Chapter 25

1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und Magen in einem Tuche aufbinden, 1½ Stunden lang;2. dreimal in der Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen, mit Wasser und etwas Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins Bett;3. jeden Tag eine Tasse Tee von 20 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3 Portionen trinken; so 12 Tage lang.

1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und Magen in einem Tuche aufbinden, 1½ Stunden lang;

2. dreimal in der Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen, mit Wasser und etwas Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins Bett;

3. jeden Tag eine Tasse Tee von 20 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3 Portionen trinken; so 12 Tage lang.

Nach diesen 12 Tagen folgende Anwendungen:

1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden;2. dreimal in der Woche in der Nacht sich ganz waschen und3. zweimal in der Woche ein Halbbad, eine halbe Minute lang;4. den Tee forttrinken. So drei Wochen lang.

1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden;

2. dreimal in der Woche in der Nacht sich ganz waschen und

3. zweimal in der Woche ein Halbbad, eine halbe Minute lang;

4. den Tee forttrinken. So drei Wochen lang.

Um den Körper in Gesundheit zu erhalten, reicht aus, in der Woche drei Halbbäder zu nehmen.

Magenkrampf.

Herr N. hat sich öfters erkältet und dadurch Leibschmerzen bekommen; er mußte infolge Anhäufung von Gasen sich oftmals erbrechen. War viel Luft abgegangen, und hatte er sich stark erbrechen können, fühlte er sich wieder wohl und hatte besten Appetit. Das Übel steigerte sich aber mit der Länge der Zeit und begann ziemlich schnell nach jeder Mahlzeit derart heftig, daß er vor Schmerz zuweilen aufschreien mußte. Dabei waren Hände und Füße eiskalt und der ganze Körper in leichtem Frost.

Der Magen ist in solchen Fällen gewöhnlich ganz schuldlos, und der heftige Druck der Luft auf denselben verursacht Brechreiz und Erbrechen. Letzteres selbst lindert das Übel nur auf kurze Zeit. Völlig beseitigt wird es nur dann, wenn im ganzen Körper gleiche Wärme und gleiche Transpiration wie auch Zirkulation des Blutes hergestellt ist. Dies wurde dadurch erreicht, daß der Kranke am ersten Tag dreimal mit ganz warmem Wasser und Essig im Bett gewaschen und, ohne abgetrocknet zu werden, gut zugedeckt wurde. Am zweiten Tage geschah dies nur zweimal und von da ab täglich nur einmal. Dies Verfahren genügt, so oft man durch Erkältung sich Fieber, verbunden mit Aufstoßen der Luft und Erbrechen, zugezogen hat.

Magenleiden.

Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein spielender, heiterer Knabe.Beispielemögen meine Behauptung erhärten.

Amalie hat ein ganzes Jahr hindurch das meiste, was sie genossen, erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3–4 Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Ärzte. Der Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seinerganzen Apotheke kein Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.

Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, — ein Jammerbild.Hustenindessen (das war mir das wichtigste) war nicht vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da fehle es ganz anderswo;zu den gesündesten Teilenan und in dieser Persongehöre der Magen. Die einen ärgerten sich, die anderen lachten; die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei. Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war das alles eins.

Was brachte mich zu solchem Urteile?

Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (die Gase) beim Munde heraus.Der Magenund derUnterleib waren mit Gasen bis aufs äußerste, bis zum Übermaßgefüllt. In solcher Umgebung kann es niemand mehr aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muß seine geregelte Tätigkeit ganz oder zum größten Teile einstellen.Das Übel vergrößertesich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jedeTranspiration gehemmtwar.

DieAufeinanderfolge der Anwendungenwar diese:Lauwarme Unterwickel,Waschung des Oberkörpers,kurzer Wickel,Ganzwaschung,Knieguß(eine halbe Minute),abermaliger Unterwickel,Oberguß, insWasser knien(eine halbe Minute)bis an die Magengegend,Ganzwaschung,Ober- und Unteraufschläger.Jeden halben Tagsollte die Kranke eine dieser Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paarmal aufnassen Steinengehen.

Durch laue Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all die anderen Übungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die normale Tätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte in den luft- und gasleeren Raum derAppetitein; Blut und Säfte mehrten sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.

Rosaleidet seit langen Jahren amMagen, seit einigen Monaten an besonders heftigenMagenkrämpfen. Sehr oft muß sie das Bett hüten, und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Not und Anstrengung ihrem Berufe teilweise vorstehen. Mehrere Ärzte haben erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einenrecht schlechten Magen. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger und fester Form, in Pulver- und Pillen- und anderer Gestalt, zum Teile scharfe Sachen.

DasAussehenläßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen. Ihr Unterleib — so ergänzte sie das Krankheitsbild — sei stark aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen. Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz kalt.

Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Rosa hatte sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß sie oft plötzlich von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie niemanden, dem sie sich anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Übel, solange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war, alles, was er an Speisen aufnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.

Zu denallgemeinen Anwendungen, die Tätigkeit in den ganzen Körper zu bringen hatten, mußten besondere für den Unterleib (nicht den Magen) hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und auszuleiten. AlsAnwendungen folgten(jeden Tageinederselben):

der spanische Mantel(allgemeine Anwendung);

Überlagen mit angeschwellten Heublumenauf denUnterleib, jeden Tag 2 Stunden lang;

derkurze Wickel(auflösend und ableitend);

Ober- und Unteraufschläger;

wiederum derspanische Mantel.

AlsNebenanwendungendienten dasGehen auf nassen Steinenoder imnassen Grase, mitunter derKnieguß. Nach 4 Wochen reichten aus einWechsel zwischen dem spanischen Mantelund demkurzen Wickel, jeden zweiten Tag eine dieser Anwendungen. Daneben mußte die Kranke, wie oben bemerkt,

häufigbarfuß gehen. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. „So gesund bin ich,“ äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen Begegnung, „wie noch nie in meinem Leben.“

Friedricherbrach anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definierte das Übel alsMagenverhärtungmitMagenschluß.

Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas alt und die Gesichtsfarbe gelb.Luftstoße es ihm viel aus dem Magen, meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben wirUntätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme. Daher der ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf Magen und Kopf. Der Kranke mußte10 Tage hindurch täglich ein Tuch, getaucht in Wasser und Essig, 2 Stundenlang auf den Unterleibbinden,täglich ein warmes Fußbadnehmen mit Asche und Salz und denRückensich in jeder Nacht zweimalkalt abwaschenlassen. Nach 6 Tagen schon verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patientwöchentlich zweimal den kurzen Wickel, einmal den spanischen Mantelan und nahm jeden zweiten Tagein Fußbadmit Asche und Salz. Die dritte Verordnung bestimmte für die letzten 2 Wochenwöchentlichje 3Ober- und Untergüsseund 2Halbbäder(bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke vollständig hergestellt.

Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag indes genügen.

Das muß und will auch ich gerne konstatieren und zugeben: Wenn solche Übelstände nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten und gefährlichenMagengeschwüreentstehen, die meistens in die entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.

Selbst da nochkönnenTäuschungenundIrrungenvorkommen. Ein Beispiel will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten Magenkrebs, und man lasse bei mirnuranfragen, welcheVorsichtsmaßregelnin diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den

Kranken selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs zum Rückzuge bliesen. DieMittelbestanden in einfachenTeenvon Schafgarbe, Wermut und Salbei und inkurzen Wickelnim Wechsel mitFußbädern.

Kongestionen nach dem Essen, sowie Aufstoßen der Speisen, besonders 2 Stunden nach dem Essen und weiterhin den ganzen Nachmittag, wiederholten sich ungefähr alle 4–5 Minuten; außerdem träger Stuhlgang, völlige Schlaffheit der Gedärme, starker Fußschweiß (starker, ekelhafter Geruch). Dieser Zustand dauerte 5 bis 6 Jahre. Verschiedene Mittel wurden angewendet, aber ohne Erfolg. Das Aussehen ist recht krankhaft, wie Porzellanfarbe; die Ränder um die Augen sind ganz grau und blau, recht wenig Blut, wenig Naturwärme, schlechte Verdauung, deshalb Blut und Natur nur krankhaft genährt.

Die Anwendungen müssen folgende sein: 1) die faulen Stoffe auflösen, 2) die Naturwärme vermehren, 3) durch Kräftigung der Organe eine bessere Verdauung bewirken, daß Blut und Säfte besser werden und die ganze Maschine in guten Gang bringen. Denn dieser Organismus ist doch einer Maschine gleich, die fleißig geschmiert wurde, aber kein gutes Material hatte, und deshalb muß die Maschine überall gereinigt werden.

Anwendungen: 1) Warmes Fußbad zur Ausleitung der faulen Stoffe in den Füßen, ungefähr drei- bis viermal, bis der Fußschweiß aufhört. 2) Ganzwaschungen, die eine allgemeine Transpiration bewirken und zugleich die Naturwärme erhöhen. 3) Ober- und Unterguß.

Mit diesen Anwendungen soll man ungefähr 8–10 Tage fortfahren, an jedem Tag zwei Anwendungen. Als zweite Kur kommt die Ganzwaschung, Ober- und Unteraufschläger, ins Wasser knien, Rückenguß, wieder 10 Tage lang. Als dritte Kur folgen Halbbäder und Ganzwaschungen. In 3–4 Wochen kann so ein Organismus wieder hergestellt werden. Zur Erhaltung und weiteren Befestigung aber ist notwendig, in der Woche noch ein paar Anwendungen beizubehalten, wozu eine Ganzwaschung oder auch ein Ober- und Unterguß ausreicht.

Ein Weib, 64 Jahre alt, hat heftiges Brennen im Magen, Aufstoßen und Erbrechen; oft kommt dazu kaltes Fieber und manchmal auch starker Schweiß. Wochen hindurch nimmt das Übel immer zu trotz aller angewandten Mittel. Die beste Wirkung wird hervorbringen: Täglich zweimal jedesmal 20 Wermuttropfen in einer kleinen Tasse ganz warmen Wassers; dazu täglich einmal ein

warmer Unteraufschläger eine Stunde lang; ferner jeden zweiten Tag ein doppeltes Tuch, in warmes Wasser getaucht, auf den Unterleib gebunden, eine Stunde lang. Jeden zweiten Tag ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang.

Eine Person, 40 Jahre alt, klagte über häufige Magenschmerzen, Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit, saures Aufstoßen und Entkräftung. Besonders waren Hände und Füße meistens kalt. — Die Anwendungen waren folgende: 1) Jeden Morgen und jeden Abend Brust und Unterleib mit halb Wasser und halb Essig kräftig einreiben. 2) Täglich 6–8 Wacholderbeeren essen. 3) In der Woche dreimal vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder ins Bett gehen. In 14 Tagen war die Kranke geheilt, und um gesund zu bleiben, wird selbe gut tun, wenn sie längere Zeit hindurch wöchentlich einmal sich ganz wäscht.

„Längere Zeit hindurch habe ich ein hartes Magenleiden. Es treibt mich gewaltig auf, und unter großen Schmerzen muß ich oft alles erbrechen. Meine Füße tun mir meistens weh und zeigen dabei krampfhafte Zuckungen. Meine Lippen sind beständig weiß; ich magere am ganzen Körper ab. Ich habe mehrere Ärzte gehabt; die haben mir aber nichts als zum Laxieren gegeben, und dieses hat mich wohl recht angegriffen und geschwächt.“

Anwendungen: 1) In der Woche dreimal angeschwellte Heublumen auf den Unterleib binden, eine Stunde lang. 2) Jede zweite Nacht vom Bett heraus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder ins Bett gehen. 3) Jeden Morgen 25 Wermuttropfen in Wasser einnehmen, jeden Nachmittag 25 Tropfen von Hagebutten.

Eine Hausfrau klagt: „Ich bin gar nie frei von Schmerzen im Unterleib; derselbe ist oft aufgetrieben, und wenn es recht arg ist, habe ich einen Druck auf den Magen, daß mir viele Säure aufstößt, oft auch die Kost erbrochen wird. Mein Kopf ist recht eingenommen, und nicht selten habe ich großen Schwindel. Es gibt Zeiten, wo ich alle halbe Stunde Harn lassen muß, dann wieder Tage, wo höchstens einmal Wasser abgeht. Drei Ärzte erklärten, ich habe Magenkatarrh.“

Diese Kranke wurdegeheiltinnerhalb 4 Wochen auf folgende Weise: Die erste Woche bekam sie bloß täglich 2 Obergüsse und 2 Kniegüsse und täglich eine Tasse Tee von Wacholderbeeren und Zinnkraut; in der zweiten Woche täglich einen Oberguß und Knieguß, zweimal einen Wickel von unter den Armen an; in der dritten Woche einmal den spanischen Mantel, dreimal ein Sitzbad und einmal ein Halbbad; in der vierten

Woche Halbbäder, dreimal den spanischen Mantel, einmal Wassergehen täglich.

Magen-Säure.

Kreszentia erzählt: „Ich bin 45 Jahre alt, habe fast täglich starkes Magenleiden; es hört von Zeit zu Zeit auf, aber immer nur auf kurze Zeit; recht oft stößt es mir Säure und Bitterkeit oben heraus, und ich weiß mich oft gar nicht zu erwärmen; je mehr Säure und Bitterkeit, um so größer die Kälte.“

Das Aussehen dieser Person war recht leidend, sie selber recht mager; die Gesichtszüge waren eingefallen; die Kälte scheint die Wärme gänzlich verdrängt zu haben. Hier ist sicher durch schlechte Verdauung eine große Blutarmut eingetreten.

Ich verordnete ihr: „Schütten Sie siedendes Wasser an Heublumen, bringen Sie diese so warm wie möglich in ein Tuch oder noch besser in ein Säcklein und legen Sie dieses ganz warm, wie Sie es gut ertragen können, auf die Magengegend und den Unterleib! Bringen Sie über das Ganze ein Tuch über den Körper, daß das Säcklein auf den Leib aufgebunden ist, und lassen Sie es dann eineinhalb Stunden lang liegen; so 3 Tage lang! Nehmen Sie drei Tage nacheinander jeden Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, dann jeden 3. oder 4. Tag, und waschen Sie sich in der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aus ganz und gehen Sie dann gleich wieder ins Bett! Nehmen Sie dann täglich zweimal 4–6 Löffel voll Wermuttee, und machen Sie so 14 Tage fort; dann wird ausreichen in der Woche einmal ein Fußbad und einmal eine Waschung in der Nacht oder auch ein Halbbad.“

Migräne.

Die Migräne, das halbseitige Kopfweh, ist vorherrschend eineFrauenkrankheit, die aber auch geistesstarke Männer recht oft befallen kann, besonders solche, die viel und anstrengend geistig beschäftigt sind. Man kann manchmal den Trost eines Arztes hören: „Seien Sie ruhig, einen Dummkopf befällt keine Migräne!“Leichtkann dieses Leidenvon gestörtem Blutlaufeherkommen,noch häufiger aber von störenden Einflüssen aus dem Magen und Unterleib. (Gänzlicher Mangel an Appetit und Widerwille gegen alle Kost.) Wenn der Unterleib im ganzen etwas geschwächt ist, wenn sich häufig Gase sammeln und die Stuhlentleerungen nicht regelmäßig sind, so üben gar zu leicht und oft diese Beschwerden eine Rückwirkung auf den Kopf und verursachen an einzelnen Stellen diese Schmerzen. Oder es kann das Blut bei einem unregelmäßigen

Lauf aufeineStelle besonders hindrängen.Oft meldet sich das unheimliche Leiden, indem sich’s wieNebelflor auf die Augenlegt. Bei manchem spukt es in denAugenecken, bei anderen wird dasAugenlicht selbstganzgestört, und es ist ihnen, als ob verschiedene Figuren vor den Augen tanzten.

Migräne kommt gerne nachKrankheiten, wenn die Natur sich noch nicht vollständig erholt hat und die Tätigkeit der Organe keine ganz normale ist. Migräne kann auch einErbteilsein. Leute, die oft an Migräne leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater daran gelitten.

Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt dieMigräne von Gasen her, — und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache, — so kann es ausreichen, wenn man 2–3Tage nacheinander täglich zwei- bis viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig wäscht. Nicht nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft vollständig ausgeleitet, sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang und bringt nicht seltenalleinalles in Ordnung. Kräftiger noch ist die Wirkung, wenn ins Wasser, das man zur Waschung benützt, etwasEssigoderSalzgemischt wird.

Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann könneninnerhalbeiner Woche 2–3Halbbädergenommen werden. Diese sollten genügen. Nebenzu mag der PatientTeeverwenden, der die Gase aufzehrt oder löst.KümmeloderFenchel, als Tee bereitet und getrunken, wirkt vortrefflich. Auchkleine Hausmittelsind nicht zu verachten. Jeden Morgen und Nachmittag 5Tropfen Spickölauf Zucker tut denselben Dienst. 6–8Wacholderbeeren, im Tage nacheinander zu verschiedenen Zeiten gekaut, haben schon manchem geholfen.

Brausepulverhalten viele für ein Radikalmittel gegen dieses Leiden. Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man übertreibe nicht.Radikalmittel sind sie nicht.Derlei Leute erinnern mich mit ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen, worin einer mit einer Rakete einen Hasen totschießt. Als das Nonplusultra für Migräne gilt heutzutage derMigränestift, ein feines und fein gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark nach Kampfer riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr aus ohne dieses kleine Vademekum. Die Wurzel des Übels (der Migräne) sitzt, wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem Stifte braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne

(glaube ich) zu machen, und gut ist’s. Helfe, was helfen mag! Ich will mir darüber kein weiteres Urteil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn ein Patient, dem Klistier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich in das Ohr spritzen ließe.

Nasenbluten

siehe obenSeite 189.

Nervenerschöpfung.

Ein Pfarrer gab an, er habe zeitweilig fast unausstehliches Kopfweh, und wenn dieses sich bessere, solche Halsbeschwerden, daß er vor Müdigkeit und Schmerzen kaum reden könne. Auch im Rücken bestehe oft schmerzhaftes Zusammenziehen und Mattigkeit. Nach dem mitgebrachten Zeugnisse seines Arztes leide er an „ausgebildeter Nervenerschöpfung, und es sei nahe daran, daß Gehirn und Rückenmark angegriffen würden“. — Außerdem waren hochgradige Reizbarkeit und Angstgefühle vorhanden.

Anwendungen: Täglich ein schwacher Oberguß in der Frühe und nachmittags; täglich einmal im nassen Grase und auf nassen Steinen 4 Minuten lang gehen; so 5 Tage lang. Darnach täglich ein stärkerer Oberguß, ein Knieguß und zweimal im Wasser gehen; so 5 Tage lang. Dazwischen Sitzbäder.

Die weiteren Anwendungen waren: Täglich ein Rückenguß, ein Halbbad, ein Oberguß und Wassergehen. Diese Anwendungen beseitigten alle Leiden, und gesund und heiter ging der Geheilte wieder an sein Berufsleben.

Nervenleiden.

EinGeistlicherberichtet also:

„Infolge gewaltiger Aufregung, Angst und Schrecken bekam ich Ende Juli 1884 ein Leiden, welches sich anfangs durch häufiges, sehr beängstigendes Herzklopfen und beständige Atmungsbeschwerden mit allgemeiner Schwäche äußerte. Das Herzklopfen hörte nach einigen Monaten wieder auf. Aber nun erschienen andere Übel: mitunter sehr heftige beängstigende Anfälle von Asthma, häufiges Drücken mit Schmerzen und Spannen bis in den Unterleib hinab. Hauptsächlich spürte ich den Druck in der ganzen Rippengegend, zuweilen auch im Rückenmark. Oftmals fühlte ich sehr große Mattigkeit und Abgeschlagenheit in allen Gliedern mit Schmerzen in den Gelenken. Nebenher quälten Verstopfungen mit Blähungen stets den Unterleib. Die Stimme war ganz geschwächt, so daß mir oft schon das einfache Sprechen Schmerzen, Beklemmungen und Asthma verursachte; ein anhaltender, starker Gebrauch der Stimme war ganz unmöglich geworden. Während der ganzen Zeit habe ich auch Beschwerden im Kopfe, nämlich Schwindel, starke Eingenommenheit, zu Zeiten heftige Kopfschmerzen, so daß ich manchmal kaum zu denken imstande und zu jeder geistigen Anstrengung unfähig bin. Jede Kleinigkeit regt mich ungemein auf und steigert nicht selten die Beschwerden in Brust und Kopf aufs äußerste. Dazu hat eine unsägliche Melancholie meinen Geist eingenommen, manchmal ist’s fast zum Verzweifeln. Die Ärzte erklärten mein Leiden für ein Nervenleiden. Zwei derselben, ein Allopath und ein Homöopath, beide berühmte Männer, verschrieben mir Mittel (Duschebäder, Diät, Bromkali,Zincum oxydat.,Natr. phosph.u. a.), die aber sämtlich ganz erfolglos blieben, ja das Übel zuweilen noch ärger machten. Am ehesten schien noch zu wirken, was ein dritter Arzt anriet: kalte Vollbäder und fleißige Bewegung in der Luft. Das dauerte so ein halbes Jahr, bis ich endlich ganz zum Wasser meine Zuflucht nahm.“

Soweit der Kranke. Schauen wir ihn selbst näher an! Sein Aussehen ist ungewöhnlich gerötet, die Augenränder sind etwas gelb, Ohren und Lippen hochrot, mit blau untermischt. Die Haare sind dem jungen Herrn, der kaum mehr als 30 Jahre zählt, bis auf einen kleinen Rest gänzlich ausgefallen.Worauf lassen diese Anzeichen schließen?Gewiß aufallzu heftigen Drang des Blutes gegen Kopf und Brust. Der Schmerz auf der Stirne zeigt die Heftigkeit des Blutandranges zum Kopfe an, und das zu viele Blut im Kopfe bewirkt eine Ausdehnung der Adern.Kann da geheilt werden und wie? Die zwei hauptsächlichsten Leidensstellen, Kopf und Brust, sind vor allem ins Auge zu fassen. Beide werden gleichsam erdrückt unter der Überfülle des Blutes. Dieses muß allererstgegen die Extremitäten abgeleitet werden. Dann kann ich an die Auflösung alles Abnormalen (Anstauungen, Erweiterungen der Adern, Ausbuchtungen nach innen usw.) an Kopf und Brust gehen und zuletzt allgemein auf den ganzen Körper einwirken.

AlsAnwendungenwerden sich der Reihe nach am besten eignen:Fußdampf,Kopfdampf,kurzer Wickel,spanischer Mantel,auf nassen Steinen gehen,Ober- und Untergüsse, spanischer Mantel, Barfußgehen, zur Winterszeit am besten im frischgefallenen Schnee.

Innerhalb 3 Wochen hatte sich der Zustand bedeutend gebessert. Bis zur vollen Erholung indessen dürften bei so fortgeschrittenem und tiefgewurzeltem Leiden noch Monate vergehen.

Aus der mehr oder minder guten Wirkung jeder einzelnen Anwendung lernt der Patient selbst am sichersten urteilen, welchederselben von den besten Folgen begleitet ist und deshalb öfters wiederholt werden soll. Nur lasse man sich ja nie und nimmer verleiten, den Willen stets nur auf diese besondere Anwendung hinzurichten.Mit den besonderen Anwendungensindjederzeit, um den Einklang und den gesunden, reellen Fortschritt in der Heilung nicht zu stören,die gemeinsamen, d. i. die auf den ganzen Organismus wirkenden,pünktlich zu verbinden.

Ein Priester aus Böhmen berichtet:

„Vor 8 Monaten trat bei mir infolge von Überanstrengung heftiges Herzklopfen ein sowie auch Schlaflosigkeit, späterhin starkes Aufstoßen, Auftreibung des Unterleibes, auch Atmungsbeschwerden. Es bestanden zuweilen perverse Empfindungen, Schmerzen in Händen und Füßen, Unruhe, später auch Zittern in denselben, dabei hochgradige Abspannung und Müdigkeit. Appetit fehlte zuletzt auch, ebenso Stuhl.“

Bei seiner Ankunft schien Patient sehr erschöpft und zeigte eine blaßgelbe Gesichtsfarbe. Nach siebenwöchentlicher Kur war er wieder frisch, gesund und munter. Auch der Schlaf hatte sich langsam wieder eingestellt.

Die Wasseranwendungen bestanden in folgendem: In den ersten drei Wochen: 1) nachts vom Bett aus ein Halbbad; 2) vormittags Oberguß und Wassergehen; 3) nachmittags Rückenguß und Halbbad; 4) täglich fleißig Grasgehen. Späterhin: Oberguß mit Knieguß, auch Halbbäder, zweimal Fußdampf. Zum Einnehmen täglich 8–10 Wacholderbeeren, auch Tee von Wermut und Salbei.

Nervenüberreizung.

Zwei Studierende kamen in die Osterferien und erzählten: „Wir haben Kopfleiden, Blutandrang nach dem Kopf, schlechten Schlaf und große Müdigkeit, mangelhaften Appetit, und wir sind somit unfähig, weiter fortzumachen. Könnten wir nicht die Vakanz benützen zur Wiederherstellung unserer Gesundheit durch die Wasserkur?“

Ich gab den Rat, sie sollten, weil es Frühling, der Boden feucht und es noch ziemlich kalt war, diese Vakanztage wo möglich im Freien, im Walde, auf den Wiesen barfußgehend zubringen und rasche Bewegungen machen, wenn sie sich kalt fühlten; auch von Zeit zu Zeit in einen mit Wasser gefüllten Graben 2–3 Minuten stehen und darin hin- und hergehen.

Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz ins Wasser halten. Diese Anwendungen behagten den jungenLeuten sehr; es kam ihnen Mut und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien, konnten ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien, um ihren Körper aufs neue abzuhärten und zu kräftigen.

Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese wird bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.

Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus zu, welcher mit folgenden Klagen hieher kam: „Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich oft kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich tue; ferner habe ich oft erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Tätigkeit; ich mußte die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen.“

Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen früh bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2–4 Obergüsse. Innerhalb 12 Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung seine Herbstferien ebenso durchzumachen.

Nervenzerrüttung.

Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurteilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei.

Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund wieder aufs neue zu beginnen.

Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt werden. Erster Tag: Den oberen Körper vormittags mit Wasser und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein Knieguß (eine Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste. Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser; gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Knie, nachmittags dasselbe. Dritter Tag: Oberguß (1 Gießervoll) und Knieguß, nachmittags: Oberguß (1 Gießer voll), daraufhin ins Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Tränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren. Die zweite Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit Wasserstehen, soweit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1–3 Gießer. Auch das ins Wasserstehen wurde verstärkt bis an die Knie, aber immer nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse mit Knieguß und Wasserstehen weiter gesteigert und jeden zweiten Tag ein Sitzbad genommen, gewöhnlich nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß mit Wasserstehen, je vormittags, nachmittags ein Halbbad. In der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstehen oder mit Knieguß, nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine Anwendung:a) Oberguß mit Knieguß,b) ein Halbbad,c) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.

Innerlich wurde gegeben:a) weißes Pulver, täglich eine Messerspitze voll, im Wechsel mitb) Wacholderbeeren, täglich 6–8 Beeren, undc) Tee von Wermut und Salbei.

Nervöses Leiden.

Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: „Vor 11 Jahren fing durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Kongestionen, heftigem Schmerz und Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für zwei Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven total irritiert und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig zu geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z. B. auf einen Zug zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim alten trotz Schenkel-, Ober- und Rückenguß und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Öl und mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber das Übel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3–4 Tage keine Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Öl wirkte; der Kopf wurde plötzlich frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute.“

Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betreffende Herr schon geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich zu helfen gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr vernünftige Auswahl des für ihn Passenden sowie auch durch sehr pünktliche und genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der beimir gemachten Kur schon bedeutend vorgearbeitet hatte. Als er ankam, war er in einem noch elenden und trostlosen Zustande und um so beklagenswerter, als wegen seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur ein gründlicher Kenner von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es gedankt, daß er jetzt wieder mit freudigem Mute seinen höheren Studien obliegen kann.

Nierenleiden.

Ein Bauer erzählt: „So stark und korpulent ich aussehe, geradeso elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen; die Atemnot wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken. Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können. Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Ärzte habe ich mehrere gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deshalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim vorhanden ist.“ Dem fast Trostlosen wurden Anwendungen geraten: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh mit dreimaligem Wechsel, 30–32 Grad. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurze Wickel, ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft wiedergekehrt.

Ein armer Arbeiter schreibt: „Ich erkrankte an einem Nierenleiden ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888. Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer, rötlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter, daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deshalb Tag für Tag dieFüße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel mediziniert und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so entschloß ich mich auf Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen zu gehen. Ich wandte nun die Kaltwasserkur an, die mir vortrefflich behagte.“

Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen:

1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe Minute lang nachmittags;2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.

1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe Minute lang nachmittags;

2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;

3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner

4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.

Ohrenkrankheit.

Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachteiliger wirkt auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten Teile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch eine unglückliche Lebensweise.

So kommt eine Mutter und erzählt: „Meine Tochter hat das Scharlachfieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses, bald über ein anderes Leiden; aber das härteste ist, daß sie das Gehör fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts geholfen.“

Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt, und müßte es an anderen Teilen hören, so würde man auch dort noch Reste der Krankheit bemerken. Wird das Mädchen von allen nachteiligen Folgen des Scharlachfiebers geheilt, dann wird auch das Gehörwieder eintreten. Es muß somit, wie aufs Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.

Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen: 1) Ein nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Schal umlegen, eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett, besonders den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Über die Ohren und deren Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, zwei Stunden lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel nehmen (sieheWickel).

Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden, jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der Woche ein warmes Haberstrohbad, 25 Minuten lang, 28–30°R., gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durchs warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit warmen Umschlägen über die Ohren.

Ohrensausen.

Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft Zittern an den Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Augen. Diese Person hat mehrere Ärzte gehabt. Der eine sagte, das Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas eingegangen usw.

Anwendungen: 1) Täglich im Wasser gehen, 2–4 Minuten, darauf Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien. 2) Jede zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und Essig. 3) Zweimal in der Woche einen Schal umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag im Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.

Rheumatische Zustände.

Wer möchte es versuchen, all die verschiedenen rheumatischen Zustände aufzuzählen, über die man klagen hört! Den einen quält der Schmerz im Kopfe, den anderen in den Zehen, diesen imArme, jenen in den Beinen, sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust usw. Der Rheumatismus ist wahrlich der ewige Jude unter den Krankheiten.

Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle diejenigen, die recht angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von dieser Krankheit, nach meinem Dafürhalten deshalb, weil diese Leute oft in der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der andern ihn bereits wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am Morgen, nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.

Letztere Beobachtung gibt unsklare Winke, wie Rheumatismus geheilt werden kann und soll.

EinTierarztjammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem Berufe weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie eine Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er unklugerweise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde, wie jedesmal, die lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.

„Wenn Sie wollen, Herr Tierarzt,“ entgegnete ich ihm, „so sind Sie in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre Katze hetzen.“ Er lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit Manneswort und Handschlag versprach er indessen, genau zu tun, wie der gestrenge Herr befehle. Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den Rücken zuerst kräftig trocken reiben, dann einenkalten Obergußapplizieren. Nach ungefähr 8 Stunden nahm er einenKopfdampfmit darauffolgendem Guß. Die 24. Stunde hatte noch lange nicht geschlagen, die Katze war längst über alle Berge, und die Wette war gewonnen. —Von trockenem Reibenwurde diesmal gesprochen, was doch sonst nie vorkommt!

Ja, und derGrund ist folgender:

Entsteht der Rheumatismus infolge raschen Wechsels von der Kälte in die Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf der Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innern, ja, wie man meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückzuführen auf Störungen in der Zirkulation des Blutes, sei es nun ein langsameres oder rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine Entzündungen etc. an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen Reibungen, Pressungen usw. verursachen den Schmerz und müssen durch Auflösung, Ausleitung und Stärkung der leidenden Teile entfernt werden. Wenn der Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempohalten will, dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien Hand, mit dem Kopfe den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich in die junge Hühnerfamilie mischt und das „Gehscht weg, du...“ der Futterbringerin nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach der dummen Gans oder Ente.Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon länger währt, besonders schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe ich zum Wasser noch die Reibung zu Hilfe.Sie entwickelt rascher Wärme und bewirkt eine schnellere Verteilung des Blutes usw.Wäre die kranke Stelle etwas kühl, und würde ohne weiteres, ohne vorherige Erwärmung ein Guß daraufkommen, so wiche der Rheumatismus wohl etwas weiter im, aber nicht aus dem Körper.

EinBauerbekam so heftige rheumatische Zustände in beiden Füßen, daß er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die Schenkel. Der Mann wußte nicht, wie er zu dem Übel gekommen war.

Der Bauerwickeltesichtäglich zweimalvon unter den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißenHeublumenabsudeingetaucht war, und legte sich jedesmal zwei Stunden ins Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher Anwendungen wickelten den Rheumatismus vollkommen aus und ab.

Ein anderer Bauerkonnte vor lauterSchmerzen in den Hüftengar nicht eingewickelt werden. Er wurde in einHaberstrohbadmit 33–35°R.und mit dreimaligem Wechsel gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3 Tagen war er geheilt.

Fälle vonKopfrheumatismuskönnte ich eine Unzahl nennen. Sie wurden am leichtesten dadurch entfernt, daß manmöglichst wenig am Kopfe selbst, dagegenwarme Bäder und Dämpfe an den Füßenanwandte. Kommt man dem Kopfe mit Kälte, so wird’s ärger; kommt man mit Wärme, so strömt noch mehr Blut zu. DieReihenfolge der besten Anwendungenwäre etwa folgende:


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