67.Ein unsanfter Wecker.

67.Ein unsanfter Wecker.

In unserem Bildchen, einer flüchtigen Handskizze von Leonardo, wird jeder vergebens nach einer Weckuhr suchen; und doch ist sie da.

Leonardo vermerkt zu seiner Skizze: „Dies ist eine Uhr für solche anwendbar, die in der Verwendung ihrer Zeit geizig sind. Und sie wirkt so: wenn der Wassertrichter so viel Wasser in das Gefäßefließen ließ, wie in der anderen Wagschale ist, gießt diese, indem sie sich hebt, ihr Wasser in das erstgenannte Gefäß. Dieses hebt, indem es sein Gewicht (dadurch) verdoppelt, mit Gewalt die Füße des Schlafenden, dieser richtet sich auf und geht seinen Geschäften nach.“

Der erwähnte Buchstabe „e“ ist in der sehr vergilbten Zeichnung schwer zu erkennen. Rechts sehen wir einen Menschen im Bett liegend. Einige Schritte vom Fußende des Bettes entfernt, steht ein hohes hölzernes Gestell, das ein Wassergefäß trägt. Aus diesem läuft über Nacht das Wasser ganz langsam in die darunter befindliche Schalee. Diese Schale sitzt an einem röhrenförmigen Hebel, der seinen Drehpunkt an dem hohen Gestell hat. Nahe an dem Fußende des Bettes erweitert sich der rohrförmige Hebel zu einem flachen Wassergefäß. Über diesem und dem Wassergefäß auf dem hohen Gestell, sowie auch über dem runden Wassergefäß am andern Ende des Hebels, liest man jedesmal das Wort „Wasser“, von Leonardos Hand geschrieben. Sobald das runde Wassergefäß sein Übergewicht bekommt, senkt es sich. Dadurch hebt sich das flache Wassergefäß ein wenig, und es schüttet seinen Inhaltschnell durch den rohrförmigen Hebel in das runde Wassergefäß. Wer sich mit dieser Weckvorrichtung zu Bett begibt, muß seine Füße abends in eine Schlinge legen, die an dem Hebel befestigt ist. Durch den Ruck, den das plötzlich ausstürzende Wasser erzeugt, wird der Schläfer wohl wach werden.

Weck-Maschine, um 1500.

Weck-Maschine, um 1500.

Diese Weckvorrichtung ist mehr originell als praktisch. Vom technischen Standpunkte aus ist sie aber sehr interessant, weil sie uns wohl zum ersten Male den Grundgedanken verrät, auf dem unsere sogenannten „mechanischen Relais“ oder „Krafteinschalter“ beruhen. Es sind dies Mechanismen, bei denen durch geringe Kraft eine leicht bewegliche Steuerung so umgeschaltet wird, daß jetzt eine große Kraft hinzukommt, die die eigentliche Bewegung ausführt.


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