55.Die erste Flaschenpost.

55.Die erste Flaschenpost.

Ist ein Schiff auf See in Gefahr, dann wirft man eine gutverschlossene Blechbüchse oder Flasche, in der sich die Nachricht von den letzten Schicksalen der Besatzung befindet, ins Meer. Auch in diesem gegenwärtigen Weltkriege haben einzelne solcher Flaschenposten uns Nachrichten von untergegangenen Schiffen gebracht. Manches Mal dauert es Jahre, ehe eine Flaschenpost angetrieben oder aufgefunden wird. Bisher nahm man stets an, die Erfindung dieses eigenartigen Verkehrsmittels sei jüngeren Datums.

Doch schon in den Tagebüchern des Kolumbus, des Entdeckers von Amerika, finden wir hierüber eine Nachricht. Als der große Seefahrer auf der Rückreise von seiner glücklichen Entdeckung in der Nacht vom 14. zum 15. Februar 1493 einen schweren Sturm zu bestehen hatte, glaubte er, die letzte Stunde seines kleinen Schiffes sei gekommen. Er verschloß deshalb eine kurze aber genaue Nachricht des Entdeckungsweges in ein kleines Faß, verpichte es und warf es über Bord. Diese erste Seepost kam nie an, wohl aber der kühne Seefahrer. Wären beide verschollen geblieben, wer weiß, ob so bald einer wieder den Wagemut besessen hätte, die kühne Fahrt zu unternehmen.

Fast 300 Jahre dachte niemand mehr an eine solche Seepost. Da schlug man im Jahre 1784 schwimmende Flaschen vor, um die Meeresströmungen kennen zu lernen. Und am 17. August 1786 wurde die erste genau bezeichnete Flasche im Golf von Biscaya in Spanien ausgeworfen; sie landete am 9. Mai 1787 an der Küste der Normandie in Frankreich.


Back to IndexNext