete Bilder rühren von Soldaten her, deren Namen ich nicht weiß, oder haben andere mir unbekannte Urheber. Das sind aber nur einige wenige. Die Tierbilder sind von den Frls.Gottschalk,SchönfeldundLimprecht, die meisten von dem MalerP. Roseangefertigt.
Meinem Verleger Dr.Gustav Fischerbin ich für sein Entgegenkommen bei der Ausstattung des Werkes, die heutzutage etwas ganz Besonderes darstellt, sehr zu Dank verpflichtet.
Breslau, im November 1920.