Meyers Konv.- Lexikon, 4. Aufl., xv. Bd.
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AUSLÄNDISCHE STUBENVÖGEL.
1. Helenafascäuclxen (Habropyga. Astrild).-
2. Grauer Astrild ( Habropyga cinerea). -
3. Tigerfink (Pytelia ampdava).-
4. Zebrafink ( Zonaeginthus casta.notis) (1-4 Ait.^4strU 5. Bandvogel (Spermestes fasciai-a).- 6. Erz amadme, Meines Eisterchen (Spermestes cucullata) (5,6 ATI
. ^tmacUnen,). - 7. Schwarzköpfiger Webervoge| (HyphAntornis toxtor) (Art.
Webervögel]. - 8. Paradieswitwe (Vidua paradisea) (Art. wwwanmS/Ä). - 9. Beisvogel (Padda oryzivora) (Art. Retevogel}. - 10. Tangara ('Rhamphocehis Tyrasiliensis) (Art. Tan#aren). - 11. Socopvogel (I,eiofhrix Juteus) (Art. SomunvoffA) - 12. Dominikanerfink (Paroraria dominicana)..- 13. Kardinal, virginische Nachtigall (Cardinalii viriniatius ) ( 12, 13
Aj-t.Kas°£isi 402 Stück - Studieren. Stück, s. v. w. Geschütz. Stuckatur, s. Stuck. Stücke in Esther, s. Esther. Stückelalgen, s. v. w. Diatomaceen, s. Algen, S.
343. Stückelberg, Ernst, Maler, geb. 22. Febr. 1831 zu
Basel, ging 1850 auf die Antwerpener Akademie, von da nach Paris,
1854 nach München, 1856 nach Italien, wo er ein Jahrzehnt
blieb, und ließ sich dann in Basel nieder. Von seinen
poetisch empfundenen und zart gemalten Bildern sind die
hervorragendsten: Prozession im Sabinergebirge (1859-60, Museum zu
Basel); Kirchgang aus "Faust" (1865); der Kindergottesdienst,
Marionetten, Jugendliebe (Museum in Köln); Echo und Narkissos,
als Pendants; Zigeuner an der Birs; der Eremit von Maranno; das
helvetische Siegesopfer. 1877 malte er ein großes Fresko:
Erwachen der Kunst, in der Kunsthalle zu Basel, und im selben Jahr
erhielt er den ersten Preis für Entwürfe zu Fresken der
neuen Tell-Kapelle am Vierwaldstätter See, welche er bis 1887
ausführte. Stückelung(franz. coupure), im Münzwesen und
bei Wertpapieren die Festsetzung der Teilmünzen und der
Appoints (s. d.). Stückfaß, Gebinde Wein, in Frankfurt a. M. = 8
¼ Ohm, in Leipzig = 4, in Nürnberg = 15 bis 15 ½
Eimer Visiermaß. Das dänische Stykfad à 5 Oxhoft
= 11,231 hl. Stückgießerei, s. v. w.
Geschützgießerei (s. d.). Stückgut, Bronze zu Geschützen. Stückgüter(auch zählende Güter),
Waren, welche nach der Zahl (Groß, Dutzend, Schock, Ballen
etc.) angegeben werden, beim Eisenbahn- und Wassertransport
diejenigen, welche nicht in ganzen Wagen- oder Schiffsladungen,
sondern als besondere Frachtstücke oder Kolli (s. d.)
aufgegeben werden. Vgl. Eisenbahntarife. Stückjunker, im 17. und 18. Jahrh. Name des
Fähnrichs bei der Artillerie. Stückkugel, s. Geschoß, S. 213. Stücklohn, s. Arbeitslohn, S. 759. Stuckmarmor, s. Gips, S. 357. Stückzahlung, s. v. w. Abschlagszahlung. Stückzinsen, bei Wertpapieren derjenige Teil vom
Betrag des nächstfälligen Zinskoupons, welcher auf die
seit dem letzten Zinstermin verflossene Zeit entfällt. Stud., Abkürzung für Studiosus, Student; z. B.
Stud. arch. nav., für St. architecturae navalis, Studierender
des Schiffbaues (an technischen Hochschulen); Stud. phil.,
Studierender der Philosophie; Stud. philol., Studierender der
Philologie; Stud. rer. nat., für St. rerum naturalium,
Studierender der Naturwissenschaften. Stud., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung
für B. Studer (s.d.). Stud-book(engl., spr. stodd-buck), "Gestütbuch",
das Verzeichnis der in einem Land vorhandenen Vollbluttiere nebst
deren Pedigree (s. d.). Studemund, Wilhelm, namhafter Philolog, geb. 3. Juli 1843
zu Stettin, studierte 1860-63 in Berlin und Halle, hielt sich
1864-66 zu wissenschaftlichen Zwecken in Italien auf und fertigte
besonders eine Abschrift des berühmten Mailänder
Palimpsestes des Plautus, privatisierte dann in Halle, verglich
1867 bis 1868 in Verona auf Anregung der Berliner Akademie das
Palimpsest des Gajus, wurde 1868 außerordentlicher und 1869
ordentlicher Professor der Philologie in Würzburg, 1870 in
Greifswald und 1872 in Straßburg, wo er auch die Leitung des
philologischen Seminars übernahm. Seit 1885 als ordentlicher
Professor und Mitdirektor des philologischen Seminars an der
Universität Breslau wirkend und 1889 zum Geheimen
Regierungsrat ernannt, starb er daselbst 9. Aug. 1889. S. ist
hochverdient um die lateinische Paläographie und die Kritik
des Plautus sowie um die griechischen Musiker und Metriker. Er
veröffentlichte: "De canticis Plautinis"
(Inauguraldissertation, Berl. 1864), "Studien auf dem Gebiet des
archaischen Lateins" (Bd. 1, das. 1873), "Analecta Liviana" (mit
Th. Mommsen, Leipz. 1873), "Gaji institutionum codicis Veronensis
apographum" (das. 1874), eine Handausgabe des Gajus (mit P.
Krüger; 2. Aufl., Berl. 1884), "Anecdota varia graeca musica,
metrica, grammatica" (das. 1886) und zahlreiche Abhandlungen,
besonders zu Plautus, von dessen "Vidularia" er auch eine Ausgabe
besorgte (Greifsw. 1870, 2. Aufl. 1883). Student(lat.), s. Studieren. Studer, Bernhard, Geolog, geb. 21. Aug. 1794 zu
Büren im Kanton Bern, studierte anfangs in Bern Theologie,
wandte sich aber mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien
zu und wurde 1815 Lehrer am Gymnasium zu Bern, studierte dann in
Göttingen und Paris Geologie und Astronomie, begleitete
Leopold v. Buch auf mehreren Alpenreisen und widmete sich seitdem
hauptsächlich der Erforschung der Alpen. 1825 erhielt er die
für ihn errichtete Professur der Geologie in Bern, die er bis
1873 innehatte. Er starb 2. Mai 1887 in Bern. Von seinen Schriften
sind zu nennen: "Monographie der Molasse" (Bern 1825); "Geologie
der westlichen Schweizeralpen" (Heidelb. 1834); "Anfangsgründe
der mathematischen Geographie" (2. Aufl., Bern 1842); "Die
Gebirgsmasse von Davos" (das. 1837); "Lehrbuch der physikalischen
Geographie und Geologie" (das. 1844-47, 2 Bde.); "Hauteurs
barometriques prises dans le Piémont, en Valois et en
Savoie" (mit Escher von der Linth, das. 1843); "Geologie der
Schweiz" (das. 1851-53, 2 Bde.); "Einleitung in das Studium der
Physik und Elemente der Mechanik" (das. 1859); "Geschichte der
physischen Geographie der Schweiz" (Zürich 1863); "Über
den Ursprung der Schweizer Seen" (Genf 1864); "Zur Geologie der
Berner Alpen" (Stuttg. 1866); "Index der Petrographie und
Stratigraphie der Schweiz" (Bern 1872); "Gneis und Granit der
Alpen" (Berl. 1873). Auch bearbeitete er mit Escher von der Linth
die treffliche "Carte géologique de la Suisse" (Winterth.
1853, 2. Aufl. 1870, in 4 Blättern) und eine
Übersichtskarte in 1 Blatt. In den letzten Jahren widmete er
sich besonders der auf seine Anregung von der Schweizerischen
Naturforschenden Gesellschaft beschlossenen Herausgabe von
"Beiträgen zu einer geologischen Karte der Schweiz" und der
geologischen Kolorierung der großen Schweizerkarte von
Dufour. 1885 legte er das Präsidium der schweizerischen
geologischen Kommission nieder. - Sein Vetter Gottlieb S., geb.
1804 zu Bern, lebt als Bibliothekar daselbst und ist bekannt als
Mitbegründer des Schweizer Alpenklubs und durch die wertvollen
Schriften: "Berg- und Gletscherfahrten" (mit Ulrich und Weilenmann,
Zürich 1859-63, 2 Bde.); "Über Eis und Schnee. Die
höchsten Gipfel der Schweiz und die Geschichte ihrer
Besteigung" (Bern 1869-83, 4 Bde.). Studie(v. lat. studium), Übungsstück,
Vorarbeit zu einem Kunstwerk, besonders in der Malerei etc. Studienanstalten, in Bayern amtliche Bezeichnung der
Gymnasien; s. Gymnasium, S. 962. Studieren(lat.), wissenschaftlich forschen, etwas
wissenschaftlich betreiben; zu diesem Zweck eine Hochschule
besuchen. Student, Studiosus, ein Stu- 403 Studio - Stuhlzwang. dierender, besonders auf einer Hochschule (vgl.
Universitäten). Studio(Bruder S.), scherzhaft für Studiosus,
Student. Studium(lat., Mehrzahl: Studien), wissenschaftliche
Forschung sowie der Gegenstand derselben; auch Werkstätte
eines bildenden Künstlers (ital. studio). Als akademisches S.
pflegt man die Bildungszeit zu bezeichnen, die jemand auf der
Universität zubringt. Studjianka, Dorf, s. Borissow. Studley Royal(spr. stoddli reu-el), s. Ripon. Stuer, Lehngut in Mecklenburg-Schwerin, am Plauer See,
hat eine evang. Kirche, eine Burgruine, eine besuchte
Wasserheilanstalt und (1885) 173 Einw. Stuerbout(spr. stührbaut), Maler, s. Bouts. Stufe, ein Stück Gestein oder Erz; Fundstufe, am
Fundort von dem gefundenen Mineral genommene Probe; auch ein vom
Markscheider oder einem Bergbeamten in das Gestein eingehauenes
Merk- oder Grenzzeichen. Stufenerz, s. v. w. Stuferz. Stufengebete(Staffelngebete) heißen die Gebete,
welche am Anfang der Messe von dem Celebranten und dem Altardiener
auf der untersten Stufe des Altars gesungen werden. Stufenjahre, s. Klimakterische Jahre. Stufenlieder, s. Psalmen. Stufenscheibe, s. Riemenräderwerke. Stufenschnitt, in der Heraldik, s. Heroldsfiguren. Stuferz(Stufferz), derbes Erz; edle Stuferze, reine
gediegene Erzstücke, welche keiner Aufbereitung auf Pochwerken
etc. bedürfen. Stuhl, früher Bezeichnung gewisser hoher
Gerichtsbarkeiten, z. B. Schöppenstuhl; in Siebenbürgen
früher s. v. w. Gerichtsbezirk (daher Stuhlrichter etc.). Stühle. Über die S. der Alten s. Sella. Im
frühern Mittelalter kommt derStuhl noch selten vor und
dann nur als Thronstuhl für hohe Würdenträger oder
als Ehrensitz für das Familienhaupt. Die übrigen
Familienmitglieder setzten sich auf Schemel, Bänke, Truhen,
Klappstühle, Sessel. Am Ende des 11. Jahrh. findet man Schemel
mit Rückenlehnen im täglichen Gebrauch, doch immer nur
noch bei Vornehmen. Im 13. Jahrh. wird die Sitzplatte sechs- bis
achteckig, und das Gerät hat die entsprechende gleiche Zahl
von Beinen oder Stützen; für den Richterstuhl besteht aus
jener Zeit die Vorschrift, daß er vierbeinig sein soll.
Ebenfalls im 13. Jahrh. fertigte man auch schon S. aus dünnen
Eisenstäben, deren Sitze aus Riemen oder Gurten bereitet und
mit Kissen belegt wurden. Sehr kostbar waren und blieben das ganze
Mittelalter hindurch die byzantinischen und römischen
Prachtstühle, die besonders hohe und mit Schnitzereien
gezierte Rücklehnen sowie geschweifte oder gedrechselte
Säulen und Füße hatten. Ein solcher Prachtstuhl,
der in der Regel mit einem gestickten oder gewirkten Überzug
bedeckt war, stand nie frei, sondern meist vor der Mitte einer
Wand. Stuhlfeier Petri, s. Petri Stuhlfeier. Stuhlgericht, s. v. w. Femgericht. Stuhlherr(Gerichtsherr), bei den frühern
Patrimonialgerichten der Inhaber der Patrimonialgerichtsbarkeit (s.
d.); bei den Femgerichten (s. d.) des Mittelalters der Inhaber des
sogen. Freistuhls und der Patronatsherr des Gerichts. Stühlingen, Stadt im bad. Kreis Waldshut, an der
Wutach und der Linie Oberlauchringen-Weizen der Badischen
Staatsbahn, 501 m ü. M., Hauptstadt der dem Fürsten von
Fürstenberg gehörigen gleichnamigen Standesherrschaft,
hat ein Bergschloß (Hohenlupfen), ein Hauptzollamt, eine
Bezirksforstei, Baumwollzwirnerei, Gerberei, eine Kunstmühle
und (1885) 1244 Einw. 1849 wurden hier römische Mauern mit
Mosaikboden gefunden. Stuhlrohr, s. v. w. Spanisches Rohr. Stuhlverstopfuug(Obstruktion), Hemmung der normalen
Darmentleerung. Die S. ist keine selbständige Krankheit,
sondern nur das Symptom einer solchen und begleitet eine
große Zahl von Darmleiden. Entweder hat die S. ihre Ursache
darin, daß an irgend einer Stelle des Darmrohrs eine
Verengerung, Einklemmung oder Verschlingung eingetreten ist, welche
mechanisch das Hineingelangen des Inhalts in den Mastdarm und seine
Entleerung hindert, oder es liegt bei freier Wegsamkeit eine mehr
oder weniger vollständige Lähmung der Darmbewegung
(Peristaltik) dem Übel zu Grunde. Eine solche Trägheit in
der wurmförmigen Zusammenziehung kann künstlich durch
sogen. stopfende Mittel, Tannin und besonders Opium, hervorgerufen
werden; gemeiniglich ist sie eine Folge vorausgegangener abnorm
lebhafter Bewegungen, wie sie bei Darmkatarrhen,
Darmentzündungen, choleraähnlichen Durchfällen oder
beim Typhus vorkommen; zuweilen ist die üble Angewohnheit der
seltenen Stuhlentleerung schuld an der S., in noch andern
Fällen mag eine organische Erkrankung des Nervenapparats,
welcher in der Darmwand selbst liegt, die Ursache der sogen.
habituellen S. (Hartleibigkeit) sein. Die leichtern Grade der S.,
welche ungemein häufig nach kleinen Diätfehlern
auftreten, weichen der Anwendung milder Abführmittel, wie
Rizinusöl, Senna, oder dem Gebrauch einiger Gläser
Bitterwasser. Die hartnäckigen Fälle erfordern eine
sorgfältige Behandlung des ursachlichen Darmleidens; bei
habitueller S. ist die Diät zu regeln, für Bewegung und
Erhaltung eines guten Allgemeinbefindens zu sorgen und bei
bestehender hypochondrischer Verstimmung künstlich durch milde
Arzneien vollständige und tägliche Öffnung des
Leibes zu schaffen. Stuhlweißenburg(ungar. Szekesfehervar, lat. Alba
regia), königliche Freistadt im ungar. Komitat
Weißenburg und Knotenpunkt der Süd- und Ungarischen
Westbahn, hat einen Dom, unter dem außer alten
Königsgräbern auch die Basilika Stephans des Heiligen
gefunden wurde, eine bischöfliche Residenz mit Bibliothek, 3
Klöster, eine schöne Seminarkirche, ein neues Theater,
eine große Honvedkaserne, ein Denkmal des Dichters
Vörösmarty (von Vay) und (1881) 25,612 Einw., die
lebhaften Handel (bedeutend sind die Pferdemärkte) und Gewerbe
treiben. S. hat ein katholisches Obergymnasium, ein
Priesterseminar, eine Real- und eine Handelsschule, ein
Militärhengstedepot und ist Sitz des Komitats, eines
römisch-katholischen Bischofs, Domkapitels und Gerichtshofs. -
Von Stephan dem Heiligen zur Krönungsstadt erhoben, war S.
seitdem meist Residenz und Begräbnisstätte der
ungarischen Könige, bis erstere zur Zeit des Königs Bela
IV. nach Ofen verlegt wurde. 1543 fiel die Stadt den Türken
durch Kapitulation in die Hände. Infolge der hier 3. Nov. 1593
und 6. Sept. 1601 von den Kaiserlichen über die Türken
erfochtenen Siege kam die Stadt wieder in den Besitz der erstern,
aber schon 1602 durch Meuterei der Besatzung von neuem in die
Gewalt der Türken, welche sie erst 1688 verließen. Stuhlwinde, s. Aufzüge, S. 70. Stuhlzeug, Roßhaargewebe zum Beziehen von
Möbeln. Stuhlzwang(Tenesmus), das schmerzhafte Drängen zum
Stuhl, wobei aber nur geringe Kotmassen 404 Stuhm - Stumpfsinn. entleert werden, oder welches auch gänzlich erfolglos
bleibt. Der S. beruht auf krampfhafter Zusammenziehung der
Muskulatur des Dickdarms und des Afterschließmuskels und ist
konstantes Symptom der Dickdarmentzündungen bei Katarrhen,
namentlich des Mastdarms, bei Reizungen durch Würmer und
vornehmlich bei Ruhr, Typhus etc. Der S. hört mit erfolgtem
Stuhl auf, oder dauert noch eine Weile fort; er kann ein
äußerst quälendes Symptom darstellen. Stuhm, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Marienwerder, an zwei Seen und an der Linie Thorn-Marienburg der
Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath.
Kirche, ein altes Schloß, Amtsgericht, Pferdemärkte und
(1885) 2238 Einw. Stuhmsdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk
Marienwerder, Kreis Stuhm, hat eine kath. Kirche und 602 Einw. Hier
wurde 12. Sept. 1635 unter französischer Vermittelung ein
Waffenstillstand auf 26 Jahre zwischen Schweden und Polen
geschlossen. Stuhr, Peter Feddersen, Geschichtsforscher, geb. 28. Mai
1787 zu Flensburg, ließ sich nach beendetem akademischen
Studium 1810 in Heidelberg nieder und machte sich durch seine
Polemik gegen Niebuhr in der Schrift "Über den Untergang der
Naturstaaten" (Berl. 1817) bekannt. Nachdem er den Feldzug von 1813
in der hanseatischen Legion und den von 1815 in der
preußischen Landwehr, dann im 6. Ulanenregiment mitgemacht,
erhielt er eine Anstellung als Sekretär bei der
Militärstudienkommission in Berlin und 1826 eine
außerordentliche Professur daselbst. Er starb 13. März
1851 in Berlin. Von seinen Arbeiten sind noch hervorzuheben: "Die
Staaten des Altertums und die christliche Zeit in ihrem Gegensatz"
(Heidelb. 1811); "Die Religionssysteme der heidnischen Völker
des Orients" (Berl. 1836) und der Hellenen" (das. 1838); "Die drei
letzten Feldzüge gegen Napoleon" (Lemgo 1832, Bd. 1); "Der
Siebenjährige Krieg" (das. 1834); "Geschichte der See- und
Kolonialmacht des Großen Kurfürsten" (Berl. 1839);
"Forschungen und Erläuterungen über Hauptpunkte der
Geschichte des Siebenjährigen Kriegs" (Hamb. 1842, 2
Bde.). Stuiben, Berg in den Algäuer Alpen, südwestlich
von Immenstadt, 1764 m hoch, mit Wirtshaus. Stuifen, Bergkegel an der Nordwestseite des Albuch
(Schwäbischer Jura) im württembergischen Jagstkreis,
erreicht 756 m Höhe. Stuiver, Münze, s. Stüber. Stüler, Friedrich August, Architekt, geb. 28. Jan.
1800 zu Mühlhausen in Thüringen, bildete sich zu Berlin
nach Schinkel, bereiste 1829 und 1830 Frankreich und Italien, ward
Hofbauinspektor und 1832 Hofbaurat und Direktor der
Schloßbaukommission. Unter Friedrich Wilhelm IV.
eröffnete sich ihm ein bedeutender Wirkungskreis. Außer
den "Vorlegeblättern für Möbeltischler" , welche er
mit Strack in 4 Heften (1835 ff.) herausgab, sind unter seinen
architektonischen Entwürfen die im "Album des
Preußischen Architektenvereins" (Potsd. 1837 ff.)
erschienenen hervorzuheben, ferner die zu dem neuen Rathaus in
Perleberg, zum Wiederaufbau des Winterpalais in Petersburg, zu den
Schloßbauten in Boitzenburg, Basedow, Arendsee, Dalwitz und
zu der katholischen Kirche in Rheda. Seine bedeutendste
Schöpfung ist das Neue Museum in Berlin. Auch der Kuppelbau
auf dem Triumphbogen des Hauptportals des königlichen
Schlosses ist sein Werk. Andre Bauten von ihm sind: die Alte
Börse zu Frankfurt a. M. (1844), die Matthäus-, Jacobus-,
Markus- und Bartholomäuskirche in Berlin, mehrere
Prachtanlagen im Park von Sanssouci, die Nikolaikirche zu Potsdam,
die Vollendung des großherzoglichen Schlosses zu Schwerin,
die Universität zu Königsberg, das Nationalmuseum zu
Stockholm, die Akademie zu Pest. Endlich lieferte er eine Menge
dekorativer Zeichnungen für Gußwerke,
Porzellangefäße, Silberarbeiten etc. S. starb 18.
März 1865 in Berlin. Stultitia(lat.), Thorheit; Stultus, Thor. Stumm, Karl Ferdinand, Freiherr von, Industrieller, geb.
30. März 1836 zu Saarbrücken, besuchte die
Universitäten Bonn und Berlin und übernahm sodann die
Leitung der von seinem Vater gegründeten großen
Eisenhüttenwerke in Neunkirchen. 1870/71 führte er als
Rittmeister der Landwehr eine Ulanenschwadron; auch erhielt er von
der Regierung den Titel eines Geheimen Kommerzienrats. Er wurde
1867 gleichzeitig in das preußische Abgeordnetenhaus und den
Reichstag gewählt und gehörte dem erstern bis 1870, dem
andern bis 1881 und wieder seit 1889 an. 1882 wurde er zum Mitglied
des Herrenhauses ernannt und 1888 in den Freiherrenstand erhoben.
Mitglied der deutschen Reichspartei, unterstützte er
namentlich die wirtschaftlichen Reformen Bismarcks, sowohl die
schutzzöllnerische Tarifreform von 1879 als die
Maßregeln für den Schutz des Handwerks und der Arbeiter.
Sein Bruder Ferdinand, Freiherr von S., geb. 1843 zu Neunkirchen,
machte als Offizier die Feldzüge gegen Dänemark (1864) u.
Österreich (1866) mit, nahm 1868 am Feldzug der Engländer
gegen Abessinien teil, trat 1869 zur diplomatischen Laufbahn
über, kämpfte aber 1870/71 im Kriege gegen Frankreich und
ward 1883 zum Gesandten in Darmstadt, 1885 in Kopenhagen, 1887 in
Madrid ernannt. 1888 ward er Botschafter des Deutschen Reichs in
Madrid und in den Freiherrenstand erhoben. Stummelaffe(Colobus Illig.), Gattung aus der Familie der
Schmalnasen (Catarrhini) und der Unterfamilie der Hundsaffen,
stehen den Schlankaffen (s. d.) sehr nahe, haben aber an den
Vorderhänden nur Daumenrudimente; ihr Leib ist schlank, die
Schnauze kurz, der Schwanz sehr lang; sie besitzen
Gesäßschwielen, aber keine Backentaschen. Die Guereza
(C. Guereza Rüpp.), 65 cm lang, mit 70 cm langem Schwanz, ist
schwarz mit silbergrauer Kehle und Stirnbinde und grauer
Seitenmähne u. Schwanzquaste; er bewohnt Abessinien, lebt fast
nur auf Bäumen, ist höchst behende, durchaus harmlos und
nährt sich von Blättern, Früchten und Insekten. Zu
derselben Gattung gehören der Bärenstummelaffe (C.
ursinus Wagn.), in Westafrika, und der Teufelsaffe(C. Satanas
Wagn.), auf Fernando Po. Stumme Rollen, im Theaterwesen Rollen, in welchen der
Schauspieler nicht spricht oder singt, sondern sich einzig und
allein durch die Gebärdensprache zu verstehen gibt (z. B. in
der "Stummen von Portici"). Stummheit, das Unvermögen, artikulierte Laute
hervorzubringen, zeigt sich bei Krankheiten des Gehirns
(Schlagfluß, Epilepsie etc.) und der Sprachwerkzeuge, auch
bei Taubheit (Taubstummheit). Stumpf, s. Juxtabuch. Stumpfsinn(Stupor), ein Seelenzustand, bei welchem alle
Thätigkeit des Gehirns daniederliegt. Teils als
selbständige Geisteskrankheit, teils als Teilerscheinung
mannigfacher Symptomenkomplexe (Melancholie, paralytische
Geistesstörung) aufgefaßt, stellt der S. den
höchsten Grad des Schwachsinns dar, welcher durch die
gänzliche Aufhebung aller willkürlichen psychischen wie
motorischen Äußerungen charakterisiert ist. Man sieht
diese Kranken im Zustand völliger Geistesabwesenheit und
Regungslosigkeit durch Tage und Wo- 405 Stunde - Sturdza. chen verharren; keine Frage wird beantwortet, kein
äußerer Eindruck kommt zum Bewußtsein, das
Gefühl gegen Frost und Hitze, gegen Schmerzen und andere
Sinneseindrücke ist verloren. Der Harn u. Speichel
fließen unwillkürlich ab, die Kranken verunreinigen
sich, sie müssen künstlich ernährt werden, da sie
sonst verhungern oder verdursten würden. Zuweilen ist mit dem
S. eine eigentümliche Starrsucht (Flexibilitas cerea)
verbunden, bei welcher die Muskeln gespannt, ja bretthart sind und
in der einmal eingenommenen Stellung ohne Regung, ohne
Ermüdung verharren. Die Ursache dieses Zustandes ist
unbekannt. Der S. geht zuweilen in Genesung über, sofern er
akut und als einzige Geistesstörung auftritt; bildet er den
Ausgang chronischer, in Schwachsinn übergehender
Geisteskrankheiten, so führt er ziemlich jäh den letzten
Abschnitt dieser Leiden zu Ende. Stunde, der 24. Teil eines Tags, der wieder in 60 Minuten
à 60 Sekunden geteilt wird. Die Zeichen dafür sind h,
d. h. hora oder S., m und s; es ist also 5 h 12 m 51,5 s soviel wie
5 Stunden 12 Min. 51,5 Sek. Die meisten zivilisierten Völker
fangen jetzt die erste S. des Tags im bürgerlichen Leben nach
dem Eintritt der Mitternacht an zu zählen, zählen aber
nur bis 12 und beginnen zu Mittag wieder von vorn, so daß der
Tag in zweimal 12 Stunden (Vormittag [a. m. = ante meridiem] und
Nachmittag [p. m. = post m.]) zerfällt. In einem großen
Teil Italiens aber zählte man bis zur neuesten Zeit die
Stunden vom Sonnenuntergang an fortlaufend von 1-24. Ebenso pflegen
die Astronomen zu zählen, aber von Mittag an. S. als
Wegmaß (Wegstunde) = 5km. Stundenglas, s. v. w. Sanduhr. Stundenkreis, jeder größte Kreis der
Himmelskugel, welcher durch beide Pole geht, also den Äquator
senkrecht schneidet, gleichbedeutend mit Deklinationskreis; vgl.
Himmel, S. 545. Stundenwinkel, der Winkel zwischen dem Deklinationskreis
eines Sterns und dem Meridian; vgl. Himmel, S. 546. Stundisten(russ. Stundisty, vom deutschen "Stunde" im
Sinn von Betstunde), Name einer um 1870 im Gouvernement Kiew
gebildeten religiösen Sekte, die in Südrußland
weite Verbreitung gefunden hat. Die S. verwerfen jede
Priesterherrschaft, die Sakramente und äußern
gottesdienstlichen Gebrauche und begegnen sich, indem sie das
Hauptgewicht auf die religiöse Erweckung legen, mannigfach mit
dem protestantischen Pietismus. Stundung, Fristerteilung von seiten des Gläubigers
dem Schuldner gegenüber in Ansehung einer an und für sich
fälligen Forderung. Die nach gemeinem deutschen Recht auch
gegen den Willen des Gläubigers zulässige S. durch die
Staatsgewalt ist nach der deutschen Zivilprozeßordnung nicht
mehr statthaft. Stupa, s. Tope. Stupefaktion(lat.), Bestürzung; Stupefacientia,
betäubende Mittel; stupend, erstaunlich. Stüpfelmaschine, s. Schablonenstechmaschine. Stupid(lat.), stumpfsinnig, dumm. Stupor(lat.), Erstarrung, dumpfe Starrheit; als
Geisteskrankheit s. v. w. Stumpfsinn (s. o.). Stupp, Quecksilberruß, s. Quecksilber. Stuprum(lat.), außerehelicher Beischlaf; Stuprata,
die Geschändete, Geschwächte; Stuprator, der
Schwängerer. Stur, 1)(Stúr, spr. schtur) Ludewit, slowak.
Schriftsteller u. Patriot, geb. 23. Okt. 1815 zu Uhrowez im
ungarischen Komitat Trentschin, protestantischer Abkunft, studierte
in Preßburg und Halle und bekleidete 1840-43 eine Professur
am Lyceum zu Preßburg, der Hauptpflanzstätte der
litterarischen und patriotischen Bewegung der Slowaken, der er sich
mit Begeisterung anschloß. Fortan ganz der Litteratur
zugewendet, verteidigte er in mehreren Schriften in deutscher
Sprache die Rechte der Slowaken gegen die Angriffe der Magyaren und
gründete 1845 die Zeitung "Slovenske narodnie Novini"
("Slowakische Nationalzeitung") mit der litterarischen Beilage
"Orol Tatranski" ("Der Adler von der Tatra"), worin er sich statt
des bisher üblichen Tschechischen der slowakischen
Volkssprache (und zwar im Dialekt seiner Heimat) bediente, die
hierdurch zur Schriftsprache bei den protestantischen Slowaken
erhoben wurde. Im J. 1847 wurde S. von Altsohl in den Reichstag zu
Preßburg gewählt, wo er mit glänzender Beredsamkeit
für die Rechte seines Volkes auftrat; nach Ausbruch des
Aufstandes 1848 floh er nach Wien, nahm dann am
Slowakenkongreß zu Prag teil, blieb aber nach wie vor der
Hauptleiter der Bewegung gegen die Ungarn, die sogar einen Preis
auf seinen Kopf setzten. Später in Zurückgezogenheit
seinen litterarischen Arbeiten lebend, starb er 12. Jan. 1856
infolge einer Wunde, die er sich auf der Jagd zugezogen hatte. Von
seinen Schriften sind noch "Zpevy i pisne" ("Gesänge und
Lieder", Preßb. 1853) und das in tschechischer Sprache
abgefaßte Werk "Über die Volkslieder und Märchen
der slawischen Stämme" (Prag 1853) zu erwähnen. Auch
hinterließ er im Manuskript ein deutsch geschriebenes Werk
aus den Jahren 1852 bis 1853, das eine Darstellung seiner Theorie
des Panslawismus enthält und in russischer Übersetzung
von Lamanskij unter dem Titel: "Das Slawentum und die Welt der
Zukunft" (Mosk. 1867) erschien. 2) Dionys, Geolog und Paläontolog, geb. 1827 zu Beczko
(Ungarn), besuchte die hohen Schulen von Modern und Preßburg,
studierte in Wien und Schemnitz, wurde 1850 Mitglied der k. k.
geologischen Reichsanstalt in Wien und 1877 Vizedirektor derselben.
Er lieferte zahlreiche Arbeiten, namentlich über
Pflanzenpaläontologie, und schrieb: "Geologie der Steiermark"
(Graz 1871, mit Karte); "Die Kulmflora des
mährisch-schlesischen Dachschiefers"(Wien 1875); "Die
Kulmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten" (das. 1877);
"Die Karbonflora der Schatzlarer Schichten" (das. 1885-87) u.
a. Stura, Fluß in der ital. Landschaft Piemont,
entspringt auf der Höhe des Monte Argentera in den Seealpen,
tritt vor Cuneo in die oberitalienische Tiefebene und mündet
bei Cherasco in den Tanaro; 110 km lang. Noch drei andre
Wasserläufe im Piemontesischen heißen S. Sturdza(Stourdza), moldauische Bojarenfamilie, die
urkundlich bis in den Anfang des 15. Jahrh. hinaufreicht. Gregor S.
war unter dem Fürsten Kallimachi Kanzler der Moldau und
leitete die Abfassung des 1817 erschienenen moldauischen
Gesetzbuchs. Als nach der langen Fremdenherrschaft der Fanarioten
der Hospodarensitz der Moldau wieder von Rumänen eingenommen
wurde, waren es zwei Sturdzas, die nacheinander denselben
besetzten: Johann S. (1822-28) und Michael S. (1834 bis 1. Mai
1849). Die Regierung beider war sehr erschwert durch das auf den
Donaufürstentümern lastende russische Protektorat. Johann
S. mußte einer russischen Besitznahme der Moldau weichen, die
1828-34 währte. Michael Sturdzas (geb. 14. April 1795, gest.
8. Mai 1884 in Paris) 14jährige Regierung wurde verhaßt
durch den russischen Zuschnitt, den er dem Fürstentum zu geben
sich bemühte (s. Walachei, Ge- 406 Sture - Sturm schichte). Vgl. "Michel Stourdza et son administration"
(Brüssel 1848); "Michel Stourdza, ancien prince regnant de
Moldavie" (Par. 1874). Sein Sohn Gregor, geb. 1821, ist ein
Hauptvertreter der russischen Partei in Rumänien.
Außerdem haben sich einen Namen gemacht: 1) Alexander S., geb. 29. Nov. 1791, Sohn eines moldauischen
Bojaren, der als politisch Kompromittierter 1792 nach Rußland
auswanderte, erhielt seine Bildung in Deutschland und suchte sich
nach seiner Rückkehr nach Rußland der dortigen Regierung
als loyaler Publizist bemerklich zu machen. Seine Schrift
"Betrachtungen über die Lehre und den Geist der orthodoxen
Kirche" (deutsch, Leipz. 1817) erwarb ihm die Würde eines
russischen Staatsrats. Auf dem Kongreß zu Aachen schrieb er
im Auftrag seines Kaisers ein "Memoire sur l'etat actuel de
l'Allemagne" (deutsch in den "Politischen Annalen" 1819), worin er
unter andern ungerechten Urteilen über Deutschland namentlich
die deutschen Universitäten als Pflanzschulen
revolutionären Geistes und des Atheismus hinstellte. Die
bedeutendsten Gegenschriften sind: "Coup d'oeil sur les universites
de l'Allemagne" (Aach. 1818) und von Krug (Leipz. 1819). S. zog
sich 1819 nach Dresden zurück, wo er sich mit einer Tochter
Hufelands verheiratete, und 1820 auf seine Güter in der
Ukraine und lebte später zu Odessa, sich der Einrichtung und
Leitung wohlthätiger Anstalten, unter andern eines
Diakonissenvereins, widmend. Er starb 25. Juni 1854 zu Mansyr in
Bessarabien. Von seinen übrigen Schriften ist hervorzuheben
"La Grece en 1821" (Leipz. 1822). Nach seinem Tod wurden
herausgegeben: "OEuvres posthumes religieuses, historiques,
philosophiques et litteraires" (Par. 1858-61, 5 Bde.). 2) Demeter S. von Miclauscheni, rumän. Staatsmann und
Schriftsteller, geb. 10. März 1833, studierte in München,
Göttingen, Bonn und Berlin, war 1857 Kanzleichef des Diwans ad
hoc der Moldau, 1866 einer der eifrigsten Mitarbeiter an dem Sturz
des Fürsten Alexander Cusa, 1866 bei der Wahl des Fürsten
Karl von Hohenzollern als Mitglied (Minister der öffentlichen
Arbeiten) der provisorischen Regierung thätig und bekleidete
im Kabinett Bratianus 1876-88 wiederholt den Ministerposten der
öffentlichen Arbeiten, der Finanzen, des Äußern und
des Unterrichts. Als Generalsekretär der rumänischen
Akademie leitet er die Herausgabe von zwei großen
Quellenwerken über rumänische Geschichte (Hurmuzakis
"Documente privitoare la Istoria Romanilor", Bukar. 1876-89, 11
Bde., u. Sturdzas "Acte si Documente privitoare la Istoria
Renascerei Romaniei", das. 1888-89, 3 Bde.). Er schrieb mehrere
historische und numismatische Abhandlungen, z. B. "La marche
progressive de la Russie sur le Danube" (Wien 1878); "Rumänien
und der Vertrag von San Stefano" (das. 1878); "Übersicht der
Münzen und Medaillen des Fürstentums Rumänien,
Moldau u. Walachei" (das. 1874); "Memoriu asupra numismaticei
romanesci" (Bukar. 1878). Sture, altadliges Geschlecht in Schweden, das 1716
erlosch. Sten S. der ältere, Reichsvorsteher von Schweden,
Sohn Gustav Amundssons S. und Schwestersohn Karl Knutsons, ward
nach dessen Tod 1470 Reichsvorsteher und besiegte den
Dänenkönig Christian I. 10. Okt. am Brunkeberg. Er
errichtete 1476 die Universität zu Upsala, führte die
Buchdruckerei in Schweden ein und versöhnte sich 1497 mit
König Johann von Dänemark, der bloß den Titel eines
Königs von Schweden führte, während S. Regent war.
Er starb 13. Dez. 1503 in Jönkoping, wahrscheinlich an Gift.
Vgl. Palmen, Sten Stures strid med konung Hans (Helsingf. 1884);
Blink, Sten S. den äldre och hans samtider (Stockh. 1889). Ein
Seitenverwandter von ihm, Svante Nilsson S., folgte ihm als
Reichsvorsteher. Derselbe setzte den Krieg gegen die Dänen
fort, eroberte Kalmar, welches dieselben besetzt hielten, und
schlug Johann zu wiederholten Malen, starb aber schon 2. Jan. 1512
in Westeras, worauf sein Sohn Sten S. der jüngere 23. Juli
1512 zum Reichsverweser erwählt wurde. Er unterlag in der
Schlacht bei Bogesund, in welcher er verwundet wurde, den
Dänen und starb auf dem Weg nach Stockholm 3. Febr. 1520.
Seine Leiche wurde nach dem Stockholmer Blutbad auf einem
Scheiterhaufen verbrannt. Sturluson, s. Snorri Sturluson. Sturm, heftiger Wind (s. d.). Im Feldkrieg heißt S.
der entscheidende Angriff auf eine vom Feind besetzte Stellung,
Ortschaft, Schanze etc., wobei es zum Handgemenge (s. d.) kommt,
wenn der Feind standhält. Der S. auf Festungswerke ist in der
Regel nur nach vorhergegangenem förmlichen Angriff
möglich (s. Festungskrieg, S. 190). Sturm, 1) Jakob S. von Sturmeck, elsäss. Staatsmann,
geb. 10. Aug. 1489 zu Straßburg, stammte aus einer edlen
Familie des Niederrheins, widmete sich zuerst dem Studium der
Theologie auf der Universität zu Freiburg, dann der
Rechtswissenschaft in Lüttich und Paris. 1525 wurde er zum
erstenmal Stadtmeister in seiner Vaterstadt. Schon früh
schloß er sich der Reformation an und nahm 1529 an dem
Religionsgespräch zu Marburg teil, sonderte sich dann aber von
den Lutheranern , weil er ihnen die Schuld an der Spaltung der
Evangelischen zuschrieb, und überreichte 1530 im Namen
Straßburgs und andrer Städte auf dem Reichstag zu
Augsburg die Confessio tetrapolitana. Um die Aufnahme seiner
Vaterstadt in den Schmalkaldischen Bund zu erreichen, machte er
1532 Luther einige Zugeständnisse. Fortan leitete er
Straßburgs Angelegenheiten mit großer Umsicht und
vertrat ihre Interessen auf mehreren Gesandtschaften mit Geschick.
Auch gelang es ihm, 1547 nach der Schlacht bei Mühlberg die
von Karl V. auferlegte Kontribution zu ermäßigen. S. hat
die Bibliothek und ein Gymnasium in Straßburg begründet,
das bald erfreulich gedieh (s. S. 2). Er starb 30. Okt. 1553 in
Straßburg. Vgl. Baum, Jakob S. (3. Aufl., Straßb.
1872); Baumgarten, Jakob S. (das. 1876). 2) Johannes von, verdienter Schulmann, geb. 1. Okt. 1507 zu
Schleiden in der Eifel, besuchte das Gymnasium der Hieronymianer zu
Lüttich, vollendete seine Studien auf der Universität
Löwen, ward 1530 akademischer Lehrer der klassischen Sprachen
in Paris und 1537 Rektor des neugegründeten Gymnasiums zu
Straßburg, welches unter seiner Leitung europäischen Ruf
erlangte. Als eifriger Calvinist mit den Lutheranern in Streit
über die Annahme der Konkordienformel verwickelt, verlor S.
1582 seine Stelle und starb 3. März 1589 in Straßburg.
Kaiser Karl V. verlieh ihm den Reichsadel. Sturms Studienordnung,
im wesentlichen auf Melanchthons Grundsätzen erbaut, war das
Vorbild für zahlreiche Schulpläne des 16. und 17. Jahrh.
und hatte namentlich auch wesentlichen Einfluß auf die Ratio
studiorum der Jesuiten. Vgl. Schmidt, La vie et les travaux de Jean
S. (Straßb. 1855); Laas, Die Pädagogik des J. S. (Berl.
1872); Kückelhahn, J. S., Straßburgs erster Schulrektor
(Leipz. 1872); Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts (das.
1885). 407 Sturmbock - Sturmvogel. 3) Jakob, Kupferstecher und Naturforscher, geb. 21. März
1771 zu Nürnberg, gest. 28. Nov. 1848 daselbst, verdient durch
seine ikonographischen Werke über die deutsche Flora und
Fauna, nach Sturms Tod fortgesetzt von seinem Sohn Johann Wilhelm
S. (geb. 19. Juli 1808, gest. 7. Jan. 1865 in Nürnberg),
nämlich: "Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur"
(Nürnb. 1798-1855, 163 Hefte mit 2472 Tafeln; 1. Abt.:
Phanerogamen, 96 Hefte, bearbeitet von Hoppe, Schreber, Sternberg,
Reichenbach und Koch; 2. Abt.: Kryptogamen mit Ausschluß der
Pilze, 31 Hefte, von Launer und Conde; 3. Abt.: Die Pilze, 36
Hefte, von Ditmar, Rostkovius, Conde, Preuß, Schnizlein und
F. v. Strauß); "Deutschlands Fauna in Abbildungen nach der
Natur" (das. 1805-57; Vögel, Amphibien, Mollusken,
Käfer). 4) Julius, Lyriker, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz im
Reußischen, studierte zu Jena Theologie und wirkte seit 1857
als Pfarrer in Köstritz, bis er 1885 mit dem Titel eines
Geheimen Kirchenrats in den Ruhestand trat. Von seinen Dichtungen
sind hervorzuheben: "Gedichte" (Leipz. 1850, 5. Aufl. 1882);
"Fromme Lieder" (das. 1852, 11. Aufl. 1889); "Zwei Rosen oder das
Hohelied der Liebe" (das. 1854); "Neue Gedichte" (das. 1856, 2.
Aufl. 1880); "Neue fromme Lieder und Gedichte" (das. 1858, 3. Aufl.
1880); "Für das Haus", Liedergabe (das. 1862); "Israelitische
Lieder" (3. Aufl., Halle 1881) und "Von der Pilgerfahrt" (das.
1868); ferner die neue Sammlung "Lieder und Bilder" (Leipz. 1870, 2
Tle.); "1870. Kampf- und Siegesgedichte" (Halle 1870); "Spiegel der
Zeit in Fabeln" (Leipz. 1872); "Gott grüße dich" (das.
1876, 3. Aufl. 1887); "Das Buch für meine Kinder" (das. 1877,
2. Aufl. 1880); "Immergrün", neue Lieder (das. 1879, 2. Aufl.
1888); "Märchen" (das. 1881, 2. Aufl. 1887); "Aufwärts!",
neue religiöse Gedichte (das. 1881); "Neues Fabelbuch" (5.
Aufl., das. 1881); "Dem Herrn mein Lied", religiöse Gedichte
(Brem. 1884); "Natur, Liebe, Vaterland", neue Gedichte (Leipz.
1884); "Bunte Blätter" (Wittenb. 1885); "Palme und Krone",
Lieder zur Erbauung (Brem. 1887). Tief religiöser Sinn,
Innigkeit der Empfindung und echt deutsche Gesinnung zeichnen die
Dichtungen Sturms durchweg aus. Er gab auch die Anthologie
"Hausandacht in frommen Liedern unsrer Tage" (Leipz. 1870, 5. Aufl.
1883) und unter dem Pseudonym Julius Stern die Märchensammlung
"Das rote Buch" (das. 1855) heraus. 5) Eduard, österreich. Abgeordneter, geb. 8. Febr. 1830 zu
Brünn, studierte in Olmütz und Brünn die Rechte,
ward 1852 Advokat zu Brünn und 1856 in Pest. 1861 nach
Brünn zurückversetzt, beteiligte er sich daselbst an der
Gründung und Förderung vieler öffentlicher Vereine
und Anstalten. 1865 ward er zu Iglau in den mährischen Landtag
und von diesem 1867 in das österreichische Abgeordnetenhaus
gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehörte. Er ist
Mitglied der verfassungstreuen Partei und ein vortrefflicher
Redner. 1870 siedelte er als Advokat nach Wien über, schadete
aber hier in der Zeit des Gründungsschwindels seinem Ansehen
sehr durch seine Beteiligung an unsoliden finanziellen
Unternehmungen. Sturmbock(Mauerbrecher), s. Aries. Sturmbretter, s. Fußangeln. Sturmfeuer, mit Pulver oder heftig brennenden Stoffen
gefüllte Fässer, Töpfe, Säcke etc., welche
ehemals brennend auf den die Bresche stürmenden Feind
geschleudert wurden. Sturmflut, der durch andauernden auf die Küste zu
wehenden Sturm hervorgerufene ungewöhnlich hohe Wasserstand.
Sturmfluten haben mit dem Wechsel der Gezeiten keinen notwendigen
Zusammenhang und treten zu allen Mondphasen auf, das Wasser steigt
und fällt in denselben nur weniger gleichförmig als
sonst. Ebb- und Flutstand werden um gleiche Beträge über
das gewöhnliche Maß emporgetrieben. Wenn sich bei
starkem Wind hohe Wellen bilden, auf deren Hinterseite der Wind
drückt, so daß die Wellenkronen sich
überstürzen, dann findet offenbar nicht mehr ein Hin- und
Herschwingen, sondern ein teilweises Vorwärtsbewegen des
Wassers statt. Hält der Sturm einige Zeit an, so ist die
Wassermasse, welche er vor sich hertreibt, sehr bedeutend, und wenn
die Küste, welche dem Sturm ausgesetzt ist, diesem eine offene
Bucht zuwendet, so kann dort ein mächtiger Wasserstau
stattfinden. Für die deutsche Bucht der Nordsee sind daher
andauernde schwere Stürme aus nordwestlicher Richtung die
gefürchtetsten. Bei den höchsten Sturmfluten der letzten
hundert Jahre stieg das Wasser bei Kuxhaven jedesmal nach
tagelangem Sturm aus W. bis NW. über den mittlern
Hochwasserstand: 22. März 1791 um 3 m, 3. Febr. 1825 um 3,18
m, 2. Jan. 1855 um 3,03 m. Bei der großen S. vom November
1872 wehte zwei Tage lang der Sturm aus der Richtung NO. bis ONO.
und trieb in der Ostsee die Wassermassen von der livländischen
Küste geradeswegs bis in die Buchten von Travemünde und
Kiel hinein, am erstern Ort einen Wasserstand von 3,38 m, am
letztern einen solchen von 3,17m über Mittelwasser
verursachend. Die Orkane der Tropen geben Anlaß zu ungeheuern
Sturmfluten, von denen die in der Bucht von Bengalen die
berüchtigtsten sind. Am 1. Dez. 1876 kamen durch eine solche
S. im Delta des Brahmaputra nahe an 200,000 Menschen um. Die
außerordentliche Verminderung des Luftdrucks in diesen
Orkanen ist für das Steigen des Wassers hier noch besonders
günstig. Vgl. Mayer, Über Sturmfluten (Berl. 1873);
Lentz, Flut und Ebbe und die Wirkungen des Windes auf den
Meeresspiegel (Hamb. 1879). Sturmhaube(Sturmhut), s. Helm, S. 364. Sturmhaube(Große und Kleine), Berggipfel, s.
Riesengebirge. Sturmhut, Pflanzengattung, s. v. w. Aconitum. Sturmpfähle, s. Palissaden. Sturmrose, s. Kompaß. Sturmschritt(früher auch Chargierschritt), beim
Militär die beim Vorgehen zum Angriff beschleunigte Gangart,
die zuletzt in vollen Lauf übergeht. Sturmschwalbe, s. Sturmvogel. Sturmsignale, die bei Sturmwarnungen gegebenen Signale,
s. Wetter. Sturmsold, die den Soldaten für eine gewonnene
Schlacht oder die Erstürmung einer befestigten Stadt ehedem
gezahlte Belohnung, von der sich die heute noch gebräuchlichen
Douceurgelder herleiten. Sturm- und Drangperiode, s. Deutsche Litteratur, S.
748. Sturmvogel(Procellaria L.), Gattung aus der Ordnung der
Schwimmvögel und der Familie der Sturmvögel
(Procellariidae), kleine Vögel mit schlankem Leib,
großem Kopf, kurzem Hals, sehr langen, schwalbenartigen
Flügeln, mittellangem Schwanz, kleinem, schwächlichem,
geradem, an der Spitze herabgebogenem Schnabel, kleinen,
schwächlichen, langläufigen Füßen mit drei
langen, schwachen, durch Schwimmhäute verbundenen Vorderzehen
und rudimentärer Hinterzehe. Die Sturmschwalbe (Gewittervogel,
Petersläufer, Procellaria [Thalassidroma] pelagica L., s.
Tafel "Schwimmvögel II"), 14 cm lang, 33 cm breit, mit
abgestutztem 408 Sturmwarnungen - Stuttgart. Schwanz, rußbraun, auf dem Oberkopf schwarz, auf dem
Bürzel, Steiß und an den Wurzeln der Steuerfedern
weiß und an den Spitzen der Flügeldeckfedern
trübweiß, und der Sturmsegler (P. Leachi Rchb.), 20 cm
lang, 50 cm breit, mit verhältnismäßig langem, tief
gegabeltem Schwanz, der vorigen ähnlich gefärbt, bewohnen
den Atlantischen und Stillen Ozean mit Ausnahme des höchsten
Nordens, leben meist auf hoher See, erscheinen nur zur Brutzeit am
Land, fliegen bald höher in der Luft, bald unmittelbar
über den Wogen, welche sie bald mit den trippelnden
Füßchen, bald mit den Spitzen der Schwingen
berühren, und lassen sich selten auf das Wasser nieder, um
auszuruhen. Sie sind hauptsächlich in der Nacht thätig,
nähren sich von allerlei Seetieren, brüten in
selbstgegrabenen Höhlen nahe der See und legen ein einziges
weißes Ei, welches wahrscheinlich von beiden Geschlechtern
ausgebrütet wird. Sie sind vollkommen harmlos, verlieren,
ihrem Element entrückt, gleichsam die Besinnung und sind auf
dem Land ganz hilflos. Angegriffen, suchen sie sich nur durch
Ausspeien von Thran zu verteidigen. Den Schiffern gilt die
Sturmschwalbe als Unglücksbote. Der Eissturmvogel (Fulmar, P.
[Fulmarus] glacialis Steph., s. Tafel "Schwimmvögel II"), 50
cm lang, 110 cm breit, ist weiß, auf dem Mantel
möwenblau, mit schwärzlichen Schwingen, braunen Augen,
gelbem Schnabel und Füßen, bewohnt das Nördliche
Eismeer, fliegt und schwimmt vortrefflich und kommt fast nur zur
Brut ans Land, auf welchem er sich sehr hilflos zeigt. Er
nährt sich von Fischen und Weichtieren, ist sehr
gefräßig und zudringlich, lebt und brütet gesellig
auf allen hochnordischen Inseln und legt nur ein weißes Ei;
gleichwohl werden auf Westmanöer bei Island jährlich
über 20,000 Junge ausgenommen, und trotzdem nimmt die Zahl der
Vögel von Jahr zu Jahr zu. Sturmwarnungen, s. Wetter. Sturnus, Star; Sturnidae (Stare), Familie aus der Ordnung
der Sperlingsvögel (s. d.). Sturt(spr. stört), Charles, Australienreisender, in
England geboren, wollte 1827 einen in Zentralaustralien vermuteten
See entdecken und fand, dem Macquariefluß folgend, zu Anfang
1828 den Darlingfluß und, 1829 mit einer neuen
Forschungsreise betraut, den Murrayfluß. Begleitet von Stuart
(s.d. 1), führte er 1844-45 eine dritte große Reise aus,
auf der er den Cooper Creek entdeckte und nordwestlich bis fast in
das Zentrum des Kontinents vordrang. Er starb 16. Juni 1869 zu
Cheltenham in England. Seine ersten beiden Reisen beschrieb er in
"Two explorations into the interior of Southern Australia etc."
(Lond. 1833, 2 Bde.), die dritte in "Narrative of an expedition
into Central Australia etc." (das. 1848, 2 Bde.). Sturz, der eine Thür oder ein Fenster oben
abschließende, horizontal aufliegende Teil, in der primitiven
Baukunst meist ein schwerer Steinblock oder Balken aus Holz. Sturz, Helferich Peter, Schriftsteller, geb. 16. Febr.
1736 zu Darmstadt, studierte in Göttingen die Rechte und
Ästhetik, erhielt 1763 eine Anstellung zu Kopenhagen im
Departement der auswärtigen Angelegenheiten, 1770 bei dem
Generalpostdirektorium, ward 1773 Regierungsrat und zwei Jahre
später Etatsrat zu Oldenburg und starb 12. Nov. 1779 in
Bremen. S. war einer der geschmackvollsten deutschen Prosaiker, wie
seine "Erinnerungen aus dem Leben des Grafen von Bernstorff" (1777)
und seine "Briefe eines Reisenden" (1768) mit ihren trefflichen
Charakterschilderungen bekunden. Seine Schriften erschienen
gesammelt in 2 Bänden (Leipz. 1779-1782). Vgl. Koch, Helf.
Peter S. (Münch. 1879). Sturzblech, dünnste Sorte Eisenblech. Stürze, die starke Erweiterung der
Blechblasinstrumente an der dem Mundstück entgegengesetzten
Seite. Sturzenbecker, Oskar Patrik, unter dem Namen Orvar Odd
bekannter schwed. Dichter und Schriftsteller, geb. 1811 zu
Stockholm, studierte und promovierte in Upsala, trat kurz darauf in
die Redaktion des "Aftonblad" in Stockholm ein und erwarb sich bald
einen Namen als gewandter und geistreicher Feuilletonist.
Später lebte er teils in Helsingborg, wo er mehrere Jahre lang
den "Öresundsposten" herausgab, teils in Kopenhagen; er starb
im Februar 1869 auf seinem Landsitz in der Nähe von
Helsingborg. Unter seinen Prosaschriften verdienen die meisterhaft
ausgeführten feuilletonartigen Skizzen: "Grupper och
personagen fran igar" ("Gruppen und Persönlichkeiten von
gestern") und "La Veranda" besondere Auszeichnung; auch viele
seiner Gedichte sind durch ihre frische, lebhafte Stimmung
anziehend. Seine gesammelten Werke erschienen in 5 Bänden (2.
Aufl., Stockh. 1880-82). Stürzfurche, s. Brache. Sturzgüter, beim Beladen von Schiffen durch die
Luken in den Schiffsraum gestürzte Güter, z. B. Kohlen,
Getreide, Erze u. dgl. Stutereien(Gestüte), s. Pferde, S. 949. Stuttgart(hierzu der Stadtplan), Haupt- und
Residenzstadt des Königreichs Württemberg, des
württembergischen Neckarkreises und des Stadtdirektionsbezirks
S., liegt in einer kesselförmigen, reizenden Erweiterung des
Nesenbachthals, das 1 km von der Stadt in das Neckarthal
ausläuft, von Weinbergen, Gärten und Villen rings
umgeben, unter 48° 46' nördl. Br. und 9° 10'
östl. L. v. Gr., 249 m ü. M., und wird durch die 1100 m
lange Königs- und die sich an diese anschließende
Marienstraße in die "obere" (im NW.) und die "untere Stadt"
(im SO.) geteilt, von denen letztere auch die Altstadt in sich
schließt. Außer den genannten Straßen sind die
Neckar-, Olga-, Reinsburg-, Silberburg- und Rote
Bühlstraße sowie unter den Plätzen der
Schloßplatz, der Alte Schloßplatz, die Planie, der
Dorotheen-, der St. Leonhards- und der Charlottenplatz, der
Feuerseeplatz und der Marktplatz hervorzuheben. Den
Schloßplatz zieren schöne Anlagen, inmitten deren sich
die 18 m hohe, mit einer Konkordia gezierte
Jubiläumssäule (1841 zur Feier des 25jährigen
Regierungsjubiläums König Wilhelms errichtet) erhebt, auf
dem Alten Schloßplatz steht das von Thorwaldsen modellierte
Standbild Schillers. Von den öffentlichen Anlagen und
Promenaden sind noch zu nennen: der Schloßgarten (mit der
Danneckerschen Nymphengruppe, der Eberhardsgruppe von Paul
Müller, der Hylasgruppe und den zwei Pferdebändigern von
Hofer), welcher sich bis in die Nähe von Kannstatt zieht, der
Silberburggarten (Eigentum der Museumsgesellschaft), die Planie mit
den neuerrichteten Denkmälern Bismarcks u. Moltkes
(Büsten, von Donndorf modelliert), der Stadtgarten, die
Anlagen bei der Seidenstraße, die neue Weinsteige etc. Von
den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (9
evangelische, eine reformierte und eine kath. Kirche und eine
Synagoge) Wappen von Stuttgart. STUTTGART. Akademie E3 Alexander-Straße C-F3-5 Alleen-Straße C-E1 Archiv E3 Archiv-Straße E3,4 Augusten-Straße AB3 Bach-Straße, Obere CD4 Bach-Straße, Untere D3 Bahnhof D2 Bahnhof-Straße E1 Band-Straße D3 Baugewerk-Schule CD2 Berg-Straße C2 Bibliothek C3 Blumen-Straße E4 Böblinger Straße B4,5 Böheim-Straße A5 Bopser Brunnen D5 Bopser Straße C4,5 Bopser Weg D5 Bothanger Straße A2 Breite-Straße C3 Brunnen-Straße D4 Büchsen-Straße C2,3 Bürger-Hospital C2 Bürger-Museum C3 Bürger-Schule B2 Calwer Straße CD3 Charlotten-Platz DE3,4 Charlotten-Straße E4 Christophs-Straße C4 Classon Villa F3 Cotta-Straße B5 Dannecker-Denkm. D3 Diakonissen-Anstalt B1 Diemershalden F4,5 Dobel-Straße E5 Dorotheen-Straße u. Platz D3 Eberhards-Standbild D3 Eberhards-Straße CD4 Eich-Straße D3 Enge-Straße D3 Englische Kirche D4 Eßlinger Berg, Oberer F4 Eßlinger Straße D4 Etzel-Straße CD5 Eugens-Denkmal F3 Eugen-Straße EF3 Falbenhennen-Straße C5 Falkert-Straße B1 Fangelsbach-Friedhof B5 Fangelsbach-Straße B4,5 Färber-Straße D4 Feuer-See B3 Filder-Straße AB5 Finanzministerium E2 Forst-Straße AC1 Friedrichs-Straße D1,2 Furthbach-Straße B1 Gaisburg-Straße E4 Garnison-Kirche C1 Garten-Straße C23 Gebel-Straße A4 Gerber-Straße C4 Gewerbe-Halle CD1 Gewerbe-Museum C3 Goethe-Straße D1 Graben-Straße D3 Güter-Bahnhhof E1 Gutenberg-Straße AB3 Hasenberg-Straße A1-4 Hauptstätter Straße BD4 Hauptzollamt EF1 Hebammen-Schule D1 Hegel-Straße C1 Heiler E4 Herdweg C1 Hermanns-Straße B3 Herzog-Straße B3 Heslacher-Straße A5 Heu-Straße C2 Heusteig-Straße BD5 Hirsch-Straße CD3 Hohe-Straße C2 Hohenheimer Straße DE5 Holzgärten, Königl. C1 Holz-Straße D3,4 Hoppenlau-Friedhof C1 Hoppenlau-Straße C1,2 Hospital-Kirche C2 Hospital-Platz C2 Hospital-Straße C2 Hühnerdieb F3 Ilgen-Platz D4 Ilgen-Straße D3 Immenhofen-Straße BC5 Infanterie-Kaserne B3 Jäger-Straße DE1 Jakob-Straße D4 Johannes-Straße B1-3 Johannes-Kirche B3 Jubiläums-Säule D3 Justiz-Palast E3,4 Kanal-Straße E4 Kanonen-Weg F3 Kanzlei-Straße D1,2 Karls-Linde A4 Karls-Straße D3 Kasernen-Straße BC2 Katharinen-Hospital D1 Katharinen-Platz D4 Katharinen-Stift D2 Katharinen-Straße D4 Katholische Kirche, Alte DE2 Katholische Kirche, Neue B4 Keppler-Straße D1,2 Kerner-Straße F2,3 Kolb-Straße AB5 Königsbau D2 Königs-Straße CE2,3 Königs-Thor E2 Korps-Kommando DE1 Kreuser-Straße D1 Kreuz-Straße D4 Kriegsberg, Mittlerer E1 Kriegsberg, Unterer D1 Kriegsberg-Straße CE1 Kriegs-Ministerium DE4 Kronprinz-Straße CD3 Kronprinzen-Palais C2,3 Kühlesteig E5 Kunstausstellung, Permanente C3 Kunst-Verein D2 Landhaus-Straße F2 Lange-Straße C2,3 Lazarett-Straße D4 Legions-Kaserne C3 Lehen-Straße B5 Lerchen-Straße AC1 Liederhalle C2 Lindenspür-Straße AB1 Linden-Straße CD2,3 Loge Wilhelm B3 Loge zu den 3 Zedern D4 Lorenz-Straße D45 Ludwigsburger Straße EF1 Ludwigs-Spital B1 Ludwigs-Straße AB2 Maler-Straße F3 Marien-Platz A5 Marien-Straße B4 Markt-Halle D3 Markt-Platz D3 Markt-Straße D34 Marstall E2 Militär-Spital B2 Militär-Straße AB2 Minsterium des Äußern CD3 Möricke-Denkmal B4 Moser-Straße EF3 Mozart-Straße C5 Münze EF2 Münz-Straße D3 Museum für bildende Künste F3 Museum, Oberes D2 Museum, württemb. Altertümer E3 Neckar-Straße EF2,3 Nadler-Straße CD3 Naturalien-Kabinett E3 Neue Brücke C3 Olga-Spital A2 Olga-Straße CE4,5 Orangerie E1 Paulinen-Straße BC3,4 Paulinen-Straße, Verlängerte B2,3 Pfarr-Straße D4 Polizei C3 Polytechnische Schule D1 Postamt D2 Posthof C3 Post-Platz, Alter C3 Post-Straße C3 Prinzen-Palais D3 Prinzessinnen-Palais E3,4 Rathaus D3 Realgymnasium C1 Reinsburg A4 Reinsburg-Straße AB4 Reiter-Kaserne E1 Reuchlin-Straße A3 Röer-Straße B5 Rosen-Straße DE4 Rosenberg-Straße AC1 Rote-Straße C2,3 Rote Bühl-Straße AC3 Sankt Johannes-Kirche B3 Sankt Leonhards'Krche D4 Sankt Leonhards-Platz D4 Sankt Leonhards-Str D4 Sänger-Straße F2,3 Schellen-König F5 Schelling-Straße CD2 Schiler-Denkmal D3 Schiller-Straße E1 Schlachthaus C1 Schloß, Altes D3 Schlosser-Straße C4,5 Schloß-Garten EF1,2 Schloß-Kirche E3 Schloß, Königliches DE3 Schloß-Platz D2,3 Schloß-Platz, Alter D3 Schloß-Straße AD2 Schmale-Straße C3 Schul-Straße D3 Schützenhaus F3 Schützen-Straße F2,3 Schwab-Denkmal C2 Schwab-Straße D1,2 See-Straße D1,2 Seiden-Straße C1,2 Sennefelder-Straße A1-3 Silberburg B4 Silberburg-Straße B1-4 Silcher-Straße B2 Sonnenberg-Straße E5 Sophien-Straße C3,4 Stadt-Direktion D3 Stadt-Garten D1,2 Stafflenberg E5 Ständehaus D2,3 Stein-Straße C-D3 Stifts-Kirche D3 Stiftskirchen-Platz D3 Strohberg-Straße B5 Stützenburg DE5 Synagoge C2 Tannen-Straße A5 Telegraphen-Amt D2 Theater E2 Thor-Straße C4 Tübinger Straße C4 Tübinger Thor BC4 Turm-Straße D5 Turnhalle, Erste C2 Uhland-Denkmal E2 Uhlands-Höhe F3 Uhlands-Straße E4 Ulrich-Straße E3 Urban-Straße EF2-4 Vera-Straße F3 Vogelsang-Straße A2,3 Wagner-Straße D4 Waisenhaus D3 Wannen-Straße AB3,4 Wasser-Reservoir F5 Weber-Straße DE4 Wein-Straße C3 Weißenburg-Straße C5 Wilhelms-Platz CD4 Wilhelms-Straße D4,5 Wilhelms-Thor D5 Zorn, Villa B4 Zuchthaus A2 Zucker-Fabrik E1 Zwinger, Im D3,4 409 Stuttgart (Beschreibung der Stadt). sind hervorzuheben: die Stiftskirche (1436-1531 erbaut), mit
zwei Türmen; die Leonhardskirche (1470 bis 1491 im gotischen
Stil erbaut), mit einem steinernen Kalvarienberg von großem
Kunstwert; die Hospitalkirche (1471-93 erbaut), mit vielen
Grabmälern (darunter das Reuchlins) und dem Modell der
Christusstatue von Dannecker; die prachtvolle, 1865-76 im gotischen
Stil von Leins aufgeführte Johanniskirche; die englische
Kirche; die neue Garnisonkirche von Dollinger (1879) im romanischen
Stil; die alte und die von Egle 1873-79 erbaute neue katholische
Kirche und die 1860 im maurischen Stil aufgeführte Synagoge.
Von weltlichen Gebäuden sind zu nennen: das Neue
Residenzschloß im französischen
Renaissancestil(1746-1807 erbaut); das Alte Schloß, in dessen
Hof sich das bronzene Reiterstandbild des Grafen Eberhard im Bart
(von Hofer) befindet; das 1845-46 umgebaute Hoftheater mit vier
ehernen Statuen von Braun; die sogen. Akademie, ein Nebenbau des
Schlosses (früher Sitz der Karlsschule, jetzt die
königliche Handbibliothek, den königlichen Leibstall, die
Schloßwache etc. enthaltend); der im italienischen Stil
erbaute Wilhelmspalast; das Kronprinzenpalais, im römischen
Palaststil aufgeführt (gegenüber das Denkmal Danneckers);
das Palais des Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar; das
Ständehaus; das Museum der bildenden Künste (1838 bis
1843 im italienischen Palaststil erbaut), mit der Reiterstatue des
Königs Wilhelm, von Hofer; der Königsbau (1856 bis 1860
von Leins aufgeführt), mit Läden und der Börse in
den untern und mehreren großen Sälen in den obern
Räumen; das Rathaus (1456 erbaut); die Gebäude des
Staatsarchivs und der Naturaliensammlungen; das
Kanzleigebäude; das neue Justizgebäude; der Hauptbahnhof;
das neue Postgebäude; das Museum; das 1860-65 von Egle erbaute
Polytechnikum; die Blumen- und Gemüsehalle; das Schlachthaus
etc. Die Zahl der Einwohner belief sich 1885 mit der Garnison (ein
Regiment und 2 Bataillone Infanterie Nr. 119 und 125 und ein
Ulanenregiment Nr. 19) auf 125,901 Seelen (gegen 107,289 im J.
1875), darunter 106,282 Evangelische, 16,067 Katholiken und 2568
Juden. Die industrielle Thätigkeit ist nicht unbedeutend. Ganz
besonders treten hervor die Bierbrauereien, die Farben-,
Pianoforte-, Harmonium-, Kassen-, Möbel-, Parkettboden-,
Zigarren-, Chemikalien- und Wagenfabrikation, die Eisen- und
Glockengießerei und die Fabrikation von Reiseartikeln.
Außerdem gibt es Fabriken für Trikot- und Wollwaren,
Baumwollen- u. Wollenzeuge, Teppiche, Leder, Papier, Posamentier-
und Kautschukwaren, Parfümerien, Bijouterie-, Glas-,
Porzellan-, Gold- und Silberwaren, mechanische und optische
Instrumente, Maschinen, Schokolade etc. Der Handelsverkehr,
unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine
Börse, durch zahlreiche Banken (darunter eine
Reichsbankhauptstelle), viele Wechsel und Geldgeschäfte etc.,
ist recht bedeutend; im Buchhandel ist S. nach Leipzig sogar der
wichtigste Platz in Deutschland. Die Stadt zählt über 100
Buch- und Kunsthandlungen, zahlreiche Buchdruckereien, Schrift- und
Stereotypengießereien, litho-, xylo- und photographische
Anstalten etc. Alljährlich findet hier eine
Buchhändlermesse für Süddeutschland statt. Bekannt
sind auch die Tuchmesse sowie die dortigen Karte der Umgebung von
Stuttgart Hopfen- und Pferdemärkte. Den Verkehr nach
außen hin fördern die Linien Bretten-Friedrichshafen und
S.-Freudenstadt der Württembergischen Staatsbahn, für
welche S. den Knotenpunkt bildet; eine Zahnradbahn führt nach
dem auf der Filderebene liegenden, durch seinen guten Rotwein und
seinen Obstbau bekannten Dorf Degerloch und weiter nach Hohenheim;
den Verkehr in der Stadt und mit der nächsten Umgebung
vermitteln zwei Pferdebahnlinien. An Wohlthätigkeitsanstalten
besitzt S. das Bürgerhospital, das Armenhaus, die
Olgaheilanstalt, die Paulinenhilfe (orthopädische
Heilanstalt), die Nikolauspflege für blinde Kinder, die
Paulinenpflege etc. sowie mehrere Wohlthätigkeits- und
zahlreiche andre gemeinnützige Vereine. Unter den
Bildungsanstalten steht das Polytechnikum (Wintersemester 1888-89:
248 Studierende) obenan. Außerdem befinden sich in S. eine
Baugewerk-, eine Kunst- und eine Kunstgewerbeschule, ein
Konservatorium, eine höhere Handels-, eine Tierarznei- und
eine Landes- 410 Stütze - Stüve. hebammenschule und eine Turnlehrerbildungsanstalt; ferner 2
Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Reallehranstalt, ein Privatlehr-
und Erziehungsinstitut, ein Lehrerinnenseminar und zahlreiche
niedere Schulanstalten. Unter den Sammlungen für Kunst und
Wissenschaft ist die königliche Sammlung, bestehend aus einer
Bibliothek von über 400,000 Bänden, Gemälde-,
Skulpturen-, Antiken-, Münzen- und Naturaliensammlung, die
wichtigste. Außerdem gehören hierher: die Sammlung
vaterländischer Altertümer, die Gemäldesammlung des
Museums der bildenden Künste und die des Kunstvereins, die
permanente Kunstausstellung, die mit der Zentralstelle für
Handel und Gewerbe verbundenen Sammlungen, die
Präparatensammlung der Tierarzneischule, der zoologische
Garten etc. Groß ist die Zahl der in S. erscheinenden
Zeitschriften und politischen Zeitungen. S. ist Geburtsort des
Philosophen Hegel, des Architekten Heideloff, der Dichter Hauff,
Schwab u. a. S. ist Sitz des Staatsministeriums und sämtlicher
Zentralstellen des Landes, eines Oberlandes- und eines
Landgerichts, eines Oberbergamtes und eines Bergamtes, des
evangelischen Konsistoriums, des katholischen Kirchenrats und der
israelitischen Oberkirchenbehörde, einer
Militärintendantur, eines Gouverneurs, der
Oberrechnungskammer, einer Stadtdirektion, einer Münze
(Münzzeichen F) etc.; ferner des Generalkommandos des 13.
Armeekorps, des Kommandos der 26. Division, der 51. Infanterie- und
26. Kavalleriebrigade. Die städtischen Behörden setzen
sich zusammen aus 25 Gemeinderats- und 25
Bürgerausschußmitgliedern. - In der Umgebung der Stadt
sind bemerkenswert: das am Ende des Schloßgartens liegende
und zum Stadtdirektionsbezirk gehörige Berg (s. d.) mit
königl. Villa, die königl. Lustschlösser Rosenstein
und Wilhelma; gegenüber die Stadt Kannstatt (s. d.); im
Süden die Silberburg, ein Vergnügungsort der Bewohner von
S.; über derselben die 340 m hohe Reinsburg mit schönen
Villen am Abhang; weiterhin die Uhlandshöhe über dem
Schießhaus, 350 m ü. M., mit Anlagen, einem Pavillon und
der Uhlandslinde; ferner der Bosper, 481 m ü. M., und die
Schillerhöhe, in deren Nähe das Dorf Degerloch (s. oben);
im SW. der Stadt das Jägerhaus mit Aussichtsturm,
sämtlich mit schöner Aussicht; das Lustschloß
Solitüde mit Wildpark; endlich die Feuerbacher Heide.
Urkundlich kommt S., das seinen Namen von einem Gestütgarten
oder Fohlenhof führt, zuerst 1229 vor. 1312 wurde es dem
Grafen Eberhard entrissen und ergab sich an Eßlingen, wurde
jedoch 1316 wieder ausgeliefert. Seitdem haben die Grafen von
Württemberg hier ihren Sitz gehabt und es 1482 zur Hauptstadt
der württembergischen Lande gemacht. Doch verlegte Herzog
Eberhard Ludwig 1727 und nochmals Karl Eugen 1764 die Residenz
für mehrere Jahre nach Ludwigsburg. Bis 1822 stand S. unter
einer eignen Regierung, seitdem sind Stadt und Bezirk mit dem
Neckarkreis vereinigt und bilden ein eignes Oberamt unter dem Namen
einer Stadtdirektion. Vom 6.-18. Juni 1849 hielt der Rest der
deutschen Nationalversammlung, das sogen. Rumpfparlament, in S.
seine Sitzungen. Im September 1857 fand hier eine Zusammenkunft
zwischen Alexander I. von Rußland und Napoleon III. statt.
Vgl. Pfaff, Geschichte der Stadt S. (Stuttg. 1845-47, 2 Bde.);
Wochner, S. seit 25 Jahren (das. 1871); Nick, Chronik und Sagenbuch
von S. (das. 1875); "S. Führer durch die Stadt und ihre
Bauten" (Festschrift, das. 1884); "Beschreibung des
Stadtdirektionsbezirks S." (hrsg. vom statistisch-topographischen
Büreau, das. 1886); Hartmann, Chronik der Stadt S. (das.
1886). Stütze, örtlich auch Stützel genannt, im
Bauwesen meist lotrechter hölzerner oder eiserner Pfosten zur
Unterstützung einer Decke oder eines Daches, seltener
geneigte, einem Seitendruck widerstehende Strebe. Die S. ist ein
insbesondere im Gegensatz zur Säule interimistischer
schmuckloser Träger und besteht entweder aus einem runden oder
vierkantigen beschlagenen Holzstamm auf Holz- oder Steinunterlage,
oder aus gußeisernen, im Querschnitt meist
kreuzförmigen, zusammengeschraubten Barren auf gemauertem
Fundament, oder aus winkel- oder I-förmigen Façoneisen,
welche zu kreuz- oder H-förmigen Querschnitten zusammengesetzt
und an eine gußeiserne, mit einem gemauerten Fundament
verankerte Unterlagsplatte geschraubt werden. Stutzen, kurzes Gewehr, das zum Abschießen gegen
die Brust gestützt wurde; dann verkürztes, leichteres,
gezogenes Gewehr der Jäger und Scharfschützen.
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