The Project Gutenberg eBook ofMeeresfischeThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: MeeresfischeAuthor: Kurt FloerickeRelease date: September 24, 2018 [eBook #57967]Language: GermanCredits: Produced by The Online Distributed Proofreading Team athttp://www.pgdp.net*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: MeeresfischeAuthor: Kurt FloerickeRelease date: September 24, 2018 [eBook #57967]Language: GermanCredits: Produced by The Online Distributed Proofreading Team athttp://www.pgdp.net
Title: Meeresfische
Author: Kurt Floericke
Author: Kurt Floericke
Release date: September 24, 2018 [eBook #57967]
Language: German
Credits: Produced by The Online Distributed Proofreading Team athttp://www.pgdp.net
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Meeresfische
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, StuttgartDie Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. — Dieses Ziel glaubt die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen mittels desKosmos, Handweiser für NaturfreundeJährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungen vorbehalten):Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.Diese Veröffentlichungen sind durchalle Buchhandlungenzu beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zumKosmos, Gesellschaft der Naturfreunde(auch nachträglich noch für die Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)Geschäftsstelle des Kosmos:Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart
Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. — Dieses Ziel glaubt die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen mittels des
Kosmos, Handweiser für NaturfreundeJährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;
ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungen vorbehalten):
Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.
Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.
Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.
Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.
Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.Reich illustriert. Geheftet M 1.— = K 1.20 h ö. W.
Diese Veröffentlichungen sind durchalle Buchhandlungenzu beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zumKosmos, Gesellschaft der Naturfreunde(auch nachträglich noch für die Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)
Geschäftsstelle des Kosmos:Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
VonDr. Kurt FloerickeMit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmenund Zeichnungen von OberlehrerW. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a.und einem Umschlagbild von Willy Planck
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StuttgartKosmos, Gesellschaft der NaturfreundeGeschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung1914
Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten.
Copyright 1914 byFranckh'sche VerlagshandlungStuttgart
STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREIHOLZINGER & Co., STUTTGART
signet
Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt und aufgepeitscht von heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weißgekrönte Wogenkämme wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wälzt, Leichen auf seinem Rücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu vernichten droht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanft und ruhig atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tun läßt in die Tiefe mit ihrem so eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu ernähren, die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einen leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen, ihre Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraft anzuregen. Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber nur langsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle der Erscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000 Fischarten in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Maße geeignet, unsere Kenntnis von den Lebensgewohnheitender Seefische zu erschweren; so sehr sie auch während der letzten Jahrzehnte durch die überraschenden Fortschritte der Meeresforschung gefördert worden ist, so wenig ist doch ausführlichere Kunde davon in die große Masse der heutigen Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung der Küstenländer schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die allergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwürdigen Lebensführung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender Bedeutung nicht nur für das gesamte Wirtschaftsleben unserer Küstenprovinzen, sondern auch für die Fleischversorgung unseres gesamten Vaterlandes, da bei den ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus Westafrika bringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagern in 23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im Binnenlande eine fortwährend zunehmende Wichtigkeit erhält.
Die deutscheHochseefischerei, die jetzt zumeist mit eigens dazu ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen, obgleich es noch lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die Engländer auf diesem Gebiete besitzen, einigermaßen wettgemacht haben wird. Sie beschäftigt über 30000 wettergestählte Männer, die in ihrem gefahrvollen und anstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges kämpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, daß die gesamte Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles, um sie zuheben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien für Fischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit den wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt, überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die Erträge der Seefischerei gesteigert werden können, ersieht man aus der englischen Statistik. An den dortigen Küsten wurden beispielsweise im Jahre 1906 20½ Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326 Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständig mit einem telephonischen Empfänger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung werden die Fischer frühzeitig von dem Herannahen und der Richtung der großen Fischzüge in Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art schließen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende Geräusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser. Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch müssen wir für nahezu 120 Millionen jährlich vom Ausland beziehen, während unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen beträgt. Unter den eingeführten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu, namentlich seit das frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich. Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischen Markthallen. So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000 kg frische Seefische durch die städtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im Vergleiche zu der Statistikdes Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl freilich noch recht geringfügig. Dort kommen während der kühlen Jahreszeit Tag für Tag 110–115000 kg Meeresbewohner in die städtischen Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei uns macht nach den Berechnungen von König und Splittgerber das Fischfleisch nur ⅛–1⁄10des überhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen jährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf Seefisch entfallen und 40–50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind, sodaß nur 3,5–4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen ist dessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist und wegen der kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher zur Sättigung in größerer Menge genossen werden muß. Bei Räucherfischen kommt dieser Übelstand ohnedies in Wegfall, während bei eingemachten Fischen ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maße beeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst körperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz für anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweise das Militär zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns in dieser Beziehung noch nicht weit über tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzügliche Eiweißpräparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her.
So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen planmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durch reiche Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht, und vom Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der Reichtum der See, aber unerschöpflich sind sie nicht, und rücksichtsloser Raubbau muß sich schließlich auch hier bitter rächen wie überall. Namentlich in der Nordsee, wo heute alljährlich 600 Dampfer und 5000 Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen von Überfischereibemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind große Seezungen und Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu befürchten, daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch wenige das laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrer Art sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf 4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß ausgedehnte und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründe in den afrikanischen, südamerikanischen und australischen Gewässern der Fischereiwirtschaft überhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit ⅕–¼ beteiligt ist, keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Rußland 6%, auf Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2½%, auf Italien 1½%. Während das kleine Japan mit 10½% recht stattlich dasteht, spielt Deutschland mit nur 2½% in dieser Liste noch immer eine ziemlich klägliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemühungen einer einsichtigen Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch Österreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria mit ihrem prächtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug auf die Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch als recht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfen dort die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerung von Triest und Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrüßt alljährlich mit Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille, weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von ärmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und Polenta und sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der auf Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt, hat dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnenvermocht, und daran sind alle Bemühungen zur Schaffung eines großzügig eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder minder gescheitert.
Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzen erreichbare Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichen Bänken und Untiefen wimmelt es fast buchstäblich von Fischen, nur daß sich diesen Segen in früheren Zeiten fast ausschließlich die Engländer zunutze zu machen verstanden, während mehr als 2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein deutscher Fischkutter anzutreffen war. ”Das deutsche Meer“, so heißt es in einem englischen Gutachten, ”ist ertragsfähiger als unser Ackerland; unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als diese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse; auf einer ebenso großen Wasserfläche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fünf Fischereiboote zogen in einer einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen großen Fläche des deutschen Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden, erzogen und gemästet worden.“ Mag dieses Urteil auch ein übertriebenes und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, daß man bei uns lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu würdigen verstand und sich erst in neuester Zeit allmählich seiner ungeheuren volkswirtschaftlichen Bedeutung bewußt geworden ist. Selbst die der Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung weit über, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und Norwegen, wo ein großer Teil der Bevölkerung ohne Fischerei gar nicht bestehen könnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zählt. Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als blindlings unternommene Plünderungszüge, Raubbau schlimmster Art, förmliche Seeräuberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines Besseren zu besinnen und dieSache planmäßiger zu gestalten. Das ist auch dringend nötig. Wir müssen lernen, die flüssige, sich selbst befruchtende Fläche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir müssen hier wie dort pflügen, hegen und ernten lernen, müssen ebenso gute Wasser- wie Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugänglich zu machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch erblühte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwüstlichem Übermut im Meere fortwährend auswirft, aber mit demselben Übermute ebenso massenhaft wieder verderben und verschlingen läßt, erhalten und zu einer unerschöpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln können. Freilich geht die Zeugungskraft des Meeres über unsere kühnsten Vorstellungen hinaus, aber schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafür, daß eine so außerordentliche Fülle des Lebens unmöglich sich voll entfalten kann, denn sonst würde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschöpfe. Wenn auch jeder Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fällt es zum weitaus größeren Teil doch ebenso schnell der unersättlichen Gier der Meeresräuber zur Beute, sodaß nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung gelangt und dem Menschen später zur Speise dienen kann. Daher sichert uns auch die unerschöpflich erscheinende Fülle des Lebens im Meer nicht vor einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, daß die Wälder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen könne, und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber trotz der gemachten herben Erfahrungen wüsten wir in der gleich tollen und rücksichtslosen Weise auf die Schätze des Meeres los, nach dem alten, leichtsinnigen Worte ”Nach uns die Sintflut“. Erst in letzter Zeit machen sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch Aufhellung der früher so rätselhaften Wanderzüge der Fische und die Erforschung ihrer Ernährungsverhältnisse, insbesondere durch die Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmäßigen Bewirtschaftung des Meeres gewiesen. Schlägt mandiesen zielbewußt und unter Zuhilfenahme aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch in Zukunft ohne wirklichen Dünger und eigentliche Aussaat goldene Ernten bringen.
Anstrengend und beschwerlich in hohem Maße wird die Seefischerei freilich immer bleiben, und auch nicht ungefährlich, denn mit dem trügerischen Gott der Wogen und Winde läßt sich ein festes Abkommen nun einmal nicht treffen. Aber die Beschäftigung auf dem Wasser ist gesund, stählt den Körper, schärft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet — und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu — die Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule für leistungsfähige Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere gewohnt, mit seinen Tücken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist, der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen die Engländer von ihrer ”Fishing-natured navy“ (der durch die Fischerei genährten Seemacht). Ganze Männer erfordert die Fischerei jederzeit, ganz besonders bei stürmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis überzogen sind, die Segel vor Frost knarren und ächzen und der Wind die prickelnden Schneekristalle in die Augen bläst. Wie oft habe ich dann nicht unsere Nehrungsfischer nach mehrtägigem Aufenthalt auf See halb erfroren ankommen sehen, ohne daß sie auch nur einen Schwanz gefangen hätten. Aber ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein kleines Vermögen in den Schoß. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von so ausschlaggebender Bedeutung ist sie für alle Küstenvölker, daß sie nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen Seeherrschaft den Heringszügen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten Testaments beschäftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und unternehmende Händler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche Fischer und Fischkenner waren die Römer, und bei ihren üppigen Tafelgenüssen spielten die Schuppenträger eine große Rolle. Antonius und Kleopatra ergötzten sich an der Seefischerei,Trajan betrieb sie mit Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus ließ einen kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu können, gewissenlose Schwelger mästeten ihre fetten Muränen mit dem Fleisch ins Wasser gestürzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal ließ die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen Todesqualen zu ergötzen, und würzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus echten Perlen.
Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei, in ungleich höherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen erdröhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum Ausbringen des Netzes haben begonnen. Längs der Reeling liegen an Back- und Steuerbord zwei riesige Baumstämme, an denen das Fang- und das Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mächtige eiserne Bügel von über Mannesgröße angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen über Grund den Baum freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitän ist auf seinem Posten am Ruder — alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, daß der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manöver stattfinden, das Netz würde sonst in die Schraube geraten) — kräftige Fäuste packen das Netz und werfen es über Bord, allmählich treibt es auf und seitwärts nach hinten, einige Mann erfassen den Bügel am Vorderende des Baumes, und polternd schlägt das Ungetüm über die Reeling in die hoch aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bügel über Bord geworfen — einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht — die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus — das Schiff fällt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf — das Manöver ist beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, während dessen der Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6–8 Stunden lang vor seinem Netze durch die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langenund sorgfältig für diesen Zweck ausgewählten Buchen- oder Eichenstamm geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird überdies noch mit Karbolineum getränkt, hält aber trotzdem selten länger als ein halbes Jahr aus. Das Netz hat eine Länge von etwa 75 Metern und ist nach Art der Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte Öffnung streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack, den eigentlichen Behälter, der vorn durch einen lose aufliegenden Netzteil nach innen geschlossen wird, so daß die Fische wohl hinein, nicht aber heraus können. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse über den Grund geschleppt (Abb. 1).
see captionAbb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter offengehalten).Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.
Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter offengehalten).Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.
Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichmaß, und mit gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug entgegen. Nichts hört man, als das einförmig träge, schwerfällig stampfende Getön der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder steht der Kapitän am Ruder — ein Zeichen — der Dampfer luvt an, und die durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch dröhnendes Getöse, indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck hereinzwängt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn gehievt, dann eine ”Taille“ von mächtiger Stärke eingehakt, und nun heißt es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Koloß natürlich auch nur die Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunächst wird das Achterende vorgehievt, dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes Seeungetüm Baum und Netz allmählich über Wasser, höher und höher, und endlich donnert, übergeholt, der eiserne Bügel auf Deck. Im gleichen Augenblick faßt die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die Leute über und holen mit Anstrengung aller Kräfte ruckweise Stück für Stück herauf. Rauher Gesang muß die saure Arbeit erleichtern, und ein graubärtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitän mit langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte Mannschaft — alle nach einer bestimmten Stelle. Plötzlich steigen an dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberfläche, und darunter aus der Tiefe kommt es grünlich schimmernd höher und näher: es ist der Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen birgt. Ein vergnügtes Schmunzeln wetterleuchtet über das zerknitterte Gesicht des Kapitäns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen besteht hauptsächlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch, daß man den weißschimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewölbter Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen herausragen. Wieder beginnt das Dröhnen der Winde, unendlich langsam und schwerfällig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lüfte, der Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord über unter der Last, die jetzt, hereingeschwungen, über dem Vorschiff schwebt. Vergeblichversucht man, den schürzenden Knoten zu lösen, die strotzende Masse im Netz bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen Körperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun — ein dumpfer Schlag aufs Deck — mit einem Ruck hat der Sack sich seines Inhalts entledigt, und plötzlich ist der Raum von einer weiß schimmernden, glitzernden Masse übergossen, die einen Augenblick, als schöpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend, wirr durch- und übereinander drängend ein so verblüffendes Bild des Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, daß es jeder Beschreibung spottet.
Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weißen Leibe gewissermaßen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefräßige Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geöffneten Rachen. Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rändern, kurzem Schwänzchen und einem Kopf, der aussieht, als hätte der Schöpfer sich verzeichnet. Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein ähnliches Getier mit starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rücken und einem ebenso fleckigen Stachelschwanze — ein Rochen oder, wie der Fischer ihn nennt, ein ”Franzose.“ ”Rrrruck, rrrruck“ sagt es plötzlich neben uns — das sind Knurrhähne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben das Petermännchen — ”mecklenburgischer Ritter“ heißt es in der Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der harten, scharfkantigen Rückenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit schmächtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber nicht im Geschmack. Hallo — ein Hai? Wahrhaftig — die dreieckige Rückenflosse, der weiße Bauch, der zurückspringende Unterkiefer — alles stimmt. In Sprüngen schiebt sich der meterlange Bursche über die anderen Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die wie mit einer Art Füllsel durchsetzt ist von schlammüberzogenen Muscheln und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens, ”Seehenne“ benannt. Da schnellt es auf, ein großer, schlanker und schöner, man könnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlänge mit fadenförmigem Auswuchs am Unterkiefer — der Lengfisch. Daneben ein Seehecht mit dem gefährlichen Gebiß, dem man besser im Bogenaus dem Wege geht. Wer zählt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine, Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und darüber krabbelt und kriecht es — Seespinnen mit gespenstigem Kopf und langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaßen, auf deren gepanzertem Rücken sich eine ganze Welt von Schmarotzern häuslich eingerichtet hat. Ein mächtiger Hummer öffnet die gewaltigen Scheren zum Angriff — mitten aus dem glänzenden Weiß der Fischleiber hebt er sich funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung überraschend an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit plötzlich mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fällt dabei ausglitschend mitten unter die Fische. ”Ein Kater — ein Kater!“ Richtig — ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wäre der Matrose nicht so leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm entspricht auch alles übrige — der Körper hat keine eigentlichen Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rücken keine eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mähne. Das Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzähnen besetzt, Zunge und Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zähne gerät, wird rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins Maul, in den er sich sofort derart verbeißt, daß er daran aufs Achterdeck geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft, aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der Käufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen würde. Aus der gegerbten Haut werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwürdiger Schlingel ist da — ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dämon der Seekrankheit bezeichnen könnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den wässerigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von Poseidon geplagten Menschenkindes aus.
Die Mannschaft beschäftigt sich zunächst mit dem Auslesen der Fische in eine große Anzahl weidengeflochtener Körbe, deren jeder 50–60 kg faßt. Hand in Hand damit geht auch das Abtöten und Ausweiden. Kreischende Geschwader von Möwen und Seeschwalbensowie ganze Züge von ”Meerschweinen“ (Delphinen) folgen dem leckeren Fraß versprechenden Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann treten Männer mit Schlauch und Besen an, reinigen zunächst durch einen starken Wasserstrahl den Inhalt der Körbe und säubern dann das Deck, nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln und dgl. über Bord geschaufelt haben. So hält man heute durch strenge Reinlichkeit die widerwärtigen Ausdünstungen der Fischrückstände von den Dampfern fern, die früher für Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schließlich wird der ganze Fang unter Bord verstaut, und mit vergnügtem Gesicht trägt der Kapitän die Anzahl der Körbe in sein Tagebuch ein.
Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hängt der aufgezogene Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als ein ärmlich-schrumpeliges Päckchen minderwertiger Fische. Das ist immer noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trümmer eines Wracks gerät, wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann enthält es nur in Tang und Schlick gehülltes Trümmerwerk aller Art mit unkenntlichen, schlammigen Anhängseln, ist überdies meist zerrissen und macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt sich Tag für Tag ab in regelmäßigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug. Man hört währenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, ißt nur Fische, und so vermag man schließlich auch kaum noch etwas anderes zu denken als Fische. Jedermann begrüßt es deshalb als Erlösung und willkommene Abwechslung, wenn endlich alle Körbe gefüllt sind und der Kiel heimwärts gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Löschen. In den Fischschuppen ertönt das Getöse der Eismaschine, die die großen Blöcke zu Grus zermalmt. Gebückte Gestalten schichten in strohbelegte Körbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher Schnelligkeit (Abb. 2). Draußen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei, um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn es dort am nächsten Morgen auf dem Wochenmarkte angebotenwird, sind die Fischer längst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus.
see captionAbb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen.(Aus dem Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)
Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen.(Aus dem Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)
Seit Jahrhunderten ist derHering(Clúpea haréngus) derjenige Fisch, dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines hohen Nährwerts wegen von den Küstenbewohnern des nördlichen Europa am meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat für die Ernährung breiter Volksschichten eine auch nur ähnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist der Fisch des Armen, ein Fleisch für alle, eine unentbehrliche Zukost für weite Kreise, ein wahrer Segen für unsere Küstenbevölkerung. Aber er bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste überzogen, im Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes ärmlichste Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf üppiger Tafel und hat sich überdies auch noch das unerschütterliche Zutrauen aller feuchtfröhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen, wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu. Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von Orleans, als die Engländer von den Franzosen hart bedrängtund ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die Ermatteten wieder zu Kräften kamen und so den stürmenden Gegner vorerst erfolgreich zurückschlugen. Das war die berühmte ”Heringsschlacht“ bei Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber hätte der Hering (der Name soll mit seinem ”heerweisen“ Erscheinen zusammenhängen, während ihn andere mit der altholländischen Handelsmarke des Rings [hring] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner Wohlfeilheit noch seine ungewöhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und Aufbewahrungsweise hinzugekommen wäre. Namentlich durch das Einsalzen wurde der Fisch auch für den Binnenländer erst recht nutzbar und damit zu einem wichtigen Handelsartikel für die ganze Welt, während früher sein Verbrauch auf kleine Küstenstriche beschränkt war. Ein schlichter holländischer Fischer, Willem Benkels oder Bökels (daher die Ausdrücke ”einpökeln“ und ”Böklinge“ = ”Bücklinge“) soll in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein für den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben. Die Chroniken berichten, daß selbst der weltgebietende Kaiser Karl V., der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern gesalzene Heringe aß und auch recht wohl wußte, daß ”Amsterdam aus Heringsgräten gebaut“ sei, 1536 von Brüssel aus in Begleitung seiner beiden Schwestern, der Königinnen von Ungarn und Frankreich eigens nach dem ärmlichen Fischerdörfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste, um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto von Bamberg, der Bekehrer Pommerns († 1139) das Einsalzen der Heringe gekannt haben.
Über die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten Geschöpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses Fisches wünschenswert machte; späteren Forschungen winkt hier noch ein weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf eigentlich das plötzliche Ausbleibender großen Heringsschwärme aus Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen, zurückzuführen ist, wir können nur annehmen, daß allzu schonungsloser Fang oder uns unbekannte ozeanographische Veränderungen die wirksamen Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, daß Perioden reichen und spärlichen Fangs mit einer gewissen Regelmäßigkeit in bestimmten Zeiträumen für die einzelnen Länder abwechseln. Während im verflossenen Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegünstigten waren und sich an den deutschen Küsten nur ein wenig lohnender Fang ermöglichen ließ, ja die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, daß das neue Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwärme an unsere Küsten, und der reiche Fang war der hart geprüften Fischereibevölkerung wohl zu gönnen. Einzelne Fischerdörfer an der Kieler Föhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fänge von 8 Millionen Stück und mehr. Es war kaum möglich, die Netze ordnungsgemäß einzuziehen, denn Rücken an Rücken gedrängt erfüllten die Fische in dichten Mengen die Flut. Der Preis für Räucherware, die beliebten Bücklinge, ging aber trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Räucherer dafür sorgte, daß der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen konnte. Dagegen wurde auf dem Lübecker Markt der Eimer frischer Heringe (150–200 Stück) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunächst infolge der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack, der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der Sachlage für eine möglichste Klärung und Unschädlichmachung der zahlreichen Abwässer Sorge getragen hat. Früher glaubte man, daß der Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nördlichen Eismeeren habe und von da aus lediglich des Laichgeschäftes halber die südlicheren Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, daß der Hering räumlich nur beschränkte Wanderungen vollführt, die mehr in einem Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So sollen große Heringsvölker ständig in den tiefen Teilen des Atlantik unmittelbar vorder Westküste Irlands und Schottlands wohnen, während die flache Ostsee von unserem Fisch wohl überhaupt nur zur Laichzeit aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfähige Heringe wandern schon und sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar.
Das geübte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraßen einhalten, die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnplätze haben und sich nicht leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begründen. Nach seiner Auffassung entstammt der Hering ursprünglich dem Süßwasser. Dies geht auch daraus hervor, daß die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietäten auf die der Gruppen höherer Ordnung schließen. Deren Scheidung hat sich wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen Südgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am stärksten sein muß. Von hier ist zuerst die Sardine, später die Sprotte ins offene Meer mit seinen gleichmäßigeren Temperatur- und reichlicheren Ernährungsverhältnissen abgewandert, während der Hering am längsten die Mitte zwischen Süßwasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am ähnlichsten ist übrigens der kleine Hering des Weißen Meeres, also die nördlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen Buchten eindringen als die Frühjahrsheringe. Von der überwältigenden Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen für viele Küstenländer bildenden Heringsschwärme vermag sich derjenige, der dieses großartige Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhältnismäßig kleinen Meeresorganismen nährenden Fische zusammen, daß ein dazwischen gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, daß ein in diese fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenesBoot emporgehoben wird und in Gefahr gerät, daß die ”Milch“ der Männchen weithin das Wasser trübt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am Strande, wo außer Tausenden von Fischern auch ungezählte Salzhändler, Faßdaubenverkäufer, Mädchen, Gaukler, landstreichende Prediger und Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszüge. ”Wenn die wirkliche Fischzeit beginnt“, schildert Bertram, ”bemächtigt sich eine Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles denkt nur vom Heringe…. Junge Herzen beten für den Erfolg der Boote ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens größtes Sehnen, den Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten gehobene Stimmung und große Hoffnung hervor; die Besitzer noch unbenutzter Boote scheinen glücklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom Heringe. Es wird verglichen und getüftelt, geweissagt und gewettet, geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft.“ In Norwegen spannt man ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit riesigen Netzwänden ab und fischt dann die Meeresernte allmählich heraus. Dann kann es vorkommen, daß 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so groß, daß auch die vielen Tausende fleißiger Hände ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu bewältigen vermögen, so daß ein großer Teil der eingeschlossenen Fische abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe einen solchen Platz jahrelang meiden sollen.
see captionAbb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.
Abb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.
Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Düngen der Felder verwendet werden müssen, ist die unter Umständen so ergiebige Heringsfischerei doch als eine Art Glücksspiel zu bezeichnen, denn es ist nicht selten, daß die Kutter in stürmischen Zeiten ohne einen einzigen Fisch zurückkehren müssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder Logger zwei führt und damit unter günstigen Umständen in einer Nacht 70–80000 Heringe zu fangen vermag. Während der Nachmittage erfolgt das umständliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe, und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell segelndes Fahrzeug,”Jager“ genannt, übernimmt die bereits an Bord zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch nicht mit der ausländischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die sorgfältige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren Güte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten, großen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Güte, unter Bückling den geräucherten Hering. In England, dem Lande der Rücksichtslosigkeit, verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der Fischerei schwerer Schaden erwächst und die Meere von diesen nützlichen Fischen entvölkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant deshalb jetzt strenge Maßregeln gegen eine derartig gemeingefährliche Raubfischerei.