Zweiter AbschnittDer Beginn des Krieges
Auf dem Weg über die Heliostation Kidodi auf Kilossa zu erhielt ich Anfang August 1914 durch Eilboten ein Telegramm des Gouverneurs, ich müsse sogleich nach Daressalam zurückkommen, und am nächsten Tage die Nachricht, daß Seine Majestät die Mobilmachung befohlen habe, der Kriegszustand sich aber nicht auf die Schutzgebiete bezöge. Ein Telegramm des Staatssekretärs des Reichskolonialamtes forderte zur Beruhigung der Ansiedler auf. Im Gegensatz hierzu nannte ein Funkspruch des Admiralstabes auch England als voraussichtlichen Gegner.
In Kilossa gelang es, einen Güterzug zu erreichen, und so traf ich am 3. August in Daressalam ein. Hier herrschte regste Tätigkeit; die Kriegserklärung hatte mitten in die Vorbereitungen zu einer großen Ausstellung hineingetroffen, zu deren Programm auch die feierliche Eröffnung der Tanganjika-Bahn gehören sollte; zahlreiche Deutsche waren zum Besuch in Daressalam eingetroffen und konnten nicht wieder abreisen. Zum Zweck der Vorbereitungen zur Ausstellung war auch Hauptmann von Hammerstein, Führer der 6. Feldkompagnie in Udjidji, dort eingetroffen, und es war sehr günstig, daß ich diesen tätigen Offizier, mit dem mich außer Gemeinsamkeit der Auffassung auch herzliche persönliche Beziehungen verbanden, sogleich für die Mobilmachung in Anspruch nehmen konnte.
Askari auf der Rast⇒GRÖSSERES BILD
Askari auf der Rast⇒GRÖSSERES BILD
⇒GRÖSSERES BILD
Die Frage, die sich sofort aufdrängte, war die, ob die Kolonie in dem sicher bevorstehenden Weltkriege, in den ja mit größter Wahrscheinlichkeit auch England eingreifen würde, neutral blieb oder nicht. Wie im Anfang bereits ausgeführt, hielt ich es für unsere militärische Aufgabe, feindliche, das heißt also englische Truppen zu fesseln, wenn es irgend möglich war. Dies war aber unausführbar, wenn wir neutral blieben. Es würde dann der Fall eintreten, daß wir, die wir die See nicht beherrschten, mit unserer im Augenblick zwar kleinen Truppe, hinter der aber eine über acht Millionen starke loyale, sehr tüchtige und zum Militärdienst geeignete Bevölkerung stand, untätig verbleiben müßten.Demgegenüber hätte England kein Interesse daran gehabt, aus Rücksicht auf uns auch nur einen einzigen Mann in Ostafrika zu verwenden. England hätte auch den letzten brauchbaren Askari, soweit nicht Rücksicht auf die englische eingeborene Bevölkerung dies beschränkte, zu anderen Kriegsschauplätzen, die wichtiger waren als der ostafrikanische, heranziehen können. Es hätte also für England zweifellos Vorteil gehabt, wenn irgend ein Abkommen uns zur Neutralität verurteilt hätte; das war aber nicht der Fall. Die Kongoakte, die sich auf die äquatorialen Gebiete bezieht, spricht nur davon, daß bei Konflikten von zwei der in Betracht kommenden Mächte eine dritte ihre guten Dienste zur Vermittlung anbieten könnte. Dies ist aber, soweit mir bekannt, von keiner Seite geschehen. Wir waren also nicht verpflichtet, unsere Operationen aus Rücksicht auf irgend ein Abkommen zurückzuhalten. Vom militärischen Standpunkt aus war es nicht für uns, sondern für England ein Nachteil, daß auch auf ostafrikanischem Boden Krieg geführt wurde. Der Umstand, daß wir nicht neutral zu bleiben brauchten, setzte uns in die Lage, mit unserer günstigen Küste dem deutschen Kreuzerkrieg im Indischen Ozean als Stützpunkt und Zuflucht zu dienen. Vor allem aber konnten wir mit unseren wenigen tausend Mann während der ganzen Dauer des Krieges eine gewaltig überlegene feindliche Truppenmacht fesseln.
Die Schutztruppe bestand bei Beginn des Krieges aus 216 Weißen (von denen ein Teil als beurlaubt abzurechnen ist) und 2540 Askari; ferner waren in der Polizeitruppe 45 Weiße, 2140 Askari; dazu kam später das Personal von der „Königsberg“ (die anfänglich ausgelaufen war) mit 322 Mann, und der „Möve“ mit 102 Mann. Im ganzen wurden im Verlauf des Krieges etwa 3000 Europäer zur Truppe eingezogen und etwa 11000 Askari.
In den angegebenen Zahlen ist auch alles enthalten, was nicht focht, wie Polizeischutz, Sanitätspersonal, Magazinbeamte usw. Wie viele Milliarden die versuchte Niederkämpfung unserer geringen Streitmacht gekostet hat, wird ja von englischer Seite wohl einmal selbst dargelegt werden. Dabei hätten wir den Krieg vermutlich noch Jahre lang fortsetzen können.
Für die feindlichen Stärken stehen mir authentische Angaben nicht zur Verfügung, und ich muß den englischen Offizieren und den Pressemeldungen,auf die ich mich berufe, die Verantwortung für die Richtigkeit überlassen. Nach diesen haben über 130 Generale gegen uns im Felde gestanden, die Gesamtstärke der feindlichen Soldaten betrug rund 300000; die Verluste an europäischen und indischen Toten 20000, an Pferden und Maultieren 140000. Diese Zahlen, besonders die Zahl der Generale, scheinen mir allerdings selbst etwas zu hoch gegriffen; ich kann deswegen nur wiederholen, daß sie aus englischer Quelle stammen. Jedenfalls sind es aber recht achtbare Verluste gewesen. Und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die Zahl der gefallenen und gestorbenen schwarzen Soldaten nicht bekannt gegeben ist, dürfte die Gesamtzahl der feindlichen Toten nicht unter 60000 Soldaten betragen. Der Gefechtskalender weist schon heute, obwohl die Nachrichten von Tafel und Wintgens noch fehlen, mindestens tausend Gefechte auf.
Recht interessant war es, in Daressalam in jenen Tagen der Spannung die Tätigkeit des englischen Konsuls King zu beobachten. Er war überall zu sehen, sei es im Offizierskasino zu einer Partie Bridge oder auf der Post, wo unsere Telegramme abgegeben wurden. Die später bei Tanga erbeuteten Dienstvorschriften des englischen Expeditionskorps, die zum großen Teil auf Kings Angaben beruhten, zeigten, wie rührig dieser Mann in der Zeit vor dem Krieg gewesen war und wie ausgezeichnet er über die inneren Verhältnisse unserer Kolonie Bescheid wußte. Seine Beurteilung der einschlägigen Verhältnisse ging so weit, daß er die Europäer verschiedener Gegenden in ihrem Kampfeswert gegeneinander abwog und denen von Daressalam wenig Neigung zum Kampf (stomach for fighting) zusprach. Wenn man ehrlich ist, muß man zugeben, daß es bei einem großen Teil der dortigen Deutschen (und auch der dortigen Behörden) tatsächlich einiger Zeit bedurft hat, bis sie von dem kriegerischen Geist ergriffen wurden, ohne den die Erfüllung unserer Aufgabe nun einmal nicht möglich war.
Recht schwierig war die Lage der von zahlreichen Europäern (dabei vielen Frauen und Kindern) bewohnten Küstenorte, die ja einer Beschießung durch englische Kriegsschiffe in jeder Minute ausgesetzt waren. Der Gouverneur vertrat den Standpunkt, daß eine solche Beschießung unter allen Umständen vermieden werden müßte. Gemäß einer Bestimmung, die allerdings den Fall eines äußeren Krieges nicht berücksichtigte, lag die oberste militärische Gewalt im Schutzgebiet in den Händen desGouverneurs, und beim Aufhören der Verbindung mit der Heimat war es nicht möglich, hierin Wandel zu schaffen; ich mußte mich mit dieser vom militärischen Standpunkt sehr erheblichen Schwierigkeit abfinden und mit der Möglichkeit rechnen, daß bei genauer Ausführung der Anweisungen des Gouverneurs beispielsweise Daressalam und Tanga, also die Anfangspunkte unserer Eisenbahnen und die gegebenen Stützpunkte für feindliche Operationen, die von der Küste aus ins Innere gehen sollten, dem Feinde kampflos in die Hände fielen.
Nach meiner Auffassung konnten wir durch Bedrohung des Feindes in seinem eigenen Gebiete unsere Kolonie am besten schützen. Wir konnten ihn sehr wirksam an einer für ihn empfindlichen Stelle, der Ugandabahn, fassen, und unsere zahlreiche deutsche Ansiedlerbevölkerung des Gebietes unserer Nordbahn (Tanga-Moschi) stand hierzu gewissermaßen aufmarschiert. Aber der von mir schon früher für den Kriegsfall vorgeschlagenen Truppenversammlung im Norden am Kilimandjaro stimmte der Gouverneur nicht zu. Es mußten aber doch, um überhaupt handeln zu können, die über das ganze Gebiet zerstreuten Truppen zusammengerufen werden. Da dies in dem von mir gewünschten Gebiet des Kilimandjaro zunächst nicht erreichbar war, fand die Versammlung der Truppen notgedrungen einen Tagesmarsch westlich Daressalam, auf den Höhen von Pugu statt. Dort traf sich die Daressalamer Kompagnie mit den teils im Fußmarsch, teils mit der Bahn herangezogenen Kompagnien aus Kilimatinde, Tabora, Udjidji, Usumbura und Kissenji.
Die Polizei, welche nach den geringen für den Kriegsfall getroffenen Vorbereitungen sofort zur Schutztruppe treten sollte, wurde wenigstens zum Teil zur Verfügung gestellt, eine Anzahl gediente Askari eingezogen, und so wurden sogleich vier neue Kompagnien (die Kompagnien 15 bis 18) aufgestellt.
Der Beurlaubtenstand an Deutschen wurde nach Bedarf eingezogen und jede Kompagnie zu rund 16 Europäern, 160 Askari und 2 Maschinengewehren formiert.
An einigen Stellen stieß die Einberufung der Europäer zur Waffe auf Schwierigkeiten. Den Besatzungen einiger Schiffe der Ostafrikalinie, die im Hafen von Daressalam lagen, wurde auf ihre Anfrage vom Bahnhofskommandanten irrtümlicherweise geantwortet, daß für sie kein Platz in der Truppe sei. Auf Veranlassung des stellvertretendenGouvernements wurde den Leuten dann ein Revers vorgelegt, nach dem sie sich schriftlich verpflichten sollten, im Kriege neutral zu bleiben. Nachträglich wurde den Mannschaften dieser Verstoß gegen die Wehrpflicht klar, und auch ihr gesundes Empfinden sträubte sich dagegen. Unter Darlegung der Verhältnisse wandten sie sich an mich, der ich von diesen Vorgängen keine Ahnung hatte; glücklicherweise konnte der geplante Akt noch rückgängig gemacht werden, da der Revers noch nicht in die Hände des Feindes gelangt war.
Die Trägerausstattung der Kompagnien schwankte und wird durchschnittlich ungefähr 250 betragen haben. Die im Hafen von Daressalam ungeschützt lagernden Bestände an Waffen, Munition und anderem Kriegsgerät wurden auf verschiedene Plätze des Inneren längs der Bahn verteilt, wo Depots eingerichtet wurden.
Die Ausbildung der Truppen wurde sogleich mit Schwung betrieben, und schon damals bewährte sich die von einem praktischen Kompagnieführer, dem Hauptmann Tafel, angeregte Unkenntlichmachung unserer Kopfbedeckungen durch Gras und Blätter. Es war natürlich die Frage, ob es gelingen würde, mit unseren Askari auch gegen moderne Truppen zu fechten; es wurde dies von manchem alten Landeskenner bestritten. Nach Beobachtungen, die ich während des Aufstandes in Südwestafrika 1904-1906 gemacht hatte, glaubte ich aber, daß auch in dem ostafrikanischen Schwarzen, der ja derselben großen Familie des Bantustammes angehört wie der Herero, Tapferkeit und militärische Tüchtigkeit geweckt werden könnten. Es war das gewiß ein Wagnis; aber dies vereinfachte sich dadurch wesentlich, daß uns gar nichts anderes zu tun übrig blieb.
Alle Organisationsfragen, die sonst im Frieden sorgfältig vorbereitet und durchdacht waren, mußten jetzt im Augenblick behandelt und entschieden werden. Hierzu gehörte die außerordentlich wichtige Regelung des Verpflegungswesens und des gesamten Nachschubs. Es kam darauf an, die großen, auch militärisch wichtigen Straßen in erster Linie zu berücksichtigen. Welche Straßen würden dies wohl sein?
Zunächst stellte sich heraus, wie nachteilig es war, daß zwischen dem Gebiet der Zentralbahn und der Usambarabahn keine Schienenverbindung bestand. Der Verkehr zwischen beiden hatte sich im Frieden zu Schiff von Daressalam nach Tanga abgespielt; jetzt war uns diese Möglichkeit unterbunden.Augenscheinlich war an die Wichtigkeit einer militärischen Benutzung der Bahnen nicht gedacht worden. Als Ersatz mußten wir eine Etappenstraße zwischen Morogoro und Korogwe an der Nordbahn ausbauen. Die zweite Straße führte westlich des Massai-Reservates entlang von Dodoma über Kondoa-Irangi, Ufiome nach Aruscha, und die dritte aus dem reichen Gebiet von Tabora, der Hauptstadt des Wanjamwesilandes, nach Muansa am Viktoriasee und damit in das Gebiet der auch vom Konsul King als wichtigsten unserer Stämme erkannten Wassukuma. Diese Verbindung war auch deshalb bedeutungsvoll, weil sie uns außer den reichen Viehbeständen die Reisernte vom Viktoriasee zuführte. Andere Linien verbanden Kilossa mit den reichen Gebieten von Mahenge, Iringa und sogar Langenburg, welches uns einen großen Teil des Bedarfs an Weizenmehl lieferte.
Nachdem die erste Organisation des Nachschubwesens im großen und ganzen hergestellt war, war es nicht möglich, dies auch weiterhin in seinen Einzelheiten vom Kommando aus zu leiten. Es mußte eine Persönlichkeit gefunden werden, die auf Grund ihrer militärischen Vergangenheit geeignet war, das Nachschubwesen nicht nur vom Standpunkt der Verwaltung aus, sondern auch den oft sehr drängenden militärischen Bedürfnissen entsprechend zu leiten und diesen anzupassen.
Generalmajor z. D. Wahle, der zum Besuch seines Sohnes und der Daressalamer Ausstellung zufällig am 2. August eingetroffen war, stellte sich sofort der Truppe zur Verfügung und übernahm auf meine Bitte die Etappenleitung. Seine Aufgabe war deshalb besonders schwierig, weil da, wo keine Eisenbahnen waren, im wesentlichen nur die eingeborenen Träger benutzt werden konnten. Mir stehen über die Zahlen der für die Zwecke der Truppe in Anspruch genommenen Träger keine Angaben zur Verfügung. Es ist auch sehr schwer, diese Zahlen irgend wie festzulegen. Es gehörten Leute dazu, die nur die Lasten von einem Ort zum andern trugen, ehe sie der ständige Träger übernahm, aber ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich sage, daß im ganzen Hunderttausende von Trägern für die Truppe tätig gewesen sind, die doch auch alle verpflegt und ärztlich versorgt werden mußten.
Von den vielen anderen Schwierigkeiten mag noch eine von besonderer Art erwähnt werden. Das Friedensleben der Europäer in tropischen Kolonien hatte sie aus gesundheitlichen Rücksichten an einengewissen Komfort gewöhnt. Europäische Verpflegung kann man in Ostafrika, wenn man auf Safari (Reise) ist, im allgemeinen nicht kaufen; nur wenige Europäer hatten es gelernt, von den Früchten, welche der Farbige oder die Natur lieferten, zu leben. Unterkunftsmöglichkeiten gibt es selten. Gegen die Moskitos muß man aber geschützt sein. So reiste der weiße Beamte oder Militär kaum mit weniger als 11 Trägern, die außer seinem Zelt, Feldbett und Kleidung auch eine erhebliche Menge an Verpflegung trugen. So hohe Trägerzahlen waren aber für eine Truppe, die beweglich sein sollte, eine Unmöglichkeit. Eine weitere Schwierigkeit ergab sich daraus, daß fast jeder Askari einen Boy hatte. An solchen Desturis (Sitten) zu rütteln, ist bei den naiven Leuten, die durch die Denkungsweise des Islam noch besonders im Festhalten an ihrer alten Überlieferung bestärkt werden, und die außerdem einen großen Stolz und viel Eitelkeit besitzen, besonders schwierig. Es war im einzelnen Falle für den Kompagnieführer nicht immer leicht, hier einen Mittelweg zu finden.
In dem Tropenkriege, der uns bevorstand, spielte die ärztliche Versorgung eine Hauptrolle. Der Eingeborene ist im allgemeinen gegen Malaria in hohem Maße immunisiert, und es kommt selten vor, daß ein Askari daran wirklich erkrankt; manche Stämme aber, die in hochgelegenen, malariafreien Gegenden wohnen, wie beispielsweise die Wadschagga am Kilimandjaro, die deshalb nicht von Jugend auf immunisiert sind, leiden stark an Malaria, sobald sie in die Ebene herunterkommen. Für jeden Europäer wurde von den Abendstunden bis in den Morgen hinein gegen die Malariamücke (Anopheles) streng auf mechanischen Schutz durch ein Moskitonetz gehalten. Ich habe viele Monate am Boden geschlafen, und das Moskitonetz hat mich auch da in hohem Grade geschützt: allerdings habe ich doch zehnmal die Malaria gehabt; denn im Felde ist es nicht immer möglich, die Schutzmaßregeln so anzuwenden, wie es vom gesundheitlichen Standpunkt aus erwünscht ist. Um möglichst jede Kompagnie mit einem Arzt versehen zu können, war es uns hochwillkommen, daß eine stattliche Anzahl Sanitätsoffiziere sich zum Studium und zur Bekämpfung der Schlafkrankheit am Tanganjika und in den südlichen Gebieten, am Rovuma, befand.
Der Betrieb, den diese ganze Tätigkeit der Mobilmachung mit sich brachte, hielt auch den Eingeborenen am Telephon zu Pugu Tag undNacht in Atem, und es war erstaunlich, mit welcher Gewandtheit hier und anderswo der Eingeborene seinen Apparat bediente. Seine große Begabung für Technik hat uns die wertvollsten Dienste geleistet. Reibungen gab es natürlich unendlich viele. Es kam in den ersten Tagen vor, daß Vieh, das aus der Gegend nördlich von Tabora nach Daressalam zur Versorgung der dortigen Zivilbevölkerung geschafft wurde, anderm Vieh begegnete, das gleichzeitig in entgegengesetzter Richtung für Truppenzwecke ging. Ich spüre es noch heute einigermaßen in den Gliedern, wie auf Station Pugu ein solcher, mit schönstem Ausstellungsvieh beladener Zug mit voller Fahrt in einen anderen, worin ich mich befand, hineinfuhr und in dem zur Bearbeitung der Mobilmachung notwendigen Personal beinahe eine recht fühlbare Verminderung angerichtet hätte.
Unser Sammelplatz Pugu liegt etwa 20 Kilometer landeinwärts von Daressalam. Hier war unser Lager am Anstieg der Puguberge. Der Wald ist außerordentlich dicht und das Land mit Eingeborenen- und auch Europäerpflanzungen stark besiedelt. Trotz der etwas erhöhten Lage befindet sich Pugu durchaus in der heißen Küstenzone, und obgleich wir im August noch in der kühlen Jahreszeit standen, war die Temperatur doch so, wie wir sie mit dem Ausdruck „tropisch“ bezeichnen: es ist die drückende, etwas feuchte Hitze, die für den Europäer größere Märsche sehr anstrengend macht.
Wir hatten in jener Zeit für die Europäer noch Zelte und für jeden ein Feldbett mit dem unvermeidlichen Moskitonetz, so daß in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten bestanden. Für Krankheitsfälle wurde in der nahen Pflanzung Wichmann ein vorläufiges Feldlazarett eingerichtet. Unsere Pferde hatten nicht übermäßig zu leiden. Aber doch erkrankten alle unsere Tiere nach und nach an Tsetse. Den Schutz, den wir in Daressalam den Tieren durch einen Tsetse-sicheren Stall gegeben hatten, der mit Drahtgitter in Art der Fliegenfenster versehen war, konnten wir hier im Feldlager ihnen nicht mehr verschaffen.