125.Der rettende Trompeter.
Die blutige Fackel des Bürgerkrieges hatte bereits dreimal über Wien aufgelodert, als der verhängnisvolle 6. Oktober 1848 über die Hauptstadt hereinbrach.
Damals lebten in Wien die aus Regensburg gebürtigen Mechaniker Johann Nepomuk und Leonhard Mälzel. Der Jüngere von ihnen, Leonhard, war ein großes musikalisches Genie und der Kaiser von Österreich hatte ihn schon im Jahre 1827 wegen seiner vielen auf das beste ausgeführten mechanischen Musikwerke zum „musikalischen Kammermaschinisten“ ernannt. DieBrüder Mälzel lebten in guten Verhältnissen und manches wertvolle Stück war in ihrer Wohnung zu finden. Was Wunder, daß unlautere Elemente der Revolution sich an ihrem Eigentum vergreifen wollten, gehörte doch der eine der Brüder, wie gesagt, zum kaiserlichen Hofstaat. Gruppenweis sammelten sich Leute an jenem verhängnisvollen Tage vor den Fenstern des Mälzelschen Hauses und immer lauter wurden die Drohungen gegen den Mann, der wegen seiner Anhänglichkeit an den Kaiser unbeliebt war. Zwar hatten die kaiserlichen Truppen schon die ganze Gegend eingeschlossen und Leonhard Mälzel hätte auf jeden Fall für seine Person Schutz gefunden, doch er fürchtete die Zerstörung seiner wertvollen Musikapparate. Immer mehr Volk sammelte sich, immer drohender wurde das Geschrei der Menge. Einige pochen an die Tür, andere wollen zu den Fenstern hereinklettern, da erscheint hinter den Gardinen die mächtige Gestalt eines kaiserlichen Trompeters in Paradeuniform und schmettert seine Fanfare über die vor Schreck gelähmte Menge. Alles stob auseinander und im Augenblick war die Umgebung des Mälzelschen Hauses wie ausgestorben. Denn wo ein kaiserlicher Trompeter war, mußte mindestens auch eine Eskadron Kürassiere zum Schutz des kaiserlich-musikalischen Kammermaschinisten untergebracht sein. Mälzel und seine großen Kunstwerke waren gerettet, gerettet durch einen künstlichen Trompeter, den Mälzel kurz vorher vollendet hatte. Dieser Trompeter ist heute im Münchener Museum zu sehen. Mittelst einer Kurbel werden starke Federn aufgezogen. Vor Beginn des Spieles hebt der Trompeter den rechten Arm, der das Instrument hält, in die Höhe, und 2 Blasbälge zwischen den Schultern sitzend, erzeugen, vom Laufwerk getrieben, den Wind.
Noch heute ist dieser mechanische Trompeter betriebsfähig und kann seine militärischen Signale, die einst ihm und seinem Meister das Dasein retteten, erklingen lassen. Es ist einer der wenigen, noch erhaltenen Automaten aus vergangener Zeit.