Heilmittel.

Kopfstück zu Abschnitt HeilmittelHeilmittel.

Kopfstück zu Abschnitt Heilmittel

In alphabetischer Aufzählung sind die von mir verwendeten Heilmittel[22]folgende:

Agave.(Agave americanaL.)[Aloë.]

Diese Pflanze hat ihre Heimat fern in Amerika. Von dort wurde sie zu uns herüber gebracht; man sieht sie jetzt nicht selten an den Fenstern der Blumenfreunde zwischen anderen Blumenstöcken hervorragen. Sie fällt auf und ist erkenntlich durch ihre recht dicken, fleischigen, ziemlich langen Blätter, die seegrün sind und viele Stacheln tragen. Blüten bringt sie selten; wenn man aber die Wirkung der fleischigen Blätter kennen würde, dann würde sicher jeder Blumenfreund auch diese ausländische Pflanze in einem Topfe unter seinen Blumen haben.

Die Wirkungen sind folgende:

Wenn man ein solches Blatt nimmt, es in Wasser siedet und trinkt, so reinigt eine solche Tasse Magen wie Gedärme. Auch auf kranke Leber und Gelbsucht wirkt diese Pflanze, wenn sie zu Pulver gemacht, und täglich zweimal eine Messerspitze voll davon eingenommen wird.

Wenn man von derselben so ein Blatt mit einem Kaffeelöffel voll Honig in einem Schoppen Wasser siedet und in kleinen Portionen einnimmt, dann nimmt dieser Absud die innere Hitze aus den Augen, wenn dieselben damit gut ausgewaschen werden. Wermut, mit Aloë gesotten, treibt die wässerigen, schlechten Stoffe, aus denen leicht Wassersucht entstehen kann, aus und macht einen recht guten Magen.

Dieses wenige Angeführte veranlaßt mich, jedem Blumenfreunde den Rat zu geben, diese Pflanze auch in einem Topfe unter seinen Blumenstöcken zu pflegen.

Alaun.

Alaun ätzt, er eignet sich demnach fürfaule,bösartige Schäden. Ich habe gesehen, wie er selbst den nochnicht zu weit vorgeschrittenen Krebsam Weiterfressen hinderte.

Schwärende,eingewachseneNägel sollen stets mit Alaun behandelt werden.

DieAnwendungist folgende:

Alaun wird entwedergepulvert, d. i. zu feinem Staub zerrieben und direkt auf die Wunde aufgestreut, oder er wirdin Wasser aufgelöstund die Auflösung in Form von Waschungen oder eingetauchten kleinen Linnenauflagen benützt.

Sind die Wunden von Eiter, Faulfleisch usw. ganz gereinigt, so wirkt Alaunzusammenziehend,trocknendundrasch heilend.

FürZähne, an denen sichungesundes Fleisch mit unterlaufenem Bluteansetzt, istverdünntes Alaunwasserein erprobtes Mittel.

AlsMundwasserzum Ausspülen des Mundes und der Zähne, sowie alsGurgelwasserdient Alaunwasser längst.

Aloë.(Aloë vulgaris Lam.)

Aloë (man kauft das Pulver in der Apotheke) ist sowohl innerlich als äußerlich verwendet von guter Wirkung. Siedet man eine bis zwei MesserspitzenAloëpulvermit einem Kaffeelöffel voll Honig, so reinigt diese Mixtur denMagengründlich ohne die geringste Belästigung.

Wird Aloë mit anderen Kräutern vermengt und alsTee bereitet, so ist obige Wirkung noch nachhaltiger. Die Mischung hat gewöhnlichfolgende Zusammensetzung: eine Messerspitze Aloë, Holunderblüten für zwei Tassen Tee, ein paar Messerspitzen Foenum grecum, ein Kaffeelöffel Fenchel. Die zwei Tassen Tee sind innerhalb zwei Tagen zu nehmen. Die Wirkung, die nicht in heftigem Abführen, sondern lediglich in reichlichem Stuhlgang besteht, tritt erst nach 12–30 Stunden ein.

Eine Anwendung von Aloë mit Johanniskraut und Schafgarbe wird an anderer Stelle erwähnt werden.

Dieselbe reinigende Kraft, welche Aloë innerlich angewendet zeigt, hat sie auch beiäußerlichem Gebrauche. Wer kranke, trübe, rot unterlaufene,triefende Augenhat, aus denen Eiter und anderer Unrat sich ausscheiden, bereitet sich aus Aloë ein vorzüglichesAugenwasser. Eine kräftige Messerspitze Aloë wird in ein Medizin-Glas geschüttet, mit heißem Wasser übergossen, gerüttelt —das Augenwasser ist zum sofortigen Gebrauche fertig. Drei- bis viermal täglich wasche man die Augen äußerlich ab und innerlich aus. Das anfängliche Jucken und leichte Brennen darf einen nicht stören.

Alte Schäden,faulendes Fleisch,tiefe Narben mit viel Eiterwerden vorzüglich gereinigt durch solches Wasser, das sie heilt. Es werde zu dem Zwecke ein Lappen in Aloëwasser getaucht und auf die leidende Stelle gelegt.

Sollte an irgend einer Körperstelle dieNeubildung der Hautdurch Geschwüre oder vielmehr durch die aus derselben ausströmende scharfe Flüssigkeit gehindert werden, so streue man Aloëpulver auf die Geschwürstelle, so dicht, daß der ganze offene Schaden bedeckt ist. Das Ganze werde trocken überbunden. Dieses täglich einmal. Das Pulver bildet, die schlechten Stoffe aufsaugend, eine harte Kruste, unter welcher bald die neue Haut sich zeigt.

Wunden, frische wie alte, heilt Aloë sehr schnell zu. Bei alldem kann das reinliche und reinigende Heilmittel, wohin es immer komme (in das Auge oder in die Wunde), niemals schaden.

Angelika, wilde oder Wald-Engelwurz. (Angelica silvestris L.)

Es wächst auf feuchten Wiesen und an nassen Waldstellen eine Pflanze mit einem Stengel, der einen halben bis ganzen Meter hoch ist. Der Stengel ist hohl und die Buben machen gerne Pfeifen daraus. Diese Pflanze führt den Namen Angelika, Wald- oder wilde Angelika; sie heißtWaldangelika, weil sie meist im Walde zu finden ist; sie heißt auch wilde Angelika, weil sie wild, ohne menschliches Zutun wächst und sich so von einer anderen Art (Angelica archangelica L.,edleEngelwurz) unterscheidet, die einer eigenen Pflege bedarf. Beide sind Heilpflanzen im gleichen Sinne und mit gleicher Wirkung; ich ziehe erstere aber vor, weil man sie ohne Mühe haben kann. Hat jemand ungesunde oder halbgiftige Speisen bekommen, so ist ein Tee, von ihren Wurzeln, Samen und Blättern gesotten, ein vorzügliches Mittel, diese schlechten Stoffe wieder zu entfernen.

Weil das Blut aus den verschiedenen Nährstoffen bereitet wird und die Nährstoffe nicht alle gut und gesund sind für die Natur, so leitet dieser Tee die schlechten Stoffe wieder aus dem Blut. Wie oft kommt es vor, daß im Magen eine unbehagliche Kälte herrscht! Eine Tasse Tee von solchen Wurzeln bringt dem Magen wieder mehr Wärme. Am besten ist es, wenn man eine solche Tasse Tee in drei Portionen teilt und die erste am Morgen, die zweite am Mittag, die dritte am Abend nimmt.

Wenn ungesunde Stoffe im Magen und in den Gedärmen sind, oder wenn versteckte Gase Grimmen verursachen, so ist wiederdieser Tee ein Hauptmittel, das Übel zu heben, besonders wenn man zum Tee halb Wein und halb Wasser nimmt.

Starke Verschleimungen in der Lunge und Brust, Magenbrennen, Verschleimungen in der Luftröhre werden gerade durch diesen Tee am leichtesten beseitigt.

Man kann mit Recht die Angelika als ein vorzügliches Hausmittel empfehlen, und die Landleute sollten fleißig auf ihren Wiesen und in ihren Wäldern eine ziemliche Portion für das ganze Jahr sammeln, an der Luft trocknen und an einem trockenen Orte aufbewahren. Diese Wurzeln, Samen und Blätter, gut getrocknet, können auch zu Pulver gemacht werden, und wenn man täglich zwei- oder dreimal eine Messerspitze voll solchen Pulvers einnimmt, so ersetzt dieses den Tee.

Dem Pflanzenunkundigen gebe ich notgedrungen den guten Rat, nicht Angelika zu sammeln, er möchte sonst aus der Wiese Roßkümmel oder aus dem Walde gar Schierling (Giftpflanze) zu seinem Verderben nach Hause tragen. Ich setze diese Worte her, weil beides sich ereignet hat.

Anis.(Pimpinella anisum L.)

Anis ist wie Fenchel sehr zu empfehlen. Seine Wirkung auf Gase (Winde) übertrifft jene des Fenchel bei weitem. Meistens werden beide Heilmittel miteinander gemengt und verbunden.

Die Öle von Anis und Fenchel kauft man am leichtesten in der Apotheke. Gegen obiges Leiden genügen 4–7 Tropfen auf Zucker täglich ein- bis zweimal zu nehmen.

AnserineoderGänsefingerkraut. (Potentilla anserina L.)

Das Gänsefingerkraut wächst, wie sein Name besagt, da am besten, wo Gänse sich am liebsten aufhalten. Man trifft es besonders zahlreich in der Nähe der Häuser, ferner auf Triften, an Weg- und Grabenrändern. Viele Leute haben ihm nach seiner Wirkungsweise den NamenKrampfkrautgegeben.

Tee von Anserinenkraut ist ein vortreffliches Mittel beiKrampfanfällen, seien dieselben im Magen, im Unterleib oder wo immer. BeiStarrkrampfselbst — soweit überhaupt eingewirkt werden kann — tut dieses Kräutchen sehr gute Dienste. Beim Beginne der Anfälle, besser noch bei den sich zeigenden Symptomen (Vorzeichen) der Krämpfe, gebe man dem Kranken täglich dreimal recht warme Milch (so warm sie der Kranke ertragen kann), in welcher solche Heilkräuter (so viel mit drei Fingern zu fassen sind) wie zu Tee abgebrüht wurden.

Doppelte Wirkung erzielt der, welcher solchen Tee einnimmt und zugleich auf die krampfhaften Stellen Überschläge mit dem im Wasser angeschwellten oder abgebrühten Kraute macht.

Keine Familienmuttersoll es unterlassen, einen hinlänglichen Vorrat solchen Krautes zu sammeln und zu trocknen. Sie weiß selbst zu beurteilen, wie schmerzhaft solche häufig vorkommenden Krampfanfälle sind, und wie es noch größeren Schmerz bereitet, Angehörige leiden zu sehen, ohne helfen zu können.

ArnikaoderBergwohlverleih. (Arnica montana L.)

Arnika besitzt in der ganzen Welt den Ruf einer vorzüglichen Heilpflanze. Weshalb gerade viele von denen, die solches wissen könnten und sollten, dieses bestreiten, begreifeichwenigstens nicht.

DieArnika-Tinkturist so allgemein bekannt und bei Wunden zu deren Auswaschen, zu Kompressen (Aufschlägen) usw. so allgemein in Übung, daß es mir nicht notwendig erscheint, darüber auch nur ein Wort zu verlieren.

Man kauft diese Tinktur billig; ein jeder kann sie aber auch leicht selbst bereiten. Die Blüten werden Ende Juni und Anfang Juli gesammelt und in Branntwein oder Spiritus angesetzt. Nach ungefähr drei Tagen schon kann die fertige Tinktur in Gebrauch genommen werden.

AttichoderZwergholunder. (Sambucus ebulus L.)

Am Rande der Wälder, besonders abgetriebener (ausgehauener), sieht man Stauden, einen Meter und darüber hoch, die im Juli weiße große Doldenblüten, im Herbste prächtige, schwere, glänzende Doldentrauben tragen. Das ist Attich oder Zwergholunder.

Der Tee, aus solchen Wurzelnbereitet, treibt mit außerordentlicher Wirkung das Wasser ab in derWassersuchtund reinigt dieNieren. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in denen solcher Tee die ziemlich vorangeschrittene Wassersucht vollständig heilte und ausheilte.

Auch beianderen Zufällen im Unterleib, die von schlechten Säften herrühren, wirkt er gut; er scheidet die Säfte durch den Urin aus.

Attichtee, den manaus dem Pulver bereitet, tut dieselben Dienste. Zu einer Tasse, die auf zweimal zu verschiedenen Zeiten des Tages genommen wird, reichen zwei Messerspitzen des Pulvers aus.

Im Spätherbste sammelt man die Wurzeln, trocknet sie gut an der Luft und bewahrt die gedörrtenWurzelnoder das aus den zerstoßenen Wurzeln gewonnene Pulver in der Hausapotheke auf.

Augentrost.(Euphrasia officinalis L.)

Zum Lohn und aus Dankbarkeit für treue Dienste haben unsere Voreltern diesem kleinen Kräutchen den schönen Namen „Augentrost“ gegeben. Wenn oft kein Mittel mehr helfen wollte, spendete dieses Blümchen denAugenden letzten Trost. Ich habe dasselbe schon recht häufig geraten und mit guten Erfolgen.

Wenn die Öhmd- (Grummet-) Ernte zur Hälfte reif ist, im August etwa, findest du dieses Heilkräutlein fast auf jeder Wiese. Oft wächst es so zahlreich, das eigentliche Futter verdrängend, daß die Bauersleute ihm gram werden.

Sowohl die getrockneten als die zerriebenen Blätter kommen alsTeeund alsPulverzur Anwendung. Mit dem Tee wäscht man täglich zwei- bis dreimal die Augen gut aus, oder man taucht in denselben kleine Fleckchen, die man über Nacht aufs Auge legt und mit einer Binde befestigt. Das Auge wird so gereinigt, geklärt, die Sehkraft gestärkt.

Nach meiner Praxis lasse ichzu gleicher Zeitdie Patientendas Pulver nach innenanwenden, und zwar täglich eine Messerspitze in einem Löffel Suppe oder Wasser. Damit ist die Heilkraft des Kräutchens nicht erschöpft. AuchMagentrostkönnte man es nennen. Wegen seiner angeborenen Bitterkeit gilt sein Tee alsMagenbitterzu regerer Verdauung und zur Verbesserung der Magensäfte. Probiere es einmal, lieber Leser; das Kräutchen wird auch bei dir mit seinem Trost nicht kargen!

Ausscheidungsöl(im Volksmund „Malefizöl“).

Es gibt Fälle, wo in Körpern sich so viele kranke Stoffe angesammelt haben, daß es ungemein schwer ist, dieselben gänzlich aufzulösen und auszuleiten. Die Schwierigkeit besteht nicht in der zweifelhaften Leistungsfähigkeit des Wassers oder der verschiedenen Anwendungen vielmehr in der Frage: Wird ein solcher Patient, werden insbesondere schwächliche Naturen vor den notwendig anzuwendenden Übungen und der Langwierigkeit einer solchen Kur nicht zurückschrecken und so alle Bemühungen vereiteln? Dieser Gedanke hat mich viel beschäftigt und manche Erfahrung hat zu neuem ernstem Nachdenken angespornt.

Da fiel mir ein, daßja manches innere Leiden plötzlich verschwand, sobald nach außen hin ein Ausschlag zu Tage trat.

Könnte man, so frage ich mich, nicht auf künstliche Weise solchen Ausschlag bewirken, mit andern Worten, durch irgendein Mittelden im inneren Körper verborgenen kranken Stoffen zum Durchbruch verhelfen, dieselben herauslocken an die Oberfläche der Haut und so der Wasserkur ihre Arbeit um ein gutes Stück erleichtern?[23]

Nach langem Suchen traf ich auf ein Öl, welches diese Dienste in vortrefflicher Weise leistet, bei manchen Fällen geradezu mit auffallenden Erfolgen. Dasselbe ist, wie gesagt, zur Heilung nicht absolut notwendig, keineconditio sine qua non; das Wasser allein kann wohl die Arbeit tun. Aber es unterstützt und fördert das oft sehr schwere Werk der Auflösung und Ausleitung um ein Bedeutendes. Das Öl wirdnur äußerlichangewendet und allein in solchen Fällen, in denen so auf die leichteste Weise eine vorteilhafte Ausleitung des kranken Stoffes erzielt werden kann. Die Wirkung istganz und gar unschädlich, aber gründlich, tiefgehend bis ins Innerste. Weil es die Rebellen im Körper und im Blut mit scharfer Spürnase wittert und sicher ans Tageslicht bringt, hat ein Herr, bei dem es prächtig und erfolgreich diente, ihm den Namen „Malefizöl“ gegeben, den es bis heute behalten. Ich hatte keinen Grund, den originellen Namen irgendwie anzufechten.

DieArt der Verwendungmögen einige Beispiele veranschaulichen.

Jemand klagt überAugenleiden: die Augen sind gerötet, jede Helle tut weh. Sie triefen sehr stark und schmerzen aufs empfindlichste. In diesem Falle reibe ich die Hautfläche hinter den Ohren (an Ohrmuschel und Hinterhaupt) leise, um sie etwas zu erwärmen, und trage dann sachte drei bis vier Tropfen solchen Öles auf die erwärmte Stelle auf. Schon nach einer halben Stunde spürt der Patient die Wirkung, ein leichtes Spannen und Brennen; nach ungefähr 24 Stunden erscheinen unzählige, mit Eiter angefüllte Bläschen, die je nach der Masse des auszuziehenden kranken Stoffes wachsen, später vertrocknen und als verdorrte Krusten abfallen. Sollte der erste Versuch nicht gelingen, d. h. sollte das Öl nach circa 30 Stunden nicht wirken, so bringe man am zweiten Tage nochmals ein paar Tropfen auf die geröteten Stellen. Die Wirkung wird sicherlich nicht ausbleiben und der Giftstoff, der im Auge die Entzündung verursacht hat, in Bälde ausgegangen sein. Bei einer Reihe derartiger Augenleiden ließ bei Anwendung besagten Öles schon nach 1–2 Stunden der Schmerz nach, und binnen kurzer Zeit waren die Augen rein und gesund.

Heftiges Zahnwehplagt einen anderen Patienten; das Zahnfleisch ist angeschwollen, der Kiefer schmerzt, als ob er zerrissen werde; den ganzen Kopf peinigt die schmerzlichste Aufregung. Wie beim ersten Falle bringe man einige Tropfen unseres Öles hinter die Ohren oder ins Genick. Der Erfolg muß ein günstiger sein.

EineEigentümlichkeit des Ölesbesteht noch darin, daß es bei der ersten und vornehmeren Arbeit des Ausziehens die bestrichene Stelle verwundet, dann aber, sobald es seine Pflicht getan, in zweiter Arbeit dieselbe schnell und gut zuheilt.

Das Öl betrachte ichnicht im mindesten als ein Geheimmittel; ich habe dessen Zusammensetzung manchem vertrauten Freunde mitgeteilt. Um indessen Mißbräuchen und wohl auch Mißgriffen verschiedener Art vorzubeugen, sehe ich mich veranlaßt, das Rezept der Öffentlichkeit nicht kundzugeben. (SieheAnmerkungaufSeite 111.)

Baldrian,gebräuchlicher. (Valeriana officinalis L.)

Daß im Baldrian etwas besonderes stecken muß, darüber belehren uns die Katzen, die er durch seinen Geruch so anzieht, daß sie sich auf seinem Kraute wälzen.

Wir benützen allein dieWurzel, die entweder zurTeebereitung zugeschnitten oder zuPulverzerrieben und stets nur (als Tee und als Pulver) in kleinen Portionen genommen wird.

Baldrianwurzel lindertKopfbeschwerdenund hebtkrampfhafte Zustände, ähnlich wie die Raute; sie wirkt auf beide Leiden gut ein, weil sie deren hauptsächlichste Ursachen, dieGasenämlich, ausscheidet.

Bitter- oder Sumpfklee(Menyanthes trifoliata L.)

ist eine Pflanze, welche auf Moorgrund und gewöhnlich in der Nähe von laufendem Wasser steht. Da, wo das Wasser im Fließen keinen Ausweg mehr gefunden hat und eine kleinere oder größere Pfütze bildet, wächst unter sauerem Grase auch diese Sumpfflanze. Sie hat drei Blätter und ist sehr bitter, daher der Name Bitterklee. Dieses Kraut gibt vorzüglichen Tee für denMagen; er wirkt gut auf die Verdauung und hilft gut die Magensäfte bereiten.

Bitterklee in Branntwein angesetzt gibt den sogenannten „bitteren Geist“, der demselben guten Zwecke dient.

Bockshornklee(Trigonella foenum graecum)

S. untenSeite 129.

Brennessel,große. (Urtica dioica L.)

Die Brennessel ist die verachtetste unter den Pflanzen. Manche zartbenervte Seele sticht und brennt es schon, wenn sie nur diesen Namen hören. Ob wohl mit Recht? Jüngst hörte ich, daß einWanderlehrer, ich glaube in Böhmen, über die Brennesseln und deren Bedeutung eine ganze Broschüre geschrieben habe. Der fängt’s wieder einmal gut an, das lobe ich mir! Die Brennessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert.

Frische Brennesseln, vom Standorte gerade weggenommen, gedörrt und zu Tee verwendet, lösen dieVerschleimungen in Brust und Lunge, reinigen denMagenvon verlegenen Stoffen, die sie hauptsächlich beim Urinieren entfernen.

Kräftiger als die Blätter wirken dieBrennesselwurzeln, ob man sie im Sommer grün ausgegraben oder im Winter gedörrt verwendet. Eine beginnendeWassersuchtkann durch Tee von Brennesselwurzeln gehoben werden. Derselbe räumt überhaupt mitfaulen Säften im Innerngründlich auf.

Werunreines Bluthat, soll zur Sommerszeit recht oft Brennesseln,wie Spinat gekocht, essen. Man liebt besonders in Italien die Kräutersuppen.Kräuterknödelaus Brennesseln sind nicht bloß ein Nähr-, sondern auch ein Gesundheitsmittel.

Wer anRheumatismusleidet und kein Mittel mehr findet, denselben auszutreiben, bestreiche oder schlage die schmerzenden Stellen täglich ein paar Minuten lang mit frischen Brennesseln.

Die Furcht vor der ungewohnten Rute wird bald der Freude über deren vorzügliche Heilwirksamkeit weichen.

Dornschlehblüte.(Prunus spinosa L.)

Dornschlehblüten sind das schuldlosesteAbführmittelund sollten in jeder Hausapotheke in vorderster, leicht zugänglicher Reihe zu finden sein.

Wie oft fühlt man im Magen und im Unterleib, im ganzen Befinden, daß eine schnelle Purgierung gut, ja notwendig wäre; man sucht ein leichtes Mittel und sucht und — könnte es so leicht bei der Hand haben!

Nimm solche Dornschlehblüten, siede dieselben 1 Minute lang und trinke 3–4 Tage lang solchen Tee, täglich 1 Tasse! Der Tee wirkt leicht ohne alle Unannehmlichkeiten und Beschwerden, dazu dennoch gründlich.

AlsMagenmittel, als reinigendes und stärkendes, kann ich diesen Tee gleichfalls bestens empfehlen.

Eibisch.(Althaea officinalis L.)

Eibischtee wird sehr viel gebraucht beiErkältungen. Ich bin für denselben nicht besonders eingenommen, da er meinen Erwartungen zu wenig oder nicht entsprochen hat. Schon beim Sieden erhält man eine schlütterige (zähe) Masse, die nach verhältnismäßig kurzer Zeit schleimig wird und so — was in der Tat oft vorkommt — den Appetit nehmen oder verderben muß. Derlei Medizinen empfehle ich nie. Gelinde gesagt ist mirEibischkrautundEibischwurzel etwas verdächtig. Ich wähle deshalb stets Heilkräuter, welche dieselben Dienste zweifellos sicher tun.

Eichenrinde.

Heißt er uns gar die Eichenrinde als Medizin gebrauchen! Ja freilich, sie mag frisch vom Baume weg oder getrocknet sein.

Junge Eichenrinde, längere Zeit (eine halbe Stunde) abgebrüht, gibt einenheilkräftigen Absud. Man tauche nur ein Handtüchlein in denselben und winde es als Wickel um den Hals. Solche Wickel lösen auf und verdrängendicke Hälse, und wenn ein Kropf noch nicht zu groß und zu fest ist, sind sie selbst die wirksamsten und zugleich schuldlosestenKropfmittel. Mit den Drüsen räumen diese Wickel nicht weniger gründlich auf.

Wer anMastdarmvorfallleidet, nehme fleißig Sitzbäder mit Absud von Eichenrinden, dazu zuweilen kleine Klistiere mit verdünntem Absud.

Die lästigen und oft gefährlichenMastdarmfistelnlöst der Absud und heilt sie aus.

Auchharte Geschwülste, die nicht entzündet sind, können ebenso behandelt und aufgelöst werden.

Teevon Eichenrinde wirkt wie Harz stärkend auf die inneren Gefäße.

Enzian, gelber. (Gentiana lutea L.)

Der gelbe Enzian wächst besonders auf den Bergen. Durch zuverlässige Leute kann man leicht und billig dieses prächtige Heilkraut sich sammeln lassen. Vor allem rate ichExtraktevon Enzian zu bereiten. Die Enzianwurzeln werden zu diesem Zwecke gut getrocknet, klein geschnitten und so mit Branntwein oder Spiritus in Glasflaschen angesetzt.

Dieser Extrakt ist eines der erstenMagenmittel. Man gieße 20–30 Tropfen desselben an 6–8 Eßlöffel Wasser in ein Glas und nehme diese Mischung längere Zeit hindurch täglich. Die gute Verdauung wird ein nicht minder guter Appetit recht bald anzeigen. Spürt man, daß eine Speise schwer im Magen liegtund belästigt, das Magentränklein von einem Kaffeelöffel Extrakt in einem halben Glas warmen Wassers wird die Störung bald beendigen.

FürMagendrückenist Enzian ebenfalls sehr gut.

Auf größeren Reisen, wenn man tagelang oft schlecht ißt, noch schlechter trinkt und todmüde und halbkrank am Ziele ankommt, leistet ein winziges Fläschchen Enziantinktur, tropfenweise auf Zucker zu Rate gezogen, treffliche, unbezahlbare Dienste.

Übelkeiten und Anfälle von Ohnmachtenentfernt ein Kaffeelöffel Tinktur in Wasser genommen; sie erwärmt, weckt auf, bringt Körper und Geist wieder in Frieden.

Enzian, zuTeeverwertet, tut ähnliche Dienste. Man siedet dann entweder die geschnittenen Wurzeln oder selbst das Enzianpulver und trinkt den Absud als Tee.

Erdbeere.(Fragaria vesca L.)

Welche Freude, wenn Kinder das erste Erdbeersträußchen den Eltern, dem Lehrer, dem Pfarrer bringen! Welcher Genuß, wenn als Nachspeise (mit oder ohne Wein) der erste Teller kühlender Erdbeeren auf den Tisch gebracht wird!

Nicht allein dieFrüchtedieses kleinen, so überaus fruchtbaren Pflänzchens sind gerne gesehen; auch dieBlättersammelt und trocknet manche, für ihre schwachen Kleinen besorgte, von schwerer Arbeit heimkehrende Mutter, denn Erdbeerblätter, das weiß sie, sind ein gutes, gesundes und so einüberaus billiges Nährmittel.

Wiebereitet sie diesen Tee? Sie nimmt Erdbeerblätter, soviel sie mit drei bis vier Fingern fassen kann, schüttet ungefähr einen halben Schoppen (ein Viertelliter) siedendes Wasser daran und deckt beides gut zu. Nach 15 Minuten gießt sie den Tee ab und sie hat reinenErdbeerblättertee. Dann mischt sie daran heiße Milch, etwas Zucker und das Tränklein ist fertig.

Würde die Mutter statt des dritten oder vierten Teiles der ErdbeerblätterWaldmeister(Asperula odorata L.) nehmen, so gewänne der Tee an Geschmack und Gehalt.

DieErdbeerenselbst sind als Gesundheitsmittel gar nicht zu unterschätzen. Man gebe dieselben besondersRekonvaleszenten, die große Schwäche und Entkräftung nach schwerer Krankheit spüren; man gebe sie verbunden mit anderen Nahrungsmitteln. Wer im Sommerlängere Zeit hindurch, gleichsam zum Kurgebrauch, täglich z. B. einen Schoppen Milch mit einem halben Schoppen Erdbeeren vermischt, (wie man dieses in Süddeutschland vielfach tut) oder täglich zweimal ein Stück guten Roggenbrotes mit je einem Viertelschoppen Erdbeeren genießt, wird bald die überaus wohltuende Wirkung verspüren, die neben derKräftigungauch inBlutreinigungbesteht. Werden die Erdbeereneingekochtwie Kirschen, Weichseln, Amorellen usw., dann kann obige Kur mit bestem Erfolge selbst im Winter vorgenommen werden.

Beiinnerer Hitzeleisten Erdbeeren im Sommer selbst Kranken die besten Dienste. Welch’ herrliches Refrigerans, d. i. kühlendes Labsal, kann dem Lechzenden damit gereicht werden!

Gries- und Steinleidendenwerden vielfach täglich gleichmäßige Portionen von Erdbeeren empfohlen.

Dasselbe gilt fürLeberleidende(täglich in verschiedenen Malen, bis zu zwei Schoppen) und für solche, die mit aus dem krankhaften Blute herrührendenAusschlägenbehaftet sind. (Morgens und nachmittags je einen Schoppen.)

Es ist merkwürdig, wie gerade diese Frucht von der Erde den Menschen so reichlich gereicht wird. Daß unser Verständnis und unsere Dankbarkeit der liebevollen Freigebigkeit ihres und unseres Schöpfers jederzeit entsprechen möchte!

Fenchel.(Foeniculum officinale All.)

Die Fenchelkörner dürfen in keiner Hausapotheke fehlen, da das Leiden, in welchem sie Hilfe schaffen, so gar häufig vorkommt; ich meine dieKolikmit ihrer Begleitschaft, den krampfartigen Zuständen. Schnell siede die Mutter einen Löffel voll Fenchel in einer Tasse Milch 5–10 Minuten lang und gebe den Heiltrank dem Kranken so warm wie möglich (nie zu heiß, daß man im Innern nichts verbrennt.) Die Wirkung ist meist sehr gut und sehr schnell. Die rasch sich verbreitende Wärme stillt die Krämpfe, die Kolik läßt nach und verschwindet.Äußerlichsoll, wie solches an anderer Stelle angegeben ist, ein warmer Aufschlag von Wasser und Essig (halb und halb) auf den Unterleib zu liegen kommen.

Fenchelpulver, wie Gewürz auf Speisen gestreut, vertreibt die Gase aus dem Magen und den unteren Regionen.

Das Pulverwird gewonnen, indem man Fenchelkörner im Ofenrohre röstet (dörrt) und in einer gewöhnlichen Kaffeemühle mahlt.

Fenchelölkauft man in der Apotheke.

Fenchel, als Augenwasser verwendet, klingt manchem Geheilten, der dies liest, nicht mehr neu. Man koche einen halben EßlöffelFenchelpulver ab und wasche mit dem Absud ungefähr dreimal des Tages die Augen aus.

Reinigender und stärkender noch wirken dieAugendämpfe.

Da ich bei jedem Kopfdampfe behufs Lösung im Innern stets ein, zum Mindesten ½ Löffel Fenchelpulver verwende, so ist eigentlich mit jedem Kopfdampf ein solcher Augendampf verbunden.

Ähnliche Wirkungen wie mit Fenchel erzielt man mitAnisundKümmel. Öfters werden zwei oder gar sämtliche drei Heilkörner miteinander vermischt, zusammen gemahlen und benützt.

Foenum graecum.

Von dem Samen (foenum graecum) des Bockshornklees (Trigonella foenum graecum) wird ein Pulver bereitet, das Vielen derjenigen, die meine Wassermittel gebrauchten, längst kein Fremdling mehr ist. Sie schätzen es und benützen es fleißig. Man habe keine Furcht, es ist ganz unschädlich.

Nach innen wirkt dasselbe, als Tee zubereitet, kühlend beihitzigen Fiebern.

BeiHalsleidenmit starken Hitzen im Halse dient derTeeals gutesGurgelwasser. Ein Kaffeelöffel des Pulvers reicht aus für eine mäßige Tasse Tee, die im Tage, (alle Stunden, auch öfter, ein Eßlöffel voll) getrunken oder zum Gurgeln verwendet wird.

Wasdie äußere Anwendungbetrifft, so istFoenum graecumdas beste von allen mir bekannten Mittelnzum Auflösen vonGeschwülstenundGeschwüren. Es wirkt langsam, schmerzlos, aber bis zum letzten Tropfen Eiter ausdauernd und gründlich. Man kocht ähnlich wie beim Leinsamen den bekannten öligen Brei, den man in kleine Linnentüchlein bringt und auflegt.

Beioffenen Füßenziehen solche Auflagen die sogenannten „Zuschläge“, d. i. die Entzündungen um die Ränder der Wunde aus und verhindern die Bildung desfaulen Fleischesoder gar einerBlutvergiftung. Diese letztere Anwendung empfehle ich der besonderen Aufmerksamkeit aller, denen solche Fußwunden recht viel Leid und Sorge bereiten.

Foenum graecumkauft man sich in der Apotheke.

HaferoderHaber. (Avena sativa L.)

Ein tüchtiges Sieden entzieht den Haferkörnern — auf gleiche Weise kannGerstebehandelt und gebraucht werden — die innewohnende Kraft. Solches Getränk, nahrhaft, leicht verdaulich, kühlend bei vorhandenen inneren Hitzen, ist fürRekonvaleszenten, die z. B. durch die Blattern, durch den Typhus und andere ähnliche Krankheiten übermäßig entkräftet und geschwächt wurden, ein vorzüglichesNährmittel, ein wahres Labsal. Wie oft bedaure ich es, daß man derlei armseligen Kreaturen, die doch vor allem neues, gesundes Blut brauchen, alle möglichen, nur nicht solche Getränke bereitet und bietet!

DieBereitungist einfach. Ein Liter Hafer wird 6–8mal mit frischem Wasser gewaschen, dann in zwei Liter Wasser so lange abgekocht, bis dieses zur Hälfte eingesotten ist. In den abgegossenen Absud rührt man 2 Löffel Honig und läßt die Mischung noch einige Minuten kochen.

Hagebutten.

Am Hundsrosenstrauch (Heckenrose,Rosa canina L.) pflückt die auf ihre Hausapotheke denkende Mutter nicht allein die schönen Rosen, sondern auch mit Fleiß die sogenannten Hagebutten, und zwar nicht allein zu Saucen, sondern auch zu Heilzwecken. Diejenige Hausmutter wird mit noch größerem Eifer ihren Garten und auch fremdes Eigentum durchmustern, die in der Familie ein Glied hat, das anGriesoder anNieren-undBlasenstein, diesen schrecklichen und schmerzlichen Übeln leidet. Sie weiß,Hagebuttenteelindert und reinigt die Nieren und die Blase.

Ich kenne einen hochbejahrten Greis, welcher in jüngeren Jahren viel an Gries und Stein gelitten hat und sich oftmals nicht zu raten und zu helfen wußte. Man riet ihm diesen Tee, und er gewöhnte sich mit solcher Vorliebe daran, daß abends beim Schlafengehen die seit Jahren übliche Tasse nie fehlen darf; sie ist ihm lieber als ein Glas des besten Weines. „Das sind meine Spirituosen,“ sagt er, „das ist das Öl, welches die bald ausgelaufene Maschine des alten Körpers täglich von neuem zum Gange ölt.“

Die Hagebutten werden ausgekernt, die Hülsen getrocknet und daraus der Tee bereitet.

Harz- oder Weihrauchkörner.

Wie die Kerze träufelt, so träufelt es manchmal aus der Rinde der Tanne oder der Fichte. Ein jeder, der zur Sommers- oder zur Herbstzeit in den Wald geht, kann dieses Träufeln gewahren. Wie hängengebliebene Tränen sehen diese Harzperlen aus, weiß wie Wachs, klar wie Honig, frisch wie Quellwasser.

Das Harz ist das Blut der Tanne, der Fichte, und wenn ein solcher lebenskräftiger Baum ins Fleisch hinein verletzt wird, so blutet er oft ganz gewaltig.

Dieses Harz, das so zäh klebt und dem Ansehen nach edle, kernige Stoffe enthält, muß gewiß eine besondere Kraft haben.

5–6 solcher erbsengroßen Harzkügelchen oder Harztränen, längere Zeit hindurch täglich eingenommen und geschluckt,kräftigen die Brustund wirken merkwürdig stärkend auf dieinneren Gefäße.

Ich kannte einen sehr schwächlichen Priester, der täglich ein größeres Quantum dieser harzigen Flüssigkeit zu sich nahm. „Diesem Kraftsyrup“, meinte er, „verdanke ich die Erstarkung meiner Brust.“

DieseHarzpillenkann derjenige, dem sie der nahe Wald nicht liefert, durchWeihrauchkörner weißer Sorteersetzen. Weihrauch ist ja auch nur ein feines Harz. 6–8 solcher Körner, auf längere Zeit täglich genommen, bilden eine gute Brustkur.

Die Angst vor Unverdaulichkeit dieser Harzsteinchen, wie sie eine hochgehende Phantasie befürchten möchte, soll dir nicht bange machen. Die Natur verarbeitet auch solcherlei Ware recht gut.

Heidelbeere.(Vaccinium myrtillus L.)

Um Jakobi herum gehen die Kinder so gerne in die Wälder. Die Heidelbeeren sind reif, eine Leibspeise für die jungen Springinsfelde. Auch alte Kinder lassen sich diese Beeren recht gut schmecken. In Großstädten auf den Obstmärkten sieht man die schwarzen Bekannten korbweise stehen; manches Studentlein denkt an vergangene schöne Jugendzeit, wo es mit der kleinen Schwester in die „Hoidlen“ — wie die Schwaben sagen — ging, und läßt sich von der Obstfrau für ein paar Pfennige die anheimelnden Schwärzlinge in die Tasche schütten.

Kein Haus sollte sein, das nicht eine gute Portion Heidelbeeren dörrt und fürs Jahr aufbewahrt. Sie sind zu gar Vielem nütze.

Man bringt Heidelbeeren, soviel man mit 2–3 Handvoll fassen kann, in ein Glas und gießt guten, echten Branntwein darauf. Je längere Zeit (selbst Jahre lang) die angesetzten Beeren stehen, d. h. je besser dieselben ausgezogen werden, um so schärfer wird und wirkt die Medizin solchen Beerengeistes.

Wer anleichten Diarrhöenleidet, nehme von Zeit zu Zeit einige getrocknete rohe Heidelbeeren, verkaue und schlucke sie. Sehr oft genügt dieses leichteste Mittelchen. Ich sah Badegäste in großen Badestädten, die, um unangenehmen Überraschungen auf dem Spaziergange vorzubeugen, von der erfahrenen und umsichtigen Hausfrau derlei „Diarrhöestillpillchen“ mit auf den Weg bekamen.

Heftiges, andauerndes Abweichen, mit großen Schmerzen verbunden, bei dem mitunter Blut abgeht, stillt einLöffelHeidelbeerbranntwein, genommen in ⅛ Liter warmen Wassers. Nach 8–10 Stunden kann man die gleiche Medizin nochmals nehmen. Eine dritte Repetition wird kaum mehr notwendig sein. Suche man in der Apotheke ein unschuldigeres und doch wirksameres Mittel!

Bei gefährlichenRuhrerkrankungenarbeitet derselbe Heidelbeergeist der äußeren Wasseranwendung (warme Aufschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib) von innen überaus wirksam entgegen.

Unter denTinkturenunserer Hausapotheke ist die Heidelbeertinktur dieersteundunentbehrlichste. Sie dient in all den oben bezeichneten Fällen und ist einer der wärmsten Freunde des Unterleibes. Die Dosis richtet sich nach dem Grade des Übels: die kleinste beträgt 10–12 Tropfen auf Zucker, die stärkere etwa 30 Tropfen, die stärkste und größte einen Kaffeelöffel, in warmem Wasser oder in Wein (6 Löffel voll) genommen.

Heublumen.

Zahlreiche mündliche und schriftliche Berichte haben mich belehrt, daß viele Leute nicht wissen, was sie sich unter „Heublumen“ vorzustellen haben. Was man in der Heilkunde unter diesem Namen versteht, ist bereits beimHeublumenfußbad(S. 40) erwähnt worden. An dieser Stelle möchte ich nur noch den Heublumen das Wort reden und im allgemeinen auf deren Verwendung hindeuten. Beibeginnender Blutvergiftung, beierfrorenen Gliedern, beikrampfhaften Unterleibserscheinungenu. A. haben mich die „angeschwellten“ (heißüberbrühten) Heublumen nie im Stiche gelassen.

BeiRheumatismus,Gicht, beiskrophulösen ZuständenleistenWickelundHemden, inwarmen Heublumenabsud eingetaucht, vortreffliche Dienste. Es verstände mich aber jener nicht recht, der bei den genannten Krankheitserscheinungen mit den Heublumenalleinauszureichen meinte. Die einzelnen Fälle im dritten Teile tun dies zur Genüge dar.

Holunder,schwarzer. (Sambucus nigra L.)

Dem Hause am nächsten stand in den guten alten Zeiten derHolunderbusch; jetzt ist er vielfach verdrängt und ausgerottet. Es sollte kein Wohnhaus geben, wo er nicht gleichsam als Hausgenosse in der Nähe wäre oder wieder in die Nähe gezogen würde; denn am Holunderbaum sind wirksam die Blätter, die Blüten, die Beeren, die Rinde und die Wurzeln.

Zur Frühlingszeit sucht die kräftige Natur manche Stoffe, die sich im Körper den Winter über angesammelt haben, zu entfernen.Wer kennt nicht diese Zustände, diesogenannten „Frühlingskrankheiten,“wie Ausschläge, Abweichen, Kolik und Ähnliches?

Wer durch eineFrühlingskurSäfte und Blut reinigen und verlegene Stoffe in leichter und natürlicher Weise ausscheiden will, der nehme 6–8Blätterdes Holunderbaumes, schneide sie klein, wie man Tabak schneidet, und lasse den Tee etwa zehn Minuten lang sieden. Dann nehme er in der ganzen Kurzeit täglich des Morgens nüchtern eine Tasse solchen Tees, eine Stunde später sein Frühstück.

Diesereinfachste Blutreinigungs-Teesäubert die Maschine des menschlichen Körpers in vortrefflicher Weise und ersetzt armen Leuten die Pillen und Alpenkräuter u. a., die in feinen Schachteln und Schächtelchen heutzutage die Runde machen und oft ganz sonderbare Wirkung tun.

Wie im Frühlinge, so kann diese Kur auch zu jeder anderen Jahreszeit vorgenommen werden. Selbst diegedörrten Blätterliefern guten Tee zur Auflösung und Reinigung.

Wer hat nicht schon von Holunder-Blütenzubereitete Kuchen (die schwäbischen sogenannten „Küchlein“) gegessen? Viele Leute backen dieselben gerade zu der Zeit, in welcher der Baum im weißen Frühlingsschmucke prangt, und sagen, diese Blütenkuchen schützen vor Fieber.

Ich kenne einen Ort, in den derSchüttelfrostsehr häufig Einzug hält. Dort sieht man im Frühling auf jedem Tisch diese Holunderblüten- oder Fieberkuchen. Spitzfindig und kritisch habe ich dies noch nie untersucht; die Leutchen mögen ganz ruhig bei ihrem Glauben bleiben; denn solche Kost ist gut und gesund.

Auch dieHolunderblüte reinigt, daran zweifelt niemand, und es wäre gut, wenn in jeder Hausapotheke eine Schachtel gedörrter Blüten aufbewahrt würde. Der Winter ist lang und es kann Fälle geben, in denen ein derart lösendes und schweißtreibendes Mittelchen überaus treffliche Dienste leistet. Schaden kann solcher Tee niemals bringen.

Bei Organismen, in welche dieWassersuchtEinzug halten, sich ansetzen will, treibt dieHolunderwurzel, als Tee zubereitet, so kräftig Wasser aus, daß sie kaum von irgend einem andern Medikament übertroffen wird. Dabei ist die Wirkung ganz schuldlos.

DieBeere, welche zur Herbstzeit häufig gekocht und als Brei, als Mus gegessen wird, wurde von den Alten hochgeschätzt als Blutreinigungsmittel. Meine selige Mutter hat alle Jahre 14 Tage bis 3 Wochen lang eine solche Holunderkur vorgenommen. Dieses war der Hauptgrund, weshalb unsere Altvordern noch vor 50 bis 60 Jahren mindestens ein paar Holunderbäume vors Hauspflanzten. Wie die hohen Herrschaften heutzutage zu der teuren Traubenkur wandern, oft nach fernen Ländern, so gingen unsere Eltern und Großeltern in die Kur zum Hollunderbaum, der sie in nächster Nähe so billig und oft viel besser bediente. — Vor mehreren Jahren kam ich in ein österreichisches Alpenland. Da sah ich zu meiner großen Freude auch den Holunderbaum noch in Ehren. „Ja daran,“ sagte mir ein alter Bauer, „lassen wir keine Beere zugrunde gehen.“ Wie einfach, wie rationell (vernünftig!) Die Vögel selbst, ehe sie ihre Herbstwanderung antreten, suchen noch überall den Holunderbaum auf, um ihr Blut zu reinigen und ihre Natur zur weiten Wanderung zu stärken. Wie schade, daß der Mensch alle diese Naturtriebe, „den gesunden Sinn“ vor lauter Kunst und Gekünsteltem nicht mehr fühlt und achtet!

Wird dieBeeremitZuckeroder bessermit Honig eingekocht, so dient diese Masse zur Winterszeit besonders solchen Leuten vorzüglich, die wenig Bewegung haben, die mehr zu ruhiger, sitzender Lebensweise verurteilt sind. Ein Löffel voll von solchem Eingekochten in ein Glas Wasser gerührt, gibt denherrlichsten Kühl-undLabetrunkab,reinigt den Magen, wirkt aufUrinausscheidungund günstig auf dieNieren.

Viele Landleutedörrendie Beeren. Verkocht man diese gedörrten Beeren zu Brei oder siedet man sie ab zu Tee oder ißt sie dürr, in allen Formen wirken sie sehr gut beiheftigem Abweichen.

Weil man sich an die überaus guten Dienste des Holunderbaumes, dieses treuen und früher so geachteten Hausfreundes, nicht mehr erinnerte, deshalb hat man denselben vielfach verworfen. Daß der alte Freund wieder zu neuem Ansehen kommen möchte!

Honig.

Die früheren Generationen behaupteten, junge Leute sollten ja nicht viel Honig essen, er sei für sie viel zu stark; den Alten dagegen „helfe er nochmals auf den Gaul“.

Ich habe den Honig vielfach verwendet und stets gefunden, daß er von vorzüglicher Wirkung ist. Er wirkt lösend, reinigend, stärkend.

AlsBeimischung zu Tee für KatarrheundVerschleimungenbenützt man den Honig seit langer Zeit.

Die Landleute verstehen es gut, füräußere GeschwüredieHonigsalbeanzuwenden. Wer nicht die Gewandtheit besitzt, solche Geschwüre mit Wasser zu behandeln, dem rate ich entschieden, vor jeder anderen Schmiererei nach diesem einfachen, unschädlichen und wirksamen Mittel zu greifen. DieBereitungisthöchst einfach. Man nimmt halb Honig, halb weißes Mehl und rührt die Mischung durch Zugießen von wenig Wasser gut durcheinander. Die rechte Honigsalbe soll ziemlich fest, nicht flüssig sein.

Auch nach innen wirkt der Honig bei verschiedenen kleineren Übeln heilkräftig.

Kleinere Magengeschwüresoll er rasch zusammenziehen, reifen und ausheilen. Ich würde nicht raten, den Honig rein, dagegen es sehr anempfehlen, den Honig mit einem passenden Tee vermengt zu nehmen. Ohne Beimischung wirkt dieser edle Extrakt zu stark; noch bevor er den Hals passiert, hat er diesen schon „rauh“ gemacht.

Wem dasSchluckenwegen Katarrh oder eines ähnlichen Uebels schwer geht, lasse einen Kaffeelöffel Honig in ¼ Liter Wasser aufkochen. Jeder Sänger hat so das herrlichste und süßesteGurgelwasser. Selbst wenn ein Tropfen hinunterrinnt, braucht man sich vor dem Magenverderben und Vergiften nicht zu fürchten.

Das reinigende und stärkendeHonig-Augenwasserist bekannt. Siede einen Kaffeelöffel Honig in ¼ Liter Wasser fünf Minuten lang; alsbald kannst du das Augenläppchen eintauchen.

Eines noch liegt mir am Herzen. Ich kenne einen Herrn von mehr als achtzig Jahren. Dieser bereitet sich seinenTischweintäglich selbst. Er gießt einen Eßlöffel echten Honig in siedendes Wasser und läßt dieses eine Weile kochen. Der Trank ist fertig; er soll gesund sein, kräftigen und vortrefflich munden. „Meine Gesundheit und meine Rüstigkeit in solchem Alter,“ meinte der Greis, „verdanke ich diesem Honigwein.“ Mag sein! Soviel kenne ich aus eigener Erfahrung (ich habe sehr vielHonigweinbereitet, sehr viel trinken sehen, selbst auch manchmal ein Glas getrunken): dieser Wein wirkt lösend, reinigend, nährend und stärkend. Nicht nur dem schwachen, auch dem starken Geschlechte würde so ein Trank alle Ehre machen. Ich denke dabei stets an denHonigmetder alten Deutschen. Diesem unverfälschten Biere schrieben sie, wie Tacitus erzählt, hauptsächlich ihre Gesundheit und ihr hohes Alter zu. Wer als echter Sohn urdeutscher Väter sich einmal also gestimmt fühlt, kann das Rezept dieses außer Gebrauch gekommenen Getränkes aufSeite 161finden.

Huflattich.(Tussilago farfara L.)

Der Schöpfer hat manches Kraut und manche Pflanze wachsen lassen, die man wenig achtet oder gar verachtet, so daß man eine Freude hat, einer solchen Pflanze einen Fußtritt geben zu können.Dieses Schicksal trifft auch den Huflattich, weil er gewöhnlich als das reinste Unkraut gilt. Wer aber diese Pflanze kennt, wird sie hochschätzen und als vorzügliches Hausmittel behandeln.

Zum Reinigen der Brust und zum Säubern der Lungen ist es sehr ratsam, Lattichtee zu trinken. Engbrüstigkeit und Husten kann recht leicht durch dieseeinePflanze gehoben werden, besonders wenn eine Anlage zur Schwindsucht vorhanden ist. Diese Blätter können, auf ein Tuch geheftet oder auch ohne dasselbe, auf die Brust gelegt werden. Sie ziehen die Hitze aus, hemmen Schwächen oder entfernen die Fieber. Vorzüglich wirken diese Blätter auf offene Geschwüre gelegt; sie nehmen die Hitze, den Zuschlag (Röte) und ziehen die schädlichen Stoffe nach außen.

Ganz besonders wirksam zeigen sich die Blätter bei offenen Füßen, wenn die Stellen blau und schwarz, stark entzündet sind; sie nehmen die Hitze und den Schmerz, und wiederholt aufgelegt sind sie ein ausgezeichnetes Heilmittel. Also bei hitzigen Geschwüren, bei Rotlauf, Gesichtsrose und ähnlichen Zuständen haben wir im Huflattich ein vorzügliches Mittel. Diese Huflattichblätter können auch im Schatten getrocknet, zu Pulver gerieben und als solches eingenommen werden; täglich zwei- bis dreimal jedesmal ein bis zwei Messerspitzen voll; dieses Pulver kann sogar in der Kost genommen werden.

Johanniskraut.(Hypericum perforatum L.)

Das Johanniskraut führte seiner großen Wirkungen wegen früher den NamenHexenkraut. Heutzutage sind seine Leistungen und es selbst ganz vergessen.

Dieses Heilkraut übt besonderen Einfluß aus auf die Leber; sein Tee ist ihr vorzüglichstes Heilmittel. Eine kleine Beimischung von Aloëpulver erhöht die Wirkung, die sich im Urin zeigt, der oft ganze Flocken unreiner Krankheitsstoffe mitschwemmt.

Kopfleiden, die von wässerigen Stoffen oder Verschleimungen im Kopfe, auch von zum Kopfe dringenden Gasen herrühren,Magendrücken, leichteVerschleimungen von Brust und Lungeheilt Tee von Johanniskraut in Bälde.

Mütter, denen kleineBettnässerviel Arbeit und Sorge bereiten, wissen von der stärkenden Wirkung solchen Tees manches zu berichten.

In Ermangelung von Johanniskraut wende man für all die genannten Zustände die Schafgarbe (Achillea millefolium L.) an.

Kamille.(Matricaria chamomilla L.)

Kamillenteewird bei Erkältungen, besonders wenn diese fieberartige Zustände begleiten, beiGrimmen(heftigem Leibweh),Krämpfen, starkenKongestionenusw. verwendet; dieKamillensäckchensodann, die trefflichen Wärmer bei verschiedenen Zuständen, sind in jedem Hause so liebe Bekannte, daß es überflüssig erscheint, darüber ein Weiteres zu sagen.

Kampher.(Laurus Camphora L.)

Die Anwendung von Kampher ist eine allgemein bekannte und geübte. Derselbe wirkt lindernd, erweichend, schmerzstillend.

Zur Verwendung kommt der Kampher im Kampherspiritus und im Kampheröl.

DerKampherspirituswird bereitet, indem man ein Stück Kampher, so groß wie eine Haselnuß, in einem viertel Liter Spiritus auflöst, und dient nuräußerlich zum Einreiben bei Quetschungen, Verrenkungen, rheumatischen und krampfhaften Zuständen. Viele benützen ihn zurStärkung und Kräftigung irgendeines Gliedes; sie tun vollkommen recht.

Kampher, in Baumöl, Salatöl oder Mandelöl so lange gerieben, bis er aufgelöst ist, gibt dasKampheröl. Es erweist sich als vortrefflich zuEinreibungenbeiRheumatismusund Rückenschmerzen und lindert die großen Schmerzen, welcheGichtartenund ähnliche Geschwülste und Verknorpelungen verursachen.

Kleie.

Wie unbegreiflich wir Menschen uns in manchen Stücken benehmen, das zeigt so recht, wenn auch nur in einem kleinen, unscheinbaren Punkte, die Behandlung der Kleie. Jede Dienstmagd wirft die Kleie den Schweinen vor, die Kleie, die, ich möchte sagen, gesündere und kräftigere Nährstoffe enthält als das Mehl selbst. Viel vernünftiger würde diejenige Hausmutter handeln, welche die nahr- und heilkräftige Kleie sorgfältig in selbsteigenen Verwahr nähme und dieses edle, nahrhafte und gesunde Heilmittel ihren schwachen Kindern gönnte.

Schwächlingen,RekonvaleszentenundKindernist nichts lieber als leichtverdauliche Speisen. Was die schwächste Natur noch verarbeiten kann, ist einAbsud der Kleie, gleichsam der Extrakt der Frucht selbst.[24]

Man nehmeWeizen-oderKornkleieund koche sie drei Viertelstunden in heißem Wasser. Dann presse man die Kleie aus,mische in den Absud Honigund lasse die Mischung nochmalseine Viertelstunde aufkochen. Von dem fertigen Kleientrunke nehme der Patient zweimal im Tage je einen Viertelliter. Semmelbrot, das er in den süßen Saft taucht, wird ihm sehr gut schmecken.

FürKinderundalte Leuteweiß ich kaum einen besseren Trank; mit Dank werden dieselben stets dieses Labsal begrüßen.

Daß wir alle doch wieder einfacher, genügsamer, natürlicher zu werden strebten! Gott gebe es; viel hängt davon ab!

Knochenmehl.[25]

Von diesemKnochenkohlenpulverbereite ich mir stets drei Sorten. Dieerste Sorteist das sogenannte

a) Schwarze Pulver.

Ich nehme gesunde Knochen eines gesunden, geschlachteten Stückes Vieh und setze dieselben so lange der Glühhitze aus, bis die Knochen zu Kohle verbrannt sind. Diese schwarzen Knochenkohlen werden fein zerstoßen, und das überaus einfache und unschädliche schwarze Pulver ist fertig.

Alszweite Sorteverwahre ich das sogenannte

b) Weiße Pulver.

Ich brenne die Knochen wie Kalk, d. h. so lange, bis sie das Aussehen haben wie frischgebrannter Kalk. In der Tat habe ich ja auch der Hauptsache nach Kalk vor mir; denn die beigemengten Salze oder anderen Stoffe bilden bei weitem den kleinsten Teil. Die verkalkten Stoffe werden wieder pulverisiert, d. h. zu Pulver zermalmt, und ich habe ein Pulver, welches das Ansehen hat wie Kreidemehl, das sogenannte weiße Pulver.

Einedritte Sortenenne ich das

c) Graue Pulver.

Ein Teil weißes Pulver, ein Teil schwarzes Pulver, ein Teil zerstoßener weißer Weihrauchkörner dürften in der Farbenmischung ungefähr auf grau herauskommen. Daher der Name.

Wer meine Bemerkungen zu der Rubrik „Kreidemehl“ gelesen hat, wird verstehen, weshalb das Knochenkohlenpulver in meiner Hausapotheke eine Rolle, und zwar eine sehrwichtige Rollespielt.

Nachschweren Krankheitenundbei Patienten, die recht geschwächt, an Kräften tief heruntergekommen sind, ist die Wirkung am auffallendsten. Ich selbst konnte manchmal mein Staunen nicht unterdrücken.

Unklar könnte erscheinen, weshalb ichdrei verschiedene Pulvervon denselben Knochen bereite. Die drei Arten des Knochenkohlenpulvers entsprechen verschiedenen Arten der Schwäche, an welcher die Patienten leiden.

Rekonvaleszenten, die eineKräftigung des Gesamtorganismusnotwendig haben, selbstKinder, die wie verkümmerte Waldbäumlein einelendes Daseinfristen und, man weiß nicht warum, mit den Jahren doch nicht an Kraft zunehmen (hieher zählen besonders dieKinder, welche an der sogenanntenEnglischen Krankheitleiden), bekommen dasschwarze Pulvertäglich in Wasser oder in der Speise, ein bis zwei Messerspitzen.

Patienten, bei denen ich sehe, daß die Maschine nur langsam und träge arbeitet, daß es mit der Verdauung und Blutbildung schlecht bestellt ist, daß manche Bestandteile des Körpers nur karg und unregelmäßig das bekommen, was sie zum Wachstum, zum Ansatze notwendig brauchen, daß insbesondere dasKnochengerüstewie ein baufälliges Mauergerüst wackelt und am Zusammenbrechen ist, solche bekommen dasweiße Kalkpulver. Wie die Mutter dem ganz Kleinen Mehlbrei gibt, der dem noch zahnlosen Milchkindlein mund- und magengerecht ist, so bediene ich sozusagen die armen, hungrigen Knochen mit Knochenmehl, auf daß sie einzeln und im Ganzen wieder zusammenhalten.

Wie die Beimischung des Weihrauches besagt, wird dasgraue Pulverinsbesondere denjenigen Patienten oder Rekonvaleszenten verabreicht werden, bei denen dieinneren Gefäße in großem Schwächezustandesind.

Nun hast du, lieber Leser, das Geheimnis vom schwarzen, weißen und grauen Pulver, von dem viele, sehr viele Patienten zu erzählen wissen, und worüber schon so viel geraten und disputiert worden ist. Glaube mir, durch diese Pulver allein hätte ich ein reicher Mann werden können! Ich verabscheue und verurteile im Prinzip die Geheimmittelei und stimme vollkommen jenen bei, welche dieselbe als Pfuscherei und Quacksalberei brandmarken und verdammen. Meine Mittel brauchen das hellste Tageslicht nicht zu scheuen. Jeder prüfe und wähle das Beste!

Kohlenstaub.

Kohlenstaub wird stets aus Holzkohle bereitet. Den feinsten und besten liefert dasLindenholz, den selbst manche Apotheker bereiten. In Ermangelung von Lindenholzkohlen reicht jedeHolzkohleaus. Jefrischersie ist, destobessere Dienstetut sie. Die frischeste Kohle ist die soeben aus dem Feuer geholte. Zerdrücke sie fein und du hast den oben genannten Kohlenstaub!

Nach Krankheiten, in denen dieVerdauungsorganeschwer gelitten haben, erleichtert diese unsere Kohle die Arbeit um ein gutesStück. Es klingt vielleicht sonderbar, aber es ist so. Am leichtesten nehmen solche Rekonvaleszenten den Kohlenstaub in Milch mit etwas Zucker. Das Quantum darf täglicheinen mittleren Eßlöffelausmachen und auf einmal oder in zwei Malen genommen werden.

Auszehrendedürfen täglich im ganzen zu verschiedenen Zeiten zwei Schoppen Milch trinken und in jeden Schoppen (Glas) einen Löffel Kohlenstaub mischen.

Besondere Wirkung erzielt man beiLeberkrankheiten. Das Pulver werde wieder in Milch genommen.

Aufalle eiternden, netzenden Geschwüregepudert, täglich ein- bis zweimal, saugt der Kohlenstaub auf und befördert und beschleunigt durch diese Auftrocknung dieNeubildung der Haut.

Kreidemehl.[26]

Wer hat nicht schon gesehen, wie nicht allein die Hühner, sondern auch andere Haustiere Körnchen von Kalk oder Mörtel verschlucken? Und wer hat nicht schon gehört, wie es notwendig geworden ist, vor manchem Kinde die Schulkreide zu verstecken, weil es sonst dieselbe entwendet und mit leidenschaftlichem Behagen das Stück wie Zucker zerbeißt und ißt?

Sollte die Kreide bei manchen Zuständen dem Menschen in der Tat dienlich sein?Obige Vorkommnisse mahnen zu reiflichem Nachdenken. Ich habe Kreidemehl in großen Quantitäten selbst angewendet und viele es anwenden lassen. Die Erfolge waren ganz merkwürdige, d. i. überaus günstige.

Die Kreide enthält Kalk, Schwefel und andere Stoffe oder sagen wir lieber Baumaterialien, welche der menschliche Körper notwendig braucht, insbesondere zum Bau des Knochengerüstes, dieses herrlichen und kunstfertigen Baues des tüchtigsten Baumeisters.

BeiSchwächlingenkönnte der Bau mißraten oder an Festigkeit einbüßen; es fehlt ihnen gleichsam der gute Kalk, der alles andere, Sand und Steine, bindet.

Diesen, selbstKindern, dierecht schwachsind, gebe ich Kreidemehl, täglich eine Messerspitze in Wasser oder in der Speise. Da das Mehl geschmack- und geruchlos ist, nimmt man es sehr leicht.

Wer anschwacher Verdauungleidet, wer überhaupt bei aller Pflege nicht recht wachsen oder gedeihen will, probiere einmal täglich das oben angegebene Quantum Kreidemehl.

„Hier ist gegypst,“ ließ Franklin mit solchem oder wenigstens ähnlichem Kreidestaub auf ein herrlich prangendes Kleefeld in großenLettern schreiben. „Bei diesem oder jenem wurde gekreidet,“ könnte ich von vielen Patienten sagen, die mir unter die Hände geraten sind.

Vor allen anderen Kranken empfehle ich diesen weißen StaubBleichsüchtigen, die jeden Tag nicht eine, sondern zwei Messerspitzen — die eine in der Frühe, die andere abends — nehmen sollen. Ihr Weiß wird dieses Weiß bald wieder ins gesunde, lebensfrische Rot verwandeln.

Wirksamer noch als Kreidemehl ist Knochenmehl.

Kümmel(Carum Carvi L.)

siehe oben unter „Fenchel“ S. 128.

Lavendel,Spike(Lavandula vera DC.)

siehe unten S. 147 bei „Spiköl“.

Lebertran.

Ein tüchtiger Militärarzt tat mir gegenüber einst den Ausspruch: „Mit Lebertran wird großer Unfug getrieben, und schlechter Lebertran hat oft schon recht bittere Folgen nach sich gezogen. Es gibt Inseln, dort wirkt er bei skrofulösen Zuständen. Sonst aber verachte ich ihn.“

Niemand ist an dieses Urteil gebunden. Ich für meine Person verwende denselben nie. Als Heilmittel gilt er mir nicht, und da ich schlechten Lebertran als Nährmittel fürchte, gebe ich zur Nahrung anderes, welches das reichlich ersetzt und bringt, was Lebertran bringen soll.

Leinsamen.(Linum usitatissimum L.)

Die Leinsamenumschläge oder Aufleger sind allbekannt und allgemein in Übung. Mit denselben erzielt man ähnliche Wirkung (kühlend, aufweichend, lösend, ausziehend) wie mitFoenum graecum. Ich gebe letzterem den Vorzug, da es mit mehr Kraft und Energie den Feind angreift.

Lindenblüten.(Tilia grandifoliaundparvifolia Ehrh.)

Fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so beliebten Lindenblüten. Sie haben ganz recht und mögen nur treu und konservativ bleiben.

Der Lindenblütentee ist neben dem Holunderblütentee der bekanntesteSchwitztee. Über das Schwitzen, wie es in der Regel betrieben, vielmehr dem mißhandelten Körper ausgepreßt wird, habe ich meine für dasselbe nicht günstigen Sonderansichten. Dagegen verwende ich die Blüten sehr gerne für die den Schweiß erzeugenden und das Schwitzen ersetzenden Dämpfe.


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