43.Ein Nitro-Sprengstoff im Mittelalter.
In den beiden deutschen Reichspatenten Nr. 12122 und 39511 aus den Jahren 1880 und 1886 werden Verfahren zur Herstellung eines Explosivstoffes angegeben, wie sie schon 4½ Jahrhunderte vorher bei den deutschen Kriegsfeuerwerkern bekannt waren. Es handelt sich um einen wirksamen Sprengstoff, wie wir ihn jetzt im Dynamit verwenden.
Wer diesen Sprengstoff im Mittelalter erfand, wissen wir nicht. Vielleicht war es ein Büchsenmeisternamens Abraham, der im Jahre 1422 zu Herzog IV. von Österreich in den Dienst trat. Das alte Rezept ist in dem sogenannten „Feuerwerksbuch“ jener Zeit niedergeschrieben. Dieses Buch war damals einem jeden Artilleristen bekannt.
Es ist überaus auffallend, daß die Vorschrift zur Herstellung dieser mittelalterlichen Dynamitart sogar wortgetreu in andere Werke überging, daß aber niemand soviel Einsicht hatte, um die ungeheure Wirkung dieses Nitrosprengstoffes zu erkennen. Wäre die Erfindung damals, als selbst die Schießpulverbereitung noch in primitivster Form betrieben wurde, verfolgt worden, dann hätten sich daraus für die Menschheit Umwälzungen ergeben müssen, denen gegenüber die Umwälzungen, die uns das Schießpulver brachte, verschwindend klein erscheinen müssen.
So aber ruhte dieses gewaltige Rezept, verborgen in alten Handschriften, bis auf unsere Tage.
Erst Sobrero entdeckte 1846 ein ähnliches Produkt, das Nitroglyzerin. Zwanzig Jahre nachher tränkte Alfred Nobel Infusorienerde mit diesem Sprengstoff und erhielt somit das Dynamit.