Allgemeines.

Jegliches Kräutlein der Erde preise den Namen des HerrnAllgemeines.

Jegliches Kräutlein der Erde preise den Namen des Herrn

D

Die von mir gebrauchten und in diesem ersten Teile beschriebenenWasseranwendungenteilen sich in

Aufschläger,Bäder,Dämpfe,Gießungen,Waschungen,Wickelungen,Trinkendes Wassers.

Aufschläger,

Aufschläger,

Bäder,

Bäder,

Dämpfe,

Dämpfe,

Gießungen,

Gießungen,

Waschungen,

Waschungen,

Wickelungen,

Wickelungen,

Trinkendes Wassers.

Trinkendes Wassers.

Die Unterabteilungen einer jeden Anwendung enthält das erste Register. Fremdklingende Übungen sind namentlich und sachlich an Ort und Stelle erklärt.

Dem Wesen aller Krankheitenentsprechend, wonach diese durch Störungen des Blutes, nämlich durch anormalen, fehlerhaften Blutumlauf oder durch dem Blute beigemischte, verdorbene fremdartige Bestandteile, die Krankheitsstoffe, entstehen,verfolgendie Wasseranwendungen dendreifachen Zweck: desAuflösens, desAusscheidensder Krankheitsstoffe und derKräftigungdes Organismus.

Imallgemeinenkann gesagt werden, daß dererste Dienst des Lösens von allen Dämpfenund den warmenKräutervollbädernbesorgt wird; derzweite DienstdesAusscheidens von sämtlichen Wickelungen,zum Teilvon denGießungenundAufschlägern; derdritte DienstderKräftigung von allen kalten Bädern,allen Gießungen,zum Teil von den Waschungen,endlichvon demgesamten Material der Abhärtung.

Ins einzelne kann und will ich an dieser Stelle, um nicht zu Mißverständnissen Anlaß zu geben, nicht eingehen.

Daeine jedeKrankheit in den oben angegebenen Blutstörungen wurzelt, so leuchtet ein, daß auch in einem jeden Krankheitsfallealle drei Arten der Anwendungoder mit anderen Worten verschiedene Anwendungen vorkommen müssen, welche mehr oder wenigerauflösen,ausleitenundkräftigen; ferner, daß nicht der kranke Körperteil allein, etwa der Kopf oder der Fuß oder die Hand, in Behandlung kommt, sondernstets der ganze Körper, den ja in solchem Falle krankes Blut durchströmt: die kranke Stelle mit Vorzug und besonderer Berücksichtigung, der übrige Körper als Mitleidender. Es wäre einseitig und gefehlt, in diesen zwei wichtigen Punkten anders handeln zu wollen. Manche Beispiele im dritten Teile werden meine Behauptung rechtfertigen.

Wer immer das Wasser, so wie ich es denke und wünsche, als Heilmittel gebraucht, dem sind dieAnwendungen niemals Selbstzweck, d. h. er wird nie eine Anwendung vornehmen, weil es ihm jetzt gerade so gefällt; er wird nie wie ein Tor Vergnügen daran haben, daß er mit recht vielem, mit Dämpfen und Güssen und Wickeln, „hantieren und prahlen und wüten“ kann. Die Anwendungen werden einem Verständigen stets nurMittel zum Zwecksein. Erreicht er diesen durch das gelindeste Wässerchen, er wird glücklich sein; denn seine Aufgabe ist ja nur, der nach Gesundheit d. i. nach selbsteigener und selbständiger Tätigkeit ringenden Natur zu dieser Freitätigkeit zu verhelfen, die Krankheitsbande, die Leidensketten zu lösen, auf daß sie ungehindert und frisch und freudig alle Arbeit wieder allein tue. Nach Vollendung dieser Aufgabe zieht der Heilende sofort und gerne seine Hand zurück.

Diese Bemerkung ist wichtig, noch wichtiger das Darnachachten. Garnichtsnämlichbringt das Wasser als Heilelement so sehr in Verruf und Mißkreditals indiskretes, maß- und vernunftloses Anwenden, scharfes, strenges, schroffes Verfahren. Diejenigen, ja allein diejenigen, ich kann es nicht oft genug wiederholen, welche sich als Sachverständige im Wasserheilverfahren aufspielen, aber mit ihrem endlosen Wickeln, ihren fast das Blut austreibenden Dämpfen u. a. jeden Patienten abschrecken, richten den größten Schaden an, der nur überaus schwer wieder gut zu machen ist. Ich heiße das nicht das Wasser zu Heilzwecken gebrauchen, ich heiße solche Gewalttaten — man verzeihe den Ausdruck — dem Wasser Schande antun.

Wer immer die Wirkungen des Wassers versteht und in seiner überaus mannigfaltigen Art anzuwenden weiß, besitzt einHeilmittel, welches vonkeinem anderen, wie immer Namen habendenMittelübertroffenwerden kann. Keines ist mannigfaltiger in der Wirkung, sozusagen dehnbarer als das Wasser. In der Schöpfung beginnt es mit dem unsichtbaren Luft- oder Dampfkügelchen, setzt sich fort im Tropfen und schließt ab mit dem den größten Teil der Erde erfüllenden Weltmeer. Das muß jedem Hydropathen ein Fingerzeig sein und jedem sagen, daß eine jedeAnwendung, mag sie Wasser in tropfbar oder dehnbar flüssiger Form erfordern, derSteigerung von dem gelindesten bis zum höchsten Grade fähigsei, daß in jedem Einzelfalle nicht der Patient sich nach dem Wickel, dem Dampf usw., sondern jederzeit jedwelche Anwendung sich nach dem Patienten zu richten habe.

In der Auswahlder zu treffenden Anwendungenzeigt sich der Meister. Der Heilende wird den zu Heilenden ohne jede Auffälligkeitstreng prüfen. Zuerst werden diesekundären Leidenin die Augen springen, d. i. die Nebenkrankheiten, welche wie Giftpilze aus dem innern Krankheitsboden hervorschießen. Sie lassen in der Regel schnell auf den Herd der Krankheit, auf das Hauptleiden schließen. Man frägt und sieht nach, wie weit die Krankheit vorangeschritten, welches Unheil sie bereits angerichtet. Dann schaut man den Patienten an, ob er alt oder jung, schwach oder stark, mager oder korpulent, ob er blutarm, nervös usw. sei. All diese Punkte und noch andere mehr zeichnen in den Geist das richtige Krankenbild, und erst wenn dieses klar und fertig ist, greift man in die Wasserapotheke und wendet an nach dem Grundsatze:Je gelinder, je schonender — desto besser und wirksamer.

Im allgemeinen mögen an dieser Stelle noch folgendeBemerkungenPlatz finden, welche diesämtlichen Wasseranwendungenangehen.

Keinewie immer Namen habendeAnwendung kann schaden, wenn dieselbe in der vorschriftsmäßigen Weise genommen wird.

Diemeistenderselben geschehenmit kaltem Wasser, sei es Brunnen-, Quell-, Flußwasser o. a. In allen Fällen, in denen nicht extra warmes Wasser verordnet ist, gilt der Ausdruck „Wasser“ stets nur von kaltem Wasser. Dabei folge ich dem Erfahrungsgrundsatze:je kälter, desto besser. Zur Winterszeit mische ich für Gesunde in das zu Güssen bestimmte Wasser noch kältenden Schnee. Man werfe mir nicht Schroffheit vor; denn man bedenke die überaus kurze Dauer meiner Kaltwasseranwendungen. Wer es einmal gewagt hat, hat es für immer gewonnen, alle Vorurteile sind ihm benommen. Indessen bin ich nicht unerbittlich.

Anfängernin der Wasserkur,schwächlichen, insbesondereganz jungenundälteren, hochbetagten Personen;Kranken, welche das Kalte zurückschreckt; Leuten, welche wenig Naturwärme haben;BlutarmenundNervösengönne ich namentlich zur Winterszeit zum gewärmten Bad- und Gießraume (14–15°R.) mit Freuden für den Beginn laues, „abgeschrecktes“ Wasser zu einer jeden Anwendung. Die Fliegen locke ich ja auch mit Honig, nicht mit Salz oder Essig.

Diewarmen Anwendungenerhalten in jedem einzelnen Falle bezüglich derWärmegrade, derDauerusw. genaue,spezielle Vorschriften. Die Wärmegrade, mitR.bezeichnet, bedeuten stets Réaumur.

Betreffs derkalten Anwendungenschulde ich (im dritten Teile ist dieser Punkt oftmals betont und des weitern erörtert) in Kürze noch einige Winke, welche dasVerhalten vor,währendundnach der Anwendungregeln.

Niemand wage es, bei Kältegefühl, Frösteln usf. irgend eine kalte Anwendungvorzunehmen, wenn dieses an der betreffenden Stelle nicht extra erlaubt ist. Die Anwendung solltunlichst schnell(jedoch ohne Angst und Hast) vorgenommen werden; auch beimAus-undAnkleidensollen durchauskeine Verzögerungeneintreten, z. B. durch langsames Zuknöpfen, Binden. All diese Nebenarbeiten können geschehen, wenn der ganze Körper einmal ordentlich bedeckt ist. Ein kaltes Vollbad soll, um ein Beispiel anzuführen, zum Auskleiden, Baden und Ankleiden die Zeit von 4–5 Minuten nicht übersteigen. Es bedarf dazu nur einiger Übung. So oft bei einer Anwendung steht: „1 Minute,“[1]soll damit diekürzeste Zeitdauerausgedrückt werden; wenn es heißt 2–3 Minuten, so soll die Kälte wohl nachhaltiger, aber doch nicht länger einwirken.

Nachkeinerwie immer Namen habendenkalten Anwendungwird (außer dem Kopfe und den Händen bis zur Handwurzel — letzteres, um beim Anziehen der Kleider diese nicht naß zu machen)der Körper je abgetrocknet. Den nassen Körper bedeckt man sofort mit dem trockenen Hemde und den andern Kleidungsstücken; man tut dieses möglichst schnell, wie gesagt wurde, um tunlichst bald alle nassen Stellen luftdicht abzuschließen. Dieses Verfahren erscheint manchen, ja den meisten eigentümlich, da sie meinen, sie müßten jetzt den ganzen Tag „naß herumlaufen“. Bevorsie ein Urteil fällen, mögen sie es nureinmal probieren. Sie werden es alsbald fühlen, wozu das Nichtabtrocknen taugt und gut ist. Das Abtrocknen ist ein Reiben und erzeugt, da es unmöglich an allen Stellen auf ganz gleichmäßige Weise geschehen kann, ungleichgradige Haut- und Naturwärme, was bei Gesunden wenig, bei Kranken und Schwachen oft sehr viel zu bedeuten hat. Das Nichtabtrocknen verhilft zu der geordnetsten, gleichmäßigsten und schnellsten Naturwärme. Es geschieht gleichsam, wie wenn man Wasser ins Feuer spritzt. Die innere Körperwärme benützt das am äußeren Körper anklebende Wasser als Material zu rascher Bildung intensiverer, größerer Wärme. Wie gesagt, nur aufeineProbe kommt es an.

Dagegen verordne ich strenge, daß der Angekleidete nachjeder WasseranwendungsichBewegungmache (geschehe es durch Arbeit oder Spazierengehen), welcheso langedauere,bis alle Teile des Körpers vollkommen trocken und normal warmsind. Im Beginne der Bewegung kann man etwas rascher gehen, nach Eintritt der Wärme langsamer. Man fühlt selbst am besten, wann die normale Körperwärme eingetreten ist und die Bewegung, das Gehen aufhören kann. Solche Patienten, welche schnell erhitzt sind und leicht in Schweiß kommen, sollen gleich von Anfang an langsamer und eher etwas länger gehen und ja nicht schwitzend oder erhitzt sich setzen, selbst nicht im warmen Zimmer. Ein Katarrh wäre die unausbleibliche Folge.

Als Regel für alle kann gelten, daß dieMinimalzeit, die kleinste Zeit derBewegungnach einer Anwendungstets eine Viertelstundebetragen soll. Wie dieselbe ausgefüllt werde (durch Gehen, körperliche Arbeit usw.), bleibt sich, wie gesagt, gleich.

DiejenigenAnwendungen, welchedas Bett vorschreiben, vornehmlich die Aufschläger und die Wickelungen, enthalten diese Notiz an Ort und Stelle, ebenso das einer jeden besonderen Übung Eigenartige. Wer bei einer solchen Anwendung einschläft, den soll man im Frieden schlafen und ruhen lassen, selbst wenn die vorgeschriebene Zeit vorüber ist. Wie beim kleinsten und größten Bedürfnis, versieht auch hier die Natur selbst die besten und genauesten Weckuhrdienste.

SindTüchernotwendig, so verstehe ich darunter niemals feine Leinwand, sondernkörniges, wo möglichgröberes Reisten. Wenn einfache arme Leute statt dessen nurabgenützten Zwillich(Zwilch), einenhänfenen Kaffeesackoder noch Ärmere einen weichen „Rupf“ o. a. zur Hand haben, so sind sie nicht im Nachteil. Zum Abwaschen des Körpers, was oft vorkommt, taugt ebenfalls am besten ein ziemlich grobes, linnenes oder hänfenes Tuchstück.

Aus Gründen, welche ich in der Einleitung kurz andeutete, bin ich gegen die Wolle als Kleidungsstück auf bloßer Haut. Dagegen dient mir derWollstoff vorzüglich als Umhüllung, z. B. des eiskalten Wickels. Er entwickelt rasche und reichliche Wärme und steht in dieser Beziehung unübertroffen da. Aus dem gleichen Grunde empfehle ich bei solchen Anwendungen dasFederbett als Zudecke.

Das sogenannteFrottieren, ob es nun durch Reiben oder Bürsten oder sonst einen Gewaltakt geschehe, findet bei meinen Anwendungenkeine Stelle. Den einen Zweck desselben, der im Erwärmen besteht, erfüllt bei mir gleichmäßiger und egaler das Nichtabtrocknen; den andern, nämlich die Öffnung der Poren, die Steigerung der Hauttätigkeit usw., besorgt das grobe Linnen- oder Reistenhemd, wieder mit dem Vorteile, daß dieses nicht wie die Bürste minutenlang, sondern bei Tag und bei Nacht, ohne Opfer von Zeit und Kraft arbeitet. Wenn an manchen Stellen vonkräftigerAbwaschung die Rede ist, so verstehe ich darunter lediglich ein schnelles Abwaschen der ganzen zu behandelnden Stelle.Das Naßwerden, nicht das Geriebenwerden ist die Hauptsache.

Ein Punkt möge hier noch erwähnt werden. DieAnwendungen am Abende, in der Zeit vor dem Schlafengehen, behagen den meisten Menschen nicht, sie werden dadurch aufgeregt, gleichsam aus dem beginnenden Schlafe gerüttelt. Andere dagegen wiegt eine gelinde Abendanwendung in sanften Schlaf. Ich empfehle solche Anwendung imallgemeinennicht, rate indessen einem jeden, er möge in diesem Stücke nach seinem Gutdünken, nach seinen Erfahrungen handeln, da ja er allein auch die Folgen zu tragen haben wird.

Bezüglich der speziellen Kenntnisse für eine jede besondere Anwendung verweise ich auf den ganzen ersten Teil, bezüglich des Gebrauches derselben für Kranke insbesondere auf den dritten Teil dieses Büchleins. Daselbst ist auch angegeben, welche Anwendungen für sich allein als sogenannteganze, und welche nur alsTeilanwendungen, d. h. als solche, welche nur in Verbindung mit anderen auftreten, zu gelten haben, ebenfalls, welche der Anwendungen (Dämpfe) besondere Vorsicht erheischen.

Ich schließe diesen allgemeinen Teil mit dem Wunsche, daß durch die Wasserübungen recht viele Gesunde noch mehr erstarken und recht viele Kranke genesen mögen, und beginne vorerst mit einer kurzen Aufzählung der Abhärtungsmittel, sodann mit der eigentlichen Abhandlung über die bei mir im Gebrauche stehenden Wasseranwendungen.


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