48.Granatierer — Grenadiere.
Granatenwerfer, Holzschnitt von 1561.
Granatenwerfer, Holzschnitt von 1561.
Handgranaten waren bereits im 15. Jahrhundert, wie eine im Hofmuseum zu Wien befindliche Handschrift berichtet, den deutschen Heeren bekannt. Sie bestanden aus zwei hölzernen Halbkugeln, die mit Pulver und „Schifferstein“ angefüllt waren. Irdene Handgranaten beschrieb 1559 der berühmte Kriegstechniker Reinhard v. Solms, und zwei Jahre später zeigte Brechtel in einem Holzschnitt, wie man die Granaten mit der Hand werfen mußte. Daß die Sprödigkeit der Granatenhülle für die Wirkung der Handgeschosse von besonderem Werte sei, berichtet zuerst Boillot im Jahre 1598; er wußte allerdings kein anderes Material als sprödes Glockenmetall zu empfehlen. Ums Jahr 1600 bildete Sebastian Hälle Handgranaten mit Fallzündern ab. Graf Johannv. Nassau beschrieb im Jahre 1610 die Herstellung der Handgranaten zum ersten Male eingehend. Er erzählt, daß die am meisten angewandte Art die Größe eines Granatapfels habe, und daß man deshalb den Geschossen ihren Namen gegeben habe. Das Gewicht seiner Handgranaten schwankte zwischen 1,5 und 3 Pfund. Als Material kamen bei ihm Eisen, Bronze oder Glas zur Verwendung. Vor dem Wurf wurde die Brandröhre entzündet und krepierte, wenn der Zündsatz verbrannt war. Eine zweite Art, die Johannv. Nassau beschrieb, entzündete sich beim Aufschlagen auf die Erde. Die Granatenwerfer, ehemals „Granatierer“ genannt, waren meist freiwillige Musketiere. Sie trugen im Tornister zehn Handgranaten und eine Lunte. Als Waffe trugen sie eine Pistole. „Oft werden die Granatierer von ihren eigenen Granaten gesprengt, und an diesem gemeinen Unheil und miserablen Verstümmelungen der Menschen“ seien meistens die Feuerwerker schuld, so berichtet Michael Mieth, einer der bedeutendsten Artilleristen des 17. Jahrhunderts. Mieth war wohl der erste, der das Werfen der Handgranaten aus kleinen, tragbaren Mörsern empfahl. Am 22. Oktober 1711 zeigte der berühmte Mechaniker Gärtner aus Dresden Peter dem Großen auf der Durchreise nach Karlsbad einen Granatenwerfer, der auf eine Entfernung von 1300 Schritt Granaten schleuderte. Der Vorteil dieser Maschine war der, daß man sie „als eine Flinte“ auf der Schulter tragen konnte. In Preußen schieden die letzten Handgranaten 1885 aus; der russisch-japanische Krieg brachte der alten Waffe wieder neue Anerkennung.