Fig. 21.Fig. 22.
Fig. 21.
Fig. 21.
Fig. 22.
Fig. 22.
DerShawl als Wickelist ausgebreitet ein grobes quadratförmiges Leinwandstück (Fig. 21), 1 bis 1½ m lang und ebenso breit. Als gleichschenkeliges Dreieck zusammengelegt (Fig. 22) und nach der oben angegebenen Art über die Schultern gebreitet, kommt der größere, der rechte Winkel auf den Rücken zu liegen und reicht bis unter das Kreuz, die beiden spitzen Winkel fallen über die Brust herab und schließen gleich oben am Halse gut zusammen und kreuzen sich auf der Brust. (S.Abbildung.)
Fig. 23.Fig. 24.
Fig. 23.
Fig. 23.
Fig. 24.
Fig. 24.
Der Wickel wird in kaltes Wasser getaucht, ausgewunden, auf den bloßen Körper gelegt und mit trockener Linnen- oder Wollhülle luftdicht abgeschlossen.
Sehr bald fühlt man, wie eine angenehme Wärme sich entwickelt, wie das nasse Tuch warm, ja allmählich heiß wird.
Die Anwendung des Shawles kann ½–1½, in seltenen Fällen bis 2 Stundendauern; letzteres dann, wenn stärkere Ableitungen gewünscht werden. Bei längerer Dauer darf man dieErneuerung, d. i. Neueintauchung des Wickels nicht übersehen. Dieses geschieht nach ungefähr ½–¾ Stunden, in der Regel dann, wenn die Hitze stark, der Wickel warm, heiß wird.
BeiHitzen,Kongestionenundbeginnenden Entzündungenan oder im Kopfe, beifieberhaften KatarrhenbeiVerschleimungenim Hals, in der Luftröhre, auf der Brust wirkt unser ganz unschuldiger Wickel auflösend und ableitend.
Die größten und auffallendsten Dienste hat er stetsgemüts- oder geisteskranken Personen des schwachen Geschlechteserwiesen. In Verbindung mit einer andern, ebenso leichten Anwendung reichte der Shawl vollkommen aus, den Blutandrang zum Kopfe aufzuheben, den überfüllten Kopf zu entbluten.
Diese zweite Anwendung bestand gewöhnlich in nassen Socken oder in Fußwickeln oder in einem warmen Fußbade mit Asche und Salz.
Dieser Wickel ist stets eine wichtige Nebenanwendung, d. h. ein Hilfsmittel, welches anderen Anwendungen helfend entgegenarbeitet. Wir unterscheiden einen doppelten Fußwickel, nämlich:
Landleute, welche mehr beschränkt sind in Zeit und Mitteln, nehmen diesen Wickel am einfachsten, indem sieein paar nasse Sockenund darüber trockene Wollstrümpfe anziehen und sich dann während der Anwendungszeit ins Bett legen unter eine gute Zudecke.
Wem dieses nicht behagt, der tauchegrobe leinene Lappenodereine Linnenbinde in halb Wasser, halb Essig, umwinde damit die Füße bis über die Knöchel, bringe den trockenen Umschlag, am besten eine Woll- oder Flanellbinde, darüber und decke sich im Bette ordentlich zu.
Die Anwendung dauert 1–1½–2 Stunden und schreibt stets das Bett vor.
Entwickelt sich starke Hitze, und handelt es sich bei der betreffenden Anwendung gerade um deren Ableitung wie z. B. bei der Lungen-, der Brustfellentzündung, bei Entzündung im Unterleibe, so soll der Wickel wiederholt, bei jeder größern Hitze neu eingetaucht werden.
In allen Fällen, in denen es sich darum handelt,krankhafte Säfte aus den Füßenauszuziehen, beiEntzündungendie Hitze zu nehmen, das Blut vom oberen Körpernach unten zu ziehen, leistet dieser Fußwickel treffliche Dienste.
Man verwechsle ihn nicht mit dem Fußbadeund seinen Wirkungen! Wie die Dauer des Fußbades eine bedeutend kürzere, so ist seine Wirkung eine beschränktere. Wohl leitet auch es die Wärme, das Blut in die Füße; aber eine Reinigung, eine Ausleitung verdorbener Säfte aus den Füßen vermag kein kaltes und kein warmes Fußbad zustande zu bringen.
Eine Anwendung dieses Wickels darf ich nicht vergessen.
Wer diese Wasserübungen am Abend ertragen kann, der ziehenasse Socken an beim Schlafengehen, darüber natürlich stets trockene. So verliert er absolut keine Zeit; er wird prächtig schlafen und braucht auf keine bestimmte Zeitdauer acht zu haben. Nur das eine merke er sich, daß er beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe die nassen Socken ungesäumt weggibt.
Landleuten, die abends recht müde sind, zieht dieser Sockenwickel alle Müdigkeit aus den Füßen, noch gründlicher als das kalte Fußbad.
Wer ankaltenFüßen leidet, probiere einmal diese Nachtwickel.Auch Fußschweißlernhabe ich dieselben oft mit Erfolg angeraten, jedoch erst nachdem mehrere Fußdämpfe vorangegangen waren.
Kräftiger als der eigentliche Fußwickel in der untera) beschriebenen Weise wirkt ein Wickel bis über die Knie.
Die nasse Linnenbinde, welche beim Fußwickel bis über die Fußknöchel reicht, wird fortgesetzt, fortentwickelt bis über die Knie und gut mit trockener, am besten wollener Umhüllung versehen.
Die Dauer dieses Wickels, auch das andere Verhalten ist dasselbe wie beim Fußwickel a.
Zur Ausleitung von Hitze im Oberkörper,zur Hebung großer Müdigkeit, speziell zurLösung quälender Winde,versessener Gaseempfehle ich den Wickel angelegentlich.
Man verwechsle ihn nicht mit dem bei den Halbbädern genannten „ins Wasserstehen bis über die Knie“. Diese Anwendung ist rein stärkender, nie ableitender Natur.
führt seinen Namen aus dem Grunde, weil erhauptsächlich gegen Gebrechen des Unterleibes und der Füßegerichtet und deshalb der speziell dem Unterleibe zugedachte Wickel ist. Er beginnt unter den Armen und reicht bis über die Fußspitzen. Der oberste Teil des Oberkörpers, die Schultern mit den Armen, die frei bleiben, sind unberührt und müssen, wenn der Behandelte zu Bette liegt, gut mit dem Hemde, besser noch mit wärmerer Bekleidung bedeckt werden, daß von oben her nicht etwa Luft eindringe.
Der Unterwickelwird also bereitet und genommen: Auf das die Matratze oder den Strohsack bedeckende Leintuch wird der Länge nach eine möglichst breite Wolldecke ausgebreitet. Das zum Wickel bestimmte Linnen soll so groß sein, daß es zum mindesten zweimal, in manchen Fällen 3–4 mal um den Körper undbis über die Fußspitzen hinaus reicht (2–3–4fache „Fätschung“). Man nimmt es am besten doppelt gefaltet, taucht es in kaltes Wasser, windet es aus, so daß es nicht mehr triefet, und legt es in Form eines Rechteckes auf den bereit liegenden Wollteppich ins Bett. Auf der nassen Unterlage nun nimmt man Platz, schlägt sie rechts und links ein, aber so, daß Naß über Naß geht und keine Stelle des Unterleibes unbedeckt bleibt. Darüber wird die unter dem nassen Linnen gebreitete Wolldecke als schützende und luftabschließende Hülle zusammengezogen und das Ganze mit dem Federbett sorgfältig zugedeckt. Die Füße werden meistens noch eine Extrazudecke erfordern. (SieheAbbildung.)
Fig. 25.
Fig. 25.
Die Sache ist nicht so verwickelt, wie es beim Lesen erscheinen könnte, der ganze Hergang kann dadurch erleichtert werden, daß der Behandelte außer Bett, vielleicht mit Badehosen bekleidet, den nassen Wickel vorschriftsmäßig um sich hüllt und sich derart eingehüllt auf die ausgebreitete Wolldecke legt. Jetzt kann ihm, damit alles rasch ohne Verzug geschieht, daß er möglichst geringe Zeit der Luft ausgesetzt ist, leicht jemand behilflich sein, das ist den nassen Wickel etwas glätten, zurecht legen, die Ränder anschließend machen, besser übereinander legen, den Patienten endlich sorglich zudecken.
Freilich ist die Sache stets etwas umständlich, doch wie mir scheinen will, einfacher und leichter als ein Umwickeln mit eigens dazu bereiteten Binden, welche ich bei größeren und den größten Wickeln nie verwende.
Bei einiger Praxis ergibt sich ein Vorteil nach dem andern. Ich kenne viele, die ohne Mühe und in kürzester Zeit (das ist eine Hauptsache) sämtliche größeren Wickel sich selbst allein zu bereiten und umzulegen wissen.
Hier schon möge eineBemerkungPlatz finden, die manchen das beim Lesen empfundene Schauern oder Kaltüberrieseln nehmen wird.
Wer die Furcht vor dem kalten Wassernicht überwinden kann, wer wenig Naturwärme, zartere Nerven usw. hat, tauche den Wickel ganz ruhig inheißes Wasserein.
Schwächlichen,gebrechlichen,blutarmen, namentlichälteren Leutenmache ich diese Eintauchung nicht gerade zur strengen Vorschrift, gebe ihr aber stets den Vorzug.
Die Anwendung des Unterwickelsdauert1, 1½, manchmal 2 Stunden. Das anfängliche Kältegefühl wird bald einer angenehmen Wärme weichen.
Einfache, arme Land-undBauersleutekönnen diese ganze Geschichte viel einfacher haben. Sie suchen sich einen alten, ziemlich abgenützten, deshalb weniger steifenGetreidesackaus, tauchen denselben ins Wasser, winden ihn ordentlich aus und schlüpfen dann bis unter die Arme in den Sack, gleich als wenn sie die Hosen anziehen würden. In dieser altmodischen Tracht legen sie sich auf die ausgebreitete Wolldecke ins Bett und wickeln sich in diese und das Federbett tüchtig ein. Hunderte haben diese Art von „Sackjucken“ probiert. Schäme dich nicht, der Sack wird auch dir recht wohl bekommen!
DieWirkung des Unterwickels, welcher stets mit anderen Anwendungen verbunden wird, ist verschieden: wärmend, auflösend und ausleitend. Er übt diese Wirkung, wie bereits gesagt wurde, vornehmlich aus auf den Unterleib. BeiFußgeschwülsten,rheumatischen und gichtischen Zuständen,bei Nierenleiden,Blähungen,Krämpfenusw. wird er regelmäßig zur Mithilfe beigezogen werden.
Anstatt des einfachen kalten oder warmen Wassers verwende ich sehr häufig zum Eintauchendie Absude von Heublumen,saurem Heu,Haberstroh,Fichtenreisern. Das saure Heu gilt als Ersatzmittel für Heublumen. Beide dienen beiHarnbeschwerdenund in untergeordneter Weise beiGries-undSteinleiden.
Absud von Haberstroh hat sich jederzeit bewährt bei derGicht, beiGries-undSteinleiden; Absud von Fichtenreisern bei schwächlichen Naturen zur Ausleitung von Gasen und zur Beseitigung der verschiedensten krampfhaften Zustände im Unterleib.
ist der am meisten genannte und gebrauchte. Er bildet für sich allein eineabgeschlossene Anwendung, d. h. er wirkt, ohne daß andere Wasserübungen beizuziehen sind, auf den ganzen Körper. Er steigert die Naturwärme und zieht anderseits zu große Hitze aus, je nachdem seine Anwendung längere oder kürzere Zeit dauert.
„Dieser Wickel ist alles wert,“ hat einmal einer gesagt; „was der Sattelgaul am Fuhrwerke, das leistet er unter den Wickeln.“
Zu seiner Beliebtheit und allgemeinen Verbreitung hat sehr viel der Umstand beigetragen, daß ihnein jeder selbst leicht und bequem nehmen und umlegen kann. Der kurze Wickel beginnt wie der Unterwickel seine Wickelungen unter den Armen und beendet sie oberhalb der Knie. Ein grobes Linnentuch wird 4–6fach in solcher Breite zusammengefaltet, daß es den Körper in besagter Weise umhüllt, sodann naß gemacht, ausgewunden und gut anschließend umgelegt. Eine Wolldecke schließt luftdicht ab, und das Federbett gibt die notwendige Wärme. (S.Abbildung.)
Fig. 26.
Fig. 26.
Schwächlicheundältere Personen, mit einem Worte dieBlutarmen, deren Blutwärme nicht viel über dem Gefrierpunkte steht, dürfen, ja sollen auch diesen Wickelwarmnehmen.
Arme und einfache Leute auf dem Landekönnen statt des 4–6fach gefalteten Linnentuches wieder einen abgenützten, weicherenGetreidesacknetzen und denselben derBreite nachumlegen.
Die ganze Anwendung dauert je nach Vorschrift 1, 1½, zuweilen 2 Stunden.
Würdengesunde Leutealle 8, auch nur alle 14 Tage einen kurzen Wickel nehmen, so könnten sie einer großen Anzahl Krankheiten gründlich vorbeugen. Auch er wirkt günstig undreinigend auf NiereundLeberund auf denUnterleib, den er vonversessenen Winden,quälenden Gasen,verlegenen Stoffen,überflüssigem Wasserreinigt. DieWassersucht,Herz-undMagenleiden, die sehr häufig vom Druck der Gase nach oben herrühren und aufhören, sobald diese entfernt werden, sind den Freunden des kurzen Wickels unbekannte Gäste. Und ich kenne eine Zahl solcher treuen Freunde, welche manche Nacht in seiner Umhüllung schlafen und bis zum Morgen überaus gut und sanft ruhen.
BeiVerschleimungendesMagens, beiHerz-und Lungenübeln, bei den verschiedenstenKopf-undHalsleidenfindet der kurze Wickel die mannigfaltigste Verwendung. Das Nähere besagt im dritten Teile eine Reihe von Krankheiten.
Wenn ich imunklaren bin über ein Übel, wenn ich den Sitz einer Krankheit nicht genau erkenne, so ist stets der kurze Wickel der treueste und beste Ratgeber. Auf nähere Ausführung kann ich mich nicht einlassen.
Patienten, derenUnterleib durch was immer geschwächtist, rate ich unmittelbar vor oder nach dem Wickel den Unterleib mit Schweinefett oder Kampferöl einzureiben.
BeiKrämpfenlasse ich auch manchmal ein inEssiggetauchtes einfaches Tuch unter den Wickel auf den bloßen Leib legen. Bei Krämpfen und Kältegefühl istwarmerWickel am Platze.
Diese Anwendung habe ich gewählt, weil sie auch von den einfachsten Menschen mit geringer Fassungskraft nicht leicht mißverstanden werden kann.
Eingewöhnliches Linnenhemdwird in Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden und wie üblich angezogen. Man legt sich ins Bett, auf eine ausgebreitete Wolldecke, hüllt sich gut ein oder läßt sich gut einhüllen und mit einem Federbett warm zudecken.
Ich kannte einen Herrn, welchem auch dieses Verfahren noch zu umständlich war. Er stellte sich im Hemde in eine Badewanne und ließ über das Hemd und seinen Körper eine Kanne mit Wasser gießen. Darauf ließ er sich in eine Wolldecke hüllen und er konnte von dieser „ersten und besten aller Anwendungen“ nicht genug rühmen, wie sie guten Schlaf bringe, den Humor froh, den Geist geweckt und den Körper frisch mache.
In dem nassen Hemdebleibt man1, 1½, längstens 2 Stunden. Bezüglich seiner Wirkung habe ich die Erfahrung gemacht, daß es diePoren öffnet, und wie eingelindes Zugpflaster auszieht,daß es beruhigt,Kongestionen und krampfhafte Zuständehebt, gleichmäßige Naturwärme hervorbringt und das Allgemeinbefinden des Körpers hauptsächlich wegen seiner ausgezeichneten Wirkung auf die Haut zu einem sehr guten macht. Mit sehr gutem Erfolge habe ich es beiGemütsleiden, bei Kindern, beimVeitstanzund ähnlichen Erscheinungen, besonders auch beiHautkrankheitenangewendet. Sollten in letzteren Fällen starke Ausleitungen erzielt, Ausschläge, wie Scharlach usw. hervorgelockt werden, so ließ ich das Hemd inSalzwasseroder inmit Essig vermischtes Wassertauchen.
Diesen Namen habe ich nicht erfunden; ich habe auch keinen genügenden Grund, den unter solcher Benennung bekanntenund eingebürgerten Wickel anders zu taufen, selbst auf die Gefahr hin, daß das fremdländische Wort manchem schnüffelnden Leser spanisch vorkommen sollte. Das ist und wäre mir alles eins. Auf die so bezeichneteSachekommt es allein an.
Der spanische Mantel, auchgroßer Wickelgenannt, ist wie das Vollbad und der kurze Wickel eine ganze, für sich allein genügendeAnwendung, welche auf den ganzen Organismus einwirkt. Das hindert nicht, daß sie bei größeren und gefährlicheren Krankheiten stets nur im Wechsel mit anderen Wasseranwendungen vorkommt.
Worin besteht dieser größte Wickel?
Fig. 27.
Fig. 27.
Aus grober Leinwand, dem beim Volke bekannten „Reisten“, wird eine Art Linnenmantel gemacht. Derselbe gleicht einem weiten Hemde mit Ärmeln, welches nach vorne zu ganz offen ist und bis über die Zehen hinunterreicht, oder, wenn man will, einem weiten, langen Linnen-Schlafrock. (S.Abbildung.) Dieser Mantel wird in kaltes oder bei schwächeren, blutarmen, älteren, wasserscheuen Individuen in heißes Wasser getaucht, ausgewunden, wie ein Hemd angezogen und vorne gut übereinander geschlagen. Das Bett werde vorher so zubereitet, daß die Wolldecken zur Aufnahme des Bemantelten bereit liegen. Am besten breitet man eine recht breite, große Wolldecke aus, oder legt zwei kleine Decken der Breite nach über die Matratze oder den Strohsack. Darauf legt sich der Patient und wird durch die Wolldecken luftdicht abgeschlossen und mit einem Plumeau (Federbett) warm zugedeckt. (S.Abbildung.) Man sehe darauf, daß die nasse Einkleidung und die Verpackung in die Wolle möglichst rasch vor sich gehe, daß das der frischen Luft Ausgesetztsein ein Minimum, eine möglichst kleine Zeit ausmacht.
Fig. 28.
Fig. 28.
Es kam einst ein Patient zu mir, der an allen möglichen Gebrechen litt. Kongestionen, Blähungen, Hämorrhoiden plagten ihn, und eine Herzverfettung brachte große Beängstigungen. Er gewöhnte sich daran, in der Woche 1–2mal den spanischen Mantel umzulegen, und nach längerem Gebrauche waren all die genannten Übel mit noch anderen wie weggeblasen. Seitdem benützt der Geheilte bis zum heutigen Tag den spanischen Mantel als Universalmittel, und da er nicht viel Zeit zu versäumen hat, zieht er denselben an beim Schlafengehen und legt ihn erst ab beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe. Der Herr ließ sich aus starkem Wollstoff einen zweiten spanischen Mantel machen, der ihm statt der Wolldecken trefflich dient und jede Mithilfe bei Anwendung dieses Wickels erspart.
DieZeitdauereiner Anwendung beträgt 1, 1½, längstens 2 Stunden. Dieselberichtetundbemißtsich nach derKraftdes Individuums, insbesonderenach der Korpulenz. Für einen schwächlichen Bauersmann werden 1, 1½ Stunden genügen; einem Herrn Bräumeister kann man ohne Zögern 2 Stunden verordnen.
Wer wissen will, wie und wie stark der spanische Mantel wirke, der untersuche dasWasser, in welchem der Wickelnach der Anwendungstets sorgfältig ausgewaschen werden soll. Er wird finden, daß es ganz trüb ist; ja er wird staunen und es kaum glaublich finden, daß ein spanischer Mantel solchen Unrat auszuziehen imstande ist.
Ich erinnere mich an Fälle, in denen der weiße Linnenwickel ganz gelb wurde, welche Farbe keine Lauge, erst das Bleichen auf dem Grase wieder vertreiben, aussaugen konnte.
In der gelindesten (nicht im mindesten schroffen) Form, aber gründlich öffnet der spanische Mantel dieHautporenam ganzen Körper und zieht allen Unrat, Schleim usw. aus. Ich brauche nicht zu sagen, wie wohltuend er deshalb auf die normale Körpertemperatur, auf das Allgemeinbefinden wirken muß.
Imbesonderenwende ich diesen großen Wickel an bei ziemlichallgemeinen(den ganzen Körper mehr oder weniger angreifenden)Katarrhen, beiSchleimfieber,Podagra,Gliedersucht,Blattern,Typhus, zurVorbeugunggegenSchlaganfälleusw. Im Krankheitsteile (s. dritter Teil) wird man ihm recht oft begegnen.
Wird der Mantel imAbsudevonHeublumen,Haberstroh,Fichtenreisergetaucht, so wirkt er vortrefflich gegen jene Leiden (Gicht-, Stein-, Gries-Leiden usw.), deren Heilung genannten Pflanzen eigentümlich ist.
In diesem Stücke kann ich mich sehr kurz fassen. Ichwarne vor zwei Extremen, d. h. vor zwei das richtige Maß überschreitenden Ansichten. Es sind einige Jahrzehnte her, da gab es förmliche Wassertrinkturniere. Wer die meisten „Maßerl zwang,“ der war der größte Held. Ein tägliches Quantum von 4, 6, 8, 10 Maß zählte durchaus nicht zu den Seltenheiten. Noch heutzutage spukt in manchem Kopfe der Gedanke, viel Wassertrinken müsse gesund machen. Besser noch diese Grille als die andere, welche dem glühenden Hirn vorsingt, 3, 4, 5 Maßerl braunes Gerstenwasser sei nicht zuviel Flüssiges für die Menge des täglich eingenommenenFesten.
DenLeuten der zweiten Gattungscheint das Gegenteil von dem Gesagten das Richtige sein, sie trinken Wochen, ja Monate lang gar kein Wasser, denn das Wassertrinken ist nicht vom Guten, wie sie meinen.
Wie doch die Menschen zu Zeiten allen gesunden Sinn verlieren, sich förmlich jedes vernünftige Urteil unterbinden, jedem instinktiven Trieb und Gefühl, dem die Tiere blind Folge leisten, um es gemein zu sagen, von vornherein den Hals abschneiden. Ist dieses vernünftig?
Einige Minuten, bevor die Uhr schlägt, kündigt sich’s an. Hat denn der große Werkmeister, unser Schöpfer, etwas Halbes, ein Pfuschwerk gemacht? Oder haben die Menschen in seine wunderbare Ordnung die Unordnung gebracht? So ist es. Der unendlich weise Schöpfergott läßt denHungerein Zeichen geben, wann gegessen, denDurstanklopfen, wann getrunken werden soll. Der Menschenkörper, diese lebendige Uhr vom besten Gang und Schlag, liefe und schlüge vortrefflich, wenn nicht der Menschentor Schmutz und Sand und anderen Unrat zwischen die Räder werfen und so den geordneten Lauf stören, vielleicht zerstören würde.
So oft die zahmen und wilden Tiere Hunger verspüren, suchen sie Nahrung; so oft der Durst sich einstellt, eilen sie zum frischen Quell. Nach erfolgter Sättigung hören sie sofort auf, ein Weiteres zu sich zu nehmen.
Gerade so handelt der unverdorbene Mensch bei geregelter Lebensweise, gleichviel, ob er gesund sei oder krank.
Demnach lautet unsereinzigerundoberster, hieher gehörigerGrundsatz, ein goldener Grundsatz, den ein jeder befolgen sollte:
Trinke, so oft es dich dürstet, und trinke nie viel!
Ich kenne Personen, welche die ganze Woche hindurch vielleicht keinen Tropfen Wasser trinken, andere, die sich beim Frühstück mit dem herkömmlichen Glase für den ganzen Tag begnügen. Sie fühlen niemals Durst und dieses erklärt sich also, daß bei unserer Zubereitung von Speisen in letzteren dem Körper täglich eine Menge Wasser zugeführt wird. Wenn wir von großen Erhitzungen des Sommers oder von den in der Regel eine Krankheit anmeldenden Hitzen im Körper absehen, so ist der eigentliche Durst vielen Menschen ein seltener Gast, und es bleibt mir wenigstens stets ein Rätsel, wie gleichwohl so viele Menschen ohne jedes Bedürfnis im armen Magen förmliche Überschwemmungen anrichten. So etwas kann ja nicht ungerächt bleiben.[15]
Trinke, so oft es dich dürstet, undtrinke nie viel!
Die Landleute lieben den Platzregen gar nicht; sie behaupten, daß er unfruchtbar sei und mehr zerstöre als nütze. Dagegen versichern sie, daß jene starken Morgennebel, welche den Bauern den Hut netzen, daß er triefet, ihre lieben Freunde seien, weil sie die „beste Fruchtbarkeit“ bringen und befördern.
Der Körper, speziell der Magen, bedarf Flüssiges, um seinen Magensaft zuweilen zu verdünnen, zu mehren und so über all die festen Insassen Meister zu werden. Er meldet sich jedesmal, wenn die Not an ihn herantritt, bald durch leises Anklopfen im geringen Verlangen nach Wasser, bald durch lautes Pochen und Schreien im heftigen Durste. Da soll man stets auf ihn hören, mag nun das Rufen von einem gesunden oder kranken Magen ausgehen, aber ihm nie mehr geben, als ihm selbst gut ist, kleine Mengen in gehörigen Zwischenräumen; in Erkrankungsfällen zumal, wie in der Fieberglut, eher öfter, z. B. alle 5–10 Minuten ein Eßlöffel, als auf einmal ein Glas. Letzteres würde den Durst nicht stillen und zum bestehenden Übel eine neue Beschwerde hinzufügen.
Ein Beispiel meines Vorgehensmöge diesen Abschnitt schließen. Es leidet jemand an hartem Stuhlgange, große Hitze quält den Unterleib, heftiger Durst den armen Kranken; er könnte, wie er sagt, 2, 3, 4 Glas Wasser, Glas auf Glas trinken; es ist ihm, als ob es in einen Glühofen geschüttet werde. Ich glaubedas; die Wassermasse kommt in den Magen und macht dann, ohne die leidende Stelle irgend zu berühren und günstig zu beeinflussen, eine rasche Wanderung durch den Leib, bis sie vollinhaltlich, ja noch eine ordentliche Menge des unentbehrlichen Magensaftes mit sich schwemmend, ausgeschieden wird. Man gebe dem Kranken statt der vielen Gläser mit Wasser während eines Tages jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll. Man wird ganz andere Wirkung verspüren, eine Wirkung, welche das notwendige Ergebnis einer vernünftigen Behandlung sein muß.
Die kleine Menge Wasser wird schnell vom Magensafte erfaßt und leicht mit demselben vermischt. Die eine jede halbe Stunde erfolgende Nachspeisung gibt reichlichere Säfte, die kühlend und in normalem Laufe den Körper, die Eingeweide durchströmen und erweichend und lösend binnen kurzer Zeit allen Stockungen und Verhärtungen ein Ende machen. Unzählige haben in dieser Beziehung meinen Rat befolgt und schnell ward ihnen geholfen.Probatum est!
In der allerneuesten Zeit wurde viel gesprochen und geschrieben von denWirkungen des Trinkens von heißem Wasser(30 bis 35°R.wie bei Kaffee und Tee), besonders bei chronischen Krankheiten. Ich selbst habe vor Jahren bei manchem Patienten gute Erfolge erzielt. Ehre, wem Ehre gebührt! Wer dem warmen Wasser vor dem kalten, frischen Elemente den Vorzug gibt, wer wollte ihn tadeln oder gar verurteilen! Das ist Geschmacksache. Ich habe indessen durch Erfahrung gefunden, daß kaltes, lebendiges (nicht getötetes) Wasser dieselben, wenn nicht bessere Dienste tut. Ich für meine Person ziehe es jedem lauwarmen oder heißen Wasser vor. Jeder wähle, wozu ihn das Verlangen treibt!
Ende des ersten Teils