Chapter 23

FUSSNOTEN:[1]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.[2]Eine grosse Eigenthümlichkeit entfalteten die Abessinier aber viel später in Behandlung der in Fels gehauenen Bauten. Diese lassen sich an Kühnheit der Ausführung und Besiegung der Schwierigkeiten vollkommen ähnlichen Wunderwerken Asiens und Amerikas an die Seite setzen. Ja viele, z.B. die Wunderkirchen in Lalibala, übertreffen an Ebenmaass und Schönheit manche viel berühmtere Bauten ähnlicher Construction. Nach Lalibala sind wenige Reisende gekommen. Da ich auf meiner diesmaligen Reise weder Lalibala berührte, noch auch sonst Gelegenheit hatte, derartige in den Fels hineingetriebene oder aus einem einzigen riesigen Monolith herausgearbeitete Kirchen zu besuchen, so liegt auch keine Veranlassung vor, hier näher darauf einzugeben. Die sich dafür Interessirenden verweise ich auf Alvarez oder auf meine im Globus und in Petermann’s Mittheilungen 1868 veröffentlichten Berichte über Lalibala.[3]Das sehr grosse Original befindet sich im Besitze des Verfassers.[4]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.[5]Der Golf von Sues hatte bei den Alten speciell den NamenSinus Heroopolites, während der östliche, jetzt Akaba-Busen genannte ArmSinus Aelaniticushiess.[6]Ueber 2000 km beträgt diese Länge.[7]Die grösste Breite, unter dem 16. Grad nördl. Br., beträgt über 350 km.[8]Die Pilger waren nach Djedda verfrachtet undmusstendort eintreffen, um die am bestimmten Tage stattfindende Besteigung des Berges Arafat und das damit verbundene Opfer ausführen zu können. Hätte man sie bei Yanbo, das ca. 400 km nördlich von Djedda und noch weiter von Mekka gelegen ist, gelandet, dann wären sie viel zu spät gekommen, ihre weite Pilgerreise von Java wäre also vollkommen umsonst gewesen. Um nun ein Ausschiffen in Yanbo zu verhindern, würden sie sich zu jedem Opfer bereit erklärt haben.[9]Djedda heisst auf Deutsch Grossmutter und, eigentlich Medina el Djedda, Stadt der Grossmutter oder Ahne, hat sie diesen Namen erhalten wegen des dort befindlichen Grabmals der Eva.[10]Hier in Djedda wurde am 15. Juni 1858 jenes entsetzliche Blutbad unter Franzosen, Engländern und Griechen seitens der Mohammedaner angerichtet, welchem durch ihre Tapferkeit nur die Frau Emerald, Tochter des französischen Consuls, entging. Unbegreiflicherweise begnügte sich England mit einem dreitägigen Beschiessen der Stadt, während die einzige nachhaltige Strafe die Eroberung Mekkas gewesen wäre und hätte sein müssen. Dass dies nicht geschah, hatte schon zwei Jahre darauf, im Juli 1860, die Metzelei von Damaskus zur Folge, und die Christenmetzeleien in Aegypten 1882 sind nur Folge der blutigen Ausschreitungen von Djedda und Damaskus. Und auch diese ägyptischen sind nicht die letzten! Das einzige Mittel, die Mohammedaner von ihrem religiösen Wahnsinn zu heilen, ist, ihnen praktisch zu beweisen, dass die Welt nicht untergeht, falls irgendeine christliche Macht, wenn auch nur vorübergehend, Mekka und Medina besetzt. Zu zerstören braucht man ja deshalb noch nicht diese altehrwürdigen Städte.[11]Der niederländische Consul, Herr Kruyt, hatte die Güte, mir brieflich mitzutheilen, dass unter diesen 15000 Einwohnern sich befinden:Juden3Europäer70(einschliesslich 45 Griechen, Malteser, und 5 syrischer Obersten)Indier2000Türken1000Original-Araber aus Hadramaut5000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Aegypten und Nordafrika4000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Hedjas500Perser300Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)1600Andere Orientalen527Nach Djedda werden jährlich durchschnittlich 4–5000 Sklaven eingeführt. Meistens kommen sie von der gegenüberliegenden afrikanischen Küste zwischen Suakin und Seila. Einige wenige Circassier auch aus Aegypten und der Türkei.Der Import beträgt jetzt durchschnittlich 10,000000 Maria-Theresienthaler (ca. 40,000000 Mark), der Export 2,500000 Maria-Theresienthaler (ca. 10,000000 Mark).Es liefen ein in Djedda an Dampfern:imJahre1878:218Dampferzu194473Tonnen„„1879:241„„213295„„„1880:328„„295302„„„1881:251„„245608„an Seglern:imJahre1878:1018Seglerzu45070Tonnen„„1879:1156„„55932„„„1880:1072„„51035„„„1881:1033„„44836„Deutschland ist leider gar nicht bei diesem nicht unbedeutenden Handel und Verkehr betheiligt. Aber wir hielten es nicht für unangemessen, an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen.[12]Mekka führt den Namen „Harem“, d.h. „verboten“, weil der Liebling Gottes allen andern, ausser Gläubigen, den Zutritt zu dieser Stadt des Heils verbot. In der That ist auch, seitdem Mohammed sich zum Propheten machte, noch nie ein Jude oder Christ dort gewesen, es sei denn unter der Maske des Islam.[13]Ueber die nur auf Zeit geschlossenen Ehen der mohammedanischen Pilger auf ihrer Rundreise lese man das Bezügliche bei Burton, Maltzan und andern Mekkareisenden nach.[14]Hadj ist bekanntlich der Titel, den die Mekkapilger bekommen, sobald sie alle vorgeschriebenen Handlungen absolvirt haben.[15]Vgl. Jahrgang 1882, Nr. 5, 6 und 7.[16]Namentlich was Afrika anbetrifft, hat Hübbe-Schleiden sich in dieser Beziehung unvergängliche Verdienste erworben.[17]Alamayo war der einzige Sohn Theodor’s, welcher in des Negus Augen Anrecht auf den abessinischen Thron hatte. Er stammte aus der Ehe mit einer Tochter Ubieh’s, welche der Negus einst in der Kirche erblickte und zu besitzen wünschte. Ubieh’s Tochter, selbst Prinzessin, bestand aber auf kirchlicher Trauung, und Theodor willigte in der That ein. Im Anfang lebten sie sehr glücklich miteinander, aber bald erhoben sich eheliche Streitigkeiten. So betrat eines Tags Theodor den Tokul seiner Frau, als sie gerade die Psalmen David’s las. „Weisst du nicht“, sagte er, seine Frau grüssend, „dass du aufstehen musst, wenn ich, der König, mit dir rede?“ – „Ich unterhielt mich mit jemand, der grösser ist als du, mit dem König der Welten, und thue das im Sitzen“, erwiderte sie. Der Negus drehte ihr den Rücken zu und ging fort. Ein anderes mal sprang der Negus wuthentbrannt auf sie los und wollte sie schlagen. „Rühr’ mich nicht an! Zurück!“ herrschte sie den Negus an. – „Ich bin der König der Könige und schlage und tödte, wen ich will“, schnaubte Theodor. – „Nur nicht die Frau des Königs der Könige“, erwiderte sie und sah ihn mit blitzenden Augen an. – „Du hast recht“, sagte der Negus und liess seine Hand sinken. Durenesch, (weisses Gold), so hiess diese bedeutende Frau, starb bekanntlich auf dem Rückzuge der Engländer, welche sie mitgenommen hatten.[18]Ob Prinz Alamayo wirklich diese Aeusserung gethan hat, muss ich dahingestellt sein lassen; Obenstehendes theilte mir Kapitän Speedy am 24. November 1880 mit.[19]Wenigstens nicht 1881; wie es ein Jahr später sein könnte, war damals nicht vorauszusehen.[20]Auch Sebastrium-os genannt.[21]Die neueste Literatur dürfte weniger bekannt sein. Aus den vielen hebe ich hervor (abgesehen von der zahlreichen Literatur, welche infolge der britischen Expedition entstand): Girard, „Souvenirs d’un voyage en Abyssinie“ (Kairo 1873); Raffray, „Abyssinie“ (Paris 1880); „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880); Vigoni, „Abissinia“ (Mailand 1881).[22]Ich kaufte bei Herrn Tagliabue mehrere Dutzend Schama, also ein Kauf im grossen, und zahlte für das Stück drei Maria-Theresienthaler. In Abessinien selbst bekommt man aber für drei Maria-Theresienthaler mit der Hand gewebte und besser als mit Maschinen hergestellte Schama, ja, ganz gewöhnliche für noch weniger als drei Thaler. Falls man das Stück für zwei Thaler herstellen könnte, würde man sich ein bedeutendes Absatzfeld erobern.[23]Im Jahre 1866 erhielt Oberst Merewether folgenden Brief: „Geschickt vom Sultan Negus Menelek. Möge dies gelangen in die Hände des Herrschers von Aden. Wir grüssen Euch. Wir befinden uns wohl. Nach einer elfjährigen Abwesenheit von unserm Vaterlande haben wir den Thron unserer Väter bestiegen. Als dies Ereigniss statthatte, freuten wir uns und Ihr freutet Euch mit uns. Wir haben einen Diener geschickt. Er hat einen Auftrag. Bitte, denselben nach Verrichtung seines Geschäftes gleich zurückzuschicken. Er heisst Mekeb. Er bringt Euch ein Pferd und ein Maulthier als Geschenk.“ – Auch an die Königin von England schickte der König von Schoa eine Anzeige seiner Thronbesteigung und unterzeichnete, wie vorstehenden Brief: Negusa Negesh Menelek, d.h. König der Könige.[24]Record of the expedition to Abyssinia, S. 320.[25]Mircha war in Bombay erzogen worden. Diesen liebenswürdigen Greis lernte ich 1881 in Adua kennen, woselbst er jetzt pensionirt lebt.[26]Record of the expedition to Abyssinia, I, 415.[27]Raffray, „Abyssinie“, S. 23.[28]Es war der Abuna Athanasius.[29]Der jüngere Naretti ist 1881 in Abessinien gestorben.[30]Vgl. Schimper’s Brief an Consul Brüning, „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 364.[31]Im Jahre 1872 (vgl. hierüber auch „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 272) wandte sich Schimper an Se. Maj. den Kaiser und bat um eine Unterstützung von 3000 Mark. Er motivirte seine Bitte: „weil ihm, dem 70jährigen Greise, seine 65jährige Frau noch einen Sohn geboren habe“. Der Kaiser schickte dieses Immediatgesuch an Fürst Bismarck zur Begutachtung und dieser mir zur Rückäusserung. Die bezügliche Stelle hatte der Kaiser roth angestrichen und dabei bemerkt: „Ist das möglich?“ – Ich befürwortete die obwol auf Unwahrheit beruhende Bitte Schimper’s, da ich sie ebenfalls für wahr hielt; in Wirklichkeit hatte er sich aber zum zweiten mal verheirathet, wie mir sein Sohn 1881 mittheilte. Das Geld wurde ihm auch vom Kaiser bewilligt. Was er eigentlich mit einer solchen für Abessinien zehnfach werthvollern Summe angefangen, ist vollkommen unbegreiflich. Mit Schulden überbürdet, für die der arme Sohn jetzt haftbar ist, starb Schimper 1879.[32]Cameron und Rassam wurden eingekerkert von Theodor und keineswegs glimpflich behandelt; aber der französische Consul, der zur Zeit Theodor’s dorthin kam, hatte von ihm eine viel schmachvollere Behandlung zu erdulden. Und selbst in neuester Zeit wird mit französischen Abgesandten in Abessinien auf eine staunenerregende Art umgesprungen.[33]Wie der Vicekönig Ismaël behauptet, trägt Nubar besonders die Schuld. Jedenfalls ist es nicht zu leugnen, dass Arakel Bei, Nubar’s Neffe, mit der ersten Expedition gegen Abessinien betraut wurde.[34]Vgl. den Brief Dr. Schimper’s in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 486.[35]Vgl. den Brief von Hildebrand in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1875, S. 1.[36]Vgl. „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880), S. 187. Diese Angabe macht auch Matteucci, alle seine andern Erzählungen sind aber so voller Unrichtigkeiten, dass sie absolut keinen Werth haben. Viel gewissenhafter ist P. Vigoni in seinem „Abissinia“ (Mailand 1881).[37]Petermann’s „Mittheilungen“, 1876, S. 107.[38]Schama, ein grosses baumwollenes Umschlagetuch von weisser Farbe mit rothem Streifen. Die Schama ist Nationaltracht der Abessinier, und Jung und Alt, Mann und Frau, Civilist und Soldat bedient sich derselben.[39]Pfeil und Bogen kennt man in Abessinien nicht mehr.[40]Die Aegypter hatten sechs Batterien hinaufgeschafft.[41]Dies äusserte der Negus selbst, in einer Audienz, die ich bei ihm am 14. Februar 1881 hatte. Ueberhaupt folgte ich in Erzählung dieser Schlacht von Gura fast ausschliesslich den Aeusserungen des Negus.[42]Es ging damals durch die Zeitungen das Gerücht, Prinz Hassan sei gefangen genommen worden, und der Kaiser von Abessinien habe ihn gezwungen, Christ zu werden, und ihm zur Bestätigung seines neuen Glaubens ein Kreuz auf den rechten Arm brennen lassen. Durch ein schweres Lösegeld (20000 Pfd. St.) befreit, habe Prinz Hassan das Kreuz ausgemerzt und die Wunde sodann für eine in der Schlacht erhaltene ausgegeben. Von dieser ganzen Erzählung ist nichts wahr. Prinz Hassan fiel nicht in abessinische Hände, wie mir dies der Negus Negesti ausdrücklich versicherte.[43]Vgl. hierüber Russ, „Abessiniens gegenwärtige Lage“, in „Deutsche geographische Blätter“ (Bremen 1878, Bd. II).[44]Vgl. auch Matteucci, welcher die Begebenheit mit der ihm eigenen Phantasie erzählt und die Unterwerfung im März 1879 stattfinden lässt.[45]In einem an Bianchi geschriebenen Brief von Gordon, Lago Tzana 10./11. 1879 datirt und veröffentlicht im „Esploratore“ 1880, S. 59, heisst es: „Mehr als je war ich unzufrieden, als ich nach Eröffnung des vom König an den Chedive veröffentlichten Briefes sah, dass derselbe nichts als leere Worte enthielt.“[46]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880, Vol. 22, Nr. 3. Dieser Brief ist aus dem Englischen. Aber die englische, vom Madrigal, dem Dolmetsch des Negus, verfasste Uebersetzung scheint mir keineswegs wörtlich dem Amharischen zu entsprechen.[47]Ich habe oben mitgetheilt, dass die Abessinier gar keine Gefangenen hatten. Sämmtliche Mohammedaner wurden getödtet. Verschiedene Individuen aber aus den ägyptischen Grenzprovinzen Galabat, Gedaref, Bogos u.s.w., von denen der Negus behauptete, sie seien abessinisch, schonte man, und da sie der amharischen oder tigrischen Sprache mächtig waren, wurden sie als Artilleristen dem abessinischen Heere einverleibt.[48]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880.[49]Dieses Benehmen war höchst sonderbar.[50]Anti-Slavery Reporter, 1880, S. 77.[51]Das Dutzen erklärt sich wol daraus, weil der Chedive im Arabischen wahrscheinlich auch gedutzt hat.[52]Alten Stils.[53]Anti-Slavery Reporter, S. 77.[54]Um dieselbe Zeit, als Gordon seinen Brief veröffentlichte, befand sich der Verfasser in Abessinien und zwar unfern der Residenz Debra Tabor. Fast alle zwei Monate liefen und laufen derartige Telegramme durch die Zeitungen, welche die Ankunft von abessinischen Gesandten melden. Gewöhnlich sind es Pilger, welche nach Jerusalem wollen. In Aegypten, wo eine vollkommene Unkenntniss abessiniscber Zustände herrscht, sieht man in jedem ankommenden Abessinier einen Gesandten, und diese lassen sich gern als solche ansehen, um umsonst befördert zu werden, wenigstens bis Kairo.[55]Der Abuna Athanasius war, wie oben berichtet, 1877 gestorben. Im Juli 1881 gelang es dem Negus Negesti, einen neuen Abuna, Namens Petros, und drei koptische Priester von Aegypten zu „kaufen“.[56]„Mitzaki avait proposé au Negus de prendre un Abuna de l’église grecque, mais le Negus ne le voulait pas. C’était Novembre 1879 quand j’étais à Debra Tabor.“ (Aus einem Briefe von Gordon an mich vom 24. Juli 1881, Isle de St.-Maurice.)[57]Um ganz genau zu wissen, was der Dolmetscher geschrieben hatte, bat ich Professor Dillmann in Berlin, welcher der amharischen Sprache vollkommen mächtig ist, den amharischen Brief ins Deutsche zurückzuübersetzen, und im ganzen hatte der Abessinier meine Gedanken richtig amharisch zu Papier gebracht.[58]Nach Rückübersetzung von Professor Dillmann in Berlin.[59]Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese, die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten Herrscher an.[60]Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf. 15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen. So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem Stande von 496 die Höhe von 3408,6m ergab, zu einer andern Jahreszeit bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert nur dierelativeHöhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212 m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm, also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande, beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen und InbetrachtziehenallerVerhältnisse würden aber doch zu einer richtigen relativen Höhe führen.[61]„Ausland“, 1870, S. 117.[62]Mit Munzinger.[63]„Ausland“, 1870, S. 117.[64]Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled: ‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim Missionaries‘, is the following note: – ‚by Englishman an Abyssinian understands not an English subject, but a Protestant as distinct from a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the Germans under English protection, who wish them so to understand it. The character of England, as a nation, has not been raised thereby in the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘, who formerly visited their country, were independent persons, who by travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants, whereas they are now poor persons who come to work in their service and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen, dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht „poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und die Schweden.[65]So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte, wie Hanseatien und Preussen es waren.[66]Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.[67]Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne, welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der Schuldigen ist nie erfolgt.[68]Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.[69]Frankreich würde z.B. ganz ausser Stande sein, einen Feldzug gegen Abessinien zu unternehmen, das hat selbst Napoleon III. eingesehen. Der französische Consul Lejean wurde seinerzeit vom Negus Theodor aufs schimpflichste behandelt und sogar eingekerkert, der Brief Napoleon’s in Fetzen zerrissen. Frankreich war absolut machtlos, irgendetwas dagegen zu thun.[70]Napa, deren Biss giftig ist.[71]Irre ich nicht, so haben Blanford und Mitchell, deren Werke mir leider nicht zur Hand sind, Analysen der Quelle gegeben.[72]Als Dolmetsch hatte ich bei mir einen gewissen Johannes, der von dem in der Bogos- und Agausprache so vorzüglich bewanderten Professor Reinisch in Wien seine Ausbildung erhielt, aber des Tigrischen nicht ganz mächtig war.[73]Dieses Instrument mit viereckigem diagonalsitzenden Schallboden heisst Mussunko, auf tigrisch Uota, auf amharisch Tjera oder auch Armari. Der Schallboden ist mit Leder überzogen.[74]Als ich Balata Gebro auf das Unmenschliche dieser Handlung aufmerksam machte, verwies er mich auf Kap. XVIII, V. 25, 1. Buch Samuelis, und, die Göttlichkeit dieses Buches zugegeben, liess sich allerdings nichts erwidern.[75]„Reise nach Abessinien“ (Jena 1868, S. 134).[76]Da es uns sehr interessirte, erkundigten wir, Stecker und ich, uns ganz speciell danach.[77]Addi, Adi, Ad oder Az ist gleichbedeutend.[78]Bale-Ambe-Ras-Ubieh.[79]Raffray, Matteucci, Girard, Russ, Vigoni u.a.[80]Man ersieht hieraus, wie wenig frei man in Abessinien ist. Um den gemeinen Mann kümmert sich kein Mensch; der einigermassen Bekannte, Vornehme oder Reiche ist dagegen in allen seinen Bewegungen beaufsichtigt und muss zu grössern Reisen oder Unternehmungen immer eine besondere Erlaubniss erhalten.[81]Lidj bedeutet eine Persönlichkeit vom hohen Adel.[82]Die abessinischen Priester tragen hohe weisse Turbane.[83]Eine Amole ist ein Salzstück, welches in der östlichen Tiefebene gebrochen und geschnitten wird und, mit Bast umwickelt, 750 gr wiegt.[84]Glasflaschen mit engem Hals.[85]Italienische Schama wurden in Adua nicht verkauft.[86]Margef sind ähnliche grosse Tücher wie die Schama.[87]Bei den slawischen und orientalischen Völkern heissen so die Deutschen, weil sie so wenig redselig sind.[88]Bruce, VI, 641 (ich besitze nur die französische Uebersetzung), findet es merkwürdig, dass die von Cosmas Indopleustes in Abessinien aufgefundene Inschrift enthielt: dass Ptolemäus Euergetes bei Anführung seiner Eroberungen in Aethiopien sagt, er habe den Siris überschritten und sei ins Königreich Semien gekommen, ein Land, welches wegen seiner Kälte und des dort liegenden hohen Schnees unerträglich sei. Er sagt sodann: „Keineswegs möchte ich hierbei gesagt haben, dass es niemals in Abessinien geschneit habe.“[89]Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene, gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.[90]Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz aussergewöhnlichen Länge anwüchse.[91]Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.[92]Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.[93]Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben, dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben, dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe 500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000, annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie? Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen, zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.[94]Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut être évaluée à 4000 habitants au moins.“[95]Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden gegessen, in andern nicht.[96]Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt, lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist linguistisch ebenso richtig wie Takase.[97]Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen,wogemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich. Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten Controversen![98]Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen. Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen, mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.[99]Der jüngere der beiden Brüder Naretti ist inzwischen im Sommer 1881 in Abessinien gestorben, von allen, die ihn kannten, tief betrauert.[100]Erlebnisse in Abessinien von Theoph. Waldmeier. (Basel 1869.)[101]Reise nach Abessinien. (Jena 1868.)[102]The British Captives in Abyssinia. (London 1867.)[103]Journal of the Royal Geographical Society, Vol. XIV, p. 24.[104]Auf der Vigoni’s Werke beigegebenen Karte ist Gafat 2800, Debra Tabor 2900 m hoch verzeichnet.[105]Titel der alten abessinischen Kaiser.[106]Balata-Geta übersetzt Schimper mit Obersthofmeister oder Oberhofmarschall. A. d’Abbadie’s Blaten-Guetà (seigneur des errements) ou grand Sénéchal, espèce de procurator regius, grand maître de la maison, ist wol derselbe. A. d’Abbadie, „Douze ans dans la Haute-Éthiopie“ (Paris 1868), S. 338.[107]Afa Negusti heisst wörtlich „Mund des Negus“, weil er die richterlichen Entscheidungen des Kaisers den Parteien oder der Menge mittheilt.[108]Budjurun ist der Titel des Generalschatzmeisters oder Finanzministers. Arnaud d’Abbadie in seinem bereits erwähnten Werke sagt, S. 341: „Le moulla-Bet-Beudjeround ou trésorier général et maître de la garde-robe.“[109]Es war mir allerdings schon aufgefallen, dass die Abessinier gar keine Abtritte bei ihren Wohnungen haben, selbst in den grössten Städten nicht. Aber ich glaubte, dass sie es in dieser Beziehung hielten wie so manche Völker Innerafrikas oder auch die Zeltbewohner der Berberstaaten. Und da ich selbst zur Befriedigung der täglichen Nothdurft ein eigenes Zelt besass, war von mir die Abwesenheit dieser uns meisten Europäern durchaus unentbehrlich scheinenden Oertlichkeit auch gar nicht bemerkt worden. Schimper belehrte mich nun eines andern. Die Vornehmen und besser Gestellten in Abessinien verrichten ihre Nothdurft in ihren Wohnungen und zwar in solche Röhren, welche sie in den Boden graben und jeden Tag, nachdem man sich ihrer bedient, zuschütten lassen. Da die Vornehmen in Abessinien fast immer unterwegs sind und jeden Tag ein anderes Lager beziehen, ist die Unannehmlichkeit so gross nicht. Bei längerm Verweilen aber in einer und derselben Hütte entwickeln sich, abgesehen von der Gesundheitsgefährlichkeit, die abscheulichsten Gerüche. Als ich den Kentiba (Oberbürgermeister) in Gondar, einen sonst liebenswürdigen Mann, besuchte und Schimper auf die mephitischen Dünste in seinem Hause aufmerksam machte, verwies er mich auf das in Debra Tabor Erlebte.[110]Dies Wort bedeutet unser „Majestät“, hat aber nichts mit Johannes zu thun, wie denn manche daraus auch die mittelalterliche Benennung Pretegianni, Prestre Jan, Priester Johannes, ableiten wollen. Vgl. hierüber: „Perchè l’Imperatore degli Abissini si chiama communemente il Pretegianni? In Varie Operette del Lorenzo Neagallotti“ (Venedig 1779, S. 32).[111]Die Abessinier glauben, dass es drei Welten gibt: Aethiopien, Europien und Türkien, wenn es mir gestattet ist, das Reich der Türken so zu abessinisiren. Ferner: dass Europa ungefähr so gross wie Aethiopien sei, aber keinen Negus Negesti besitze; im Mittelalter sei das der römische Kaiser gewesen. Sie halten Russland für das mächtigste Land und den Kaiser von Russland mindestens so mächtig wie den König von Tigre. England und Frankreich sind in ihren Augen ebenfalls mächtige Königreiche, die Macht des erstern mussten sie ja fühlen, wie denn namentlich der gegenwärtige Negus die höchste Achtung vor England und Napier hat. Frankreich ist aber doch in ihren Augen gesunken, die ungeahndete Einkerkerung und Beschimpfung Lejean’s, die Gefangennahme Napoleon’s haben nicht verfehlt, den Werth des französischen Namens zu vermindern. Frankreich wird sich aber wol wenig aus der Meinung der Abessinier machen.[112]Dies ist offenbar ein Irrthum vom Kaiser Johannes, dennseineVorfahren haben nie den Thron von Abessinien besessen. Aber schon 1868 schrieb der jetzige Kaiser, damals Prinz Kassai Abbo Bubbus, an Lord Napier einen Brief, in welchem unter anderm die Stelle vorkommt: „Durch Christi Gnade habe ich den Thron meiner Vorfahren Michaël, Walda Selassie, Sabagadis u.s.w. wiedererlangt.“ WiejederAbessinier auf Gott weiss wen hinsichtlich seiner Abstammung zurückgreift, Theodor sogar einmal öffentlich verkünden liess, er stamme von Salomo, von „David“, von „Adam“, so auch wird Negus Johannes ebenso sicher von seiner Salomonischen und Sabagadisischen Abstammung überzeugt sein, wie Pio nono es war von seiner Unfehlbarkeit, und Sidi el Hadj Abd es Ssalem von Uesan von seiner Gottbegnadetheit.[113]Man lese mit Aufmerksamkeit das Buch von Matteucci und wird dann staunen über die Dinge, welche er dem Negus erzählte oder schrieb.[114]Man findet die Berichte darüber im „Esploratore“ und in der französischen „Exploration“.[115]Die Geschenke, selbstverständlich aus kaiserlichen Mitteln beschafft, sollten allerdings ursprünglich dem Sultan von Uadaï übergeben werden, sie wurden mir jedoch in Berlin schon 1878 mit dem Bemerk überwiesen, dass ich sie als Geschenk für einen andern Fürsten verwenden könne, falls ich Uadaï nicht erreiche.[116]Andree in seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen“, S. 253, sagt, dass in Konstantinopel früher die Sultane das ausschliessliche Privilegium hatten, einenrothenSchirm zu tragen. In Abessinien wird dem Negus der Schirm getragen, wie Andree, S. 251, aus Wilkinson’s „Persepolis“ das Schirmtragen abgebildet hat.[117]Da alle afrikanischen Völker grosse Kinder sind, sollten die Afrikareisenden nie versäumen, sich mit Spielsachen zu Geschenken zu versehen. So kaufte ich unter andern noch in Massaua einen gehenden Pfau, der Rad schlug, einen geigenden Affen u. dgl. m.[118]Matteucci, S. 203.[119]Wahrscheinlich eine wilde Dattelpalme mit feinen Blättern von sehr lebhaftem Grün, auf amharisch Sselen, auf tigrisch Sieh genannt.[120]Dieser schöne See heisst auf amharisch Tana, auf tigrisch Tsana.[121]Dieser grosse Block besteht aus Sandstein, während sonst die ganze Gesteinsmasse der Gegend vulkanisch ist.[122]Heuglin sagt, Eifag läge wol über 1500 Fuss über dem Tana. Das ist ein Irrthum, der Unterschied beträgt kaum 50 m.[123]Nach Stecker 2980 □km.[124]Siehe Stecker’s Bericht in den „Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland“, 1881. Bd. III, S. 32.[125]Tankua nennt man jene eigentümlichen Fahrzeuge auf dem Tana-See, welche aus Schambuko-Rohr zusammengebunden werden. Dieses Schambuko-Rohr (arundo donax) erreicht eine Länge von 5–8 m, wird unten 4–5 cm dick und trägt wegen seiner Porosität ziemlich grosse Lasten. Auf dem Tana-See kennt man nur dieses meist flossförmige, oft aber auch schiffsförmige, mit einem Schnabel versehene Fahrzeug.[126]Sie unterstützten aber ihre Bitte gleich durch vorzügliche, in der Nähe gewachsene und schon reife Pfirsiche.[127]Meistens Zegi geschrieben, die Priester sprachen aber Segi aus. Diese am Südufer des Tana gelegene Halbinsel, dort wo der blaue Nil aus demselben herauskommt, ist berühmt wegen ihrer Kaffeezucht.[128]Neuere Maler malen auch auf Papier und kleben hinter das Papier Leinwand, um es vor dem Zerreissen zu bewahren. So ist das in meinem Besitze sich befindende grosse Schlachtengemälde von Gudda-Guddi auf Papier gemalt.[129]Das Holz schien mir Wachholder zu sein, was mir auch die Priester bestätigten: ein Holz, das sich als besonders widerstandsfähig gegen Fäulniss erweist.[130]Der in jedem Jahre neu ernannte Bürgermeister Gondars, der ehemaligen kaiserlichen Residenz, hat nicht, wie in den übrigen Ortschaften, den Titel Schum, sondern den nur für Gondar geltenden „Kentiba“. Der mit uns gekommene Mekemat Kentiba, ein noch sehr junger, bescheidener, gefälliger Mann, war mütterlicherseits ein entfernter Verwandter des Negus.[131]Ich hatte ihm gar kein rothes Tuch geschenkt, sondern der Negus überwies das ihm von mir gegebene Stück, ca. 40 m, dem Etschege, der es seinen Untergebenen zukommen liess.[132]Bruce, „Voyage“, I,VI, S. 48, franz. Ausgabe.[133]Rüppel, II, 434, hat 12° 36′ und 35° 11′ östl. L. von Paris; Heuglin hat 12° 37′ 7″ nördl. Br.[134]Bruce, III, 44.[135]Bezüglich der Einwohnerzahl fand ich bei der Beschreibung Gondars in Raffray’s und Matteucci’s Buche über Abessinien eine sonderbare Uebereinstimmung. Das von Raffray erschienzuerstund ist also das ältere. Raffray sagt S. 303: „Les Abyssiniens aiment à représenter surtout Saint-Georges, Saint-Michel et les Miracles de la vierge. Ils ont pour la mère du Christ une dévotion particulière qui se traduit incessamment par de touchantes allégories dans le but de prouver à la fois sa puissance et sa bonté.“ Der Reisende Matteucci übersetzt wörtlich von Raffray ohne Quellenangabe, S. 164, seines Werkes: „Gli Abissini prediligono di figurare sopra tutto S. Giorgio, S. Michele e i prodigi della Vergine. Hanno per la madre di Christo una devozione veramente peculiare, che si risolve sempre in commoventi allegorie allo scopo di segnalare ad un tempo la sua potenza e bontà.“ Aufmerksam gemacht, fand ich noch viele längere Stellen in Matteucci’s Buche als wörtliche Uebersetzungen des Raffray’schen, sodass man wol sagen kann: ein einziges Plagiat! Aber derartige Abschreibereien könnte man noch öfter und zwar bei viel berühmtern Reisenden nachweisen, wenn die meisten auch vorsichtshalber andere Worte und Ausdrucksweisen anwenden. Warum aber nicht die Quelle angeben? Ist es denn eine Schande, zu gestehen, dass man dieses oder jenes diesem oder jenem Werke entnommen habe?[136]Harris, II, 108, deutsche Ausgabe, sagt: „Die vertriebene Salomonische Linie hatte, reducirt auf die Herrschaft Schoas, ihr altererbtes Gebiet wieder zu erlangennieden Versuch gemacht. Durch einen jetzt abgeschlossenen Vertrag aber wurde der damals in Schoa herrschende Sekueno Amlak (Syon Amlag) auf seiner Ahnen Thron wieder gesetzt, wobei Naakueto Laab nur die Landschaft Lasta als für ewig unabhängiges Fürstenthum nebst dem goldenen Stuhl, den silbernen Pauken und andern Abzeichen der Königswürde behielt, während ein Dritttheil des gesammten Grundes und Bodens des Reiches dem jeweiligen Primas zur Aufrechthaltung seiner geistlichen Würde und zur Unterhaltung der Geistlichkeit, der Klöster und Kirchen überlassen ward: dies war die sogenannte Zeitrechnung der Theilung.“[137]Es ist eine eigenthümliche Sitte in Abessinien, dass die Leute, wenn sie essen, trinken oder auch auf freiem Felde ihre Nothdurft verrichten, sich von andern eine Schama, eine Decke oder irgendein Tuch oder Kleidungsstück überhalten lassen. Viele behaupten, es geschähe das, um den bösen Blick, den Blick des Neides von sich abzuwehren. Ich glaube aber, dass das Ueberhalten eines Tuches beim Essen deshalb geschieht, um nicht andere einzuladen zu brauchen. Meine Diener, stets 50 an Zahl, assen partienweise. Vor dem Beginn der Mahlzeiten krochen jedesmal acht oder zehn, welche eine Essgenossenschaft bildeten, unter eine Schama. Thaten sie es nicht, was auch wol vorkam, wenn die Sache Eile hatte, dann hielten sie sich stets verpflichtet, zufällig Nahekommende zur Theilnahme an ihrem Gerichte aufzufordern. Und was das Bedecken eines die Nothdurft Verrichtenden anbetrifft – es handelt sich selbstverständlich nur um Vornehme – so glaube ich dies nur auf Schicklichkeitsgefühl zurückführen zu müssen. In Tafilet beobachtete ich eine ähnliche Sitte: am Markttage drehten alle, welche eine Speisebude betraten, das Gesicht der Wand und den Rücken dem Eingange zu, und in dieser Stellung assen sie. Offenbar auch nur, um nicht zufällig Hereintretende auffordern zu müssen, am Essen theilzunehmen.[138]Bruce schreibt: Coscam; Rüppel: Koskam; Heuglin: Qosquam; Raffrai: Kouskouam u.s.w.[139]Kaiserin.[140]Im Grabgewölbe, welches früher die kostbaren Handschriften barg, entdeckte ich zwei Metallsärge, welche Gebeine der Kaiser enthalten sollten. Auch befand sich darin ein schöner, reich mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegter Stuhl oder Thron eines Atse.[141]Flad hat ein anziehendes Büchlein veröffentlicht: „Kurze Schilderung der bisher fast unbekannten abessinischen Juden (Falascha).“ (Kornthal bei Stuttgart 1869.) Stern publicirte: „Wanderings among the Falaschas.“[142]Es ist bezeichnend, dassallemonotheistischen Religionen eine sogenannteheilige, nur von der Priesterschaft verstandene Sprache haben: die Abessinier ihr Gees oder Gheez, heute eine todte,selbst den meisten Priestern unverständliche, rein mechanisch von ihnen erlernte und von Mosaisten und Christen angewandte Sprache. Sagt man: „Aber du verstehst ja gar nicht, was du betest“, so wird beständig geantwortet: „Das ist auch nicht nöthig, der liebe Gott hört es und versteht es.“ Die Mohammedaner bedienen sich des Arabischen, abermindestens zwei Drittel der Muselmanen verstehen nicht Arabisch. Für die Juden gilt das Hebräische als heilige Sprache, aber wer von englischen, französischen, deutschen u.s.w. Laien-Juden versteht heute Hebräisch? Die Christen hatten und haben zum Theil noch die lateinische Sprache, bis Luther den Bann brach und allen Völkern ihre Muttersprache für die Anbetung Gottes empfahl.[143]Meine ursprüngliche, von Ras Alula mir beigegebene Escorte hatte ich als Leibwache beibehalten, die übrige Soldateska unter ihrem Oberst stand mit mir in gar keinem nähern Verhältniss.[144]Diese Kleidungsstücke sind jetzt im berliner Ethnographischen Museum.[145]Die Abessinier selbst theilen hinsichtlich der Bodengestaltung ihr Land in drei Regionen: 1) Tiefland, Kolla genannt, womit sie die Gegenden bezeichnen, welche unter 1500 m liegen. 2) Deka-Woina, zwischen 1500 bis 3000 m hoch. 3) Deka schlechtweg, über 3000 m hoch. Natürlich sind diese Grenzen nicht genau gezogen. Am grössten ist die Deka-Woina: im Süden reicht ihre Grenze bis zur Höhe von ca. 4000 m. Auch in Semien steigen auf der südwestlichen und südlichen Seite des Gebirgslandes die bewohnten Striche bis zu 4000 m Höhe. Interessant ist es, dass der Name Woina, abgeleitet vom griechischen οἶνος, Wein, zur Bezeichnung der untern Deka, d.h. der mittlern Region diente. Denn gerade auf dieser Deka war in früherer Zeit der Weinbau so ausgedehnt, dass er der ganzen Gegend den Namen Deka Woina: Weinhochland, gab. Jetzt stehen nur noch die leeren Weinberge da. In und um Gondar kann man deutlich an der Veranlagung erkennen, dass man den Wein ähnlich wie bei uns am Rhein anbaute. Aus dem Worte οἶνος, Woina, darf man wol folgern, dass die Griechen den Wein vielleicht von Adulis über Aksum nach Abessinien einführten.[146]Beim Abschied bat er mich, ich möge ihm einen indischen Helm besorgen, der meinige, den ich dem Negus anbot, convenirte ihm nicht.[147]Herr Professor Dillmann in Berlin hatte die Güte, mir diesen Brief zu übersetzen. Der Ausdruck: „gehen, Völker zu vertilgen“ ist echt biblisch. Gott selbst hat sich durch Moses’ Vermittelung oft dieser Formel bedient. Was das Datum anbetrifft, so bemerke ich, dass der Monat Jekatit etwa unserm Februar entspricht. Das abessinische Neujahr beginnt am 10. September. Im ganzen sind die Abessinier in der christlichen Zeitrechnung um 7 Jahre und 112 Tage zurück. Bei Christi Geburt zählten sie seit Erschaffung der Welt 5499 Jahre. Ihre zwölf Monate heissen: Maskarem, Tekimt, Hedar, Tachsas, Ter, Jekatit, Magabit, Mijazia, Ginbot, Senie, Hamlieh und Nehasie, und da jeder Monat dreissig Tage hat, bleibt ihnen stets ein dreizehnter Schaltmonat, Pagumiehne, der dreimal hintereinander 5 und das vierte mal 6 Schalttage enthält.[148]Aksum ist jedenfalls die richtigere Schreibweise und dem Axum, wie die Italiener, oder dem Axoum, wie die Franzosen es schreiben, vorzuziehen. Denn in der äthiopischen Sprache gibt es kein X. d’Abbadie schreibt übrigens auch Akzoum.[149]Viele werden dies als Heuchelei auslegen, aber es geschah aus der auf meinen Reisen gewonnenen Erfahrung, dass man am besten reist, wenn man sich den Sitten und Gebräuchen der Völker, unter denen man sich befindet, so viel wie möglich anschmiegt. Und wenn man in einer europäischen Kirche von jedem, auch dem Nichtgläubigen, erwartet, dass er beim Betreten des Gotteshauses sein Haupt entblösst, so wird man auch nichts darin finden können, in Abessinien einen Gebrauch mitzumachen, den man bei uns als überflüssig betrachtet. Dabei will ich keineswegs Bruce vertheidigen, der so weit ging, sich von der abessinischen Geistlichkeit den Segen ertheilen zu lassen, hernach aber sich über sie lustig macht. Am Ende des 7. Buches sagt er:Unterdessen hatten sich zwanzig dicke Mönche auf meinem Wege angestellt, um mir ihren Segen zu geben, wie Teusa Christos. (Diesen hatte er um seinen Segen und seine Fürbitte gebeten.) Ich hatte wenig Glauben zu ihren Gebeten, und es lag mir nichts daran, die Hände und fettigen Aermel dieser Unwissenden zu küssen. Dennoch unterzog ich mich dieser unangenehmen Ceremonie, gab ihnen aber auch auf englisch meinen Segen: „Möge Gott euch allen einen Strick zukommen lassen, wie er dem Abba Salama einen schickte.“ Ich spielte auf den vor kurzem gehängten Accab Saat an, aber sie glaubten, ich empfehle sie dem Patriarchen Abba Salama, und antworteten mit einem salbungsvollen: „Amen!“[150]Gobat in seinem „Journal d’un séjour en Abyssinie“ (Paris) sagt S. 322: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn Namens Menelek zeugte, welcher ihm so ähnlich war, dass die Bewohner Jerusalems ihn mit ihm verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort, ihm anempfehlend, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade mit, sowie eine grosse Zahl von Juden; unterwegs aber setzte er sowie ein Theil seines Gefolges am Sabbattag über einen Fluss, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluss passirt hatten. (Die Abessinier waren also nach dieser Sage schon zu Salomo’s Zeit Christen, Christen vor Christi Geburt!) Die Falascha sind die Abkömmlinge von denen, welche dem Gesetz Moses treu blieben und den Fluss am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum, aber für die Christen unzugänglich; nur die Falascha können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, wo die Bundeslade ist, theilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung etc. etc.[151]Herr Abarguez de Sosten, welcher im Auftrag der Madrider Geographischen Gesellschaft reiste und zugleich Geschenke vom König von Spanien dem Negus Negesti überbringen sollte, versuchte zuerst landwärts nach Abessinien zu kommen, kam jedoch nur bis Siut. Um aber eine solche Mission auszuführen, denn sein Plan ging von Abessinien aus nach dem Süden, bedurfte es eines grössern Glanzes. Der ärmliche Aufzug erweckte beim Negus Negesti den Verdacht, dass die Geschenke gar nicht vom König von Spanien seien, und daraufhin musste denn Abarguez, nach kurzem Aufenthalt beim Kaiser von Abessinien, nach Aegypten zurückkehren. Nähere Details hierüber, welche mir Dr. Stecker später brieflich aus Abessinien mittheilte, eignen sich nicht für die Veröffentlichung.[152]Dabamatta, d.h. Haus von Abba-Matta, ist zusammengezogen aus Edda-Abba-Matta.[153]Es gibt viele Bäder oder Thermen in Abessinien. So wird seit mehr als hundert Jahren das zwischen Debra Tabor und der Stadt Korata am Tana-See gelegene Bad Madera-Mariam als sehr heilkräftig benutzt, und noch zur Zeit, als Oberst Gordon in Abessinien war, besuchte es der jetzige Kaiser. Combes und Tamisier beschreiben den Ort, ohne über die Natur des Wassers Aufklärung zu geben. Auch Dr. Stecker, welcher 1881 über Madera-Mariam kam, erwähnt nichts von der Beschaffenheit des Wassers, doch sind auf seiner Karte des Tana-Sees (Bd. III, Heft I der Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft) „heisse Quellen“ verzeichnet.[154]Jene natürliche zu einer Kirche eingerichtete Tropfsteinhöhle, von der eben die Rede war.[155]Der Hauptsache nach stimmt die Erzählung des jungen Schimper mit der seines Vaters, des Dr. Schimper, in der „Zeitschrift für Erdkunde“, Jahrg. 1872, S. 365. – Der alte Schimper hatte eine sehr lebhafte Phantasie. Diese seine Tochter war nicht mit einem Missionar vorher verheirathet gewesen. Auch hatte er selbst nicht von seiner 65jährigen Frau (Jahrg. 1872, S. 270), sondern von einem jungen Mädchen, seiner zweiten Frau, einen Sohn bekommen. Ich folge daher lieber den Ausführungen Schimper’s des Jüngern.[156]Rüppel, II, 185 fg.[157]„Wahrhaftiger Bericht“ u.s.w. F. Alvarez, 1566 insignia Joachimi Helleri Leucopetraei.[158]Dies wurde geschrieben vor der Empörungsepoche unter Arabi.[159]Ist auch im August d. J. plötzlich verstorben.[160]Goetana = Herr.[161]Die Zerkleinerung und Fortschaffung dieser – Papyrus-Grasbarren, welche oft Quadratkilometer weit die Breite des ganzen Stromes verstauen, geschah 1880 durch Marno, welcher monatelang am Bahr el Abiad mit einem Dampfer arbeitete, um die zuvor zerstückten Barren und Inseln stromabwärts treiben zu lassen. Siehe hierüber das interessante „Tagebuch während der Beseitigung der Grasbarren im Bahr el Abiad und Bahr el Gebel von Ernst Marno“, in den Mittheilungen der Kais. Königl. Geogr. Gesellsch. XXIV. Band (Wien 1881).[162]Es ist wol anzunehmen, dass Gessi während des entsetzlichen Unglücks geistig getrübt war.

FUSSNOTEN:[1]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.[2]Eine grosse Eigenthümlichkeit entfalteten die Abessinier aber viel später in Behandlung der in Fels gehauenen Bauten. Diese lassen sich an Kühnheit der Ausführung und Besiegung der Schwierigkeiten vollkommen ähnlichen Wunderwerken Asiens und Amerikas an die Seite setzen. Ja viele, z.B. die Wunderkirchen in Lalibala, übertreffen an Ebenmaass und Schönheit manche viel berühmtere Bauten ähnlicher Construction. Nach Lalibala sind wenige Reisende gekommen. Da ich auf meiner diesmaligen Reise weder Lalibala berührte, noch auch sonst Gelegenheit hatte, derartige in den Fels hineingetriebene oder aus einem einzigen riesigen Monolith herausgearbeitete Kirchen zu besuchen, so liegt auch keine Veranlassung vor, hier näher darauf einzugeben. Die sich dafür Interessirenden verweise ich auf Alvarez oder auf meine im Globus und in Petermann’s Mittheilungen 1868 veröffentlichten Berichte über Lalibala.[3]Das sehr grosse Original befindet sich im Besitze des Verfassers.[4]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.[5]Der Golf von Sues hatte bei den Alten speciell den NamenSinus Heroopolites, während der östliche, jetzt Akaba-Busen genannte ArmSinus Aelaniticushiess.[6]Ueber 2000 km beträgt diese Länge.[7]Die grösste Breite, unter dem 16. Grad nördl. Br., beträgt über 350 km.[8]Die Pilger waren nach Djedda verfrachtet undmusstendort eintreffen, um die am bestimmten Tage stattfindende Besteigung des Berges Arafat und das damit verbundene Opfer ausführen zu können. Hätte man sie bei Yanbo, das ca. 400 km nördlich von Djedda und noch weiter von Mekka gelegen ist, gelandet, dann wären sie viel zu spät gekommen, ihre weite Pilgerreise von Java wäre also vollkommen umsonst gewesen. Um nun ein Ausschiffen in Yanbo zu verhindern, würden sie sich zu jedem Opfer bereit erklärt haben.[9]Djedda heisst auf Deutsch Grossmutter und, eigentlich Medina el Djedda, Stadt der Grossmutter oder Ahne, hat sie diesen Namen erhalten wegen des dort befindlichen Grabmals der Eva.[10]Hier in Djedda wurde am 15. Juni 1858 jenes entsetzliche Blutbad unter Franzosen, Engländern und Griechen seitens der Mohammedaner angerichtet, welchem durch ihre Tapferkeit nur die Frau Emerald, Tochter des französischen Consuls, entging. Unbegreiflicherweise begnügte sich England mit einem dreitägigen Beschiessen der Stadt, während die einzige nachhaltige Strafe die Eroberung Mekkas gewesen wäre und hätte sein müssen. Dass dies nicht geschah, hatte schon zwei Jahre darauf, im Juli 1860, die Metzelei von Damaskus zur Folge, und die Christenmetzeleien in Aegypten 1882 sind nur Folge der blutigen Ausschreitungen von Djedda und Damaskus. Und auch diese ägyptischen sind nicht die letzten! Das einzige Mittel, die Mohammedaner von ihrem religiösen Wahnsinn zu heilen, ist, ihnen praktisch zu beweisen, dass die Welt nicht untergeht, falls irgendeine christliche Macht, wenn auch nur vorübergehend, Mekka und Medina besetzt. Zu zerstören braucht man ja deshalb noch nicht diese altehrwürdigen Städte.[11]Der niederländische Consul, Herr Kruyt, hatte die Güte, mir brieflich mitzutheilen, dass unter diesen 15000 Einwohnern sich befinden:Juden3Europäer70(einschliesslich 45 Griechen, Malteser, und 5 syrischer Obersten)Indier2000Türken1000Original-Araber aus Hadramaut5000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Aegypten und Nordafrika4000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Hedjas500Perser300Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)1600Andere Orientalen527Nach Djedda werden jährlich durchschnittlich 4–5000 Sklaven eingeführt. Meistens kommen sie von der gegenüberliegenden afrikanischen Küste zwischen Suakin und Seila. Einige wenige Circassier auch aus Aegypten und der Türkei.Der Import beträgt jetzt durchschnittlich 10,000000 Maria-Theresienthaler (ca. 40,000000 Mark), der Export 2,500000 Maria-Theresienthaler (ca. 10,000000 Mark).Es liefen ein in Djedda an Dampfern:imJahre1878:218Dampferzu194473Tonnen„„1879:241„„213295„„„1880:328„„295302„„„1881:251„„245608„an Seglern:imJahre1878:1018Seglerzu45070Tonnen„„1879:1156„„55932„„„1880:1072„„51035„„„1881:1033„„44836„Deutschland ist leider gar nicht bei diesem nicht unbedeutenden Handel und Verkehr betheiligt. Aber wir hielten es nicht für unangemessen, an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen.[12]Mekka führt den Namen „Harem“, d.h. „verboten“, weil der Liebling Gottes allen andern, ausser Gläubigen, den Zutritt zu dieser Stadt des Heils verbot. In der That ist auch, seitdem Mohammed sich zum Propheten machte, noch nie ein Jude oder Christ dort gewesen, es sei denn unter der Maske des Islam.[13]Ueber die nur auf Zeit geschlossenen Ehen der mohammedanischen Pilger auf ihrer Rundreise lese man das Bezügliche bei Burton, Maltzan und andern Mekkareisenden nach.[14]Hadj ist bekanntlich der Titel, den die Mekkapilger bekommen, sobald sie alle vorgeschriebenen Handlungen absolvirt haben.[15]Vgl. Jahrgang 1882, Nr. 5, 6 und 7.[16]Namentlich was Afrika anbetrifft, hat Hübbe-Schleiden sich in dieser Beziehung unvergängliche Verdienste erworben.[17]Alamayo war der einzige Sohn Theodor’s, welcher in des Negus Augen Anrecht auf den abessinischen Thron hatte. Er stammte aus der Ehe mit einer Tochter Ubieh’s, welche der Negus einst in der Kirche erblickte und zu besitzen wünschte. Ubieh’s Tochter, selbst Prinzessin, bestand aber auf kirchlicher Trauung, und Theodor willigte in der That ein. Im Anfang lebten sie sehr glücklich miteinander, aber bald erhoben sich eheliche Streitigkeiten. So betrat eines Tags Theodor den Tokul seiner Frau, als sie gerade die Psalmen David’s las. „Weisst du nicht“, sagte er, seine Frau grüssend, „dass du aufstehen musst, wenn ich, der König, mit dir rede?“ – „Ich unterhielt mich mit jemand, der grösser ist als du, mit dem König der Welten, und thue das im Sitzen“, erwiderte sie. Der Negus drehte ihr den Rücken zu und ging fort. Ein anderes mal sprang der Negus wuthentbrannt auf sie los und wollte sie schlagen. „Rühr’ mich nicht an! Zurück!“ herrschte sie den Negus an. – „Ich bin der König der Könige und schlage und tödte, wen ich will“, schnaubte Theodor. – „Nur nicht die Frau des Königs der Könige“, erwiderte sie und sah ihn mit blitzenden Augen an. – „Du hast recht“, sagte der Negus und liess seine Hand sinken. Durenesch, (weisses Gold), so hiess diese bedeutende Frau, starb bekanntlich auf dem Rückzuge der Engländer, welche sie mitgenommen hatten.[18]Ob Prinz Alamayo wirklich diese Aeusserung gethan hat, muss ich dahingestellt sein lassen; Obenstehendes theilte mir Kapitän Speedy am 24. November 1880 mit.[19]Wenigstens nicht 1881; wie es ein Jahr später sein könnte, war damals nicht vorauszusehen.[20]Auch Sebastrium-os genannt.[21]Die neueste Literatur dürfte weniger bekannt sein. Aus den vielen hebe ich hervor (abgesehen von der zahlreichen Literatur, welche infolge der britischen Expedition entstand): Girard, „Souvenirs d’un voyage en Abyssinie“ (Kairo 1873); Raffray, „Abyssinie“ (Paris 1880); „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880); Vigoni, „Abissinia“ (Mailand 1881).[22]Ich kaufte bei Herrn Tagliabue mehrere Dutzend Schama, also ein Kauf im grossen, und zahlte für das Stück drei Maria-Theresienthaler. In Abessinien selbst bekommt man aber für drei Maria-Theresienthaler mit der Hand gewebte und besser als mit Maschinen hergestellte Schama, ja, ganz gewöhnliche für noch weniger als drei Thaler. Falls man das Stück für zwei Thaler herstellen könnte, würde man sich ein bedeutendes Absatzfeld erobern.[23]Im Jahre 1866 erhielt Oberst Merewether folgenden Brief: „Geschickt vom Sultan Negus Menelek. Möge dies gelangen in die Hände des Herrschers von Aden. Wir grüssen Euch. Wir befinden uns wohl. Nach einer elfjährigen Abwesenheit von unserm Vaterlande haben wir den Thron unserer Väter bestiegen. Als dies Ereigniss statthatte, freuten wir uns und Ihr freutet Euch mit uns. Wir haben einen Diener geschickt. Er hat einen Auftrag. Bitte, denselben nach Verrichtung seines Geschäftes gleich zurückzuschicken. Er heisst Mekeb. Er bringt Euch ein Pferd und ein Maulthier als Geschenk.“ – Auch an die Königin von England schickte der König von Schoa eine Anzeige seiner Thronbesteigung und unterzeichnete, wie vorstehenden Brief: Negusa Negesh Menelek, d.h. König der Könige.[24]Record of the expedition to Abyssinia, S. 320.[25]Mircha war in Bombay erzogen worden. Diesen liebenswürdigen Greis lernte ich 1881 in Adua kennen, woselbst er jetzt pensionirt lebt.[26]Record of the expedition to Abyssinia, I, 415.[27]Raffray, „Abyssinie“, S. 23.[28]Es war der Abuna Athanasius.[29]Der jüngere Naretti ist 1881 in Abessinien gestorben.[30]Vgl. Schimper’s Brief an Consul Brüning, „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 364.[31]Im Jahre 1872 (vgl. hierüber auch „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 272) wandte sich Schimper an Se. Maj. den Kaiser und bat um eine Unterstützung von 3000 Mark. Er motivirte seine Bitte: „weil ihm, dem 70jährigen Greise, seine 65jährige Frau noch einen Sohn geboren habe“. Der Kaiser schickte dieses Immediatgesuch an Fürst Bismarck zur Begutachtung und dieser mir zur Rückäusserung. Die bezügliche Stelle hatte der Kaiser roth angestrichen und dabei bemerkt: „Ist das möglich?“ – Ich befürwortete die obwol auf Unwahrheit beruhende Bitte Schimper’s, da ich sie ebenfalls für wahr hielt; in Wirklichkeit hatte er sich aber zum zweiten mal verheirathet, wie mir sein Sohn 1881 mittheilte. Das Geld wurde ihm auch vom Kaiser bewilligt. Was er eigentlich mit einer solchen für Abessinien zehnfach werthvollern Summe angefangen, ist vollkommen unbegreiflich. Mit Schulden überbürdet, für die der arme Sohn jetzt haftbar ist, starb Schimper 1879.[32]Cameron und Rassam wurden eingekerkert von Theodor und keineswegs glimpflich behandelt; aber der französische Consul, der zur Zeit Theodor’s dorthin kam, hatte von ihm eine viel schmachvollere Behandlung zu erdulden. Und selbst in neuester Zeit wird mit französischen Abgesandten in Abessinien auf eine staunenerregende Art umgesprungen.[33]Wie der Vicekönig Ismaël behauptet, trägt Nubar besonders die Schuld. Jedenfalls ist es nicht zu leugnen, dass Arakel Bei, Nubar’s Neffe, mit der ersten Expedition gegen Abessinien betraut wurde.[34]Vgl. den Brief Dr. Schimper’s in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 486.[35]Vgl. den Brief von Hildebrand in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1875, S. 1.[36]Vgl. „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880), S. 187. Diese Angabe macht auch Matteucci, alle seine andern Erzählungen sind aber so voller Unrichtigkeiten, dass sie absolut keinen Werth haben. Viel gewissenhafter ist P. Vigoni in seinem „Abissinia“ (Mailand 1881).[37]Petermann’s „Mittheilungen“, 1876, S. 107.[38]Schama, ein grosses baumwollenes Umschlagetuch von weisser Farbe mit rothem Streifen. Die Schama ist Nationaltracht der Abessinier, und Jung und Alt, Mann und Frau, Civilist und Soldat bedient sich derselben.[39]Pfeil und Bogen kennt man in Abessinien nicht mehr.[40]Die Aegypter hatten sechs Batterien hinaufgeschafft.[41]Dies äusserte der Negus selbst, in einer Audienz, die ich bei ihm am 14. Februar 1881 hatte. Ueberhaupt folgte ich in Erzählung dieser Schlacht von Gura fast ausschliesslich den Aeusserungen des Negus.[42]Es ging damals durch die Zeitungen das Gerücht, Prinz Hassan sei gefangen genommen worden, und der Kaiser von Abessinien habe ihn gezwungen, Christ zu werden, und ihm zur Bestätigung seines neuen Glaubens ein Kreuz auf den rechten Arm brennen lassen. Durch ein schweres Lösegeld (20000 Pfd. St.) befreit, habe Prinz Hassan das Kreuz ausgemerzt und die Wunde sodann für eine in der Schlacht erhaltene ausgegeben. Von dieser ganzen Erzählung ist nichts wahr. Prinz Hassan fiel nicht in abessinische Hände, wie mir dies der Negus Negesti ausdrücklich versicherte.[43]Vgl. hierüber Russ, „Abessiniens gegenwärtige Lage“, in „Deutsche geographische Blätter“ (Bremen 1878, Bd. II).[44]Vgl. auch Matteucci, welcher die Begebenheit mit der ihm eigenen Phantasie erzählt und die Unterwerfung im März 1879 stattfinden lässt.[45]In einem an Bianchi geschriebenen Brief von Gordon, Lago Tzana 10./11. 1879 datirt und veröffentlicht im „Esploratore“ 1880, S. 59, heisst es: „Mehr als je war ich unzufrieden, als ich nach Eröffnung des vom König an den Chedive veröffentlichten Briefes sah, dass derselbe nichts als leere Worte enthielt.“[46]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880, Vol. 22, Nr. 3. Dieser Brief ist aus dem Englischen. Aber die englische, vom Madrigal, dem Dolmetsch des Negus, verfasste Uebersetzung scheint mir keineswegs wörtlich dem Amharischen zu entsprechen.[47]Ich habe oben mitgetheilt, dass die Abessinier gar keine Gefangenen hatten. Sämmtliche Mohammedaner wurden getödtet. Verschiedene Individuen aber aus den ägyptischen Grenzprovinzen Galabat, Gedaref, Bogos u.s.w., von denen der Negus behauptete, sie seien abessinisch, schonte man, und da sie der amharischen oder tigrischen Sprache mächtig waren, wurden sie als Artilleristen dem abessinischen Heere einverleibt.[48]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880.[49]Dieses Benehmen war höchst sonderbar.[50]Anti-Slavery Reporter, 1880, S. 77.[51]Das Dutzen erklärt sich wol daraus, weil der Chedive im Arabischen wahrscheinlich auch gedutzt hat.[52]Alten Stils.[53]Anti-Slavery Reporter, S. 77.[54]Um dieselbe Zeit, als Gordon seinen Brief veröffentlichte, befand sich der Verfasser in Abessinien und zwar unfern der Residenz Debra Tabor. Fast alle zwei Monate liefen und laufen derartige Telegramme durch die Zeitungen, welche die Ankunft von abessinischen Gesandten melden. Gewöhnlich sind es Pilger, welche nach Jerusalem wollen. In Aegypten, wo eine vollkommene Unkenntniss abessiniscber Zustände herrscht, sieht man in jedem ankommenden Abessinier einen Gesandten, und diese lassen sich gern als solche ansehen, um umsonst befördert zu werden, wenigstens bis Kairo.[55]Der Abuna Athanasius war, wie oben berichtet, 1877 gestorben. Im Juli 1881 gelang es dem Negus Negesti, einen neuen Abuna, Namens Petros, und drei koptische Priester von Aegypten zu „kaufen“.[56]„Mitzaki avait proposé au Negus de prendre un Abuna de l’église grecque, mais le Negus ne le voulait pas. C’était Novembre 1879 quand j’étais à Debra Tabor.“ (Aus einem Briefe von Gordon an mich vom 24. Juli 1881, Isle de St.-Maurice.)[57]Um ganz genau zu wissen, was der Dolmetscher geschrieben hatte, bat ich Professor Dillmann in Berlin, welcher der amharischen Sprache vollkommen mächtig ist, den amharischen Brief ins Deutsche zurückzuübersetzen, und im ganzen hatte der Abessinier meine Gedanken richtig amharisch zu Papier gebracht.[58]Nach Rückübersetzung von Professor Dillmann in Berlin.[59]Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese, die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten Herrscher an.[60]Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf. 15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen. So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem Stande von 496 die Höhe von 3408,6m ergab, zu einer andern Jahreszeit bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert nur dierelativeHöhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212 m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm, also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande, beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen und InbetrachtziehenallerVerhältnisse würden aber doch zu einer richtigen relativen Höhe führen.[61]„Ausland“, 1870, S. 117.[62]Mit Munzinger.[63]„Ausland“, 1870, S. 117.[64]Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled: ‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim Missionaries‘, is the following note: – ‚by Englishman an Abyssinian understands not an English subject, but a Protestant as distinct from a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the Germans under English protection, who wish them so to understand it. The character of England, as a nation, has not been raised thereby in the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘, who formerly visited their country, were independent persons, who by travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants, whereas they are now poor persons who come to work in their service and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen, dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht „poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und die Schweden.[65]So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte, wie Hanseatien und Preussen es waren.[66]Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.[67]Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne, welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der Schuldigen ist nie erfolgt.[68]Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.[69]Frankreich würde z.B. ganz ausser Stande sein, einen Feldzug gegen Abessinien zu unternehmen, das hat selbst Napoleon III. eingesehen. Der französische Consul Lejean wurde seinerzeit vom Negus Theodor aufs schimpflichste behandelt und sogar eingekerkert, der Brief Napoleon’s in Fetzen zerrissen. Frankreich war absolut machtlos, irgendetwas dagegen zu thun.[70]Napa, deren Biss giftig ist.[71]Irre ich nicht, so haben Blanford und Mitchell, deren Werke mir leider nicht zur Hand sind, Analysen der Quelle gegeben.[72]Als Dolmetsch hatte ich bei mir einen gewissen Johannes, der von dem in der Bogos- und Agausprache so vorzüglich bewanderten Professor Reinisch in Wien seine Ausbildung erhielt, aber des Tigrischen nicht ganz mächtig war.[73]Dieses Instrument mit viereckigem diagonalsitzenden Schallboden heisst Mussunko, auf tigrisch Uota, auf amharisch Tjera oder auch Armari. Der Schallboden ist mit Leder überzogen.[74]Als ich Balata Gebro auf das Unmenschliche dieser Handlung aufmerksam machte, verwies er mich auf Kap. XVIII, V. 25, 1. Buch Samuelis, und, die Göttlichkeit dieses Buches zugegeben, liess sich allerdings nichts erwidern.[75]„Reise nach Abessinien“ (Jena 1868, S. 134).[76]Da es uns sehr interessirte, erkundigten wir, Stecker und ich, uns ganz speciell danach.[77]Addi, Adi, Ad oder Az ist gleichbedeutend.[78]Bale-Ambe-Ras-Ubieh.[79]Raffray, Matteucci, Girard, Russ, Vigoni u.a.[80]Man ersieht hieraus, wie wenig frei man in Abessinien ist. Um den gemeinen Mann kümmert sich kein Mensch; der einigermassen Bekannte, Vornehme oder Reiche ist dagegen in allen seinen Bewegungen beaufsichtigt und muss zu grössern Reisen oder Unternehmungen immer eine besondere Erlaubniss erhalten.[81]Lidj bedeutet eine Persönlichkeit vom hohen Adel.[82]Die abessinischen Priester tragen hohe weisse Turbane.[83]Eine Amole ist ein Salzstück, welches in der östlichen Tiefebene gebrochen und geschnitten wird und, mit Bast umwickelt, 750 gr wiegt.[84]Glasflaschen mit engem Hals.[85]Italienische Schama wurden in Adua nicht verkauft.[86]Margef sind ähnliche grosse Tücher wie die Schama.[87]Bei den slawischen und orientalischen Völkern heissen so die Deutschen, weil sie so wenig redselig sind.[88]Bruce, VI, 641 (ich besitze nur die französische Uebersetzung), findet es merkwürdig, dass die von Cosmas Indopleustes in Abessinien aufgefundene Inschrift enthielt: dass Ptolemäus Euergetes bei Anführung seiner Eroberungen in Aethiopien sagt, er habe den Siris überschritten und sei ins Königreich Semien gekommen, ein Land, welches wegen seiner Kälte und des dort liegenden hohen Schnees unerträglich sei. Er sagt sodann: „Keineswegs möchte ich hierbei gesagt haben, dass es niemals in Abessinien geschneit habe.“[89]Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene, gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.[90]Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz aussergewöhnlichen Länge anwüchse.[91]Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.[92]Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.[93]Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben, dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben, dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe 500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000, annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie? Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen, zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.[94]Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut être évaluée à 4000 habitants au moins.“[95]Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden gegessen, in andern nicht.[96]Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt, lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist linguistisch ebenso richtig wie Takase.[97]Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen,wogemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich. Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten Controversen![98]Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen. Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen, mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.[99]Der jüngere der beiden Brüder Naretti ist inzwischen im Sommer 1881 in Abessinien gestorben, von allen, die ihn kannten, tief betrauert.[100]Erlebnisse in Abessinien von Theoph. Waldmeier. (Basel 1869.)[101]Reise nach Abessinien. (Jena 1868.)[102]The British Captives in Abyssinia. (London 1867.)[103]Journal of the Royal Geographical Society, Vol. XIV, p. 24.[104]Auf der Vigoni’s Werke beigegebenen Karte ist Gafat 2800, Debra Tabor 2900 m hoch verzeichnet.[105]Titel der alten abessinischen Kaiser.[106]Balata-Geta übersetzt Schimper mit Obersthofmeister oder Oberhofmarschall. A. d’Abbadie’s Blaten-Guetà (seigneur des errements) ou grand Sénéchal, espèce de procurator regius, grand maître de la maison, ist wol derselbe. A. d’Abbadie, „Douze ans dans la Haute-Éthiopie“ (Paris 1868), S. 338.[107]Afa Negusti heisst wörtlich „Mund des Negus“, weil er die richterlichen Entscheidungen des Kaisers den Parteien oder der Menge mittheilt.[108]Budjurun ist der Titel des Generalschatzmeisters oder Finanzministers. Arnaud d’Abbadie in seinem bereits erwähnten Werke sagt, S. 341: „Le moulla-Bet-Beudjeround ou trésorier général et maître de la garde-robe.“[109]Es war mir allerdings schon aufgefallen, dass die Abessinier gar keine Abtritte bei ihren Wohnungen haben, selbst in den grössten Städten nicht. Aber ich glaubte, dass sie es in dieser Beziehung hielten wie so manche Völker Innerafrikas oder auch die Zeltbewohner der Berberstaaten. Und da ich selbst zur Befriedigung der täglichen Nothdurft ein eigenes Zelt besass, war von mir die Abwesenheit dieser uns meisten Europäern durchaus unentbehrlich scheinenden Oertlichkeit auch gar nicht bemerkt worden. Schimper belehrte mich nun eines andern. Die Vornehmen und besser Gestellten in Abessinien verrichten ihre Nothdurft in ihren Wohnungen und zwar in solche Röhren, welche sie in den Boden graben und jeden Tag, nachdem man sich ihrer bedient, zuschütten lassen. Da die Vornehmen in Abessinien fast immer unterwegs sind und jeden Tag ein anderes Lager beziehen, ist die Unannehmlichkeit so gross nicht. Bei längerm Verweilen aber in einer und derselben Hütte entwickeln sich, abgesehen von der Gesundheitsgefährlichkeit, die abscheulichsten Gerüche. Als ich den Kentiba (Oberbürgermeister) in Gondar, einen sonst liebenswürdigen Mann, besuchte und Schimper auf die mephitischen Dünste in seinem Hause aufmerksam machte, verwies er mich auf das in Debra Tabor Erlebte.[110]Dies Wort bedeutet unser „Majestät“, hat aber nichts mit Johannes zu thun, wie denn manche daraus auch die mittelalterliche Benennung Pretegianni, Prestre Jan, Priester Johannes, ableiten wollen. Vgl. hierüber: „Perchè l’Imperatore degli Abissini si chiama communemente il Pretegianni? In Varie Operette del Lorenzo Neagallotti“ (Venedig 1779, S. 32).[111]Die Abessinier glauben, dass es drei Welten gibt: Aethiopien, Europien und Türkien, wenn es mir gestattet ist, das Reich der Türken so zu abessinisiren. Ferner: dass Europa ungefähr so gross wie Aethiopien sei, aber keinen Negus Negesti besitze; im Mittelalter sei das der römische Kaiser gewesen. Sie halten Russland für das mächtigste Land und den Kaiser von Russland mindestens so mächtig wie den König von Tigre. England und Frankreich sind in ihren Augen ebenfalls mächtige Königreiche, die Macht des erstern mussten sie ja fühlen, wie denn namentlich der gegenwärtige Negus die höchste Achtung vor England und Napier hat. Frankreich ist aber doch in ihren Augen gesunken, die ungeahndete Einkerkerung und Beschimpfung Lejean’s, die Gefangennahme Napoleon’s haben nicht verfehlt, den Werth des französischen Namens zu vermindern. Frankreich wird sich aber wol wenig aus der Meinung der Abessinier machen.[112]Dies ist offenbar ein Irrthum vom Kaiser Johannes, dennseineVorfahren haben nie den Thron von Abessinien besessen. Aber schon 1868 schrieb der jetzige Kaiser, damals Prinz Kassai Abbo Bubbus, an Lord Napier einen Brief, in welchem unter anderm die Stelle vorkommt: „Durch Christi Gnade habe ich den Thron meiner Vorfahren Michaël, Walda Selassie, Sabagadis u.s.w. wiedererlangt.“ WiejederAbessinier auf Gott weiss wen hinsichtlich seiner Abstammung zurückgreift, Theodor sogar einmal öffentlich verkünden liess, er stamme von Salomo, von „David“, von „Adam“, so auch wird Negus Johannes ebenso sicher von seiner Salomonischen und Sabagadisischen Abstammung überzeugt sein, wie Pio nono es war von seiner Unfehlbarkeit, und Sidi el Hadj Abd es Ssalem von Uesan von seiner Gottbegnadetheit.[113]Man lese mit Aufmerksamkeit das Buch von Matteucci und wird dann staunen über die Dinge, welche er dem Negus erzählte oder schrieb.[114]Man findet die Berichte darüber im „Esploratore“ und in der französischen „Exploration“.[115]Die Geschenke, selbstverständlich aus kaiserlichen Mitteln beschafft, sollten allerdings ursprünglich dem Sultan von Uadaï übergeben werden, sie wurden mir jedoch in Berlin schon 1878 mit dem Bemerk überwiesen, dass ich sie als Geschenk für einen andern Fürsten verwenden könne, falls ich Uadaï nicht erreiche.[116]Andree in seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen“, S. 253, sagt, dass in Konstantinopel früher die Sultane das ausschliessliche Privilegium hatten, einenrothenSchirm zu tragen. In Abessinien wird dem Negus der Schirm getragen, wie Andree, S. 251, aus Wilkinson’s „Persepolis“ das Schirmtragen abgebildet hat.[117]Da alle afrikanischen Völker grosse Kinder sind, sollten die Afrikareisenden nie versäumen, sich mit Spielsachen zu Geschenken zu versehen. So kaufte ich unter andern noch in Massaua einen gehenden Pfau, der Rad schlug, einen geigenden Affen u. dgl. m.[118]Matteucci, S. 203.[119]Wahrscheinlich eine wilde Dattelpalme mit feinen Blättern von sehr lebhaftem Grün, auf amharisch Sselen, auf tigrisch Sieh genannt.[120]Dieser schöne See heisst auf amharisch Tana, auf tigrisch Tsana.[121]Dieser grosse Block besteht aus Sandstein, während sonst die ganze Gesteinsmasse der Gegend vulkanisch ist.[122]Heuglin sagt, Eifag läge wol über 1500 Fuss über dem Tana. Das ist ein Irrthum, der Unterschied beträgt kaum 50 m.[123]Nach Stecker 2980 □km.[124]Siehe Stecker’s Bericht in den „Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland“, 1881. Bd. III, S. 32.[125]Tankua nennt man jene eigentümlichen Fahrzeuge auf dem Tana-See, welche aus Schambuko-Rohr zusammengebunden werden. Dieses Schambuko-Rohr (arundo donax) erreicht eine Länge von 5–8 m, wird unten 4–5 cm dick und trägt wegen seiner Porosität ziemlich grosse Lasten. Auf dem Tana-See kennt man nur dieses meist flossförmige, oft aber auch schiffsförmige, mit einem Schnabel versehene Fahrzeug.[126]Sie unterstützten aber ihre Bitte gleich durch vorzügliche, in der Nähe gewachsene und schon reife Pfirsiche.[127]Meistens Zegi geschrieben, die Priester sprachen aber Segi aus. Diese am Südufer des Tana gelegene Halbinsel, dort wo der blaue Nil aus demselben herauskommt, ist berühmt wegen ihrer Kaffeezucht.[128]Neuere Maler malen auch auf Papier und kleben hinter das Papier Leinwand, um es vor dem Zerreissen zu bewahren. So ist das in meinem Besitze sich befindende grosse Schlachtengemälde von Gudda-Guddi auf Papier gemalt.[129]Das Holz schien mir Wachholder zu sein, was mir auch die Priester bestätigten: ein Holz, das sich als besonders widerstandsfähig gegen Fäulniss erweist.[130]Der in jedem Jahre neu ernannte Bürgermeister Gondars, der ehemaligen kaiserlichen Residenz, hat nicht, wie in den übrigen Ortschaften, den Titel Schum, sondern den nur für Gondar geltenden „Kentiba“. Der mit uns gekommene Mekemat Kentiba, ein noch sehr junger, bescheidener, gefälliger Mann, war mütterlicherseits ein entfernter Verwandter des Negus.[131]Ich hatte ihm gar kein rothes Tuch geschenkt, sondern der Negus überwies das ihm von mir gegebene Stück, ca. 40 m, dem Etschege, der es seinen Untergebenen zukommen liess.[132]Bruce, „Voyage“, I,VI, S. 48, franz. Ausgabe.[133]Rüppel, II, 434, hat 12° 36′ und 35° 11′ östl. L. von Paris; Heuglin hat 12° 37′ 7″ nördl. Br.[134]Bruce, III, 44.[135]Bezüglich der Einwohnerzahl fand ich bei der Beschreibung Gondars in Raffray’s und Matteucci’s Buche über Abessinien eine sonderbare Uebereinstimmung. Das von Raffray erschienzuerstund ist also das ältere. Raffray sagt S. 303: „Les Abyssiniens aiment à représenter surtout Saint-Georges, Saint-Michel et les Miracles de la vierge. Ils ont pour la mère du Christ une dévotion particulière qui se traduit incessamment par de touchantes allégories dans le but de prouver à la fois sa puissance et sa bonté.“ Der Reisende Matteucci übersetzt wörtlich von Raffray ohne Quellenangabe, S. 164, seines Werkes: „Gli Abissini prediligono di figurare sopra tutto S. Giorgio, S. Michele e i prodigi della Vergine. Hanno per la madre di Christo una devozione veramente peculiare, che si risolve sempre in commoventi allegorie allo scopo di segnalare ad un tempo la sua potenza e bontà.“ Aufmerksam gemacht, fand ich noch viele längere Stellen in Matteucci’s Buche als wörtliche Uebersetzungen des Raffray’schen, sodass man wol sagen kann: ein einziges Plagiat! Aber derartige Abschreibereien könnte man noch öfter und zwar bei viel berühmtern Reisenden nachweisen, wenn die meisten auch vorsichtshalber andere Worte und Ausdrucksweisen anwenden. Warum aber nicht die Quelle angeben? Ist es denn eine Schande, zu gestehen, dass man dieses oder jenes diesem oder jenem Werke entnommen habe?[136]Harris, II, 108, deutsche Ausgabe, sagt: „Die vertriebene Salomonische Linie hatte, reducirt auf die Herrschaft Schoas, ihr altererbtes Gebiet wieder zu erlangennieden Versuch gemacht. Durch einen jetzt abgeschlossenen Vertrag aber wurde der damals in Schoa herrschende Sekueno Amlak (Syon Amlag) auf seiner Ahnen Thron wieder gesetzt, wobei Naakueto Laab nur die Landschaft Lasta als für ewig unabhängiges Fürstenthum nebst dem goldenen Stuhl, den silbernen Pauken und andern Abzeichen der Königswürde behielt, während ein Dritttheil des gesammten Grundes und Bodens des Reiches dem jeweiligen Primas zur Aufrechthaltung seiner geistlichen Würde und zur Unterhaltung der Geistlichkeit, der Klöster und Kirchen überlassen ward: dies war die sogenannte Zeitrechnung der Theilung.“[137]Es ist eine eigenthümliche Sitte in Abessinien, dass die Leute, wenn sie essen, trinken oder auch auf freiem Felde ihre Nothdurft verrichten, sich von andern eine Schama, eine Decke oder irgendein Tuch oder Kleidungsstück überhalten lassen. Viele behaupten, es geschähe das, um den bösen Blick, den Blick des Neides von sich abzuwehren. Ich glaube aber, dass das Ueberhalten eines Tuches beim Essen deshalb geschieht, um nicht andere einzuladen zu brauchen. Meine Diener, stets 50 an Zahl, assen partienweise. Vor dem Beginn der Mahlzeiten krochen jedesmal acht oder zehn, welche eine Essgenossenschaft bildeten, unter eine Schama. Thaten sie es nicht, was auch wol vorkam, wenn die Sache Eile hatte, dann hielten sie sich stets verpflichtet, zufällig Nahekommende zur Theilnahme an ihrem Gerichte aufzufordern. Und was das Bedecken eines die Nothdurft Verrichtenden anbetrifft – es handelt sich selbstverständlich nur um Vornehme – so glaube ich dies nur auf Schicklichkeitsgefühl zurückführen zu müssen. In Tafilet beobachtete ich eine ähnliche Sitte: am Markttage drehten alle, welche eine Speisebude betraten, das Gesicht der Wand und den Rücken dem Eingange zu, und in dieser Stellung assen sie. Offenbar auch nur, um nicht zufällig Hereintretende auffordern zu müssen, am Essen theilzunehmen.[138]Bruce schreibt: Coscam; Rüppel: Koskam; Heuglin: Qosquam; Raffrai: Kouskouam u.s.w.[139]Kaiserin.[140]Im Grabgewölbe, welches früher die kostbaren Handschriften barg, entdeckte ich zwei Metallsärge, welche Gebeine der Kaiser enthalten sollten. Auch befand sich darin ein schöner, reich mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegter Stuhl oder Thron eines Atse.[141]Flad hat ein anziehendes Büchlein veröffentlicht: „Kurze Schilderung der bisher fast unbekannten abessinischen Juden (Falascha).“ (Kornthal bei Stuttgart 1869.) Stern publicirte: „Wanderings among the Falaschas.“[142]Es ist bezeichnend, dassallemonotheistischen Religionen eine sogenannteheilige, nur von der Priesterschaft verstandene Sprache haben: die Abessinier ihr Gees oder Gheez, heute eine todte,selbst den meisten Priestern unverständliche, rein mechanisch von ihnen erlernte und von Mosaisten und Christen angewandte Sprache. Sagt man: „Aber du verstehst ja gar nicht, was du betest“, so wird beständig geantwortet: „Das ist auch nicht nöthig, der liebe Gott hört es und versteht es.“ Die Mohammedaner bedienen sich des Arabischen, abermindestens zwei Drittel der Muselmanen verstehen nicht Arabisch. Für die Juden gilt das Hebräische als heilige Sprache, aber wer von englischen, französischen, deutschen u.s.w. Laien-Juden versteht heute Hebräisch? Die Christen hatten und haben zum Theil noch die lateinische Sprache, bis Luther den Bann brach und allen Völkern ihre Muttersprache für die Anbetung Gottes empfahl.[143]Meine ursprüngliche, von Ras Alula mir beigegebene Escorte hatte ich als Leibwache beibehalten, die übrige Soldateska unter ihrem Oberst stand mit mir in gar keinem nähern Verhältniss.[144]Diese Kleidungsstücke sind jetzt im berliner Ethnographischen Museum.[145]Die Abessinier selbst theilen hinsichtlich der Bodengestaltung ihr Land in drei Regionen: 1) Tiefland, Kolla genannt, womit sie die Gegenden bezeichnen, welche unter 1500 m liegen. 2) Deka-Woina, zwischen 1500 bis 3000 m hoch. 3) Deka schlechtweg, über 3000 m hoch. Natürlich sind diese Grenzen nicht genau gezogen. Am grössten ist die Deka-Woina: im Süden reicht ihre Grenze bis zur Höhe von ca. 4000 m. Auch in Semien steigen auf der südwestlichen und südlichen Seite des Gebirgslandes die bewohnten Striche bis zu 4000 m Höhe. Interessant ist es, dass der Name Woina, abgeleitet vom griechischen οἶνος, Wein, zur Bezeichnung der untern Deka, d.h. der mittlern Region diente. Denn gerade auf dieser Deka war in früherer Zeit der Weinbau so ausgedehnt, dass er der ganzen Gegend den Namen Deka Woina: Weinhochland, gab. Jetzt stehen nur noch die leeren Weinberge da. In und um Gondar kann man deutlich an der Veranlagung erkennen, dass man den Wein ähnlich wie bei uns am Rhein anbaute. Aus dem Worte οἶνος, Woina, darf man wol folgern, dass die Griechen den Wein vielleicht von Adulis über Aksum nach Abessinien einführten.[146]Beim Abschied bat er mich, ich möge ihm einen indischen Helm besorgen, der meinige, den ich dem Negus anbot, convenirte ihm nicht.[147]Herr Professor Dillmann in Berlin hatte die Güte, mir diesen Brief zu übersetzen. Der Ausdruck: „gehen, Völker zu vertilgen“ ist echt biblisch. Gott selbst hat sich durch Moses’ Vermittelung oft dieser Formel bedient. Was das Datum anbetrifft, so bemerke ich, dass der Monat Jekatit etwa unserm Februar entspricht. Das abessinische Neujahr beginnt am 10. September. Im ganzen sind die Abessinier in der christlichen Zeitrechnung um 7 Jahre und 112 Tage zurück. Bei Christi Geburt zählten sie seit Erschaffung der Welt 5499 Jahre. Ihre zwölf Monate heissen: Maskarem, Tekimt, Hedar, Tachsas, Ter, Jekatit, Magabit, Mijazia, Ginbot, Senie, Hamlieh und Nehasie, und da jeder Monat dreissig Tage hat, bleibt ihnen stets ein dreizehnter Schaltmonat, Pagumiehne, der dreimal hintereinander 5 und das vierte mal 6 Schalttage enthält.[148]Aksum ist jedenfalls die richtigere Schreibweise und dem Axum, wie die Italiener, oder dem Axoum, wie die Franzosen es schreiben, vorzuziehen. Denn in der äthiopischen Sprache gibt es kein X. d’Abbadie schreibt übrigens auch Akzoum.[149]Viele werden dies als Heuchelei auslegen, aber es geschah aus der auf meinen Reisen gewonnenen Erfahrung, dass man am besten reist, wenn man sich den Sitten und Gebräuchen der Völker, unter denen man sich befindet, so viel wie möglich anschmiegt. Und wenn man in einer europäischen Kirche von jedem, auch dem Nichtgläubigen, erwartet, dass er beim Betreten des Gotteshauses sein Haupt entblösst, so wird man auch nichts darin finden können, in Abessinien einen Gebrauch mitzumachen, den man bei uns als überflüssig betrachtet. Dabei will ich keineswegs Bruce vertheidigen, der so weit ging, sich von der abessinischen Geistlichkeit den Segen ertheilen zu lassen, hernach aber sich über sie lustig macht. Am Ende des 7. Buches sagt er:Unterdessen hatten sich zwanzig dicke Mönche auf meinem Wege angestellt, um mir ihren Segen zu geben, wie Teusa Christos. (Diesen hatte er um seinen Segen und seine Fürbitte gebeten.) Ich hatte wenig Glauben zu ihren Gebeten, und es lag mir nichts daran, die Hände und fettigen Aermel dieser Unwissenden zu küssen. Dennoch unterzog ich mich dieser unangenehmen Ceremonie, gab ihnen aber auch auf englisch meinen Segen: „Möge Gott euch allen einen Strick zukommen lassen, wie er dem Abba Salama einen schickte.“ Ich spielte auf den vor kurzem gehängten Accab Saat an, aber sie glaubten, ich empfehle sie dem Patriarchen Abba Salama, und antworteten mit einem salbungsvollen: „Amen!“[150]Gobat in seinem „Journal d’un séjour en Abyssinie“ (Paris) sagt S. 322: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn Namens Menelek zeugte, welcher ihm so ähnlich war, dass die Bewohner Jerusalems ihn mit ihm verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort, ihm anempfehlend, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade mit, sowie eine grosse Zahl von Juden; unterwegs aber setzte er sowie ein Theil seines Gefolges am Sabbattag über einen Fluss, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluss passirt hatten. (Die Abessinier waren also nach dieser Sage schon zu Salomo’s Zeit Christen, Christen vor Christi Geburt!) Die Falascha sind die Abkömmlinge von denen, welche dem Gesetz Moses treu blieben und den Fluss am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum, aber für die Christen unzugänglich; nur die Falascha können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, wo die Bundeslade ist, theilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung etc. etc.[151]Herr Abarguez de Sosten, welcher im Auftrag der Madrider Geographischen Gesellschaft reiste und zugleich Geschenke vom König von Spanien dem Negus Negesti überbringen sollte, versuchte zuerst landwärts nach Abessinien zu kommen, kam jedoch nur bis Siut. Um aber eine solche Mission auszuführen, denn sein Plan ging von Abessinien aus nach dem Süden, bedurfte es eines grössern Glanzes. Der ärmliche Aufzug erweckte beim Negus Negesti den Verdacht, dass die Geschenke gar nicht vom König von Spanien seien, und daraufhin musste denn Abarguez, nach kurzem Aufenthalt beim Kaiser von Abessinien, nach Aegypten zurückkehren. Nähere Details hierüber, welche mir Dr. Stecker später brieflich aus Abessinien mittheilte, eignen sich nicht für die Veröffentlichung.[152]Dabamatta, d.h. Haus von Abba-Matta, ist zusammengezogen aus Edda-Abba-Matta.[153]Es gibt viele Bäder oder Thermen in Abessinien. So wird seit mehr als hundert Jahren das zwischen Debra Tabor und der Stadt Korata am Tana-See gelegene Bad Madera-Mariam als sehr heilkräftig benutzt, und noch zur Zeit, als Oberst Gordon in Abessinien war, besuchte es der jetzige Kaiser. Combes und Tamisier beschreiben den Ort, ohne über die Natur des Wassers Aufklärung zu geben. Auch Dr. Stecker, welcher 1881 über Madera-Mariam kam, erwähnt nichts von der Beschaffenheit des Wassers, doch sind auf seiner Karte des Tana-Sees (Bd. III, Heft I der Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft) „heisse Quellen“ verzeichnet.[154]Jene natürliche zu einer Kirche eingerichtete Tropfsteinhöhle, von der eben die Rede war.[155]Der Hauptsache nach stimmt die Erzählung des jungen Schimper mit der seines Vaters, des Dr. Schimper, in der „Zeitschrift für Erdkunde“, Jahrg. 1872, S. 365. – Der alte Schimper hatte eine sehr lebhafte Phantasie. Diese seine Tochter war nicht mit einem Missionar vorher verheirathet gewesen. Auch hatte er selbst nicht von seiner 65jährigen Frau (Jahrg. 1872, S. 270), sondern von einem jungen Mädchen, seiner zweiten Frau, einen Sohn bekommen. Ich folge daher lieber den Ausführungen Schimper’s des Jüngern.[156]Rüppel, II, 185 fg.[157]„Wahrhaftiger Bericht“ u.s.w. F. Alvarez, 1566 insignia Joachimi Helleri Leucopetraei.[158]Dies wurde geschrieben vor der Empörungsepoche unter Arabi.[159]Ist auch im August d. J. plötzlich verstorben.[160]Goetana = Herr.[161]Die Zerkleinerung und Fortschaffung dieser – Papyrus-Grasbarren, welche oft Quadratkilometer weit die Breite des ganzen Stromes verstauen, geschah 1880 durch Marno, welcher monatelang am Bahr el Abiad mit einem Dampfer arbeitete, um die zuvor zerstückten Barren und Inseln stromabwärts treiben zu lassen. Siehe hierüber das interessante „Tagebuch während der Beseitigung der Grasbarren im Bahr el Abiad und Bahr el Gebel von Ernst Marno“, in den Mittheilungen der Kais. Königl. Geogr. Gesellsch. XXIV. Band (Wien 1881).[162]Es ist wol anzunehmen, dass Gessi während des entsetzlichen Unglücks geistig getrübt war.

FUSSNOTEN:

[1]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.

[1]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.

[2]Eine grosse Eigenthümlichkeit entfalteten die Abessinier aber viel später in Behandlung der in Fels gehauenen Bauten. Diese lassen sich an Kühnheit der Ausführung und Besiegung der Schwierigkeiten vollkommen ähnlichen Wunderwerken Asiens und Amerikas an die Seite setzen. Ja viele, z.B. die Wunderkirchen in Lalibala, übertreffen an Ebenmaass und Schönheit manche viel berühmtere Bauten ähnlicher Construction. Nach Lalibala sind wenige Reisende gekommen. Da ich auf meiner diesmaligen Reise weder Lalibala berührte, noch auch sonst Gelegenheit hatte, derartige in den Fels hineingetriebene oder aus einem einzigen riesigen Monolith herausgearbeitete Kirchen zu besuchen, so liegt auch keine Veranlassung vor, hier näher darauf einzugeben. Die sich dafür Interessirenden verweise ich auf Alvarez oder auf meine im Globus und in Petermann’s Mittheilungen 1868 veröffentlichten Berichte über Lalibala.

[2]Eine grosse Eigenthümlichkeit entfalteten die Abessinier aber viel später in Behandlung der in Fels gehauenen Bauten. Diese lassen sich an Kühnheit der Ausführung und Besiegung der Schwierigkeiten vollkommen ähnlichen Wunderwerken Asiens und Amerikas an die Seite setzen. Ja viele, z.B. die Wunderkirchen in Lalibala, übertreffen an Ebenmaass und Schönheit manche viel berühmtere Bauten ähnlicher Construction. Nach Lalibala sind wenige Reisende gekommen. Da ich auf meiner diesmaligen Reise weder Lalibala berührte, noch auch sonst Gelegenheit hatte, derartige in den Fels hineingetriebene oder aus einem einzigen riesigen Monolith herausgearbeitete Kirchen zu besuchen, so liegt auch keine Veranlassung vor, hier näher darauf einzugeben. Die sich dafür Interessirenden verweise ich auf Alvarez oder auf meine im Globus und in Petermann’s Mittheilungen 1868 veröffentlichten Berichte über Lalibala.

[3]Das sehr grosse Original befindet sich im Besitze des Verfassers.

[3]Das sehr grosse Original befindet sich im Besitze des Verfassers.

[4]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.

[4]Siehe die Tafeln am Schlusse des Buches.

[5]Der Golf von Sues hatte bei den Alten speciell den NamenSinus Heroopolites, während der östliche, jetzt Akaba-Busen genannte ArmSinus Aelaniticushiess.

[5]Der Golf von Sues hatte bei den Alten speciell den NamenSinus Heroopolites, während der östliche, jetzt Akaba-Busen genannte ArmSinus Aelaniticushiess.

[6]Ueber 2000 km beträgt diese Länge.

[6]Ueber 2000 km beträgt diese Länge.

[7]Die grösste Breite, unter dem 16. Grad nördl. Br., beträgt über 350 km.

[7]Die grösste Breite, unter dem 16. Grad nördl. Br., beträgt über 350 km.

[8]Die Pilger waren nach Djedda verfrachtet undmusstendort eintreffen, um die am bestimmten Tage stattfindende Besteigung des Berges Arafat und das damit verbundene Opfer ausführen zu können. Hätte man sie bei Yanbo, das ca. 400 km nördlich von Djedda und noch weiter von Mekka gelegen ist, gelandet, dann wären sie viel zu spät gekommen, ihre weite Pilgerreise von Java wäre also vollkommen umsonst gewesen. Um nun ein Ausschiffen in Yanbo zu verhindern, würden sie sich zu jedem Opfer bereit erklärt haben.

[8]Die Pilger waren nach Djedda verfrachtet undmusstendort eintreffen, um die am bestimmten Tage stattfindende Besteigung des Berges Arafat und das damit verbundene Opfer ausführen zu können. Hätte man sie bei Yanbo, das ca. 400 km nördlich von Djedda und noch weiter von Mekka gelegen ist, gelandet, dann wären sie viel zu spät gekommen, ihre weite Pilgerreise von Java wäre also vollkommen umsonst gewesen. Um nun ein Ausschiffen in Yanbo zu verhindern, würden sie sich zu jedem Opfer bereit erklärt haben.

[9]Djedda heisst auf Deutsch Grossmutter und, eigentlich Medina el Djedda, Stadt der Grossmutter oder Ahne, hat sie diesen Namen erhalten wegen des dort befindlichen Grabmals der Eva.

[9]Djedda heisst auf Deutsch Grossmutter und, eigentlich Medina el Djedda, Stadt der Grossmutter oder Ahne, hat sie diesen Namen erhalten wegen des dort befindlichen Grabmals der Eva.

[10]Hier in Djedda wurde am 15. Juni 1858 jenes entsetzliche Blutbad unter Franzosen, Engländern und Griechen seitens der Mohammedaner angerichtet, welchem durch ihre Tapferkeit nur die Frau Emerald, Tochter des französischen Consuls, entging. Unbegreiflicherweise begnügte sich England mit einem dreitägigen Beschiessen der Stadt, während die einzige nachhaltige Strafe die Eroberung Mekkas gewesen wäre und hätte sein müssen. Dass dies nicht geschah, hatte schon zwei Jahre darauf, im Juli 1860, die Metzelei von Damaskus zur Folge, und die Christenmetzeleien in Aegypten 1882 sind nur Folge der blutigen Ausschreitungen von Djedda und Damaskus. Und auch diese ägyptischen sind nicht die letzten! Das einzige Mittel, die Mohammedaner von ihrem religiösen Wahnsinn zu heilen, ist, ihnen praktisch zu beweisen, dass die Welt nicht untergeht, falls irgendeine christliche Macht, wenn auch nur vorübergehend, Mekka und Medina besetzt. Zu zerstören braucht man ja deshalb noch nicht diese altehrwürdigen Städte.

[10]Hier in Djedda wurde am 15. Juni 1858 jenes entsetzliche Blutbad unter Franzosen, Engländern und Griechen seitens der Mohammedaner angerichtet, welchem durch ihre Tapferkeit nur die Frau Emerald, Tochter des französischen Consuls, entging. Unbegreiflicherweise begnügte sich England mit einem dreitägigen Beschiessen der Stadt, während die einzige nachhaltige Strafe die Eroberung Mekkas gewesen wäre und hätte sein müssen. Dass dies nicht geschah, hatte schon zwei Jahre darauf, im Juli 1860, die Metzelei von Damaskus zur Folge, und die Christenmetzeleien in Aegypten 1882 sind nur Folge der blutigen Ausschreitungen von Djedda und Damaskus. Und auch diese ägyptischen sind nicht die letzten! Das einzige Mittel, die Mohammedaner von ihrem religiösen Wahnsinn zu heilen, ist, ihnen praktisch zu beweisen, dass die Welt nicht untergeht, falls irgendeine christliche Macht, wenn auch nur vorübergehend, Mekka und Medina besetzt. Zu zerstören braucht man ja deshalb noch nicht diese altehrwürdigen Städte.

[11]Der niederländische Consul, Herr Kruyt, hatte die Güte, mir brieflich mitzutheilen, dass unter diesen 15000 Einwohnern sich befinden:Juden3Europäer70(einschliesslich 45 Griechen, Malteser, und 5 syrischer Obersten)Indier2000Türken1000Original-Araber aus Hadramaut5000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Aegypten und Nordafrika4000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Hedjas500Perser300Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)1600Andere Orientalen527Nach Djedda werden jährlich durchschnittlich 4–5000 Sklaven eingeführt. Meistens kommen sie von der gegenüberliegenden afrikanischen Küste zwischen Suakin und Seila. Einige wenige Circassier auch aus Aegypten und der Türkei.Der Import beträgt jetzt durchschnittlich 10,000000 Maria-Theresienthaler (ca. 40,000000 Mark), der Export 2,500000 Maria-Theresienthaler (ca. 10,000000 Mark).Es liefen ein in Djedda an Dampfern:imJahre1878:218Dampferzu194473Tonnen„„1879:241„„213295„„„1880:328„„295302„„„1881:251„„245608„an Seglern:imJahre1878:1018Seglerzu45070Tonnen„„1879:1156„„55932„„„1880:1072„„51035„„„1881:1033„„44836„Deutschland ist leider gar nicht bei diesem nicht unbedeutenden Handel und Verkehr betheiligt. Aber wir hielten es nicht für unangemessen, an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen.

[11]Der niederländische Consul, Herr Kruyt, hatte die Güte, mir brieflich mitzutheilen, dass unter diesen 15000 Einwohnern sich befinden:

Juden3Europäer70(einschliesslich 45 Griechen, Malteser, und 5 syrischer Obersten)Indier2000Türken1000Original-Araber aus Hadramaut5000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Aegypten und Nordafrika4000(ein Drittel von ihnen Sklaven)Araber aus Hedjas500Perser300Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)1600Andere Orientalen527

Juden3

Juden

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Original-Araber aus Hadramaut5000(ein Drittel von ihnen Sklaven)

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(ein Drittel von ihnen Sklaven)

Araber aus Aegypten und Nordafrika4000(ein Drittel von ihnen Sklaven)

Araber aus Aegypten und Nordafrika

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(ein Drittel von ihnen Sklaven)

Araber aus Hedjas500

Araber aus Hedjas

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Perser300

Perser

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Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)1600

Takruri und Djeberti (befreite Sklaven)

1600

Andere Orientalen527

Andere Orientalen

527

Nach Djedda werden jährlich durchschnittlich 4–5000 Sklaven eingeführt. Meistens kommen sie von der gegenüberliegenden afrikanischen Küste zwischen Suakin und Seila. Einige wenige Circassier auch aus Aegypten und der Türkei.

Der Import beträgt jetzt durchschnittlich 10,000000 Maria-Theresienthaler (ca. 40,000000 Mark), der Export 2,500000 Maria-Theresienthaler (ca. 10,000000 Mark).

Es liefen ein in Djedda an Dampfern:

imJahre1878:218Dampferzu194473Tonnen„„1879:241„„213295„„„1880:328„„295302„„„1881:251„„245608„

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Deutschland ist leider gar nicht bei diesem nicht unbedeutenden Handel und Verkehr betheiligt. Aber wir hielten es nicht für unangemessen, an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen.

[12]Mekka führt den Namen „Harem“, d.h. „verboten“, weil der Liebling Gottes allen andern, ausser Gläubigen, den Zutritt zu dieser Stadt des Heils verbot. In der That ist auch, seitdem Mohammed sich zum Propheten machte, noch nie ein Jude oder Christ dort gewesen, es sei denn unter der Maske des Islam.

[12]Mekka führt den Namen „Harem“, d.h. „verboten“, weil der Liebling Gottes allen andern, ausser Gläubigen, den Zutritt zu dieser Stadt des Heils verbot. In der That ist auch, seitdem Mohammed sich zum Propheten machte, noch nie ein Jude oder Christ dort gewesen, es sei denn unter der Maske des Islam.

[13]Ueber die nur auf Zeit geschlossenen Ehen der mohammedanischen Pilger auf ihrer Rundreise lese man das Bezügliche bei Burton, Maltzan und andern Mekkareisenden nach.

[13]Ueber die nur auf Zeit geschlossenen Ehen der mohammedanischen Pilger auf ihrer Rundreise lese man das Bezügliche bei Burton, Maltzan und andern Mekkareisenden nach.

[14]Hadj ist bekanntlich der Titel, den die Mekkapilger bekommen, sobald sie alle vorgeschriebenen Handlungen absolvirt haben.

[14]Hadj ist bekanntlich der Titel, den die Mekkapilger bekommen, sobald sie alle vorgeschriebenen Handlungen absolvirt haben.

[15]Vgl. Jahrgang 1882, Nr. 5, 6 und 7.

[15]Vgl. Jahrgang 1882, Nr. 5, 6 und 7.

[16]Namentlich was Afrika anbetrifft, hat Hübbe-Schleiden sich in dieser Beziehung unvergängliche Verdienste erworben.

[16]Namentlich was Afrika anbetrifft, hat Hübbe-Schleiden sich in dieser Beziehung unvergängliche Verdienste erworben.

[17]Alamayo war der einzige Sohn Theodor’s, welcher in des Negus Augen Anrecht auf den abessinischen Thron hatte. Er stammte aus der Ehe mit einer Tochter Ubieh’s, welche der Negus einst in der Kirche erblickte und zu besitzen wünschte. Ubieh’s Tochter, selbst Prinzessin, bestand aber auf kirchlicher Trauung, und Theodor willigte in der That ein. Im Anfang lebten sie sehr glücklich miteinander, aber bald erhoben sich eheliche Streitigkeiten. So betrat eines Tags Theodor den Tokul seiner Frau, als sie gerade die Psalmen David’s las. „Weisst du nicht“, sagte er, seine Frau grüssend, „dass du aufstehen musst, wenn ich, der König, mit dir rede?“ – „Ich unterhielt mich mit jemand, der grösser ist als du, mit dem König der Welten, und thue das im Sitzen“, erwiderte sie. Der Negus drehte ihr den Rücken zu und ging fort. Ein anderes mal sprang der Negus wuthentbrannt auf sie los und wollte sie schlagen. „Rühr’ mich nicht an! Zurück!“ herrschte sie den Negus an. – „Ich bin der König der Könige und schlage und tödte, wen ich will“, schnaubte Theodor. – „Nur nicht die Frau des Königs der Könige“, erwiderte sie und sah ihn mit blitzenden Augen an. – „Du hast recht“, sagte der Negus und liess seine Hand sinken. Durenesch, (weisses Gold), so hiess diese bedeutende Frau, starb bekanntlich auf dem Rückzuge der Engländer, welche sie mitgenommen hatten.

[17]Alamayo war der einzige Sohn Theodor’s, welcher in des Negus Augen Anrecht auf den abessinischen Thron hatte. Er stammte aus der Ehe mit einer Tochter Ubieh’s, welche der Negus einst in der Kirche erblickte und zu besitzen wünschte. Ubieh’s Tochter, selbst Prinzessin, bestand aber auf kirchlicher Trauung, und Theodor willigte in der That ein. Im Anfang lebten sie sehr glücklich miteinander, aber bald erhoben sich eheliche Streitigkeiten. So betrat eines Tags Theodor den Tokul seiner Frau, als sie gerade die Psalmen David’s las. „Weisst du nicht“, sagte er, seine Frau grüssend, „dass du aufstehen musst, wenn ich, der König, mit dir rede?“ – „Ich unterhielt mich mit jemand, der grösser ist als du, mit dem König der Welten, und thue das im Sitzen“, erwiderte sie. Der Negus drehte ihr den Rücken zu und ging fort. Ein anderes mal sprang der Negus wuthentbrannt auf sie los und wollte sie schlagen. „Rühr’ mich nicht an! Zurück!“ herrschte sie den Negus an. – „Ich bin der König der Könige und schlage und tödte, wen ich will“, schnaubte Theodor. – „Nur nicht die Frau des Königs der Könige“, erwiderte sie und sah ihn mit blitzenden Augen an. – „Du hast recht“, sagte der Negus und liess seine Hand sinken. Durenesch, (weisses Gold), so hiess diese bedeutende Frau, starb bekanntlich auf dem Rückzuge der Engländer, welche sie mitgenommen hatten.

[18]Ob Prinz Alamayo wirklich diese Aeusserung gethan hat, muss ich dahingestellt sein lassen; Obenstehendes theilte mir Kapitän Speedy am 24. November 1880 mit.

[18]Ob Prinz Alamayo wirklich diese Aeusserung gethan hat, muss ich dahingestellt sein lassen; Obenstehendes theilte mir Kapitän Speedy am 24. November 1880 mit.

[19]Wenigstens nicht 1881; wie es ein Jahr später sein könnte, war damals nicht vorauszusehen.

[19]Wenigstens nicht 1881; wie es ein Jahr später sein könnte, war damals nicht vorauszusehen.

[20]Auch Sebastrium-os genannt.

[20]Auch Sebastrium-os genannt.

[21]Die neueste Literatur dürfte weniger bekannt sein. Aus den vielen hebe ich hervor (abgesehen von der zahlreichen Literatur, welche infolge der britischen Expedition entstand): Girard, „Souvenirs d’un voyage en Abyssinie“ (Kairo 1873); Raffray, „Abyssinie“ (Paris 1880); „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880); Vigoni, „Abissinia“ (Mailand 1881).

[21]Die neueste Literatur dürfte weniger bekannt sein. Aus den vielen hebe ich hervor (abgesehen von der zahlreichen Literatur, welche infolge der britischen Expedition entstand): Girard, „Souvenirs d’un voyage en Abyssinie“ (Kairo 1873); Raffray, „Abyssinie“ (Paris 1880); „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880); Vigoni, „Abissinia“ (Mailand 1881).

[22]Ich kaufte bei Herrn Tagliabue mehrere Dutzend Schama, also ein Kauf im grossen, und zahlte für das Stück drei Maria-Theresienthaler. In Abessinien selbst bekommt man aber für drei Maria-Theresienthaler mit der Hand gewebte und besser als mit Maschinen hergestellte Schama, ja, ganz gewöhnliche für noch weniger als drei Thaler. Falls man das Stück für zwei Thaler herstellen könnte, würde man sich ein bedeutendes Absatzfeld erobern.

[22]Ich kaufte bei Herrn Tagliabue mehrere Dutzend Schama, also ein Kauf im grossen, und zahlte für das Stück drei Maria-Theresienthaler. In Abessinien selbst bekommt man aber für drei Maria-Theresienthaler mit der Hand gewebte und besser als mit Maschinen hergestellte Schama, ja, ganz gewöhnliche für noch weniger als drei Thaler. Falls man das Stück für zwei Thaler herstellen könnte, würde man sich ein bedeutendes Absatzfeld erobern.

[23]Im Jahre 1866 erhielt Oberst Merewether folgenden Brief: „Geschickt vom Sultan Negus Menelek. Möge dies gelangen in die Hände des Herrschers von Aden. Wir grüssen Euch. Wir befinden uns wohl. Nach einer elfjährigen Abwesenheit von unserm Vaterlande haben wir den Thron unserer Väter bestiegen. Als dies Ereigniss statthatte, freuten wir uns und Ihr freutet Euch mit uns. Wir haben einen Diener geschickt. Er hat einen Auftrag. Bitte, denselben nach Verrichtung seines Geschäftes gleich zurückzuschicken. Er heisst Mekeb. Er bringt Euch ein Pferd und ein Maulthier als Geschenk.“ – Auch an die Königin von England schickte der König von Schoa eine Anzeige seiner Thronbesteigung und unterzeichnete, wie vorstehenden Brief: Negusa Negesh Menelek, d.h. König der Könige.

[23]Im Jahre 1866 erhielt Oberst Merewether folgenden Brief: „Geschickt vom Sultan Negus Menelek. Möge dies gelangen in die Hände des Herrschers von Aden. Wir grüssen Euch. Wir befinden uns wohl. Nach einer elfjährigen Abwesenheit von unserm Vaterlande haben wir den Thron unserer Väter bestiegen. Als dies Ereigniss statthatte, freuten wir uns und Ihr freutet Euch mit uns. Wir haben einen Diener geschickt. Er hat einen Auftrag. Bitte, denselben nach Verrichtung seines Geschäftes gleich zurückzuschicken. Er heisst Mekeb. Er bringt Euch ein Pferd und ein Maulthier als Geschenk.“ – Auch an die Königin von England schickte der König von Schoa eine Anzeige seiner Thronbesteigung und unterzeichnete, wie vorstehenden Brief: Negusa Negesh Menelek, d.h. König der Könige.

[24]Record of the expedition to Abyssinia, S. 320.

[24]Record of the expedition to Abyssinia, S. 320.

[25]Mircha war in Bombay erzogen worden. Diesen liebenswürdigen Greis lernte ich 1881 in Adua kennen, woselbst er jetzt pensionirt lebt.

[25]Mircha war in Bombay erzogen worden. Diesen liebenswürdigen Greis lernte ich 1881 in Adua kennen, woselbst er jetzt pensionirt lebt.

[26]Record of the expedition to Abyssinia, I, 415.

[26]Record of the expedition to Abyssinia, I, 415.

[27]Raffray, „Abyssinie“, S. 23.

[27]Raffray, „Abyssinie“, S. 23.

[28]Es war der Abuna Athanasius.

[28]Es war der Abuna Athanasius.

[29]Der jüngere Naretti ist 1881 in Abessinien gestorben.

[29]Der jüngere Naretti ist 1881 in Abessinien gestorben.

[30]Vgl. Schimper’s Brief an Consul Brüning, „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 364.

[30]Vgl. Schimper’s Brief an Consul Brüning, „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 364.

[31]Im Jahre 1872 (vgl. hierüber auch „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 272) wandte sich Schimper an Se. Maj. den Kaiser und bat um eine Unterstützung von 3000 Mark. Er motivirte seine Bitte: „weil ihm, dem 70jährigen Greise, seine 65jährige Frau noch einen Sohn geboren habe“. Der Kaiser schickte dieses Immediatgesuch an Fürst Bismarck zur Begutachtung und dieser mir zur Rückäusserung. Die bezügliche Stelle hatte der Kaiser roth angestrichen und dabei bemerkt: „Ist das möglich?“ – Ich befürwortete die obwol auf Unwahrheit beruhende Bitte Schimper’s, da ich sie ebenfalls für wahr hielt; in Wirklichkeit hatte er sich aber zum zweiten mal verheirathet, wie mir sein Sohn 1881 mittheilte. Das Geld wurde ihm auch vom Kaiser bewilligt. Was er eigentlich mit einer solchen für Abessinien zehnfach werthvollern Summe angefangen, ist vollkommen unbegreiflich. Mit Schulden überbürdet, für die der arme Sohn jetzt haftbar ist, starb Schimper 1879.

[31]Im Jahre 1872 (vgl. hierüber auch „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 272) wandte sich Schimper an Se. Maj. den Kaiser und bat um eine Unterstützung von 3000 Mark. Er motivirte seine Bitte: „weil ihm, dem 70jährigen Greise, seine 65jährige Frau noch einen Sohn geboren habe“. Der Kaiser schickte dieses Immediatgesuch an Fürst Bismarck zur Begutachtung und dieser mir zur Rückäusserung. Die bezügliche Stelle hatte der Kaiser roth angestrichen und dabei bemerkt: „Ist das möglich?“ – Ich befürwortete die obwol auf Unwahrheit beruhende Bitte Schimper’s, da ich sie ebenfalls für wahr hielt; in Wirklichkeit hatte er sich aber zum zweiten mal verheirathet, wie mir sein Sohn 1881 mittheilte. Das Geld wurde ihm auch vom Kaiser bewilligt. Was er eigentlich mit einer solchen für Abessinien zehnfach werthvollern Summe angefangen, ist vollkommen unbegreiflich. Mit Schulden überbürdet, für die der arme Sohn jetzt haftbar ist, starb Schimper 1879.

[32]Cameron und Rassam wurden eingekerkert von Theodor und keineswegs glimpflich behandelt; aber der französische Consul, der zur Zeit Theodor’s dorthin kam, hatte von ihm eine viel schmachvollere Behandlung zu erdulden. Und selbst in neuester Zeit wird mit französischen Abgesandten in Abessinien auf eine staunenerregende Art umgesprungen.

[32]Cameron und Rassam wurden eingekerkert von Theodor und keineswegs glimpflich behandelt; aber der französische Consul, der zur Zeit Theodor’s dorthin kam, hatte von ihm eine viel schmachvollere Behandlung zu erdulden. Und selbst in neuester Zeit wird mit französischen Abgesandten in Abessinien auf eine staunenerregende Art umgesprungen.

[33]Wie der Vicekönig Ismaël behauptet, trägt Nubar besonders die Schuld. Jedenfalls ist es nicht zu leugnen, dass Arakel Bei, Nubar’s Neffe, mit der ersten Expedition gegen Abessinien betraut wurde.

[33]Wie der Vicekönig Ismaël behauptet, trägt Nubar besonders die Schuld. Jedenfalls ist es nicht zu leugnen, dass Arakel Bei, Nubar’s Neffe, mit der ersten Expedition gegen Abessinien betraut wurde.

[34]Vgl. den Brief Dr. Schimper’s in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 486.

[34]Vgl. den Brief Dr. Schimper’s in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1872, S. 486.

[35]Vgl. den Brief von Hildebrand in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1875, S. 1.

[35]Vgl. den Brief von Hildebrand in der „Zeitschrift für Erdkunde“, 1875, S. 1.

[36]Vgl. „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880), S. 187. Diese Angabe macht auch Matteucci, alle seine andern Erzählungen sind aber so voller Unrichtigkeiten, dass sie absolut keinen Werth haben. Viel gewissenhafter ist P. Vigoni in seinem „Abissinia“ (Mailand 1881).

[36]Vgl. „Matteucci in Abissinia“ (Mailand 1880), S. 187. Diese Angabe macht auch Matteucci, alle seine andern Erzählungen sind aber so voller Unrichtigkeiten, dass sie absolut keinen Werth haben. Viel gewissenhafter ist P. Vigoni in seinem „Abissinia“ (Mailand 1881).

[37]Petermann’s „Mittheilungen“, 1876, S. 107.

[37]Petermann’s „Mittheilungen“, 1876, S. 107.

[38]Schama, ein grosses baumwollenes Umschlagetuch von weisser Farbe mit rothem Streifen. Die Schama ist Nationaltracht der Abessinier, und Jung und Alt, Mann und Frau, Civilist und Soldat bedient sich derselben.

[38]Schama, ein grosses baumwollenes Umschlagetuch von weisser Farbe mit rothem Streifen. Die Schama ist Nationaltracht der Abessinier, und Jung und Alt, Mann und Frau, Civilist und Soldat bedient sich derselben.

[39]Pfeil und Bogen kennt man in Abessinien nicht mehr.

[39]Pfeil und Bogen kennt man in Abessinien nicht mehr.

[40]Die Aegypter hatten sechs Batterien hinaufgeschafft.

[40]Die Aegypter hatten sechs Batterien hinaufgeschafft.

[41]Dies äusserte der Negus selbst, in einer Audienz, die ich bei ihm am 14. Februar 1881 hatte. Ueberhaupt folgte ich in Erzählung dieser Schlacht von Gura fast ausschliesslich den Aeusserungen des Negus.

[41]Dies äusserte der Negus selbst, in einer Audienz, die ich bei ihm am 14. Februar 1881 hatte. Ueberhaupt folgte ich in Erzählung dieser Schlacht von Gura fast ausschliesslich den Aeusserungen des Negus.

[42]Es ging damals durch die Zeitungen das Gerücht, Prinz Hassan sei gefangen genommen worden, und der Kaiser von Abessinien habe ihn gezwungen, Christ zu werden, und ihm zur Bestätigung seines neuen Glaubens ein Kreuz auf den rechten Arm brennen lassen. Durch ein schweres Lösegeld (20000 Pfd. St.) befreit, habe Prinz Hassan das Kreuz ausgemerzt und die Wunde sodann für eine in der Schlacht erhaltene ausgegeben. Von dieser ganzen Erzählung ist nichts wahr. Prinz Hassan fiel nicht in abessinische Hände, wie mir dies der Negus Negesti ausdrücklich versicherte.

[42]Es ging damals durch die Zeitungen das Gerücht, Prinz Hassan sei gefangen genommen worden, und der Kaiser von Abessinien habe ihn gezwungen, Christ zu werden, und ihm zur Bestätigung seines neuen Glaubens ein Kreuz auf den rechten Arm brennen lassen. Durch ein schweres Lösegeld (20000 Pfd. St.) befreit, habe Prinz Hassan das Kreuz ausgemerzt und die Wunde sodann für eine in der Schlacht erhaltene ausgegeben. Von dieser ganzen Erzählung ist nichts wahr. Prinz Hassan fiel nicht in abessinische Hände, wie mir dies der Negus Negesti ausdrücklich versicherte.

[43]Vgl. hierüber Russ, „Abessiniens gegenwärtige Lage“, in „Deutsche geographische Blätter“ (Bremen 1878, Bd. II).

[43]Vgl. hierüber Russ, „Abessiniens gegenwärtige Lage“, in „Deutsche geographische Blätter“ (Bremen 1878, Bd. II).

[44]Vgl. auch Matteucci, welcher die Begebenheit mit der ihm eigenen Phantasie erzählt und die Unterwerfung im März 1879 stattfinden lässt.

[44]Vgl. auch Matteucci, welcher die Begebenheit mit der ihm eigenen Phantasie erzählt und die Unterwerfung im März 1879 stattfinden lässt.

[45]In einem an Bianchi geschriebenen Brief von Gordon, Lago Tzana 10./11. 1879 datirt und veröffentlicht im „Esploratore“ 1880, S. 59, heisst es: „Mehr als je war ich unzufrieden, als ich nach Eröffnung des vom König an den Chedive veröffentlichten Briefes sah, dass derselbe nichts als leere Worte enthielt.“

[45]In einem an Bianchi geschriebenen Brief von Gordon, Lago Tzana 10./11. 1879 datirt und veröffentlicht im „Esploratore“ 1880, S. 59, heisst es: „Mehr als je war ich unzufrieden, als ich nach Eröffnung des vom König an den Chedive veröffentlichten Briefes sah, dass derselbe nichts als leere Worte enthielt.“

[46]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880, Vol. 22, Nr. 3. Dieser Brief ist aus dem Englischen. Aber die englische, vom Madrigal, dem Dolmetsch des Negus, verfasste Uebersetzung scheint mir keineswegs wörtlich dem Amharischen zu entsprechen.

[46]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880, Vol. 22, Nr. 3. Dieser Brief ist aus dem Englischen. Aber die englische, vom Madrigal, dem Dolmetsch des Negus, verfasste Uebersetzung scheint mir keineswegs wörtlich dem Amharischen zu entsprechen.

[47]Ich habe oben mitgetheilt, dass die Abessinier gar keine Gefangenen hatten. Sämmtliche Mohammedaner wurden getödtet. Verschiedene Individuen aber aus den ägyptischen Grenzprovinzen Galabat, Gedaref, Bogos u.s.w., von denen der Negus behauptete, sie seien abessinisch, schonte man, und da sie der amharischen oder tigrischen Sprache mächtig waren, wurden sie als Artilleristen dem abessinischen Heere einverleibt.

[47]Ich habe oben mitgetheilt, dass die Abessinier gar keine Gefangenen hatten. Sämmtliche Mohammedaner wurden getödtet. Verschiedene Individuen aber aus den ägyptischen Grenzprovinzen Galabat, Gedaref, Bogos u.s.w., von denen der Negus behauptete, sie seien abessinisch, schonte man, und da sie der amharischen oder tigrischen Sprache mächtig waren, wurden sie als Artilleristen dem abessinischen Heere einverleibt.

[48]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880.

[48]Anti-Slavery Reporter, Juli 1880.

[49]Dieses Benehmen war höchst sonderbar.

[49]Dieses Benehmen war höchst sonderbar.

[50]Anti-Slavery Reporter, 1880, S. 77.

[50]Anti-Slavery Reporter, 1880, S. 77.

[51]Das Dutzen erklärt sich wol daraus, weil der Chedive im Arabischen wahrscheinlich auch gedutzt hat.

[51]Das Dutzen erklärt sich wol daraus, weil der Chedive im Arabischen wahrscheinlich auch gedutzt hat.

[52]Alten Stils.

[52]Alten Stils.

[53]Anti-Slavery Reporter, S. 77.

[53]Anti-Slavery Reporter, S. 77.

[54]Um dieselbe Zeit, als Gordon seinen Brief veröffentlichte, befand sich der Verfasser in Abessinien und zwar unfern der Residenz Debra Tabor. Fast alle zwei Monate liefen und laufen derartige Telegramme durch die Zeitungen, welche die Ankunft von abessinischen Gesandten melden. Gewöhnlich sind es Pilger, welche nach Jerusalem wollen. In Aegypten, wo eine vollkommene Unkenntniss abessiniscber Zustände herrscht, sieht man in jedem ankommenden Abessinier einen Gesandten, und diese lassen sich gern als solche ansehen, um umsonst befördert zu werden, wenigstens bis Kairo.

[54]Um dieselbe Zeit, als Gordon seinen Brief veröffentlichte, befand sich der Verfasser in Abessinien und zwar unfern der Residenz Debra Tabor. Fast alle zwei Monate liefen und laufen derartige Telegramme durch die Zeitungen, welche die Ankunft von abessinischen Gesandten melden. Gewöhnlich sind es Pilger, welche nach Jerusalem wollen. In Aegypten, wo eine vollkommene Unkenntniss abessiniscber Zustände herrscht, sieht man in jedem ankommenden Abessinier einen Gesandten, und diese lassen sich gern als solche ansehen, um umsonst befördert zu werden, wenigstens bis Kairo.

[55]Der Abuna Athanasius war, wie oben berichtet, 1877 gestorben. Im Juli 1881 gelang es dem Negus Negesti, einen neuen Abuna, Namens Petros, und drei koptische Priester von Aegypten zu „kaufen“.

[55]Der Abuna Athanasius war, wie oben berichtet, 1877 gestorben. Im Juli 1881 gelang es dem Negus Negesti, einen neuen Abuna, Namens Petros, und drei koptische Priester von Aegypten zu „kaufen“.

[56]„Mitzaki avait proposé au Negus de prendre un Abuna de l’église grecque, mais le Negus ne le voulait pas. C’était Novembre 1879 quand j’étais à Debra Tabor.“ (Aus einem Briefe von Gordon an mich vom 24. Juli 1881, Isle de St.-Maurice.)

[56]„Mitzaki avait proposé au Negus de prendre un Abuna de l’église grecque, mais le Negus ne le voulait pas. C’était Novembre 1879 quand j’étais à Debra Tabor.“ (Aus einem Briefe von Gordon an mich vom 24. Juli 1881, Isle de St.-Maurice.)

[57]Um ganz genau zu wissen, was der Dolmetscher geschrieben hatte, bat ich Professor Dillmann in Berlin, welcher der amharischen Sprache vollkommen mächtig ist, den amharischen Brief ins Deutsche zurückzuübersetzen, und im ganzen hatte der Abessinier meine Gedanken richtig amharisch zu Papier gebracht.

[57]Um ganz genau zu wissen, was der Dolmetscher geschrieben hatte, bat ich Professor Dillmann in Berlin, welcher der amharischen Sprache vollkommen mächtig ist, den amharischen Brief ins Deutsche zurückzuübersetzen, und im ganzen hatte der Abessinier meine Gedanken richtig amharisch zu Papier gebracht.

[58]Nach Rückübersetzung von Professor Dillmann in Berlin.

[58]Nach Rückübersetzung von Professor Dillmann in Berlin.

[59]Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese, die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten Herrscher an.

[59]Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese, die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten Herrscher an.

[60]Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf. 15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen. So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem Stande von 496 die Höhe von 3408,6m ergab, zu einer andern Jahreszeit bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert nur dierelativeHöhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212 m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm, also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande, beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen und InbetrachtziehenallerVerhältnisse würden aber doch zu einer richtigen relativen Höhe führen.

[60]Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf. 15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen. So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem Stande von 496 die Höhe von 3408,6m ergab, zu einer andern Jahreszeit bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert nur dierelativeHöhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212 m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm, also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande, beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen und InbetrachtziehenallerVerhältnisse würden aber doch zu einer richtigen relativen Höhe führen.

[61]„Ausland“, 1870, S. 117.

[61]„Ausland“, 1870, S. 117.

[62]Mit Munzinger.

[62]Mit Munzinger.

[63]„Ausland“, 1870, S. 117.

[63]„Ausland“, 1870, S. 117.

[64]Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled: ‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim Missionaries‘, is the following note: – ‚by Englishman an Abyssinian understands not an English subject, but a Protestant as distinct from a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the Germans under English protection, who wish them so to understand it. The character of England, as a nation, has not been raised thereby in the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘, who formerly visited their country, were independent persons, who by travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants, whereas they are now poor persons who come to work in their service and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen, dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht „poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und die Schweden.

[64]Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled: ‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim Missionaries‘, is the following note: – ‚by Englishman an Abyssinian understands not an English subject, but a Protestant as distinct from a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the Germans under English protection, who wish them so to understand it. The character of England, as a nation, has not been raised thereby in the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘, who formerly visited their country, were independent persons, who by travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants, whereas they are now poor persons who come to work in their service and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen, dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht „poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und die Schweden.

[65]So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte, wie Hanseatien und Preussen es waren.

[65]So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte, wie Hanseatien und Preussen es waren.

[66]Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.

[66]Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.

[67]Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne, welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der Schuldigen ist nie erfolgt.

[67]Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne, welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der Schuldigen ist nie erfolgt.

[68]Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.

[68]Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.

[69]Frankreich würde z.B. ganz ausser Stande sein, einen Feldzug gegen Abessinien zu unternehmen, das hat selbst Napoleon III. eingesehen. Der französische Consul Lejean wurde seinerzeit vom Negus Theodor aufs schimpflichste behandelt und sogar eingekerkert, der Brief Napoleon’s in Fetzen zerrissen. Frankreich war absolut machtlos, irgendetwas dagegen zu thun.

[69]Frankreich würde z.B. ganz ausser Stande sein, einen Feldzug gegen Abessinien zu unternehmen, das hat selbst Napoleon III. eingesehen. Der französische Consul Lejean wurde seinerzeit vom Negus Theodor aufs schimpflichste behandelt und sogar eingekerkert, der Brief Napoleon’s in Fetzen zerrissen. Frankreich war absolut machtlos, irgendetwas dagegen zu thun.

[70]Napa, deren Biss giftig ist.

[70]Napa, deren Biss giftig ist.

[71]Irre ich nicht, so haben Blanford und Mitchell, deren Werke mir leider nicht zur Hand sind, Analysen der Quelle gegeben.

[71]Irre ich nicht, so haben Blanford und Mitchell, deren Werke mir leider nicht zur Hand sind, Analysen der Quelle gegeben.

[72]Als Dolmetsch hatte ich bei mir einen gewissen Johannes, der von dem in der Bogos- und Agausprache so vorzüglich bewanderten Professor Reinisch in Wien seine Ausbildung erhielt, aber des Tigrischen nicht ganz mächtig war.

[72]Als Dolmetsch hatte ich bei mir einen gewissen Johannes, der von dem in der Bogos- und Agausprache so vorzüglich bewanderten Professor Reinisch in Wien seine Ausbildung erhielt, aber des Tigrischen nicht ganz mächtig war.

[73]Dieses Instrument mit viereckigem diagonalsitzenden Schallboden heisst Mussunko, auf tigrisch Uota, auf amharisch Tjera oder auch Armari. Der Schallboden ist mit Leder überzogen.

[73]Dieses Instrument mit viereckigem diagonalsitzenden Schallboden heisst Mussunko, auf tigrisch Uota, auf amharisch Tjera oder auch Armari. Der Schallboden ist mit Leder überzogen.

[74]Als ich Balata Gebro auf das Unmenschliche dieser Handlung aufmerksam machte, verwies er mich auf Kap. XVIII, V. 25, 1. Buch Samuelis, und, die Göttlichkeit dieses Buches zugegeben, liess sich allerdings nichts erwidern.

[74]Als ich Balata Gebro auf das Unmenschliche dieser Handlung aufmerksam machte, verwies er mich auf Kap. XVIII, V. 25, 1. Buch Samuelis, und, die Göttlichkeit dieses Buches zugegeben, liess sich allerdings nichts erwidern.

[75]„Reise nach Abessinien“ (Jena 1868, S. 134).

[75]„Reise nach Abessinien“ (Jena 1868, S. 134).

[76]Da es uns sehr interessirte, erkundigten wir, Stecker und ich, uns ganz speciell danach.

[76]Da es uns sehr interessirte, erkundigten wir, Stecker und ich, uns ganz speciell danach.

[77]Addi, Adi, Ad oder Az ist gleichbedeutend.

[77]Addi, Adi, Ad oder Az ist gleichbedeutend.

[78]Bale-Ambe-Ras-Ubieh.

[78]Bale-Ambe-Ras-Ubieh.

[79]Raffray, Matteucci, Girard, Russ, Vigoni u.a.

[79]Raffray, Matteucci, Girard, Russ, Vigoni u.a.

[80]Man ersieht hieraus, wie wenig frei man in Abessinien ist. Um den gemeinen Mann kümmert sich kein Mensch; der einigermassen Bekannte, Vornehme oder Reiche ist dagegen in allen seinen Bewegungen beaufsichtigt und muss zu grössern Reisen oder Unternehmungen immer eine besondere Erlaubniss erhalten.

[80]Man ersieht hieraus, wie wenig frei man in Abessinien ist. Um den gemeinen Mann kümmert sich kein Mensch; der einigermassen Bekannte, Vornehme oder Reiche ist dagegen in allen seinen Bewegungen beaufsichtigt und muss zu grössern Reisen oder Unternehmungen immer eine besondere Erlaubniss erhalten.

[81]Lidj bedeutet eine Persönlichkeit vom hohen Adel.

[81]Lidj bedeutet eine Persönlichkeit vom hohen Adel.

[82]Die abessinischen Priester tragen hohe weisse Turbane.

[82]Die abessinischen Priester tragen hohe weisse Turbane.

[83]Eine Amole ist ein Salzstück, welches in der östlichen Tiefebene gebrochen und geschnitten wird und, mit Bast umwickelt, 750 gr wiegt.

[83]Eine Amole ist ein Salzstück, welches in der östlichen Tiefebene gebrochen und geschnitten wird und, mit Bast umwickelt, 750 gr wiegt.

[84]Glasflaschen mit engem Hals.

[84]Glasflaschen mit engem Hals.

[85]Italienische Schama wurden in Adua nicht verkauft.

[85]Italienische Schama wurden in Adua nicht verkauft.

[86]Margef sind ähnliche grosse Tücher wie die Schama.

[86]Margef sind ähnliche grosse Tücher wie die Schama.

[87]Bei den slawischen und orientalischen Völkern heissen so die Deutschen, weil sie so wenig redselig sind.

[87]Bei den slawischen und orientalischen Völkern heissen so die Deutschen, weil sie so wenig redselig sind.

[88]Bruce, VI, 641 (ich besitze nur die französische Uebersetzung), findet es merkwürdig, dass die von Cosmas Indopleustes in Abessinien aufgefundene Inschrift enthielt: dass Ptolemäus Euergetes bei Anführung seiner Eroberungen in Aethiopien sagt, er habe den Siris überschritten und sei ins Königreich Semien gekommen, ein Land, welches wegen seiner Kälte und des dort liegenden hohen Schnees unerträglich sei. Er sagt sodann: „Keineswegs möchte ich hierbei gesagt haben, dass es niemals in Abessinien geschneit habe.“

[88]Bruce, VI, 641 (ich besitze nur die französische Uebersetzung), findet es merkwürdig, dass die von Cosmas Indopleustes in Abessinien aufgefundene Inschrift enthielt: dass Ptolemäus Euergetes bei Anführung seiner Eroberungen in Aethiopien sagt, er habe den Siris überschritten und sei ins Königreich Semien gekommen, ein Land, welches wegen seiner Kälte und des dort liegenden hohen Schnees unerträglich sei. Er sagt sodann: „Keineswegs möchte ich hierbei gesagt haben, dass es niemals in Abessinien geschneit habe.“

[89]Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene, gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.

[89]Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene, gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.

[90]Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz aussergewöhnlichen Länge anwüchse.

[90]Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz aussergewöhnlichen Länge anwüchse.

[91]Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.

[91]Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.

[92]Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.

[92]Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.

[93]Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben, dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben, dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe 500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000, annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie? Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen, zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.

[93]Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben, dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben, dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe 500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000, annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie? Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen, zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.

[94]Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut être évaluée à 4000 habitants au moins.“

[94]Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut être évaluée à 4000 habitants au moins.“

[95]Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden gegessen, in andern nicht.

[95]Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden gegessen, in andern nicht.

[96]Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt, lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist linguistisch ebenso richtig wie Takase.

[96]Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt, lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist linguistisch ebenso richtig wie Takase.

[97]Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen,wogemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich. Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten Controversen!

[97]Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen,wogemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich. Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten Controversen!

[98]Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen. Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen, mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.

[98]Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen. Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen, mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.

[99]Der jüngere der beiden Brüder Naretti ist inzwischen im Sommer 1881 in Abessinien gestorben, von allen, die ihn kannten, tief betrauert.

[99]Der jüngere der beiden Brüder Naretti ist inzwischen im Sommer 1881 in Abessinien gestorben, von allen, die ihn kannten, tief betrauert.

[100]Erlebnisse in Abessinien von Theoph. Waldmeier. (Basel 1869.)

[100]Erlebnisse in Abessinien von Theoph. Waldmeier. (Basel 1869.)

[101]Reise nach Abessinien. (Jena 1868.)

[101]Reise nach Abessinien. (Jena 1868.)

[102]The British Captives in Abyssinia. (London 1867.)

[102]The British Captives in Abyssinia. (London 1867.)

[103]Journal of the Royal Geographical Society, Vol. XIV, p. 24.

[103]Journal of the Royal Geographical Society, Vol. XIV, p. 24.

[104]Auf der Vigoni’s Werke beigegebenen Karte ist Gafat 2800, Debra Tabor 2900 m hoch verzeichnet.

[104]Auf der Vigoni’s Werke beigegebenen Karte ist Gafat 2800, Debra Tabor 2900 m hoch verzeichnet.

[105]Titel der alten abessinischen Kaiser.

[105]Titel der alten abessinischen Kaiser.

[106]Balata-Geta übersetzt Schimper mit Obersthofmeister oder Oberhofmarschall. A. d’Abbadie’s Blaten-Guetà (seigneur des errements) ou grand Sénéchal, espèce de procurator regius, grand maître de la maison, ist wol derselbe. A. d’Abbadie, „Douze ans dans la Haute-Éthiopie“ (Paris 1868), S. 338.

[106]Balata-Geta übersetzt Schimper mit Obersthofmeister oder Oberhofmarschall. A. d’Abbadie’s Blaten-Guetà (seigneur des errements) ou grand Sénéchal, espèce de procurator regius, grand maître de la maison, ist wol derselbe. A. d’Abbadie, „Douze ans dans la Haute-Éthiopie“ (Paris 1868), S. 338.

[107]Afa Negusti heisst wörtlich „Mund des Negus“, weil er die richterlichen Entscheidungen des Kaisers den Parteien oder der Menge mittheilt.

[107]Afa Negusti heisst wörtlich „Mund des Negus“, weil er die richterlichen Entscheidungen des Kaisers den Parteien oder der Menge mittheilt.

[108]Budjurun ist der Titel des Generalschatzmeisters oder Finanzministers. Arnaud d’Abbadie in seinem bereits erwähnten Werke sagt, S. 341: „Le moulla-Bet-Beudjeround ou trésorier général et maître de la garde-robe.“

[108]Budjurun ist der Titel des Generalschatzmeisters oder Finanzministers. Arnaud d’Abbadie in seinem bereits erwähnten Werke sagt, S. 341: „Le moulla-Bet-Beudjeround ou trésorier général et maître de la garde-robe.“

[109]Es war mir allerdings schon aufgefallen, dass die Abessinier gar keine Abtritte bei ihren Wohnungen haben, selbst in den grössten Städten nicht. Aber ich glaubte, dass sie es in dieser Beziehung hielten wie so manche Völker Innerafrikas oder auch die Zeltbewohner der Berberstaaten. Und da ich selbst zur Befriedigung der täglichen Nothdurft ein eigenes Zelt besass, war von mir die Abwesenheit dieser uns meisten Europäern durchaus unentbehrlich scheinenden Oertlichkeit auch gar nicht bemerkt worden. Schimper belehrte mich nun eines andern. Die Vornehmen und besser Gestellten in Abessinien verrichten ihre Nothdurft in ihren Wohnungen und zwar in solche Röhren, welche sie in den Boden graben und jeden Tag, nachdem man sich ihrer bedient, zuschütten lassen. Da die Vornehmen in Abessinien fast immer unterwegs sind und jeden Tag ein anderes Lager beziehen, ist die Unannehmlichkeit so gross nicht. Bei längerm Verweilen aber in einer und derselben Hütte entwickeln sich, abgesehen von der Gesundheitsgefährlichkeit, die abscheulichsten Gerüche. Als ich den Kentiba (Oberbürgermeister) in Gondar, einen sonst liebenswürdigen Mann, besuchte und Schimper auf die mephitischen Dünste in seinem Hause aufmerksam machte, verwies er mich auf das in Debra Tabor Erlebte.

[109]Es war mir allerdings schon aufgefallen, dass die Abessinier gar keine Abtritte bei ihren Wohnungen haben, selbst in den grössten Städten nicht. Aber ich glaubte, dass sie es in dieser Beziehung hielten wie so manche Völker Innerafrikas oder auch die Zeltbewohner der Berberstaaten. Und da ich selbst zur Befriedigung der täglichen Nothdurft ein eigenes Zelt besass, war von mir die Abwesenheit dieser uns meisten Europäern durchaus unentbehrlich scheinenden Oertlichkeit auch gar nicht bemerkt worden. Schimper belehrte mich nun eines andern. Die Vornehmen und besser Gestellten in Abessinien verrichten ihre Nothdurft in ihren Wohnungen und zwar in solche Röhren, welche sie in den Boden graben und jeden Tag, nachdem man sich ihrer bedient, zuschütten lassen. Da die Vornehmen in Abessinien fast immer unterwegs sind und jeden Tag ein anderes Lager beziehen, ist die Unannehmlichkeit so gross nicht. Bei längerm Verweilen aber in einer und derselben Hütte entwickeln sich, abgesehen von der Gesundheitsgefährlichkeit, die abscheulichsten Gerüche. Als ich den Kentiba (Oberbürgermeister) in Gondar, einen sonst liebenswürdigen Mann, besuchte und Schimper auf die mephitischen Dünste in seinem Hause aufmerksam machte, verwies er mich auf das in Debra Tabor Erlebte.

[110]Dies Wort bedeutet unser „Majestät“, hat aber nichts mit Johannes zu thun, wie denn manche daraus auch die mittelalterliche Benennung Pretegianni, Prestre Jan, Priester Johannes, ableiten wollen. Vgl. hierüber: „Perchè l’Imperatore degli Abissini si chiama communemente il Pretegianni? In Varie Operette del Lorenzo Neagallotti“ (Venedig 1779, S. 32).

[110]Dies Wort bedeutet unser „Majestät“, hat aber nichts mit Johannes zu thun, wie denn manche daraus auch die mittelalterliche Benennung Pretegianni, Prestre Jan, Priester Johannes, ableiten wollen. Vgl. hierüber: „Perchè l’Imperatore degli Abissini si chiama communemente il Pretegianni? In Varie Operette del Lorenzo Neagallotti“ (Venedig 1779, S. 32).

[111]Die Abessinier glauben, dass es drei Welten gibt: Aethiopien, Europien und Türkien, wenn es mir gestattet ist, das Reich der Türken so zu abessinisiren. Ferner: dass Europa ungefähr so gross wie Aethiopien sei, aber keinen Negus Negesti besitze; im Mittelalter sei das der römische Kaiser gewesen. Sie halten Russland für das mächtigste Land und den Kaiser von Russland mindestens so mächtig wie den König von Tigre. England und Frankreich sind in ihren Augen ebenfalls mächtige Königreiche, die Macht des erstern mussten sie ja fühlen, wie denn namentlich der gegenwärtige Negus die höchste Achtung vor England und Napier hat. Frankreich ist aber doch in ihren Augen gesunken, die ungeahndete Einkerkerung und Beschimpfung Lejean’s, die Gefangennahme Napoleon’s haben nicht verfehlt, den Werth des französischen Namens zu vermindern. Frankreich wird sich aber wol wenig aus der Meinung der Abessinier machen.

[111]Die Abessinier glauben, dass es drei Welten gibt: Aethiopien, Europien und Türkien, wenn es mir gestattet ist, das Reich der Türken so zu abessinisiren. Ferner: dass Europa ungefähr so gross wie Aethiopien sei, aber keinen Negus Negesti besitze; im Mittelalter sei das der römische Kaiser gewesen. Sie halten Russland für das mächtigste Land und den Kaiser von Russland mindestens so mächtig wie den König von Tigre. England und Frankreich sind in ihren Augen ebenfalls mächtige Königreiche, die Macht des erstern mussten sie ja fühlen, wie denn namentlich der gegenwärtige Negus die höchste Achtung vor England und Napier hat. Frankreich ist aber doch in ihren Augen gesunken, die ungeahndete Einkerkerung und Beschimpfung Lejean’s, die Gefangennahme Napoleon’s haben nicht verfehlt, den Werth des französischen Namens zu vermindern. Frankreich wird sich aber wol wenig aus der Meinung der Abessinier machen.

[112]Dies ist offenbar ein Irrthum vom Kaiser Johannes, dennseineVorfahren haben nie den Thron von Abessinien besessen. Aber schon 1868 schrieb der jetzige Kaiser, damals Prinz Kassai Abbo Bubbus, an Lord Napier einen Brief, in welchem unter anderm die Stelle vorkommt: „Durch Christi Gnade habe ich den Thron meiner Vorfahren Michaël, Walda Selassie, Sabagadis u.s.w. wiedererlangt.“ WiejederAbessinier auf Gott weiss wen hinsichtlich seiner Abstammung zurückgreift, Theodor sogar einmal öffentlich verkünden liess, er stamme von Salomo, von „David“, von „Adam“, so auch wird Negus Johannes ebenso sicher von seiner Salomonischen und Sabagadisischen Abstammung überzeugt sein, wie Pio nono es war von seiner Unfehlbarkeit, und Sidi el Hadj Abd es Ssalem von Uesan von seiner Gottbegnadetheit.

[112]Dies ist offenbar ein Irrthum vom Kaiser Johannes, dennseineVorfahren haben nie den Thron von Abessinien besessen. Aber schon 1868 schrieb der jetzige Kaiser, damals Prinz Kassai Abbo Bubbus, an Lord Napier einen Brief, in welchem unter anderm die Stelle vorkommt: „Durch Christi Gnade habe ich den Thron meiner Vorfahren Michaël, Walda Selassie, Sabagadis u.s.w. wiedererlangt.“ WiejederAbessinier auf Gott weiss wen hinsichtlich seiner Abstammung zurückgreift, Theodor sogar einmal öffentlich verkünden liess, er stamme von Salomo, von „David“, von „Adam“, so auch wird Negus Johannes ebenso sicher von seiner Salomonischen und Sabagadisischen Abstammung überzeugt sein, wie Pio nono es war von seiner Unfehlbarkeit, und Sidi el Hadj Abd es Ssalem von Uesan von seiner Gottbegnadetheit.

[113]Man lese mit Aufmerksamkeit das Buch von Matteucci und wird dann staunen über die Dinge, welche er dem Negus erzählte oder schrieb.

[113]Man lese mit Aufmerksamkeit das Buch von Matteucci und wird dann staunen über die Dinge, welche er dem Negus erzählte oder schrieb.

[114]Man findet die Berichte darüber im „Esploratore“ und in der französischen „Exploration“.

[114]Man findet die Berichte darüber im „Esploratore“ und in der französischen „Exploration“.

[115]Die Geschenke, selbstverständlich aus kaiserlichen Mitteln beschafft, sollten allerdings ursprünglich dem Sultan von Uadaï übergeben werden, sie wurden mir jedoch in Berlin schon 1878 mit dem Bemerk überwiesen, dass ich sie als Geschenk für einen andern Fürsten verwenden könne, falls ich Uadaï nicht erreiche.

[115]Die Geschenke, selbstverständlich aus kaiserlichen Mitteln beschafft, sollten allerdings ursprünglich dem Sultan von Uadaï übergeben werden, sie wurden mir jedoch in Berlin schon 1878 mit dem Bemerk überwiesen, dass ich sie als Geschenk für einen andern Fürsten verwenden könne, falls ich Uadaï nicht erreiche.

[116]Andree in seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen“, S. 253, sagt, dass in Konstantinopel früher die Sultane das ausschliessliche Privilegium hatten, einenrothenSchirm zu tragen. In Abessinien wird dem Negus der Schirm getragen, wie Andree, S. 251, aus Wilkinson’s „Persepolis“ das Schirmtragen abgebildet hat.

[116]Andree in seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen“, S. 253, sagt, dass in Konstantinopel früher die Sultane das ausschliessliche Privilegium hatten, einenrothenSchirm zu tragen. In Abessinien wird dem Negus der Schirm getragen, wie Andree, S. 251, aus Wilkinson’s „Persepolis“ das Schirmtragen abgebildet hat.

[117]Da alle afrikanischen Völker grosse Kinder sind, sollten die Afrikareisenden nie versäumen, sich mit Spielsachen zu Geschenken zu versehen. So kaufte ich unter andern noch in Massaua einen gehenden Pfau, der Rad schlug, einen geigenden Affen u. dgl. m.

[117]Da alle afrikanischen Völker grosse Kinder sind, sollten die Afrikareisenden nie versäumen, sich mit Spielsachen zu Geschenken zu versehen. So kaufte ich unter andern noch in Massaua einen gehenden Pfau, der Rad schlug, einen geigenden Affen u. dgl. m.

[118]Matteucci, S. 203.

[118]Matteucci, S. 203.

[119]Wahrscheinlich eine wilde Dattelpalme mit feinen Blättern von sehr lebhaftem Grün, auf amharisch Sselen, auf tigrisch Sieh genannt.

[119]Wahrscheinlich eine wilde Dattelpalme mit feinen Blättern von sehr lebhaftem Grün, auf amharisch Sselen, auf tigrisch Sieh genannt.

[120]Dieser schöne See heisst auf amharisch Tana, auf tigrisch Tsana.

[120]Dieser schöne See heisst auf amharisch Tana, auf tigrisch Tsana.

[121]Dieser grosse Block besteht aus Sandstein, während sonst die ganze Gesteinsmasse der Gegend vulkanisch ist.

[121]Dieser grosse Block besteht aus Sandstein, während sonst die ganze Gesteinsmasse der Gegend vulkanisch ist.

[122]Heuglin sagt, Eifag läge wol über 1500 Fuss über dem Tana. Das ist ein Irrthum, der Unterschied beträgt kaum 50 m.

[122]Heuglin sagt, Eifag läge wol über 1500 Fuss über dem Tana. Das ist ein Irrthum, der Unterschied beträgt kaum 50 m.

[123]Nach Stecker 2980 □km.

[123]Nach Stecker 2980 □km.

[124]Siehe Stecker’s Bericht in den „Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland“, 1881. Bd. III, S. 32.

[124]Siehe Stecker’s Bericht in den „Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland“, 1881. Bd. III, S. 32.

[125]Tankua nennt man jene eigentümlichen Fahrzeuge auf dem Tana-See, welche aus Schambuko-Rohr zusammengebunden werden. Dieses Schambuko-Rohr (arundo donax) erreicht eine Länge von 5–8 m, wird unten 4–5 cm dick und trägt wegen seiner Porosität ziemlich grosse Lasten. Auf dem Tana-See kennt man nur dieses meist flossförmige, oft aber auch schiffsförmige, mit einem Schnabel versehene Fahrzeug.

[125]Tankua nennt man jene eigentümlichen Fahrzeuge auf dem Tana-See, welche aus Schambuko-Rohr zusammengebunden werden. Dieses Schambuko-Rohr (arundo donax) erreicht eine Länge von 5–8 m, wird unten 4–5 cm dick und trägt wegen seiner Porosität ziemlich grosse Lasten. Auf dem Tana-See kennt man nur dieses meist flossförmige, oft aber auch schiffsförmige, mit einem Schnabel versehene Fahrzeug.

[126]Sie unterstützten aber ihre Bitte gleich durch vorzügliche, in der Nähe gewachsene und schon reife Pfirsiche.

[126]Sie unterstützten aber ihre Bitte gleich durch vorzügliche, in der Nähe gewachsene und schon reife Pfirsiche.

[127]Meistens Zegi geschrieben, die Priester sprachen aber Segi aus. Diese am Südufer des Tana gelegene Halbinsel, dort wo der blaue Nil aus demselben herauskommt, ist berühmt wegen ihrer Kaffeezucht.

[127]Meistens Zegi geschrieben, die Priester sprachen aber Segi aus. Diese am Südufer des Tana gelegene Halbinsel, dort wo der blaue Nil aus demselben herauskommt, ist berühmt wegen ihrer Kaffeezucht.

[128]Neuere Maler malen auch auf Papier und kleben hinter das Papier Leinwand, um es vor dem Zerreissen zu bewahren. So ist das in meinem Besitze sich befindende grosse Schlachtengemälde von Gudda-Guddi auf Papier gemalt.

[128]Neuere Maler malen auch auf Papier und kleben hinter das Papier Leinwand, um es vor dem Zerreissen zu bewahren. So ist das in meinem Besitze sich befindende grosse Schlachtengemälde von Gudda-Guddi auf Papier gemalt.

[129]Das Holz schien mir Wachholder zu sein, was mir auch die Priester bestätigten: ein Holz, das sich als besonders widerstandsfähig gegen Fäulniss erweist.

[129]Das Holz schien mir Wachholder zu sein, was mir auch die Priester bestätigten: ein Holz, das sich als besonders widerstandsfähig gegen Fäulniss erweist.

[130]Der in jedem Jahre neu ernannte Bürgermeister Gondars, der ehemaligen kaiserlichen Residenz, hat nicht, wie in den übrigen Ortschaften, den Titel Schum, sondern den nur für Gondar geltenden „Kentiba“. Der mit uns gekommene Mekemat Kentiba, ein noch sehr junger, bescheidener, gefälliger Mann, war mütterlicherseits ein entfernter Verwandter des Negus.

[130]Der in jedem Jahre neu ernannte Bürgermeister Gondars, der ehemaligen kaiserlichen Residenz, hat nicht, wie in den übrigen Ortschaften, den Titel Schum, sondern den nur für Gondar geltenden „Kentiba“. Der mit uns gekommene Mekemat Kentiba, ein noch sehr junger, bescheidener, gefälliger Mann, war mütterlicherseits ein entfernter Verwandter des Negus.

[131]Ich hatte ihm gar kein rothes Tuch geschenkt, sondern der Negus überwies das ihm von mir gegebene Stück, ca. 40 m, dem Etschege, der es seinen Untergebenen zukommen liess.

[131]Ich hatte ihm gar kein rothes Tuch geschenkt, sondern der Negus überwies das ihm von mir gegebene Stück, ca. 40 m, dem Etschege, der es seinen Untergebenen zukommen liess.

[132]Bruce, „Voyage“, I,VI, S. 48, franz. Ausgabe.

[132]Bruce, „Voyage“, I,VI, S. 48, franz. Ausgabe.

[133]Rüppel, II, 434, hat 12° 36′ und 35° 11′ östl. L. von Paris; Heuglin hat 12° 37′ 7″ nördl. Br.

[133]Rüppel, II, 434, hat 12° 36′ und 35° 11′ östl. L. von Paris; Heuglin hat 12° 37′ 7″ nördl. Br.

[134]Bruce, III, 44.

[134]Bruce, III, 44.

[135]Bezüglich der Einwohnerzahl fand ich bei der Beschreibung Gondars in Raffray’s und Matteucci’s Buche über Abessinien eine sonderbare Uebereinstimmung. Das von Raffray erschienzuerstund ist also das ältere. Raffray sagt S. 303: „Les Abyssiniens aiment à représenter surtout Saint-Georges, Saint-Michel et les Miracles de la vierge. Ils ont pour la mère du Christ une dévotion particulière qui se traduit incessamment par de touchantes allégories dans le but de prouver à la fois sa puissance et sa bonté.“ Der Reisende Matteucci übersetzt wörtlich von Raffray ohne Quellenangabe, S. 164, seines Werkes: „Gli Abissini prediligono di figurare sopra tutto S. Giorgio, S. Michele e i prodigi della Vergine. Hanno per la madre di Christo una devozione veramente peculiare, che si risolve sempre in commoventi allegorie allo scopo di segnalare ad un tempo la sua potenza e bontà.“ Aufmerksam gemacht, fand ich noch viele längere Stellen in Matteucci’s Buche als wörtliche Uebersetzungen des Raffray’schen, sodass man wol sagen kann: ein einziges Plagiat! Aber derartige Abschreibereien könnte man noch öfter und zwar bei viel berühmtern Reisenden nachweisen, wenn die meisten auch vorsichtshalber andere Worte und Ausdrucksweisen anwenden. Warum aber nicht die Quelle angeben? Ist es denn eine Schande, zu gestehen, dass man dieses oder jenes diesem oder jenem Werke entnommen habe?

[135]Bezüglich der Einwohnerzahl fand ich bei der Beschreibung Gondars in Raffray’s und Matteucci’s Buche über Abessinien eine sonderbare Uebereinstimmung. Das von Raffray erschienzuerstund ist also das ältere. Raffray sagt S. 303: „Les Abyssiniens aiment à représenter surtout Saint-Georges, Saint-Michel et les Miracles de la vierge. Ils ont pour la mère du Christ une dévotion particulière qui se traduit incessamment par de touchantes allégories dans le but de prouver à la fois sa puissance et sa bonté.“ Der Reisende Matteucci übersetzt wörtlich von Raffray ohne Quellenangabe, S. 164, seines Werkes: „Gli Abissini prediligono di figurare sopra tutto S. Giorgio, S. Michele e i prodigi della Vergine. Hanno per la madre di Christo una devozione veramente peculiare, che si risolve sempre in commoventi allegorie allo scopo di segnalare ad un tempo la sua potenza e bontà.“ Aufmerksam gemacht, fand ich noch viele längere Stellen in Matteucci’s Buche als wörtliche Uebersetzungen des Raffray’schen, sodass man wol sagen kann: ein einziges Plagiat! Aber derartige Abschreibereien könnte man noch öfter und zwar bei viel berühmtern Reisenden nachweisen, wenn die meisten auch vorsichtshalber andere Worte und Ausdrucksweisen anwenden. Warum aber nicht die Quelle angeben? Ist es denn eine Schande, zu gestehen, dass man dieses oder jenes diesem oder jenem Werke entnommen habe?

[136]Harris, II, 108, deutsche Ausgabe, sagt: „Die vertriebene Salomonische Linie hatte, reducirt auf die Herrschaft Schoas, ihr altererbtes Gebiet wieder zu erlangennieden Versuch gemacht. Durch einen jetzt abgeschlossenen Vertrag aber wurde der damals in Schoa herrschende Sekueno Amlak (Syon Amlag) auf seiner Ahnen Thron wieder gesetzt, wobei Naakueto Laab nur die Landschaft Lasta als für ewig unabhängiges Fürstenthum nebst dem goldenen Stuhl, den silbernen Pauken und andern Abzeichen der Königswürde behielt, während ein Dritttheil des gesammten Grundes und Bodens des Reiches dem jeweiligen Primas zur Aufrechthaltung seiner geistlichen Würde und zur Unterhaltung der Geistlichkeit, der Klöster und Kirchen überlassen ward: dies war die sogenannte Zeitrechnung der Theilung.“

[136]Harris, II, 108, deutsche Ausgabe, sagt: „Die vertriebene Salomonische Linie hatte, reducirt auf die Herrschaft Schoas, ihr altererbtes Gebiet wieder zu erlangennieden Versuch gemacht. Durch einen jetzt abgeschlossenen Vertrag aber wurde der damals in Schoa herrschende Sekueno Amlak (Syon Amlag) auf seiner Ahnen Thron wieder gesetzt, wobei Naakueto Laab nur die Landschaft Lasta als für ewig unabhängiges Fürstenthum nebst dem goldenen Stuhl, den silbernen Pauken und andern Abzeichen der Königswürde behielt, während ein Dritttheil des gesammten Grundes und Bodens des Reiches dem jeweiligen Primas zur Aufrechthaltung seiner geistlichen Würde und zur Unterhaltung der Geistlichkeit, der Klöster und Kirchen überlassen ward: dies war die sogenannte Zeitrechnung der Theilung.“

[137]Es ist eine eigenthümliche Sitte in Abessinien, dass die Leute, wenn sie essen, trinken oder auch auf freiem Felde ihre Nothdurft verrichten, sich von andern eine Schama, eine Decke oder irgendein Tuch oder Kleidungsstück überhalten lassen. Viele behaupten, es geschähe das, um den bösen Blick, den Blick des Neides von sich abzuwehren. Ich glaube aber, dass das Ueberhalten eines Tuches beim Essen deshalb geschieht, um nicht andere einzuladen zu brauchen. Meine Diener, stets 50 an Zahl, assen partienweise. Vor dem Beginn der Mahlzeiten krochen jedesmal acht oder zehn, welche eine Essgenossenschaft bildeten, unter eine Schama. Thaten sie es nicht, was auch wol vorkam, wenn die Sache Eile hatte, dann hielten sie sich stets verpflichtet, zufällig Nahekommende zur Theilnahme an ihrem Gerichte aufzufordern. Und was das Bedecken eines die Nothdurft Verrichtenden anbetrifft – es handelt sich selbstverständlich nur um Vornehme – so glaube ich dies nur auf Schicklichkeitsgefühl zurückführen zu müssen. In Tafilet beobachtete ich eine ähnliche Sitte: am Markttage drehten alle, welche eine Speisebude betraten, das Gesicht der Wand und den Rücken dem Eingange zu, und in dieser Stellung assen sie. Offenbar auch nur, um nicht zufällig Hereintretende auffordern zu müssen, am Essen theilzunehmen.

[137]Es ist eine eigenthümliche Sitte in Abessinien, dass die Leute, wenn sie essen, trinken oder auch auf freiem Felde ihre Nothdurft verrichten, sich von andern eine Schama, eine Decke oder irgendein Tuch oder Kleidungsstück überhalten lassen. Viele behaupten, es geschähe das, um den bösen Blick, den Blick des Neides von sich abzuwehren. Ich glaube aber, dass das Ueberhalten eines Tuches beim Essen deshalb geschieht, um nicht andere einzuladen zu brauchen. Meine Diener, stets 50 an Zahl, assen partienweise. Vor dem Beginn der Mahlzeiten krochen jedesmal acht oder zehn, welche eine Essgenossenschaft bildeten, unter eine Schama. Thaten sie es nicht, was auch wol vorkam, wenn die Sache Eile hatte, dann hielten sie sich stets verpflichtet, zufällig Nahekommende zur Theilnahme an ihrem Gerichte aufzufordern. Und was das Bedecken eines die Nothdurft Verrichtenden anbetrifft – es handelt sich selbstverständlich nur um Vornehme – so glaube ich dies nur auf Schicklichkeitsgefühl zurückführen zu müssen. In Tafilet beobachtete ich eine ähnliche Sitte: am Markttage drehten alle, welche eine Speisebude betraten, das Gesicht der Wand und den Rücken dem Eingange zu, und in dieser Stellung assen sie. Offenbar auch nur, um nicht zufällig Hereintretende auffordern zu müssen, am Essen theilzunehmen.

[138]Bruce schreibt: Coscam; Rüppel: Koskam; Heuglin: Qosquam; Raffrai: Kouskouam u.s.w.

[138]Bruce schreibt: Coscam; Rüppel: Koskam; Heuglin: Qosquam; Raffrai: Kouskouam u.s.w.

[139]Kaiserin.

[139]Kaiserin.

[140]Im Grabgewölbe, welches früher die kostbaren Handschriften barg, entdeckte ich zwei Metallsärge, welche Gebeine der Kaiser enthalten sollten. Auch befand sich darin ein schöner, reich mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegter Stuhl oder Thron eines Atse.

[140]Im Grabgewölbe, welches früher die kostbaren Handschriften barg, entdeckte ich zwei Metallsärge, welche Gebeine der Kaiser enthalten sollten. Auch befand sich darin ein schöner, reich mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegter Stuhl oder Thron eines Atse.

[141]Flad hat ein anziehendes Büchlein veröffentlicht: „Kurze Schilderung der bisher fast unbekannten abessinischen Juden (Falascha).“ (Kornthal bei Stuttgart 1869.) Stern publicirte: „Wanderings among the Falaschas.“

[141]Flad hat ein anziehendes Büchlein veröffentlicht: „Kurze Schilderung der bisher fast unbekannten abessinischen Juden (Falascha).“ (Kornthal bei Stuttgart 1869.) Stern publicirte: „Wanderings among the Falaschas.“

[142]Es ist bezeichnend, dassallemonotheistischen Religionen eine sogenannteheilige, nur von der Priesterschaft verstandene Sprache haben: die Abessinier ihr Gees oder Gheez, heute eine todte,selbst den meisten Priestern unverständliche, rein mechanisch von ihnen erlernte und von Mosaisten und Christen angewandte Sprache. Sagt man: „Aber du verstehst ja gar nicht, was du betest“, so wird beständig geantwortet: „Das ist auch nicht nöthig, der liebe Gott hört es und versteht es.“ Die Mohammedaner bedienen sich des Arabischen, abermindestens zwei Drittel der Muselmanen verstehen nicht Arabisch. Für die Juden gilt das Hebräische als heilige Sprache, aber wer von englischen, französischen, deutschen u.s.w. Laien-Juden versteht heute Hebräisch? Die Christen hatten und haben zum Theil noch die lateinische Sprache, bis Luther den Bann brach und allen Völkern ihre Muttersprache für die Anbetung Gottes empfahl.

[142]Es ist bezeichnend, dassallemonotheistischen Religionen eine sogenannteheilige, nur von der Priesterschaft verstandene Sprache haben: die Abessinier ihr Gees oder Gheez, heute eine todte,selbst den meisten Priestern unverständliche, rein mechanisch von ihnen erlernte und von Mosaisten und Christen angewandte Sprache. Sagt man: „Aber du verstehst ja gar nicht, was du betest“, so wird beständig geantwortet: „Das ist auch nicht nöthig, der liebe Gott hört es und versteht es.“ Die Mohammedaner bedienen sich des Arabischen, abermindestens zwei Drittel der Muselmanen verstehen nicht Arabisch. Für die Juden gilt das Hebräische als heilige Sprache, aber wer von englischen, französischen, deutschen u.s.w. Laien-Juden versteht heute Hebräisch? Die Christen hatten und haben zum Theil noch die lateinische Sprache, bis Luther den Bann brach und allen Völkern ihre Muttersprache für die Anbetung Gottes empfahl.

[143]Meine ursprüngliche, von Ras Alula mir beigegebene Escorte hatte ich als Leibwache beibehalten, die übrige Soldateska unter ihrem Oberst stand mit mir in gar keinem nähern Verhältniss.

[143]Meine ursprüngliche, von Ras Alula mir beigegebene Escorte hatte ich als Leibwache beibehalten, die übrige Soldateska unter ihrem Oberst stand mit mir in gar keinem nähern Verhältniss.

[144]Diese Kleidungsstücke sind jetzt im berliner Ethnographischen Museum.

[144]Diese Kleidungsstücke sind jetzt im berliner Ethnographischen Museum.

[145]Die Abessinier selbst theilen hinsichtlich der Bodengestaltung ihr Land in drei Regionen: 1) Tiefland, Kolla genannt, womit sie die Gegenden bezeichnen, welche unter 1500 m liegen. 2) Deka-Woina, zwischen 1500 bis 3000 m hoch. 3) Deka schlechtweg, über 3000 m hoch. Natürlich sind diese Grenzen nicht genau gezogen. Am grössten ist die Deka-Woina: im Süden reicht ihre Grenze bis zur Höhe von ca. 4000 m. Auch in Semien steigen auf der südwestlichen und südlichen Seite des Gebirgslandes die bewohnten Striche bis zu 4000 m Höhe. Interessant ist es, dass der Name Woina, abgeleitet vom griechischen οἶνος, Wein, zur Bezeichnung der untern Deka, d.h. der mittlern Region diente. Denn gerade auf dieser Deka war in früherer Zeit der Weinbau so ausgedehnt, dass er der ganzen Gegend den Namen Deka Woina: Weinhochland, gab. Jetzt stehen nur noch die leeren Weinberge da. In und um Gondar kann man deutlich an der Veranlagung erkennen, dass man den Wein ähnlich wie bei uns am Rhein anbaute. Aus dem Worte οἶνος, Woina, darf man wol folgern, dass die Griechen den Wein vielleicht von Adulis über Aksum nach Abessinien einführten.

[145]Die Abessinier selbst theilen hinsichtlich der Bodengestaltung ihr Land in drei Regionen: 1) Tiefland, Kolla genannt, womit sie die Gegenden bezeichnen, welche unter 1500 m liegen. 2) Deka-Woina, zwischen 1500 bis 3000 m hoch. 3) Deka schlechtweg, über 3000 m hoch. Natürlich sind diese Grenzen nicht genau gezogen. Am grössten ist die Deka-Woina: im Süden reicht ihre Grenze bis zur Höhe von ca. 4000 m. Auch in Semien steigen auf der südwestlichen und südlichen Seite des Gebirgslandes die bewohnten Striche bis zu 4000 m Höhe. Interessant ist es, dass der Name Woina, abgeleitet vom griechischen οἶνος, Wein, zur Bezeichnung der untern Deka, d.h. der mittlern Region diente. Denn gerade auf dieser Deka war in früherer Zeit der Weinbau so ausgedehnt, dass er der ganzen Gegend den Namen Deka Woina: Weinhochland, gab. Jetzt stehen nur noch die leeren Weinberge da. In und um Gondar kann man deutlich an der Veranlagung erkennen, dass man den Wein ähnlich wie bei uns am Rhein anbaute. Aus dem Worte οἶνος, Woina, darf man wol folgern, dass die Griechen den Wein vielleicht von Adulis über Aksum nach Abessinien einführten.

[146]Beim Abschied bat er mich, ich möge ihm einen indischen Helm besorgen, der meinige, den ich dem Negus anbot, convenirte ihm nicht.

[146]Beim Abschied bat er mich, ich möge ihm einen indischen Helm besorgen, der meinige, den ich dem Negus anbot, convenirte ihm nicht.

[147]Herr Professor Dillmann in Berlin hatte die Güte, mir diesen Brief zu übersetzen. Der Ausdruck: „gehen, Völker zu vertilgen“ ist echt biblisch. Gott selbst hat sich durch Moses’ Vermittelung oft dieser Formel bedient. Was das Datum anbetrifft, so bemerke ich, dass der Monat Jekatit etwa unserm Februar entspricht. Das abessinische Neujahr beginnt am 10. September. Im ganzen sind die Abessinier in der christlichen Zeitrechnung um 7 Jahre und 112 Tage zurück. Bei Christi Geburt zählten sie seit Erschaffung der Welt 5499 Jahre. Ihre zwölf Monate heissen: Maskarem, Tekimt, Hedar, Tachsas, Ter, Jekatit, Magabit, Mijazia, Ginbot, Senie, Hamlieh und Nehasie, und da jeder Monat dreissig Tage hat, bleibt ihnen stets ein dreizehnter Schaltmonat, Pagumiehne, der dreimal hintereinander 5 und das vierte mal 6 Schalttage enthält.

[147]Herr Professor Dillmann in Berlin hatte die Güte, mir diesen Brief zu übersetzen. Der Ausdruck: „gehen, Völker zu vertilgen“ ist echt biblisch. Gott selbst hat sich durch Moses’ Vermittelung oft dieser Formel bedient. Was das Datum anbetrifft, so bemerke ich, dass der Monat Jekatit etwa unserm Februar entspricht. Das abessinische Neujahr beginnt am 10. September. Im ganzen sind die Abessinier in der christlichen Zeitrechnung um 7 Jahre und 112 Tage zurück. Bei Christi Geburt zählten sie seit Erschaffung der Welt 5499 Jahre. Ihre zwölf Monate heissen: Maskarem, Tekimt, Hedar, Tachsas, Ter, Jekatit, Magabit, Mijazia, Ginbot, Senie, Hamlieh und Nehasie, und da jeder Monat dreissig Tage hat, bleibt ihnen stets ein dreizehnter Schaltmonat, Pagumiehne, der dreimal hintereinander 5 und das vierte mal 6 Schalttage enthält.

[148]Aksum ist jedenfalls die richtigere Schreibweise und dem Axum, wie die Italiener, oder dem Axoum, wie die Franzosen es schreiben, vorzuziehen. Denn in der äthiopischen Sprache gibt es kein X. d’Abbadie schreibt übrigens auch Akzoum.

[148]Aksum ist jedenfalls die richtigere Schreibweise und dem Axum, wie die Italiener, oder dem Axoum, wie die Franzosen es schreiben, vorzuziehen. Denn in der äthiopischen Sprache gibt es kein X. d’Abbadie schreibt übrigens auch Akzoum.

[149]Viele werden dies als Heuchelei auslegen, aber es geschah aus der auf meinen Reisen gewonnenen Erfahrung, dass man am besten reist, wenn man sich den Sitten und Gebräuchen der Völker, unter denen man sich befindet, so viel wie möglich anschmiegt. Und wenn man in einer europäischen Kirche von jedem, auch dem Nichtgläubigen, erwartet, dass er beim Betreten des Gotteshauses sein Haupt entblösst, so wird man auch nichts darin finden können, in Abessinien einen Gebrauch mitzumachen, den man bei uns als überflüssig betrachtet. Dabei will ich keineswegs Bruce vertheidigen, der so weit ging, sich von der abessinischen Geistlichkeit den Segen ertheilen zu lassen, hernach aber sich über sie lustig macht. Am Ende des 7. Buches sagt er:Unterdessen hatten sich zwanzig dicke Mönche auf meinem Wege angestellt, um mir ihren Segen zu geben, wie Teusa Christos. (Diesen hatte er um seinen Segen und seine Fürbitte gebeten.) Ich hatte wenig Glauben zu ihren Gebeten, und es lag mir nichts daran, die Hände und fettigen Aermel dieser Unwissenden zu küssen. Dennoch unterzog ich mich dieser unangenehmen Ceremonie, gab ihnen aber auch auf englisch meinen Segen: „Möge Gott euch allen einen Strick zukommen lassen, wie er dem Abba Salama einen schickte.“ Ich spielte auf den vor kurzem gehängten Accab Saat an, aber sie glaubten, ich empfehle sie dem Patriarchen Abba Salama, und antworteten mit einem salbungsvollen: „Amen!“

[149]Viele werden dies als Heuchelei auslegen, aber es geschah aus der auf meinen Reisen gewonnenen Erfahrung, dass man am besten reist, wenn man sich den Sitten und Gebräuchen der Völker, unter denen man sich befindet, so viel wie möglich anschmiegt. Und wenn man in einer europäischen Kirche von jedem, auch dem Nichtgläubigen, erwartet, dass er beim Betreten des Gotteshauses sein Haupt entblösst, so wird man auch nichts darin finden können, in Abessinien einen Gebrauch mitzumachen, den man bei uns als überflüssig betrachtet. Dabei will ich keineswegs Bruce vertheidigen, der so weit ging, sich von der abessinischen Geistlichkeit den Segen ertheilen zu lassen, hernach aber sich über sie lustig macht. Am Ende des 7. Buches sagt er:

Unterdessen hatten sich zwanzig dicke Mönche auf meinem Wege angestellt, um mir ihren Segen zu geben, wie Teusa Christos. (Diesen hatte er um seinen Segen und seine Fürbitte gebeten.) Ich hatte wenig Glauben zu ihren Gebeten, und es lag mir nichts daran, die Hände und fettigen Aermel dieser Unwissenden zu küssen. Dennoch unterzog ich mich dieser unangenehmen Ceremonie, gab ihnen aber auch auf englisch meinen Segen: „Möge Gott euch allen einen Strick zukommen lassen, wie er dem Abba Salama einen schickte.“ Ich spielte auf den vor kurzem gehängten Accab Saat an, aber sie glaubten, ich empfehle sie dem Patriarchen Abba Salama, und antworteten mit einem salbungsvollen: „Amen!“

[150]Gobat in seinem „Journal d’un séjour en Abyssinie“ (Paris) sagt S. 322: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn Namens Menelek zeugte, welcher ihm so ähnlich war, dass die Bewohner Jerusalems ihn mit ihm verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort, ihm anempfehlend, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade mit, sowie eine grosse Zahl von Juden; unterwegs aber setzte er sowie ein Theil seines Gefolges am Sabbattag über einen Fluss, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluss passirt hatten. (Die Abessinier waren also nach dieser Sage schon zu Salomo’s Zeit Christen, Christen vor Christi Geburt!) Die Falascha sind die Abkömmlinge von denen, welche dem Gesetz Moses treu blieben und den Fluss am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum, aber für die Christen unzugänglich; nur die Falascha können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, wo die Bundeslade ist, theilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung etc. etc.

[150]Gobat in seinem „Journal d’un séjour en Abyssinie“ (Paris) sagt S. 322: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn Namens Menelek zeugte, welcher ihm so ähnlich war, dass die Bewohner Jerusalems ihn mit ihm verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort, ihm anempfehlend, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade mit, sowie eine grosse Zahl von Juden; unterwegs aber setzte er sowie ein Theil seines Gefolges am Sabbattag über einen Fluss, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluss passirt hatten. (Die Abessinier waren also nach dieser Sage schon zu Salomo’s Zeit Christen, Christen vor Christi Geburt!) Die Falascha sind die Abkömmlinge von denen, welche dem Gesetz Moses treu blieben und den Fluss am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum, aber für die Christen unzugänglich; nur die Falascha können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, wo die Bundeslade ist, theilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung etc. etc.

[151]Herr Abarguez de Sosten, welcher im Auftrag der Madrider Geographischen Gesellschaft reiste und zugleich Geschenke vom König von Spanien dem Negus Negesti überbringen sollte, versuchte zuerst landwärts nach Abessinien zu kommen, kam jedoch nur bis Siut. Um aber eine solche Mission auszuführen, denn sein Plan ging von Abessinien aus nach dem Süden, bedurfte es eines grössern Glanzes. Der ärmliche Aufzug erweckte beim Negus Negesti den Verdacht, dass die Geschenke gar nicht vom König von Spanien seien, und daraufhin musste denn Abarguez, nach kurzem Aufenthalt beim Kaiser von Abessinien, nach Aegypten zurückkehren. Nähere Details hierüber, welche mir Dr. Stecker später brieflich aus Abessinien mittheilte, eignen sich nicht für die Veröffentlichung.

[151]Herr Abarguez de Sosten, welcher im Auftrag der Madrider Geographischen Gesellschaft reiste und zugleich Geschenke vom König von Spanien dem Negus Negesti überbringen sollte, versuchte zuerst landwärts nach Abessinien zu kommen, kam jedoch nur bis Siut. Um aber eine solche Mission auszuführen, denn sein Plan ging von Abessinien aus nach dem Süden, bedurfte es eines grössern Glanzes. Der ärmliche Aufzug erweckte beim Negus Negesti den Verdacht, dass die Geschenke gar nicht vom König von Spanien seien, und daraufhin musste denn Abarguez, nach kurzem Aufenthalt beim Kaiser von Abessinien, nach Aegypten zurückkehren. Nähere Details hierüber, welche mir Dr. Stecker später brieflich aus Abessinien mittheilte, eignen sich nicht für die Veröffentlichung.

[152]Dabamatta, d.h. Haus von Abba-Matta, ist zusammengezogen aus Edda-Abba-Matta.

[152]Dabamatta, d.h. Haus von Abba-Matta, ist zusammengezogen aus Edda-Abba-Matta.

[153]Es gibt viele Bäder oder Thermen in Abessinien. So wird seit mehr als hundert Jahren das zwischen Debra Tabor und der Stadt Korata am Tana-See gelegene Bad Madera-Mariam als sehr heilkräftig benutzt, und noch zur Zeit, als Oberst Gordon in Abessinien war, besuchte es der jetzige Kaiser. Combes und Tamisier beschreiben den Ort, ohne über die Natur des Wassers Aufklärung zu geben. Auch Dr. Stecker, welcher 1881 über Madera-Mariam kam, erwähnt nichts von der Beschaffenheit des Wassers, doch sind auf seiner Karte des Tana-Sees (Bd. III, Heft I der Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft) „heisse Quellen“ verzeichnet.

[153]Es gibt viele Bäder oder Thermen in Abessinien. So wird seit mehr als hundert Jahren das zwischen Debra Tabor und der Stadt Korata am Tana-See gelegene Bad Madera-Mariam als sehr heilkräftig benutzt, und noch zur Zeit, als Oberst Gordon in Abessinien war, besuchte es der jetzige Kaiser. Combes und Tamisier beschreiben den Ort, ohne über die Natur des Wassers Aufklärung zu geben. Auch Dr. Stecker, welcher 1881 über Madera-Mariam kam, erwähnt nichts von der Beschaffenheit des Wassers, doch sind auf seiner Karte des Tana-Sees (Bd. III, Heft I der Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft) „heisse Quellen“ verzeichnet.

[154]Jene natürliche zu einer Kirche eingerichtete Tropfsteinhöhle, von der eben die Rede war.

[154]Jene natürliche zu einer Kirche eingerichtete Tropfsteinhöhle, von der eben die Rede war.

[155]Der Hauptsache nach stimmt die Erzählung des jungen Schimper mit der seines Vaters, des Dr. Schimper, in der „Zeitschrift für Erdkunde“, Jahrg. 1872, S. 365. – Der alte Schimper hatte eine sehr lebhafte Phantasie. Diese seine Tochter war nicht mit einem Missionar vorher verheirathet gewesen. Auch hatte er selbst nicht von seiner 65jährigen Frau (Jahrg. 1872, S. 270), sondern von einem jungen Mädchen, seiner zweiten Frau, einen Sohn bekommen. Ich folge daher lieber den Ausführungen Schimper’s des Jüngern.

[155]Der Hauptsache nach stimmt die Erzählung des jungen Schimper mit der seines Vaters, des Dr. Schimper, in der „Zeitschrift für Erdkunde“, Jahrg. 1872, S. 365. – Der alte Schimper hatte eine sehr lebhafte Phantasie. Diese seine Tochter war nicht mit einem Missionar vorher verheirathet gewesen. Auch hatte er selbst nicht von seiner 65jährigen Frau (Jahrg. 1872, S. 270), sondern von einem jungen Mädchen, seiner zweiten Frau, einen Sohn bekommen. Ich folge daher lieber den Ausführungen Schimper’s des Jüngern.

[156]Rüppel, II, 185 fg.

[156]Rüppel, II, 185 fg.

[157]„Wahrhaftiger Bericht“ u.s.w. F. Alvarez, 1566 insignia Joachimi Helleri Leucopetraei.

[157]„Wahrhaftiger Bericht“ u.s.w. F. Alvarez, 1566 insignia Joachimi Helleri Leucopetraei.

[158]Dies wurde geschrieben vor der Empörungsepoche unter Arabi.

[158]Dies wurde geschrieben vor der Empörungsepoche unter Arabi.

[159]Ist auch im August d. J. plötzlich verstorben.

[159]Ist auch im August d. J. plötzlich verstorben.

[160]Goetana = Herr.

[160]Goetana = Herr.

[161]Die Zerkleinerung und Fortschaffung dieser – Papyrus-Grasbarren, welche oft Quadratkilometer weit die Breite des ganzen Stromes verstauen, geschah 1880 durch Marno, welcher monatelang am Bahr el Abiad mit einem Dampfer arbeitete, um die zuvor zerstückten Barren und Inseln stromabwärts treiben zu lassen. Siehe hierüber das interessante „Tagebuch während der Beseitigung der Grasbarren im Bahr el Abiad und Bahr el Gebel von Ernst Marno“, in den Mittheilungen der Kais. Königl. Geogr. Gesellsch. XXIV. Band (Wien 1881).

[161]Die Zerkleinerung und Fortschaffung dieser – Papyrus-Grasbarren, welche oft Quadratkilometer weit die Breite des ganzen Stromes verstauen, geschah 1880 durch Marno, welcher monatelang am Bahr el Abiad mit einem Dampfer arbeitete, um die zuvor zerstückten Barren und Inseln stromabwärts treiben zu lassen. Siehe hierüber das interessante „Tagebuch während der Beseitigung der Grasbarren im Bahr el Abiad und Bahr el Gebel von Ernst Marno“, in den Mittheilungen der Kais. Königl. Geogr. Gesellsch. XXIV. Band (Wien 1881).

[162]Es ist wol anzunehmen, dass Gessi während des entsetzlichen Unglücks geistig getrübt war.

[162]Es ist wol anzunehmen, dass Gessi während des entsetzlichen Unglücks geistig getrübt war.


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