Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten.

Kopfstück zu Seite 166Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten.

Kopfstück zu Seite 166

Abweichen.

Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: „Ich habe beständig Abweichen, heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause täglich ein- bis sechsmal. An diesem Übel leide ich bereits seit ¾ Jahren.“ Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch zu stark, die Farbe frisch. — Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und jeden Nachmittag einen Knieguß.

Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich sechs bis acht Wacholderbeeren.

Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig aussah, auch das Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort seine Anwendung: Ein guter Wirt wirft seine Lumpen selbst hinaus.

Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder 2–3mal ein Halbbad oder ebenso oft einen Oberguß mit Knieguß.

Asthma.

Ein Herr erzählt: „Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Ärzte: allein sie erklärten meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts anderes übrig, als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien wird. Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen Grade ein, daß ich ganze Nächte,auch bei der größten Winterkälte, an dem offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. — Solch ein Anfall konnte mehrere Tage nacheinander fortdauern. Alle gebrauchten Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte, daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der Himmel. Das Buch „Meine Wasserkur“ kam in meine Hände, und es kam mir als Helfer in der größten Not. In acht Tagen wurde ich geheilt. Es ist kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit so umwandeln kann. Die Anwendungen waren: 1) Oberguß, darauf Knieguß — Wassergehen; 2) Rückenguß — Schenkelguß; 3) Sitzbad —- Oberguß — Halbbad; 4) Oberguß — Rückenguß — Wassergehen; 5) Halbbad — Oberguß — Sitzbad; 6) Vollbad — Oberguß; 7) Schenkelguß — Oberguß. Dazu täglich eine bis zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage wurde von Stunde zu Stunde leichter.“

Atmungsbeschwerden.

Ein Priester macht folgende Angaben: „Ich bin gut gebaut, war stets gesund und kräftig; doch seit ¾ Jahren bin ich so verschleimt, daß ich recht viel Atemnot habe, und wenn der Husten kommt und die Atemnot, glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche, klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag. Mehrere konsultierte Ärzte erklären es teils als Luftröhrenkatarrh, teils als Brustkatarrh.“

Anwendungen:[28]Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und ein Halbbad. Zudem täglich noch im Wasser gehen; so fünf Tage lang; dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen besser, der Atem leichter, die Stimme reiner, die Gemütsstimmung heiterer. Nachteilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und Mangel an Bewegung.

Augen (-Katarrh).

Ein berühmter Militärarzt sagte mir vor zirka 35 Jahren:Der Katarrh ist ein Übel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht usw. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angetan sind, einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. — Hat man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.

Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nurzwei. Ein unersetzlicher Verlust ist’s schon, wenn eines verloren geht. Sei darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon beikleinen Kindernvor, die wenige Wochen alt sind, beiSchulkindernnoch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft man Augenleidende genug.

Meistensstammt das Leidenaus dem Körper. Bei gesunden Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transpiration (Ausdünstung), durch das Atmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen.Anderskommt es,wenn der Mensch krank wird. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe usw.Was im Kopfesich ansammelt,wählt so gerne den Ausgang durch die Augen. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Teile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt sich dasheftige Brennen, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Augevon der scharfen Jauche angegriffen werden. Wird ihr Austreten gehindert, soentzünden sichdie Augen; sie werden oftblutrot, und das schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen.Heilung ist nur möglich, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Teile sind gesund, die Jauche allein und ihre ätzenden Stoffe machen es krank.

Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehroder nur wie durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirrenMückenundFliegenvor den Augen; andere sehenFeuerbündel, wieder andere anderes.AlledieseÜbelquellen aus derselben Giftquelle, sind Blüten derselben Giftpflanze, rührenvon demselben Giftstoffeher. Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt!Ein Beispielmöge das Gesagte klarmachen.

Das kleine Mädchen Antonia, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hatentzündeteAugen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was tun? Das Kind solltäglich in ein Handtuch eingewickeltwerden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor inlauwarmes Wassereingetaucht, in demHaberstrohgesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut umwunden. Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauerteine Woche lang. In derzweiten Wochebereite man dem Kinde einwarmes Bad mit Absud von Haberstroh(zirka 24–26°), in dem es 15–20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittels einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser schnellübergossenund sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese erfrischende Übergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad aufgelöst und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das Kind wird das erstemal jammern und weinen, wie Kinder tun; hat es aber die Sache einige Male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein leichtes sein.Jeden zweitenoderdritten Tagwerde das Badwiederholt. Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird reiner werden. Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt für das Auge, so nehme sie ein StückchenAlaun, so groß wie vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht werden. Auchnach Entfernungdes Übels versäume die Mutter es nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.

Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erstfünf Wochenalt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wennich denselben Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.

Der kleine Antonmit vier Jahren istskrophulös, hat Ausschlag am Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe; indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kindetäglichvor dem Schlafengehen einHemdchenanziehen, das in Wasser, mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde. Hernach soll sie das Kind schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Tut die Mutter diesesin der ersten Wochealle Tage,in der zweiten Wochejeden zweiten, in derdrittenjeden dritten,in der viertenjeden vierten Tag, und gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine kleine MesserspitzeKreidemehl, so wird der Bube gesund werden, und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.

Bertageht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede Woche oder doch recht oft „böse Augen“, so daß sie nicht lesen kann. Die Augen sind ganz rot und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kindeinnerhalb zehn Tagen sechsmalein nassesHemd anziehen, und reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten mit ungefähr 24° und zugegossenem Absud von Fichtenreisern, stets abschließend mit raschem kaltem Abguß. Nebenher kann alsAugenwasserdienen dasAloë-Wasser(eine Messerspitze Aloë wird in ein Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser aufgegossen), womit täglich dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete Auge und stärkt es.

Wilhelm, eine Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.

In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und in den Augen. Der Kleine mußtein der Woche zwei warme Bädernehmen. Viermal wöchentlich ließ ich ihnein Hemdanziehen, das in kaltes, mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1–1½ Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen nahm Wilhelm in jederweiteren Woche drei bis vier Bäder, nur mit 15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal seine Augen mitAlaunwasser(eine Messerspitze Alaun zu einem halben Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden, neu auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das geringste gefehlt hätte.

Christine, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüte des Lebens, hat aber immer mit Augenleiden zu tun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig Blut in den Füßen, deshalb auch stets kalte Füße.

Patientin nimmtjeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbadmit Asche und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten.Dreimal in der Wochegeht sie bis unter die Arme ins kalte Wasser (Halbbad), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählich ganz auf, und das Augenleiden verschwindet.

Augenleiden.

Agatha kommt und klagt: „Drei Jahre lang war ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Ärzte aufgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn’s noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind.“

Agatha mußte

1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf Bewegung machen; so zwei Wochen lang.

1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;

2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;

3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf Bewegung machen; so zwei Wochen lang.

In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des Morgens nehmen und nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei Minuten im Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.

Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen zur Kräftigung des Körpers.

Augen-Star.

Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war. Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur mit Mühe allein gehen konnte. „Wie kommen Sie zu mir?“ „Ja, mein Kind“, sagte der Vater, „war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbaregraue Star. Das ist schrecklich: Neun Jahre alt und blind!“ Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem Auge noch teilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsternis war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.

Der bedauernswerte Knabelitt nicht allein an den Augen, das sagte mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war aufs tiefste heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank, recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich dann auch die Augen wieder.

Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt. Der Knabe mußtetäglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf nassen Steinenbarfuß gehen, und täglich wurden im AnfangRücken, Brust und Unterleibein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einigerZeit traten an Stelle der WaschungenHalbbäder, endlichGanzbäder, nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fielabwechslungsweise der Wickeloderdas nasse Hemd, in Salzwasser getaucht, auf 1½ Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Tätigkeit, neues Leben in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.

Speziell für die Augen, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung, verwendete ichmehrere Augenwasser: zuerst dasAloëwasser(man nimmt eine Messerspitze Aloëpulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in einem Schoppen = ¼ Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloë löst auf, reinigt und heilt. Später folgte diesemAlaunwasser(zwei Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis viermaligem kräftigem Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt. Noch später nahm ichHonig-Augenwasser(ein halber Löffel Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählich in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfeerblühen auch wieder die so lange geschlossenen Augen; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig gewesen.

Ich bin der festen Überzeugung: die arg verkümmerten Augen waren nur ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom welk werdenden Stamme die Blätter und der Blütenschmuck abfallen, so müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen vorkommen. Treibt der Stamm von neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und neu Blätter und Blüten.

Ausschläge.

Darunter verstehen wiralle jene unnennbarenund unbezeichenbarenHaut-Unreinigkeiten, die oft in einer Nacht, in einem Tag kommen und vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust, den Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers.Jahrelangkannman die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört. Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir bekannt, welche ausbrach infolge schnell zurückgetretenen Ausschlages. Anwendungen, wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind, lockten den Ausschlag von neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben waren.Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich; sie können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege,großeundschwere Folgenhaben. NebenGeistesstörungenentwickeln sich insbesondere gerneAbzehrung,Schwindsucht,Leber-,Nierenleidenund anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören sie.

Jedem derart Geplagtenmöchte ich raten, er solle früh genug, jetzt, wo er noch keine der genannten Folgen spürt,wöchentlich(jeden dritten Tag z. B. eine)ein paar leichte Anwendungen mit Wasservornehmen. Solche sind der Reihe nach: diekalten Ganzwaschungen, derspanische Mantelund derkurze Wickel.Man erschrecke nicht, wennnach der einen oder nach der anderen Anwendungder Ausschlag stärkerauftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit fort!

Wer den Rat befolgt, wird an sich erfahren: Das Ende jeder Anwendung gut, aller Ausschlag gut.Jeder Unparteiischeurteile selbst, ob es besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam usf., zu gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei ausgeschriene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und manche würden rot werden vor Scham, wenn seine Herren Kollegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten, daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt salbt.Mundus vult decipi, d. h. die Welt wird weiter schmieren und salben.Habeat sibi!

Ein Landwirt erzählt: „Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig, dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehrverbreitet, wie es den Anschein hat, dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen wird. Ich habe schon vieles und verschiedenes dagegen gebraucht, doch alles umsonst.“

Anwendungen: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder mit zwei Wechseln, jedesmal 15 Minuten ins warme, eine Minute ins kalte Wasser, oder sich kräftig abwaschen. 2) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver, wie in der Apotheke beschrieben. So 3–4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein- bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein Halbbad nehmen.

Auszehrung.

Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden. Man fürchtet dieses im allgemeinen, weil die oftmals begründete Meinung herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Desgleichen sind unsviele, Männer, Frauen und Kinder,bekannt, bei denen gerade das Gegenteil stattfindet,deren Kräfte auffallend rasch abnehmen. Sie gleichen dem Gras auf dem Feld, das heute grünt und morgen dörrt, und das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche Kranke sehr häufig gar kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist nur über Mattigkeit, wenig guten Humor und entweder sehr großen oder gar keinen Appetit. Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken solche schon halbdürre Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus wie ein schwachbrennendes Nachtlichtlein. Vielleicht kommt noch eine akute Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht. Kranke dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben zu gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk und Mörtel, das bald baufällig wird und bei dem in kurzem alles aus den Fugen geht. Er ist an der Brightschen Krankheit gestorben, hört man oft sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen Körpers. Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut essen und trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes Haus an diesen oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel — jeder Vernünftige wird lächeln!Die Auszehrung unterscheidet sich von der Schwindsuchtdadurch, daß bei dieser die Krankheit von einem Organe ausgeht, sei es von der Lunge, der Brust, dem Kehlkopf usw., und von diesem Punkte weitere Kreise zieht, bei jener aber mehr eine allgemeine Auflösung, ein Ruin des ganzenKörpers stattfindet.Oft suchtman denHauptsitzoder denAusgangspunktder Auszehrung in denNieren, imUnterleibe; vielfach ist jede genaue Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar bestimmtesten und sichersten Zeichen.

1.Ein ziemlich korpulenter Herrerfreute sich stets der besten und ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr zu stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor allem war ihm der Gedanke, auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die Füße einen besonderen Halt hätten. Kaum sechs Wochen waren vergangen, und der Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große und selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein geknicktes Rohr, leblos und tot wie ein Dürrling (dürrer Baum) im Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmütigem Auge entgegen.

In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch riet ich,einen letzten Versuch mit Wasserzu machen.

DieNatur, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war,mußte gestärktund dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis dreimal ging der Krankebarfuß im nassen Grasoderauf nassen Steinen.Jeden weitern Tagnahm er einenOber-undUnteraufschläger, in der Woche einmal denspanischen Mantel. Diesen Anwendungen folgtenwöchentlich zwei Halbbäder, einkurzer Wickelundein Ober- und Unteraufschläger. Die Halbbäder lösten sodannGanzbäderab, und zwarkaltevon je einer Minute Dauer undwarme mit zweimaligem Wechsel, von beiden Artenje einesin der Woche; ebenfallswöchentlich eine Ganzwaschung. ZurAusheilungund zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduziert; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.

Schon nachSchluß der ersten acht TagewarBesserungeingetreten:Stillstand der Kräfte-AbnahmeundErstarkung. Nach acht Wochen konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.

2.Eine Mutter, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das Todesurteil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung blieben. In ihrer Not flüchtete sie zum Wasser.

Zweimal in der Wochezog sieein nasses Hemdan und wickelte sich in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie ebenfallswöchentlich zwei Halbbäderund setzte beide Übungen14 Tage lang fort. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren Anwendungen traten jetztwöchentlich ein kurzer Wickelundeinmalige kalte Ganzwaschungvom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.

Beiderartig Leidendenkann man (wie oben bei den Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) dieBemerkungmachen, daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch usf. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften usw. Die gut verteilten Wasseranwendungen lösen auf, leiten Unbrauchbares ab, regeln und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.

Noch ein Fall ist möglich.Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und matt, untätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zugrunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine gerät in Bewegung und Tätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das Wasser, das in geordneter Weise den untätigen Körper trifft, alle Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlaffheit. Sie arbeiten wieder, und neues Leben pulsiert im neu auflebenden Körper.

Wie viele junge Leutetragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!

Beinfraß.

Ein Herr von Stand bekam einekranke Zehe; er glaubte, der Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung wert. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es notwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tageszwei kleine Beinchen aus- und ablösten. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu all denen, die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es warBeinfraßeingetreten. Alsbald ließ ichZinnkrautin Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen. Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.

Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von neuem, diesmalan dem anderen Fuße, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße einen ähnlichen anhaltenden Schmerz wie früher vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas gerötet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als einer, der mit der Wahrheit nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hättelauten müssen: Die Krankheit ist teilweise gehoben, aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß weiterfrißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es.Wie mußte dieser Fuß behandelt werden?Notwendig müssenbeide Füße zugleichin Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röte mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind zu behandeln mit inHaberstrohabsudeingetauchtenFußwickeln, in der Art, daß die Füße täglich einige Male umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzulange währen.

Wie kommt es wohl, daß in unserem Fallegerade in den Füßen der Beinfraß sich festsetzte? Weshalb nicht z. B. in den Händen oder Armen? — Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit durchgemacht, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegenblieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere Teil den Angriffen des Giftstoffes leicht erlagen.

Der Herr lebt noch. Er darf recht achthaben, wenn er vom Beinfraß nicht mehr will heimgesucht werden.Bei den geringsten Anzeichenmöge er alsbald meinen freundlichen und gutgemeinten Rat befolgen und mit den Umschlägen von Zinnkraut- oder Haberstrohabsud nicht zögern.Sero venientibus ossa!Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar wachsen lassen, wenn ich diesmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter nicht verdeutsche.

Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht und schnell zustande kommt.

Bettnässen.

Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist’s nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Ruteund Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Übel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, geraten dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Übel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren riet ich, sie sollen täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin und her gehen 3–5 Minuten lang, dann im Zimmer oder im Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passierte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten, was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbentee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Bädern und erreichte das Gegenteil

Blasenkatarrh.

Ein Herr berichtet: „Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei Jahre an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von Überanstrengung im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des Harns zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die mir obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische plötzlich einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate lang bin ich krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein Körper einem Totengerippe gleich war, — mein Körpergewicht betrug bloß mehr 82 Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser, wovon ich etwa 100 Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich bekamzudem noch einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier Monaten, als es Frühling wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging es mir erträglich, wiewohl ich immer noch zeitweise große Schmerzen verspürte und der Urin sehr oft, ja beinahe täglich noch trübe war. Der Winter aber brachte mir wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst der folgende Frühling und besonders der Sommer halfen mir wieder auf die Beine. Aber im Winter 1887 steigerten sich die Blasenschmerzen wiederum mit jedem Tage; der Urin floß immer spärlicher, ward trüber, und ich mußte drei Wochen das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte schwanden immer mehr, so daß man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich eingestellt. Am Unterkörper war ich zumeist kalt und konnte mich trotz des geheizten Zimmers, der fünf Unterbeinkleider und der drei Paar Strümpfe nicht erwärmen; es ging abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich solle mich nur recht warm halten, und gegen das Blasenleiden verordnete er teils Wildunger-, teils Kronenquell-Wasser, wovon ich etwa 150 Flaschen leerte. Auf vielseitges Anraten entschloß ich mich, sobald die Witterung es erlaubte, nach Wörishofen zu gehen.“

Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage bekam er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu Tag ab, der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen erklärte er: „Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie ehedem, — dies hat das Wasser getan.“

Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für vollständig hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.

Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang vor- und nachmittags Oberguß und Wassertreten; später Sitzbäder und Oberguß, täglich abwechselnd; außerdem anfangs Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren.

Blasenleiden, nervöses.

Ein Lehrer berichtet: „Meine Krankheit wird von den Ärzten bezeichnet als „nervöser Reizzustand der Blase und des Unterleibes“. Seit ungefähr 15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden, bald mehr, bald weniger. Mit Beginn dieses Frühjahres stellte sich das Leiden wieder in besonders hohem Grade ein. Oft mußte ich in einerNacht 15–20mal unter heftigem Drang den Harn lassen. In dem reichlichen Niederschlage fanden sich viele Salzkristalle, später auch Schleim. Dabei litt ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals, besonders nachts, an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des Unterleibes, verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen Zuckungen in den Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit haben mich sehr geschwächt.“

Die Anwendungen waren folgende:

1) in jeder Nacht Ganzwaschung;2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen;3) täglich eine Tasse Zinnkrauttee, worin 20 zerstoßene Wacholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

1) in jeder Nacht Ganzwaschung;

2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen;

3) täglich eine Tasse Zinnkrauttee, worin 20 zerstoßene Wacholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, undeineKrankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen folgendes:

1) früh ein Oberguß;2) nachmittags ein Knieguß;3) manchmal ein Halbbad.

1) früh ein Oberguß;

2) nachmittags ein Knieguß;

3) manchmal ein Halbbad.

Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.

Blasenstein.

Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen. Herbeigerufene Ärzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der aber nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich dazu durchaus nicht verstehen.

Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden zu erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Not und erhielt den Rat: mittags, abends und morgens ein warmes Sitzbad von Zinnkraut zu nehmen und vor jedem Bad eine Tasse Tee von Zinnkraut zu trinken. In 36 Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war aller Schmerz weg und der Mann gesund.

Blattern.

Was Scharlach im kleinen, das sind die Blattern im großen. Giftig ist schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die weißen oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle dieselbe. Man sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten, so müsse der Kranke daran sterben. Darum kannnichts Besseres getan und sorgfältiger getan werden, alsso schnell wie möglich den Blatternstoff an die Oberfläche der Haut zu leiten, um so im Inneren die ärgste Vergiftung zu verhüten und eine rasche Ableitung vorzunehmen.

Sechs Personen, die an denweißen Blatternerkrankten, wurden geheilt, indem dieselbenso oft gewaschen wurden, als die Hitze recht groß, die Bangigkeit fast nicht auszuhalten war.Anfangswar esjede Stundenotwendig, später alle zwei Stunden, nach längerem Verlauf im Tage nur noch zwei- bis dreimal. Am siebenten Tage waren die sechs Kranken vollständig gesund.Gegessenhaben sie fast nichts, was am besten ist, getrunken ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen Portionen getrunken wird. Daß alle Patienten dies beachteten! Viel Trinken auf einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die Bangigkeit.

Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch die einfachen Waschungen, die Blatternstets auf der Oberfläche der Hauterschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen, aus der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser hervorschauen.Man wasche ohne die geringste Scheu!Je bälder und pünktlicher solches geschieht, desto schneller entwickeln sich die Bläschen, desto rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu den Geschwüren sich entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf, gleichsam weggewaschen.

Noch eines: Man gönne den Kranken auch diefrische Luft, die ehedem so sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch kleine Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.

Das Waschen geschehe so schnell,daß höchstens eine Minute zu einer Waschung gebraucht werde. Auf diese Weise könnenbei Erwachsenenebenso leicht dieBlatternwie bei den Kindern derScharlachgeheilt werden. Bemerkt sei noch,daß die gelindeste Anwendung die beste ist.

Vier Personenlitten an denselben Blattern. Sie wurden geheilt, indem sie statt der Waschungentäglich zwei- bis dreimal ein nasses Hemdanzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hätte. Nach einer Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt, wenn Hitze und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses höchstens noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur vorüber, und von denschrecklichen Narben, die manches Antlitz fürs ganze Leben entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu sehen.

Fritzkann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern. Sein Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige Übelkeiten befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust. Man ruft den Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der Blattern; es brauche indes zur Entwicklung derselben noch drei Tage. Ein Abführmittel könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts tun. Fritz war damit nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er sich eine Wanne mit Wasser ins Zimmer bringen, unmittelbar neben das Bett.Jede Stunde steigt er ins Wasserund wäscht sich mit einem rauhen Handtuche kräftig ab; in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute, ist jedesmal die Arbeit fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der Kranke achtzehnmal gewaschen.

Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts und getrunken nur das liebe Wasser.

Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rate folgend, ganz auf diese Weise4–5 Personen, die plötzlich vom Fieber befallen worden waren und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern befürchtet wurde, in wenigen Tagen heilte.

Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach, Ausschlagkrankheitenund zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Einzuwartendes, rein beobachtendes Verfahren, „was da wohl sich entwickeln möge“,ist stets vom Übel. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die Kräfte. Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen schon kann die Rettung zu spät kommen.

Sobald ein Kind oder ein Erwachsener überKopfweh,Beengung,schweren Atem,Hustenklagt und sagt, daß aller Mut gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.

Im allgemeinen wiederhole ich an dieser Stellefolgende Regeln:

Die Waschungen seien so kurz als möglichund erstrecken sichauf den ganzen Körperdes Patienten.

DasZudecken(Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung geschehesorgsam, nicht zu übermäßig. Man sorge für steteErneuerung der frischen Luft(gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.

DieWiederholung des Waschensbei jedesmaligem Steigen der Hitze und der Bangigkeit werdegenau eingehalten.

Niemals dränge maneinen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zumEssen. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthindernis der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.

Welche Torheiten werden in dieser Beziehung oft, sehr oft aus Unwissenheit,besonders auf dem Lande, begangen! Alles kommt zum Krankenbett und nötigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken Süßigkeiten u. a., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes tut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Torheiten und sündigt unwissend schwer gegen die Gesundheit.

Meldet sich der Appetit, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so gebe manja recht wenige, einfache(nicht viel gesalzene, nicht gewürzte),milde, leicht verdauliche Speisen, niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlichgut eingekochte Früchte.Wasser mit etwas Wein,Wasser mit Milchund späterMilch alleinsind das beste Labsal. Man hüte sich, den Konditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.

Man hat bereits mancherorts begonnen, beiBlattern-Epidemiendas Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter[29]würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieserSeuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze hinweggerafft werden, wandelt mich große Schwermut an. Das Löschmittel steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!

Die Heilung der Blattern durch Wasserhat noch denspeziellen Vorteil, daß der Giftstoff nie tief einfrißt und daß deshalb nach solcher Behandlungniemals die entstellenden Blatternnarbendas Gesicht fürs ganze Leben kennzeichnen.

DieWaschungen, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet haben, könnenersetztwerden durch denspanischen Mantel, den man täglich zweimal, bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1–1½ Stunden lang. Manversäume es nie, nach jeder Anwendung den Mantel sorgfältig auswaschen zu lassen; er enthält jedesmal eine Menge giftiger Stoffe.

Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein zweifach zusammengelegtes grobes Linnen ins Wasser taucht, es auf Brust und Unterleib legt in Form desOberaufschlägers(s. Aufschläger) und nachher in derselben Weise denUnteraufschlägerfolgen läßt. Bei großer Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Blutarmut (Bleichsucht).

Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, so darf ich den Satz aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd, und wo wenig oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten eintreten können.

Zu einer guten Blutbildung ist vor allem notwendig eine gute, gesunde Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Tätigkeit des Körpers. Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut abnehmen, und sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.

Blutarmut kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.

Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.

Ein Bild der Blutarmut ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an Wärme, gebückte Haltung — somit ein Bild der Krankheit. — Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Atem, besonders beim Treppensteigen, Kopfweh, Kreuzschmerzen, Ohnmacht, Krämpfe, Magenkrampf, Verdauungsschwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu Speisen, die weder der Natur zuträglich sind noch ein gutes Blut geben können.

Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm undschließe sich nie festan den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche Kranke sollen womöglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller, geschlossene Räume, rauchige Zimmer!

Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen: Milch, gutes Brot, gekochte Brotsuppe und von ganz einfachem Mehl bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2–4 Löffel voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen. Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.

Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aufstehen, sich ganz waschen und gleich wieder ins Bett; ins Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute lang; gleich darauf kommen auch die Arme ins Wasser, in der Woche ungefähr zwei- bis dreimal.

Ist der Bleichsüchtige recht schwach und hat er wenig Naturwärme, so soll anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig gemischt werden. Um den Appetit zu fördern, ist es recht gut, täglich dreimal, jedesmal 2–3 Eßlöffel voll, Wermuttee einzunehmen. Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine Messerspitze voll, Kreidemehl in 4–6 Löffeln Wasser einzunehmen.

Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäderin der Woche zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste tun.

Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.

Blutarmut bei einem Kinde: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die eines Toten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben noch Mut, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so blutarm und der ganze Organismus so untätig, daß es mehr einem Greise ähnlich sieht. Mehrere Ärzte haben das Kind behandelt, geholfen hat nichts. Zwei Ärzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu tun?

1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden;

2) jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;

3) womöglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch ins Freie, in die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2–3 Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit:

1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden, 3–5 Minuten lang;

2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;

3) in der Woche ein- oder zweimal ein Hemd anziehen, in Salz- oder Heublumenwasser getaucht.

Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens halb so oft gebrauchen.

BlutbrechenundBlutsturz.

Wenn sich eine Blutung einstellt, so fragt es sich,ob das Blut aus dem Magen oder aus der Lungekommt. AufLungenblutungkann man schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellrot und schaumig aussieht; hingegen aufMagenblutung, wenn es durch Erbrechen entleert worden und von dunkelbraun-roter, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend underheischt Vorsicht, da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.

Kommt das Blut aus dem Magen, wer weiß, welches Äderchen gelitten hat, ob und wann das Brechen sichwiederholen wird? Eine Vernachlässigung könnte Blutarmut oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.

Vongrößerer, oft recht großerGefahr ist das Blutbrechen aus der Lunge. Man schaffe deshalb möglichst schnelle Abhilfe!

Bei beiden Arten des Blutbrechens istTee von Zinnkraut immerein erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können öfters solchen Tee durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10–15 Minuten ein paar Löffel solchen Tees ein. — In der Regel stillt derselbe sehr schnell. Der Tee werde selbst nach vollständiger Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.

Stellt sich dasBlutbrechen öfterein, so müssen dieUrsachenerforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (s. „Kongestionen“), oder es rührt von Magengeschwüren her.

Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.

Hier ein Wort über dasNasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf „wohl“ wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem andern muß notwendigerweise allmählich Blutarmut, schwaches Blut usw. eintreten und damit die bekannten Zustände: Angst, Furcht, Erschrecken, Ängstlichkeit, Skrupulantentum der verschiedensten Art. Alsgute stillende Mittelbeim Nasenbluten werden häufig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser ins Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.

Ich bin gegen all diese oft das Gegenteil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man denBlutlauf in geregelten Gangzu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.

Zu dieserAbleitung des Blutesnach unten helfen vortrefflich: anfangs ein warmesFußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche zwei- bis dreimal; desgleichen wöchentlich 2–3maligesGehen auf nassen Steinenund 2–3kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so tun weiter vorzügliche Dienste derOber- und UntergußundHalbbädermit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.

EinNasenblutengibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).

Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1½ Stunden durch die Nase drei Lavoirs reines Blut verlor. Die zunehmende Totenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Ärgste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich ½ Gießer mit Wasser auf den Kopf spielen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke — Appetit und Durst fehlten gänzlich — jede halbe Stunde 2–3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählich dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. DerObergußwurdetäglich pünktlichstvorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen kurzem ein recht guter Appetit. In 4–6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Äußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.

Blutfluß.

Ein Hausvater kommt und erzählt folgendes:

„Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Ärztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt’s denn gar kein Mittel?“

Ich gab dem Manne den Rat: Die Frau soll 1) anfangs nach je ¼ Stunde 2–3 Eßlöffel voll Zinnkrauttee nehmen, später täglich je 2 Löffel voll; 2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20 Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen Überschlag anzuwenden.

Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht: in jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen Hausmannskost. Nach vier Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften wieder nachkommen.

Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Notfalle angezeigt sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.

Blutvergiftung.

Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt, sie wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, — beachtete diese Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend ins Bett, ohne den Schaden näher anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht schon wacht sie auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf, große Übelkeit, Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der linken Hand, und sie empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten Fuß. Die Hand schwillt stark an bis an den Ellbogen, wird feuerrot, und innerhalb 10 Stunden tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher Schmerz ein. Die Adern bis zu dem Ellenbogen treten stark hervor und sind ganz dunkel. Arzt war keiner im Ort, und es war sichtbar die höchste Gefahr im Verzug, es werde die Blutvergiftung die Herrschaft bekommen. Die Röte war bereits über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf den Oberarm gekommen.

Heublumenwurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze Hand wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen konnte, eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsamt dem Verband in das heiße Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen zogen wie ein Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben gelungen, die Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein Beweis, wie schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1–2 Stunden die Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden, daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach 36 Stunden war auf der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so abgelöst, daß sie hätte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem Finger nachließen, hörte auch natürlich alle Übelkeit auf.

Blutzersetzung.

Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einenPfarrer. Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man sein baldiges Ende erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im Lehnstuhle und erzählte: „Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie sehen hier im Gesicht 5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe. Ganz schnell entstehen kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit. Setze ich ein Pflästerchen auf, so hält es einen Tag; beim Wegnehmen bleibt gewöhnlich etwas abgestandenes, faules Fleisch hängen. So leide und dulde ich schon seit Monaten, und Hilfe bekomme ich keine mehr. Quälender noch als die Wunden am Körper empfinde ich den entsetzlichen Ekel im Gaumen, den ich niemanden beschreiben kann. Teurer geistlicher Mitbruder, wissen Sie einen guten Rat für einen Armen, dann geben Sie ihn bald; — mir scheint es höchste Zeit.“ Ich riet dem Bedauernswerten, er solletäglich alle 2 Stunden4–6 LöffelTee von SalbeiundWermutnehmen, daß ihm der Ekel aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf Wiedersehen in der Ewigkeit.

Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote, doch nicht mit der erwarteten Todesnachricht, sondern mit der Freudenkunde, derEkelsei aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre schon Verlangen nach Speise. Der erste Rat habe so vortrefflich gewirkt, ich möchte bald einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er sollewährend 14 Tagen täglichmit frischem WasserGanzwaschungenvornehmen oder vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich. Von neuem kam die Meldung, der Zustand mache sich, der Appetit sei im Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen abwechselnd den einen Tag denspanischen Mantel, den andern eineGanzwaschung. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die erste hl. Messe. Es folgten nochwöchentlich je ein Kräuterbadzu 28°R.ausHeublumenbereitet, am Schlusse mit kalter Abwaschung, undkalte Halbbäder(mit Waschen des Oberkörpers) im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag die erste, den andern die zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder genas vollkommen und lebte noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte als Pfarrer bis zum Ende seines Lebens.

Ein Mann kommt und erzählt: „2½ Jahre bin ich krank, und niemand kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen und wurden bis zu den Knien hinauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser wurden, schwoll der rechte Arm stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark aufgetrieben, und ich habe darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben. Wenn’s erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angetan. Doch sei ihm, wie ihm wolle, ich kann nicht mehr elender werden.“


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