Das Theater war ein Ereignis im Städtchen. Man begrüßte es immer mit großer Freude und besuchte es jeden Abend. Von den Juden ging nur die Jugend ins Theater. Die Alten und Frommen besuchten es nie, ließen aber die Jugend gewähren und schwiegen weise dazu.
Da wir zu den Wohlhabendsten des Städtchens gerechnet wurden und sehr viele Gegenstände geliehen hatten, so überließ man uns mehrere Plätze. Wir gingen fast jeden Abend dorthin in großer, lustiger Gesellschaft und amüsierten uns köstlich.
Wir hatten in dieser Zeit viel Besuch; an den drei täglichen Mahlzeiten nahmen bis fünfzehn Personen teil. Dabei wurde streng auf »Koscher« geachtet; Milch- und Fleischgeschirr waren voneinander geschieden sowohl im Gebrauch, wie auch beim Abwaschen.
Am Freitag abend wurden nach dem jüdischen Gebrauch für jeden Herrn zwei ganze Brote (»Challes«) zur »Mauze« seinem Gedeck beigelegt; und die Zahl der Herren in jenen lustigen Wochen war nicht gering... da gab es viel zu tun!
Marie blieb einige Wochen bei uns und verließ uns sehr entzückt über die gastfreundliche Aufnahme. Die Solidarität zwischen den Angehörigen einer Familie gehörte zu den größten Tugenden, die sogar unter dem Einflusseder ganzen Sturm- und Drangperiode, die so manche gute Sitte des jüdischen Familienlebens zerstörte, bestehen blieben, wenn auch nicht in dem hohen Maße wie vorher. Wie alle Ethik bei den Juden, wurzelte sie in den religiösen Gesetzen, in denen es heißt: »Du sollst dich deinem Blute nicht entfremden.«
Und so blieb Kathy, da sie wegen des Krimkrieges nicht zu Haus bleiben konnte, vierzehn Monate unser Gast — lange, lange Monate, in welchen die arme Frau viel Leid und Kummer durchgemacht hat.
Tage und Wochen vergingen. Ihre Niederkunft stand nahe bevor. Die Großmutter meines Mannes, von deren ärztlichen Kenntnissen und Fähigkeiten ich ausführlich gesprochen habe, erbot sich, zu uns nach Luben herüberzukommen. Im November erhielten wir die Nachricht, daß die opferwillige Frau auf dem Wege zu uns war. Der böse Zufall wollte es, daß nicht Frost und Schnee, wie sonst um diese Zeit in Rußland, sondern regnerisches Wetter herrschte, und statt einer bequemen, schnellen Fahrt im Schlitten mußte die alte Frau den beschwerlichen Weg in der »Postkibitka« machen, einer höchst primitiven Kutsche ohne Federn. Nach zweitägigen Reisestrapazen langte sie bei uns an, ermüdet und erschöpft. Zum Glück war sie in einen Riesenpelz gehüllt, der sie vor Erkältung bewahrte.
Der neue Familiensprößling ließ nicht lange auf sich warten. Es war ein Sohn. Nach dem Briß reiste die Großschwiegermutter fort. Kathy erholte sich allmählich, wir kehrten zu unserm normalen Leben zurück. Nach wie vor verging keine Mahlzeit ohne Gäste. Der Keller und der Geflügelhof waren stets voll und boten den Gästen dieschmackhaftesten Leckerbissen. Das Geflügel war in Luben zu jener Zeit sehr billig. Ich glaube, es ist nicht ohne Interesse die damaligen Preise anzuführen: es kostete ein Truthahn 15 Kop. = ca. 35 Pf., eine Gans 30 Kop. = 65 Pf., ein großes fettes Huhn 30 Kop. = 65 Pf.
Das Jahr 1855. Eine wichtige Epoche für das russische Reich, die Epoche des Krimfeldzuges. Die Zeitungen, die dreimal in der Woche nach Luben kamen, brachten unaufhörlich die schrecklichsten Nachrichten vom Kriegsschauplatze. Eine Niederlage folgte der anderen. Die russische Armee, in der der unglaublichste Wirrwarr herrschte, hatte viele Schwierigkeiten, denen sie nicht gewachsen war, zu überwinden, wie den Transport des Militärs, der Munition, des Proviantes. In den endlosen Steppen der Krim fand man im Frühjahr so manche Militärabteilung, die im Winter zu Fuß nach dem Kriegsschauplatze befördert worden war, vom Schneesturm verschüttet, erstarrt, erfroren. Der russische Adel, die Gutsbesitzer und die Kaufmannschaft rüsteten ganze Regimenter auf eigene Kosten aus, die »Ratniki« genannt wurden. Aber es waren nur undisziplinierte, ungeschlachte Bauern, die man auf dem Kriegsschauplatze nur als Kanonenfutter verwerten konnte.
Wenn einmal die russische Armee ausnahmsweise einen Sieg davontrug oder ein General wie Malakoff auf eine geniale Idee verfiel[7], so war es nur ein momentaner Triumph,der die vollständige Niederlage nicht verhindern konnte. Es war nicht nur ein Kampf feindlicher Heere, sondern der Kampf zweier Systeme; und der Sieg gehörte dem neuen, besseren, vervollkommneten, das alle Errungenschaften der europäischen Kultur in den Kampf begleiteten.
Die Stimmung im russischen Volke wurde immer düsterer. Nur denen, die schon längst im stillen gegen das bisherige Regime murrten, war diese Niederlage eine traurige Genugtuung. Denn nur durch äußere Erschütterungen, glaubten sie, könnte das gewaltige Reich von seinen Schäden geheilt werden.
Im April wurde ich wieder Mutter. Mein Söhnchen erhielt den Namen Simon. Ich erholte mich sehr rasch.
Der Frühling kündigte sich in diesem Jahre mit ungewöhnlicher Hitze an. Und dazu brachten die Zeitungen die Schreckensnachricht, daß auf dem Kriegsschauplatz und in seiner Umgegend die Cholera zu wüten anfinge, und sie mahnten die Bevölkerung zur Vorsicht im Essen und Trinken.
Ich hatte von dieser Krankheit nur eine dunkle Erinnerung von meiner Kindheit her. Eine furchtbare Angst packte mich, so daß keine Vernunftgründe imstande waren, mich zu beruhigen. Wie ein Gespenst verfolgte mich der Gedanke an die Seuche. Er wurde zu einer Zwangsvorstellung, von der ich mich gar nicht befreien konnte. Meine Gesundheit litt sehr darunter. Melancholisch, niedergeschlagen ging ich im Hause umher.
Und nun wollte das trotzige Schicksal, daß ich in nahe Berührung mit der schrecklichen Krankheit kommen sollte.— Es war gegen Ende Mai, als wir von der Tante meines Mannes eine Einladung erhielten, sie in Kremenschuk, wo sie wohnte, zu besuchen. Wir nahmen unser ältestes Kind Lise mit auf die Reise nach dem Süden. Wir wurden dort mit großer Freude empfangen. Am vierten Tage unseres Aufenthaltes versammelten sich viele Verwandte und Bekannte, um mich, die angeheiratete Nichte, kennen zu lernen. Es war sehr lustig, und die Zeit verging uns auf die angenehmste Art. Am nächsten Morgen trat die Tante zu uns ins Schlafzimmer und kündigte uns an, daß die Seuche schon in Kremenschuk eingezogen sei, und mit Tränen in den Augen erzählte sie, daß manches Mitglied der gestrigen munteren Gesellschaft sich nicht mehr unter den Lebenden befinde. Mein Entsetzen war grenzenlos. Wir rafften unsere Sachen zusammen, und in einigen Stunden verließen wir traurig und tief erschüttert die Stadt.
Auf der ersten Poststation ließ man uns nicht mehr ins Wartezimmer hinein. Wir vernahmen von dorther das Stöhnen und Schreien eines in Schmerzen sich krümmenden Cholerakranken. So mußten wir für die Nacht draußen im Freien lagern. Es war eine Juninacht, warm und kurz. Um zwei Uhr morgens ging die Sonne auf. Doch uns kam diese Nacht wie eine Ewigkeit vor. Meine Angst und Beklommenheit steigerten sich noch, als mein Töchterchen Lisenka über Magenschmerzen zu klagen anfing. Mit zitternden Händen gab ich dem Kinde Medikamente, die wir von der Tante mitgenommen hatten. Gegen hohes Entgelt erhielt ich von den Bauern ein wenig warmes Wasser, womit ich dem Kinde Pfefferminztee bereitete, und bangenden Herzens erwartete ich den kommenden Tag. Endlich bekamen wir Pferde undsetzten die Reise fort. Das Kind fühlte sieh besser. Die Schmerzen ließen nach, und als wir abends zu Hause eintrafen, war es wieder ganz munter.
In Luben erfuhren wir, daß die Cholera auch hier bereits wütete. Der Arzt kam und verordnete strenge Diät. Noch an demselben Abend erkrankte meine Schwester ganz unmittelbar und plötzlich, nachdem sie noch einige Augenblicke vorher an der Abendmahlzeit teilgenommen hatte. Ich war vor Angst einfach wie besessen, brach zusammen und mußte ins Bett gebracht werden. — Meine Schwester genas. Aber ihr Kindchen, das sie selber nährte, steckte sie an, und es starb nach einem Tage furchtbarer Schmerzen.
Die Seuche verbreitete sich von Sebastopol über das ganze Land mit Riesenschritten, und tausende Menschen fielen ihr zum Opfer. Und es waren gar viele Verwandte und Freunde dabei.
Kein Wunder! Es konnte bei den damaligen hygienischen Verhältnissen nicht anders sein, bei dem vollkommenen Mangel aller Vorsichtsmaßregeln. Wie günstig mußten die Bedingungen für die Verbreitung der Cholera in denfünfzigerJahren des 19. Jahrhunderts gewesen sein, wenn noch jetzt, 1908, die Cholera den ganzen Sommer, Herbst und bis spät in den Winter hinein wütet und ihr so viele Menschen wie Fliegen auf der Straße zum Opfer fallen. Und doch liegt ein halbes Jahrhundert dazwischen, ein Zeitraum, in welchem gerade die westeuropäische Kultur nach dieser Richtung so große Fortschritte gemacht hat. Aber zwischen Westeuropa und Rußland besteht eine strenge Grenze, und der Fortschritt schleicht sich in Rußland nur auf Schmugglerwegen ein: St. Petersburg besitzt noch heute keine Kanalisation,und das Volk glaubt nicht an die kleinen verderblichen Bakterien, die im klaren Wasser leben sollen.
Nicht ohne Interesse ist es, daß unter den Juden die Epidemie ungleich weniger verbreitet war als unter der übrigen nichtjüdischen Bevölkerung. Ihr Leben war durch das Gesetz geregelt, war einfacher und entsprach mit seinen zahlreichen Waschungen, den strengen Speiseverboten wesentlich mehr allen hygienischen Forderungen.
Ich selbst litt furchtbar, wurde immer schwächer und lag tagelang apathisch und melancholisch zu Bett. Mein Gemüt war unter dem Eindruck der letzten Erlebnisse erschüttert.
Und so kam der Juli. Eines Tages erhielt meine Schwester die frohe Nachricht von der Ankunft ihres Mannes. Wir freuten uns alle herzlich auf sein Kommen; und diese freudige Erwartung brachte einen freundlichen Schein in unser so düsteres Leben. Während der Anwesenheit unseres Schwagers Abraham Sack, der ein munteres, heiteres Wesen besaß, verlor sich meine Schwermut ein wenig, und ich atmete freier auf. In den zehn Tagen seines Aufenthaltes bei uns führten wir alle unser altes normales Leben. Er verreiste voll Hoffnung auf eine Besserung seiner materiellen Verhältnisse. Mit ihm verließ die Freudigkeit wieder unser Haus. Ich verfiel von neuem in trübe, melancholische Stimmung. Meine Schwester blieb zurück und wartete weiter und harrte von Tag zu Tag, von Woche zu Woche auf Nachrichten. Sie litt unsäglich und fürchtete schon das Schlimmste. Aber Gott hat Erbarmen. Je größer die Not, um so näher die Hilfe. Der langersehnte Brief kam an. Er war an mich adressiert und enthielt ein Schreiben fürmich, ein zweites für Schwester Kathy. Mein Schwager berichtete von der glücklichen Wendung in dem Gange seiner Geschäfte, die ihm nunmehr endlich gestatteten, seine Frau wieder zu sich zu nehmen. Unsere Freude hatte keine Grenzen. Wir jauchzten den ganzen Tag vor Glück, und meine Schwester vergoß Tränen der Rührung und Dankbarkeit. Ich half ihr beim Packen, und in kurzer Zeit war sie zur Abreise fertig. Ich begleitete sie mit meinem Mann bis nach Poltawa, wo wir ihr halfen, eine elegante Equipage mit drei guten Pferden zu kaufen, einen Kutscher und eine jüdische Köchin mieteten und sie sodann weiterbeförderten.
Meines Schwagers Hoffnungen hatten sich erfüllt. Er war ein reicher Mann geworden. Das war eine der großen Schicksalswendungen, die das Kriegsjahr 1855 mit sich brachte, das Jahr, in dem das launische, verschleierte Weib Fortuna das Rad der Menschenschicksale in Rußland in rascherem Tempo rollen ließ und mit einem mächtigen Stoß alles Obere zu unterst, alles Untere zu oberst kehrte.
Meines Schwagers Genius führte ihn immer höher und höher, sein Selbstvertrauen gab ihm Beharrlichkeit in seinen Bestrebungen. Und auch die Zeit war günstig. Alexander II. hatte den Thron bestiegen. Eine neue Ära war angebrochen. Tüchtige und ehrliche Menschen konnten sich jetzt in Rußland auf allen Gebieten betätigen. —
— Wir blieben in Luben bis 1859. In diesem Jahre übernahmen die drei großen »Otkupscheriki« — der Großvater und der Vater meines Mannes und Herr Kranzfeld — die Konzession auf die Akzise des Branntweinmonopols — eine Pachtung, die sich auf das ganzeGouvernement Kowno erstreckte. In diesem Unternehmen erhielt mein Mann einen hohen Posten. Er wurde Chef des Bureaus.
Mein Wanderlied konnte ich wieder singen. — Wir liquidierten unser Geschäft in Luben, packten unser Hab und Gut zusammen und gingen nach Kowno.
Ehe ich aber von meinen weiteren persönlichen Lebensschicksalen weiter erzähle, will ich zuerst noch einmal vom Jahre 1855 sprechen, das nicht nur im Leben ganz Rußlands, sondern speziell für die Juden den Beginn einer neuen Epoche bedeutet. Es ist das Jahr der Thronbesteigung Alexanders II.
Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht! Die Sonne ging golden auf und weckte mit ihren erwärmenden Strahlen alle verborgenen Keime zur Blüte und zum Leben: Alexander II. bestieg 1855 den Thron. Dieser edle, feinsinnige Fürst gemahnte an die Sprüche des königlichen Psalmensängers (Ps. CXIII, 7, 8 und PS. CXVIII, 22):
»Er richtet empor aus dem Staube den Armen, aus dem Kehricht erhöht er den Dürftigen, daß er ihn setze neben die Edlen, neben die Edlen seines Volkes.Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden.«
»Er richtet empor aus dem Staube den Armen, aus dem Kehricht erhöht er den Dürftigen, daß er ihn setze neben die Edlen, neben die Edlen seines Volkes.
Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden.«
Alexander II. hat diese Worte tatsächlich in Erfüllung gebracht, indem er hochherzig 60 Millionen leibeignerBauern vom Frondienste befreite und auch uns Juden die drückendsten Fesseln löste. Er öffnete uns die Tore seiner Residenzen, so daß ein Schwarm jüdischer Jünglinge sich in die Hauptstädte ergoß, um an den Universitäten den Durst nach westeuropäischer Bildung zu stillen.
In dieser glänzenden Periode geistiger Blüte durfte und konnte sich der geknechtete Geist der Juden wieder nach Herzenslust recken und strecken. Der Jude nahm jetzt an der freudigen Aufregung des großen Volkes teil, an dem Aufschwunge der schönen Künste, an der Entwicklung der Wissenschaften und trug damit sein Scherflein zu dem geistigen Gut des Landes bei. Die Wirkungen der Reform der vierziger Jahre zeigten sich bereits nach zwei Dezennien. Es gab da schon eine Reihe jüdischer Professoren, Ärzte, Ingenieure, Schriftsteller, Musiker, Bildhauer, die auch im Auslande Anerkennung fanden und ihrem Lande Ehre machten.
Für die Emanzipation der Juden in Rußland sind Generalgouverneur von Neurußland und Bessarabien Graf Alexander Strogonow und Generalgouverneur von der Krim Graf Woronzow in den Jahren 1856-1858 energisch eingetreten[8]. Sie äußerten ihre Meinung in der Antwort auf die Anfrage der eingesetzten Kommission (der Vorsitzende dieser Kommission war Graf Kisselew) zur Lösung der Judenfrage in Rußland wie folgt:
»Wenn die Juden auf das einheimische Volk einen schlechten Einfluß ausüben sollten, so ist es doch nicht ratsam, sie im Nordwesten Rußlands, auf dem kleinen Teildes Einheimischen zu lassen. — Unserer Ansicht und Erfahrung nach wäre es doch rationeller, diese wenigen Millionen Juden Rußlands auf das ganze große Reich zu verteilen und sie damit unschädlich zu machen. Ich bin auch nicht weit von der Meinung entfernt, daß unser einheimisches Volk von den Juden so manches Gute, wie den Handel und die Enthaltsamkeit vom Trinken, Bescheidenheit im Essen, lernen könnte. — Es ist unrecht, unserer Meinung nach, diesem historisch ältesten Volke alle Rechte zu rauben, die das einheimische Volk besitzt, und zu gleicher Zeit alle Pflichten zu fordern, Geld und Menschenmaterial zum Schutz und Trutz des Landes gegen die Feinde aufzubieten! Nicht mit Strenge kann und soll man Fehler eines Volkes aus dem Wege schaffen. Wir wollen wie die westeuropäischen Staaten den Juden erst die Gleichberechtigung geben, dann wird ihr angeblich unmoralisches Wesen sich bessern können. Die Befreiung vom Drucke, vom Elend wird schneller wie alle repressiven Mittel helfen. Sie sind von allen höheren Ämtern im Lande ausgeschlossen, so müssen sie notgedrungen zum Handel greifen, manchmal auch zum Betruge. Daß sie aber fleißig, befähigt, beharrlich in ihrem religiösen alten Glauben sind, kann niemand leugnen.« Die Kommission antwortete, daß sich in den westeuropäischen Staaten viel weniger Juden finden als in Rußland; auch wären sie viel gebildeter. Hier habe man noch Schwierigkeiten, den Juden die Bildung beizubringen.
Die Entwicklung der Dinge brachte es mit sich, daß die Juden auch auf dem Gebiete des Handels und der Industrie einen ungeahnten Einfluß gewannen. Niemals vorher und nachher kannten die Juden in St. Petersburg ein soreiches und vornehmes Leben wie damals, da die Finanzgeschäfte in den Residenzen zum guten Teil in ihren Händen lagen. Es entstanden jüdische Bankhäuser. Es wurden Aktiengesellschaften gegründet, die Juden leiteten. Die Börsen- und Bankgeschäfte nahmen unerwartete Dimensionen an. Hier auf der Börse fühlte sich der Jude in seinem Element. Die Börse schuf oft über Nacht reiche Leute. Aber auch so mancher stürzte in die Tiefe. Diese Art geschäftlicher Tätigkeit war in Rußland etwas Neues. Von den Juden aber wurde sie geradezu genial erfaßt, selbst von denen, deren Erzieher nur der Talmud gewesen. —
Gegen Ende der fünfziger Jahre erfuhr das alte Branntweinmonopol »Otkup« eine Einschränkung, die zugleich in mancher Beziehung eine Verbesserung war. Hatten sich seit Beginn des vorigen Jahrhunderts viele Kaufleute, Juden, Russen und Griechen, an diesem Geschäft bereichert, so entwickelte sich jetzt das Akzisesystem, das in dem vollständigen Branntweinmonopol der Regierung landete. Schon die Einführung der Akzise machte das Geschäft für die Unternehmer unlohnend. Mit dem Monopol der Regierung hörte die Privatinitiative vollständig auf. Da wandten die jüdischen Kaufleute ihr Kapital anderen Erwerbszweigen zu und entwickelten eine große Tätigkeit besonders auf dem Gebiete der Eisenbahnkonzessionen. Hier fand ihr nüchterner und reger Geist ein dankbares Feld. Großer Gewinn belohnte ihre Mühe und brachte große Kapitalien in ihre Hände. Die völlig neue Beschäftigung erheischte freilich eine Lebensweise, die von der altgewohnten bedeutend abwich. Die jüdische Religion und die Tradition kamen ins Gedränge. Mit dieser Tätigkeit ließ es sich eben kaum noch vereinen, daß die jüdischenAngestellten wie einst das Studium des Talmuds pflegen und alle religiösen Vorschriften getreulich beobachten konnten. Die Bezeichnungen »Akzisnik«, d. h. ein beim »Otkup« oder bei der Akzise Angestellter, und »Schmin-Defernik«, das ist ein Angestellter beim Bahnbau (chemin de fer), waren gleichsam Spitznamen geworden. Und die altjüdische Gesellschaft mußte die Nichtbeachtung der überlieferten Gebräuche bei diesen jungen Leuten ebenso dulden wie bei den jüdischen Bankbeamten, die den Sabbath und die Feiertage zu ignorieren gezwungen waren und auch nichteineStunde mehr am Tage dem Talmud widmen konnten und — wollten.
Ein Volksliedchen gibt diesen Zuständen humoristischen Ausdruck:
Un akzisne junge LaitSainen varschait: (ausgelassen,liederlich)Golen (rasieren) die BärdelachUn reiten auf FerdelachGeihen in GaloschenUn essen ungewaschen.
Un akzisne junge LaitSainen varschait: (ausgelassen,liederlich)Golen (rasieren) die BärdelachUn reiten auf FerdelachGeihen in GaloschenUn essen ungewaschen.
Aus dieser Zeit stammt auch ein Scherzlied Michael Gordons: »Ihr seid doch Reb Jüd in Poltawa gewesen«, das in einer launigen Melodie bald weit über die Grenzen Rußlands bekannt wurde.
»Zwei Dinge kann ich gewiß sagen: ich un mein >Dor< (Generation) wellen gewiß als Juden leben und sterben; unsere Einiklach (Enkel) wellen gewiß nicht als Juden leben und sterben. Nor wos von unsere Kinder wet weren, kenn ich nit >raten< (erraten, voraussehen).« Die beiden ersten prophetischen Behauptungen haben sich teilweise erfüllt, die dritte geht auch in Erfüllung, denn unsere Generation stellt eine Art Zwitterding dar.
Hingerissen von dem unaufhaltsam vorwärtsdringenden Strom der neuen westeuropäischen Bildung, haben wir selbst im vorgerückten Alter uns bemüht, auf mannigfachen Gebieten der Wissenschaft und in fremden Sprachen uns Kenntnisse anzueignen.
Während aber andere Völker und Nationen von den modernen und fremden Strömungen und Ideen nur aufnehmen, was ihrem Wesen entspricht und dabei ihre Individualität und Eigenart bewahren, lastet auf dem jüdischen Volke der Fluch, daß es das Fremde und Neue sich fast nie anders aneignet, als indem es sich vom Alten, von seinem Eigensten und Heiligsten lossagt.
Wie wirbelten im Gehirn der jüdisch-russischen Männer die modernen Ideen chaotisch durcheinander! Plötzlich, mächtig, unaufhaltsam drang der Geist der sechziger und siebziger Jahre in das jüdische Leben hinein und zerstörte seinen bisherigen Charakter. Rücksichtslos sagte man sich vom Alten los. Die alten Familienideale schwanden, ohne daß neue aufkommen konnten.
Bei den meisten jüdischen Frauen jener Zeit hattenReligion und Tradition derart ihr innerstes Wesen durchdrungen, daß sie ihre Verletzung fast wie einen physischen Schmerz empfanden und deswegen einen schweren Kampf in ihrem engsten Familienkreis zu bestehen hatten.
In dieser Übergangsperiode wurde der Mutter, der natürlichen Erzieherin ihres Kindes, das Recht der Erziehung nur für jene Zeit zugebilligt, in der das Kind nichts als schwere Opfer und schwere Pflichterfüllung erfordert. Sobald aber die Zeit der geistigen Erziehung heranrückte, da wurden die Mütter brutal beiseite geschoben, da endeten ihr Walten und ihre Sorge um das Kind. Die Frau, die an den Traditionen noch mit jeder Fiber ihres Wesens hing, wollte sie auch ihrem Kinde beibringen: die Sittenlehre der jüdischen Religion, die Traditionen ihres Glaubens, die Weihe des Sabbaths und der Feiertage, die hebräische Sprache, das Lernen der Bibel, dieses Buches aller Bücher, dieses Werkes aller Zeiten und Völker. Diesen ganzen Reichtum wollte sie in schönen und erhabenen Formen ihren Kindern übergeben — zugleich mit den Ergebnissen der Aufklärung, zugleich mit dem Neuen, das die westeuropäische Kultur gebracht hatte. Aber auf alle Bitten und Einwände erhielten sie von ihren Männern stets die gleiche Antwort: »Die Kinder brauchen keine Religion!« Vom Maßhalten haben die jüdischen jungen Männer jener Zeit nichts gewußt, und siewolltenauch nichts davon wissen. In ihrer Unerfahrenheit wollten sie unvermittelt den gefährlichen Sprung von der untersten Stufe der Bildung gleich zur obersten machen. Manche verlangten von den Frauen nicht nur Zustimmung, sondern auch Unterwerfung, — sie verlangten von ihnen die Abschaffung alles dessen, was gestern noch heilig war.Alle modernen Ideen, wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, in der Gesellschaft predigend, waren diese jungen Leute zu Hause ihren Frauen gegenüber die größten Despoten, die rücksichtslos die Erfüllung ihrer Wünsche forderten. Es gab erbitterte Kämpfe innerhalb des bis jetzt so patriarchalischen und beschaulich dahinfließenden Familienlebens. Gar manche Frau wollte nicht nachgeben. Sie ließ ihrem Manne volle Freiheit außerhalb des Hauses, verlangte aber im eigenen Hause die Ehrung der alten, lieben Bräuche. Daß dieses Doppelleben nicht auf die Dauer möglich war, begreift sich leicht. Der Zeitgeist siegte in diesem Kampfe; und blutenden Herzens gaben die Schwächeren nach. Wie das so kam bei den anderen und bei mir, davon will ich in den nächsten Kapiteln erzählen.
Ich war sehr froh, daß das Schicksal uns 1859 wieder nach Litauen brachte, wo das Leben großzügiger, inhaltreicher, und die Juden intelligenter waren. Wir siedelten uns in Kowno an, das damals ein kleines, schönes Provinzstädtchen war. Juden bildeten den Stamm der Bevölkerung. Sie sprachen hier ein Gemisch von Hebräisch und Deutsch. Das preußische Grenzstädtchen Tauroggen war nicht fern. So kam es wohl, daß ihre ganze Lebensweise von deutscher Art nicht unwesentlich beeinflußt wurde.
Während in den übrigen Städten Litauens die jüdische Tradition noch völlig unberührt blieb, hatte sich in Kowno allmählich der Zwang der Überlieferung gelockert. Als wir nach Kowno kamen, war die Aufklärung dort in vollem Gange, und die neuen Ideen fanden ihre begeisterten Vertreter.Es herrschte in den vorgeschrittenen jüdischen Häusern, zumeist bei den reichen Kaufmannsfamilien, deren Väter und Söhne in geschäftlicher Verbindung mit Deutschland standen und häufig über die Grenze kamen, der Abfall. Man behielt eigentlich nur noch die koschere Küche bei.
Der Sabbath wurde von den Männern nicht mehr heilig gehalten und unterbrach den Eifer der Geschäfte nicht. War der Jude früher nach den Worten Heines durch die ganze Woche ein Hund, der sich erst am Sabbath als Prinz und am Sedertisch des Pesach als Herrscher entzauberte, so lebten die Männer der zweiten Generation eigentlich das ganze Jahr wie die Hunde; ohne Ruhe und Rast, immer in Sorgen und Arbeit. Der Geist stieg nicht empor in himmlische Sphären, und der Körper raffte nicht mehr in der strengen Ruhe des Sabbaths seine in der Arbeit der Woche verlorenen Kräfte zusammen. Es war eine seltsam gemischte unruhige Stimmung am Sabbath. Die Frauen, die ja ihrer ganzen Natur nach zäher am Alten hängen, pflegten ja noch am Freitag Abend Sabbathlichte anzuzünden und das Gebet zu sprechen. Aber der aufgeklärte Herr Gemahl steckte sich seine Zigarette daran an, und ihr sonst so friedliches Gesicht verzog sich zu einem schmerzlichen Lächeln. Mit derselben Herzlichkeit, mit der der Hausherr einst die Sabbathengel begrüßt hatte, hieß er jetzt seine Freunde willkommen, um mit ihnen Préférence zu spielen. Der Kidduschbecher stand zwar mit Wein gefüllt auf dem Tisch. Aber niemand nippte daran. Er war zu einem Symbol geworden. Aber die gefüllten Pfefferfische — so weit ging die Abtrünnigkeit nicht, um auch sie vom Freitag-Abendtisch zu verbannen. Die Barches blieben aucherhalten. Nur daß eben die Dienerin sie fein säuberlich geschnitten auf dem Brotkorb servierte. An die Stelle der Sabbathlieder, der Semiraus, traten Humoresken, Anekdoten — das ganze Gebiet des jüdischen Witzes. Das Kartenspiel aber durfte sich weit über die Mitternacht hinziehen. Denn keine Chewra t'hillim erwartete die Herren am frühen Morgen zum Gebet. Und die christlichen Bedienten konnten ruhig schlafen gehen. Denn der Sabbath hinderte die Männer nicht, die Kerzen selbst zu löschen. Am Samstag stand man früher auf als gewöhnlich. Es war ein Tag vor dem Sonntag, und da gab es im Geschäft besonders viel zu tun. Aber auch am Sonntag wurde fleißig gearbeitet. Denn ein letzter Rest nationalen Trotzes hielt doch alle ab, diesen Tag etwa festlich zu begehen.
Selbstverständlich war auch der Verkehr der beiden Geschlechter miteinander ein wesentlich anderer geworden. Man veranstaltete Tanzabende, an denen nicht nur die Jugend, sondern auch die verheirateten Frauen und Männer unserer Generation teilnahmen. Daß junge Mädchen von solchen Zusammenkünften in Herrenbegleitung nach Hause gingen, war ganz selbstverständlich geworden; und es ergab sich bei diesen Sitten von selbst, daß in den Häusern, wo erwachsene Mädchen waren, auch junge Herren verkehrten. — Auch in den Gesprächen herrschte ein freierer Ton. Jene Innigkeit, mit der man einst die Eisches chajil (die Heldenfrau) besungen hatte, wurde verdrängt von der aufflackernden Begeisterung für die Operettendiva, die gerade das Tagesgespräch hergab. Der Zynismus war der neuen Generation nicht fremd geblieben.
Das Talmudstudium hörte natürlich in diesen fortschrittlichenKreisen vollständig auf. Nur hier und da setzte ein Romantiker, der vom Alten nicht lassen konnte, sein Talmudstudium weiter fort und ließ auch seine Kinder im Talmud unterrichten. Bei den »Gebildeten« kam das nur selten vor.
Sogar unter den ganz Frommen sahen manche Eltern die Notwendigkeit der europäischen Bildung für ihre Kinder ein und erlaubten ihnen, in der Residenz zu studieren. Eines aber forderten sie von ihren Söhnen unbedingt: sie sollten »koscher« essen. Diese absonderlichen Verhältnisse werden durch manche Anekdote illustriert.
So geschah es einmal, daß sehr fromme Eltern ihren Sohn zum Studium nach Petersburg sandten. Ein christlicher Freund, der nach einiger Zeit in die Residenz fuhr, sollte nun nachforschen, ob der Sohn wirklich sein Versprechen halte. Nach seiner Rückkehr beruhigte er die Eltern und versicherte sie, daß der Sohn nur »koscher« speise — er selbst war bei ihm zum Mittagstisch. »Was haben Sie denn bekommen?« fragten die Eltern interessiert. — »Einen Hasen,« antwortete der Freund, »aber er war koscher, denn Ihr Sohn erzählte mir, daß er vom jüdischen Schlächter (Schochet) geschlachtet sei.«
Die Zustände, von denen ich hier spreche, waren natürlich nur für die Schichten bezeichnend, die man so gemeinhin die »oberen« zu nennen pflegt. Wer weiß, an welche Stelle sie rücken, wenn einst die gerecht waltende Geschichte die Rangordnung feststellen wird!... Allein gewaltige Kulturumwälzungen wühlen nicht gleich das ganze Volkstum auf und durcheinander. An der Kruste mögen die Prozesse des kulturellen Abbaues und des Anbaues schneller und sichtbarer vor sich gehen. In der Tiefe vollzieht sich das Umsetzungswerkoft überhaupt nicht, meist in seltsamen Formen. Immer aber ungleich zögernder!
So war es auch in Kowno!
In jener Zeit lebten und wirkten in diesem »aufgeklärten« Kowno in einem anderen Teile der Stadt, drüben über der Brücke des Flusses Wilja, Menschen, die in ihrem ganzen Leben und Treiben unter dem Einfluß der veränderten Verhältnisse gerade auf die entgegengerichtete Bahn gedrängt wurden. Und sie fanden getreue Mitwanderer in den Juden der kleinen Städtchen des Gouvernements. Sie landeten in der Askese. Es waren kleine Leute, aber große Menschen! Groß in ihrem Talmudwissen, in ihrer Hochherzigkeit, Nächstenliebe und in der größten Tugend, der bescheidenen Selbstlosigkeit. Ihre Ansprüche auf Essen, Trinken und Kleidung setzten sie auf das geringste Maß herab. Ihre idealen Ziele aber waren riesengroß. Das Forschen, Schaffen, Grübeln in dem Talmud betrieben sie jetzt mit gesteigerter Gier Tage und Nächte hindurch.
Zunächst bestand diese Asketengruppe nur aus zehn Personen. Sie überwachten unermüdlich das junge, heranwachsende Proletariat, beobachteten ihr Lernen und ihr Leben und wiesen sie mit guten und strengen Worten zurecht. Mit gleichgestimmten, würdigen Männern gründeten sie später einen Verein, der sich die Predigt der Askese zur heiligen Aufgabe stellte. Jeder Lebensgenuß schien ihnen verächtlich. »Diese« Welt war ihnen nichts anderes als eine Übergangsstufe zu einem besseren, höheren, reineren Sein. Jeder Schritt, jede Handlung am Tage sollte deshalb wohl überlegtsein. Und dreimal des Tages müsse man Gott anflehen, daß er die unwillkürlich begangenen Sünden, selbst des Lauteren, vergebe.
Das jüdische Proletariat in seinem Getto, zermürbt vom Kampfe ums Dasein, drängte sich um diese Prediger. Besonders aber wurden die jungen Talmudisten und die »Orimbocherim« für diese Bewegung begeistert, hingerissen. Diese Strafpredigten fanden zuerst in der Dämmerstunde statt, und die Synagoge war von alten und jungen Zuhörern überfüllt wie am Vorabend zum Jomkippur. Alle weinten und flehten ob ihrer Sünden aus tiefster Seele zu Gott.
An der Spitze dieser Bewegung stand der berühmte Reb Israel Salanter (Liebkin), dessen Seelengröße an Hillel heranreichte. Er war hart gegen sich und voll unsäglicher Liebe gegen andere. Er kämpfte für die Einfachheit der Sitten. Aber die Askese sollte nie in einer Zerstörung des Lebens ausarten. Es war im Jahre 1855, da die große Choleraepidemie durch das Land verheerend zog. Das Volk fastete, um Buße zu tun, denn die unheimliche Krankheit galt als Gottesgeißel. Da Rabbi Salanter aber fürchtete, daß das Volk durch die selbstauferlegten Entbehrungen Schaden leiden könnte, trat er nach dem Morgengebet am Jomkippur in der Synagoge mit einem Stück Kuchen in der Hand auf den Almemor und aß vor allem Volke davon. Durch dieses Beispiel wollte er das Volk zu gleichem Tun ermuntern. R. Salanter war ein echter Lehrer des Volkes. Waren doch wunderbare Menschen seine Erzieher gewesen: Reb Hirsch Broide und Reb Sundel.
Von den Tugenden des Reb Broide weiß ich folgende Geschichten: Die ungepflasterte Straße, an der er mit seineralten Mutter lebte, hatte einst ein schwerer Regenguß aufgeweicht. Reb Broide wußte, daß die alte Mutter trotzdem ihren täglichen Synagogengang nicht unterlassen würde. So machte er sich des Nachts daran, den Weg mit Ziegelsteinen auszulegen, daß seine Mutter trockenen Fußes in die Schul' gehen konnte. Ein anderes: Es erregte seine Verwunderung und war ihm zugleich ein Schmerz, daß die Bettler ihn gar nicht aufsuchten. Er meinte, daran könnte nur das Schloß an seiner Tür Schuld haben: es war zu fest. So entfernte er es eines Tages ganz. Der Gute: er ahnte nicht, daß die Bettler genau wußten, wie arm er selbst war. Sie mieden sein Haus, um ihn nicht zu beschämen.
Reb Sundel pflegte seine Studien in Feld und Wald, in Gottes freier Natur zu betreiben. Einmal bemerkte er, wie sein Schüler Salanter hinter ihm her kam. Er wandte sich zu ihm mit klugen Worten und schloß mit dem Satz: »Israel, beschäftige dich mit Strafpredigten und fürchte Gott.« Diese Worte gruben sich dem Jüngling tief in die Seele und bestimmten sein ganzes Leben. Sein Amt[9]in Wilna legte er bald nieder, um seiner idealen Bestimmung nicht untreu werden zu müssen.
Wenn die Chassidim gegen die Schwermut eiferten, so wandte sich sein Wort gegen den Übermut der Freude. Der Chassidismus lehrte, Gott mit Freude zu dienen, die Strafprediger dagegen forderten, Gott im Ernste zu dienen. Die Schwermut hemmt die höhere Eingebung, behaupten die Chassidim. Die Freude führt zum Leichtsinn, entgegnen die Strafprediger. Die Tat bringt die Erlösung, lehrte Rabbi Salanter, und er wurde nicht müde, die Gemeinde zu Werkender Liebe aufzurufen. Wohltätigkeit und Reue sind die Stützen der Welt. Wenn ein Mensch nur eine Stunde am Tage in der Reue zubringt und ein einziges Mal vor Verleumdung sich durch die Reue hütet, hat er schon eine große Tat vollbracht. Die Wirkung seiner Rede war überwältigend. Aber der Reiz dieser reinen Persönlichkeit war wie ein Zauber. Man wird es begreifen, daß das Rabbinat von Litauen durch das Anwachsen der Bewegung in Schrecken geriet. Man fürchtete, daß die Predigt der Askese zu einer Sektenbildung führen könnte, die das Judentum streng verbietet. So gingen die Rabbiner zu den Strafpredigern selbst und traten ihnen entgegen. Das gab oft verwunderliche Kämpfe, für die die Aufklärung freilich nur Spott hatte. Lebten doch in Kowno die ersten Adepten der Lilienthalschen Bewegung.
Unter ihnen war eine der markantesten Erscheinungen der jüdische DichterAbraham Mapu, der dort ein bescheidenes Leben führte und durch Unterrichten in der russischen und deutschen Sprache sein Brot verdiente. Er war ein stiller, anspruchsloser Mensch, seinem ganzen Wesen nach ein Lehrer, der erst in seinem kleinen Studierstübchen auflebte und zu jenem Mapu wurde, den die jüdische Welt als ihrenerstengroßen hebräischen Belletristen ehrt. Eine wunderbare Seele lebte in diesem so unscheinbaren Gettojuden. Aus den schmalen, krummen Gäßchen des Ansiedlungsrayons mit all ihrem Elend und ihrer Armut, aus der dumpfen schwülen Atmosphäre des Gettolebens trug ihn seine Phantasie in die große, glänzende Vergangenheit seines Volkes, und voll Begeisterung schrieb er seinen ersten Roman: »Ahawath Zion«[10], die Zionsliebe,und zeigte dem jüdischen Leser an diesen Schilderungen den Kontrast zwischen ihrem gegenwärtigen trostlosen Dasein und der ehemaligen Pracht und Größe des jüdischen Lebens auf dem eigenen Boden.
Diesem Romantikerwerk folgte ein wuchtiger, satirischer Tendenzroman: »Ajit Zabua«, ein grimmer Protest gegen die althergebrachten Formen der jüdischen Art. »Ajit Zabua« begeisterte die Jugend und empörte die Alten. Es erhob sich ein Sturm gegen Mapu und sowohl er wie sein Werk wurden verpönt, verspottet, verfolgt. Aber Mapu fand seine begeisterten Anhänger unter der jüdischen Jugend. Er war ein Kämpfer für die Aufklärung der Juden. Aber er kämpfte mit ganz neuen, bisher nie gebrauchten Mitteln — mit echter Poesie. Er gab der JugendneueGedanken. Er wies ihnen neue Wege, eröffnete ihnen neue Horizonte und Lebensmöglichkeiten. So manches Talent wurde durch ihn angeregt und zu hebräischen Dichtungen begeistert.
Wir hatten oft Gelegenheit, den versonnenen Mann in unserem Hause zu sehen. Er gab meinem ältesten Sohne Unterricht im Deutschen und Russischen. Aber er stellte sich auch zu einem gemütlichen Plauderstündchen ein. Mein Mann verehrte ihn sehr; und es war immer eine Lust, der angeregten Unterhaltung zu lauschen.
Unser Leben in Kowno gestaltete sich anfänglich sehr angenehm. Mein Mann fühlte sich hier in seinem Element, und obwohl mich die neuen Sitten zuerst befremdet hatten, so gefiel mir doch mit der Zeit die Geselligkeit und derfreie, einfache, zugleich doch vornehme und harmlose Verkehr der beiden Geschlechter miteinander. Meine Verlegenheit schwand allmählich, und ich nahm gerne teil an den oft veranstalteten Jours-fix, beobachtete, schaute zu und amüsierte mich auch. Je nach der Stimmung.
Ich trug noch immer meinen »Scheitel«. Alle übrigen Frauen, auch die älteren in unserem Kreise, hatten sich längst davon befreit. Ich fühlte mich unbehaglich. Aber der Gedanke lag mir fern, dem Beispiel anderer Frauen zu folgen, obwohl ich wußte, daß mein eigenes Haar mich nur schmücken konnte. Es dauerte aber nicht lange, so forderte mein Mann die Entfernung des Scheitels. Ich müsse mich den Sitten der Gesellschaft anpassen, um mich nicht dem Spotte auszusetzen.
Ich erfüllte seinen Wunsch jedoch nicht und trug die Perücke noch lange Jahre.
Geschäftlich ging es uns in Kowno nicht gut. Es war die Zeit (1859), in der es in Russisch-Polen und Litauen im Volke zu gären anfing. Der polnische Aufstand bereitete sich vor. Die Geistlichkeit begann unter dem Volke die Abstinenz (trezwost) zu predigen — also eine Agitation gegen den Branntwein; und da der Gewinn unseres Geschäftes an einen ausgiebigen Branntweinverbrauch gebunden war, so drohte uns jetzt der Ruin. Die monatliche Pachtsumme von 120000 Rubel, welche die Konzessionäre der Staatskasse zu zahlen verpflichtet waren, konnten sie bald nicht mehr entrichten. Die drei Familien: Kranzfeld, Gorodezki und Wengeroff, die an dem großen Unternehmen teilnahmen, wurden materiell vernichtet. Mein Mann hätte wohl noch seine Existenz als Angestellter leidlich sichern können. Aber seinGroßvater wollte nicht, daß er in einem Geschäft, in dem er einmal Herr war, eine abhängige Stellung annehme. Er gehorchte und wurde brotlos.
Die politische Propaganda in Polen riß auch die jüdische Jugend mit sich fort. Sie nahm Teil am Aufstand, als ob es ihre eigene Sache und ihr Vaterland wäre, für das sie kämpften. Ungehört verhallten die Warnungen des berühmten Rabbiners Meisel in Warschau, der die Juden beschwor, zur jüdischen Fahne, d. h. der Thora, zurückzukehren: sie gingen in den Kampf — für Polen!
Sie wurden aber in ihren Hoffnungen betrogen. Das stärkere Rußland siegte. Kosaken jagten durch Polen, und ihre Nagaikas schonten die Juden nicht. Aber sie mußten noch mehr erdulden. Sie, die ihr junges Blut vergossen hatten und unerschrocken, opfermutig in den Reihen der Kämpfenden gestanden, blieben die Verachteten. Man ließ sie fühlen, daß sienur Judenseien. Wieder einmal hatte das jüdisch-polnische Sprichwort sich bewahrheitet: »Jak bida, to do Zyda, po bidzie za drzwi Zydze« — »Wenn die Not kommt, geh zum Juden, Not vorbei — Jude raus!«
Das Frühjahr kam. Es wurde wieder still im Lande. Aber es war nicht die Ruhe im Genusse erfüllter Wünsche und Forderungen, die lächelnde Ruhe des Sieges. Es war jene unheimliche Stille, die in stummen Worten von Entsetzen, von Blut und Verbannung erzählt.
Und wir — wir standen vor dem Nichts. Nun hieß es, von neuem anfangen und Brot suchen. Zum Glück bot sich meinem Manne bald eine Beschäftigung beim Telegraphenbau in Wilna. Er zögerte nicht lange und ging dorthin.Ich blieb mit den drei Kindern vorläufig in Kowno zurück. Nach kurzer Zeit konnten wir ihm nach Wilna folgen.
Wilna, die einstige Residenz Litauens, war damals eine große Stadt mit imposanten Staats- und Privatgebäuden, einem alten Rathaus, einem Theater und großartigen, meistenteils gotischen, katholischen Kirchen, unter denen sich die »Ostrobrama« durch besondere Pracht und durch ein Portal von hohem künstlerischen Wert auszeichnete. Durch dieses Tor durfte weder Christ noch Jude mit bedecktem Haupte gehen. Oft sah man dort die Gläubigen im Vorübergehen auf die Knie fallen. Die meisten frommen Juden vermieden es, diesen Weg zu gehen, obwohl sich das Tor im Mittelpunkt der Stadt befindet.
Dank der reichen Magnaten, die auf ihren Gütern in der unmittelbaren Nähe Wilnas wohnten und kommerzielle Verbindungen mit der Stadt pflegten, blühte die Industrie in der Residenz.
Die Stadt trug zu jener Zeit noch ganz den polnischen Charakter; überall herrschte die polnische Sprache und die ganze Lebensweise war durch polnische Sitten bestimmt!
Aber es wurde anders: Nach dem polnischen Aufstande im Anfange der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde Generalgouverneur von Wilna der berüchtigte Murawiew. Mit beispielloser Grausamkeit hat dieser Mann das Polentum in seinem Bezirk auszurotten und das ganze Land zu russifizieren versucht. Er war gefürchtet, aber er fürchtete sich auch. Er lebte in seinem Palast wie ein Gefangener. Selbst der Schornstein in seinem Arbeitszimmer war vermauert.Er schlief in seinem Arbeitszimmer und dort wurde auch vor seinen Augen auf einer Spiritusmaschine sein Essen bereitet. Er lebte in solcher Abgeschiedenheit, daß das Gerücht sich bilden konnte, er existiere überhaupt gar nicht. Er war ein Gespenst des Schreckens, eine mythische Person. Eine kleine Episode. Jüdische Arbeiter besserten das Dach seines Palastes aus. Dabei unterhielten sie sich über die Frage, ob es überhaupt einen Gouverneur Murawiew gäbe. Die Antwort mußte gefunden werden. Und als sie gerade oberhalb des einzigen Fensters des Murawiewschen Arbeitszimmers zu tun hatten, ließen sie an einem starken Seil den Lehrjungen herunter, damit er durch das Fenster in das Zimmer hineingucken könne. Als der Junge nun vor dem Fenster schwebte, erblickte ihn der Gouverneur, der im ersten Moment furchtbar erschrak. Denn er glaubte, daß auf raffinierte Weise ein Attentat geplant sei. Er schlug Lärm. Der ganz entsetzte Lehrjunge wurde abgeschnitten. Als Murawiew den zitternden, halbwüchsigen Knaben nun vor sich stehen sah, mußte er lachen und er entließ den Kleinen ruhig, ohne ihn die Ruten kosten zu lassen. — Häufig kam es allerdings nicht vor, daß Murawiew Milde walten ließ. Die Henkersknechte kamen unter seiner Herrschaft nicht zur Ruhe. Es war ein fast alltägliches Ereignis, daß unter Trommelwirbeln unglückliche Menschen zum Richtplatz geführt wurden. Immer fand sich dabei eine große Menschenmenge ein, die von Schmerz und Mitleid, oft auch von Wut und Ingrimm ergriffen, den armen dem Tode Geweihten das Geleit gaben. Wir saßen eines Morgens am Teetisch, als dumpfe Trommelklänge uns aufschreckten. Ans Fenster eilend, sahen wir auf einem von einem einzigen Pferde gezogenenprimitiven Wagen drei Männer zur Richtstatt fahren. Das Gefährt bestand aus einem auf vier Rädern ruhenden Brett. Darauf stand eine Bank mit einer Lehne und einer Tafel, auf der die Namen der sogenannten Verbrecher verzeichnet waren. Dieses Fahrzeug nannte man den Pranger. Es bewegte sich durch die Straßen bis zu dem großen Marktplatz, wo ein Galgen errichtet war, an dessen Fuße das Fahrzeug halt machte. Die Henkersknechte mußten die schon vor Furcht halbtoten Delinquenten stützen, um sie zum Gerüst zu führen. Dort wurden ihnen Säcke über die Köpfe und die Schnur um den Hals geworfen und mit einem einzigen Zuziehen der Schnur wurde die Hinrichtung aller drei vollzogen. Mit Schaudern und Entsetzen sehe ich noch heute die baumelnden Körper in Todeszucken vor mir und werde den Anblick wohl nie vergessen können. — Daß unter der Herrschaft dieses Gestrengen und in der Erinnerung an die zahllosen Opfer des polnischen Aufstandes das erregte Volk in trüber Stimmung lebte, begreift man leicht. Alle — Christen und Juden — trugen Jahre hindurch Trauerkleider. Es galt als ein Verbrechen, selbst bei festlichen Gelegenheiten, im Theater oder bei Konzerten in hellen Kleidern zu erscheinen. Wagte es aber jemand, so konnte er sicher sein, daß sein Anzug von einem polnischen Patrioten mit Petroleum begossen wurde.
Als wir nach Wilna hinkamen, hatte die Stadt noch ihr altes Gepräge. Politisch eine Stadt des stolzen Polentums; kulturell — so weit es die Juden betrifft — eine Hochburg jüdischer Geistesaristokratie.
Die jüdische Gesellschaft in dieser Stadt, die das jüdische Athen von Litauen genannt wurde, bestand aus vielen vornehmen,reichen und meistenteils noch sehr konservativen Familien und aus einer kleinen Gruppe Fortgeschrittener — den Vertretern der neuen Ideen. Diese Aufgeklärten verhielten sich aber kleinlaut und wagten nicht, wie in Kowno, rücksichtslos gegen die Tradition aufzutreten. Denn hier in Wilna besaßen die Alten die Autorität. Ihren Führern, wie Reb Elia, dem Wilnaer Gaon, Reb Akiba Eiger, hat die Nachwelt den Ehrentitel der »Patriarchen« beigelegt. Diese Namen lebten in ihrem ganzen Glanze in der Erinnerung der Juden fort. Wilna, die Stätte der Talmudgelehrsamkeit, die Stadt der großen Gemeinde mit ihren zahlreichen Lehrhäusern (Bothemidraschim) und dem berühmten Schulhof, wo Hunderte alter und junger Männer Tage und Nächte den Talmud studierten — dieses Wilna wirkte erdrückend auf die Modernen; und sie wagten sich nicht mit ihrer »aufgeklärten Irreligiosität« in die Öffentlichkeit.
Die neue Umgebung übte einen sehr günstigen Einfluß auf meinen Mann aus; und ich freute mich zu sehen, wie er ohne Zwang, nur innerem Bedürfnis folgend, sich wieder dem Talmudstudium zuwandte und auf dem Irrwege, den er betreten hatte, ein Stück zurückging. Er unterrichtete jetzt selbst unseren Sohn Simon in der hebräischen Sprache, las mit ihm die Bibel und die Mischnah, was er in Kowno nie getan hätte; er beschloß auch, den Jungen in die Rabbinerschule zu geben.
Hier in Wilna traf ich mit meiner Schwester Helene, die ich während des Brautjahres gepflegt und noch leidend zurückgelassen hatte, zusammen. Sie lebte hier als verheiratete Frau mit ihrem Manne und ihren Kindern. Die Freude des Wiedersehens war groß, aber sie währte nicht lange.
Unsere pekuniären Verhältnisse wurden von Tag zu Tag schlimmer; bis sich mein Mann entschließen mußte, anderswo eine Beschäftigung zu suchen. Er ging allein nach Petersburg, wo er bei unserem Schwager Sack, der dort in reichen Verhältnissen lebte, brüderlich aufgenommen wurde. In diesem Hause verkehrten Kaufleute großen Stils; und durch ihre Vermittlung fand sich bald für meinen Mann eine Beschäftigung. In der Festung der Hauptstadt Helsingfors am Finnischen Meerbusen, in Sweaborg, sollte eine Kaserne gebaut werden. Bei diesem Unternehmen erhielt mein Mann eine gute Anstellung. Im März 1866 ging er dorthin, und noch im Frühjahr desselben Jahres folgte ich ihm mit den Kindern nach Helsingfors.
Da wir in Helsingfors in der Festung wohnen sollten, erwachte in mir die Sorge um den Unterricht für meine beiden älteren Kinder, und ich beschloß, sie nach Mitau zum Rabbiner zu bringen. Ich wandte mich schriftlich an ihn. — Er ging auf alle Bedingungen ein und versicherte mich in seinem Antwortschreiben, die Kinder würden in seinem Hause eine durchaus moderne, europäische Bildung erhalten. Diese Aussicht beunruhigte mich aber, und ich schrieb ihm wieder, ich hoffe, daß er trotz der modernen Erziehung eine koschere Küche führe, andernfalls könnte ich ihm die Kinder nicht anvertrauen. Ich erhielt einen befriedigenden Bescheid und ging an die Ausführung meines Planes. Ein seltsamer Zufall vereitelte jedoch mein Vorhaben: Ich setzte mich mit den beiden Kindern in einen falschen Zug, stieg ein paarmal um und kam statt nach Mitau in eine mir völlig unbekannte Stadt, und erfuhr zu meinem großen Ärger, daß ich mich Wilna näher als dem Ziel meiner Reise befand.Dieser Zufall war entscheidend, und meine Kinder kamen nicht in die Schule zum Mitauer Rabbiner. — Kleine Ursachen, große Folgen.
Der verabredete Termin des Zusammentreffens mit meinem Mann, der uns nach Petersburg entgegenkommen sollte, rückte heran. Es blieb mir keine Zeit übrig. Ich trat daher sogleich die Rückreise nach Wilna an. Bald trafen wir in Petersburg zusammen. Ich erzählte meinem Mann die Geschichte mit den falschen Zügen. Er lachte und freute sich, daß wir nun doch alle beisammen blieben. Am nächsten Tage bestiegen wir den Dampfer, der uns nach Helsingfors bringen sollte.
Und wiederum blühte die Hoffnung auf bessere Zeiten.