Aladdin.
Als ich von Langeland nach Hause gekommen war, schrieb ich: „Jesus in der Natur;“ und wagte die Jahreszeit mit ihren verschiedenen Wirkungen als eine Allegorie auf das Leben und die Lehre Jesu darzustellen. Das Hauptgedicht dieser Periode war jedoch „Aladdin“. — Ich ergriff mit jugendlichem Feuerund mit Begeisterung eine der schönsten Scenen aus „Tausend und Eine Nacht“; und die natürliche Aehnlichkeit, die dieses Mährchen mit meinen Lebensverhältnissen hatte, gab dem Ganzen vielleicht etwas Naives und Eigenthümliches, das die Wirkung verstärkte; hatte ich nicht selbst in der bei mir entdeckten Dichtergabe die wunderbare Lampe gefunden, die mich in den Besitz der Schätze der Welt setzte? Und die Phantasie war mir ein Geisterring, der mich überall hinversetzte, wohin ich wollte. Meine Bildung hatte sich spät aber ziemlich rasch entwickelt, gleich Aladdin's, und gleich ihm hatte ich vor Kurzem die Liebe kennen gelernt. Meine Mutter war todt und als ich Aladdin's Wiegenlied auf seiner Mutter Grab schrieb, rannen meine Thränen auf das meiner eignen Mutter. So berührte dieses Mährchen in vielen Punkten meine eigenen Lebensverhältnisse; ich ironisirte auch damit, und war mir dessen während der Dichtung klar bewußt.
Caspar Bartholin.
Einer meiner liebsten Freunde warCaspar Bartholin; er war Officier gewesen, aber ein Sturz vom Pferde, bei dem er, sich die Brust verletzte, zwang ihn, einen stilleren, weniger anstrengenden Lebensweg zu suchen; und — mehr als dieses Unglück zog ihn wohl sein eigner, ausgezeichneter Geist zur Wissenschaft und Kunst. Er machte das juridische Examen; sein Umgang mit Steffens und mit mir wirkte auf ihn ein; er unternahm eine Reise ins Ausland, aber die Verletzung, die er beim Sturze vom Pferde bekommen hatte, kürzte seine schönen Tage, und er starb in Rom — mitten in der Bewunderung des Großen und Schönen an einem Blutsturz. Einen Brief, den er mir von Paris aus sandte, theile ich hier mit.
Paris, den 26. Dec. 1804.
Verzeih, bester Oehlenschläger, daß ich Dir nicht nach Deinem Wunsche und meinem Versprechen eher geschrieben habe. In dem Taumel von Zerstreuungen, in dem ich lebe,läßt sich so etwas leicht aufschieben, und die Folgen des Aufschiebens kennst Du ja! Gott weiß es, daß ich nie mit mehr Sehnsucht an Dich gedacht habe, als gerade hier, ob ich nun mit stiller Bewunderung an den schönsten Denkmälern der Kunst vorüberwandelte, oder ob ich mich über die Flachheit in all' den Unternehmungen und Reden der großen Nation ärgerte, oder auch wenn ich in der Stille an mein Vaterland und an Deine reine Dichterflamme dachte. — Endlich traf ich gestern Friedrich Schlegel. Ich sprach mit Willers, der mir sagte, daß Schlegel hier sei. Ohne Zaudern eilte ich nach Hause, holte Oersted's Brief und im Augenblick hatte ich die halbe Meile zurückgelegt, die ihn von mir trennte. Ich traf ihn allein und, wie ich vermuthete, mit Zend Avesta vor sich. — Er erzählte mir, daß das einzige Nordische, was er gelesen habe, die isländischen Sagen seien, und hieraus nahm ich Veranlassung, von Dir zu erzählen, daß Du daran dächtest, sie zu bearbeiten und bereits begonnen habest. Er versicherte, daß er sehr viel Lust habe, dänisch zu lernen, aber nicht wisse, wo er ein gutes Lexicon hernehmen solle. Ich empfahl ihm eines, das er sich notirte. Zugleich bat er mich, ihm Steffens' Einleitung zu verschaffen. Willst Du mir zu dem Ende nicht behülflich sein, und sie mir durch Oersteds herbesorgen, entweder an das dänische Ministerium oder lieber an Guilleaumeau adressirt, denn ich werde wohl nicht mehr hier sein, wenn es ankommt. Die Kosten werde ich Dich bitten, mir bis zu meiner Rückkehr zu creditiren. Von der „Europa“ ist das vierte Heft herausgekommen. Es war mir eine Freude, die Liebe und Freundschaft zu hören, mit der Alle, die Oersted kennen, von ihm sprechen. — Auch Lehmann ist gekannt und geachtet. — Baggesen spreche ich oft. Er liest mir zuweilen seine Gedichte vor, weint über sie und versichert, daß ihm sein Dichtergenius entflohen sei. Auch von Dir hat er zuweilen gesprochen und wußte nicht einmal, daßder erste Band Deiner Gedichte herausgekommen war. Er schlug die Hände zusammen und entsetzte sich, ja wollte mir fast nicht glauben, als ich ihm sagte, was Du producirt habest und noch zu produciren beabsichtigtest. Wenn ich lange genug hier bliebe, wollte ich Dich bitten, mir fünf bis sechs Exemplare Deiner letzten Gedichte zu senden, damit die gute Sache gefördert werden könne, und es geschehe, wie da geschrieben stehet. Ich würde mir dann ein Vergnügen daraus machen, sie Fr. Schlegel zu verdollmetschen und vielleicht durch ihre Hülfe Baggesen von dem Throne herabstoßen, den er sowohl bei den Dänen, wie auch bei den Deutschen hier usurpirt hat. — Ich möchte Dir gern etwas von Raphael's göttlicher Transfiguration erzählen, seiner heiligen Cäcilia und Jungfrau Maria's Apotheose; aber dies sind ewige Mysterien, die sich nur schauen, nicht von einem Profanen deuten lassen. Wäre ich gleich Dir von der Natur in die heilige Sprache eingeweiht, die eine solche Beschreibung voraussetzt, so würdest Du die Gewalt begreifen, die ich mir anthun mußte, um nicht niederzufallen und sie anzubeten. — Ein Stück von Dominichini (die Leiden der heiligen Agnes) hat nächstdem den größten Eindruck auf mich gemacht. Stelle Dir die schöne Leidende von ihren entmenschten Henkern umgeben vor, die mit der teuflischsten Grausamkeit auf alle mögliche Weise ihre Qualen zu vermehren suchen, während sie mit einer himmlischen Ruhe jeden Schmerz, den sie ihr bereiten, erträgt, und fast über der irdischen Sphäre erhaben zu sein scheint. Nun hebt sie die Augen unwillkürlich zum Himmel, von dort muß ihr Muth kommen, denn er ist mehr, als menschlich. Und siehe, sie werden nicht betrogen, die dort Trost suchen, der Erlöser in seiner Herrlichkeit reicht einem Engel die Märtyrerpalme, der bereits in vollem Fluge scheint, um sie damit zu krönen. Es ist eine wunderbare Wirkung, den der Gegensatz von himmlischer Seligkeit und irdischem Schmerz hervorbringt. Hätte man ein solches Bildstets vor Augen, dann unterwürfe man sich diesem gewiß mit Freude. — In einem sparsam erleuchteten Winkel entdeckte ich vor Kurzem ein Bild, welches von Allen unbemerkt schien, mich aber doch durch seine Wahrheit und seinen Ausdruck, sowie durch einen unendlich schönen Magdalenenkopf frappirte. Es war Christi Abnahme vom Kreuz, und, wie ich richtig vermuthete, von Lucas von Leiden. Tieck hat uns mit bewunderungswürdiger Genauigkeit von diesem Maler unterrichtet, und man braucht nur seine Beschreibung im Gedächtniß zu haben, um Lucas von Leiden's Bilder von denen eines jeden Andern unterscheiden zu können. Von Albrecht Dürer sind hier nur sehr wenige, und seine Bilder sind auch nicht sehr geachtet. Kurz vor meiner Ankunft wurde eins seiner größten Gemälde für 400 Frcs. verkauft. — Apoll von Belvedere hat mich von allen Statuen am Meisten angezogen. Es ist die idealste Form, die Du Dir vorstellen kannst und es ist unmöglich, ihn für etwas Anderes als den Gott der Poesie und alles Großen und Herrlichen in der Natur zu halten. Ihm gegenüber prangt seine Halbschwester Venus. Aber man vergißt sie ganz, wenn man ihn sieht, es ist als ob der Ausdruck der Liebe auch in seiner Form läge. Dicht neben ihr wird man von einem entsetzlichen Schauer überfallen — bei dem Anblick des Laokoon. Es ist der grausamste Schmerz nach dem Ideal der höchsten Schönheit ausgedrückt, eine ewige Tragödie: der vergebliche Kampf des Menschen gegen das Geschick. — Doch wohin man sieht, fällt das Auge auf etwas unbegreiflich Schönes. Hier bewundere ich den Ausdruck in dem herkulischen Torso, ihm gegenüber in dem sterbenden Fechter; dort frappirt mich die entschiedenste Nachlässigkeit in dem ruhenden Faun, hier die ruhige Freude des majestätischen Herkules bei dem Anblicke seines Sohnes Telephus; — und so sieben Säle hindurch. — Aber ach! — neben all' Dem vermisse ich die classische Erde, verletzt mich die Gleichgültigkeit, und zürne ich überdie Anmerkungen, die man von Zeit zu Zeit über sie hören muß. — In vierzehn Tagen reise ich von hier nach Straßburg, Mainz, Frankfurt, Göttingen und hoffe in sechs Wochen die Freude zu haben, unsern Steffens in Halle zu begrüßen. In drei Monaten hoffe ich Dich wieder umarmen zu können und versichere Dich der Freundschaft und Achtung, mit der ich verbleibe Dein treuer
Verzeih, bester Oehlenschläger, daß ich Dir nicht nach Deinem Wunsche und meinem Versprechen eher geschrieben habe. In dem Taumel von Zerstreuungen, in dem ich lebe,läßt sich so etwas leicht aufschieben, und die Folgen des Aufschiebens kennst Du ja! Gott weiß es, daß ich nie mit mehr Sehnsucht an Dich gedacht habe, als gerade hier, ob ich nun mit stiller Bewunderung an den schönsten Denkmälern der Kunst vorüberwandelte, oder ob ich mich über die Flachheit in all' den Unternehmungen und Reden der großen Nation ärgerte, oder auch wenn ich in der Stille an mein Vaterland und an Deine reine Dichterflamme dachte. — Endlich traf ich gestern Friedrich Schlegel. Ich sprach mit Willers, der mir sagte, daß Schlegel hier sei. Ohne Zaudern eilte ich nach Hause, holte Oersted's Brief und im Augenblick hatte ich die halbe Meile zurückgelegt, die ihn von mir trennte. Ich traf ihn allein und, wie ich vermuthete, mit Zend Avesta vor sich. — Er erzählte mir, daß das einzige Nordische, was er gelesen habe, die isländischen Sagen seien, und hieraus nahm ich Veranlassung, von Dir zu erzählen, daß Du daran dächtest, sie zu bearbeiten und bereits begonnen habest. Er versicherte, daß er sehr viel Lust habe, dänisch zu lernen, aber nicht wisse, wo er ein gutes Lexicon hernehmen solle. Ich empfahl ihm eines, das er sich notirte. Zugleich bat er mich, ihm Steffens' Einleitung zu verschaffen. Willst Du mir zu dem Ende nicht behülflich sein, und sie mir durch Oersteds herbesorgen, entweder an das dänische Ministerium oder lieber an Guilleaumeau adressirt, denn ich werde wohl nicht mehr hier sein, wenn es ankommt. Die Kosten werde ich Dich bitten, mir bis zu meiner Rückkehr zu creditiren. Von der „Europa“ ist das vierte Heft herausgekommen. Es war mir eine Freude, die Liebe und Freundschaft zu hören, mit der Alle, die Oersted kennen, von ihm sprechen. — Auch Lehmann ist gekannt und geachtet. — Baggesen spreche ich oft. Er liest mir zuweilen seine Gedichte vor, weint über sie und versichert, daß ihm sein Dichtergenius entflohen sei. Auch von Dir hat er zuweilen gesprochen und wußte nicht einmal, daßder erste Band Deiner Gedichte herausgekommen war. Er schlug die Hände zusammen und entsetzte sich, ja wollte mir fast nicht glauben, als ich ihm sagte, was Du producirt habest und noch zu produciren beabsichtigtest. Wenn ich lange genug hier bliebe, wollte ich Dich bitten, mir fünf bis sechs Exemplare Deiner letzten Gedichte zu senden, damit die gute Sache gefördert werden könne, und es geschehe, wie da geschrieben stehet. Ich würde mir dann ein Vergnügen daraus machen, sie Fr. Schlegel zu verdollmetschen und vielleicht durch ihre Hülfe Baggesen von dem Throne herabstoßen, den er sowohl bei den Dänen, wie auch bei den Deutschen hier usurpirt hat. — Ich möchte Dir gern etwas von Raphael's göttlicher Transfiguration erzählen, seiner heiligen Cäcilia und Jungfrau Maria's Apotheose; aber dies sind ewige Mysterien, die sich nur schauen, nicht von einem Profanen deuten lassen. Wäre ich gleich Dir von der Natur in die heilige Sprache eingeweiht, die eine solche Beschreibung voraussetzt, so würdest Du die Gewalt begreifen, die ich mir anthun mußte, um nicht niederzufallen und sie anzubeten. — Ein Stück von Dominichini (die Leiden der heiligen Agnes) hat nächstdem den größten Eindruck auf mich gemacht. Stelle Dir die schöne Leidende von ihren entmenschten Henkern umgeben vor, die mit der teuflischsten Grausamkeit auf alle mögliche Weise ihre Qualen zu vermehren suchen, während sie mit einer himmlischen Ruhe jeden Schmerz, den sie ihr bereiten, erträgt, und fast über der irdischen Sphäre erhaben zu sein scheint. Nun hebt sie die Augen unwillkürlich zum Himmel, von dort muß ihr Muth kommen, denn er ist mehr, als menschlich. Und siehe, sie werden nicht betrogen, die dort Trost suchen, der Erlöser in seiner Herrlichkeit reicht einem Engel die Märtyrerpalme, der bereits in vollem Fluge scheint, um sie damit zu krönen. Es ist eine wunderbare Wirkung, den der Gegensatz von himmlischer Seligkeit und irdischem Schmerz hervorbringt. Hätte man ein solches Bildstets vor Augen, dann unterwürfe man sich diesem gewiß mit Freude. — In einem sparsam erleuchteten Winkel entdeckte ich vor Kurzem ein Bild, welches von Allen unbemerkt schien, mich aber doch durch seine Wahrheit und seinen Ausdruck, sowie durch einen unendlich schönen Magdalenenkopf frappirte. Es war Christi Abnahme vom Kreuz, und, wie ich richtig vermuthete, von Lucas von Leiden. Tieck hat uns mit bewunderungswürdiger Genauigkeit von diesem Maler unterrichtet, und man braucht nur seine Beschreibung im Gedächtniß zu haben, um Lucas von Leiden's Bilder von denen eines jeden Andern unterscheiden zu können. Von Albrecht Dürer sind hier nur sehr wenige, und seine Bilder sind auch nicht sehr geachtet. Kurz vor meiner Ankunft wurde eins seiner größten Gemälde für 400 Frcs. verkauft. — Apoll von Belvedere hat mich von allen Statuen am Meisten angezogen. Es ist die idealste Form, die Du Dir vorstellen kannst und es ist unmöglich, ihn für etwas Anderes als den Gott der Poesie und alles Großen und Herrlichen in der Natur zu halten. Ihm gegenüber prangt seine Halbschwester Venus. Aber man vergißt sie ganz, wenn man ihn sieht, es ist als ob der Ausdruck der Liebe auch in seiner Form läge. Dicht neben ihr wird man von einem entsetzlichen Schauer überfallen — bei dem Anblick des Laokoon. Es ist der grausamste Schmerz nach dem Ideal der höchsten Schönheit ausgedrückt, eine ewige Tragödie: der vergebliche Kampf des Menschen gegen das Geschick. — Doch wohin man sieht, fällt das Auge auf etwas unbegreiflich Schönes. Hier bewundere ich den Ausdruck in dem herkulischen Torso, ihm gegenüber in dem sterbenden Fechter; dort frappirt mich die entschiedenste Nachlässigkeit in dem ruhenden Faun, hier die ruhige Freude des majestätischen Herkules bei dem Anblicke seines Sohnes Telephus; — und so sieben Säle hindurch. — Aber ach! — neben all' Dem vermisse ich die classische Erde, verletzt mich die Gleichgültigkeit, und zürne ich überdie Anmerkungen, die man von Zeit zu Zeit über sie hören muß. — In vierzehn Tagen reise ich von hier nach Straßburg, Mainz, Frankfurt, Göttingen und hoffe in sechs Wochen die Freude zu haben, unsern Steffens in Halle zu begrüßen. In drei Monaten hoffe ich Dich wieder umarmen zu können und versichere Dich der Freundschaft und Achtung, mit der ich verbleibe Dein treuer
C.Bartholin.
Zusammenleben mit Steffens.
Zwei Sommer hatte ich mit Steffens auf der Friedrichsberger Allee gewohnt. Hier schrieb ich den Schlaftrunk, Freia's Altar und Thor's Reise. Der Procurator Bjerring, den ich von Dreyer's Klub her kannte — er war Einer von der alten Schule und also selten mit mir einig — schlug mir einmal im Scherz vor, als ich ihm in der Allee begegnete, daß Steffens und ich uns malen und die Bilder vor dem Hause, wie bei den Thierbuden heraushängen lassen sollten. Herrliche Tage verlebte ich da mit meinem Freunde, doch darf ich bei dieser Gelegenheit nicht vergessen, eines tragikomischen Auftrittes zu erwähnen.
Wir wohnten Parterre und die Fensterläden wurden an jedem Abend geschlossen, woraus folgte, daß es dann stockfinster war, bis sie wieder geöffnet wurden. Nun hatte ich in jenen Jahren und noch viele Jahre hindurch einen wunderbaren Traum, eine Art Alpdrücken, das oft wiederkehrte. Ich träumte nämlich, daß ich in meinem Bette lag, was wirklich der Fall war, ich erkannte meine Schlafkammer deutlich wieder, obgleich es dunkel war, — und nun entdeckte ich einen Räuber mit einem Dolch, der herbeischlich um mich zu durchbohren. Ich erhob mich leise in Todesangst, um aus dem Bette zu springen, mich hinter ihn zu schleichen und ihm den Dolch aus der Hand zu reißen. — Kaum setzte ich den Fuß auf den Boden, so erwachte ich und fand mich mit nackten Füßen, zitternd mitten im Zimmer. Ich legte mich dann gleich wieder zu Bett und schlief ruhig denübrigen Theil der Nacht. — Erst in späteren Jahren, als ich nicht mehr meinen gewöhnlichen Abendschnaps trank und im Sommer Wasser in den Wein goß, blieb der Räuber fort. Meine Gespräche mit Steffens, durch die zuweilen die Phantasie aufgeregt wurde und das Blut in stärkere Bewegung kam, trugen wohl auch Etwas dazu bei, den Räuber herbeizulocken. Ich habe bereits erzählt, daß ich einmal früher bei Steffens aus dem Bette sprang; damals lief es doch friedlich ab und er merkte nichts. — Aber hier in der Allee weckte ich ihn eines Nachts mit einem entsetzlichen Geschrei, als ob mir ein Messer in den Hals gestoßen worden wäre. „Mein Gott!“ — rief er — „was giebts?“ — „„Räuber!““ — röchelte ich. — „„Sie ermorden mich.““ — „Allmächtiger Gott!“ rief Steffens und stürzte aus dem Bett, in dem stockfinstern Zimmer über mich hin, wo er durchaus Nichts unterscheiden konnte, und mir also auf mein Wort glauben mußte. Nun hatte ich mich gefaßt. „„Ach!““ — seufzte ich langsam und ruhig — „„es war nur ein Traum!““ Aber nun war die Reihe des Phantasirens an ihn gekommen. „Das ist, hol' mich der Teufel, gleichgültig!“ — rief er — „ich muß Gewißheit haben; ich schlage Feuer. Ich hole meinen Säbel!“ So hörte ich ihn in das andere Zimmer tappen; er zündete Licht an und es dauerte nicht lange, so kam er mit drohender Miene und gezogenem Schwerte. Nun glaubte ich, daß er verrückt geworden sei, und rief: „„Steffens, um Gottes Willen, sei doch vernünftig! Der Traum hat aufgehört.““ Aber da verwandelte sich seine Wuth gegen die Räuber in Aerger gegen mich. „Ja, mein Bester!“ sagte er, „das ist ganz gut, aber es ist doch zu toll, solche Träume zu haben, besonders wenn die Fensterläden geschlossen sind. Ich mußte Dir ja aufs Wort glauben.“ „„Ich danke Dir, bester Freund!““ — entgegnete ich, — „„für Deine Tapferkeit und Deine Hülfe, in der Noth soll man seine wahren Freunde erkennen. Aber sei nun nicht böse darüber, daß kein wirklicher Mörder hier ist. Ich werde mich in der Zukunft vernünftigerer und wahrerer Träume befleißigen.““
Eine Sonnenfinsterniß.
Als Steffens fortgereist war, spielten mir die geschlossenen Fensterläden einen andern Streich. Ich hatte einen alten verunglückten schwedischen Schuhflicker zum Aufwärter, der zugleich mein Frühstück besorgte. Zuweilen schmierte er meine Stiefeln mit Butter ein, wenn er keine Stiefelwichse hatte. Er hatte Frau und Kinder in der Stadt, kam aber jeden Morgen um 7 Uhr zu mir heraus, öffnete die Fensterläden und weckte mich wenn ich schlief. Eines Abends hatte ich gehört, daß am nächsten Morgen um 5 Uhr eine große Sonnenfinsterniß eintreffen würde. Ich dachte: „die mußt Du auch sehen!“ schwärzte ein Stück Fensterglas über dem Lichte, um dadurch in die Sonne hinaufzuschauen, und sagte zum Schuhflicker, er müsse etwas vor 5 Uhr auf dem Platze sein, die Fensterläden öffnen und mich wecken. Am nächsten Morgen erwachte ich von selbst, es war still und finster rund um mich her, ich drückte den Kopf wieder in die Kissen und schlief weiter. Endlich erwachte ich zum zweiten Male. Noch immer war Alles still und finster. Ich dachte: „Nun muß die Uhr doch bald fünf sein.“ Ich konnte nicht länger schlafen, stand auf, öffnete die Fensterläden ein wenig, um beim Ankleiden sehen zu können und eilte dann durch die Thüre in den Garten, denn ich schlief in einer Gartenstube. Ein blendender Sonnenschein strahlte mir entgegen, aber das störte mich nicht in meinem Vorsatze. Ich nahm mein geschwärztes Glas hervor und starrte aufmerksam in die Sonne. Zwei junge Damen saßen auf einer Bank im Schatten. Nachdem sie mir lange zugesehen hatten, fragte die Eine lachend: „Wonach schauen Sie?“ „„Ich sehe nach der Sonnenfinsterniß, mein Fräulein!““ entgegnete ich, „„aber sie hat wohl noch nicht begonnen. Die Uhr kann wohl nicht weit von Fünf sein?““ „Mein Gott!“ rief sie erstaunt, „es ist ja schon Elf! Die Sonnenfinsterniß ist ja vor sechs Stunden vorüber.“ „„Na,““ rief ich erbittert, „„daran ist wieder kein Andrer, als der verdammte Schuhflicker Schuld! Aber ich will's ihn lehren!““ Sie sahen mich verwundert an, aber als sie hörten, daß er desMorgens nicht da gewesen sei um die Fensterläden zu öffnen, verstanden sie meine Rede.
Seltsame Träume.
Da ich hier von Schlaf und Träumen rede, finde ich den Ort passend, um zwei andere Träume zu erzählen, die ich gehabt habe. Der erste, glaube ich, fällt in jene Zeit, der andere um mehrere Jahre später. Ich habe sie nie vergessen können, und ich erzähle sie ohne Ausschmückung; es wäre leicht, einen amüsanten Traum zu erfinden, dagegen ist es nicht so leicht amüsant zu träumen.
Erster Traum. — Mir träumte, ich läge als Leiche in der Roeskilder Domkirche, in der nördlichen Kapelle, wo die königlichen schwarzen sammtbeschlagenen Särge stehen. Plötzlich hörte ich die Schlüssel an der Gitterthür rasseln, sie ging auf, mein Vater kam mit einem Schwarm Fremder und zeigte ihnen die Kirche, so wie ich ihn oft in meiner Kindheit fremden Leuten das Friedrichsberger Schloß hatte zeigen sehen. Sie näherten sich meinem offnen Sarge und mein Vater sagte: „Dieser arme Mensch, der hier liegt, ist wirklich zu beklagen! Er bildet sich ein daß er noch lebt, während er doch schon lange eine todte Mumie ist. Sehen Sie einmal!“ Hier faßte er mich an der großen Zehe und rieb Etwas davon zwischen den Fingern zu Staub. Er wollte nun mit der Gesellschaft weiter gehen und das Gitter wieder schließen. Ich fühlte mich von einer entsetzlichen Angst ergriffen, daß ich da nun mehrere Tage allein zwischen wirklichen Leichen liegen solle, bis ich selbst stürbe. Ich strengte alle meine Kräfte an, es gelang mir, mich zu erheben, und zu den Fremden hinzuwanken, aber mehr vermochte ich nicht; ich sank wieder zwischen ihnen auf einer Treppe in einen Todesschlummer. „Sehen Sie wohl?“ sagte mein Vater; „lauter Einbildungen! er glaubt immer, daß er noch lebt. Aber wir könnten ihn doch in ein warmes Bett bringen, obgleich ich im Voraus weiß, daß es nichts hilft.“ Kurz darauf befand ich mich in einem hohen schmalen Zimmer, mit dunkelgrünem Damast bekleidet, der von vergoldeten Leisten eingefaßt war.Ich lag in einem Bett, unter einem Thronhimmel mit dicken drappirten Gardinen, gleichfalls von dunkelgrünem Damast; in meinem Schlafgemach herrschte Halbdunkel. Aber dicht daran stieß ein großer Saal voller Menschen, die an einem Tische saßen. Ich hörte Musik, die Teller rasselten, es wurde oft laut gelacht, der Glanz der Kronleuchter strahlte durch das Schlüsselloch zu mir herein, der ich in der dunkeln Einsamkeit da lag, um zu sterben. Eine unbeschreibliche Lust zu leben, die muntern Freuden des Lebens zu genießen, erfüllte meine Brust, und gab mir wieder Kraft, mich zu erheben. Ich sprang aus dem Bett, öffnete die Flügelthüren zum Saale, eilte hin und setzte mich auf einen leeren Stuhl zwischen zwei schöne Mädchen, füllte mein Glas und sang:
„Und soll ich nicht mehr leben frischUnd in die Erde sinken,Will ich doch noch an diesem TischErst lieben — und singen — und trinken!“
„Und soll ich nicht mehr leben frischUnd in die Erde sinken,Will ich doch noch an diesem TischErst lieben — und singen — und trinken!“
„Und soll ich nicht mehr leben frischUnd in die Erde sinken,Will ich doch noch an diesem TischErst lieben — und singen — und trinken!“
Darauf stieß ich mit den Schönen an, küßte sie und leerte mein Glas. Ich fühlte den Rothwein, zu warmem Blute verwandelt, wieder meine Adern füllen und durchströmen; ich war gesund und frisch und — erwachte. Des Verses entsann ich mich noch, und wiederholte ihn so oft, bis ich ihn nicht mehr vergessen konnte.
Der andere sonderbare zusammenhängende Traum, den ich mich entsinne, gehabt zu haben, war folgender: Ich befand mich wieder in einer Kirche, aber sie war klein und hatte einige Aehnlichkeit mit der auf Friedrichsberg. Ich hatte die Musik zu einer Cantate componirt, die nicht von mir gedichtet war. Sie wurde von einer zahlreichen Gemeinde aufgeführt, während der Prediger als Erzbischof, im Purpurgewande, und mit dem Hirtenstab in der Hand vor dem Altare stand. Die Musik war rührend und begeisternd. Alle fühlten sich dadurch bewegt. Aber es war ein Engelchor in der Cantate, den ich nicht zu componiren vermocht hatte, weil der Inhaltzu himmlisch war. In meiner Verlegenheit hatte ich dies verschwiegen; das Concert ging vortrefflich ohne Probe, mit Gesang und Instrumenten vom Blatte, bis man zu dem fehlenden Chor kam, wo Alles schwieg. Es herrschte Todesstille in der Kirche. Endlich fragte mich der Prediger laut vom Altare aus: warum ich nicht auch diesen Chor componirt hätte? Ich antwortete ängstlich: „Ich war es nicht im Stande, ehrwürdiger Herr! Solche Gefühle kann nur ein seliger Geist ausdrücken, der ganz vom Erdenstaube befreit ist.“ — Da öffnete sich eine kleine Thür in der Wand, die Niemand vorher gesehen hatte, nicht weit vom Altar, etwas über dem Haupte des Predigers. Und Ewald stand dort, bleich und freundlich mit Schlafrock und Nachtmütze, eine Rolle Noten in der Hand, die er dem Prediger mit den Worten darreichte: „Ich habe es componirt!“ Im Augenblick war die Oeffnung wieder verschwunden, und die Stelle, wo sie gewesen war, nicht zu erkennen. Die Musik wurde gleich ausgeführt; ihre himmlische Milde läßt sich nicht beschreiben; sie löste meine ganze Seele auf, und ich erwachte, in Thränen gebadet.
Man sieht hieraus, daß mich doch nicht immer Räuber- oder Mörderträume ängstigten, sondern daß ich auch schön träumen konnte; obgleich der erste Traum, trotz seiner poetischen Einkleidung, etwas mit der alten Geschichte gemein hatte, und gleich dem Räubertraume, auf Lebensgefahr und Rettung hinausläuft.
Festgedicht an Steffens.
In dem zweiten Sommer unserer Bekanntschaft reiste Steffens nach Halle, und holte seine schöne Braut,Hanna Reichardt. Hierdurch wurde unser gesellschaftlicher Kreis vergrößert und belebt. Zu ihrer Ankunft veranstaltete ich ein Fest, an dem auch Camma Rahbek und meine Schwester Theil nahmen. Bei dieser Gelegenheit schrieb ich mein erstes deutsches Gedicht, damit die junge deutsche Frau es verstehen solle. Es lautete, mit wenigen Veränderungen, ungefähr so:
Es war einmal ein JunggesellVoll Eigensinn;Der wollte, wie ein flücht'ger Quell,Ins Weite hin;Es ward ihm gar zu eng und wehIm alten Haus,Drum sagt der wilde Bursch Ade,Und zog hinaus,Und fuhr auf die Fluthen nach Norweg.Der Herr Gott ließ die Winde los,Beim Strafgericht:[2]Der Jüngling fiel in Meeresschoos;Doch starb er nicht.Ganz trocken bald — ich weiß nicht wie —Und wieder flottStand er — und war ein Kraftgenie!Du lieber Gott!Zur Sünde nur war er gerettet!Drauf streift er weit, im röm'schen Reich,Und sucht Natur;Vertiefte sich in Wald und Teich,Und Blumenflur;In Schachten nach dem UrgesteinEr suchend kroch;Sah nach den süßen Mägdelein,Durchs Fensterloch,Und Alles der Wissenschaften wegen.Da fügt's sein Schicksal, immer gut,Solchergestalt;Er macht, mit liebevollem MuthIn Halle Halt.Was einzeln erst im BergrevierUnd Flur er sah,Vereinigt in dem Mädchen hierStand Alles da.Da ward's ihm gar freudig zu Muthe!Nun braucht' er gar nicht suchen gehnLazurgestein;Ins Auge braucht er nur zu sehnDem Mägdelein;Und wenn die Rosenlippen süßEr lächeln sah,War gar nichts auf der Blumenwies'Von Rosen da;Sie welkten, vor Neid, und erbleichten.Des Dichters goldner LeierklangEr auch vermied,Wenn sie mit süßer Stimme sangDes Vaters Lied.Der Vogel saß so andachtsvollAm grünen Ort,Wenn über ihre Lippen quollDas holde Wort;Es rieselte leiser die Quelle.Nun lieber Heinrich bist Du hierMit ihr im Bund';Drum singen und drum jauchzen wirAus Herzensgrund;Drum zechen wir, mit großer Lust,Den guten Wein,Und drücken Dich an unsre Brust,Und singen drein:Willkommen uns,HeinrichundHanna!
Es war einmal ein JunggesellVoll Eigensinn;Der wollte, wie ein flücht'ger Quell,Ins Weite hin;Es ward ihm gar zu eng und wehIm alten Haus,Drum sagt der wilde Bursch Ade,Und zog hinaus,Und fuhr auf die Fluthen nach Norweg.Der Herr Gott ließ die Winde los,Beim Strafgericht:[2]Der Jüngling fiel in Meeresschoos;Doch starb er nicht.Ganz trocken bald — ich weiß nicht wie —Und wieder flottStand er — und war ein Kraftgenie!Du lieber Gott!Zur Sünde nur war er gerettet!Drauf streift er weit, im röm'schen Reich,Und sucht Natur;Vertiefte sich in Wald und Teich,Und Blumenflur;In Schachten nach dem UrgesteinEr suchend kroch;Sah nach den süßen Mägdelein,Durchs Fensterloch,Und Alles der Wissenschaften wegen.Da fügt's sein Schicksal, immer gut,Solchergestalt;Er macht, mit liebevollem MuthIn Halle Halt.Was einzeln erst im BergrevierUnd Flur er sah,Vereinigt in dem Mädchen hierStand Alles da.Da ward's ihm gar freudig zu Muthe!Nun braucht' er gar nicht suchen gehnLazurgestein;Ins Auge braucht er nur zu sehnDem Mägdelein;Und wenn die Rosenlippen süßEr lächeln sah,War gar nichts auf der Blumenwies'Von Rosen da;Sie welkten, vor Neid, und erbleichten.Des Dichters goldner LeierklangEr auch vermied,Wenn sie mit süßer Stimme sangDes Vaters Lied.Der Vogel saß so andachtsvollAm grünen Ort,Wenn über ihre Lippen quollDas holde Wort;Es rieselte leiser die Quelle.Nun lieber Heinrich bist Du hierMit ihr im Bund';Drum singen und drum jauchzen wirAus Herzensgrund;Drum zechen wir, mit großer Lust,Den guten Wein,Und drücken Dich an unsre Brust,Und singen drein:Willkommen uns,HeinrichundHanna!
Es war einmal ein JunggesellVoll Eigensinn;Der wollte, wie ein flücht'ger Quell,Ins Weite hin;Es ward ihm gar zu eng und wehIm alten Haus,Drum sagt der wilde Bursch Ade,Und zog hinaus,Und fuhr auf die Fluthen nach Norweg.Der Herr Gott ließ die Winde los,Beim Strafgericht:[2]Der Jüngling fiel in Meeresschoos;Doch starb er nicht.Ganz trocken bald — ich weiß nicht wie —Und wieder flottStand er — und war ein Kraftgenie!Du lieber Gott!Zur Sünde nur war er gerettet!Drauf streift er weit, im röm'schen Reich,Und sucht Natur;Vertiefte sich in Wald und Teich,Und Blumenflur;In Schachten nach dem UrgesteinEr suchend kroch;Sah nach den süßen Mägdelein,Durchs Fensterloch,Und Alles der Wissenschaften wegen.Da fügt's sein Schicksal, immer gut,Solchergestalt;Er macht, mit liebevollem MuthIn Halle Halt.Was einzeln erst im BergrevierUnd Flur er sah,Vereinigt in dem Mädchen hierStand Alles da.Da ward's ihm gar freudig zu Muthe!Nun braucht' er gar nicht suchen gehnLazurgestein;Ins Auge braucht er nur zu sehnDem Mägdelein;Und wenn die Rosenlippen süßEr lächeln sah,War gar nichts auf der Blumenwies'Von Rosen da;Sie welkten, vor Neid, und erbleichten.Des Dichters goldner LeierklangEr auch vermied,Wenn sie mit süßer Stimme sangDes Vaters Lied.Der Vogel saß so andachtsvollAm grünen Ort,Wenn über ihre Lippen quollDas holde Wort;Es rieselte leiser die Quelle.Nun lieber Heinrich bist Du hierMit ihr im Bund';Drum singen und drum jauchzen wirAus Herzensgrund;Drum zechen wir, mit großer Lust,Den guten Wein,Und drücken Dich an unsre Brust,Und singen drein:Willkommen uns,HeinrichundHanna!
Die Freude, diese lieben Freunde in unsere Nähe zu haben, währte nicht lange, im folgenden Jahre verließen sie uns leider wieder, da Steffens als Professor nach Halle berufen wurde.
Ein Symposion.
Ein Freund meines Jugendfreundes Winckler (mit dem ich in der letzten Zeit nur wenig umgegangen war) reiste kurz darauf nach Westindien. Sie veranstalteten Beide bei dieser Gelegenheit ein Fest, wobei es besonders auf einTrinken losgehen sollte, weßhalb sie auf ihren Einladungskarten das Fest auch einSymposionnannten. Zur Ehre unserer Landsleute kann man wohl sagen, daß es bereits in meiner Jugend selten war, betrunkene Leute zu sehen. Selbst unter den Bauern wurde ein „Jeppe vom Berge“ mehr und mehr zu einer Ausnahme. Nur unter den Matrosen war es häufiger, weil es scheint, als ob das Trinken mit zu ihrem Elemente gehöre. Aber im Ganzen genommen paßte Hamlet's Replik nicht mehr auf uns:
„This heavy-headed revel, ease and west,Makes us traduc'd, and tax'd of others nations;They clepe us drunkards.“
„This heavy-headed revel, ease and west,Makes us traduc'd, and tax'd of others nations;They clepe us drunkards.“
„This heavy-headed revel, ease and west,Makes us traduc'd, and tax'd of others nations;They clepe us drunkards.“
Dagegen hatte man eine Menge Erzählungen von lustigen Trinkgelagen in alten Tagen, die mit Witz und Humor abgehalten worden waren. Ein solches veredeltes Bacchusfest war das, welches unsere Freunde hier wieder bereiten wollten. Zum Ort für das Fest wählte man das Ermelundhaus im Thiergarten, welches, die Brunnenzeit ausgenommen, einsam daliegt. Unsere Wirthe mietheten das ganze Haus für den Abend, und kein Fremder wurde eingelassen. Man hatte dafür gesorgt, daß sich nichts Plumpes und Widerliches in den muntern Uebermuth mischen solle; die große Gesellschaft bestand meistens aus Gelehrten und Künstlern. — Nun ging es auf ein Trinken los, und die Kunst bestand darin, so übermüthig als möglich zu sein, ohne brutal und geschmacklos zu werden. Die Convenienz und die Formen konnte man hingegen, so viel man wollte, übertreten; das wünschte man gerade, und Keiner durfte dem Andern eine Tollheit übelnehmen. Das Haus wurde den Gästen von den Wirthen Preis gegeben, und die Freude der Betrunkenen, Spiegel und Fenster in Stücke zu schlagen (welches in der Natur des Rausches liegt, weil der Mensch in diesem Zustande gern seine flüchtige Phantasie mit der einen oder der andern plötzlichen oder abenteuerlichen Verwandlung unterhält) stand Jedem frei, und wurde auch zuweilen ausgeübt; obgleich mit Bescheidenheitund ohne Schadenfreude, nur um dem Uebermuthe zu huldigen. Mitten in einem ernsten Gespräche sah man wissenschaftlich gebildete geistreiche Männer bald einen kleinen Spiegel von geringem Werthe, bald eine Fensterscheibe in Stücke schlagen, ohne daß dies die geringste Stockung im Gespräche hervorrief. Einer der Gäste goß etwas Rothwein aus seinem Glase in Hans Christian Oersted's Halskrause, als dieser gerade im Begriff war, etwas Schwieriges in der Physik zu erklären. Er bat Oersted, es um Gottes Willen nicht übel zu nehmen, worauf dieser ruhig antwortete: „Da müßte ich doch ein großes Kameel sein, wenn ich darüber böse werden wollte.“ — Ein vorzüglich guter Schauspieler, der von uns Allen geliebt war, hatte gerade einen rührenden Vater in einem von Kotzebue's Stücken gespielt, und kam etwas spät, als wir Andere bereits die Gläser tüchtig geleert hatten. Da er noch nüchtern war, wollte er satyrisch sein, aber ich sagte: „Lieber Freund, wir sind bereits lange über die Satyre hinaus! Mache rasch und werde lustig und guter Dinge gerade wie wir.“ Kaum hörte er dies, so setzte er eine Flasche an den Mund; und mit unglaublicher Geschwindigkeit hatte er bald uns Alle eingeholt und wurde der gemüthlichste Mensch von der Welt. Aber zuletzt wurde es ihm zu heiß, denn es war in der warmen Jahreszeit; er warf Stiefel und Oberkleider ab, und stolzirte endlich munter in durchaus anständigen Unterhosen umher. So wurde er in einen Wagen gesetzt und Einige der Anwesenden wollten ihn entführen, aber seine Abwesenheit wurde bald bemerkt; Eilboten zu Pferde wurden ihm nachgesandt, holten ihn eine Viertelstunde vom Wirthshause ein und brachten ihn im Triumphe zurück. Wir standen Alle in der Thür, als er ankam; und während er in bloßen Strümpfen aus dem Wagen stieg, grüßte er voller Huld und sagte: „Es war ein Mißverständniß, meine Herren! es war ein Mißverständniß!“ Man hatte ihm nämlich gesagt, daß das Fest in einem anderen Wirthshause fortgesetzt werden solle. Solcher lustigen Scenen fanden viele statt.
Die Wirthin war auch froh darüber, daß sie Alles auf die Rechnung setzen konnte; sie characterisirte den Zustand der Gäste nach den zerschlagenen Sachen, und sagte zu ihrem Mädchen: „Nun sind sie bei den Fenstern! Nun sind sie bei den Spiegeln!“ u. s. w.
Endlich begann doch die Natur ihr Recht zu verlangen; Viele wurden schläfrig und gingen in die Kammern hinauf, wo für ihre Bequemlichkeit gesorgt war. Einige hatten sich etwas mit dem Glase geschnitten, Andere waren seekrank. Da nun Kopenhagens beste, junge Aerzte da waren, so theilte man die Patienten, wie in dem Hospitale, in die chirurgische und die medicinische Seite ein, besuchte sie fleißig und heilte sie bald. Winckler selbst, als er merkte, daß er die Augen nicht länger aufhalten könne, lehnte sich an die Brust eines Freundes, trug ihm auf, für die Punschbowlen zu sorgen, sagte ihm, wie viel Rum, wie viel Citronen und wie viel Zucker zu jeder gehöre; und als er derart gewissenhaft sein Testament gemacht hatte, schlief er sanft ein.
Gegen Morgen hin fuhren wir wieder zur Stadt; aber am Nachmittag waren wir zu einem großen Thee auf der Schießbahn eingeladen, wo wir zusammenkommen und mit einander von den Begebenheiten des vergangenen Tages reden wollten, gleich den Asen in Gimle, nach Ragnarokur von den Thaten des vorigen Lebens. Hier wurde nun ein köstliches Abenteuer erzählt, das Einigen in der Gesellschaft begegnet war. Sie hatten nämlich die Absicht, auf dem Heimwege abzusteigen und in einem Gasthause zu frühstücken; aber da die Uhr noch nicht einmal drei war und man ihnen die Thür nicht öffnen wollte, kletterten sie über die Mauer. Da saßen sie nun rittlings, wie die Klammern an der Wäsche, als der Wirth im bloßen Hemde mit seiner geladenen Büchse herauskam und sie, wie Spatzen, herunterschießen wollte, weil er glaubte, es seien Räuber. Erst nach vielen Eiden und Versicherungen überzeugten sie ihn, daß sie ehrliche Leute seien, die nur in der edlen Absicht gekommen wären, ihm Etwas zu verdienen zu geben.
In diesem muntern, ungewöhnlichen Symposion nahm auch ich, ohne es noch zu wissen, Abschied von meinem Vaterlande und dem lieben seeländischen Walde. Mein Plan war gefaßt, ich gab die Jurisprudenz auf, ich fühlte, daß die Natur mich zum Dichter geschaffen habe, daß es thöricht und vergeblich sei, gegen meinen Beruf anzukämpfen. Freilich sah ich ein, daß ich, indem ich den allgemeinen Weg verließ, auch die Beamtenbahn aufgab; aber es ahnete mir, daß ein schmaler Steg, der freilich über tiefe Moore ging, in denen man leicht stecken bleiben konnte, mich rascher zum Ziele führen würde.
Der Maler Abildgaard.
Ich hatte zuerst beschlossen, mich auf das Isländische zu legen, und einige alte Sagen zu übersetzen; ein Subscriptionsplan war bereits entworfen; ich hatte auch die Akademie der Künste gebeten, mir einen Saal zu leihen, in dem ich Vorlesungen über nordische Mythologie halten wollte, da das fehlende Doctordiplom es mir nicht gestattete, sie in der Universität zu halten. Ich sprach deßhalb mit Thorwaldsen's Lehrer, dem Director der Akademie, MalerAbildgaard. Dieser lange hagere Mann hatte bedeutende Gaben, sehr viel Talent, große Kunstfertigkeit; aber ein gewisser Eigensinn, eine ihm zur andern Natur gewordene Manier schadeten ihm. Farbensinn hatte er in einem seltenen Grade, zeichnen konnte er vorzüglich, und so ist Thorwaldsen ihm Dank schuldig, so wie ein großer Philolog seinem verständigen Rector, der dem Schüler zeitig durch fleißigen Unterricht die unentbehrliche Grammatik einprägte. Als ich Abildgaard erzählte, daß ich für die nordische Mythologie begeistert sei, machte er mir erst die gewöhnlichen Einwendungen; aber als ich ihm einige meiner Ideen mitgetheilt hatte, betrachtete er mich mit großer Aufmerksamkeit; sein spöttisches Lächeln verwandelte sich allmälig in eine ernste Verwunderung, und als ich fertig war, sagte er: „Ja, ich bin wahrhaftig nicht der Mann, der sich dem Guten und Sinnreichen widersetzt, weil es neu ist!“ — Wir sprachen über mehrere Gegenstände, auch über Poesie; und da bemerkte ich nun, daß er sich von diesereinen falschen Begriff machte. Er sagte: „Mit Poesie und Kunst verhält es sich ganz entgegengesetzt. Ein Dichter liegt in der Nacht schlaflos da, es entsteht eine glückliche Idee in seinem Kopfe, er spricht sie aus, und hat sich unsterblich gemacht. Der Künstler muß viel arbeiten, und gelangt erst allmälig zum Ziele!“ Ich entgegnete ihm: „daß der Dichter sich auch, aber wissenschaftlich, ausbilden müsse, daß eine glücklich ausgesprochene Idee freilich Hoffnungen wecke, aber noch nicht den wahren Dichter zeige; daß auch viel Arbeit, Kunst, Studium und Nachdenken dazu gehöre, um ein bedeutendes Dichterwerk hervorzubringen und zu vollenden.“ — Abildgaard nahm freundlich von mir Abschied; kurz darauf änderte ich meinen Beschluß und sah ihn nicht wieder.
Die Gräfin Schimmelmann.
Man sagte mir, daß die GräfinSchimmelmannmeine poetischen Schriften gelesen habe, und daß sie den Verfasser des Aladdin gern sehen wollte. Zugleich wünschte man mir Glück zu dieser Bekanntschaft; „denn“, sagte man, „Graf Schimmelmann achte und liebe Talente und helfe ihnen vorwärts, wo er könne. So habe er meinen Freunden Bentzon und Steffens früher geholfen, und es sei daher möglich, daß er auch Etwas für mich als Dichter thun würde, besonders wenn die Gräfin auf meiner Seite stehe.“
Ich ging also an einem schönen Sommertage mit pochendem Herzen nach seinem Landgute Seelust hinaus. Als Kind und Knabe war ich oft an der schönen Emilienquelle vorübergegangen und gefahren. Eine Gräfin Emilie Rantzau war Schimmelmann's erste Frau gewesen, die er bis zur Schwärmerei geliebt, deshalb hatte er ein Auge in den Stein aushauen lassen, welches stets weinte, wenn das Wasser herausfloß. Diese Idee war nun zwar weniger glücklich, aber muß durch den sentimentalen Geschmack jener Zeit entschuldigt werden. Was Schimmelmann's eigene Augen betraf, so weinten sie nicht mehr über einen Verlust, den ihm seine zweite Frau, Charlotte Schubart, wiederum ersetzte.
Heute ging ich nicht zur Quelle, sondern wendete mich inden Hof hinein, wo ich nie gewesen war; zum ersten Mal in meinem Leben sollte ich eine so vornehme Dame besuchen, die ich noch nie gesehen hatte. Ich stand im Vorzimmer, wartete, drehte den Hut in der Hand, faßte Muth und beschloß, mich nicht verblüffen zu lassen — als eine bleiche, magere Frau, einfach gekleidet, hereintrat und freundlich grüßend sagte: „Mein Mann wird gleich kommen.“ Das war also die Frau Gräfin. Sie nahm mich mit in ihren großen Gartensalon, wir wurden bald bekannt, und ich bekam Muth, als ich merkte, daß ich in ein Haus gekommen sei, wo man Poesie verstand, und sie mit zu den höheren Nothwendigkeiten des Lebens rechnete. Schimmelmann's Eintritt und Gespräch setzte mich in nicht geringe Verwunderung. Ein solches Wesen hatte ich mir früher nie gedacht, nie in einem Dichterwerk dargestellt gesehen. Die eigenthümlichen Contraste waren bei ihm auf eine so naive Weise verbunden, daß sie sich zur Harmonie vereinigten.
Der Graf Schimmelmann.
Er war klein, mager und häßlich, er schielte mit einem der kleinen dreieckigen Augen, war pockennarbig und schnupfte stark Taback, und das mit einer Nachlässigkeit, die unangenehme Spuren an Kleidern und Fingern zurückließ. So trat er wankend ein, mit blauem moirirtem Ritterbande und zwei großen Sternen auf der Brust, die dünnen Haare frisirt und gepudert und mit einem kleinen Zopf in dem Nacken. Ich stutzte fast über diese Häßlichkeit; aber kaum hatte er einige Worte gesprochen, als sich das schönste, freundlichste Wesen über dem pockennarbigen Gesicht ausbreitete, als das eine Auge, das nicht schielte, mit einer so ausnehmenden, ehrlichen, tiefen Menschenliebe in mein Herz lächelte, — daß ich glaubte Sokrates zu schauen; doch lag keine Ironie in diesem Lächeln, es war bescheiden, mädchenhaft, schüchtern, gefühlvoll. Das Ritterband verschwand vor dem Bande der Natur, mit dem ich mich gleich an diese edle Seele geknüpft fühlte, und die Sterne auf der Brust wurden Flitterstaat gegen das himmlische Sternenfeuer, das in seinem geistvollen Auge funkelte.
Ich kehre später zu diesem edlen Manne zurück, und will diesmal nur noch bemerken: die Gräfin hatte Sinn und Geschmack für Poesie; Schimmelmann hatte Seele und selbst Genie. Aber hier herrschte nun wieder der eigenthümliche Contrast! Trotz der treuesten Hingebung für die Gegenstände war er im höchsten Grade zerstreut, und dieser Zustand erlaubte ihm nicht, lange Zeit bei einer Vorstellung zu verweilen. — Erst viele Jahre darauf fand ich den Schlüssel zu diesem seltsamen Wesen. Schimmelmann war ein Siebenmonatskind. Was wäre nicht aus ihm geworden, wenn ihm die zwei Monate noch vergönnt gewesen wären. Er rieth mir, Se. Königl. Hoheit den Kronprinzen (später Friedrich VI.) um ein Reisestipendium aus dem Fond ad usus publicos nachzusuchen. Froh setzte ich mich nun mit meinen Wohlthätern an eine prächtige Tafel, jener gleich, die ich auf Friedrichsberg so oft gesehen, aber an der ich nie Theil genommen hatte.
Friderike Brun.
Ich machte in der Zeit auch die Bekanntschaft der Dichterin Frau EtatsräthinBrunauf Frederiksdal. Mein guter FreundRothe(später Prediger bei der Trinitatiskirche) war der Hauslehrer des Sohnes. Auch hier traf ich die sonderbarsten Contraste, doch nicht in einer Person vereinigt. Wenn ein Komödiendichter den Gegensatz von übertrieben poetischer und übertrieben prosaischer Tendenz schildern wollte, so konnte man hierzu nie besser Veranlassung finden, als im Etatsrath (späterem Geheimrath) Brun und seiner Frau. Der erste, Kaufmann mit Leib und —sit venia verbo— Seele; praktisch, thätig, auf Geld versessen, wie ein Habicht auf die Beute; aber ohne jede höhere Idee; der Poesie, als Kinderstreichen, und seiner eigenen Ehehälfte, als der Repräsentantin der Poesie auf Sophienholm, spottend. Frau Brun war in der Klopstock'-, Salis'-, Mathisson'-Bonstetten'schen Schule gebildet. Die sentimentale Richtung, die ihr Wesen hierdurch genommen hatte, sagte ihrem Mannenicht zu, der den Mond nur als Zeitmesser und als eine gute große Laterne betrachtete, deren Licht kein Geld kostete. Man erzählte aber doch als eine Merkwürdigkeit, daß Brun einmal als Liebhaber, um ihr zu gefallen, ihr eine ganze Ode von Klopstock recitirt habe, die er auswendig gelernt hatte. Wenn dies der Fall ist, zeugt es von seinem guten Kopfe, der zu allen Geschäften geschickt war, aus denen er Vortheil ziehen zu können glaubte, selbst zum Auswendiglernen der Poesie. Aber in sich hinein hatte er sie nie gelernt. Die gute Frau Brun — (ich werde sie und ihren Mann später näher besprechen) hatte viel Geist, ein leicht bewegliches Gefühl, und war dadurch gebildet, daß sie auf ihren Reisen mit den tüchtigsten Köpfen des Zeitalters umgegangen war. Unglücklicherweise war sie schwerhörig geworden und dies in Verbindung mit der Bequemlichkeit und Unabhängigkeit, die der Reichthum verschafft, hatte sie mehr zu einer theilnehmenden Zuschauerin des Lebens, als zu einer eingreifend handelnden Person gemacht. Darin stimmten aber doch Mann und Frau überein, daß sie Beide einen eleganten Kreis an einem Orte um sich liebten, der durch Wohlstand und Geschmack verschönert wurde. Denn Brun war nicht ohne Geschmack für das Behagliche des Lebens; er hatte auch einen gewissen naiven plattdeutschen Humor, der für ihn einnahm; und das stete Hacken und Schelten auf seine Frau, wenn sie nicht zugegen war — (und wenn sie zugegen war, konnte sie es doch nicht hören) hatte etwas Amüsantes, gerade weil die komische Uebertreibung zeigte, daß es nur halb gemeint war.
Auf diesem schönen Sophienholm brachte ich nun auch einige angenehme Tage vor meiner Abreise zu.
Abreise.
Ich zeigte Schimmelmann mein Gesuch an den König um das Reisestipendium. „Ein solches Gesuchkannja nicht abgeschlagen werden!“ sagte er lächelnd. Ich betrachtete nun die Sache als abgemacht; aber um nicht Zeit zu verlieren, und um — gleich den kühnen Soldaten — die Brücke hinter mit abzubrechen, so wie ich über den Fluß gekommen war, reiste ich gleichnach Halle, da Steffens mich dorthin eingeladen hatte, und — um Christianen und mir selbst den Schmerz des Abschiedes zu ersparen, sagte ich ihr vorläufig, daß es nur eine kleine Lustreise auf einen Monat sei.
Mein Vater gab mir hundert Reichsthaler in einem dicken Packet kleiner Scheine, um die Kosten bestreiten zu können, bis das Stipendium einträfe. Im Anfang furchtsam, da ich nie vorher eine so große Summe besessen hatte, griff ich oft ängstlich in die Tasche, um zu sehen, ob das Geld noch da sei. So bestieg ich im Anfang des Monats August 1805 das Packetboot, um nach Kiel zu reisen. Sobald ich nach Hamburg gekommen war, schrieb ich meiner Christiane. Mit diesem Briefe beginnen wir den zweiten Theil meiner Erinnerungen.
Fußnoten:[1]Der später als Romanverfasser bekannte und beliebte Laurits Kruse hatte damals kurz vor meiner Reise ein Gedicht von Hamburg aus nach Kopenhagen geschickt, das so anfing:„Sechzig Meilen weit von meiner Heimath,Sechzig Meilen weit von meinem Herzen.“[2]Steffens litt auf dieser Reise Schiffbruch.
Fußnoten:
[1]Der später als Romanverfasser bekannte und beliebte Laurits Kruse hatte damals kurz vor meiner Reise ein Gedicht von Hamburg aus nach Kopenhagen geschickt, das so anfing:„Sechzig Meilen weit von meiner Heimath,Sechzig Meilen weit von meinem Herzen.“
[1]Der später als Romanverfasser bekannte und beliebte Laurits Kruse hatte damals kurz vor meiner Reise ein Gedicht von Hamburg aus nach Kopenhagen geschickt, das so anfing:
„Sechzig Meilen weit von meiner Heimath,Sechzig Meilen weit von meinem Herzen.“
„Sechzig Meilen weit von meiner Heimath,Sechzig Meilen weit von meinem Herzen.“
„Sechzig Meilen weit von meiner Heimath,Sechzig Meilen weit von meinem Herzen.“
[2]Steffens litt auf dieser Reise Schiffbruch.
[2]Steffens litt auf dieser Reise Schiffbruch.
Ende des ersten Bandes.
Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
Anmerkungen zur Transkription:Der Schmutztitel wurde entfernt.Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen und offensichtliche Druck- und Setzfehler korrigiert.Der Originaltext ist in Fraktur und fremdsprachliche Passagen sind in Antiqua gesetzt. Abkürzungen wie Dr. und römische Zahlen wie XV wurden nicht in Antiqua dargestellt.Die Kapitelüberschriften aus den Kopfzeilen wurden in den Text als Randnotizen eingefügt.
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