Chapter 23

1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2–4 Gießern voll kaltem Wasser,2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,3. nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und4. abends im Wasser gehen.

1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2–4 Gießern voll kaltem Wasser,

2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,

3. nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und

4. abends im Wasser gehen.

So am ersten Tage. Am zweiten Tage: des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr Schenkelguß, nachmittags 2 Uhr Rückenguß, abends 5 Uhr Sitzbad.

Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr Oberguß, nachmittags 2 Uhr Schenkelguß, um 5 Uhr Wassergehen.

Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr Halbbad, nachmittags Rückenguß und abends Wassergehen.

So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis zweimal ein Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im Wasser gehen.

Gelenkrheumatismus, chronischer.

Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854 gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde wieder rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch diesmal erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch traten Rückfälle ein. Patient suchte berühmte Ärzte auf, aber ohne Erfolg; er machte eine Badekur durch in Aibling, später wieder in Aachen; diesmal wurde er indes durch die dortigen heißen, langdauernden Bäder außerordentlich geschwächt und ganz elend. — Zuletzt, nachdem alles Angewandte fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.

Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper, in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen, die Gelenke ganz unbeweglich; die Knie, ebenfalls geschwollen, konnten nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen.

Die Behandlung bestand in folgendem:

1. Zweimal in der WocheWicklungvon unter den Armen an bis zu den Füßen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, das Tuch in 30°R.warmes Wasser getaucht, in welchem Haferstroh, Heublumen und Fichtennadeln gesotten wurden;2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud eine bis zwei Stunden lang einwickeln;3. in der Woche 2 Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel;4. dreimal wöchentlich einen Schal umlegen, eine Stunde lang.

1. Zweimal in der WocheWicklungvon unter den Armen an bis zu den Füßen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, das Tuch in 30°R.warmes Wasser getaucht, in welchem Haferstroh, Heublumen und Fichtennadeln gesotten wurden;

2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud eine bis zwei Stunden lang einwickeln;

3. in der Woche 2 Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel;

4. dreimal wöchentlich einen Schal umlegen, eine Stunde lang.

Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung bemerklich.

Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:

1. Einwicklung des Armes wie bisher;2. wöchentlich ein Kräutervollbad mit Wechsel;3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute lang;4. drei- bis fünfmal in der Woche ein Sitzbad von zwei Minuten Dauer.

1. Einwicklung des Armes wie bisher;

2. wöchentlich ein Kräutervollbad mit Wechsel;

3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute lang;

4. drei- bis fünfmal in der Woche ein Sitzbad von zwei Minuten Dauer.

Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung des kranken Armes und der Knie und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand;2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;3. viermal wöchentlich ein Oberguß.

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand;

2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;

3. viermal wöchentlich ein Oberguß.

Der Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke wurden ganz frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich; das Gesamtbefinden und der Lebensmut des Herrn Grafen waren seitdem ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er stundenlang ohne Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er — ein passionierter Weidmann — Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten müssen, konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd mitmachen zum Erstaunen der anderen hohen Herren.

Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen vorzunehmen: ein Halbbad oder Vollbad oder Wassergehen.

Gemütsleiden.

„Seit mehreren Jahren leide ich an Gemütsverstimmungen, Kopfweh, krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am ganzen Körper. Mehrere Ärzte wollten mir Hilfe bringen, aber umsonst.“

In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den Körper für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche ein Halbbad und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn Tage waren: 1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der Woche ein Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung, um den Körper zur Tätigkeit zu bringen.

„Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr tun und kann auch nichts mehr tun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich abgemagert und was man ihr bisher eingegeben hatte, war ohne Wirkung.“

Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig ganz waschen. 2) Täglich zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang. 3) Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuttropfen in Wasser einnehmen. Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen: 1) In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal ganz waschen und drei- bis fünfmal wöchentlich im Wasser gehen.

Geschwüre.[37]

Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch außerhalb am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen Begleiter der verschiedenen Geschwüre. Wenn’s brennt, laufen die Nachbarn zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am Körper brennt, so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig. Rasch meldet es ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen, die kommen, verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr. Entzündet sich an einem Gliedchen, z. B. an der Zehe, ein Geschwürlein, auch nur so groß wie ein Linsenkorn, so tut nicht bloß die ganze Zehe weh, sondern oft schon ein Teil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz bis hinein in den Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein Zündhölzchen anzündet. So ein kleines Ding wirft seinen Lichtschein weit hinaus in den Hof.

Annahat schreckliches Weh amDaumen. Man sieht nicht viel. Der Finger ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas roter als die anderen Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel schmerzt es heftig. Gib acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper nicht mehr wohl sein! „Da muß etwas dahinter stecken,“ meint der Vater. Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen stecken. Das Mädchen bindet natürlich seinen Finger gut[38]ein und wartet drei bis sechs Tage zu, was das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt an. Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib zuckt’s. Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger an der kranken Hand geheilt ist.

Wiehätte das Mädchen den Fingerin die Kur nehmensollen? Sobald es merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu sein, schmerzt, so soll estun, wie die Mutter tut, wenn sie auf dem Herde ein kleines Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend oder mitetwas Wasserspritzen auslöschend. Vielleicht mag’s so gut werden.

Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon dieHandwehe tut, so ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger dieHandergriffen. Darf nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten, um den Brand zu kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Übel besteht nicht allein im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern vielmehr in giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.

Dem Mädchen werden in einemkalten ArmwickelFinger und Hand umwunden, und dieser Wickel werdeso oft erneuert, d. h. neu eingetaucht, als er heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach dem Volksmunde „ein böser Finger“ werden, d. h. er muß und wird aufbrechen; aber alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu vereitern, und es ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die Größe einer Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung erreicht.

Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sichauf den ganzen Körper ausdehnen, so verordnen wir diesem eine Zeitlang täglichden spanischen Mantel. Das Allgemeinbefinden wird in Bälde wieder ein gutes sein.

Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem Namen „Wurm am Finger“. Die Behandlung vielmehr Mißhandlung eines derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und töricht die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand verlassen hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am oder im Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich manche diesen Wurm vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß eine neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie, wie sie’s nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben lassen, dann ist’s mit dem Wurm aus! Und wenn dann genug gesalbt und geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisiert und der Finger nach mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden istund aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt’s: „Seht, der Wurm ist getötet, der Wurm geht ab.“ Weiter kann man es in der Torheit und Selbstverblendung nicht treiben.

Was ist denn so einWurm am Finger? Nichts anderes als ein größeres Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper haben. Deshalb muß, wieauf Finger und Haut, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch dieHand-undArmwickel. Den Finger umwinde man zwei- bis drei- bis vierfach am besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden des Beinchens zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen Wassers ist gut Absud von Heublumen oder Kraut), und man erneuere das Eintauchen des Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich mehren.Auf den ganzen Körperwirke man durchein bis zwei kurze Wickeloder denspanischen Mantel, täglich je einen von einer Stunde Dauer. Nach der ersten Woche geschehen die Wickelungen nur jeden zweiten oder dritten Tag. MitOber-undUntergüssenseiman vorsichtigund wende sie erst später, wenn genügend aufgelöst und abgeleitet ist, zur Kräftigung an. Sobald der Finger „reif“ ist, d. i. sich bläulich färbt, und an einer Seite weich wird, dann soll man mit dem Öffnen und Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn mit dem Eiter Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern, und so ist’s gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die Sache erleichtert wird. DasBangen vor dem zu frühen Öffnen eines Geschwüresist bei Wasseranwendungenziemlich überflüssig(große Reinlichkeit), bei Salbereien wohl begründet.

Die Heilung des Wurmes kann noch in folgender Weise geschehen.Bei mir war dieses oft das kürzere Verfahren. ManbadeFinger und Vorderarm täglich zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen)Heublumenbadvon einer halben Stunde Dauer. DieFinger-,Arm-undKörperwickelbleiben dieselben wie oben.

Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine Haut mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene Fleischmasse. Das Bein blinkte an mehreren Stellen durch. Der Arzt hatte schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten, abgenommen werden. Ichschaute mir die Hand an und dachte: „Gott, könnte ich dem armen Mann die Hand retten!“ Dann legte ich mir den Fall also zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht recht frisch aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich angeschwollene, ekelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in welche der Körper seine nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese scharfen Stoffe mehren die Geschwulst, zerfressen das Fleisch und vergiften alles, was sie angreifen. Somit muß ich einwirken auf den halbabgefaulten Daumen, noch kräftiger aber auf den Körper, daß er aufhöre, sein eigenes Glied zu morden. Der Überlegung folgte das Handeln.

DerDaumenund dieganze HandbekamWickelvonHeublumen-undZinnkrautabsud(beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Derkranke Leiberhielttäglich einen kurzen Wickelundwöchentlich dreimal den spanischen Mantel. An denwunden Fingerließ ich jeden Tagrecht verdünntes Alaunwassergießen, welches den Unrat wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in der Tat nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu einemneuen Daumen, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.

Gesichtsrose.

„Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist angeschwollen, sieht feuerrot aus; er hat ein heftiges Fieber; es verbreitet sich die Röte über das ganze Gesicht; es zeigen sich an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören,“ — so klagte mir eine Gattin. „Schleunigst soll ein Schal umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht,“ — verordnete ich; „drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder übergelegt werden; so dreimal wiederholt — macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden, drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel entfernt sind, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden,eine Stunde lang liegen. Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lauwarmem Wasser. Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen.“

Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen:

Dem Kranken soll täglich zweimal ein Schal umgelegt werden, drei Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später nur mehr alle Tage; soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon mehrere geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachteil zurückblieb.

Josepha, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund besonders war stark geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs- bis zehnmal, wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den Schal um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.

Gicht.

Wer zur Herbstzeit ins Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirt die Galle kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie verteilen dem hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie aufs Geratewohl der einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf denen die Wucherstellen die übelangebrachte Verschwendung zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die infolge der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.

Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.

Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen Ungleichheit herrscht? Dem einen wird’s täglich und stündlich im Überflusse zugeworfen; ein anderer hat jahraus jahrein Quadragesimalzeit. „Was für eine Mahlzeit?“ fragte einmal einer. Nicht 40-, sondern 365tägiges Fasten! Wenn nun jemand täglich und stündlich seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt, daß die Natur es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und verwerten können, was muß die Folge sein? Die Knochen z. B. brauchen zu ihrem Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken Speisen vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu drei Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da bilden sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um die Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.

Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine langdauernde, entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden mit so wohlbehäbigen Podagranern. Es ist nicht ganz christlich, aber manchmal sehr erklärlich. Die Leute sagen: „Er hat das Genießen gehabt; er habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen Genusses.“ Indessen könnenauch arme Leutevon der Gicht heimgesucht werden,ja selbst die Ärmsten.

Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote vor; er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er aus lauter Diensteifer diePflege des Körpers vernachlässigthatte. Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst, statt am Bein am Überbein.

Weitere Ursachenkönnen sein:allzu große Anstrengung,Vernässung,Erkältungu. a.Gicht im hohen Gradequält viele,Gichtim geringeren Grade unzählige Menschen. Sie quält die einen an denZehen, die andern im Kopf, viele amÄußern, viele imInnern des Körpers.

Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen, die gerne folgen und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr leicht.Bei den Podagranernder ersteren und vornehmeren Gattung gebe ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits unter dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen; heilbar wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.

Ein Herr von Standlitt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen. Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der Bruderschaft der Podagraner.Schwitzenkurierte ihn dieses Mal. Doch nach einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen ans Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses Wasser allein heilte das zweite Mal nicht. Er ließ mich befragen und erklärte, er werde alles tun, was immer verlangt werde, wenn nur diese fürchterliche Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen Wochen war die Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten Kalk kommt und dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die Gichtbeulen unter den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte der Patient von Zeit zu Zeit die eine oder die andere Wasserübung, und soviel ich weiß, hat das Übel seit den letzten Jahren ihn nicht weiter belästigt. Die Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim folgenden Falle kennen.

EinPriestersandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen ihn wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch tun könne? Ich riet, er solle in heißem Wasserangeschwellteund hernachausgepreßte Heublumen auf ein Linnen bringen, dieschmerzenden Füße mitten dreinlegenund denwarmen Heublumenwickelgut zubinden.Nach zwei Stundensolle er die aufgelegten Heublumen von neuem in den Heublumenabsudeintauchen, auspressen und nochmals umbinden. Ob die Heublumen das zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt umgebunden werden, bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester tat so die folgenden Tage. Nach dem ersten halben Tage schon waren die Hauptschmerzen entfernt, nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz frei von Schmerzen.

Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede manHaberstrohund tauche die zu umwindendenFußwickelin den Absud. Auch dieses ist bei unserem Übel von vorzüglicher Wirkung.Man beachte, wie ich bei diesem Leidenmit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse.

Vor einer Täuschungmuß ichhier warnen. Sobald den Kranken die Füße nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig kuriert. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig wäre. Den Fußwickeln müssen wenigstenseinige Anwendungen auf den ganzen Körperfolgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu entfernen. Am besten dienen während der drei ersten Wochenwöchentlich zwei bis dreimal der spanische Mantel(je 1½–2 Stunden), im folgenden Monateinige Warmbäder mit AbsudvonHeublumenoderHaberstrohunddreimaligem Wechsel.

EinTaglöhnerhatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er gingwöchentlich dreimal in den Sack, den man inheißen Haberstrohabsudeingetaucht hatte; dann wurden ihmin der Woche zwei Fichtenreis-Bäderbereitet von 33 bis 35°R.mit dreimaligem Wechsel.Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt.Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige Zeitin der einen Woche zweimal den Sack, in deranderendas beschriebenewarme Bad. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an, den er bis heute gut versieht.

EinBrunnenmacherzeigte mir dieGichtknotenanseinen Fingernundan seinen Zehen, die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, —Gicht durch Vernässung.

Jeden zweiten Tagein eben beschriebeneswarmes Bad, jedendrittenodervierten Tagdie Anwendung mit demSackhaben den Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Übel befreit. DieHändehat er sichüber die Nacht in angeschwellte Heublumeneingebunden.

Einarmer Hausvaterbekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht oder von einem anderen Übel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.

Es war gerade dieHeuernte. Ich riet ihm, er solleauf seinen Heustock gehen, der eben inGärung sei, dort eine Art Grube in das heiße Heu machen und sich in dasheiße Heugrablegen, mit heißem Heu auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er tat’s und schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper wie im Wasser schwamm.Sechsmal innerhalb zehn Tagenstieg der Bauerin so ein Heubad, und es hat ihn gründlich kuriert.

Nicht einem jeden würde ich solches raten. Aber nur derjenige, der es selbst probiert, kennt diegroßeundauflösende Kraft solchen Heudampfes. Recht alte, tief eingewurzelte Übel können oft durch solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würdederjenigediesen Heudampfam wirksamstenbrauchen, derunmittelbar vom Dampfbade weg ganz rasch ein kaltes Halbbadnähme mit Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.

Das istnicht so dummundüberspannt, wie manchem dünken möchte. Das bewiesen neben vielen anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zustande gebracht werden könne.

Ich stehe nicht an, zu behaupten, daßschwächere Rheumatismen,Krämpfe, gewöhnlich Überreste und Überbleibsel nach schweren Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu entfernen wären.

Du siehst, mein lieberLandmann, was für Schätze du im Hause hast! Probier’s einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau werden! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus allen Gliedern ziehen.

Und wenn du einmal so ein Reißen oder Brennen verspürst, sei vernünftig! Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß dessen Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten!

Ein Wirt erzählt:

„Ich habe oft so reißende Schmerzen im Kopfe, besonders wenn das Wetter anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen. Es kommen die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die Oberschenkel; wenn sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr gehen. Trinke ich ein Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in den Kopf. Weil ich es schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede ordentliche Arbeit unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht entleidet.“

Die Anwendungen waren folgende: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder, 30°R., von einer halben Stunde; darauf kräftig abwaschen oder ein kurzes kaltes Bad. 2) Jeden Tag einen Oberguß mit Knieguß. 3) In der Woche dreimal ganz waschen, so rasch als möglich, im Schweiß oder im Bette nachts. 4) Täglich am Morgen und am Abend eine Tasse Tee von fünf bis sechs frischen Holderblättern, fein zerschnitten, fünf Minuten lang gekocht.

In vier Wochen war dieser Wirt vollständig gesund, so daß seine Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.

Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er alle Monate ein solches Bad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.

Ein Gewerbsmann kommt und erzählt: „Bei mir sind beide Füße stark angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern ist der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und tun mir recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es mich auf, so daß ich kaum mehr zu atmen vermag; ich kann fast gar nicht mehr gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen, daß ich kaum mehr weiß, wo ich bin. Ärzte habe ich viele gehabt, habe recht viel eingenommen, aber soweit ich urteilen kann, hat sich meine Lage bei allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir schon oft den Tod gewünscht.“ Der Betreffende war ziemlich stark und sah mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann, obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank. Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Ärzte sollte Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.

In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Übeln befreit, und er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu haben. Was hat ihm geholfen? 1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann jeden zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen eingebunden, nämlich die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde darüber gewunden, und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang. 2) Jeden zweiten und später jeden vierten Tag mußte er ein Hemd anziehen, in Heublumen-Absud getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils verschwunden war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und Knieguß und auch Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.

Grieß-undSteinleiden.

Gar oft kommt es vor, daß Grieß und Stein sich bilden in derBlaseund in denNieren. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden selbst erduldet hat, kenntdiese fürchterlichen Schmerzen. Die Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.

Obenanstehen hier dieHaberstrohbäder. Es wird Haberstroh (wer dieses nicht zur Hand hat, nehmeZinnkrautodersaures Pferdeheu) gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet mit ungefähr 30°R.In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem Wasser kräftig ab. Solche Bäder könnenin der Wochedrei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Wochezwei bis drei kurze Wickel oderstatt derselbennasse Auflagen über die schmerzlichen Teile(ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung). Beide Anwendungen sind selbstverständlich stets nurim Bettevorzunehmen. Sie lösen die Grießsteine in Blase und Nieren auf und leiten dieselben aus. Doch soll gerade bei diesen Leidender Teenicht vergessen werden. Obenan steht derHafertee.[39]Haferwird eine halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als Hafertee wirkt Tee vonHaberstroh, der auf dieselbe Weise bereitet wird.Zinnkrautteeist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne ich dieHagebutten, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Tee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurchgenommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genanntenAnwendungen sollen zwei bis drei Wochenzur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Ärzte sicher verlieren.

Ein Herr, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei ihm innerhalb einiger Wochenviele hundert Steinchenabgetrieben worden.

Ein anderer Herrlitt dermaßen an Grieß und Steinen, daß die Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst unangenehmes Kitzeln und Beißen und Brennen.Dreißig Bäderinnerhalb eines Jahres, derspanische Mantel, wöchentlich ein paarmal angezogen, Tee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen vollständig.

Zum Schlusse nochein Wort an die jüngere Generation, die so gerne das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder Ungewißheit oder Bigotterie beruht, wie sie meint, und die stets und mit Hast nach Neuem strebt und greift.

Für alle Leiden, die zahlreicherundschmerzhafterauftreten, — und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, —hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganze Erde läßt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben — und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) — diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen, d. i. den Büchern, welche sämtliche Heilmittel enthalten, als „unwissenschaftlich“ und als „veraltet“ ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat recht? Merkwürdig! Jedes Tier, besonders jedes wilde Tier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und mancher, der bald in die Grube steigt, dessenAnsichten mit ihm selbst längst aus der Mode gekommen, taten ebenso.

Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben. Aber nicht alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese modern klingende Aufschrift trägt.

Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande geschrieben, und ihnen sage ich: „Danket eurem Schöpfer auch für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die anderen, die Reichen, nicht!“

„Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie ineinemFalle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt wo immer zu finden sein!“

„Das würde mich schmerzen, wenn auch ihrGottesGabe, die Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es sonst so gut mit euch meine, euch nicht mehr helfen!“

Hämorrhoiden.

Die Hämorrhoiden (Goldadernnennen sie die gewöhnlichen Leute) können teils mit zumErbteilder Eltern gehören, teilsin Folge der Lebensweiseentstehen.Stubensitzer,Aktenmenschen,Studierte,Feinschmeckerusw. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt. Der Landmann, der jahraus jahrein Kartoffeln und einfache Mehlkost ißt und das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem an Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein (Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit tut, kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.

Diese Hämorrhoiden sind einlästiges, ein überaus lästiges, wenn auch im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurchungefährliches Übel. Schon dasJuckenundBrennenist recht unangenehm, manchmal sehr peinlich, peinlicher noch diedrückende Einwirkung auf das Gemüt; sie machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in denen sie das Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum Wahnsinn steigern.

Daraus wird schon klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Übel nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen Charakter annimmt.

Doch was sinddenn eigentlichHämorrhoiden,wie entstehen sie? Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die häutigen Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere Taschen ohne jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann füllen sich diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rote Kugeln. Solche Kugeln,blut-oderschleimgefüllte Taschensind die Hämorrhoiden, mögen sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen,blindeodersehende(fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.

Die Adernsind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut ungeregelt an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern aus, am meisten da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine Blutteiche bildet. Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand oder im Gesicht, und diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten dieselben innerhalb des Körpers im Mastdarm usw. auf, so heißen sie die blinden Hämorrhoiden; dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die Knoten außerhalb am After erscheinen.[40]

Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Aufbrechen der Knoten wird dem Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten sie ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und im Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung kommen sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die Plünderer sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese Blutsauger die Adern, besonders die Hauptadern.

Je zahlreicherdie Knoten auftreten, undje öfter sie aufbrechen, um so schadhaftermüssen die von ihnen besetzten Teile werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß an den betreffenden Stellen bösartige, unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs, -Fisteln, -Geschwüre usw.

Überaus peinliche Mehrungdes Leidens können die sogenanntenMadenwürmerbringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie die Zacken in die Haut, so bohren sichdiese in den Mastdarm ein. Bei großer Anzahl zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind leicht bösartige Geschwüre.

Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leichtund erzielt in den meisten Fällen sicheren Erfolg.[41]Die Zahl derer, denen so Hilfe ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle glücklich verliefen.

Greifen wirzuerst die Madenwürmeran, diese Afterblutegelchen, wenn solche vorhanden sind! Sie verraten sich meist durch ein Zwicken, Beißen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder dreikalte Klistiere schnell nacheinanderund lasse dieselben gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klistier gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus. Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen alle ab.

Haben wir es mitHämorrhoidalknotenallein zu tun, so merke man sich folgendes:von Stellen, wozu viel Bluthinströmt, muß dasselbeabgeleitetwerden; Gefäße, diezu sehr ausgedehnt wurdenund eben deshalb zu weit auseinandergehen,sind zu verengen, Unreinigkeiten und verlegene Ware auszuscheiden.

Für alle diese Zuständedient folgende Anwendung gut: Man bereite sich im Bette einenUnteraufschläger, d. i. in unserem Falle ein recht dickes, vielfach zusammengelegtes, ins kälteste Wasser getauchtes Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende bis über den After hinausreicht,so breit, daß es den Rücken deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und besser nochmals eingetaucht.

Alsfernere Anwendungtut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in der Woche drei- bis viermalein Sitzbadnehmen, kalt und kurz. Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auchnachtsvom Bette aus zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.

Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden injedem Vierteljahr innerhalb ein bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kurendurchmacht, darf sicher sein, daß das Übel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie lästig wird. Wem solches zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen keinen Rat.

Bezüglich derNahrungmache ich nur aufeinen Punktaufmerksam, der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen HausbrotesKleienbrotzu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. DiesesKleienbrotmöchte ichsehr empfehlen, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrot, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrot (dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brot. Ich durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brot wie anderes Brot; nur über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept fürKleienbrotbereitungbei;S. 3$1 oben S. 159.

Halsbräune.

Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die Halsbräune. „Das Kind hat es,“ sagt er, „gerade wie die drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr atmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll ich tun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin ist mein Kind tot.“ DieAntwortlautete: „Hausvater, gehe gleich heim, mache etwasWasser, das mit Essig gemischt ist,heiß, tauche einHandtuchein, winde dieses aus undwickledamit denganzen Halsdes Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen! Dann tauche das Tuch von neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von neuem naß machend! Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend! Sodann appliziere dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einenkurzen Wickel! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen! Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Atmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das Tuch von neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren.“

Der Vater tat, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.

Heilungwäreauch dannerfolgt, wenn man das Tuch inrecht kaltes Wasser(mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hättennoch die Füße bis über die Waden mit eingewickeltwerden können.

Halsleiden.

Andreas fängt zu erzählen an, wie folgt: „Ich kann fast nicht mehr reden, manchmal will’s gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg bösen Finger. Damals habe ich’s das erstemal bekommen, daß ich nicht mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt, das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will ich aber nicht tun lassen.“

Das Aussehen des Manneszeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Äußeren im Inneren angelaufen, aufgedunsen, daherim allgemeinen Verengung in diesen Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist derkranke Finger das erstemal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entferntworden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke manableitendzuerstauf den ganzen Körper ein, sodann imbesonderen auf die Kopfteile. Ersteres geschieht durch die Anwendung desSackesund dieUmlegung des Schals. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor inHaberstrohabsudeingetaucht hat. Dieses tue er drei Tage nacheinander, je 1½ Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Schal trage er täglich eine Stunde lang.Nach vierzehn Tagenkann erGanzwaschungenvornehmen zweimal in der Woche, undeinmal in der Wochesoll er denspanischen Manteltragen. Wenn dasHalszäpfchennoch Beschwerden macht, kann er einpaar Kopfdämpfevornehmen, natürlich an verschiedenen Tagen. Dem Übel wurde gründlich gesteuert.

Ein Priester erzählt: „Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Übel steigerte sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze affiziert. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25. Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung Meran zu verlassen und Wörishofen aufzusuchen. Die Wasseranwendungen, täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze Homilie und ein Amt zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und reinwie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll und ganz nachkommen.“

Harnbeschwerden.

Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um ihn möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß es, entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald stand ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich nichts machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie vor Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm jammerte und weinte seine Frau, die ratlos dasaß. Ich gab ihr an,eiligst strudelndes Wasser zu machenund zugleicheinen Leibstuhl herzurichten. In den Topf solle sieeine Handvoll Zinnkrautbringen. Ich bemerke, daß der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß hätte derselbe den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das Wasser sprudelte, die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut. Der Kranke ging auf den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die schmerzenden Stellen beräuchern. So solle er, befahl ich, 20–30 Minuten sitzen bleiben und darauf ins Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich bei, werde ich wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach einer Stunde kam ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem Schweiße. Freudigst erzählte er mir, es seien schonzwei Liter Wasser abgegangen, und er fühle nicht mehr die geringsten Schmerzen. Die Vorbereitung zum Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann nochmals so einen Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er Rasttag, und am vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.

Der Mann hatte sich erkältetund so das Übel sich zugezogen. Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig angewendet, in den bittersten Leidensstunden an Hilfe bringt.

Ein Bauerbekam einähnliches Leiden. Beim größten Drang und unter namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter Wasser abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein neues, fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich das abgebrochene Stück aus dem Leibe war herausgebracht worden. Eine schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase einzudringen. Dochder zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden, Rettung sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald. Zufällig hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten Fall geheilt. Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung blieb nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich, und der Kranke wurde vollständig gesund.Täglichnahm erzwei solcher Dämpfe.

Noch kann empfohlen werden, neben der äußerlichen Anwendungaus Zinnkraut einen Tee zu machenund diesen Tee (täglich eine Tasse auf zwei bis drei Portionen verteilt) zu trinken.

Ein armer Taglöhnerhatte mehrere Wochen hindurch großeBeschwerden der angegebenen Art. Das Übel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendeteZinnkraut-Dämpfean; doch sie wollten dieses Mal so gute Wirkung nicht hervorbringen.Die Dämpfe alleinwarenzu schwach, ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut ausgesotten, einvierfach zusammengelegtes Linnen in den heißen Absud getaucht, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt. Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Übel geheilt.Erkältung, wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel „Krankes“ im Innern gelöst wurde.

Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrauteswarmes Wasser, mit Essig gemischt, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher taten dieselbe gute Wirkung.

Eine Hausmutterlag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer ärztliche Hilfe. Die Ärzte erklärten das Übel alsBlasenkrebs. Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten. An ein Aufkommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich riet dem armen Weibe, es solleZinnkrautsieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch dasausgekochte Zinnkraut selbstlegen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden. Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung. Sie tat so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedesmal gut gemessene zwei Stunden. Dreimaltäglichnahm die Frau auch innerlichZinnkrauttee. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Teile davon abgelöst hatten. Das Übel war gründlich kuriert, der fatale Krebs mitsamt den Scheren richtig gefangen.

Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den Katheter und erklärte, daß es für dieses Übel keine Medizin mehr gebe. In der Tat mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große Fieberhitze ein, und, was ganz fatal war, er sollte nichts trinken. Zwei Übel quälten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rat, der Kranke solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes Wasser getauchtes Linnen sich legen, drei Viertelstunden lang, dasselbe Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe applizieren (Unter-undOberaufschläger) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten Anwendung gingen 1½ Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert.Nach innennahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzeneine Tasse TeevonZinnkraut,WacholderbeerenoderAttichwurzeln(fünf Minuten in Wasser gesotten).Rosmarin, in Wein angesetzt, selbstWacholderbeerenallein, in Wasser gesotten und als Tee getrunken, hätten gleichfalls gute Dienste getan. Das erste Übel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder als früher.

Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:

„Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Über eine halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es länger andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe schon viele Ärzte gehabt, geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein klein wenig half es, aber das Übel ist nicht im geringsten gehoben. Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein wenig Wasser ab, und geschieht dies nicht, so mache ich das Leidenimmer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu tun?“

Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30–32°; zehn Minuten ins warme, dann eine halbe Minute ins kalte, dann wieder zehn Minuten ins warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage, an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Knie, ebenfalls in Haberstrohwasser getaucht, wenn’s geht, eine Stunde lang; so 12–14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Tee trinken von Zinnkraut und Wacholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.

Ein Knecht bekam große Beschwerden im Urinieren. Es ging nur wenig und langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.

Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Übel nahm indes immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.

Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25–30 Tropfen von Wacholder- und Hagebutten-Geist in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Übel ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag Wermuttropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.

Recht empfehlenswert ist für solche Zustände, für Blasenleiden, überhaupt für Grieß, einen Absud zu trinken vonBlättern des schwarzen Johannisbeerstrauches. — Solcher Tee hat selbst in ganz schwierigen Fällen schon vorzügliche Dienste getan.

Heiserkeit.

Ein Mädchen mit elf Jahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten so verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise sich verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die Augen bläulich, und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und Entkräftigung. Die Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit war mehr da außer zu etwas Bier und Wein.

Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt, und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal barfuß im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Schal umlegen. 3) In jeder Woche viermalein Sitzbad. 4) Bei warmer Temperatur während der letzten drei Wochen im Sonnenwasser baden, dreimal wöchentlich.

Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch, halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.

Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und gesund.

Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis Mai. Er versuchte alles, zog mehrere Ärzte zu Rate, aber umsonst. Das Leiden blieb das alte vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei mir Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.

Der Herr mußte täglich bis an die Knie ins Wasser stehen und zugleich beide Hände in dasselbe halten. Außerdem mußte er Ganzwaschungen vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht beim Aufwachen.

Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich verschwunden, und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.

Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.

Herzleiden.

Unzählig viele in unseren aufgeregten Zeiten lebende Menschen werden als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen und die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar vieles herhalten müssen. Wenn einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich möchte sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu kränkeln an, da soll’s auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar noch ein organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden! Meine ganze, bisherige Erfahrung — es sind mir unzählige solche Fälle vorgekommen — strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie nun an den Adern, an den Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen. Unter hundert Fällen, in denen die Betreffenden selbst sich entweder für herzleidend hielten oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz auffallend wenige mit wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete Patienten vor. Das Herz gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber das ist wahr, es geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es für den Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien, wenn man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr gehen, wenn ich die Uhrgewichte aushänge. Torheit wäre es, zu sagen, die Uhr sei schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich die Klappen zubinde oder verrosten lasse.Das gesündeste Herz kann in seiner Tätigkeit gehemmt, gestört werden, wenn irgend ein Feind, der im Körper sitzt, ihm sozusagen den Hals zuschnürt. Man suche diesen Feind, man hebe gewisse Übelstände, und keine Spur eines Herzleidens wird mehr vorhanden sein. Mich bringt es immer auf, wenn es nur heißt: Herzleiden, Herzleiden! Man ängstigt ohne Grund die Leute und fügt Aufregung zu der leider schon in übergenügendem Maße vorhandenen Aufregung.

Ein Mann, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach Aussage der Ärzte ein Herzleiden; das Herz dehne sich zu sehr aus. Ich erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses, fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einenAusschlag. Das war mir genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden Stelle sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden Säfte aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin, der sich selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu tun, d. h. mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch:so oft der Ausschlag stärker auftrete, sei’s ihm um dieHerzgegend herum ganz wohl; wenn der Ausschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann stelle sich jedesmal einfürchterliches Herzklopfenein. Das war alles Wasser auf meine Mühle. Der Mann erhieltin der Woche zwei kurze Wickel, einen Unterwickel, einen spanischen Mantel und einen Fußdampf. Wurde durch den spanischen Mantel auf den ganzen Körper auflösend und ableitend eingewirkt, so durch den kurzen Wickel hauptsächlich auf den Unterleib. Der Unterwickel vollendete die Arbeit des kurzen Wickels, und der Fußdampf zog den etwa noch vorhandenen Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung nach unten. In ungefähr drei Wochen schied der Körper überaus viel, ich hoffe, alles Ungesunde aus. Das Herzleiden war spurlos verschwunden. Wenn demnach in früherer Zeit und auch nach Heilung des kranken Körpers kein Herzleiden da war, kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht behaupten, daß überhaupt niemals und zu keiner Zeit ein solches vorhanden gewesen ist?

Nachts 10 Uhr wurde ich zu einerHausmuttergerufen, die nicht mehr reden konnte des schweren, harten Atems wegen. DerHerzschlagwar so stark, daß man seine Bewegung auf derBettdecke ganz gut bemerkte und sein Hämmern selbst in einiger Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen der Kranken schmeckte es ganz süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze zu sterben, woran auch ihre Mutter in demselben Jahre bereits gestorben war. Der behandelnde Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden,in erster Linie aber ein Herzleiden. Die Hände und die Füße waren ganz kalt, und fortwährend quälte ein Drang zum Husten.

Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner ursprünglichen Heimat, dem Herzen, zugelaufen sein. Und es sucht wieder einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es gleichsam die Riegel (die Klappen) und die Herztore sprengen. Du hast ja schon gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen und Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.

Derfürchterliche Herzschlagder Frau wurde in fünf Minuten dadurch bedeutend vermindert, daß eindoppelt zusammengelegtes nasses Handtuch auf den Unterleib gelegtwurde, wohin das Blut, welches sich, gut behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin der Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm alsweitere Anwendungenam ersten Tage im Bette zweiGanzwaschungenvor; am zweiten Tage bekam sie denspanischen Mantel, am dritten einenKopfdampf, am vierten einenFußdampf. In dieser Reihenfolge setzte sie die Übungen eine Zeitlang fort. Der Unterleib, der am längsten nicht Vernunft annehmen wollte, war derHauptübeltäterund bei dem heftigen Überfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer und Anstifter gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das Mütchen, und alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel ich weiß, auch später nie mehr etwas gefehlt hat.

Ein Herr von Standwar längere Jahre schon leidend und konnte nur mit großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche Ängstlichkeit vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommnis brachte ihmHerzklopfen,Erregtheit,Furcht. Seine Umgebung mußte sehr vorsichtig sein im Berichterstatten: Freude und Leid bewirkten stets Störungen im Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte geheizt werden, und es erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die Zimmer ja stets ihren bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten Ärzte wurden zu Rate gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber überein, der Patient habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber und Hämorrhoiden, einenorganischen Herzfehler, der wohl mit einem Herzschlage enden werde. Der Herr starb wirklich. Des merkwürdigen Leidens wegen wurde der Leichnam seziert. Und was stellte sich heraus? DaßLunge,LeberundHerzmit zu den gesündesten Organen gehörten, daß sichnur um das Herz eine Masse von Speck angesetzt, desgleichen auf der Brust eine Schichte Speck gebildet hatte. Der Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut ging aus, da es durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbiert, aufgezehrt wurde. Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt, und hat hinzugefügt: „Bei diesem Falle ist die Wissenschaft wieder einmal gründlich betrogen worden.“


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