38.Seilschwebebahnen im Krieg.
Die niedliche Malerei einer Seilschwebebahn, die wir hier sehen, stammt aus einer technischen Handschrift, die sich in der Hofbibliothek in Wien befindet. Die Zeichnung ist in ihren Einzelheiten zwar nicht sehr genau, doch erkennen wir deutlich, wie der Mann einen Korb zu der Burg hinüberkurbelt. Seit jener Zeit findet man in kriegstechnischen Handschriften Seilschwebebahnen häufig dargestellt, um Geschütze oder Menschen über Flüsse oder Täler zu befördern. Auch zum Festungsbau wird die Seilschwebebahn schon imJahre 1592 verwendet, um die Erde auf größere Entfernungen wegzuschaffen.
Seilschwebebahn, Malerei von 1411.
Seilschwebebahn, Malerei von 1411.
Die erste Seilschwebebahn, von deren Ausführung wir wissen, wurde im Jahre 1644 in Danzig erbaut, als man innerhalb der Festung eine Bastei anlegte. Die nötige Erdmasse mußte vom außerhalb der Festung liegenden Bischhofsberg herangeschafft werden. Um die Anlage einer guten Fahrstraße und einer starken Brücke über den Festungsgraben zu ersparen, baute der leitende Ingenieur eine Seilbahn, die bei den Zeitgenossen großes Aufsehen erregte. Ein langes Seil „mit etlich hundert angehängten kleinen Eymerlein“ wurde auf Pfosten von der Bastei zum Bischofsberg hin- und hergeleitet. An den beiden Enden ging das Seil über große Scheiben, die von Pferden getrieben wurden. „Wie nun drei Männer bestellt waren, welche die Erdschollen auf dem Berge nach und nach in die Eimer füllten, so waren auch etliche andere in der Stadt, die solche im Laufe umstürzten und ausleerten, und so wurde der Berg oder dessen Erde ohne Wunderwerk versetzt.“ Man verkaufte damals in Danzig sogar einen großen Kupferstich, der diese Anlage in allen Einzelheiten zeigte. In der Danziger Stadtbibliothek wird noch heute ein langes Lobgedicht auf diese Bahn aufbewahrt.
Die Erfindung vonDrahtseil-Schwebebahnen gebührt dem Bergassessor von Dücker. Die erste große Ausführung wurde dadurch wenig bekannt, daß sie im Auftrag des Staates nach dem deutsch-französischen Krieg zu den Festungsbauten bei Metz erbaut wurde. Erst vor einigen Jahren konnte ich die Erfindung aus den Akten der Fortifikation zu Metz veröffentlichen.