Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.
Vorbemerkung zur zweiten Auflage.
Michael Faraday’s»Naturgeschichte einer Kerze« wird hiermit der jungen Leserwelt in einer neuen Auflage übergeben. Gern willigte der Unterzeichnete ein, die ihm von der Verlagshandlung angetragene Herausgabe zu übernehmen, welche der ursprüngliche Übersetzer zu besorgen nicht in der Lage war. Selbstverständlich wurde der Text einer sorgfältigen Durchsicht, insbesondere einer Vergleichung mit dem englischen Original unterworfen, wobei ziemlich vielfache Abänderungen nötig waren. Die frische, lebendige und, man darf wohl sagen naive DarstellungsweiseFaraday’ssuchte man überall so getreu als möglich wiederzugeben. Ganz streng ließ sich freilich die Anlehnung an das Original nicht immer durchführen.Faradayhat seine Vorträge nicht niedergeschrieben, sondern frei gehalten, und das Büchlein verdankt seine Entstehung den raschen Aufzeichnungen eines Zuhörers. Dieser Ursprung gibt sich vielfach sehr vorteilhaft zu erkennen; zuweilen aber hatte erauch offenbare Unklarheiten zur Folge, und in solchen Fällen hielt es der Herausgeber für seine Pflicht, die verbessernde Hand an das ihm sonst als unverletzlich geltende Original zu legen. Hier und da wurde auch eine knappe erläuternde Anmerkung angebracht.
Das vorangestellte kurze LebensbildFaraday’swird von den jugendlichen Lesern, für welche ja immer das Persönliche von besonderem Interesse ist, nicht ungern entgegengenommen werden. Die seltenen Charaktereigenschaften des Mannes, welche seiner hohen wissenschaftlichen Bedeutung würdig zur Seite stehen, machen ihn zu einem wahren Vorbilde für die Jugend, und die Mitteilung seines Entwickelungsganges erschien daher auch vom pädagogischen Standpunkte aus gerechtfertigt. Als Quelle dienten hauptsächlich die pietätvollen Aufzeichnungen überFaraday, welche von seinem jüngeren FreundeTyndallherausgegeben worden sind[1], und welche außer einer Fülle von persönlichen Erinnerungen einen wahren Schatz von brieflichen Aufzeichnungen aus der Feder des großen Mannes selbst enthalten. – Auch das BildnisFaraday’s, dessen ausdrucksvolle Züge das innere Feuer und die wahre Herzensgüte, welche in seiner Seele neben einander wohnten, so getreulich widerspiegeln, ist eine Bereicherung der neuen Auflage.
Übrigens sei das Büchlein nicht nur der Jugend, sondern auch den Eltern und ganz besonders den Lehrern empfohlen. Die letzteren werden sowohl in der Darstellung als auch in den oft mit so einfachen Mitteln angestellten Versuchen manchen wertvollen Fingerzeig finden.
Chur, im September 1883.
Richard Meyer.