Chapter 80

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Trompetenbaum - Tropen.

trompeten stehen gewöhnlich in F und werden dem entsprechend notiert. Von Schulwerken für T. sind besonders zu empfehlen die "Große Schule für Cornet à pistons und T." von Kosleck (2 Tle.) und die "Orchesterstudien für T." von F. Gumbert. Vgl. Eichborn, Die T. in alter und neuer Zeit(Leipz.1881).

Trompetenbaum, s. Catalpa und Cecropia.

Trompetenblume, s. Bignonia.

Trompetenblütler, s. Bignoniaceen.

Trompetengeige, s. Trumscheit.

Trompetenschnecke, s. Tritonshörner.

Trompetervögel(Psophiidae Bp.), Familie der Watvögel, Vögel mit kräftigem Leib, mittellangem Hals, kurzem Schnabel, hohen, langläufigen, kurzzehigen Füßen, kurzen, gewölbten Flügeln und kurzem, schwachfederigem Schwanz. Der Agami (Psophia crepitans L.), 52 cm lang, schwarz, am Bug purpurschwarz schillernd, an Unterhals und Oberbrust stahlblau schillernd, mit rotbraunem Auge, grünlichweißem Schnabel und gelblich fleischfarbenem Fuß, lebt in zahlreichen Scharen in den Wäldern nördlich vom Amazonas, läuft sehr schnell, fliegt schwach und besitzt eine sonderbare Stimme. Nach einem scharfen, wilden Schrei folgt ein ungemein tiefes Trommeln oder Brummen, welches durch eigentümliche sackartige Anhängsel der Luftröhre hervorgebracht wird. Der Agami nährt sich von Früchten, Körnern, Insekten, nistet an der Erde und legt zehn und mehr hellgrüne Eier. In allen Indianerniederlassungen lebt der Agami als Haustier, als Wächter und Beherrscher des übrigen Geflügels und erscheint auch in den Straßen der Ortschaften.

Tromsö, Hauptstadt des gleichnamigen norweg. Amtes, das sich zwischen den Ämtern Nordland und Finnmarken erstreckt und, in die zwei Vogteien Senjen und T. geteilt, 24,569,6 qkm (446,2 QM.) mit (1876) 54,019 Einw. umfaßt. Die Stadt liegt auf der 8 km langen Insel T., ist Sitz eines Bischofs, eines Amtmanns und eines deutschen Konsuls, hat mehrere Kirchen (auch eine katholische), einige Fabriken, Gymnasium, Lehrerseminar, lebhaften Handel (mit Fischen, Thran, Nickelerz etc.; Wert der Ausfuhr über 2,5 Mill. Frank) und (1876) 5409 Einw. Das gleichnamige Stift, erst 1844 gebildet, umfaßt den nördlichsten und nordöstlichsten Teil des Landes und zwar die Ämter: Nordland, T. und Finnmarken und hat einen Flächeninhalt von 111,609 qkm (2027 QM.) mit (1876) 182,245 Einw.

Trona, s. Soda, S. 1047.

Trouchet(spr. trongschä), Francois Denis, franz. Advokat und Verteidiger Ludwigs XVI., geb. 1726 zu Paris, erlangte als Advokat einen bedeutenden Ruf, wurde 1789 von der Stadt Paris in die Nationalversammlung gewählt, bewies sich hier als Anhänger des konstitutionell-monarchischen Prinzips und ward vom König 1792 zu seinem Verteidiger erwählt. Seine Verteidigung war gründlich gearbeitet, aber von geringer Wirkung, da sie sich streng auf juristischem Boden hielt. Unter Robespierre mußte T. fliehen, unter dem Direktorium trat er in den Rat der Alten, unter dem Konsulat ward er Präsident des Kassationshofs, erhielt nebst Bigot-Préameneu, Mulleville und Portalis die Redaktion des neuen Zivilkodex übertragen und ward 1801 in den Erhaltungssenat berufen. Er starb 10. März 1806.

Tronchiennes(spr. trongschiénn, vläm. Drongen), Flecken in der belg. Provinz Ostflandern, Arrondissement Gent, an der Lye und der Eisenbahn Gent-Brügge, mit großer Krappfabrik und (1888) 4957 Einw.

Trondhjem, Stadt, s. Drontheim.

Tronto(im Altertum Truentus), Küstenfluß in Mittelitalien, entspringt in den Bergen von Campotosto (Provinz Aquila), fließt anfangs nördlich, dann östlich, nimmt bei Ascoli den Castellano auf, wird bei Martino Sicuro für kleine Fahrzeuge schiffbar und fällt nach einem Laufe von 88 km in das Adriatische Meer.

Troon(spr. truhn. "Vorgebirge"), Seestadt im mittlern Ayrshire (Schottland), mit sicherm Hafen, bedeutender Kohlenausfuhr und (1881) 2383 Einw. Zum Hafen gehörten 1888: 53 Fischerboote.

Tropäoleen(Tropaeolaceae), dikotyle, etwa 35 Arten umfassende, in Südamerika einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Gruinales, welche sich durch zygomorphe Blüten mit acht Staubgefäßen und einem dreifächerigen Fruchtknoten von den nächstverwandten Familien unterscheidet.

Tropäolin, s. Azofarbstoffe und Phenylfarbstoffe.

Tropaeolum L.(Kapuzinerkresse), Gattung aus der Familie der Tropäoleen, ein- oder mehrjährige, windende, seltener niedergestreckte Kräuter mit oft knolligen Wurzeln, wechselständigen, schild- oder handförmigen, eckigen, gelappten oder eingeschnittenen Blättern, einzeln achselständigen, gelben, selten purpurnen oder blauen, gespornten Blüten und trocknen oder schwammig-fleischigen Früchten. 35 südamerikanische Arten. T. majus L. (spanische, türkische Kresse, unechte Kaper), einjährig, 1684 aus Peru nach Europa verpflanzt und jetzt in zahlreichen Varietäten in allen Gärten zu finden, mit meist kletterndem Stengel, schildförmigen Blättern und großen, orangegelben bis purpurbraunen Blüten, schmeckt kressenartig und wirkt antiskorbutisch, wird auch als Salat gegessen, während man die Blütenknospen und die unreifen, in Essig oder Salz eingelegten Früchte wie Kapern benutzt. Aus dieser Art und dem ähnlichen T. minus L. aus Peru sind zahlreiche Varietäten, auch Zwergformen gezüchtet worden. T. tuberoseum R. et P., mit knolligem Wurzelstock und fünflappigen Blättern, wird in Peru der genießbaren Knollen halber kultiviert und gedeiht auch bei uns. Andre knollentragende Arten, wie T. Lobbianum Paxt. aus Kolumbien, mit leuchtend kapuzinerroten Blüten (s. Tafel "Zimmerpflanzen I"), T. pentaphyllum Lam. aus Montevideo, mit scharlachroten, grün zugespitzten Blüten, etc., kultiviert man als Zierpflanzen in Gewächshäusern.

Tropea, Stadt in der ital. Provinz Catanzaro, Kreis Monteleone, am Tyrrhenischen Meer, Bischofsitz, mit Kathedrale, Schloßruinen, kleinem Hafen, Fischerei, Fabrikation von Stiefelsohlen und Baumwolldecken und (1881) 5032 Einw.

Tropen(griech.), s. v. w. bildliche Ausdrücke, durch welche der eigentliche Ausdruck mit dem uneigentlichen, die Sache mit dem Bild vertauscht wird, um das Geistige zu versinnlichen und das Sinnliche zu vergeistigen (s. Figur); daher tropisch, s. v. w. bildlich, figürlich (Gegensatz: kyriologisch). Die wichtigsten T. sind: Allegorie, Antonomasie, Epitheton, Hyperbaton, Hyperbel, Ironie, Katachresis, Metalepsis, Metapher, Metonymie, Onomatopöie, Periphrasis, Rätsel und Synekdoche. Vgl. Groß, Die T. und Figuren (2. Aufl., Leipz. 1888). - Im Gregorianischen Gesang heißen T. die verschiedenen Gesangsformeln für den Schluß der dem Introitus angehängten kleinen Doxologie "Gloria patri et filio et spiritui sancto sicut erat in principio et nunc et in secula seculorum amen" (vgl. Evovae). - In der Astronomie heißt tropisch auf den Tierkreis bezüglich;

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Tropfen - Tropikvogel.

tropischer Umlauf eines Himmelskörpers die Zeit, nach welcher er wieder zum Frühlingspunkt zurückkehrt. In der Erdbeschreibung sind T. s. v. w. Wendekreise; daher Tropenländer, die zwischen den Wendekreisen, also in der heißen Zone, gelegenen Länder (auch Äquinoktialgegenden genannt); tropische Gewächse, die dort einheimischen Gewächse (vgl. die Litteratur zum Artikel "Landwirtschaft", S. 480); tropische Krankheiten, die durch das tropische Klima bedingten und daher vorzugsweise in den Tropenländern herrschenden Krankheiten, als Dysenterie, Diarrhöe und Erbrechen, Abdominalplethora, Gallen- und intermittierende Fieber etc. Vgl. Friedmann, Über Arzneikunde und Akklimatisation in den Tropenländern (Erlangen 1850); Sullivan, The endemic diseases of tropical climates (Lond. 1877); Falkenstein, Ärztlicher Ratgeber für Seeleute, Kolonisten, Reisende etc. (Berl. 1882).

Tropfen, für sich bestehende Flüssigkeitsmenge mit abgerundeter Oberfläche. T., auf welche außer ihrer eignen Kohäsion und Massenanziehung keine andre Kraft wirkt, bilden vollkommene Kugeln. Ruht ein T. auf einer Unterlage, so wird er nicht nur durch die Schwere abgeplattet, sondern auch die Adhäsion zur Unterlage übt Einfluß auf seine Gestalt. Die Größe und Gestalt von T., die von einem Körper herabhängen, wird bestimmt durch ihr spezifisches Gewicht, ihre Kohäsion und Temperatur und durch die Adhäsion zu jenem Körper, von welchem die Körper abfließen. Nach Gay-Lussac ist das Gewicht der T. verschiedener Flüssigkeiten, welche aus einer Röhre von bestimmtem Durchmesser herabfallen, nicht den Dichtigkeiten dieser Flüssigkeiten proportional. 100 T. Wasser von 15° wogen 8,9875 g, 100 T. Alkohol (spez. Gew. 0,8543) nur 3,0375 g. Ein T. destillierten Wassers wird gewöhnlich zu 1 Gran angenommen oder 20 T. zu 1 g. Über den "Leidenfrostschen T." s. d.

Tropfgläser, Fläschchen mit einem kleinen Loch im Hals und einem eingeriebenen Glaspfropfen mit einem Kanal, der, auf jenes Loch eingestellt, in die Flasche Luft eintreten läßt, während gleichzeitig ein zweiter Kanal zu einem Ausguß im Flaschenhalsrand führt. T. dienen zu Arzneimitteln, die tropfenweise genommen werden müssen.

Tropfhäusler, s. Bauer, S. 462.

Tropfstein, Mineralien, welche sich als Absatz aus herabtropfenden Flüssigkeiten gebildet haben (vgl. Sinter). T. findet sich in Höhlen, Gewölben, Grubenbauten etc., meist von cylindrischer oder zapfenförmiger Gestalt, bisweilen platt, häufig hohl. Dem allmählichen Absatz entsprechend, ist er meist aus einzelnen, durch verschiedene Färbung oder Haarspalten voneinander abgehobenen Lagen gebildet, und die einzelnen Lagen sind aus faserigen Individuen, welche senkrecht zur Längsachse oder zur Begrenzungsfläche stehen, zusammengesetzt, oder er stellt grobkörnige Aggregate dar, besitzt mitunter aber auch eine durchsetzende Spaltungsrichtung und ist dann also aus einem einheitlichen Individuum gebildet. T. besteht meist aus kohlensaurem Calcium (Kalkspat, seltener Aragonit); doch kommen auch Vitriole, Brauneisenstein, Zinkblende, Bleiglanz, Eisenkies, Malachit, Chalcedon, Eis etc. als T. vor. Man unterscheidet die von der Decke der Gewölbe nach abwärts hängenden Stalaktiten und die denselben entgegenwachsenden Stalagmiten. Vereinigen sich beide zu einer erst sanduhrförmigen, später cylindrischen Gestalt, so entstehen Säulen, deren Mehrheit man auch wohl Orgeln nennt. Berühmte Tropfsteinhöhlen sind: die Sophien- und andre Höhlen in der Fränkischen Schweiz, mehrere Höhlen der württembergischen Alb, die Baumannshöhle u. a. im Harz, die Dechenhöhle u. a. in Westfalen, die Adelsberger Höhle in Krain, die auf der griechischen Insel Antiparos (Aragonit), diejenigen am obern Mississippi (Schwefelmetalle).

Trophäe(lat., griech. Tropäon), bei den Griechen ein an der Stelle, wo sich der besiegte Gegner zur Flucht gewendet hatte, aus erbeuteten Waffen errichtetes Siegesmal. Münzen zeigen oft einen Baumstamm mit Querbalken und daran gehängten Rüstungsstücken und Waffen (s. Figur). Von den Griechen überkamen die Römer den Brauch, pflegten aber als Siegesdenkmäler feststehende Monumente mit Reliefdarstellungen zu errichten. Heute nennt man Trophäen die mit bewaffneter Hand im Kampf eroberten Fahnen, Standarten und Geschütze (früher auch noch die Pauken der Kavallerie), auch Zusammenstellungen von Waffen und Waffenteilen zur Ausschmückung von Zeughäusern etc.

^[T r o p ä o n (böotische Münze).]

Trophoneurosen(griech.), Ernährungsstörungen, welche von Nervenerkrankungen abhängig sind. Das Gebiet der T. ist nicht sicher zu begrenzen, weil wir über die Abhängigkeit der Ernährungsstörungen von den Nerven überhaupt noch nicht genügend unterrichtet sind. Vielleicht gehören gerade die wichtigsten Erkrankungen, nämlich die elementaren Prozesse der Kongestion, der Entzündung, der Exsudation und Sekretion, ihrem Wesen nach zu den T. Zu den T. im engern Sinn rechnet man Atrophien der Muskeln bei Erkrankung der Vorderhörner des Rückenmarks, halbseitige Atrophien des Gesichts, die Gürtelflechte etc.

Trophonios, mythischer Baumeister der Minyer, Sohn des Königs Erginos von Orchomenos in Böotien oder des Apollon, erbaute mit seinem Bruder Agamedes den Apollontempel zu Delphi und verschiedene Schatzhäuser, namentlich das des Hyrieus, Königs von Hyria in Böotien. Bei letzterm hatten die beiden Brüder einen Stein so eingefügt, daß er leicht herausgenommen werden konnte, um sich auf diese Weise Zutritt zu dem Schatze zu verschaffen. Der König legte endlich Schlingen, in denen Agamedes sich fing. Um nicht verraten zu werden, schnitt T. seinem Bruder den Kopf ab und floh in den Wald bei Lebadeia. Hier ward er von der Erde verschlungen, an der Stelle, welche später durch die sogen. Höhle des T. bezeichnet ward, in der Orakel erteilt wurden. Nach andrer Sage sandte Apollon den beiden Brüdern als Lohn für den Tempelbau frühen Tod.

Tropidonotus, s. Nattern.

Tropikvogel(Phaëton L.), Gattung aus der Ordnung der Schwimmvögel und der Familie der Tropikvögel (Phaëtontidae), gedrungen gebaute Vögel mit kopflangem, seitlich stark zusammengedrücktem, auf der Firste seicht ^[sic] gebogenem, an der Spitze geradem, an den eingezogenen Rändern gesägtem Schnabel, langen Flügeln, mittellangem Schwanz, dessen beide fast fahnenlose Mittelfedern sich stark verlängern, und schwachen Beinen, deren Zehen nur durch eine schmale Haut verbunden sind. Der T. (P. aethereus L., s. Tafel "Schwimmvögel III"), einschließlich der beiden etwa 60 cm langen Schwanzfedern 1 m lang, ebenso breit, ist weiß, rosenrötlich überflogen, Zügelstreifen und Außenfahnen der Handschwingen sind schwarz, die hintern Armschwingen

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.

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Tropisch - Trosse.

schwarz und weiß gesäumt, die Schwanzfedern weiß; das Auge ist braun, der Schnabel rot, der Fuß gelb, Zehen und Schwimmhäute schwarz. Der T. gehört zu den schönsten Vögeln des Weltmeers; er wohnt zwischen den Wendekreisen des Atlantischen, Indischen und Großen Ozeans, entfernt sich oft sehr weit von den Küsten, fliegt vortrefflich, begleitet die Schiffe oft tagelang und erinnert in seinem Wesen am meisten an die Raubseeschwalbe. Er fischt mit kräftigem Stoßen und Tauchen und frißt außer Fischen auch Kopffüßer. Er nistet auf einsamen Inseln und legt die Eier einfach auf den Boden unter Gebüsch, wo er aber öfters beunruhigt wurde, in Höhlungen der Klippen. Das einzige Ei ist lehmfarben, rötlich oder violett gezeichnet und wird von beiden Eltern ausgebrütet. Die langen Federn des Schwanzes dienen auf mehreren Inseln des südlichen Stillen Meers zum Zierat; man erbeutet sie, indem man den Vogel auf dem Nest fängt.

Tropisch, s. Tropen.

Troplong(spr. trolóng), Raymond Théodore, franz. Jurist, geb. 8. Okt. 1795 zu St.-Gaudens, ward nacheinander Staatsprokurator auf Corsica, Generaladvokat zu Bastia, Rat am Pariser Kassationshof, 1848 erster Präsident des Appellationshofs in Nancy, 30. Dez. 1852 erster Präsident des Senats, 1. Febr. 1858 Mitglied des Geheimen Konseils und starb 1. März 1869 in Paris. Sein Hauptwerk: "Le droit civil expliqué suivant l'ordre des articles du Code " (Par. 1833-56, 28 Bde.), enthält eine Reihe von Monographien über das französische Zivilrecht. Vgl. Dufour, T., son oeuvre et sa méthode (Par. 1869).

Tropp(vom griech. tropos), die deklamierende, psalmodierende Vortragsweise der Pentateuchabschnitte nach bestimmten Accenten beim israelitischen Gottesdienst.

Troppau, vormaliges schles. Fürstentum, das jetzt zum Teil den Troppauer Kreis von Österreichisch-Schlesien, zum Teil den Leobschützer Kreis des preußischen Regierungsbezirks Oppeln bildet. Der böhmische König Ottokar II. erhob das Gebiet zum Fürstentum und verlieh es 1261 seinem natürlichen Sohne Nikolaus. Nachdem es unter dessen Nachkommen 1377 in die Fürstentümer Jägerndorf, Leobschütz und T. geteilt worden, fiel es 1460 durch Kauf an den König Podiebrad von Böhmen. Dessen Sohn Viktorin überließ es durch Tauschvertrag 1485 an Matthias Corvinus, dessen Sohn Johann Corvinus es 1501 aber wieder an den König Wladislaw von Böhmen und Ungarn verkaufte, der es 1511 der Krone Böhmen für immer einverleibte. 1526 ward es vom Erzherzog Ferdinand von Österreich als König von Böhmen in Besitz genommen und teilte seitdem die Geschicke Schlesiens. Mit Nichtbeachtung des Landesprivilegiums von 1511 verlieh es Kaiser Matthias 1613 als erbliches Mannlehen an das Haus Liechtenstein, in dessen Besitz es noch jetzt ist. Vgl. Ens, Das Oppaland (Wien 1835 bis 1837, 4 Bde.); Biermann, Geschichte der Herzogtümer T. und Jägerndorf (Tesch. 1874).

Troppau(slaw. Opava), Hauptstadt von Österreichisch-Schlesien wie ehemals von ganz Oberschlesien, liegt 247 m ü. M. in lieblicher Ebene am rechten Ufer der Oppa, welche unterhalb der Stadt die Mohra aufnimmt, nahe der preußischen Grenze, an den Eisenbahnlinien T.-Jägerndorf der Mährisch-Schlesischen Zentralbahn und T.-Schönbrunn der Nordbahn, hat Vorstädte, mehrere schöne Plätze, 6 Kirchen, darunter die alte gotische Hauptpfarkirche und eine evang. Kirche, ein altes Rathaus (neuerlich im gotischen Stil umgebaut), ein fürstlich Liechtensteinsches Schloß, das Landhaus, das Stadttheater, schöne Anlagen um die Stadt (an Stelle der alten Wälle und Schanzen), eine Zuckerraffinerie, Fabrikation von Tuch, Fes, Jutewaren, Hüten, Zündwaren, Pottasche, Spiritus u. Likör, Bierbrauerei, Ringofenziegeleien, Mühlen etc., eine Gasanstalt, lebhaften Handelsverkehr, große Märkte u. (1880) mit 1273 Mann Militär 20,562 Einw. T. ist Stadt mit eignem Gemeindestatut, Sitz der Landesregierung und Landesvertretung, des Landesgerichts, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung), einer Finanzdirektion, einer Handels- u. Gewerbekammer und hat ein deutsches Obergymnasium und ein tschechisches Gymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Handelsschule, ein Landesmuseum, eine Bibliothek (35,500 Bände), eine Landeskranken- und Irrenanstalt und andre Wohlthätigkeitsanstalten, eine Bodenkreditanstalt, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank und eine Sparkasse. Jenseit der Oppa liegt das Dorf Katharein, mit Rübenzuckerfabrik, Spiritusbrennerei und (1880) 4292 Einw. - T. entwickelte sich als deutsche Ansiedelung in der Nähe der Burg Gräz (Gradec), wird urkundlich zuerst 1195 genannt, 1224 erscheint es bereits als Stadt mit deutschem Recht. Hier ward 20. Okt. bis 30. Sept. 1820 ein durch die neapolitanische Revolution veranlaßter Fürstenkongreß abgehalten, auf welchem sich die Monarchen von Österreich, Preußen und Rußland zur Aufrechterhaltung des Zustandes von 1815 in Europa verpflichteten. Die weitere Ordnung der neapolitanischen Frage wurde dem Kongreß von Laibach (s. d.) überlassen.

^[Wappen von Troppau.]

Troppo(ital.), zu sehr, z. B. Adagio no troppo, langsam, doch nicht zu sehr.

Troquieren(franz., trokieren), s. v. w. barattieren (s. d.).

Trosch., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für F. H. Troschel (s. d.).

Troschel, Franz Hermann, Zoolog, geb. 10. Okt. 1810 zu Spandau, studierte seit 1831 in Berlin Mathematik und Naturwissenschaft, fungierte 1835-49 als Lehrer an der Königsstädter höhern Bürgerschule, habilitierte sich 1844 an der Universität als Privatdozent für Zoologie, nachdem er seit 1840 unter Lichtenstein eine Kustedenstelle am zoologischen Museum bekleidet hatte, und folgte 1849 einem Ruf als Professor der Zoologie und der allgemeinen Naturwissenschaft nach Bonn, wo er 6. Nov. 1882 starb. Er schrieb: "System der Asteriden" (mit Joh. Müller, Braunschw. 1842); "Horae ichthyologicae" (mit Joh. Müller, Berl. 1845-49, 3 Hefte); "Das Gebiß der Schnecken zur Begründung einer natürlichen Klassifikation" (das. 1856-79, 2 Bde.). Nach dem Tod Wiegmanns bearbeitete er die 2. Auflage von Wiegmann und Ruthes "Handbuch der Zoologie" (7. Aufl., Berl. 1871). An den Jahresberichten im "Archiv für Naturgeschichte" beteiligte er sich seit 1837 (anfangs über Mollusken, später über Fische, Amphibien, Säugetiere schreibend), und 1849 übernahm er die Redaktion des Archivs.

Trossachs, malerischer Paß in Schottland, zwischen Callander am Teith und dem untern Ende des Loch Katrine.

Trosse, Schiffstaue, welche aus dünnen Hanffäden (Kabelgarnen) hergestellt werden. Die Garne, welche fast stets von gleicher Stärke sind, werden in große-

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Trossin - Troyes.

rer oder geringerer Zahl je nach der Stärke des Taues zu Duchten zusammengedreht, und drei bis vier solcher Duchten liefern beim Zusammenschlagen die T. Schlägt man drei Trossen in entgegengesetzter Richtung zusammen, so erhält man ein Kabel, als dessen Bestandteile die Trossen Kardeele heißen.

Trossin, Robert, Kupferstecher, geb. 14. Mai 1820 zu Bromberg, widmete sich der Kupferstecherkunst von 1835 bis 1846 in Berlin unter Buchhorn und Mandel. Schon seine erste größere Arbeit, der italienische Fischerknabe nach Magnus, zeigte eine gediegene Technik, die sich dann in den Porträten von Alex. v. Humboldt und E. M. Arndt weiter vervollkommte. 1850 wurde er zur Leitung der Kupferstecherschule nach Königsberg berufen, wo die Blätter: Jephthas Tochter nach Jul. Schrader, mehrere Porträte für die Ausgabe der Werke Friedrichs d. Gr., der betende Mönch am Sarg Heinrichs IV. nach Lessing, das Dilettantenquartett nach Hiddemann, Sonntags-Nachmittag in einem schwäbischen Dorf nach Vautier, Morgengruß nach Karl Becker, die Mater dolorosa nach Guido Reni und die Vision des heil. Antonius nach Murillo (im Berliner Museum) entstanden. 1885 siedelte er nach Berlin über, wo er unter anderm Im Witwenschleier nach Defregger und das venezianische Mädchen nach Savoldo (im Berliner Museum) stach.

Trostberg, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, Bezirksamt Traunstein, an der Alz, 502 m ü. M., hat 2 schöne Kirchen, ein Amtsgericht und (1885) 1235 kath. Einwohner.

Trotha, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Saalkreis, an der Saale und der Linie Halle-Zellerfeld der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, eine Zuckerfabrik, eine chemische Fabrik, ein Farbenwerk, Schiffahrt und (1885) 2878 Einw.

Trott(franz. trot), s. v. w. Trab, s. Gangarten des Pferdes.

Trottel, s. v. w. Kretin.

Trottoir(franz., spr. -toahr, von trotter, traben), der Fußweg zur Seite der städtischen Straßen, liegt meist etwas höher als das Straßenpflaster, ist gegen dieses durch größere Pflastersteine, besser durch Bordschwellen aus Granit, Zementguß etc. abgegrenzt und besitzt nach der Straße ein schwaches Gefalle. Das T. wird mit kleinen Steinen (Mosaikpflaster), Klinkern oder sorgfältig behauenen Steinen gepflastert, häufiger und besser mit Steinplatten oder Asphalt belegt. Derartige Steige wurden bereits in Pompeji angetroffen, und im Mittelalter legte man den Bürgersteig in die Mitte der Straße.

Trotzendorf, s. Friedland, Valentin.

Trotzkopf, s. Klopfkäfer.

Troubadour(spr. trubaduhr), s. Provençalische Litteratur.

Trousseau(franz., spr. trussoh), Schlüsselbund; dann Aussteuer, Ausstattung einer Braut, insbesondere die von Prinzessinnen.

Trouvère(spr. truwähr), in der nordfranz. Litteratur des Mittelalters die Dichter und Erfinder von Gesängen, die beim Vortrag derselben von den Weisen der Jongleure (s. d.) begleitet wurden. Vgl. Französische Litteratur, S. 591.

Trouville(spr. truwil, T. sur Mer), Stadt im franz. Departement Calvados, Arrondissement Pont l'Evêque, an der Mündung der Touques, über welche eine Brücke nach dem gegenüberliegenden Seebadeort Deauville (s. d.) führt, und an der Westbahnlinie Lisieux-T., hat ein Hafenbassin, ein besuchtes Seebad (Lieblingsbad der vornehmen Pariser), schöne Villen, Schiffahrt und (1886) 5749 Einw.

Trowbridge(spr. traubridsch), Stadt im westlichen Wiltshire (England), auf einer felsigen Anhöhe im Thal des Biß, 16 km südöstlich von Bath, hat blühende Fabrikation von feinen Tuchen und andern Wollwaren, Käsemärkte und (1881) 11,040 Einw.

Troxler, Ignaz Paul Vital, schweizer. Naturphilosoph und liberaler Politiker, geb. 17. Aug. 1780 zu Beromünster im Kanton Luzern, studierte in Jena unter Schelling, dann zu Göttingen Philosophie und Medizin, praktizierte sodann abwechselnd in Luzern und Wien, ward 1820 Professor der Philosophie und Geschichte am Lyceum zu Luzern, gründete hierauf zu Aarau ein Erziehungsinstitut, ging 1830 als Professor nach Basel, ward im folgenden Jahr, der Teilnahme am Aufstand von Baselland verdächtigt, abgesetzt, 1832 Mitglied des Großen Rats des Kantons Aargau, 1834 Professor an der Universität Bern, starb 6. März 1866 aus seinem Landgut bei Aarau. Als Philosoph anfänglich Schelling, seit 1834 Jacobi folgend, schlug er eine mystische Richtung ein, in welcher Ahnung und Gemüt eine Rolle spielen; als Politiker gehörte er zu den eifrigsten Verfechtern der schweizerischen Einheitsbestrebungen. Von seinen zahlreichen (auch publizistischen) Schriften seien hervorgehoben: "Naturlehre des menschlichen Erkennens" (Aar. 1828); "Logik" (Stuttg. l829, 3 Bde.); "Vorlesungen über Philosophie" (Bern 1835, 2. Ausg. 1842).

Troy(spr. treu), Stadt im nordamerikan. Staat New York, links am Hudson, auf einer von Hügeln beherrschten Alluvialebene, hat ein polytechnisches Institut, ein kath. Seminar, Eisengießereien, Wagenbau, Woll- und Baumwollfabrikation etc. und lebhaften Handel und (1880) 56,747 Einw. Gegenüber liegt West T., mit großartigem Zeughaus (Watervliet Arsenal) der Vereinigten Staaten und 8820 Einw. T. wurde 1752 von den Holländern gegründet.

Troy, Jean François de, s. De Troy.

Troya(spr. troja), Carlo, ital. Geschichtschreiber, geb. 7. Juni 1784 zu Neapel als Sohn eines Hofchirurgen, wuchs als Taufpate der Königin Karoline im königlichen Palast auf, widmete sich dem Studium der Rechte und bekleidete hierauf Ämter unter dem König Joachim Murat. Nach der Rückkehr der Bourbonen Advokat, beteiligte er sich an den revolutionären Bestrebungen von 1820 und wurde zur Strafe dafür in die Verbannung geschickt. Er bereiste Italien, durchforschte die Bibliotheken und die Archive der Klöster und veröffentlichte 1826 zu Florenz seine Schrift "Il veltro allegorico di Dante", ein äußerst reichhaltiges und bedeutendes Werk historischer Forschung, aber in papstfreundlichem Sinn geschrieben. Neue Studien, neue Reisen und unermüdliche Durchforschunggen der Archive befähigten ihn zu dem noch großartigern Unternehmen seiner "Storia d'Italia del medio evo" (1839-59, 17 Bde.), eines Werkes, das den Zeitraum von 476 bis zu Dantes Tod (1321) umfassen sollte, jedoch nur bis auf Karl d. Gr. fortgeführt ist. Seiner papstfreundlichen Gesinnung ungeachtet übertrug man ihm 1848 die Präsidentschaft des Revolutionsministeriums, welche er vom 3. April bis 14. Mai bekleidete. Er starb 27. Juli 1858 in Neapel.

Troyer(spr. treuer), in der deutschen Marine das blauwollene Hemd der Mannschaften, in Österreich Bordhemd genannt.

Troyes(spr. troá), Hauptstadt des franz. Departements Aube, vormals Hauptstadt der Champagne, an der hier in mehrere Arme geteilten Seine, am Oberseinekanal und an der Ostbahnlinie Paris-Belfort (Abzweigungen nach Châlons sur Marne, Châtillon und Sens), war früher befestigt, ist jetzt mit

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Troygewicht - Truchseß.

schönen Promenaden, Obst- und Weinpflanzungen sowie zahlreichen Bewässerungskanälen umgebenem Innern jedoch größtenteils eng und unregelmäßig gebaut. Unter den Kirchen zeichnen sich namentlich die Kathedrale zu St.-Pierre, ein schöner gotischer Bau mit prächtigem Portal und alten Glasmalereien, sowie die Kirchen St.-Urbain, Ste.-Madeleine und St.-Remy aus. Die übrigen hervorragenden Gebäude sind: das Rathaus, das Spital, das Lyceal-Gebäude, das Theater und die Kaufhallen. Die Zahl der Einwohner beträgt (1886) 44,864 (als Gemeinde 46,972). T. hat eine Ackerbau- und Handelskammer, eine Filiale der Bank von Frankreich, zahlreiche Spinnereien für Schafwolle und Baumwolle, Fabrikation für wollene, baumwollene und leinene Stoffe, Wirkwaren, Handschuhe, Stickereien, künstliche Blumen, Blechwaren, Nadeln, Leder, Wachsleinwand, Pergament, Papier etc., Brauereien, Brennereien, Bereitung von berühmten Cervelatwürsten und geräucherten Hammelzungen und lebhaften Handel. Es hat ein Lyceum, eine Zeichen- und Bauschule, eine Handels- und Gewerbeschule, einen Kursus für angewandte Chemie, Normalschulen für Lehrer und Lehrerinnen, eine öffentliche Bibliothek von 110,000 Bänden und gegen 5000 Handschriften, eine Gemäldegalerie, Münz- und Antikensammlung und mehrere gelehrte und industrielle Gesellschaften. T. ist der Sitz eines Bischofs, des Präfekten, eines Gerichtshofs und eines Handelsgerichts. - T. war im Altertum die Hauptstadt der keltischen Tricasser und hieß Noviomagus, erhielt von Augustus den Namen Augustobona und nahm im 5. Jahrh. den Namen Trecä an. In der Nähe, bei Mery, fand 451 die große Hunnenschlacht (s. d.) statt. 889 von den Normannen zerstört, ward es 950 wieder aufgebaut, kam 1019 in den Besitz der Grafen von Champagne als deren Hauptstadt und fiel 1339 mit der Champagne an die Krone Frankreich. 1111 wurde hier ein Konzil abgehalten, auf welchem die Gregorianischen Edikte wegen der Investitur erneuert wurden. 1415 wurde T. von dem Herzog Johann von Burgund zerstört. Am 21. Mai 1420 wurde hier der Friede zwischen Frankreich und England geschlossen, in welchem der König Heinrich V. von England mit der Hand Katharinas, der Tochter des Königs Karl VI. von Frankreich, die Anwartschaft auf den französischen Thron nach des Schwiegervaters Tod und bis dahin die Regentschaft in Frankreich erhielt. 1429 eroberte es Karl VII. wieder. Im Feldzug von 1814 war T. als einer der Hauptoperationspunkte der österreichischen Armee von Wichtigkeit. Vgl. Boutiot, Histoire de la Ville de T. (Troyes 1870-80, 5 Bde.).

Troygewicht(spr. treu-), Gewicht in England für Gold, Silber und Juwelen, das auch als Apothekergewicht und für wissenschaftliche Gewichtsvergleichungen dient. Das Troypfund wird eingeteilt in 12 Unzen zu 20 Pfenniggewicht (dwt.) à 24 Grän, also 5760 Troygrän, und wiegt 373,242 g. Apotheker teilen dieses Pfund in 12 Unzen (^) zu 8 Drachmen (^) zu 3 Skrupel (^)) zu 20 Grän ein. 7000 dieser Grän Troy sind gleich einem Pfund Avoirdupois, so daß 175 Pfd. Troy = 144 Pfd. Avoirdupois sind. Der Name T. kommt von der Stadt Troyes her (vgl. Avoirdupois).

Troyon(spr. troajóng), Constant, franz. Maler, geb. 25. Aug. 1810 zu Sèvres, bildete sich bei Riocreux und Poupart, wurde aber erst durch den Einfluß von Roqueplan auf das unmittelbare Studium der Natur hingelenkt, welchem er schon seit 1836 in seinen Landschaften Ausdruck gab. Eine 1847 nach Holland unternommene Reise vollendete seinen Übergang zu einer völlig realistischen Naturanschauung, mit welcher er Größe der Auffassung und Energie und Breite der koloristischen Behandlung verband. Er belebte seine Landschaften besonders mit Tieren (Rindvieh, Pferden, Schafen), welche einen immer breitern Raum einnahmen. Schließlich wurde T. als Tiermaler ebenso bedeutend wie als Landschafter, und es gelang ihm, selbst naturgroße Darstellungen von Tieren mit landschaftlichem Hintergrund eindrucksvoll und fesselnd zu gestalten, wobei er die Wirkungen des Sonnenlichts zu Hilfe nahm. Seine Hauptwerke sind: die Rückkehr aus der Meierei (1849, im Louvre), das Thal der Touque, die zur Feldarbeit getriebenen Ochsen (1855, im Louvre), der Wagen mit dem Esel, ein Spätsommertag in der Normandie, die Furt, Schafherde nach dem Gewitter, Schafe am Morgen. Die Motive zu seinen Landschaften entnahm er zumeist der Umgegend von Paris, der Touraine und der Normandie. Überanstrengung führte 1863 eine Geisteskrankheit herbei, der er 21. Febr. 1865 erlag. Vgl. Dumesnil, T. (Par. 1888).

Troypfund, s. Troygewicht.

Troyunze(abgekürzt oz.), im engl. Bankverkehr die Gewichtseinheit, nach welcher Gold und Silber gehandelt werden (s. Troygewicht). Dieselbe wird für Silber in Zehntel-, für Gold in Tausendstelunzen eingeteilt.

Trözen(Trözene), im Altertum Stadt in der griech. Landschaft Argolis, 20 Stadien von der Ostküste, an welcher die dazu gehörigen Häfen Kelenderis und Pogon lagen, ursprünglich von Ioniern bewohnt, ward nach der Wanderung der Herakliden dorisiert, gelangte zu Macht und Blüte auch auf der See und nahm am Perserkrieg rühmlichen Anteil. 430 und 425 v. Chr. brandschatzten die bisher mit T. befreundeten Athener das Land. Im korinthischen Krieg 394 stand T. auf seiten der Lakedämonier, ebenso kämpfte es 373 gegen Athen. In der makedonischen Zeit ging es aus einer Hand in die andre und kam endlich an den Achäischen Bund. Zu Pausanias' Zeit war es noch eine ansehnliche Stadt. Unbedeutende Reste beim heutigen Dorf Damalá.

Trübau, 1) (Mährisch-T.) Stadt in Mähren, an der Trebowka, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit Obergymnasium, fürstlich Liechtensteinschem Schloß, Seiden-, Leinwand- und Kattunweberei, Färberei und Druckerei sowie (1880) 6056 Einw. In der Nähe Steinkohlenbergbau. -

2) Stadt, s. Böhmisch-Trübau.

Trübmaß(Trübeichmaß), s. Altmaß.

Trübner, Nikolaus, Buchhändler und Bibliograph, geb. 12. Juni 1817 zu Heidelberg, begründete 1852 ein Verlagsgeschäft (T. u. Komp.) in London, das sich durch seine Umsicht und Thätigkeit zu einem der ersten der Welt aufgeschwungen hat und einen bedeutenden Vermittelungseinfluß in der Weltlitteratur ausübt. Er verfaßte: "Bibliographical guide to American literature" (1859) und gab in Monatsheften "Truebner's American and Oriental literary Records" (seit 1865) heraus. Er starb 30. März 1884.

Trubtschewsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Orel, an der Desna, mit (1885) 5275 Einw. und Getreidehandel nach Riga und Petersburg.

Truchmenen, Volksstamm, s. v. w. Turkmenen.

Truchseß(v. altd. truhtsâzo, "Vorgesetzter der truht", des Trosses; auch Seneschall, lat. Dapifer. franz. Écuyer de cuisine, Écuyer tranchant, engl. Steward), im mittelalterlichen Königtum der Küchenmeister, zugleich der erste Diener des Monarchen

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Truchtersheim - Trüffel.

bei der Tafel, dann der Oberaufseher über den ganzen Hofhalt. Im vormaligen Deutschen Reich gehörte seit Otto I. das Truchsessenamt zu den Erzämtern (s. d.). Erztruchseß war bis 1623 der Kurfürst von der Pfalz, dann der Kurfürst von Bayern, 1706-1714 wieder Pfalz, und von da bis zur Auflösung des Reichs wieder Bayern. Als Erbtruchseß fungierte der Graf von Waldburg. Am österreichischen Hof rangieren die Truchsesse unter den Kämmerern. Diese Truchsessenwürde ist häufig mit dem Besitz von Gütern verbunden.

Truchtersheim, Dorf und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Unterelsaß, Landkreis Straßburg, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Mineralquelle, Weinbau und (1885) 639 Einw.

Truck(Ruck), Insel der span. Gruppe der Karolinen (s. d.).

Truckee(spr. tröcki), Stadt im nordamerikan. Staat Kalifornien, an der Pacificbahn, 1774 m ü. M., westlich vom 2139 m hohen T.-Paß der Sierra Nevada, hat Sägemühlen und (1880) 1147 Einw.

Trucksystem(spr. tröck-, v. engl. truck, "Tausch, Tauschhandel"), das Verfahren, Arbeiter, besonders Fabrikarbeiter, nicht in barem Geld, sondern in Naturalien, namentlich in Anweisungen auf einen vom Arbeitgeber gehaltenen Laden abzulohnen. Vielfach von habsüchtigen Fabrikanten mißbraucht, wurde dasselbe schon früher in England heftig bekämpft und meist gesetzlich verboten. (Das erste gegen das T. ankämpfende Gesetz wurde in England 1464 erlassen; zu demselben kamen in den folgenden Jahrhunderten noch eine Reihe [etwa 16] weiterer Gesetze. Dieselben wurden durch das noch bestehende Gesetz von 1831 aufgehoben, welches durch die Truck-Amendment Act vom 16. Sept. 1887 ergänzt und erweitert wurde. In Preußen allgemeines Verbot 1847, während im Bergbau und in der Textilindustrie schon im 16. Jahrh. Verbote vorkamen; Verbot in Belgien durch Gesetz vom 16. Aug. 1887.) Die deutsche Gewerbeordnung verpflichtet die Arbeitgeber (ursprünglich nur die Fabrikinhaber sowie diejenigen, welche mit Ganz- oder Halbfabrikaten Handel treiben, seit 1878 alle Gewerbtreibenden, vgl. Fabrikgesetzgebung, S. 1002), die Löhne ihrer Arbeiter bar auszuzahlen; sie dürfen denselben keine Waren kreditieren; zuwiderlaufende Verträge sind nichtig. Nun gibt es freilich auch Fälle, in denen die Gewährung von Naturalien nicht zu umgehen und für den Arbeiter selbst vorteilhaft ist. Deshalb wurde auch gestattet, den Arbeitern Wohnung, Feuerungsbedarf, Landnutzung, regelmäßige Beköstigung, Arzneien und ärztliche Hilfe sowie Werkzeuge und Stoffe zu den von ihnen anzufertigenden Fabrikaten unter Anrechnung bei der Lohnzahlung zu verabfolgen. In Rußland ist das T. in verschiedenen Formen noch sehr verbreitet.

Trude, Trudenfuß, s. Druden, Drudenfuß.

Trudpert, Missionär im Breisgau, soll um 650 (nach den sehr dürftigen Nachrichten) von einem Grafen Othbert in einem Thal des Flüßchens Neumage ein Grundstück zu einer geistlichen Stiftung erhalten haben, doch bei der Herstellung des Gebäudes ermordet worden sein. Deshalb wurde er als Heiliger verehrt. Vgl. Körber, Die Ausbreitung des Christentums im südlichen Baden (Heidelb. 1878).

Trueba(T. y la Quintana), Antonio de, span. Dichter und Novellist, geb. 24. Dez. 1821 im baskischen Dörfchen Montellana (Provinz Viscaya) als der Sohn armer Landleute, kam mit 15 Jahren nach Madrid, um die Kaufmannschaft zu erlernen, trieb nebenbei mit großem Eifer Studien und erlangte an der Universität mehrere Grade. 1846 endlich dem Handelsstand Valet sagend, wandte er sich ganz der litterarischen Thätigkeit zu und machte sich durch seine in Zeitschriften erscheinenden Lieder und Gedichte einen Namen. Königin Isabella ernannte ihn 1862 zum Archivar von Viscaya mit einem Gehalt von 18,000 Realen und verlieh ihm den Titel eines Poeta de la reina, den er nach der Revolution von 1868, infolge deren er sein Amt verlor, mit dem eines Poeta del pueblo vertauschte. Seitdem wieder in Madrid lebend, starb er daselbst 10. März 1889. T. ist der populärste spanische Dichter der Gegenwart. Seine Lieder, gesammelt in dem oft aufgelegten "Libro de los cantaras" (Madr. 1852), leben im Munde des Volkes und haben ihm den Namen des "spanischen Béranger" verschafft. Sie verherrlichen vorzugsweise die baskische Heimat des Dichters und zeichnen sich aus durch Treuherzigkeit der Gesinnung, gefällige Form und natürliche Sprache wie durch Tiefe der Emfindung bei meist melancholischem Grundton. Außerdem veröffentlichte er eine große Anzahl von Erzählungen (Novellen, Märchen, Schwänke) unter verschiedenen Titeln: "Cuentos de color de rosa" (1859), "Cuentos campesinos" (2. Aufl. 1862), "Cuentos de vivos y muertos" (1866), "Marta Santa" (1874), "Cuentos de varios colores" (1874), "Narraciones populares"(1875), "Cuentos de madres é hijos"(1879), "Nuevos cuentos populares" (1880) etc., welche gleiche Beliebtheit wie sein Liederbuch erlangten und zum Teil auch ins Deutsche, Französische, Englische, Russische und Italienische übersetzt wurden. Sie sprechen an durch die natürliche Einfachheit der Erzählung und die Anmut in der Beschreibung des ländlichen Lebens, lassen aber die reaktionäre Gesinnung und ultramontanen Sympathien des Verfassers zu sehr hervortreten. Endlich sind von T. auch historische Romane, wie "El Cid Campeador", "El redentor moderno" (1876) u. a., und seine neuesten Werke: "Arte de hacer versos" (1881), "De flor en flor" (1882), "El gaban y la chaqueta" (1884), zu erwähnen. Eine Auswahl aus seinen Schriften enthält die "Coleccion de autores españoles" (Leipz. 1874 ff.).

Trueba y Cosio, Telesforo de, span. Dichter, geb. 1805 zu Santander, machte, zur diplomatischen Laufbahn bestimmt, seine darauf bezüglichen Studien in London und Paris und wurde sodann Attache bei der dortigen Gesandtschaft. Nach seiner Rückkehr in das Vaterland 1822 stiftete er mit andern die Akademie, in welcher sich damals alle jüngern Dichter Spaniens vereinigten. Zu Cadiz, wohin er als Anhänger der Cortesregierung 1823 flüchten mußte, schrieb er die beiden Lustspiele: "El veleta" und "Casarse con 60,000 duros", die ihm für immer einen Platz unter den besten spanischen Dramatikern sichern. Nach der Wiederherstellung des Absolutismus in Spanien wandte sich T. nach London. Hier schrieb er in englischer Sprache mehrere historische Romane, unter welchen "Gomez Arias" (1828) und "The Castilian" (1829) am bekanntesten sind, das historisch-biographische Werk "Lives of Cortes and Pizarro" (1830), das große Verbreitung fand, viele Lustspiele und das historische Drama "The royal delinquent". Den bedeutendsten Ruf aber verschaffte ihm das Sittengemälde "Paris and London" (1833). 1834 nach Spanien zurückgekehrt, ward er hier zum Prokurator und dann zum Sekretär der Zweiten Kammer gewählt. Er starb 4. Okt. 1835 in Paris.

Trüffel(Speisetrüffel, Tuber Mich.), Pilzgattung aus der Unterordnung der Tuberaceen und der

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Trüffel.

Ordnung der Askomyceten, meist vollständig unterirdisch wachsende Pilze mit einem im Boden verbreiteten fädigen Mycelium und ziemlich großen, knollenförmigen, festen, fleischigen Fruchtkörpern (Peridien), welche nicht hohl, sondern auf dem Querdurchschnitt durch marmorartige Adern in unregelmäßige, massive Kammern geteilt sind. Man unterscheidet feine, dunkel gefärbte Adern, welche von der Peridie ausgehen und die eigentlichen Kammerwände darstellen, auf denen das stark entwickelte, braune, fruchtbare Gewebe (Hymenium) aufsitzt, während weiße Adern das zwischen dem Hymenialgewebe befindliche lufthaltige Füllgewebe der engen, gewundenen Kammern darstellen. In dem dicken Hymenialgewebe nisten zahlreiche große, runde oder eirunde Sporenschläuche mit je 1-8, meist 4 ordnungslos liegenden, kugeligen oder elliptischen, mit stachligem oder netzförmig gezeichnetem, gefärbtem Episporium versehenen Sporen (vgl. Tafel "Pilze II", Fig. 11). Die Peridie ist an der Oberfläche warzig oder glatt, im reifen Zustand stets schwarz oder braun gefärbt. Die Gattung zählt ungefähr 20 Arten, welche in der gemäßigten Zone Europas, besonders in Frankreich und Italien, in Deutschland und England, aber auch in Asien, Afrika und Nordamerika vorkommen. Die seit dem Altertum wegen ihres aromatischen Geruchs und Geschmacks als kulinarischer Luxusartikel berühmten Trüffeln sind sehr nahrhaft und werden bald für sich allein, gebraten oder mit Rotwein gekocht und mit Butter, genossen, bald als Bestandteil von Pasteten (Straßburger Gänseleberpasteten) oder als Zusatz in Fleischspeisen, Brühen, Suppen etc. verwendet. Sie wachsen herdenweise in der Erde und zwar alljährlich immer an denselben bestimmten Plätzen, den sogen. Trüffelplätzen (truffières). Nach Ascherson fehten sie gegenwärtig in der Mark, dagegen sind sie in den Laubwäldern um Bernburg seit langer Zeit bekannt und treten hier am reichlichsten unter Eichen und Roßkastanien auf. Andre Fundorte sind: München-Nienburg, Neugatersleben im Bodethal, das Forstrevier Lödderitz bei Dessau, Zerbst, mehrere Orte Thüringens, Ahrbergen und Eberholzen unweit Hildesheim, die Rheinwaldungen bei Rastatt. Im Nordosten Deutschlands finden sich Trüffeln (Tuber mesentericum, die auch in Böhmen und Mähren häufig ist) in der Weichselniederung bei Kulm sowie bei Ostromatzko gegenüber der Brahemündung. Das Vorkommen der schwarzen T. scheint auf den Peisterwitzer Odenwald bei Ohlau und auf Tillowitz unweit Falkenberg beschränkt zu sein. Dafür ist die weiße T. (Choiromyces maeandriformis) in Oberschlesien, Böhmen, Mähren, Ungarn, Siebenbürgen, Italien und Rußland nicht selten. Die Fundplätze haben meist einen kalkigen oder aus Kalk und Thon oder Sand gemengten Boden. Überall aber ist die Anwesenheit von Bäumen eine notwendige Bedingung. Wenn der Waldbestand abgetrieben wird, so verschwinden auch die Trüffeln; aber sie erscheinen nach Jahren genau an denselben Stellen wieder, wenn der Boden wieder mit Gehölz bewachsen ist. Vorzüglich kommen sie unter Eichen und Hainbuchen, aber auch unter Kastanien, Haselnußsträuchern, Rotbuchen und zahlreichen andern Holzpflanzen vor. Man findet sie im Umkreis der Bäume, bis wohin die Wurzeln, nicht aber der Schatten derselben reichen; überhaupt lieben sie lichte Gehölze, in denen die Bäume in größern Entfernungen stehen. Das Mycelium schmarotzt perennierend auf den Wurzeln von Holzgewächsen, wie schon daraus hervorgeht, daß junge in den Boden eingesetzte Trüffeln sich nicht weiter entwickeln. Für eine mit der T. nahe verwandte Art, die Hirschtrüffel (Elaphomyces granulatus Nees), wurde der Parasitismus durch Boudier und Rees direkt bewiesen. Da auf den Wurzeln zahlreicher einheimischer Gewächse durch Frank parasitische Hüllen von Pilzmycelien aufgefunden wurden (s. Mycorhiza), so lag der Gedanke nahe, ein ähnliches symbiotisches Verhältnis auch zwischen den Mycelien der echten T. und den Wurzeln bestimmter Holzpflanzen anzunehmen. Direkte Kulturversuche fehlen zur Zeit noch. Ganz junge Trüffeln sind nur erbsengroß, blaß oder rötlich; sie scheinen ein Jahr zu ihrer Reife zu bedürfen. Im Herbst oder Winter findet man reif nur Tuber brumale und T. melanosporum, Ausgang Winters, im Frühling und Sommer Tuber aestivum und T. mesentericum; die letztern werden daher in den ersten Monaten des Jahrs noch unreif gesammelt und in der Provence als Maitrüffeln bezeichnet. Man läßt die Trüffeln von abgerichteten Hunden (Trüffelhunden; Burgund, Italien, Deutschland) oder von Schweinen (Provence, Poitou, auch in Westpreußen), in Rußland früher auch von Bären aufsuchen, welche durch ihren Geruch die 5-16 cm unter der Erde verborgenen Pilze aufspüren. Nach Deutschland kamen um 1720 die ersten dressierten Trüffelhunde, von welchen der König August II. von Polen in Italien zehn Stück angekauft hatte. Die Trüffeljagd findet statt vom November bis Februar. Der französische Trüffelhandel datiert seit 1770 und erstreckt sich jetzf fast über ganz Mittel- und Südfrankreich. Am meisten produzieren die Provence, besonders das Departement Vaucluse mit dem Zentralort Carpentras, ferner die Dauphiné, Périgord, Dordogne, Charente, Niederalpen und Lot; besonders berühmt sind die Trüffelkulturen am Fuß des Mont Ventoux im Departement Vaucluse, der 1858 mit Eichen aufgeforstet wurde. Die Ausfuhr aus Frankreich beziffert sich auf 1,5 Mill. kg; im Departement Vaucluse, in der Stadt Apt, kommt zur Winterszeit eine Trüffelernte von 15,000 kg zu Markt. Große Bedeutung haben die Trüffeln auch im Orient. Barth berichtet über das häufige Vorkommen einer Trüffelart (jedenfalls Terfezia leonis Tul.) in der nördlichen Sahara. Zu derselben Art gehören auch die hellfarbigen Trüffeln, welche in der Syrisch-Arabischen Wüste stellenweise massenhaft vorkommen und kamelladungsweise in die syrischen Städte gebracht werden. In diesen Gegenden gilt Helianthemum salicifolium Pers. als sicheres Anzeichen des Vorkommens der T. Die Ernte währt in Syrien und Palästina von Mitte Februar bis Mitte April, sie ist abhängig von den Regen im Oktober und November, durch welche auch die Kräuterdecke hervorgerufen wird, mit deren üppigkeit die Häufigkeit der T. steigt und sinkt. In Algerien findet sich die oben genannte Terfezia leonis im Schatten des strauchartigen Helianthemum halimifolium, und auf der kanarischen Insel Fuertaventura sucht man Trüffeln unter Helianthemum canariense. Die gewöhnlichsten, als Speisetrüffeln verwendeten Arten sind: Tuber brumale Vittad., mehr oder weniger kugelig, schwarz, auf der Oberfläche mit polygonalen Warzen, nuß- bis faustgroß und dann bis 1 kg schwer, innen schwärzlich aschgrau, weiß geädert, mit zahlreichen vier- bis sechssporigen Sporenschläuchen, die Sporen mit stachligem Episporium, ist im Winter in den Trüffelgegenden Frankreichs und Italiens sehr häufig, selten in den Rheingegenden. T. melanosporum Vittad. (T. cibarium Pers.), von voriger Art durch rötlichschwarze Farbe, rötliche Flecke auf den War-

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Trüffelpilze - Trumpp.

zen und durch rötlich- oder violettschwarzes Innere mit weißen, zuletzt rötlichen Adern unterschieden, hat das gleiche Vorkommen. T. aestivum Vittad., 2,5-5,5 cm, unregelmäßig kugelig, schwarzbraun, mit sehr großen Warzen, innen blaßbraun, mit elliptischen, braunen, mit netzförmig gezeichnetem Episporium versehenen Sporen, im Sommer und Spätsommer in Frankreich und in Italien sehr häufig, stellenweise in Deutschland, z. B. in Thüringen, und England. T. mesentericum Vittad., von voriger Art durch schwarze Farbe und dunkleres Fleisch mit vielen sehr eng gewundenen, weißen Adern unterschieden, an der Basis oft gehöhlt, kommt wie vorige Art und oft mit ihr zusammen vor. Nur in Italien, wo sie häufig gegessen wird, stellenweise in Deutschland kommt vor T. magnatum Pico (Rhizopogon magnatum Corda). 1,5-11 cm, unförmig lappig, von den andern Arten durch die wurzelartige Basis und durch die glatte Oberfläche unterschieden, anfangs weiß, später blaß ockerbraun, daher von den Lombarden Trifola bianca genannt, innen gelblich, bräunlich oder rötlich mit weißen Adern, von stark knoblauchartigem Geruch, reift im Spätsommer. Die weiße T. (Choiromyces maeandriformis Vittad., Tuber album Sow., Rhizopogon albus Fr.) ist glatt, hellbraun, faustgroß und von allen echten Trüffeln unterschieden durch das weiße, fleischige Innere, welches nur von einerlei feinen, dunklern Adern (Hymenium) durchzogen ist. S. Tafel "Pilze I" u. Taf. H, Fig. II. Vgl. Vittadini, Monographia Tuberacearum (Mail. 1831); Tulasne, Fungi hypogaei (Par. 1851); Chatin, La truffe (das. 1869); Planchon, La truffe (das. 1875); Rees u. Fisch, Untersuchungen über Bau und Lebensgeschichte der Hirschtrüffel (Kassel 1887); Bosredon, Manuel du trufficulteur (Périgueux 1887); Ferry de la Bellone, La truffe (Par. 1888).

Trüffelpilze, s. Pilze (13), S. 72.

Trugdolde, eine Art des Blütenstandes (s. d., S. 81).

Trugdoldenrispe(Corymbus cymiformis), reichverzweigte Schirmrispe mit quirlig gestellten Hauptverzweigungen, wie beim Holunder.

Trugratten(Echimyidae), s. Nagetiere (5).

Trugschluß(Sophisma), ein auf falschen Voraussetzungen oder falscher Verknüpfung derselben oder auf zweideutig gebrauchten Wörtern beruhender Fehlschluß, bei dem man die Absichtlichkeit einer Täuschung voraussetzt; s. Schluß, S. 544. - In der Musik heißt T. (Trugkadenz, ital. Inganno, franz. Cadence trompeuse) das Vermeiden eines nach der vorausgegangenen Akkordfolge erwarteten Schlusses durch Substitution eines andern Akkords für den tonischen (vgl. Kadenz und Auflösung).

Truhe, langer, niedriger hölzerner Kasten mit Deckel, welcher seit den frühsten Zeiten des Mittelalters zur Aufbewahrung von Kleidungsstücken, Kostbarkeiten und zugleich als Sitzmöbel diente. Anfangs war es mit der Wandvertäfelung verbunden, wurde aber später transportabel und auch auf Reisen mitgeführt. Die Truhen wurden bemalt oder an den vier Seiten, später auch am Deckel, mit reichem Schnitzwerk, Bemalung und Vergoldung versehen. Die Brauttruhen, welche die Ausstattung der Braut enthielten, wurden besonders reich verziert, zumeist mit auf Liebe und Ehe bezüglichen Emblemen oder Darstellungen aus der antiken Sage (s. Tafel "Möbel", Fig. 11). Zur größern Sicherung wurden die Truhen auch mit eisernen Bändern beschlagen oder auch mit eisernen Deckeln in durchbrochener Arbeit versehen (s. Tafel "Schmiedekunst", Fig. 15).

Trujillo(Truxillo, beides spr. truchhílljo), Sektion des Staats Andes der Bundesrepublik Venezuela, 13,549 qmn (246,1 QM.) groß mit (1873) 108,672 Einw., ist im südöstlichen Teil, wo die Andeskette von Merida fortsetzt, hohes Gebirgsland, im nordwestlichen niedrig, wird vom Rio Motaban, der dem See von Maracaibo zufließt, bewässert, hat alle Klimate (vom heißen bis zum kalten) und erzeugt vorzüglichen Kaffee und alle Südfrüchte sowie etwas Weizen. - Die Hauptstadt T., in einem engen Kessel gelegen, 826 m ü. M., hat eine höhere Schule, Handel (hauptsächlich Kaffee- und Weizenexport) und 2648 Einw. T. wurde 1559 gegründet, und war bis 1668, wo Flibustier sie zerstörten, eine der schönsten Städte des Landes. Nordwestlich davon liegt das Dorf Santa Ana, durch den Friedensschluß zwischen den beiden Generalen Bolivar u. Morillo 26. Nov. 1820 bekannt.

Trujillo(Truxillo, beides spr. truchhílljo), 1) Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Caceres, teils auf einem Felsen, teils am Fuß desselben in 485 m Höhe gelegen, hat 5 Kirchen und (1878) 9428 Einw welche sich mit Leinweberei, Gerberei und Töpferei beschäftigen. T. ist Geburtsort Pizarros. -

2) (Chimú) Hauptstadt des Departements Libertad (Peru), in fruchtbarer, von Wüsten umgebener Gegend am Chimú, 65 m ü. M., ist gut gebaut und von Wällen und Bastionen umgeben, die 1686 als Schutz gegen die Flibustier errichtet wurden, hat eine Kathedrale, eine 1831 gegründete Universität, ein bischöfliches Seminar, eine höhere Schule und (1876) 7538 Einw., die lebhaften Handel treiben. Die Häfen der Stadt sind das 5 km entfernte Huanchaco und das wichtigere Salaverry, der Ausgangspunkt der ins Innere führenden Eisenbahn und mit Hafendamm (Molo). T. wurde 1535 von Pizarro gegründet, litt wiederholt durch Erdbeben und war 1823 Sitz des Kongresses. 2 km westlich davon liegen die Ruinen von Gran Chimú, der angeblichen Hauptstadt des alten Chimúreichs. -

3) Stadt im Departement Yoro des zentralamerikan. Staats Honduras, am Karibischen Meer, 1524 gegründet, hat einen guten Hafen und 4000 Einw.; die Ausfuhr(1887: 628,100) Pesos) besteht aus Bananen, Kokosnüssen, Mahagoni, Häuten, Gummi etc.

Trullanische Synoden heißen von Trullos, dem gewölbten Saal des kaiserlichen Palastes zu Konstantinopel, darin sie gehalten worden, das sechste ökumenische Konzil (s. Monotheleten) und das sogen. Quinisextum (s. d.).

Trum(Plur. Trume oder Trümer, fälschlich Trümmer), in der Geologie ausgefüllte Nebenspalten einer Hauptspalte (Gang) von größern Dimensionen, im Gegensatz zu den kleinern Apophysen; besonders eine durch Gabelung sich rasch auskeilende Gangmasse (vgl. Gang, S. 890); im Bergbau auch s. v. w. Förderseil.

Trümeau(franz., spr. -moh), Fensterpfeiler; ein denselben deckender Wandspiegel, überhaupt ein bis nahe an den Fußboden gehender Wandspiegel.

Trümletenthal, s. Jungfrau.

Trümmergesteine, s. Gesteine.

Trumpp, Ernst, Orientalist, geb. 13. März 1828 zu Ilsfeld im württemb. Oberamt Besigheim, studierte in Tübingen evangelische Theologie und orientalische Sprachen, ging später zur Fortsetzung seiner orientalischen Studien nach England und trat hier in die Dienste der Church Missionary Society, in deren Auftrag er 1854-55 und 1857 die Sprache des Induslandes erforschte und bearbeitete, während er den größten Teil des Jahrs 1856 zur Erlernung des Neuarabischen in Ägypten und Syrien zubrachte. 1858 ging er nach Peschawar, um die Sprache der Afghanen zu untersuchen und zu bearbeiten. Aus Gesund-

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Trumscheit - Trunksucht

heitsrücksichten 1860 in die Heimat zurückgekehrt, privatisierte er zunächst in Stuttgart, nahm 1864 die Diakonatsstelle in Pfullingen an, begab sich aber 1870 im Auftrag der englischen Regierung von neuem nach Indien und zwar nach Lahor im Pandschab, um daselbst in Verbindung mit einigen Sikhpriestern eine Übersetzung der heiligen Bücher der Sikh auszuführen. 1872 habilitierte er sich in Tübingen als Privatdozent und erhielt 1874 die ordentliche Professur der orientalischen Sprachen an der Universität zu München, wo er 5. April 1885 starb. Sein Hauptwerk ist "The Adi Granth, or the holy scriptures of the Sikhs, translated from the original Gurmukhi" (Lond. 1877). Außerdem veröffentlichte er: "Materialien zum Übersetzen aus dem Deutschen ins Hebräische" (Heilbr. 1854); "Sindhi reading book" (Lond. 1858); "Über die Sprache der sogen. Kasirs im indischen Kaukasus" (im 20. Bd. der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft"); "The Sindhi Diwan of Abd-ul-Latif Shah" (1866); "Grammar of the Sindhi language" (Lond. 1872); "Grammar of the Pashto or language of the Afghans etc." (das. 1873); "Einleitung in das Studium der arabischen Grammatiker" (Münch. 1876); "Das Taufbuch der äthiopischen Kirche" (äthiopisch u. deutsch, das. 1876); "Der Kampf Adams" (äthiopischer Text, das. 1880); "Die Religion der Sikhs" (Leipz. 1881); "Der arabische Satzbau" (Münch. 1879); "Grammatische Untersuchungen über die Sprache der Brahuis" (das. 1881); "Das Hexaemeron des Pseudo-Epiphanius" (äthiopisch und deutsch, das. 1882); "Der Bedingungssatz im Arabischen" (das. 1882) etc.

Trumscheit(Trumbscheidt, Scheidtholt, Trompetengeige, Tromba marina, Tympanischiza), primitives, in Deutschland im 14.-16. Jahrh. und noch länger beliebtes Streichinstrument, bestehend aus einem langen, schmalen, aus drei Brettchen zusammengesetzten Resonanzkörper, über den eine einzige Saite gespannt war, wenigstens nur eine Griffsaite, während etwa noch hinzugefügte Saiten als Bordune unabänderlich mitgestrichen wurden. Der zweifüßige Steg des Trumscheits war nur mit einem Fuß aufgeleimt, während der andre, wenn die Saite schwang, durch schnelles Berühren des Resonanzbodens einen etwas schnarrenden Ton hervorbrachte.

Truncus(lat.), der Stamm der Bäume etc.; vgl. Stengel und Baum.

Trunkelbeere, s. Vaccinium.

Trunkenheit, im allgemeinen der durch den Genuß betäubender Stoffe, z. B. Opium, Alkohol, Haschisch, Kumys und andrer gegorner Getränke, auf den Organismus hervorgebrachte abnorme Zustand der Gehirnthätigkeit etc. Für gewöhnlich wird die T. erzeugt durch alkoholhaltige (spirituöse) Getränke. Man unterscheidet als den ersten Grad der T. den Rausch. Derselbe gibt sich anfangs in einer Steigerung des ganzen Lebensprozesses kund, die sich besonders als eine höhere gemütliche Anregung im Gemeingefühl durch Heiterkeit und Wohlbehagen, raschern Puls, gerötetes Gesicht, belebte, glänzende Augen, lebhafte, wechselnde Vorstellungen und leicht zu Gemütsbewegungen sich steigernde Gefühle zu erkennen gibt. Beim zweiten Grade, der Betrunkenheit (ebrietas), sind alle jene physischen Erscheinungen gesteigert, zuweilen bis zu einer Art von Tobsucht und Zerstörungswut, das Bewußtsein ist getrübt, die Geistesthätigkeiten verwirren sich, und es entsteht Delirium. Als dritten Grad unterscheidet man die sinnlose Besoffenheit, bei der die sensorische Nerventhätigkeit völlig ruht, so daß dem Menschen Bewußtsein, Empfindung und willkürliche Bewegung verloren gehen. Den zur Gewohnheit gewordenen übermäßigen Genuß spirituöser Getränke bezeichnet man als Trunksucht oder Trunkfälligkeit (ebriositas). Diese hat nach und nach eine dauernde Verderbnis des Bluts, den Alkoholismus oder die Säuferkrankheit, zur Folge. Da das preußische Strafgesetz für Verbrechen, welche im trunkenen Zustand begangen sind, mildernde Umstände bewilligt, so ist es für den Gerichtsarzt wichtig, das Vorhandensein von T. zu konstatieren. Diese Aufgabe erfordert große Vorsicht und Beurteilung des individuellen Falles, da die Menge des genossenen Getränks, welche erforderlich ist, um T. zu bedingen, bei verschiedenen Personen äußerst verschieden groß ist. Jedenfalls wird der Nachweis erbracht werden müssen, daß zur Zeit der strafbaren Handlung ein so starker Rausch bestanden hat, daß dadurch das Bewußtsein getrübt und die freie besonnene Aktion aufgehoben worden ist. S. Trunksucht.

Trunkmaschine, s. Dampfmaschine, S. 468.

Trunksucht, der gewohnheitsmäßige Mißbrauch alkoholischer Getränke, welcher zu einer Schädigung des körperlichen, geistigen und sittlichen Lebens (Alkoholismus) führt. Unmäßiger Alkoholgenuß zerstört alle Gewebe und Systeme des Körpers und vernichtet die normale Konstitution des Individuums und der Rasse. Am frühsten erkrankt der Verdauungsapparat bei dem Trunksüchtigen; auf der anfänglich katarrhalisch erkrankten Magenschleimhaut entstehen Geschwürsbildungen, ein beständiges Gefühl von Druck und Schmerz in der Magengegend, Säurebildung, Appetitlosigkeit, häufiges, bald täglich wiederkehrendes Erbrechen von zähem Schleim, besonders des Morgens, auch Blutbrechen. Der absorbierte Alkohol wird der Leber zugeführt, und je konzentrierter er war, desto früher und desto intensiver sind die Veränderungen dieses Organs. Wein- und Biertrinker erleiden niemals jene schweren Formen der Leberdegeneration wie Schnapstrinker. Fettleber, Lebercirrhose, Entzündung der Leber mit Schwund ihrer Bestandteile, Gelbsuchten sind häufige Krankheiten der Trinker. Bei gewohnheitsmäßigen Trinkern findet sich immer eine Vergrößerung des Herzmuskels (Hypertrophie), später fettige Entartung in demselben und in den Blutgefäßen. Der Katarrh des Kehlkopfes, kenntlich durch die eigentümlich rauh belegte Stimme, geht auf die innern feinen Luftröhrenverzweigungen und Lungenbläschen über; Ausweitungs- und Zerstörungsprozesse führen zur Verkleinerung der Lungenoberfläche, zur Behinderung der Blutzirkulation und des Gasaustausches in den Lungen und erzeugen die bläuliche Gesichtsfarbe und die Kurzatmigkeit der Trinker. Die gesteigerte Thätigkeit der Nieren nach Aufnahme von alkoholischen Getränken führt nicht selten zur sogen. Brightschen Niere, zur Nierenschrumpfung, einer Krankheit, die meist zum Tod führt und auch in der Blutbeschaffenheit der Trinker und in den vielen schädlichen Einwirkungen, Durchnässungen etc., denen Trinker ausgesetzt sind, ihre Ursache findet. Auch der Genitalapparat erleidet bei T. krankhafte Veränderungen. Sehr mannigfach sind die Störungen des Nervensystems. Die Anhäufung von Blut in den Hirnhäuten und im Gehirn selbst, der Austritt von Blut (Schlaganfall) mit der großen Reihe von krankhaften Störungen durch diese Vorgänge, Entzündung der Hirnsubstanz und Schwund, ähnliche Erkrankungen und Veränderungen im Rückenmark und seinen Häuten sind die Ursachen vieler Erscheinungen: Gefühl von Taubheit, Kribbeln, Ameisenlaufen, Empfindungslosigkeit, Muskelzittern,

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Trunksucht (gesetzliche Maßregeln, Trinkerasyle).

Krämpfe, Schwäche und Lähmung der Glieder, Störungen der Intelligenz bis zum vollen Wahn- und Blödsinn und zur allgemeinen Paralyse. Auch das Auge, das Ohr und die Haut werden in ihren Funktionen durch den anhaltenden Mißbrauch der spirituösen Getränke beeinträchtigt. Das Blut der Trinker wird reicher an Wasser und ärmer an Faserstoff und verändert sich in noch unbekannter Weise in seiner Beschaffenheit; in den frühen Stadien des Alkoholismus findet eine exzessive Fettbildung statt. In allen Organen und Geweben tritt eine abnorme Anhäufung von Fett auf, die selbst im Blut sich kenntlich macht. Es ist erwiesen, daß Trinker viel häufiger erkranken als Nichttrinker, nicht nur an den von der toxischen Einwirkung des chronischen Alkoholgenusses direkt verursachten krankhaften Veränderungen der einzelnen Organe, sondern daß sie wegen ihrer gesunkenen Widerstandskraft auch mehr den allgemeinen Krankheitseinflüssen ausgesetzt sind. Die Trinker verfallen auch allen Krankheiten in einem viel intensivern Grad als Nichttrinker; nicht nur, daß bei allen entzündlichen Krankheiten, bei allen operativen Eingriffen und Wundverletzungen jene den Säufern eigentümliche Erkrankung des Gehirns, das Delirium tremens, hinzutritt und den Verlauf der Krankheit sehr erheblich beeinflußt, sondern wegen der schlechten Blutbeschaffenheit und der geschwächten Lebenskraft nehmen die auftretenden, sonst relativ ungefährlichen Krankheiten einen bösartigen Charakter an. Die T. steigert die Sterblichkeit, indem viele Trinker nach Art einer akuten Vergiftung oder nach einem Alkoholexzeß sterben; viel mehr aber gehen an den geschilderten Folgen der T. und an Verunglückungen in der Trunkenheit zu Grunde. Eine beträchtliche Anzahl von Selbstmorden geschehen in und aus T. Die Lebensdauer der Trinker ist in dem Maß verkürzt, daß, während ein normal Lebender im Alter von 20 Jahren eine Lebensdauer von 44,2 Jahren zu erwarten hat, ein Trinker in gleichem Alter nur noch auf 15,6 Jahre rechnen darf. Die in der T. erzeugte Nachkommenschaft ist schwächlich und kränklich und disponiert besonders zu Idiotie, Konvulsionen, Epilepsie etc. In Gegenden, wo T. weit verbreitet ist, zeigt sich die Militärbrauchbarkeit der Jugend herabgemindert. T. erzeugt Müßiggang und Liederlichkeit und wird dadurch eine der wirksamsten Ursachen der Einzel- und Massenarmut, zugleich aber auch der Vermehrung der Verbrecher und der Verbrechen. Mehr als Armut und Unwissenheit ruft T. die Neigung zum Verbrechen hervor und beschönigt sie.

In dem Kampf gegen die T. sind nur solche Mittel anzuwenden, die, den Anschauungen des Volkes angepaßt, auf Anerkennung und Mitthätigkeit der Gesellschaft rechnen dürfen. Auch hier sollte man nur das zu erreichen suchen, was zu erreichen möglich ist. Die absolute Unterdrückung des Genusses alkoholischer Getränke, die von vielen Seiten zum Prinzip erhoben ist, wird nur in sehr beschränktem Maß zu erreichen sein und nur in einzelnen Ländern ein erstrebenswertes Ziel bleiben. Der Kampf gegen die T. ist mit großer Energie von Vereinigungen selbstloser Männer unter verschiedenen Formen und nicht ohne Verirrungen geführt wordene (s. Mäßigkeitsvereine). Die gesetzlichen Maßregeln gegen die T. haben nicht immer den beabsichtigten Erfolg gehabt, weil sie aus fiskalischen Gründen nicht immer streng durchgeführt werden, weil sie leicht zu umgehen sind, und weil es fast unmöglich ist, eingewurzelte Gewohnheiten und Neigungen aus dem Volk durch das Gesetz mit einemmal zu vertilgen. So hat das Gesetz, welches den Verkauf aller spirituösen Getränke bei hohen Strafen absolut verbietet und 1851 im Staat Maine (Liquor Maine law) und später auch in mehreren andern Staaten von Nordamerika eingeführt wurde, in keiner Weise bewirkt, was seiner Rigorosität und den Anstrengungen, es durchzuführen, entspricht. Als wirksame Angriffspunkte der Gesetzgebung sind die Verminderung der Zahl der kleinen Brennereien, namentlich der Hausbrennereien, anzusehen, ferner die Einschränkung des Kleinhandels mit Spirituosen, Verminderung der großen Zahl der Schankstellen durch strenge Prüfung der Bedürfnisfrage und der Moralität des Schenkwirts. (England: Gesetze von 1828 und 1872, nach denen der Betrieb eines Schankgewerbes nur auf Grund einer alljährlich zu erneuernden Konzession gestattet ist. Gesetze in Norwegen 1871, in Schweden 1857 und 1869, nach denen in jeder Gemeinde die Zahl der Schenken durch die Behörde unter Mitwirkung der Gemeindeorgane festgesetzt und die Schenken auf bestimmte Zeit an den Meistbietenden verpachtet werden; niederländisches Gesetz von 1881, in Kraft getreten 1885; Gesetz für Galizien und die Bukowina von 1877, weitergehende Bestimmungen enthält ein für ganz Österreich geplantes "Gesetz zur Hintanhaltung der Trunkenheit". Entsprechende Bestimmungen für Deutschland enthalten die Gewerbeordnung von 1869, die Ergänzungsgesetze vom 23. Juni 1879 und vom 7. Mai 1883, dann das Reichsstrafgesetz, § 361. Weiter als letzteres Gesetz gehen die Polizeistrafgesetze einzelner Bundesstaaten sowie Gesetze in Schweden [1864], England [1872], Frankreich [1873] etc., welche diejenigen mit Strafe bedrohen, welche in Wirtschaften, auf der Straße oder an andern öffentlichen Plätzen im Zustand offenbarer oder Ärgernis erregender Trunkenheit gefunden werden.) Weniger zuverlässig ist die Branntweinsteuer, weil eine zu hohe Besteuerung die Defraudation geradezu provoziert, während eine zu geringe Steuer den Alkoholkonsum allerdings ganz direkt begünstigt.

Nachahmenswert ist die Maßnahme, die in Schweden, zuerst in Gotenburg (gotenburgisches System), ergriffen ist, um die Zahl der Schankstellen zu vermindern und die Beförderung des Alkoholkonsums durch die Habgier der Schenkwirte zu verhüten. Hier hat sich eine Aktiengesellschaft gebildet, um die Schankstellen (s. oben) anzukaufen und ohne jeden Nutzen für sich den Handel im Sinn der Mäßigkeit zu betreiben. In einzelnen Staaten von Nordamerika wird der Schenkwirt gesetzlich für alle Folgen der Trunkenheit, zu welcher er verholfen, haftbar, so daß er bei Verunglückungen eines Trinkers an dessen Familie Schadenersatz leisten muß und auch mit bestraft werden kann, wenn ein Trinker, dem er die Getränke verabfolgt, ein Verbrechen begeht. Von größter Bedeutung sind die Trinkerasyle zur Heilung Trunksüchtiger. In diesen Anstalten, in welchen nicht die unbeugsame Strenge eines Gefängnisses, aber auch nicht die nachsichtige Zucht einer Krankenanstalt herrschen darf, sollen alle Personen zwangsweise verwahrt werden, welche durch T. die Herrschaft über sich verloren haben, die Pflichten gegen sich und ihre Angehörigen anhaltend vernachlässigen, sich und andern eine Gefahr werden können. In diesen Asylen sollen ferner diejenigen Personen untergebracht werden, welche in der Trunkenheit eine gesetzwidrige Handlung begangen haben und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt sind. Das erste Trinkerasyl wurde 1857 in Boston errichtet, bald waren alle Staaten der Union diesem Beispiel gefolgt, und noch

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Trupial - Truppen.

jetzt ist die Zahl dieser staatlichen und privaten Asyle im Zunehmen begriffen. Diese Asyle werden teils durch Beiträge von Privaten, teils auch mit Unterstützung von seiten des Staats oder auch ganz auf Kosten des letztern unterhalten. Das Washingtonian Home in Boston, das älteste Institut dieser Art, das anfangs nur durch Privatwohlthätigkeit erhalten wurde und sehr bald so ausgezeichnete Erfolge aufweisen konnte, daß der Staat ihm eine jährliche Unterstützung von 5000 Dollar zuwies, wurde 1869 als eine Staatsanstalt anerkannt. In dieser Anstalt waren 1857-72: 3811 trunksüchtige Personen behandelt worden, von denen mehr als die Hälfte aus freien Stücken zugegangen und die andern auf richterlichen Ausspruch zugebracht waren. Von 400 Kranken, die 1875 hier behandelt waren, gehörten 189 den wohlhabenden Ständen an. Das Prinzip der Behandlung bestand hier in der vollen Enthaltsamkeit von allen berauschenden Getränken, in der Beseitigung jedes Zwanges, in der Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit und in der Kräftigung des sittlichen Moments. Bis zum 1. Mai 1876 sind in dieser Anstalt ca. 5000 Kranke behandelt worden, und es soll wenigstens ein Drittel vollkommen geheilt, ein Drittel erheblich gebessert und würde von dem letzten Drittel auch noch ein erheblicher Teil unter andern günstigen Verhältnissen gebessert sein. Ein Trinkerasyl in Brooklyn (The Inebriate Home for Klug's County, Brooklyn, New York), welches 1866 durch Privatmittel gegründet wurde, nimmt lediglich Personen auf, die wegen T. zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Hier ging man von der sehr richtigen Erfahrung aus, daß solche Personen in den Gefängnissen eher verschlechtert als gebessert würden, und daß anstatt der bisherigen Bestrafung eine eigne Behandlung der Trinker eintreten müsse. Ein besonderes Gesetz ermächtigt, daß alle verurteilten Gewohnheitstrinker aus den Grafschaftsgefängnissen in diese Anstalt verbracht werden, und daß der Richter trunksüchtige Personen bis auf ein Jahr in dieses Institut verbringen lassen könne. Die Kranken, Männer und Weiber, werden in besondern Werkstätten und beim Landbau zwangsweise beschäftigt. Über den Wert dieser Einrichtungen ist ein vollgültiges Urteil noch nicht gesprochen. Man macht den amerikanischen Asylen den Vorwurf, daß sie ihre Insassen, die durchaus nicht immer als Kranke gelten können, mit zu vieler Sentimentalität und Milde behandeln, so daß diese Leute in ihren Neigungen und in ihren lästerten Angewohnheiten eine gewisse Glorifizierung erblicken, daß nicht überall nach geordneten strengen Grundsätzen verfahren werde, daß in einzelnen Anstalten die Insassen selbst leicht zu dem Genuß von Spirituosen gelangen können, daß mehrere Anstalten unter der Verwaltung von Nichtärzten sich befinden, und daß dies im ärgsten Widerspruch mit dem immer proklamierten und hervorgehobenen Grundsatz steht, daß T. eine Krankheit sei (intemperance is a disease). Indessen sind die angeführten Thatsachen durchaus nicht geeignet, den Grundwert dieser Einrichtung, den hohen Nutzen derselben und ihre Nachahmungswürdigkeit zu diskreditieren. In England haben schon seit vielen Jahren ganz vornehmlich die Irrenärzte die Zweckmäßigkeit und die unentbehrliche Notwendigkeit solcher Anstalten hervorgehoben und verlangt. Privatasyle haben hier mehrfach schon seit Jahren existiert, und vielfältig ist hier die Frage erörtert worden, ob nach der bestehenden Gesetzgebung trunksüchtige Personen in Irrenanstalten aufgenommen werden dürfen. Aber auch hier war die Ansicht vorherrschend, daß zur Aufnahme und Behandlung von Gewohnheitstrinkern ganz besondere Anstalten vorhanden sein müßten, daß ihre Einschließung auf gesetzlichem Wege geregelt und bis auf ein Jahr ausgedehnt werden müßte. Ein 1880 auf die Dauer von zehn Jahren in Kraft getretenes Gesetz läßt jedoch nur Privatinstitute zu, und in diese können Personen freiwillig eintreten, wenn sie ihren Willen in einem schriftlichen Antrag erklärt haben, und wenn dieser Antrag von zwei angesehenen Bürgern, welche vor einem Friedensrichter bezeugen, daß der Antragsteller ein Gewohnheitstrinker sei, mit unterzeichnet worden. Diese Asyle dürfen nur auf eine besondere Lizenz hin errichtet werden, und wie die Irrenanstalten werden auch sie alljährlich von königlichen Beamten inspiziert. Auch in Deutschland hat man Trinkerasyle aus Privatmitteln errichtet. In sehr wirksamer Weise wird die T. bekämpft durch Beförderung der Verbreitung derjenigen Getränke, die einen Ersatz für den Branntwein gewähren: Begünstigung des Konsums von leichtem Wein und besonders von gutem, billigem Bier, von Kaffee und Thee. In England hat man von philanthropischer Seite große Kaffeehäuser für die arbeitenden Klassen errichtet. Ebenso wichtig ist die Förderung des körperlichen Wohls der arbeitenden Klassen durch Beschaffung billiger und gesunder Nahrungsmittel und menschenwürdiger Wohnung, die Stärkung des sittlichen Gefühls im Volk durch Hebung des Wissens und der Bildung vermittelst der Schule und der Kirche. Volksbibliotheken, belehrende Vorträge, Theater mit sittlicher Tendenz, Museen, Arbeitervereine erweisen sich mit der Verbreitung von gesunder Aufklärung als gute Waffen gegen den gemeinsamen Feind des Volksglücks, gegen die T. Vgl. Huß, Chronische Alkoholkrankheit (a. d. Schwed., Stockh. 1852); Baer, Der Alkoholismus (Berl. 1878); Monin, L'alcoolisme (Par. 1888); "Mitteilungen zur Bekämpfung der T." (hrsg. von Böhmert u. a., Leipz. 1889 ff.).

Trupial(Icterus Briss.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Stärlinge (Icteridae) und der Unterfamilie der Beutelstare (Icterinae), Vögel mit schlankem, fein zugespitztem, auf der Firste gerundetem, schneppenartig in das Stirngefieder eingreifendem, durch hohen Mundwinkel ausgezeichnetem Schnabel, ziemlich kräftigen, langzehigen Füßen mit hohen, stark gekrümmten Nägeln, ziemlich langen Flügeln, unter deren Schwingen die zweite die längste ist, langem, abgerundetem, seitlich stufig verkürztem Schwanz. Der Baltimorevogel (I. Baltimore L.), 20 cm lang, 30 cm breit, an Kopf, Hals, Kehle, Mantel, Schultern, Flügeln und den beiden mittelsten Schwanzfedern schwarz, an den Oberflügeldecken, dem Bürzel und den Oberschwanzdeckfedern und den übrigen Unterteilen feurig orange, auf den Flügeln mit breiten, weißen Querbinden, die äußern Schwanzfedern halb orange, halb schwarz; das Auge ist braun, Schnabel und Fuß grau. Er bewohnt die Oststaaten Nordamerikas, geht im Winter bis Westindien und Mittelamerika, lebt besonders an Flußufern, baut ein an Baumzweigen hängendes, sehr künstlich geflochtenes Nest und legt 4-6 blaßgraue, dunkler gefleckte und gestrichelte Eier. Ernährt sich im Frühjahr fast ausschließlich von Kerbtieren, aber im Sommer richtet er an Feigen und Maulbeeren oft großen Schaden an. Wegen seines angenehmen Gesangs hält man ihn viel im Käfig.


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