Treisam, Fluß, s. Dreisam.
Treitschke, Heinrich Gotthard von, namhafter Geschichtschreiber und Publizist, geb. 15. Sept. 1834 zu Dresden, Sohn des 1867 gestorbenen sächsischen Generalleutnants v. T., studierte in Bonn, Leipzig, Tübingen und Heidelberg, war 1858-63 Privatdozent der Geschichte in Leipzig, dann Professor in Freiburg, legte aber 1866 wegen der Haltung Badens in der deutschen Krisis sein Amt nieder und ging nach Berlin, wo er die Leitung der "Preußischen Jahrbücher" übernahm, zu deren thätigsten Mitarbeitern er seit 1858 gehört hatte. Im Herbst 1866 als Professor nach Kiel berufen, erhielt er 1867 den durch Häussers Tod erledigten Lehrstuhl in Heidelberg, von wo er 1874 als Professor nach Berlin ging. 1871-88 war er liberales Mitglied des Reichstags. Nach Rankes Tod wurde er zum Historiographen des preußischen Staats ernannt. Treitschkes Schriften sind: "Die Gesellschaftswissenschaft" (Leipz. 1859); "Historische und politische Aufsätze" (5. Aufl., das. 1886, 3 Bde.); "Zehn Jahre deutscher Kämpfe 1865-74" (Berl. 1874, 2. Aufl. 1879) sowie die kleinern: "Der Sozialismus und seine Gönner" (das. 1875); "Der Sozialismus und der Meuchelmord" (das. 1878); "Zwei Kaiser" (das. 1888). Auch gab er "Vaterländische Gedichte" (2. Aufl., Götting. 1859) heraus. Sein Hauptwerk ist die "Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert", von welcher bisher 3 Bde. (Leipz. 1879-85, bis 1830 reichend) erschienen sind. In diesem auf sehr gründlichen Forschungen beruhenden und glänzend geschriebenen Buch prägten sich Treitschkes leidenschaftlicher Patriotismus und seine Abneigung gegen den herkömmlichen Liberalismus so scharf aus, daß es vielfach auf Widerspruch stieß, wie er denn durch einige tadelnde Artikel gegen die Überhebung mancher Juden sich deren Haß zuzog, was zum Anlaß wurde, daß er im Juli 1889 von der Leitung der "Preußischen Jahrbücher" zurücktrat.
Treitzsauerwein, s. Weiß-Kunig.
Treja, Stadt in der ital. Provinz Macerata, Bischofsitz, mit Kathedrale, Gymnasium, technischer Schule und (1881) 2214 Einw.
817
Trelawny - Trenck.
Trelawny(spr. treláhni), Edward John, engl. Offizier und Schriftsteller, Freund Byrons und Shelleys, geboren im Oktober 1792 aus einer alten, in Cornwall begüterten Familie, trat sehr jung in die englische Marine ein und führte in den Kriegsunruhen jener Zeit ein sehr wechselvolles Leben. 1821 ließ er sich in Pisa nieder, wo er in ein freundschaftliches Verhältnis zu Shelley trat, den er unmittelbar vor der verhängnisvollen Bootfahrt, auf der er ertrank, noch sah. Er war es auch, welcher die Leiche des Dichters auffand und mit Lord Byron deren Verbrennung anordnete. 1823 folgte er Byron nach Griechenland, ging in dessen Auftrag von Kephalonia in den Peloponnes und nach Livadien, um mit den Führern des Aufstandes zu verhandeln, und wurde Adjutant des Häuptlings Odysseus, mit dessen Tochter er sich verheiratete. Nach seines Schwiegervaters Tod kehrte T. 1827 nach England zurück, wo er fortan teils in London, teils auf seinem Gut Sompting bei Worthing in den Southdownhügeln lebte; hier starb er in hohem Alter 13. Aug. 1881. Seinem Willen gemäß wurde sein Leichnam in Gotha verbrannt und seine Asche in der Nähe der Gräber von Shelley und Keats bei der Cestiuspyramide in Rom beigesetzt. Seine Schriften sind: "The adventures of a younger son" (1831, neue Aufl. 1856; deutsch, Stuttg. 1835), eine Art biographischen Romans, worin er in höchst anziehender Weise sein reichbewegtes Leben in verschiedenen Weltgegenden schildert; die sehr bemerkenswerten "Recollections of the last days of Shelley and Byron" (1858), welche er später in "Records of Shelley, Byron and the author" (1878, 2 Bde.; neue Ausg. 1887) bedeutend erweitert hat. Vgl. Edgcumbe, Edward T. (Lond. 1882).
Trelleborg, Seestadt im schwed. Län Malmöhus, an der Ostsee und den Eisenbahnen Lund-T. und Malmö-T., hat einige Fabriken und (1885) 2266 Einw. T. ist Sitz eines deutschen Konsulats.
Trema, s. Diäresis.
Tremadocschichten, s. Silurische Formation.
Trematoden(Saugwürmer), s. Platoden.
Trembecki(spr. -bétzki), Stanislaw, poln. Dichter, geboren um 1726 in der Nähe von Krakau, machte in seiner Jugend Reisen durch ganz Europa, verweilte längere Zeit am Hof Ludwigs XV. in Paris und wurde nach seiner Rückkehr Kammerherr des Königs Stanislaw August, den er nach seiner Absetzung nach Petersburg begleitete. Später fand er am Hof des Grafen Felix Potocki zu Tulczyn in Podolien ein Unterkommen. Der einst glänzende Kavalier, der an 30 Duelle hatte, meist wegen Damen, verfiel jetzt in Armut und starb als ein menschenscheuer und vergessener Sonderling 12. Dez. 1812. Als Dichter ist T. das Muster eines schmeichlerischen und gesinnungslosen Hofdichters, dabei aber der erste Stilist seiner Zeit, dessen Verdienste um die polnische Sprache hoch anzuschlagen sind. Das bedeutendste seiner Gedichte ist "Zofijowka", eine im hohen Alter verfaßte poetische Schilderung eines Parks, den Graf Potocki seiner Gemahlin Sophie zu Ehren angelegt hatte. Sammlungen seiner Werke erschienen in Breslau (1828, 2 Bde.) und Leipzig (1836, 2 Bde.).
Tremblade, La (spr. trangblad), Stadt im franz. Departement Niedercharente, Arrondissement Marennes, an der Mündung der Seudre in den Atlantischen Ozean und der Eisenbahn Saujon-La Grève, hat (1881) 2874 Einw., Fabrikation von Weingeist, Essig und Flaschen, Salzgewinnung, besuchte Seebäder und (mit Marennes) berühmte Zucht von Austern, welche als weiße junge Austern in der Bretagne gekauft und hier gemästet werden (Jahresertrag 30 Mill. Stück, im Wert von mehr als 2 Mill. Frank).
Trembowla, Stadt in Ostgalizien, südöstlich von Tarnopol, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat vorzügliche Steinbrüche, Mühlenbetrieb und (1880) 6432 Einw.
Tremellini(Zitterpilze), s. Pilze (9), S. 71.
Tremessen(poln. Trzemeszno), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Mogilno, an einem See und der Linie Posen-Thorn der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und 3 kath. Kirchen, ein Augustiner-Chorherrenstift, ein Progymnasium, ein Amtsgericht, ein öffentliches Schlachthaus, Stärke- und Sirupfabrikation und (1885) 4766 meist kath. Einwohner. Hier Gefecht 10. April 1848 mit polnischen Insurgenten.
Tremiti, ital. Inselgruppe (San Nicola, San Domino, Capraja u. a.) im Adriatischen Meer, 25-30 km von der Küste der Provinz Foggia entfernt. Sie sind alle felsig, vulkanischen Ursprungs, ohne Quellwasser und dienen als Strafkolonie (1881: 518 Bewohner). Im Altertum hießen sie Diomedeae Insulae.
Tremoille, La, s. La Tremoille.
Tremola, Val, s. Tessin (Fluß).
Tremolith, Mineral, s. Hornblende.
Tremolo(tremolando, ital. "Beben, bebend"), in der Musik die schnell wiederholte Angabe derselben Töne (intermittierend) oder einander schnell folgende Verstärkungen des Tons (beim Singen eine bald ermüdende Manier, bei Streichinstrumenten ein höchst wirksamer Effekt, auf dem Klavier das den Ton zu höchster Fülle steigernde Trommeln).
Tremor(lat.), das Zittern; T. artuum, das Gliederzittern.
Tremse, Kornblume, s. Centaurea.
Tremulánt(lat.), in der Orgel eine durch einen besondern Registerzug in oder außer Funktion zu setzende Vorrichtung, welche dem Ton ein mehr oder weniger starkes Beben mitteilt. Der T. ist eine leicht bewegliche Klappe, welche, wenn das Register angezogen wird, den Kanal nahe vorm Windkasten verschließt, aber durch den Orgelwind in eine pendelnde Bewegung versetzt wird.
Tremulieren(lat.), beim Gesang mit der Stimme zittern (vgl. Tremolo); Tremulation, zitternde Bewegung.
Trenck, 1) Franz, Freiherr von der, kaiserl. Pandurenoberst, geb. 1. Jan. 1711 zu Reggio in Kalabrien, wo sein Vater, ein geborner Preuße, als kaiserlicher Oberstleutnant in Garnison stand, ward bei den Jesuiten in Ödenburg erzogen und trat, 17 Jahre alt, in kaiserliche Kriegsdienste. Er war schön, kräftig und trotz seiner Blatternarben in Liebesabenteuern sehr glücklich, reichbegabt, so daß er sieben Sprachen beherrschte. Wegen seines ausschweifenden Lebens und seiner Händelsucht bald wieder entlassen, trat er als Rittmeister in ein russisches Husarenregiment, ward aber auch dort wegen Subordinationsvergehen kassiert und zu mehrmonatlicher Schanzarbeit auf der Festung Kiew verurteilt, wonach er auf seine Güter in Slawonien zurückkehrte. Beim Ausbruch des österreichischen Erbfolgekriegs (1740) erhielt er von der Kaiserin die Erlaubnis, ein Korps von 1000 Panduren auf eigne Kosten auszurüsten und nach Schlesien zu führen. Dasselbe, zuletzt 5000 Mann stark, bildete stets die Vorhut der Armee und zeichnete sich ebensosehr durch Grausamkeit wie Tapferkeit aus. Endlich wurde ihm 1746 wegen vieler Greuelthaten und Subordinationsvergehen ein peinlicher Prozeß gemacht, dem zufolge er in lebensläng-
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl, XV. Bd.
52
818
Trendelburg - Trente et quarante.
liche Gefangenschaft auf den Spielberg bei Brünn gebracht wurde, wo er 14. Okt. 1749 starb. Vgl. seine Autobiographie (Leipz. 1748 u. Wien 1807, 2 Bde., reicht bis 1747); "Franz von der T., dargestellt von einem Unparteiischen" (Hübner), mit einer Vorrede von Schubart (Stuttg. 1788, 3 Bde.); Wahrmann, Leben, Thaten, Abenteuer, Gefängnis und Tod des Franz Freih. v. d. T. (Leipz. 1837) und "Freiherr Franz v. d. T." (3. Aufl., Celle 1868, 3 Bde.).
2) Friedrich, Freiherr von der, Abenteurer, geb. 16. Febr. 1726 zu Königsberg i. Pr., Vetter des vorigen, nahm 1740 preußische Kriegsdienste und wurde beim Ausbruch des zweiten Schlesischen Kriegs 1744 Ordonnanzoffizier Friedrichs d. Gr. Bald hernach fiel er in Ungnade, angeblich wegen einer Liebesintrige mit der Schwester des Königs, der Prinzessin Amalia, und die Entdeckung seines an sich unschuldigen Briefwechsels mit seinem Vetter gab dem König erwünschten Anlaß, ihn auf die Festung Glatz bringen zu lassen. Von hier im Januar 1747 entkommen, erhielt T. 1749 in Wien eine Anstellung als Rittmeister bei einem kaiserlichen Kürassierregiment in Ungarn. Als er aber 1753 in Familienangelegenheiten nach Danzig reiste, ward er hier auf Friedrichs II. Befehl verhaftet, nach Magdeburg in die Sternschanze abgeführt und nach einem vereitelten Fluchtversuch an Händen, Füßen und Leib mit schweren Fesseln angeschmiedet. Im Dezember 1763 endlich in Freiheit gesetzt, begab er sich nach Aachen, beschäftigte sich daselbst mit litterarischen Arbeiten und trieb nebenbei einen Weinhandel. Von 1774 bis 1777 bereiste er England und Frankreich und wurde dann von der Kaiserin Maria Theresia zu mehreren geheimen Sendungen gebraucht. Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms II. erhielt er seine in Preußen eingezogenen Güter zurück. Sein unruhiger Geist trieb ihn beim Ausbruch der französischen Revolution nach Paris, wo ihn Robespierre 1794 als angeblichen Geschäftsträger fremder Mächte guillotinieren ließ. Seine Selbstbiographie (Berl. u. Wien 1787, 3 Bde.) ist wohl nicht frei von Übertreibungen. Seine übrigen Schriften sind enthalten in "Trencks sämtliche Gedichte u. Schriften" (Leipz.1786, 8 Bde.). Vgl. Wahrmann, Friedr. Freih. v. d. T. Leben, Kerker und Tod (Leipz. 1837); "Freiherr Friedrich v. d.T." (3. Aufl., Celle 1868, 3 Bde.) und "Kollektion Spemann", Bd. 44.
Trendelburg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar, an der Diemel und der Linie Hümme-Karlshafen der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein altes Schloß und (1885) 772 Einw.
Trendelenburg, Friedrich Adolf, Philosoph, geb. 30. Nov. 1802 zu Eutin, studierte in Kiel, wo Joh. Erich v. Berger nachhaltigen Einfluß auf ihn übte, Leipzig und Berlin Philosophie und Philologie, habilitierte sich an der Berliner Universität, wurde 1833 außerordentlicher, 1837 ordentlicher Professor, 1846 Mitglied der Akademie und war seit 1847 beständiger Sekretär der historisch-philosophischen Klasse. Kurze Zeit war er in konservativem Sinn auch politisch thätig und auf die Gestaltung des preußischen Universitätswesens sehr einflußreich. Er starb 24. Jan. 1872 in Berlin. Die Leistungen Trendelenburgs teilen sich in philologisch-historische und philosophische. Zu den erstern gehören seine für den ersten Unterricht in der Logik sehr verdienstlichen "Elementa logices Aristotelicae" (Berl. 1837, 8. Aufl. 1878), zu welcher Schrift er eine deutsche Bearbeitung und Ergänzung: "Erläuterungen zu den Elementen der aristotelischen Logik" (das. 1842, 3. Aufl. 1876), lieferte. Für das tiefere Studium des Aristoteles ging er den philosophierenden Philologen bahnbrechend voran mit seiner Ausgabe der Aristotelischen Schrift über die Seele ("Aristotelis de anima etc.", Jena 1833, mit Kommentar). 1840 trat er mit seinen "Logischen Untersuchungen" (Berl. 1840, 2 Bde.; 3, Aufl., Leipz. 1870) hervor, in welchen er die formale Logik der Kantianer und die dialektische Methode Hegels treffend kritisierte, selbst aber ein logisch-metaphysisches System aufstellte, in welchem unter Anklang an Aristotelische Denkweise die Bewegung als das dem Denken und dem Sein Gemeinsame zum Ausgangspunkt einer spekulativen Erkenntnistheorie und zum Mittel einer Ableitung der Grundbegriffe und Grundanschauungen (namentlich von Raum und Zeit) gemacht wird. Die ethische Seite seiner Philosophie entwickelte er in dem Aufsatz: "Die sittliche Idee des Rechts" (Berl. 1849), die ästhetische in den Vorträgen: "Niobe" (das. 1846) und "Der Kölner Dom" (Köln 1853). Gegen das Ende seines Lebens geriet er in einen durch seinen Tod unterbrochenen litterarischen Streit mit Kuno Fischer (s. d. 10) über die Auffassung der Kantschen Lehre, als dessen Frucht die Schrift "Kuno Fischer und sein Kant" (Leipz. 1869) zu betrachten ist. Ein andres systematisches Werk Trendelenburgs ist: "Das Naturrecht auf dem Grunde der Ethik" (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1868). Seine "Historischen Beiträge zur Philosophie" enthalten im 1. Band (Berl. 1846) eine Geschichte der Kategorienlehre, im 2. und 3. (das. 1855 und 1867) vermischte Aufsätze, unter denen besonders die Abhandlungen über Spinoza und Herbart hervorzuheben sind. Seine geist- und gehaltvollen akademischen Reden sind größtenteils gesammelt in den "Kleinen Schriften" (Leipz. 1870, 2 Bde.), welche auch die 1843 anonym erschienene Schrift "Das Turnen und die deutsche Volkserziehung" enthalten. Vgl. Bonitz, Zur Erinnerung an T. (Berl. 1872); Bratuscheck, Adolf T. (das. 1873).
Trennen, sich, in der Turfsprache Euphemismus für Herabfallen vom Pferd.
Trense, s. Zaum.
Trent, Fluß in England, entspringt im nördlichen Staffordshire, fließt bei Stoke und Rugeley vorbei, wird bei Burton (193 km oberhalb seiner Mündung) schiffbar und ergießt sich, nachdem er noch Nottingham, Newark und Gainsborough berührt hat, nach einem Laufe von 269 km in den Humber. Der Grand-Trunkkanal (s. d.) verbindet den T. mit dem Mersey und somit die Nordsee mit dem Irischen Meer. Wichtigere Nebenflüsse sind links: Dove, Derwent (s. d.) und Idle; rechts: Stow, Tame und Soar.
Trentaffaire, Streitsache zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, veranlaßt durch die Verhaftung der südstaatlichen Agenten Mason und Slidell, welche sich 1861 in Havana auf dem englischen Postdampfer Trent nach Europa einschifften, um dort für die Sache der Südstaaten zu wirken, aber 8. Nov. im Bahamakanal von dem amerikanischen Kreuzer San Jacinto unter Kapitän Ch. Wilkes (s. d.), der den Trent anhielt, mit Gewalt nach Nordamerika gebracht wurden. Die englische Regierung drohte mit Abbruch des diplomatischen Verkehrs, wenn die Unionsregierung nicht binnen sieben Tagen das Verhalten des Kapitän Wilkes mißbillige und die Verhafteten freilasse. Die Unionsregierung erfüllte dies Verlangen 26. Dez. 1861, obwohl die öffentliche Meinung in Amerika gegen England sehr aufgeregt und zum Krieg mit demselben geneigt war.
Trente et quarante(franz., spr. trangt e karangt,
819
Trente-un - Tréport, Le.
"dreißig und vierzig"), das um zwei Einsatzfelder vermehrte Rouge et noir (s. d.), welches seiner Zeit neben dem Roulette das Hauptlockmittel in den deutschen Spielbädern bildete. Zu den Feldern für Rot und Schwarz (R und S bezeichnet) kommen hinzu diejenigen für Couleur und Inverse (C und I markiert).
Trente-un(franz., spr. trangt-ong, "einunddreißig"), ein Glücksspiel, ähnlich dem Onze et demi. Bei demselben zählt jedes Bild zehn, das As nach Belieben des Spielers elf oder eins, die übrigen Karten nach Augen. As und zwei Bilder sind also "gebornes" T. Jeder erhält anfangs drei Blätter und kann nun hinzukaufen; bekommt er aber dabei über 31 Augen, so ist er tot und verliert unbedingt seinen Satz.
Trenton, Hauptstadt des nordamerikan. Staats New Jersey, am schiffbaren Delaware, ist Knotenpunkt vieler Eisenbahnen, hat ein schönes Staatenhaus (Kapitol), 2 öffentliche Bibliotheken, ein Lehrerseminar, 24 Kirchen, eine Irrenanstalt, ein Zuchthaus, ein Zeughaus, starke Industrie (Töpferei, Walzwerke, Woll- und Papierfabrikation), lebhaften Handel und (1885) 34,386 Einw. T. wurde 1680 gegründet und 1790 zur Hauptstadt erhoben. Hier 26. Dez. 1776 Sieg Washingtons über die Engländer, wobei 900 Hessen gefangen genommen wurden.
Trentongruppe, s. Silurische Formation.
Trentowski, Bronislaus, poln. Philosoph, geb. 1808 zu Kopcie in Polen, studierte zu Berlin unter Hegel Philosophie, habilitierte sich als Dozent der Philosophie an der Universität zu Freiburg i. Br., starb 1869 daselbst. T. versuchte in seinem deutsch geschriebenen Hauptwerk: "Grundlage der universellen Philosophie" (Freiburg 1837), eine selbständige "slawische Philosophie" zu begründen. Er weist darin den drei Hauptrassen Europas ihre Stelle in der weltgeschichtlichen Entwickelung der Philosophie an, indem er an der Hand der dialektischen Methode die Romanen als Träger des Realismus, deren Gegensatz, die Germanen, als solche des Idealismus, dagegen die Slawen als Träger einer künftigen Synthese beider einander zugleich ausschließenden und gegenseitig ergänzenden Geistesrichtungen und dadurch als das Volk "der Philosophie der Zukunft" zu konstruieren unternimmt. Unter seinen polnischen Werken ist zu erwähnen "Chowanna", System einer nationalen Pädagogik (Posen 1842, 2 Bde.), das durch Kühnheit der Gedanken, energischen Stil und allerlei Überschwenglichkeiten in Polen großes Aufsehen erregte; "Myslini" ("Logik", das. 1844); "Panteon" oder Propädeutik des allgemeinen Wissens (1873) und "Verhältnis der Philosophie zur Staatskunst" (ebenfalls in poln. Sprache, das. 1843). Neben Libelt trug T. das meiste zur Belebung der philosophischen Richtung in Polen bei.
Trentschin(ungar. Trencsen), ungar. Komitat am linken Donauufer, 4620 qkm (83,9 QM.) groß, grenzt westlich an Mähren, nördlich an Schlesien und Galizien, östlich und südlich an die Komitate Arva, Turócz und Neutra und wird von unzähligen Bergketten der Bieskiden und der Kleinen Tátra durchzogen. Ebenes Gebiet findet sich lediglich im prachtvollen Waagthal, dessen Romantik durch zahlreiche Burgen erhöht wird, und im SO. bei Baán. Hauptfluß ist die von O. gegen S. fließende Waag mit der Kisucza. Der nicht sehr fruchtbare Boden erzeugt Kartoffeln, Hafer, Obst (besonders Zwetschen), Gartenfrüchte, Flachs, Hanf, viel Holz und in der Ebene auch Getreide. Die Einwohner (1881 : 244,919), meist Slowaken, beschäftigen sich neben der Landwirtschaft mit Viehzucht (Schafe) und mit Branntwein-, Käse- und Honigproduktion. Der Handel mit Holz, das auf der Waag auf Flößen befördert wird, ist sehr lebhaft. Die königliche Freistadt T., an der Waag, Station der Waagthalbahn und Sitz des Komitats und eines Gerichtshofs mit (1881) 4402 slowakischen, deutschen und ungar. Einwohnern, hat mehrere Kirchen, ein Piaristenkloster mit Obergymnasium, eine neue große Kaserne, einen Park und Ruinen der uralten imposanten Bergfeste T. In einem romantischen Seitenthal (8 km nordöstlich) liegt der seit dem 14. Jahrh. bekannte Badeort T.-Teplitz, Bahnstation, mit sehr heilsamen Schwefelquellen (36-40° C.), die gegen Rheumatismus, Gicht, Lähmungen etc. benutzt werden (jährlich über 3000 Kurgäste). Vgl. Ventura, Der Kurort T.-Teplitz (6. Aufl., Wien 1888), und Nagel, T.-Teplitz (2. Aufl., das. 1884).
Trepanation(franz.), chirurg. Operation am Knochen, wobei ein Stück aus demselben ausgebohrt oder ausgesägt wird. Die T. wird am häufigsten am Schädel vorgenommen, und zwar 1) wo die Schädelknochen durch äußere Gewalt tiefer als etwa 6 mm eingedrückt oder die innere Lamelle des Schädelknochens abgesprengt ist und das Gehirn beeinträchtigt; 2) wo fremde Körper (Kugeln, Messerspitzen etc.) im Gehirn stecken oder auf dieses drücken und man Hoffnung hat, durch Entfernung derselben die drohenden Erscheinungen zu beseitigen; 3) wo zwischen den Schädelknochen und dem Gehirn oder in den obern Schichten des letztern größere Eiter- und Blutmassen liegen, vorausgesetzt natürlich, daß man die Diagnose in allen diesen Fällen überhaupt mit Sicherheit stellen kann. Das Instrument, mit dem man ein rundes Stück aus dem Knochen ausbohrt, nennt man Trepan (Trephine); sein gezahntes, einer Kreissäge von etwa 1½ cm Durchmesser entsprechendes Ende heißt die Trepankrone. Das ausgesägte Knochenstück wird mit einem hebelartigen Instrument (Tirefond) herausgehoben und sodann der Fall je nach seiner individuellen Beschaffenheit weiter behandelt. Schon im Altertum, namentlich in der Kriegschirurgie, sehr häufig vorgenommen, gehört die T. jetzt zu den selten zur Ausführung kommenden Operationen, da sie früher außer bei Verletzungen auch bei Geisteskranken ausgeführt wurde (Wilhelm v. Saliceto). Auch das Brustbein hat man trepaniert, namentlich um Eitermassen, welche sich hinter demselben entwickelt hatten, zu entfernen. Unter allen Umständen ist die T. eine lebensgefährliche Operation, weil sie zu einer schweren ältern Verletzung eine nicht minder schwere neue hinzufügt.
Trepang(auch Tripang, Béche de mer), die als Handelsartikel zubereiteten Seegurken (s. Holothurioideen) aus der Gattung Holothuria. In Japan und China werden diese teils als Gewürz für Speisen, teils als Aphrodisiakum sowohl von den Eingebornen als auch von den Europäern genossen. Sie kommen meist von den Inselgruppen des Malaiischen Meers, von der nordaustralischen Küste etc. Sofort nach dem Fang werden sie abgekocht und entweder an der Sonne oder am Feuer getrocknet, auch wohl leicht geräuchert; frisch erreichen sie eine Länge von 25 cm und einen Durchmesser von 5 cm, büßen aber durch jene Prozesse viel von ihrer Größe ein. Die Chinesen unterscheiden über 30 Sorten, deren Preis von 0,70-2 Frank das Kilogramm schwankt. Die Einfuhr nach China betrug 1872 nicht weniger als 18,000 Pikuls. Vgl. Simmonds, The commercial products of the sea (Lond. 1879).
Tréport, Le (spr. -por), Hafenstadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Dieppe, an der
52*
820
Treppe - Tresckow.
Mündung der Bresle in den Kanal (La Manche), durch Eisenbahnlinien mit Abbeville, Amiens, Dieppe und über Beauvais mit Paris verbunden, hat besuchte Seebäder, einen Hafen und (1881) 3937 Einw., welche Fischerei, Seilerei und Schiffbau treiben.
Treppe(Stiege), eine aus aufeinanderfolgenden Stufen bestehende Baukonstruktion von Holz, Stein oder Eisen, durch welche die Verbindung zwischen übereinander liegenden Räumen, z. B. Stockwerken von Gebäuden, bewirkt wird. Hinsichtlich der Form unterscheidet man: gerade Treppen (Fig. 1), bei denen die Wangenstücke gerade sind; gebrochene Treppen (Fig. 2, 3), bei welchen die Richtung der Wangen vom Antritt bis zum Austritt ein- oder mehrmals wechselt und daher mehrere geradlinige Treppenteile ohne oder mit Treppenabsätzen vorhanden sind; doppelarmige Treppen (Fig. 4), bei welchen eine Mitteltreppe in zwei Seitentreppen mit entgegengesetzter Steigung übergeht, wobei auf der erstern oder auf den beiden letztern angetreten werden kann; Wendeltreppen (Fig. 5-7), bei denen die Stufen, die an der äußern Seite breit und an der innern schmal sind, in einer kreis- oder ellipsenförmigen Richtung fortlaufen, und die Spindeltreppen heißen, wenn die Stufen an der innern Seite in einer runden oder eckigen Spindel befestigt sind, Hohltreppen aber, wenn die Windungen der Spindel in einem hohlen Cylinder liegen; gemischte Treppen (Fig. 8), welche aus gewendelten und geraden Armen bestehen; Schneckentreppen, welche die Form eines Kegels haben, aber bloß zu Treppenanlagen in Gärten und bei kleinen Bergen dienen; romanische Treppen, schiefe Flächen ohne Stufen, die zuweilen in Türmen und andern Gebäuden in schneckenförmiger Richtung angebracht werden; Freitreppen, welche außerhalb der Gebäude angebracht werden, wenn die Hausthür der Trockenheit wegen, oder weil sich Souterrains im Haus befinden, etwas hoch angelegt ist. Kurze Treppen pflegt man nicht zu unterbrechen, längern Treppen gibt man nach 13 oder 15 Steigungen Ruheplätze oder Podeste. Jede ununterbrochene T. oder Treppenabteilung heißt ein Treppenarm; daher nennt man aus je einem, zwei und mehr Armen bestehende, mit Podesten versehene Treppen beziehentlich ein-, zwei- und mehrarmige. Bei Anordnung der T. müssen Auftritt und Steigung in einem solchen Verhältnis stehen, daß die T. bequem bestiegen werden kann. Gute Verhältnisse der Steigung zum Auftritt sind 12:33, 14:32, 15:31, 17:30, 18:29, 19:26. Was die Konstruktion der Treppen betrifft, so werden steinerne Treppen aus gemauerten oder besser massiven Stufen hergestellt, welche man untermauert, unterwölbt oder seitlich so einmauert, daß sie die nötige Unterstützung finden. Die hölzernen Treppen sind solche mit eingesetzten Stufen, wobei Tritt- und Futterbretter in Wangen eingeladen, oder solche mit aufgesattelten Stufen, wobei die letztern auf die Treppenbäume geschraubt oder genagelt werden. Eiserne Treppen werden aus einzelnen, meist durchbrochenen gußeisernen Platten zusammengeschraubt. Bei Treppen aus gemischtem Material werden meist gemauerte Stufen auf eisernen Schienen oder gußeisernen Treppenbäumen angewandt, welch erstere mit schwachen steinernen Auftrittplatten oder mit hölzernen Auftritten belegt werden. Zum Belegen hat man in neuerer Zeit auch hartgebrannte Thonplatten verwendet. Steinerne Treppen sind die solidesten, hölzerne Treppen nicht feuersicher, aber elastisch und leicht herstellbar, eiserne Treppen zwar feuersicherer, doch bei Bränden wegen ihrer eignen Hitze schwer passierbar, aber kompendiös und leicht elegant herzustellen. Vgl. Nix, Handbuch der Treppenbaukunst (Leipz. 1887).
Fig. 1. Gerade Treppe.
Fig. 2 u. 3. Gebrochene Treppe.
Fig. 4. Doppelarmige Treppe
Fig. 5-7. Wendeltreppen.
Fig. 8 Gemischte Treppe.
Grundrisse verschiedener Treppen.
Treppengiebel, s. Staffelgiebel.
Treppenschnitt, s. Edelsteine, S. 314.
Treppenwitz, s. Esprit (d'escalier).
Trepprecht, s. Tretrecht.
Treptow, 1) (Alttreptow) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Stettin, Kreis Demmin, an der Tollense und der Linie Berlin-Stralsund der Preußischen Staatsbahn, hat eine große evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein Warendepot der Reichsbank, Eisengießerei und Maschinenbau, 3 Bierbrauereien, eine große Wassermühle, Viehmärkte und (1885) 4103 meist ev. Einwohner. -
2) (Neutreptow) Stadt daselbst, Kreis Greifenberg, an der Rega und der Eisenbahn Altdamm-Kolberg, hat 2 evang. Kirchen, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, einen Ritterschaftlichen Kreditverein, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen, von Silberlöffeln und Essig, Bierbrauerei, eine Dampf- und eine Wassermühle und (1885) 6943 Einw. Nahebei das Remontedepot Neuhof-T. und das ehemalige Prämonstratenserkloster Belbuck (1177 von Herzog Kasimir II. gegründet und sehr reich). In T. ward auf dem Landtag von 1534 die Einführung der Reformation in Pommern beschlossen. -
3) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Teltow, an der Spree und nahe der Berliner Ringbahn, mit Berlin durch Pferdebahn und Dampfschiffahrt verbunden, Vergnügungsort der Berliner, hat (1885) 1178 Einw.
Tres(lat.), drei.
Tresa, der Abfluß des Luganer Sees in den Lago Maggiore.
Tresckow, Hermann von, preuß. General, geb. 1. Mai 1818 zu Blankenfelde bei Königsberg in der Neumark, trat 1835 in das Kaiser Alexander-Regiment, nahm 1848 als Adjutant des Generals v. Bonin am Feldzug in Schleswig-Holstein teil, wurde 1852 Hauptmann im Großen Generalstab, 1855 Major und war 1854-56 der Gesandtschaft in Paris attachiert, ward 1856 Flügeladjutant des Königs, 1860 Kommandeur des 27. Regiments, 1864 General-
821
Trescone - Tretrad.
stabschef bei den Zernierungstruppen an der polnischen Grenze, dann in das Militärkabinett berufen, 1865 Generalmajor und Chef der Abteilung für die persönlichen Angelegenheiten, dann des Militärkabinetts selbst. Auf seine Bitte ward ihm im November 1870 das Kommando der 17. Infanteriedivision übertragen, welche er in den Kämpfen bei Orléans und Le Mans befehligte. Ende Januar 1871 ward er zur Dienstleistung als Generaladjutant in das große Hauptquartier kommandiert, erhielt im Februar wieder die Leitung des Militärkabinetts und bald darauf das Kommando der 19. Division, im Januar 1873 das Kommando des 10. und im September d. J. das des 9. Armeekorps. Im Januar 1875 wurde er zum kommandierenden General, bald darauf zum General der Infanterie und im September 1875 zum Chef des 2. Magdeburgischen Infanterieregiments Nr. 27 ernannt. Im August 1888 nahm er seinen Abschied.
Trescone, ital. Nationaltanz in Toscana.
Trescore Balneario, Badeort in der ital. Provinz Bergamo, im Val Cavallina am Cherio gelegen, hat ein besuchtes Schwefelbad (16° C., auch Schlammbad), eine ganz von Lotto ausgemalte Kirche, Seidenindustrie und (1881) 1883 Einw.
Treseburg, Dorf im braunschweig. Kreis Braunschweig, in einer der schönsten Gegenden des Harzes, am Einfluß der Luppbode in die Bode, mit (1885) 191 Einw.; dabei der Wilhelmsblick.
Tresett(tre sette, ilal., "drei Sieben"), ein aus Italien stammendes Spiel mit L'hombrekarte unter vieren, von denen wie im Whist die Gegenübersitzenden alliiert sind. Die Kartenfolge ist stets Drei, Zwei, As, König, Dame, Bube, Sieben, Sechs, Fünf, Vier. Es gelten die Whistregeln, doch gibt es kein Atout, und man spielt nicht um Stiche, sondern um Points. Jedes As in den Stichen zählt 1, je 3 Figuren (Drei bis Bube) zählen 3 (2 überbleibende nichts), der letzte Stich 1. Zum Spielen gesellt sich das Ansagen, welches vor dem ersten Stich nur der Vorhand erlaubt ist. 3 Dreien gelten 4, 4 Dreien 8, die übrigen gedritten Blätter 1, die gevierten 2. 21 Points machen eine Partie. Wer 3 oder 4 Sieben meldet, gewinnt die Partie sofort und legt noch außerdem 1, bez. 2 für die nächste an. Neapolitaine heißt die Sequenz von der Drei an; sie zählt so viel Points, wie sie Blätter stark ist.
Tres faciunt collegium(lat.), "drei machen ein Kollegium", d. h. drei gehören mindestens zu einem Verein, aus den Digesten stammender Rechtsspruch.
Treskow, Udo von, preuß. General, geb. 7. April 1808 zu Jerichow bei Magdeburg, trat 1824 in ein Jägerbataillon, kommandierte 1856-64 das sachsen-altenburgische Truppenkontingent, machte als Oberst u. Kommandeur des 53. Regiments den Mainfeldzug 1866 mit, ward im Juli zum Kommandeur der kombinierten Gardeinfanteriebrigade ernannt, formierte in Leipzig die preuß. Division des 2. Reservearmeekorps und zog mit derselben unter dem Oberbefehl des Großherzogs von Mecklenburg nach Bayern. Nach 1866 als Kommandeur der 33. Brigade mit Organisation der Militärverhältnisse der Hansestädte betraut, erhielt er im Anfang des Kriegs 1870 das Kommando der 1. Landwehrdivision, mit welcher er an der Belagerung von Straßburg teilnahm, und leitete dann die Belagerung von Belsort (s. d.), deren große Schwierigkeiten er jedoch nicht zu überwinden vermochte, so daß die Festung erst nach dem Waffenstillstand ehrenvoll kapitulierte. Im Januar 1871 zum Generalleutnant avanciert, erhielt er nach dem Friedensschluß die 2. Division, nahm 1875 seinen Abschied und starb 20. Jan. 1885 in Stünzhain bei Altenburg.
Tres Montes, Vorgebirge, s. Taytao.
Trésor(franz.), Schatz, Schatzkammer, Geldschrank.
Trésorscheine, s. v. w. Schatzscheine (s. d.). So hießen in Preußen die zuerst 4. Febr. 1806 ausgegebenen und 1824 durch Kassenanweisungen ersetzten Scheine, deren Annahme im Privatverkehr seit 1813 der freien Übereinkunft überlassen war. Ein Teil derselben (die gestempelten) dienten dem Zweck der Antizipation von Steuern. Vgl. Bon.
Trespe, Pflanzengattung, s. Bromus.
Tressan(spr. -ssang), Louis Elisabeth de la Vergne, Graf von, franz. Schriftsteller, geb. 4. Nov. 1705 zu Le Mans, wurde mit dem jungen Ludwig XV. gemeinsam unterrichtet, stieg dann bis zum Generalleutnant empor und bekleidete später beim König Stanislaus die Stelle eines Großmarschalls. Er starb 31. Nov. 1783. Mit Voltaire, Fontenelle und Raynard freundschaftlich verbunden und im Salon der Madame Tencin ein ständiger Gast, hatte T. die Litteratur und die Wissenschaften gepflegt und zahlreiche Gelegenheitsgedichte, ein philosophisches Werk: "Réflexions sommaires sur l'esprit", u. einen "Essai sur le fluide électrique" verfaßt. Als seine Hauptwerke aber sind seine Übersetzung des "Orlando furioso" von Ariost, die ihm die Aufnahme in die französische Akademie verschaffte (1781), und das "Corps d'extraits de romans de chevalerie" (1782, 4 Bde.) zu nennen. Seine "OEuvres completes" gaben Campenon und A. Martin heraus (1822-23, 10 Bde.).
Tressen(franz.), aus Gold - u. Silberfäden oder auch mit Seide, Lahn und Kantille gewebte Bandstreifen oder Borten zum Besatz von Kleidungsstücken, Tapetenbeschlägen u. dgl. Die Kette ist in der Regel von gelber oder weißer Seide, der Schuß von Gold- oder Silbergespinst. Die besten T. sind auf beiden Seiten rechts. Nach den verschiedenen Mustern gibt es: Gaze-, Galonen- und Korallenarbeit und Massiv- oder Drahttressen, sämtlich durchsichtig und leicht, in der Kette von Seide und im Einschlag von dünnem Gold- oder Silberdraht; Bandtressenligaturen, rechts von Gold oder Silber, links ganz von Seide, und geschleifte T., bei welchen auf der rechten Seite nach zwei Einschlagfäden von reichem Gespinst nur ein Seidenfaden zu sehen ist.
Trester, s. v. w. Treber.
Tretgöpel, s. Göpel.
Tretrad(Tretmühle), Maschine zur Aufnahme von Tier- und Menschenkraft. Das gewöhnliche Tret- oder Laufrad ist aus Holz und ähnlich wie ein Wasserrad gebaut, aber an seinem äußern oder innern Umfang nicht mit Schaufeln oder Zellen, sondern mit Sprossen oder Leisten versehen, welche der arbeitende Mensch benutzt, um durch fortgesetztes Steigen sich selbst immer auf derselben Stelle zu behaupten, während das große hölzerne Rad unter seinen Füßen ausweicht, d. h. sich unter Abgabe von Arbeit umdreht. Die Räder können beliebig breit gemacht werden, so daß mehrere, selbst bis 20 Arbeiter nebeneinander Platz haben. Steigen nun diese 20 Mann jeder in der Stunde 3000 Stufen von 0,2 m Höhe, und wird täglich 7 Stunden gearbeitet, so beträgt die tägliche Leistung, wenn der Mensch 65 kg wiegt, 21,000.65.0,2=273,000 Meterkilogramm. Dieser bedeutenden Nutzleistung halber macht man auch heute noch unter gewissen Umständen von Lauf- und Treträdern Gebrauch. Durch Tiere betriebene Lauf- und Treträder sind wegen großer Reibungswiderstände, kolossalen Baues, bedeutender Herstellungs- und Unterhaltungskosten etc. fast ganz außer Gebrauch gekommen; nur für manche landwirtschaftliche Zwecke haben
822
Tretrecht - Treviranus.
sich die Tretwerke oder Trittmaschinen noch erhalten. Sie nehmen weniger Raum ein als Göpel und ermöglichen größere Arbeitsleistungen der Tiere, indem diese durch ihr eignes Gewicht wirken und dabei die stete ermüdende Wendung des Körpers wegfällt. Dagegen fehlt den meisten dieser Maschinen die erforderliche Einfachheit und damit die Möglichkeit, ohne öftere Störungen arbeiten zu können.
Tretrecht(Trepprecht), das Recht, beim Ackern das Nachbargrundstück betreten, namentlich auf demselben den Pflug umkehren zu dürfen (vgl. Anwenderecht).
Tretsch, Aberlin, deutscher Architekt des 16. Jahrh., erbaute in den Jahren 1553-70 das alte Schloß in Stuttgart, eine der hervorragendsten Schöpfungen der deutschen Renaissance.
Treubund, ein zu Ende 1848 in Berlin gegründeter antidemokratischer Verein, der bald zahlreiche Anhänger zählte. Zwiespalt zwischen den Anhängern der Konstitution und denen des Absolutismus führte um diese Zeit zu einem Bruch, worauf im November ein neuer Bund: "Die Treue mit Gott für König und Vaterland", ins Leben trat, der sich aber bald wieder auflöste. Vgl. Kunze, Der T. (Berl. 1849). Auch in Kurhessen bestand 1850-53 ein T.
Treuchtlingen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt Weißenburg, an der Altmühl, Knotenpunkt der Linien München-Bamberg-Hof und T.-Aschaffenburg-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß, eine Burgruine, ein Forstamt, Töpferwarenfabrikation und (1885) 2596 Einw.
Treue(lat. Fides) ist das dauernde, aus dem Bewußtsein unsrer Pflicht gegen andre entspringende, wie Anhänglichkeit (franz. attachement, Hundetreue) das bewußtlose Festhalten an diesen.
Treue, Hausorden der, badischer Hausorden, 17. Juni 1715 von Markgraf Karl Wilhelm als Ordre de la fidélité mit Einem Grad gestiftet, 1803 mit Hinzufügung von Kommandeuren erneuert und 1840 mit neuen Statuten versehen; zunächst für auswärtige Fürsten, dann für höhere Staatsbeamte mit Exzellenzrang bestimmt. Die Insignien des jetzt wieder nur Einen Grad habenden Ordens bestehen in einem goldenen, achtspitzigen, rot emaillierten, durch vier ineinander verschlungene C verbundenen Kreuz, in dessen Mittelavers das verschlungene C über Felsen mit der Umschrift "Fidelitas" steht, während sich auf dem Revers das badische Wappen befindet. Das Kreuz wird am orangefarbenen, silbereingefaßten Band getragen, dazu ein silberner Stern mit vier Haupt- und vier Zwischenstrahlen, in dessen Mitte sich das Kreuz befindet.
Treuen, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Auerbach, an der Trieb und an der Linie Herlasgrün-Falkenstein der Sächsischen Staatsbahn, 471 m ü. M., hat eine evang. Kirche, 2 Schlösser, ein Amtsgericht, bedeutende Fabrikation wollener und baumwollener Tücher, von Treibriemen und Segeltuch, Woll- und Baumwollspinnerei und (1885) 5867 Einw.
Treuenbrietzen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, an der Linie Juterbog-T. der Preußischen Staatsbahn, 69 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen aus dem 13. Jahrh., ein Amtsgericht, Papier-, Tuch- und Holzpantinenfabrikation, bedeutende Landwirtschaft und (1885) 4890 fast nur evang. Einwohner. T., das ursprünglich Brizen (zuerst 1217 urkundlich erwähnt) hieß, erhielt jenen Namen, weil es zur Zeit des falschen Waldemar den Wittelsbachern treu blieb.
Treuga Dei(lat.), s. Gottesfriede.
Treuhänder, s. Testamentsvollstrecker.
Treuschatz, s. Mahlschatz.
Trevelyan(spr. triwilljen), Georg Otto, engl. Schriftsteller und Politiker, geb. 20. Juli 1838 zu Rothley Temple in Leicestershire, Neffe Macaulays, studierte zu Cambridge, folgte 1860 seinem Vater, Sir Charles Edward T., der Gouverneur von Madras geworden, nach Indien, wurde 1865 als Liberaler ins Unterhaus gewählt, 1868 unter Gladstone für kurze Zeit Lord der Admiralität, 1880 Sekretär derselben, 1882 Staatssekretär für Irland, 1885 für kurze Zeit Kanzler von Lancaster. 1886 trennte er sich von Gladstone, weil er dessen Homerulepolitik nicht billigte, versöhnte sich aber schon 1887 mit ihm. Er schrieb: "Competition Wallah" (1864); "Cawnpore, and the massacre there" (1865, 4. Aufl. 1886); "Ladies in Parlament" (1870); "The life and letters of Lord Macaulay" (1876, 2 Bde.; deutsch, 2. Aufl., Jena 1883); "The early history of Charles James Fox" (1880).
Treverer(Treveri, Treviri), Volk im belg. Gallien, welches sich germanischer Abstammung rühmte, aber keltisch sprach, unterwarf sich Cäsar erst freiwillig, machte 54 v. Chr. unter Induciomarus einen Aufstandsversuch, welcher aber von Labienus unterdrückt wurde; ebenso wurde ein Aufstandsversuch unter Julius Florus (21 n. Chr.) niedergeschlagen. Beim Aufstand der Bataver unter Civilis blieben die T. den Römern treu. Ihre Hauptstadt war Augusta Treverorum (Trier). Vgl. Steininger, Geschichte der T. (Trier 1845).
Trèves(spr. trähw), franz. Name für Trier.
Trevi, Stadt in der ital. Provinz Perugia, Kreis Spoleto, in prächtiger Berglandschaft, an der Eisenbahn Rom-Foligno, hat mehrere Kirchen (mit Gemälden von Spagna u. a.), eine kleine Gemäldesammlung, eine technische Schule und (1881) 1238 Einw. In der Nähe der berühmte kleine Tempel des Clitumnus (jetzt Kirche).
Treviglio(spr. -wiljo), Kreishauptstadt in der ital. Provinz Bergamo, an der Eisenbahn Mailand-Venedig (mit Abzweigungen nach Bergamo und Cremona), hat ein altes Schloß, eine schöne Hauptkirche, ein Gymnasium, eine technische Schule, Lehrerbildungsanstalt, Bibliothek, ein hübsches Theater, rege Industrie (besonders Tuch- und Seidenmanufakturen), lebhaften Handel und (1881) 9854 Einw.
Treviranus, 1) Gottfried Reinhold, Naturforscher, geb. 4. Febr. 1776 zu Bremen, studierte seit 1792 in Göttingen Medizin und Naturwissenschaft, ward 1797 Professor der Mathematik und Physik am Lyceum zu Bremen und starb daselbst 16. Febr. 1837. Unter den Schriften des ausgezeichneten Forschers sind hervorzuheben: "Physiologische Fragmente" (Hannov. 1797-99, 2 Bde.); "Biologie oder Philosophie der lebenden Natur" (Götting. 1802-1822, 6 Bde.) und "Die Erscheinungen und Gesetze des organischen Lebens" (Brem. 1831-33, 3 Tle.).
2) Ludolf Christian, Botaniker, Bruder des vorigen, geb. 10. Sept. 1779 zu Bremen, studierte Medizin in Göttingen, wurde dann Arzt in seiner Vaterstadt, 1807 Lehrer am Lyceum daselbst, 1812 Professor der Botanik und Naturgeschichte zu Rostock, 1816 Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens in Breslau und kam 1830 in gleicher Eigenschaft nach Bonn, wo er 6. Mai 1864 starb. Seine Thätigkeit war anfangs vorwiegend der Phytotomie und Physiologie der Pflanzen, später mehr der Bestimmung und Berichtigung der Spezies gewidmet.
823
Trevirer - Triangulation.
Er entdeckte die Intercellularräume und den Bau der Epidermis, auch betonte er in seinen Untersuchungen die entwickelungsgeschichtlichen Gesichtspunkte und sprach über einige der fundamentalsten Fragen der Phytotomie Ansichten aus, in welchen sich die ersten Keime der später von Mohl ausgebildeten Theorien finden. Auch über die Sexualität der Pflanzen lieferte er mehrere Untersuchungen. Er schrieb: "Vom inwendigen Bau der Gewächse" (Götting. 1806); "Beiträge zur Pflanzenphysiologie" (das. 1811); "Von der Entwickelung des Embryo und seiner Umhüllungen im Pflanzenei" (Berl. 1815) und "Physiologie der Gewächse" (Bonn 1835-38, 2 Bde.).
Trevirer, Volk, s. Treverer.
Treviso, ital. Provinz in der Landschaft Venetien, 2438, nach Strelbitsky 2467 qkm (44,8 QM.) groß mit (1881) 375,704 Einw., ist größtenteils eben und enthält zahlreiche zur Bewässerung und Schiffahrt dienende Flüsse (Piave, Livenza etc.) und Kanäle. Die hauptsächlichsten Produkte sind: Mais (1887: 771,300 hl), Weizen, Wein (67,900 hl), Kastanien und Obst. Gut entwickelt ist auch die Viehzucht, insbesondere die Rinderzucht (1881: 100,099 Stück Rindvieh). Auch die Seidenzucht ist ausgedehnt (1887: 1,6 Mill. kg Kokons). Die Provinz zerfällt in die acht Distrikte: Asolo, Castelfranco Veneto, Conegliano, Montebelluna, Oderzo, T., Valdobbiadene, Vittorio. - Die Hauptstadt T., an der Eisenbahn Udine-Venedig (mit Abzweigungen nach Feltre, Vicenza und Motta di Livenza) und am schiffbaren Sile gelegen und von alten Festungswerken umgeben, ist von altertümlicher Bauart. Hervorragende Bauwerke sind: die Kathedrale San Pietro (eine im 15. Jahrh. durch Pietro Lombardo restaurierte dreischiffige Pfeilerbasilika mit Fresken von Pordenone und Gemälden von Tizian, Paris Bordone u. a.), die gotische Dominikanerkirche San Niccolò (aus dem 14. Jahrh.), das Theater, das Leihhaus (mit berühmtem Gemälde, angeblich von Pordenone) u. a. T. zählt (1881) 18,301 Einw., welche Fabrikation von Metallwaren, Maschinen u. Instrumenten, Seidenwaren, Tuch, Papier, Töpferwaren, Kerzen und Ceresin, Baumwollspinnerei sowie lebhaften Handel betreiben. Es hat ein königliches Gymnasium und Lyceum, ein bischöfliches Lycealgymnasium und Priesterseminar, eine technische Schule, ein Athenäum und eine Bibliothek (mit Gemäldesammlung) und ist Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Hauptzollamtes und einer Handelskammer.- T. war schon im 6. Jahrh. eine bedeutende Stadt (Tarvisium), ward 776 von Karl d. Gr. belagert und eingenommen und kam, nachdem es seine Herren mehrmals gewechselt, 1388 an Venedig, dessen Schicksale es bis 1797 teilte, wo es von den Franzosen unter Mortier, der dafür den Titel eines Herzogs von T. erhielt, in Besitz genommen ward. Am 5. Mai 1809 fand hier ein Gefecht zwischen den Österreichern und Franzosen statt. Am 21. März 1848 brach in T. ein Aufstand aus, infolge dessen die schwache österreichische Besatzung die Stadt räumen mußte. Am 11. Mai wurden hier die Piemontesen zurückgeschlagen, worauf die Beschießung der Stadt unter Nugent erfolgte. Ein zweites Bombardement unter Welden zwang die Stadt, 24. Juni zu kapitulieren und sich an Österreich zu ergeben. 1866 ward T. italienisch.
Trévoux(spr. -wuh). Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ain, ehemalige Hauptstadt der Landschaft Dombes, an der Saône und der Eisenbahn Paris-Lyon, mit Goldwarenfabrikation und (1886) 1902 Einw. Über das 1704 erschienene "Dictionnaire de T." s. Französische Sprache, S. 618.
Treysa, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain, an der Schwalm, Knotenpunkt der Linien Kassel-Frankfurt a. M. und T.-Leinefelde der Preußischen Staatsbahn, 238 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Amtsgericht, Weberei, Strumpfwirkerei, Spinnerei, Holzschneiderei und (1885) 2413 meist evang. Einw. In der Nähe das von Hugenotten erbaute Dorf Franzosendorf. Vgl. Keulenkamp, Geschichte der Stadt T. (1806).
Triade(Trias, lat.), Dreiheit von drei gleichartigen Dingen; daher triadisches Zahlensystem, System, dessen Grundzahl 3 ist.
Triage(franz., spr. -ahsch), Ausschuß, Ware, aus der das Beste ausgesucht ist; insbesondere Kaffeeabfall.
Triakisoktaëder(Pyramidenoktaeder), 24flächige Kristallgestalt des tesseralen Systems, s. Kristall, S. 230.
Trial(engl., spr. trei-el), Untersuchung, Verhör.
Triándrus(griech.), dreimännig, Blüten mit drei Staubgefäßen; daher Triandria, 3. Klasse des Linnéschen Systems, Gewächse mit drei freien Staubgefäßen enthaltend.
Triangel(lat., "Dreieck"), ein in unsern Orchestern gebräuchliches Schlaginstrument einfachster Konstruktion, bestehend aus einem im Dreieck gebogenen Stahl- oder Messingstab, der, durch einen andern Stab angeschlagen, ein hohes klirrendes Geräusch gibt.
Triangularzahlen, s. Trigonalzahlen.
Triangulation(lat., auch trigonometrische Netzlegung), Inbegriff aller Arbeiten, welche einer geregelten topographischen Aufnahme (s. d.) eines Landes vorausgehen müssen, aber auch bei Gradmessungen etc. ausgeführt werden. Zweck der T. ist im eigentlichen Sinn: Bestimmung der Lage von Punkten der Erdoberfläche. Denkt man sich einen Punkt auf eine Fläche projiziert (s. Projektion), so ist die Lage des Punktes bestimmt, sobald die Höhe des Punktes über dieser Fläche und die Lage seiner Projektion auf dieser Fläche bekannt ist. Diese, die Projektionsfläche, ist die Meeresfläche, und die Höhe der Punkte über derselben wird durch Höhenmessung oder Nivellement, ihre Lage auf der Projektionsfläche durch Horizontalmessung oder (eigentliche) T. bestimmt. Die T. zerfällt in Basismessung und Horizontalwinkelmessung.
Unter einer Basis versteht man diejenige auf die Projektionsfläche projizierte Entfernung von Punkten, die der folgenden Bestimmung der Entfernung aller Punkte voneinander als Grundlage dient. Die Länge der Basis beträgt im allgemeinen 3-5 km und ihre Lage wird so ausgesucht, daß sie die Vergrößerung der Seiten ermöglicht und das Terrain zwischen ihren Endpunkten nicht Unebenheiten bietet, die nicht durch den Basismeßapparat überwunden werden könnten. Der Wichtigkeit der Basis für die folgende T. entsprechend, muß man die Basis mit der größten Sorgfalt und mit einem Apparat messen, der die Garantie möglichst kleiner Fehler bietet. Die verschiedenen Basismeßapparate schließen sich im wesentlichen dem von Bessel 1834 zu der Gradmessung in Ostpreußen konstruierten und später verbesserten an. Der Basismeßapparat besteht aus Meßstangen, Glaskeilen u. Zubehör. Die Meßstangen a a (Fig. 1, S. 824), 3-5 an der Zahl, sind von Eisen u. etwa 4 m lang. Auf ihnen liegen Zinkstangen b b von der halben Breite und der ganzen Dicke. An dem einen Ende c sind diese Stangen durch Schrauben u. Lötung fest miteinander verbunden; sonst nicht weiter vereinigt, berühren sie sich der ganzen Länge nach. An beiden Enden der Zinkstange d und e sind Stücke von Stahl aufgelötet, deren
824
Triangulation (Basismessung).
Enden horizontal abgeschrägt sind. Die Eisenstange trägt dagegen nur auf dem einen Ende f ein Stahlstück, welches auch keilförmige Abschärfungen hat, deren Schneiden aber senkrecht zur Ebene der Stange stehen. Aus der ungleichen Ausdehnung von Eisen und Zink folgt, daß die Entfernung e f mit der Temperatur der Meßstangen variiert. Aus der Größe e f ist daher auf diese Temperatur zu schließen, und da die Länge der Stangen bei einer gewissen Normaltemperatur durch vorangegangene Untersuchung bekannt ist, so ist unter fernerer Berücksichtigung des Ausdehnungskoeffizienten des Eisens die jedesmalige Länge der Stangen zu bestimmen. Um die Biegung der Meßstange zu verhüten, liegt dieselbe mittels der Rollenpaare g g (Fig. 2) auf einer eisernen Stange h, die auf dem Boden eines Holzkastens iiii befestigt ist, der die Meßstange der Länge nach einschließt. Aus den Ruhepunkten ist die Stange mittels Mikrometerschraube k beweglich, die auf einer Seite aus dem Kasten heraustritt. Zur Horizontallegung der Stange, resp. zur Ablesung des Winkels, um welchen diese von der horizontalen Lage abweicht, befindet sich auf ihr eine Libelle l mit graduierter Schraube. In der obern Fläche des Kastens sind ein oder zwei mit Glas geschlossene Einschnitte angebracht zur Ablesung der Stangentemperatur an einem auf den Meßstangen ruhenden Thermometer. Die Glaskeile (3-5), in Einem Stück geschliffen, sind nach dem Schleifen so voneinander getrennt, daß die parallelen Ebenen 3 Linien Entfernung haben. Die Stärke der Keile steigt von 0,8-2,0 Linien. Zwischen diesen beiden Grenzen sind auf einer der parallelen Ebenen 120 Striche in gleichen Zwischenräumen so gezogen, daß sie die den Winkel der geneigten Ebenen des Keils halbierende Linie senkrecht durchschneiden. Diese 120 Striche füllen eine Länge von 41 Linien, sind also 1/3 Linie voneinander entfernt und sehr nahe von 0,01 zu 0,01 Linie der Dicke des Keils fortgehend. Da außerdem die Zehntel eines Zwischenraums von 1/3 Linie leicht durch das Augenmaß geschätzt werden, so bieten die Keile das Mittel, noch Tausendstel der Linie zu messen. Zubehör sind Böcke zum Auflegen der Stangen, Gewichte, Pfähle etc.
Der Basismessung gehen die Planierungsarbeiten des Basisterrains voraus, um Unebenheiten des Terrains über 3° Böschung, die durch den Apparat nicht überwunden werden können, durch Abkämmen, resp. Aufführung von Pfahlrosten etc. zu entfernen. Ist dieses geschehen, so werden bei einer langen Basis mittels eines über einem Endpunkt aufgestellten Theodolits (s. d.) in der Richtung nach dem andern Endpunkt Zwischenpunkte bestimmt und diese durch feine Stifte markiert. Von dem einen Endpunkt anfangend, werden dann so viel Böcke aufgestellt, daß auf diese sämtliche Meßstangen hintereinander gelegt werden können. (Fig. 2 zeigt eine auf zwei Böcke gelegte Meßstange.) Das vorderste Ende der ersten Meßstange wird mit dem ersten Endpunkt der Basis in Verbindung gebracht und diese Stange wie auch alle andern mittels Theodolits so eingerichtet, daß sie genau in der Richtung der Basis liegen. Es werden dann mittels der Glaskeile die Entfernung e f (Fig. 1) sowie die Zwischenräume zwischen je zwei Meßstangen gemessen; endlich wird an den Libellenschrauben die Neigung der Meßstange abgelesen. Ist eine Stange entweder zu nahe oder zu weit von der vorliegenden gelegt worden, so daß der Gebrauch der Glaskeile nicht durchführbar, so muß vorher die Stange mittels Mikrometerschraube in den nötigen Abstand gebracht werden. Sind die Ablesungen gemacht und notiert, so wird die erste Stange in die Verlängerung der letzten gebracht und die Messung in derselben Weise fortgesetzt. Da die Messung einer Basis mindestens 14 Tage angestrengter Thätigkeit erfordert, die Arbeit mithin öfters unterbrochen und wieder angeknüpft werden muß, so sind provisorische Festlegungen erforderlich, die mit größter Genauigkeit ausgeführt werden müssen und besondere Maßregeln erfordern, damit bei Wiederaufnahme der Messung auch die kleinsten
825
Triangulation (erster Ordnung).
Fehler vermieden werden. Die bei der Messung ausgeführten Beobachtungen geben das Mittel, die Länge der Basis zu berechnen und auch ferner den wahrscheinlichen Fehler in Bezug auf die Länge zu bestimmen (im allgemeinen kaum ein Milliontel der ganzen Länge). Die Endpunkte der Basis werden behufs späterer Wiederbenutzung sehr fest im Terrain markiert. Der beschriebene Basismeßapparat ist der Reichenbachsche oder Besselsche "Keilapparat", derselbe wird in Preußen, Bayern und Italien gebraucht, Rußland und Schweden benutzen den "Fühlhebelapparat" (s. d.), die Niederlande, Spanien und Portugal den Brunnerschen "Mikroskopenapparat". Ein neuerer von General Baeyer und Bauernfeind empfohlener Apparat ist das Steinheilsche, auf Schienenbahn laufende gußstählerne "Meßrad" mit Zählapparat (im hoch, zwischen Holzwandungen laufend); letzterer Apparat etwa analog dem von Fernel in Frankreich 1525 und Müller in Mähren 1720 zur dortigen Landesvermessung angewendeten Meßrad.
Ist die Länge der Basis durch Messung und nachherige Berechnung bekannt, so ist es möglich, in einem Umkreis von 200 km Halbmesser beliebig viele Punkte zu bestimmen. Dieses geschieht wie folgt: 1) Die Basis A B (Fig. 3) wird bis zu einer Entfernung G H von 40-100 km Länge auf die in der Figur veranschaulichte Weise vergrößert. In jedem der vorhandenen Dreiecke brauchen nur je zwei Winkel gemessen zu werden, um demnächst die Seiten C B, C A und D A, D B, dann C D, darauf E C, E D, F C, F D etc., endlich G H zu berechnen. 2) Von der Seite G H ausgehend, werden Ketten von Dreiecken nach verschiedenen Richtungen bis zu 200 km Entfernung von der Basis geführt und diese Ketten miteinander so verbunden, daß Flächen, welche von Dreiecken nicht überzogen, jedoch ganz umschlossen sind, dazwischen bleiben. Es folgt 3) die Ausfüllung der zwischen den Ketten freigelassenen Räume mit Dreiecken. 4) In die unter 2 und 3 aufgeführten Dreiecke werden Dreiecke eingeschaltet, deren Seitenlängen bis zu 10 km herabsteigen. 5) In letztere Dreiecke werden endlich solche eingeschoben, deren Seitenlängen sich bis zu 2 km vermindern. Alle Messungen, die sich auf 1 und 2 beziehen, umfassen die T. erster Ordnung, die auf 3 bezüglichen die sekundäre T. erster Ordnung, die auf 4 bezüglichen die T. zweiter Ordnung, die auf 5 bezüglichen die Detailtriangulation oder T. dritter Ordnung.
Die T. erster Ordnung gibt die Grundlage zu allen folgenden Triangulationsarbeiten; sie erfordert daher die Anwendung der vorzüglichsten 10-15zölligen Theodolite (s. d.) sowie die größte Sorgfalt bei den Messungen. Die Arbeiten beginnen mit der Rekognoszierung des Terrains und der Auswahl der Punkte, welche behufs Ausführung der Beobachtungen namentlich in waldigem und etwas koupiertem Terrain durch Aufführung von bedeutenden Bauten (Signalen) sichtbar gemacht werden müssen. Die Höhe der Signale variiert je nach den Hindernissen, welche die Durchsicht von einem Punkt zum andern decken, von 3-30 m. Die Signale werden aus starkem Holz so errichtet, daß sie bei heftigem Wind nicht erschüttert werden, und daß derjenige Teil, auf dem das Instrument zu stehen kommt, vollständig isoliert ist von demjenigen Teil, auf dem sich der Beobachter befindet. Dies erreicht man durch zwei ineinander stehende, völlig getrennte Bauten. Statt der Holzsignale werden bei geringern Höhen Steinpfeiler errichtet (1 m hoch), bei Kirchtürmen auf deren Plattform. Diesen Vorbereitungsarbeiten folgen die Beobachtungen. Wegen der großen Entfernung der Punkte voneinander und in Rücksicht auf die möglichst besten Einstellungsresultate wird aber bei der T. erster Ordnung davon abgesehen, die auf den Signalen angebrachten Spitzen oder Tafeln etc. als Einstellungsobjekte zu nehmen, vielmehr stets das mittels des auf dem Nachbarsignal aufgestellten Heliotrops (s. d.) reflektierte Licht eingestellt. Behufs der Beobachtungen wird der Horizontalkreis des Theodolits genau horizontiert, und dann auf jedem Punkt sämtliche vorhandene Richtungen mindestens 24 mal eingestellt, so daß alle Winkel gleich oft gemessen werden. Zur Eliminierung der sehr kleinen, aber stets vorhandenen Einteilungsfehler des Horizontalkreises nimmt man sämtliche Beobachtungen nicht auf einer Station in derselben Stellung des Kreises vor, sondern verändert unter Beibehaltung derselben Stellung des Instruments den Horizontalkreis um einen bestimmten Winkel (gewöhnlich 60°). Auch wird bei der exzentrischen Lage des Fernrohrs in jeder Kreislage jedes Objekt ebenso oft in der einen wie in der andern genau um 180° entgegengesetzten Stellung des Fernrohrs eingestellt. Aus dem Mittel beider Resultate folgt dann der auf das Zentrum des Instruments sich beziehende Winkel. Zwei weitere Feldarbeiten sind: a) Das Nehmen der Zentrierelemente. Da es nicht immer möglich, den Heliotropen oder den Theodolit im Zentrum der Station aufzustellen, so ist die Abweichung hiervon zu messen, um diese den später zu berechnenden Winkeln als Korrektion hinzufügen zu können. b) Das Festlegen des Punktes. Dieses ist unbedingt erforderlich, wenn die Messungen einen dauernden Wert haben und die Anknüpfung späterer Messungen ermöglichen sollen. Es geschieht durch Marksteine, bei der T. erster Ordnung durch eine versenkte, ca. 50 cm im Quadrat große Platte und einen daraufgestellten, ca. 1 m hohen, ca. 50 cm zu Tage tretenden Block. In beide, Stein und Platte, sind in der Mitte der Steinflächen Kreuzschnitte angebracht, deren Mittelpunkte das Zentrum der Station bedeuten. Nach Beendigung der Feldarbeiten beginnt die Berechnung der Kette. Da es nur selten möglich, auf einer Station stets sämtliche Objekte einzustellen, so wird das Mittel aus allen Einstellungen auch nicht deren wahrscheinlichsten Wert ergeben. Die Ermittelung desselben wird durch die Ausgleichung der Stationen erreicht. Es folgt sodann das Zentrieren der Winkel bei denjenigen Stationen, bei denen der Theodolit oder der Heliotrop nicht im Zentrum der Station aufgestellt war. Sind die wahrscheinlichsten Werte der Richtungen hiernach korrigiert, so folgt die Ausgleichung der Kette. Da nämlich in jedem Dreieck sämtliche Winkel gemessen werden und es unmöglich ist, dieselben absolut richtig zu messen, so folgt, daß die Summe der gemessenen Winkel nicht gleich sein wird 180° + dem sphärischen Exzeß (d. h. der Zusatz an Winkelgröße über 180° an der Summe der Winkel eines Kugeldreiecks). Außerdem folgt aus der nicht absoluten Richtigkeit der Winkel, daß bei der Berechnung der Dreiecksseiten stets verschiedene Werte gefunden werden müssen,
826
Triangulation (zweiter Ordnung, Detailtriangulation, Höhenmessungen).
je nachdem der eine oder der andre Winkel zur Berechnung benutzt wird. Beides wird durch die Ausgleichung eliminiert, sämtliche Dreiecke werden so auf 180° + sphärischen Exzeß gebracht, und außerdem erhält jede Dreiecksseite in dem ganzen Netz nur einen einzigen Wert. Die Ausgleichung erfordert die Aufstellung und Auflösung von Gleichungen, deren Anzahl von der Zahl der zu bestimmenden Punkte und der vorhandenen Richtungen abhängt. Die Grenze für die wahrscheinlichen Fehler der Dreiecksseiten erster Ordnung beträgt 1/100000 der Länge.
Die T. zweiter Ordnung (sekundäre T.) wird im allgemeinen wie die T. erster Ordnung ausgeführt; nur gestattet der feste Rahmen, der diese Dreiecke umschließt, bei den Beobachtungen wie bei den Ausgleichungen ein etwas abgekürztes Verfahren. Bei der sekundären T. erfolgen die Rekognoszierungen, die Bebauung und Festlegung wie bei der T. erster Ordnung. Die Beobachtungen werden mit achtzölligen Theodoliten ausgeführt, die Pyramidenspitzen, Kirchturmspitzen als Einstellungsobjekte genommen und jeder Winkel zwölfmal gemessen. Stationsausgleichung findet nicht statt, und die Ausgleichung des Netzes wird nicht im ganzen, sondern nur gruppenweise ausgeführt. Die Fehlergrenze der Dreiecksseite beträgt 1/50000 der Länge. Bei der Detailtriangulation endlich ist wegen der geringen Entfernung der Punkte voneinander die Rekognoszierung und Bebauung bedeutend vereinfacht. Die Signale sind im allgemeinen nur ca. 4-6 m hohe drei- oder vierseitige Pyramiden. Die Festlegung besteht in einem einfachen Block mit Kreuzschnitt. Zu den Beobachtungen werden fünfzöllige Theodoliten benutzt und die Winkel durch sechsmalige Einstellung gewonnen. Bei der Berechnung wird der sphärische Exzeß nicht berücksichtigt. Dreiecksfehler werden auf die drei Winkel verteilt und die Länge der Seiten aus dem arithmetischen Mittel der aus den verschiedenen Dreiecken sich ergebenden Werte derselben Seite mit 1/25000 Fehlergrenze ermittelt. In Fig. 4 sind die Triangulationen der verschiedenen Ordnungen veranschaulicht, und es bezeichnen die starken Linien die T. erster Ordnung, die schwachen die T. zweiter Ordnung und die punktierten die Detailtriangulation.
Was die Höhenmessungen betrifft, so werden die Nivellements eingeteilt in trigonometrische und geometrische Nivellements. Letztere werden unterschieden in geometrische Präzisionsnivellements und einfache geometrische Nivellements. Über einfache Nivellements s. Nivellieren. In der höhern Geodäsie kommen nur trigonometrische und geometrische Präzisionsnivellements zur Anwendung. Die früher angewendeten trigonometrischen Nivellements sind erfahrungsmäßig infolge der Refraktionseinflüsse nicht völlig genau; als Grundlage aller Höhenbestimmungen werden jetzt daher nur geometrische Präzisionsnivellements ausgeführt. Die Fehlergrenze von 3 mm bei guten, 5 mm auf 1 km bei noch brauchbaren Nivellements bedingt die Anwendung vorzüglichster Nivellierinstrumente (Fernrohre mit ca. 32 maliger Vergrößerung) und größte Sorgfalt bei den Beobachtungen. Die Nivellements werden, von dem Nullpunkt eines Pegels ausgehend, auf möglichst ebenen Straßen, Chausseen etc. ausgeführt; von 1/4 Meile zu 1/4 Meile wird ein Punkt der Höhe nach bestimmt und im Terrain, z. B. durch einen in einen Granitblock horizontal eingelassenen gußeisernen Nivellementsbolzen, fest markiert. Von diesen so bestimmten Punkten werden Seitennivellements nach allen in der Nähe liegenden trigonometrisch bestimmten Punkten ausgeführt und so auch deren Höhe über dem Nullpunkt des Pegels ermittelt. Das Nivellement geschieht stets von der Mitte aus, jede Linie wird mindestens zweimal nivelliert, auf den Chausseen findet der Kontrolle halber polygonaler Abschluß statt. Die durch denselben sich ergebenden kleinen Differenzen werden durch die Ausgleichung eliminiert, mittels welcher die definitiven Höhen der Punkte gefunden werden. Näheres über Präzisionsnivellements s. Nivellieren.
Gleichzeitig mit der Horizontalwinkelmessung bei der T. zweiter und dritter Ordnung werden trigonometrische Höhenmessungen zwischen allen denjenigen Punkten vorgenommen, deren Höhen nicht bereits durch geometrische Nivellements bekannt sind. Mit der T. erster Ordnung werden keine Höhenmessungen verbunden, da bei den großen Entfernungen der einzelnen Hauptdreieckspunkte die Unregelmäßigkeiten der Refraktion die Güte des Resultats benachteiligen würden. Da ferner die Refraktion mittags am geringsten ist, so werden die Beobachtungen nur in der Zeit von 10-3 Uhr ausgeführt. Soll der Höhenunterschied h der beiden Punkte A u. B (Fig. 5), dessen Horizontalentfernung a durch die vorangegangene T. bekannt ist, gefunden werden, so ist nur erforderlich, den Winkel z, die Zenithdistanz, zu messen; denn da z = alpha, so folgt: h = a/ tang z. Dieser Höhenunterschied h, zu der absoluten Höhe von A addiert gibt die absolute Höhe von B. Die Zenithdistanzen werden mittels der mit Höhenkreisen versehenen Theodolite genommen. Um richtige Resultate zu erhalten, hat man die Höhe des Fernrohrs in A und die Höhe des eingestellten Objekts in B in Bezug auf die Dreieckspunkte A und B zu messen und in Rechnung zu bringen. Wie in A nach B, wird auch in B nach A
826a
Triasformation I.
von vorn Coratites nodosus.
von der Seite (Art. Ammoniten und Tintenschnecken.~)
Encrinus liliiformis; a Stielglied von der Gelenkfläche. (Art. Krinoideen.)
Stück eines Zahndurchschnittes von Mastodonsaurus Jaegeri, stark vergrößert. (Art. Labyrinthodonten,')
Ein ganzer Gaumen von Placodus Andriani; die Mahlzähne sind erhalten, die Schneidezähne ausgefallen. (Art. Reptilien.')
von der Seite o von vorn Lima striata. (Art. Kammmuscheln.')
Zahn von Mastodonsaurus.
Avicula socialis.
(Art. Muscheln.}
Schädel von Mastodonsaurus Jaegeri. (Art. Labyrinthodonten.)
Fährtenabdrüeke von Chirotherium. (Art. Labyrinthodonten.)
von der Seite von vorn
Cardita crenata. (Art. Muscheln.')
Terebratula vulgaris. (Art. Brachiopoden.}
Posidonomya Clarai. (Art. Muscheln.)
Fährtenabdruck von Brontozoum (Ornitichnites) giganteum
und sogen, fossile Regentropfen (Abdrücke von Luftblasen).
(Art. Dinosaurier,)
Zum Artikel »Triasformation«
826b
Triasformation II.
Pflanzen der Keuperformation.
1. Nadelhölzer (Voltzien). -- 2. Riesenschachtelhalm (Equisetum arenaceum). -- 3. Brandblattpflanze (Aethophyllum speciosum). -- 4. Kammwedel (Pecopteris Meriani). -- 5. Kammwedel (Pecopteris angusta). -- 6. Netzfarn (Clathropteris). -- 7. Kalamiten (Calamites Meriani). -- 8. Bandfarn (Taeniopteris marantacea). -- 9. Flügelzamie (Pterophyllum Jaegeri).
827
Triangulation - Triasformation.
die Zenithdistanz gemessen und sowohl von hier aus als auch aus der Zusammenstellung der von B über andre Punkte, C D etc. (Fig. 6), nach A zurück ermittelten Höhenunterschiede eine Kontrolle über die Güte der Arbeit ausgeführt. Existieren in einem größern Terrainabschnitt keine durch geometrische Nivellements bestimmten Dreieckspunkte, so ist es erforderlich, wenigstens einige Punkte möglichst sicher der Höhe nach zu bestimmen. Es werden dazu gegenseitig-gleichzeitige Zenithdistanzen genommen. Es seien z. B. die Höhen der Punkte A und F (Fig. 6) bekannt, und es sollen die Höhen der Punkte B, C, D, E bestimmt werden, so messen zunächst auf A und B je ein Beobachter die Zenithdistanzen von A nach B, resp. B nach A und zwar mit Hilfe des Heliotropen oder bei nähern Entfernungen mit Hilfe eines durch Senken einer Tafel etc. gegebenen Zeichens in demselben Zeitmoment. Ist die vorgeschriebene Anzahl von Beobachtungen beendigt, so begibt sich der Beobachter von A nach C. Es werden dann die Zenithdistanzen von B nach C und von C nach B gemessen. Darauf geht der Beobachter von B nach D etc. bis zu Ende.
Die gegenseitig-gleichzeitigen Beobachtungen haben den Vorteil, daß sie annähernd den Einfluß der Refraktion aufheben, kommen indes nur in beschränkter Weise zur Anwendung. Im großen und ganzen werden die trigonometrischen Höhenmessungen durch gegenseitige, aber nicht gleichzeitige Beobachtungen ausgeführt, und nur ausnahmsweise, wenn ein Punkt die Aufstellung des Instruments (wie bei einzelnen Kirchtürmen etc.) nicht erlaubt, oder wenn eine allzu große Genauigkeit nicht verlangt wird, werden einseitige Zenithdistanzen genommen; dann muß aber die Höhe eines solchen Punktes der Kontrolle halber stets von mindestens drei andern bereits bestimmten Punkten aus ermittelt werden. Ist auf beschriebene Weise durch T. und Höhenmessung die Lage eines Punktes auf und über der Projektionsfläche ermittelt worden, so ist die geographische Position desselben festzustellen. Dieses geschieht durch Polhöhen-, Längen- und Azimutbestimmung. In der höhern Geodäsie kommen aber alle diese Arbeiten nur ausnahmsweise vor, da es, wenigstens in Europa, stets möglich sein wird, einen Dreieckspunkt mit einer Sternwarte unmittelbar zu verbinden und so deren Position auf einen Dreieckspunkt zu übertragen. Ist die geographische Position Eines Dreieckspunktes bekannt, so wird mit Hilfe der noch als gültig angenommenen Erddimensionen von Bessel durch einfache Rechnung Breite, Länge und Azimut jedes andern trigonometrisch bestimmten Punktes ermittelt. Vgl. Puissant, Traité de géodésie (Par. 1805); Späth, Die höhere Geodäsie (Münch. 1816); Decker, Lehrbuch der höhern Geodäsie (Mannh. 1836); Fischer, Lehrbuch der höhern Geodäsie (Darmst. 1845-46, 3 Abtlgn.); Bessel und Baeyer, Gradmessung in Ostpreußen (Berl. 1838); Baeyer, Küstenvermessung (das. 1849); die Werke von Gauß und die Veröffentlichungen des Büreaus der Landestriangulation; Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde (6. Aufl., Stuttg. 1879); Jordan, Handbuch der Vermessungskunde (2. Aufl., das. 1878); Börsch, Geodätische Litteratur (Berl. 1889).
Triangulation, in der Gärtnerei die Veredelung mit dem Geißfuß (s. d. und Pfropfen).
Triangulieren(lat.), ein Stück Erdoberfläche behufs trigonometrischer Vermessung in Dreiecke zerlegen (vgl. Triangulation).
Trianon(spr. -nong, Groß- und Klein-T.), zwei Lustschlösser im Park von Versailles. Ersteres 1685 von Ludwig XIV. für Frau von Maintenon nach Mansarts Plänen errichtet, nur ein Stockwerk hoch, von Ludwig Philipp mannigfach umgebaut; letzteres unter Ludwig XV. für die Dubarry erbaut, später Lieblingsaufenthalt der Königin Marie Antoinette, mit schönem englischen Park. Vgl. Lescure, Les palais de T. (Par. 1867); Desjardins, Le Petit-T. (Versaill. 1885); Bosq, Versailles et les Trianons (Par. 1887).
Triarchie(griech.), Dreiherrschaft, Triumvirat.
Triarier(lat.), die ältesten Kerntruppen der altrömischen Legionen vor der Zeit des Marius, deren charakteristische Waffe die Hasta (s. d.) war. Im Gefecht bildeten sie das dritte Treffen.
Trias(griech.), im allgemeinen die "Dreiheit", jede Zusammstellung von drei irgendwie zusammengehörigen Dingen (s. Trinität). In der Zeit des Deutschen Bundes verstand man unter T. die Dreiteilung Deutschlands in Österreich, Preußen und das "eigentliche Deutschland", die "rein deutschen" Mittel- und Kleinstaaten, welch letztern eine festere und engere politische Organisation gegeben werden sollte. Besonders Bayern und sein König Maximilian II. förderten die sogen. Triasidee, weil sie sich davon die Begründung einer bayrischen Hegemonie versprachen. Die Ereignisse von 1866 und 1870-71 haben diese Pläne für immer begraben. - Trias harmonica (lat.), in der Musik s. v. w. konsonierender Dreiklang (Dur- oder Mollakkord); T. superflua, übermäßiger Dreiklang; T. deficiens, verminderter Dreiklang.
Triasformation(hierzu Tafel "Triasformation"), die älteste der mesozoischen Formationen, die Dyasformation bedeckend und von der Juraformation überlagert. Schon hinsichtlich des zusammensetzenden Gesteinsmaterials macht sich die Dreiteilung bemerklich, indem wenigstens in vielen Gegenden der Entwickelung eine vorwiegend aus Sandstein bestehende unterste Abteilung von einer wesentlich aus Kalkstein zusammengesetzten mittlern Abteilung abgelöst wird, welcher als drittes Glied eine Mergelbildung aufgelagert ist. Die Sandsteine sind Quarzsandsteine mit thonigem (meist eisenschüssigem und dann rotem, aber auch kaolinigem und dann weißem) oder kieseligem Bindemittel, dem Korne nach sehr verschieden, feinkörnige vorwiegend, andre Übergänge bis zu großbrockigen Konglomeraten bildend. Die Kalksteine sind der Hauptmasse nach dicht und dunkel gefärbt, durch thonige und organische Substanzen stark verunreinigt, in einzelnen Lagen auch deutlich kristallinisch und dann reiner, mitunter fast ausschließlich aus organischen Resten gebildet. Unter den Mergeln walten bunt gefärbte (marnes irisées) vor; ganz gewöhnlich enthalten sie schwefelsaures Calcium, als Anhydrit oder Gips, beigemengt. In einzelnen Lagen sind sie verkieselt (Steinmergel). Untergeordnet kommen Mergel in der untersten und in der mittlern, Sandsteine in der obersten, seltener in der mittlern, Dolomite, Anhydrite, Gipse und Hornsteine in allen drei Etagen vor. In mehreren Niveaus sind hier und da Steinsalzlinsen eingelagert.
Gliederung und Verbreitung. Die Dreiteilung der T. in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper ist am deutlichsten an den kontinentalen, speziell den deutschen, außeralpinen Schichtensystemen durchzuführen, während sich das Bild in England und Amerika dadurch verwischt, daß die mittlere Abteilung