Chapter 25

Kakallefestzug beim Unyagoschlußtag.

Kakallefestzug beim Unyagoschlußtag.

Für die Knaben erreicht das Lupanda seinen Höhepunkt erst mit dem Schlußfest. Die Vorbereitungen dazu sind auf beiden Seiten groß: im Walde werden die Wari von ihren Mentoren durch Rasieren des Kopfes, Bad, Neueinkleidung und Salben mit Öl erst wieder in einen menschenwürdigen Zustand versetzt, im Festdorf aber beginnen die Mütter bereits lange vor dem festgesetzten Termin, große Mengen Bier zu brauen und noch größere Haufen von Festgerichten vorzubereiten. Und ist der große Tag endlich gekommen, dann zieht es heran; hei, wie glänzen der glattrasierte Kopf, das Gesicht und der Nacken in der strahlenden Tropensonne vom triefenden Öl, wie stolz schreiten die kleinen Männer in ihren neuen Prunkgewändern einher, und mitwelch sicherem Takt schwingen sie in der Rechten die Kakalle, jene uns bekannten Rasselstäbe! Rechts und links hat sich die Mauer der erwartungsfrohen Erwachsenen aufgebaut. Immer lauter, immer gellender durchzittert der schwirrende Frauentriller den weiten Festplatz; dort setzt auch schon die Trommelkapelle mit ihren aufregenden Takten ein; aus rauhen Männerkehlen erschallen die ersten Takte eines Ngomenliedes, kurz alles entwickelt sich herrlich, urecht afrikanisch.

Die Neger sind Menschen wie wir anderen auch, ihr Tun und Trachten ist demnach auch ebenso vielfachen Veränderungen unterworfen wie anderswo. Von meinem mehr als einmonatigen Newalaaufenthalt habe ich einen unverhältnismäßig großen Teil auf die Festlegung des typischen Verlaufs aller dieser Feste verwandt. Das ist eine Heidenarbeit gewesen; wollte ich ganz klug sein und bestellte mir meine Gelehrten nach Stämmen geordnet, so durfte ich sicher sein, daß die paar alten Herren wenig oder gar nichts sagten; des Negers Intellekt scheint sich nur dann betätigen zu können, wenn er im Kreise vieler Männer durch scharfe Rede und Gegenrede gereizt und geweckt wird. So habe ich denn stets von neuem auf mein ursprüngliches Verfahren zurückgreifen müssen, den gesamten Senat der Wissenden, rund 15 alte Herren, Yao, Makua, Makonde bunt durcheinander, zu meinen Füßen zu versammeln. Dies hat mir zwar insofern geholfen, als nunmehr stets eine rege Diskussion entstand, doch wie schwer ist es mir geworden, nun das eine Volkstum vom anderen scharf zu trennen! Dennoch ist mir die Aufgabe, wie ich sagen zu dürfen glaube, mit viel Glück und einigem Geschick soweit gelungen, daß nunmehr wenigstens eine Art Leitfaden über diese Dinge gegeben ist. Die sicher bestehenden kleinen Lücken auszufüllen und die zweifellos vorhandenen Ungenauigkeiten zu berichtigen, überlasse ich getrost meinen Nachfolgern.

Noch eins: in seinem Gesamtumfang und für alle drei genannten Völkerschaften durchgeführt, nimmt das Studium der Mannbarkeitsfestein meinen Aufzeichnungen einen solchen Raum ein, daß ich mir ihre Wiedergabe hier versagen muß; sie würde ganze Druckbogen für sich allein beanspruchen. Auch noch zwei andere Momente treten herzu. Was ich von dem Unyago mit eigenen Augen gesehen, habe ich unverkürzt wiedererzählt, mit jener Milieustimmung gleichzeitig, die nur das eigene Erleben hervorzuzaubern vermag. Aber jene Szenen in Akuchikomu, Niuchi und Mangupa sind nur winzige Teile aus dem ungeheuer umfangreichen Festkalender, wie ihn das Mädchen-Unyago in Wirklichkeit darstellt; über den ganzen übrigen großen Rest vermag ich nur das zu berichten, was ich meinen Gewährsleuten verdanke. Nun aber bringt jedes Referat leicht das Odium des Trocknen und Langweiligen mit sich, und langweilig möchte ich um keinen Preis werden; lieber verweise ich jeden, den solche Sachen im einzelnen interessieren, auf das Werk, das ich vertrags- und pflichtgemäß über alle meine Taten hier im schwarzen Erdteil und ihre wissenschaftlichen Ergebnisse für das Kolonialamt zu schreiben habe.

Das letzte Moment liegt auf einem andern Gebiet. Der Neger ist in bezug auf sein Geschlechtsleben noch nicht im mindesten angekränkelt; alles was sich auf das Verhältnis zwischen den beiden Geschlechtern bezieht, ist ihm etwas ganz Natürliches, über das die Leute unter sich eine völlig freie Unterhaltung führen; höchstens daß man dem rassefremden Weißen gegenüber einige Zurückhaltung zeigt. Nun ist der sexuelle Einschlag beim Neger unstreitig sehr groß, ungleich größer als bei uns; es hieße zuviel gesagt, sein ganzes Dichten und Trachten drehe sich um diesen Punkt, aber ein sehr großer Teil entfällt ganz ohne Zweifel auf ihn. Dies tritt in offenkundigster Weise nicht nur im Unyago selbst, sondern auch in der mir gewordenen Darstellung zutage; es geht dort sehr natürlich zu. Wie die Dinge bei uns als Folge der bei uns beliebten Erziehung nun einmal liegen, ist für solch „heikle“ Sachen gerade noch in der allerstrengsten wissenschaftlichen Darstellung Platz; für jeden andern Zweck muß man sich ihre Wiedergabe versagen. Um es nochmals zu betonen, nichtaus Rücksicht auf den Gegenstand selbst, sondern lediglich auf das irregeleitete Gefühl des Publikums. Traurig, aber wahr!

Von allen Völkerschaften des Südens von Deutsch-Ostafrika scheinen die Yao nicht nur die fortschrittlichsten, sondern auch die phantasielosesten, nüchternsten zu sein; ihre Mannbarkeitsfeste sind tatsächlich sehr einfache Formalitäten gegenüber denen der Makua und Makonde. Bei diesen geht es nicht ohne eine gewisse Theatralik ab; die Makua pflanzen mitten auf den Festplatz einen vielgegabelten Baumast von ganz bestimmten Eigenschaften. Er ist von den Männern unter Absingung eines Liedes aus dem Pori geholt worden; in langem Zuge wird er in den Festhüttenring getragen. Dort steht schon der Leiter des Festes in der Pose eines Oberpriesters. Unter seinen Händen muß ein Huhn sein Leben lassen; in eine bereitgehaltene Schale fließt dessen Blut. In einer andern Schale wird Holzkohle zu Pulver gerieben, in einer dritten Schale roter Ton gleichfalls zerstoßen; rot-schwarz-rot wird mit allen drei Ingredienzien sodann jener vielgegabelte Baumast geringelt. An einer Stelle haben inzwischen Männer ein Loch gegraben; in dieses legt man ein Amulett aus zusammengebundenen Baumrindenstücken, füllt das Loch wieder zu und wirft über ihm einen kleinen Hügel auf. Auf diesen pflanzt man jenen Lupanda genannten Baumast. Und noch ein anderer Hügel wird aufgeworfen; er wie auch jener erste waren in dem Hüttenring von Akundonde noch sehr wohl zu erkennen. Dieser andere Hügel ist der Platz für den vornehmsten der Unyagoknaben. Um diesen herum gruppieren sich die anderen, minder vornehmen; alle aber sitzen dabei auf Baumstümpfen, die, wenn auch nur einiger Schönheitssinn bei dem Festleiter vorwaltet, genau in der Form jener beiden konzentrischen Kreise angeordnet werden, wie ich sie bei Chingulungulu im Pori sah. „Der Cromlech der Tropen!“ ist es mir damals durch den Sinn gefahren, als ich vor dieser typischen „Steinsetzung“ stand, und auch heute noch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß zwischen unseren vorgeschichtlichen Steinsetzungen und diesem Systemvon Baumstümpfen eine Ähnlichkeit nicht bloß der Form nach besteht, sondern daß die Verwandtschaft sich vielleicht sogar auf die Zwecke erstreckt. Wenn ein großer Teil unserer neolithischen Megalithen wirklich Kult- und Versammlungszwecken gedient hat, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch unsere Altvordern auf diesen ehrwürdigen Steinen Platz genommen haben sollten; auch der Neger würde auf Holzsitze verzichten, wenn ihm hierzulande Stein zur Verfügung stände.

Wäre ich ein Phantast, so könnte ich heute mit leichter Mühe den Nachweis führen, daß die Makonde Feueranbeter seien! Kaum haben die Männer ihr Likumbi gebaut, d. h. eine Hütte von der Art, wie wir sie in Mangupa kennen gelernt haben, so zerstreuen sich allesamt im Busch, um Medizin zu holen. Am Abend desselbigen Tages geben sie die gesammelten Wurzeln einem alten Weibe zum Zerstampfen im Mörser. Den erhaltenen Brei streicht der Mŭnchirắ, der Oberpriester, nunmehr fünf bis sechs Männern tupfenweise auf den Arm; dann sitzt man tatenlos bis in die Mitte der Nacht. Jetzt beginnt der Munchira zu trommeln, unheimlich dröhnt der dumpfe Ton des Instruments durch die dunkle Tropennacht. Alles strömt aus den Hütten zusammen, groß und klein; man schießt und tanzt ohne Unterbrechung, bis zum nächsten Nachmittag; dann findet die Verteilung der Geschenke untereinander und an die Mentoren der Knaben statt. Darauf große Festrede des Munchira: die sechs Männer seien geweiht; wenn sie es sich einfallen ließen, zu stehlen oder zu rauben oder sich mit den Frauen der anderen einzulassen, so dürfe ihnen niemand etwas tun, die Männer seien sakrosankt. Die sechs aber verpflichtet er, von nun ab drei Monate lang alle Mitternacht die Trommel zu schlagen.

Sind die drei Monate herum, so beginnt ein reges Leben im Dorf; Männer gehen in das Pori, um trocknes Holz zu sammeln, abends tragen sie es unter vollkommenem Stillschweigen auf den Festplatz nahe der Likumbihütte; die Frauen aber haben währendder Zeit ungeheure Mengen von Pombe bereitet; auch diese findet ihren Weg zur Likumbi. In dieser Hütte steht ein Deckelkorb, Chihēro mit Namen, klein und rund; in ihm ist Medizin. In diesen Chihero und auf die Medizin spuckt jeder der Brennholzsammler ein weniges von der Festpombe. Neben dem Chihero aber steht die Alte, welche die Medizin im Mörser zerstampft hat; diese hebt den Chihero nunmehr auf ihren Kopf, ergreift das Ende einer langen, eigens für das Fest gekauften Zeugbahn mit den Händen und verläßt feierlichen Schrittes die Hütte, das Zeug hinter sich schleifend. Schnell ergreift es der erste der Brennholzsucher, damit es den Boden nicht berühre; ein zweiter folgt seinem Tun, desgleichen ein dritter und vierter. Schließlich schwebt das langgestreckte Stoffstück über der Erde dahin wie von Pagen getragen. Vorne neben der Frau schreitet der Munchira. Man umzieht die Festhütte. Ist der Umzug vollendet, so nimmt der Munchira den Anfang der Zeugbahn und wickelt ihn um den Chihero. Diesen hält er jetzt an das rechte Ohr; ein kurzes Verweilen; er setzt ihn auf die Schulter, wiederum einen Augenblick lang; der Korb wandert auf die Hüfte, aufs Knie, endlich auf die Außenseite des Fußknöchels. Zum Schluß nimmt der Würdige Zeug samt Chihero als wohlverdientes Honorar an sich.

Maskentanz beim Mädchen-Unyago in Niuchi.⇒GRÖSSERES BILD

Maskentanz beim Mädchen-Unyago in Niuchi.⇒GRÖSSERES BILD

⇒GRÖSSERES BILD

Und wieder ist es Nacht; im schwachen Licht der letzten Mondsichel ist der Umriß des großen Holzstoßes noch eben zu erkennen. Mitternacht ist um etwa eine Stunde vorbei, da erhebt sich aus dem Kreise der in Schlafmatten gewickelten Gestalten eine lange, hagere Figur. Unhörbar schleicht sie auf den Holzstoß zu, ein Feuerchen blitzt auf, um alsbald auch schon wieder zu verschwinden. Doch bald knistert es von neuem; größer und größer wird die Flamme, von ihrem Erzeuger mit rhythmischem Fächerschwung angefacht. Jetzt erkennen wir die Gestalt, es ist der Munchira. Schon nach wenigen Minuten ist der ganze, große Stoß ein einziges Flammenmeer; zitternd huschen seine Reflexe über die glänzenden Gesichter der das Feuer im Kreis umstehenden Männer. Nun hat das Feuer seinen Höhepunkterreicht. Eilenden Schrittes umkreist es der Munchira; das Gesicht zum Feuer gewandt, läßt er die folgenden Worte dem Munde entströmen: „Laß die Wunden der Knaben schnell und schmerzlos heilen, den Häuptling aber, der diesmal das Likumbi feiert, laß recht viel Freude an den Knaben erleben.“ Dabei bindet er einen weißen Lappen an eine Stange und fächelt das Feuer mit großen Schlägen; die Männer aber umstehen das verglimmende Feuer bis zum hellen Morgen.

Das Feuer als Mittelpunkt einer für das gesamte soziale Leben so einschneidenden Veranstaltung, wie sie die Feier der Pubertät bei diesen Völkern des Südens darstellt, ist meines Wissens etwas im Völkerleben Afrikas ganz Alleinstehendes und Vereinzeltes. Liegt hier ein wirklicher Feuerkult vor, oder ist Rundgang und Ansprache auch nur noch ein letztes, unbewußtes Überlebsel einer solchen uralten Verehrung des lohenden Elementes? Ich weiß es nicht und bin, offen gestanden, auch ganz außerstande, diese Frage ihrer Beantwortung näher zu bringen; von der Hand weisen darf man die Möglichkeit einer ehemaligen Feueranbetung beim Negera priorinicht, dazu wissen wir noch viel zu wenig von seiner Kulturentwicklung. Daß noch manche ethnologische Überraschung zu erwarten ist, dafür sind ja meine eigenen reichen Ergebnisse der beste Beleg.

Beim männlichen Geschlecht ist die Hinübernahme aus dem Kindesalter in die Klasse der vollberechtigten Männer eine zwar langdauernde Periode, dabei jedoch ein einziger, in sich geschlossener Übergang; eine Erinnerung an die gemeinsam verlebte Fest- und Leidenszeit bleibt den Männern fernerhin lediglich in einer selbstgewählten, freien Organisation, die man passend mit dem Namen Altersklassen bezeichnet: die einzelnen Unyagojahrgänge halten unter sich zusammen, bis der Tod die einzelnen scheidet. Doch dieses Zusammenhalten muß man sich ins Afrikanische übersetzt denken; es ist kein Verein und kein Klub und keine Verbindung; die alten Freunde wohnen lediglich beieinander, wenn auf der Reise einer in des andern Dorf kommt; sonst nichts.Geheimbünde spielen hier im Osten bewußt nicht mehr in das Wesen der Altersklassen hinein, ganz im Gegensatz zu Westafrika, wo beides Hand in Hand geht, sich gegenseitig genetisch bedingt und wo beides dann seinen äußeren Ausdruck findet in großen Geheimbundsfesten mit Maskentänzen und andern geheimnisvollen, auf das Erschrecken der männlichen Nichtmitglieder des Bundes und der Frauen gerichteten Zutaten. Hier auf dem Makondeplateau treten gegenwärtig alle drei Erscheinungen: die Altersklassen, die Feste und die Maskentänze nur in sehr lockerem Zusammenhang miteinander auf; gleichwohl spricht alles dafür, daß der Maskentanz der Makonde von heute ursprünglich ebenso der Ausfluß eines längst vergessenen Geheimbundwesens gewesen ist wie die ganz analogen Erscheinungen der Neger von Kamerun, Oberguinea und Loango. Auf diesem Gebiete der afrikanischen Völkerkunde wird noch manche harte Nuß zu knacken sein.

Das Unyago des jungen Mädchens ist eine wahre Stufenleiter von Kursen. Ich betone absichtlich das Wort Kursus, denn tatsächlich besteht hier nichts, was an einen chirurgischen Eingriff erinnert, mit nur einer einzigen Ausnahme, bei den Makuamädchen nämlich. Eine allen Stämmen gemeinsame Einrichtung ist es, daß auch jedes Mädchen beizeiten ihre Führerin durch das Unyago bekommt, eine Freundin gleichzeitig für das ganze Leben. Unter der Leitung dieser älteren Frauen und Mädchen macht die Schar der Novizen zunächst einen Lehrgang durch, der inhaltlich ganz dem der Knaben entspricht: die Kinder werden rückhaltlos über alle Geschlechtsverhältnisse aufgeklärt und müssen alles lernen, was sich auf das spätere Eheleben bezieht; dazu müssen sie auch lernen, was die Sitte im Verkehr mit den Stammesgenossen und vor allem mit den Familienmitgliedern vorschreibt. Das ist bei Yao, Makonde und Matambwe einstweilen alles; für die Makua tritt noch ein anderes hinzu: bei ihnen erfolgt wirklich eine Art körperlicher Eingriff. Ich habe es zunächst nicht glauben wollen, bis ich mich schließlich durch mehrfachen Augenschein habe überzeugen können: ganz systematisch müssen die heranwachsenden Mädchendielabia minoraverlängern bis zur Größe von 7 bis 8 und mehr Zentimetern. Der Endzweck der ganzen Maßnahme ist erotischer Natur. Auch bei den andern Stämmen ist nach meinen Gewährsmännern diese merkwürdige Sitte im Schwange, doch ist es mir bisher noch nicht gelungen, sie bei Anhörigen von ihnen zu Gesicht zu bekommen. Schon bei den Makuafrauen war dies schwer genug; erst durch die geschickte Ausnutzung der Lage habe ich Erfolg gehabt. In Newala verbüßten ein paar Frauen eine Art Schuldhaft; ihre Männer waren die Hüttensteuer schuldig geblieben, die nun von den Frauen abgearbeitet wurde. Ich erbot mich, die wenigen Rupien in bar zu erlegen gegen das Recht, die beiden Individuen „im Naturzustande“ photographieren zu dürfen. Zunächst gingen beide unter Lachen auf den Handel ein, später aber wurden sie schamhaft; ich habe sie schließlich noch im frühen Morgennebel in unserer dunkeln Barasa auf die Platte bannen müssen.

Eröffnungs- und Schlußfest begleiten auch diesen ersten Unyagokursus der Mädchen. Daß es dabei ebenfalls hoch hergeht, habe ich an allen drei Orten, wo ich das Chiputu oder Echiputu durch meine Gegenwart zu verherrlichen Gelegenheit gehabt habe, persönlich verfolgen können. Der Durst ist bei dem vielen Tanzen erklärlich!

Knabe und Mädchen werden nun allmählich heiratsfähig; ich habe mich immer wieder bemüht, das Heiratsalter für beide Geschlechter wenigstens annähernd festzustellen, es ist mir jedoch nicht recht gelungen. Die Individuen selbst sind, wenn man sie nach ihrem Alter fragt, stets ungeheuer erstaunt über eine solche Frage — wie soll ich wissen, wie alt ich bin? will der Blick, mit dem sie den Frager messen, bedeuten —, den Angehörigen aber ist das Alter der Familienglieder ganz gleichgültig. Im allgemeinen wird sehr früh geheiratet; der beste Beleg dafür sind die noch recht jungen Mütter, die sich in jeder größeren Volksversammlung vorfinden, blutjunge Dinger, meist nicht viel weiter entwickelt als unsere Konfirmandinnen. Nach Matola ist früher die Massanjeheirat sehr häufig gewesen; beiihr wurden schon ganz junge Kinder von 5 bis 7 Jahren miteinander verbunden; man baute ihnen Hütten, in denen sie wohnen mußten. Ab und zu soll diese Einrichtung auch heute noch vorkommen. Nach demselben Gewährsmann herrscht sodann allgemein der Brauch, daß, wenn eine Frau geboren hat, während ihre Nachbarin dem freudigen Ereignis erst noch entgegensieht, jene erste sagt: „Ich habe einen Sohn; bekommst du eine Tochter, so sollen die beiden einander heiraten“, oder aber: „Ich habe eine Tochter, bekommst du einen Sohn, so sollen die beiden einander heiraten.“ Dies geschieht denn auch.

Der Neger ist ein Bauer, nicht nur seinem Berufe nach, sondern auch, wenn er auf die Freite zu gehen sich anschickt; auf keinem anderen Gebiet ist die Gesinnungsverwandtschaft mit unserem Landvolk tatsächlich so verblüffend wie gerade bei dem wichtigen Geschäfte der Werbung. Um es kurz auszudrücken: der verliebte Negerjüngling ist zu schüchtern, um durch eine kühne Tat sein Glück selbst zu schmieden, er benötigt dazu eines Freiwerbers; ganz wie unsere ländlichen Heiratskandidaten auch. Die gegebene Persönlichkeit für dieses Amt ist der eigene Vater; dieser macht unter irgendeinem Vorwand bei den Eltern der präsumtiven Braut seinen Besuch und bringt im Laufe der Unterhaltung das Gespräch auf die Heiratspläne seines Sprößlings. Geht die Gegenpartei auf die Angelegenheit ein, so ist sie auch bald zu einem befriedigenden Abschluß geführt, sofern nämlich auch die Maid einverstanden ist. Die jungen Mädchen sind in Wirklichkeit durchaus nicht in dem Maße bloß Sache, wie wir anzunehmen geneigt sein möchten, sondern sie wollen sehr wohl um ihre Zustimmung angegangen sein, und mancher schöne Heiratsplan zerschlägt sich lediglich aus dem Grunde, weil die junge Dame einen andern liebt. Auch in dieser Beziehung besteht also nicht der mindeste Unterschied zwischen Weiß und Schwarz. Selbstverständlich sind nicht alle Negermädchen Heldinnen des Willlens und der Standhaftigkeit; so manche läßt sich überreden, statt des heimlich geliebten jungen Stammesgenossen einen ihr gleichgültigen alten Herrn zu nehmen; dann läuft sie jedoch, wie das auch anderswovorkommen soll, Gefahr, von den Gespielen aufgezogen zu werden. Der „junge“ alte Ehemann aber darf ziemlich sicher sein, daß nicht er es allein ist, der die Gunst seiner jungen Frau genießt.

Die Heirat ist ein Geschäft, so denkt der Neger, ganz im Sinne seiner sonstigen Psyche; der Kontrakt gilt denn auch erst in dem Moment als abgeschlossen, wo die beiderseitigen Väter sich über die Höhe des vom Bräutigam zu zahlenden Brautgeschenkes geeinigt haben. Die Leute hier im Süden sind arm, sie haben weder große Herden breitstirniger Rinder, noch auch blökendes Kleinvieh, der ganze Brautkauf, wenn das Wort überhaupt eine Berechtigung hätte, besteht demnach lediglich in der Überreichung einer nicht einmal großen Menge Zeugstoffes.

Ethnographisch viel anmutender als die soeben skizzierte Yaowerbung ist das Verfahren bei Makonde und Makua. Bei diesen treten zwar zunächst auch erst die beiden Väter einander näher, doch sind sie im Grunde genommen nur Vorpostenlinie; die eigentliche Hauptschlacht wird nachher von den Müttern geschlagen, denen entweder ihr ältester Bruder oder aber alle Brüder kräftig Sekundantendienste leisten. Aus dem hier noch in voller Blüte stehenden Mutter- oder Neffenrecht heraus ist die Zuziehung gerade dieser Elemente auch ganz erklärlich.

Von der Standhaftigkeit junger Negermädchen weiß übrigens Nils Knudsen eine nette, kleine Geschichte zu erzählen, in deren Mittelpunkt er sogar selbst als Held steht. In seiner langjährigen Vereinsamung auf Luisenfelde und im Verfolg seines vollkommenen Aufgehens im Volkstum der Wayao hatte sich der blonde Nils einstens auch ein schwarzes Weib genommen. Noch jetzt, nach Jahren, rühmte Knudsen die Tugenden dieser Chipiniträgerin; hübsch sei sie gewesen und häuslich und wirtschaftlich auch, einen ganz ausgezeichneten Ugali habe sie gemacht, und was es an Hausfrauentugenden im Busch noch mehr gibt. Da habe es das Schicksal einstmals gewollt, daß er, seiner Jagdleidenschaft frönend, an den Rovumagezogen sei; schon nach wenigen Tagen sei er aber heimgekehrt. Müde und abgespannt, mit dem breiten, pendelnden Seemannsschritt, den Nils sich noch aus seiner jäh abgebrochenen Schiffsjungenzeit bewahrt hat, schreitet er seiner primitiven Behausung im Angesicht des stolzen Herrenhauses zu; alles ist still, nichts rührt sich diesmal, im Gegensatz zu sonst, wo das schwarze Weibchen mit dem verschämten Lächeln, wie es eben nur der jungen Negermaid eigen ist, dem blonden Herrn und Gebieter freudig entgegenschritt. Immer noch ahnungslos betritt der Jäger die Küche, den gewohnten Aufenthaltsort der stets Fleißigen; sie ist leer; ebenso das Schlafgemach; desgleichen der Wohnraum mit seiner mehr als dürftigen Ausstattung. Deren Hauptstück ist, wie in jedem afrikanischen Haushalt, der Tisch; auf ihn fallen unwillkürlich die Blicke des Suchenden, und hier findet er endlich auch ein Lebenszeichen und zugleich die Aufklärung über das Vorgefallene. Ein wirres Knäuel ist es, von derber Bastschnur, aber sie ist bis zum Übermaß verknotet. Nils Knudsen hat später die Knoten gezählt; ihrer siebzig sind es gewesen; die Bedeutung des Ganzen war nach den Erklärungen der Stammesweisen: „Siehe, mich haben meine Verwandten von dannen geführt; sie sehen es nicht gern, daß ich mit dem weißen Mann zusammenlebe; ich soll einen schwarzen Mann heiraten, der weit drüben jenseits des Rovuma wohnt. Aber selbst wenn ich so viele Jahre alt werden sollte, wie der Faden Knoten zeigt, ich nehme den schwarzen Mann nicht, sondern bleibe dir, dem Weißen, treu.“ So lautete Nils Knudsens Erzählung; teils mit Rührung, teils mit dem Stolz umworbener Männer schloß er daran die fernere Mitteilung, daß das Mädchen seinen Schwur tatsächlich halte; es säße weit im Innern von Portugiesisch-Ostafrika, ganz in der Nähe des ihm bestimmten Mannes, doch selbst der härteste Druck seiner Verwandten sei nicht imstande, seinen starken Sinn zu beugen. — „Die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn!“

Sehr nüchtern ist die Negerhochzeit; fast könnte man sagen, sie existiert gar nicht. Verlobung und Hochzeit, wenn man so sagendarf, fallen zeitlich zusammen, denn sobald der Heiratskandidat die Zustimmung der maßgebenden Faktoren erlangt hat, besteht keinerlei Hindernis mehr für das Zusammenziehen des Pärchens; höchstens, daß erst eine neue Wohnhütte für die jungen Leute errichtet werden muß. Und wenn diese bezogen ist, dann beginnt jener für das Empfinden von uns schlechten Europäern so seltsame Schwiegermutterdienst, von dem ich früher bereits gesprochen und geschwärmt habe. Kommt, laßt uns in uns gehen, auf daß wir uns bessern! Dann würden wir doch in einer Beziehung die Kulturhöhe des Negers erklimmen!

Nun aber setzt das Kapitel der gegenseitigen Heiratsmöglichkeit ein. Wer darf einander ehelichen, und wem ist es durch altgeheiligten Brauch verboten? Nicht einmal bei uns Weißen ist diese Frage belanglos, um wieviel weniger aber bei Leuten, die sich in sozialer Hinsicht den Urzuständen der Gesellschaft noch ein gut Teil näher befinden als wir demokratisierten Vertreter der sogenannten Vollkultur. Gehört es für die Weisen eines australischen Stammes zu den höchsten Problemen der Sozialwissenschaft, einwandfrei und fehlerlos auszurechnen, welche Maid aus der näheren oder weiteren Umgebung gerade der JünglingAdes Stammes heiraten darf, und welche für den JünglingBin Frage kommen kann, so ist es auch für die Heiratslustigen am mittleren Rovuma nicht belanglos, wohin ihre Neigung fällt.

Es ist am Spätnachmittag; in der Barasa von Newala kauern 15 schwarze Männer würdigen Alters, wie schon Wochen hindurch, auf der großen Matte; von Zeit zu Zeit erhebt sich einer der Alten mühselig, verläßt mit steifgewordenen Beinen den Raum, kommt aber stets nach kurzer Zeit wieder. Die Halle ist heiß, ein übler Dunst liegt über der Versammlung, so daß der Europäer im gelben Khakianzug, der so eifrig an seinem Klapptisch schreibt, sich wieder und wieder an die schmerzende Stirn greift. Die Versammlung ist sichtlich müde, sie hat aber heute auch ein gar zu schwieriges Arbeitsfeld betreten. Stunde um Stunde habe ich, denn ich bin der Mannmit den Kopfschmerzen, erst Nils Knudsen die Grundzüge der menschlichen Ehegebräuche, der verschiedenen Stammesaufteilungen, des Totemismus, des Vater- und des Mutterrechts, kurz einer ganzen Reihe von Punkten aus der Soziologie klarzumachen versucht, mit nur sehr mäßigem Erfolg, wie ich mich bei jeder meiner Fragen überzeugen muß. Jetzt gilt es, im Bunde mit Sefu, dem sonst so Gewandten, und dem blonden Norweger, der sich noch immer nicht von seinen Darmstörungen erholen kann, aus den 15 Stammesweisen über alle diese Sachen herauszuholen, was zu holen ist. Von allen den kleinen Mißerfolgen bin ich schon ganz wild geworden, wild und müde zugleich, so daß ich nur eben noch mit einiger Mühe eine Frage in die Gelehrtenrepublik zu schleudern vermag.

„Nun, alter Dambwala, du bequemer Mann, du hast einen Sohn, nicht wahr?“

„Jawohl, Herr.“

„Und du Nantiāka, alter Don Juan, du hast eine Tochter, nicht wahr?“

„Jawohl, Herr.“

„Schön, kann denn nun dein Sohn, Dambwala, hier die Tochter von Nantiāka heiraten?“

„Nein.“

„Und warum nicht?“ Ich muß wirklich sehr müde und abgespannt sein, denn selbst die verwunderte Bestimmtheit, mit der das „nein“ herauskommt, erweckt in mir keine sonderlich erwartungsvollen Gefühle. Ich horche erst auf, als in der nun erfolgenden Begründung jenes „nein“ das Wort Litaua an mein Ohr schlägt. „Nini litaua?Was ist Litaua?“ frage ich jetzt, schon völlig ermuntert und aufgefrischt. „Nun, Litaua ist Litaua.“ Langes Schauri; auch die schwarzen Intelligenzen, die gleich uns Weißen schon halb eingedöst waren, sind wieder zu geistiger Rührigkeit erwacht; Kimakonde, Kiyao und Imakuani, alle drei Sprachen tönen wie im Kaffeekränzchen durcheinander. Endlich ist die Definition gefunden; in die Fachspracheübersetzt, lautet sie: die Litaua ist der mutterrechtliche, exogamische Geschlechtsverband, der alle diejenigen umfaßt, die von einer Urmutter abstammen; es erbt nicht der Sohn des Vaters, sondern einer der Söhne der Schwestern, und der junge Makonde nimmt sein Weib nicht aus der eigenen Litaua, sondern er sucht sie sich in einer der vielen andern Mataua. Bei den Makua sei das gerade so, dort aber hieße die Litaua Nihimmu.

Den Abend dieses Tages — es ist der 21. September gewesen — habe ich mit dem Gefühl durchlebt, auf einen der erfolgreichsten Abschnitte meiner ganzen Afrikareise herabblicken zu können; um ihn zu feiern, haben Knudsen und ich statt der einen Flasche Bier, die wir uns sonst ehrlich teilten, uns diesmal deren zwei geleistet.

„Bier? Ja, woher habt ihr denn auf einmal Bier?“ Jedes Volk hat seine Sitten, jedes Volk hat seinen Trank, so möchte ich dichten, gleichzeitig indes hinzufügen, auch jeder Örtlichkeit ist ihr besonderes Getränk angepaßt. Im heißen Tiefland Bier? Brrr! Aber hier oben, den Wolken nahe und im kühlen Novemberost der Abende, hei, da wäre ein Becher deutschen Bieres wohl angebracht. Wie eine Eingebung ist mir vor Wochen der Gedanke durch den Kopf gefahren; gerade trifft es sich, daß ein Dutzend Lasten ethnographischer Sammelstücke nach Lindi hinunter müssen. Schon am nächsten Morgen schreiten zwölf starke Männer eiligen Schrittes gegen Nordosten der fernen Küste zu; wenn sie sich nicht aufhalten, werden sie in zwei Wochen wieder zurück sein. In allen früheren Fällen ist mir der voraussichtliche Termin der Rückkehr meiner Boten ziemlich gleichgültig gewesen; diesmal haben wir beiden Weißen, ehrlich gestanden, die Tage gezählt, und als sich an einem Sonntagvormittag weit draußen im Busch das unverkennbare Getöse von Wanyamwesiträgern, die dem Endpunkt ihrer Reise zueilen, vernehmen ließ, da sind wir der großen Kiste entgegengeeilt, die für uns so viel Schönes und Langentbehrtes barg, nicht bloß schweren, deutschen Porter von Daressalam, sondern vor allem die so lang vermißte Milch, die uns beidengegenwärtig stark abgemagerten Einsiedlern mehr als alles andere nottut.

An jenem für mich denkwürdigen Nachmittage indessen hatte ich durchaus keine Muße, an die materiellen Genüsse zu denken.

„Also dein Sohn, Freund Dambwala, kann Nantiakas Tochter nicht heiraten, weil ihr derselben Litaua angehört; wie heißt denn deine Litaua?“

„Waniuchi.“

„Und wo wohnt ihr?“

„In und um Niuchi.“

„Und du, Kumidachi,“ wende ich mich an einen andern, mit einer funkelnagelneuen, buntbestickten Jumbenmütze bekleideten Alten, „welcher Litaua gehörst du an?“

„Nanyanga“, tönt es prompt zurück. Blitzschnell ist der Name niedergeschrieben; schon ruht mein Auge fragend auf dem nächsten der Weisen. Der weiß jetzt schon, worum es sich handelt, denn er ist einer von den klügsten. „Wamhuīdia“, kommt es von seinen Lippen.

Aber so darf ich nicht weiter arbeiten; was ist ein Name? Schall und Rauch; auch die Bedeutung muß ich kennen. Schon von meinen Namenstudien her weiß ich, wie gern die Neger sich mit etymologischen Erklärungen befassen; es bedarf auch hier nur eines kleinen Anstoßes, um der Nennung des Litauanamens sofort die Bedeutung des Wortes folgen zu lassen. Das Wort „Waniuchi“ habe ich mir selbst als „die Leute von Niuchi“ übersetzt; in den hiesigen Bantusprachen bedeutet ja das Präfixwanichts anderes; doch die Übersetzung genügt den schwarzen Philologen nicht,niuchiheiße die Biene, und die Waniuchi seien Leute, die den Honig dieser Bienen in den Bäumen suchten; die Nanyanga aber, das seien die Flötenbläser im Kriege,nanyangasei die Makondeflöte. Die Wamhuidia endlich hätten ihren Namen von ihren kriegerischen Vorfahren; diese hätten fortwährend Krieg geführt und alles niedergeschlagen; der Sippenname käme her vom Verbummuhidia, niederschlagen.

Die alten Herren haben an jenem Nachmittag trotz ihrer starken Müdigkeit viel länger ausharren müssen als sonst; ich hatte Blut geleckt und habe sie ausgesogen, bis ihr armes, des angestrengten Denkens so ungewohntes Gehirn um Sonnenuntergang schließlich völlig versagte. Doch einen Extra-Bakschisch hat es gegeben als Lohn für die aufopferungsvolle Hilfe bei dem schwierigen Kapitel. Selbst Moritz, der Finanzminister, hatte heute nicht seinen gewöhnlichen melancholischen Hängemund, sondern verzog sein braunes Negergesicht zu einem freundlichen Grinsen, als er nach Feierabend hinging, um den Gelehrten das funkelnagelneue Silberstück in die Hand zu drücken. Seitdem habe ich das Sippenwesen mit aller Ausdauer zu ergründen versucht, und ich muß gestehen, ich weiß nicht, worüber ich mehr staunen soll: über die soziale Differenzierung der Stämme unter sich, ihren Zerfall in ungezählte Mataua und Dihimmu (Plural von Nihimmu), oder über die Tatsache, daß, wie ich annehmen muß, keiner meiner Vorgänger auf dem hiesigen Beobachtungsfelde auf diese Einrichtung aufmerksam geworden ist. Ich wundere mich in der Tat über diesen Punkt, aber wenn ich es mir überlege, habe ich doch kaum Anlaß dazu; zunächst bin doch auch ich monatelang im Lande umhergezogen, ohne von jenem Sippenwesen das Geringste zu ahnen; sodann aber ist es lediglich Zufall, daß in jenem denkwürdigen Schauri vom 21. September die Antwort gerade in der geschilderten Form fiel. Glück muß der Mensch haben, der Forschungsreisende aber viel Glück!

Es bedarf keines Hinweises, daß ich nach jener folgenschweren Entdeckung auch sofort wieder auf das Yaoproblem zurückgekommen bin. Als von meinen Makua- und Makondemännern ein Sippenname nach dem andern mitsamt den schönsten Erläuterungen mir ins Notizbuch diktiert wurde, sprach Nils Knudsen das große Wort: „Ja, so was haben die Yao auch.“ Zehn Minuten später waren bereits schnellfüßige Boten unterwegs, um unten aus der Ebene von Wayaomännern heraufzuholen, was irgendwie auf einige Intelligenz Anspruch machen durfte. Sie sind auch alle gekommen,die Entbotenen: Susa und Daudi und Massanjara und wie sie heißen. Leicht war das Examen auch jetzt noch nicht, weder für mich, noch für die Auspressungsobjekte, aber ich habe nach redlichem Mühen doch noch so viel herausbekommen, um sagen zu können: „Nils hat wirklich recht, auch die Yao haben so etwas“, ja bei ihnen ließ sich sogar unschwer eine Doppeleinteilung in der Art feststellen, daß über den exogamischen mutterrechtlichen Sippen noch eine Einteilung in große Gruppen besteht, die von jener feineren Einteilung ganz unabhängig sind.

Von den großen Gruppen des Yaovolkes, das heute über einen außerordentlich großen Teil Ostafrikas verteilt ist, indem es vom Schirwasee im Süden bis fast vor die Tore von Lindi im Norden reicht, kennen wir die folgenden: die Amakāle in der Region der Rovumaquellen; die Achinamatāka oder Wamwembe bei Mataka zwischen dem Rovuma und dem Ludjende; die Amassaninga, ursprünglich am Südende des Nyassasees; die Achinamakanjīra oder Amachinga am oberen Ludjende; die Mangoche in der Nachbarschaft von Blantyre. Die Angabe der Wohnsitze dieser großen Gruppen, wie sie hier erfolgt ist, hat heute nur noch einen historischen Wert. Durch die von mir früher schon geschilderte, ganz allmählich erfolgte Abwanderung großer Volksteile sind die alten Gruppengrenzen längst verwischt und kartographisch heute gar nicht mehr festlegbar. Auch die Makosyo (Plural vonlukosyo, die Sippe) lassen sich kartographisch unmöglich festlegen, weder hier noch bei den andern Völkern; einzelne dieser Geschlechtsverbände haben wohl ein bestimmtes Verbreitungszentrum, im allgemeinen aber herrscht im Kleinen dasselbe Durcheinander wie im Großen.

Ich habe nicht aus Neugier so zäh nach der Bedeutung der Sippennamen geforscht, sondern hauptsächlich aus folgendem Grunde. In der menschlichen Urgesellschaft ist kaum etwas so auffallend wie die weitverbreitete Einrichtung des Totemismus. Das Wort Totem kommt aus Nordamerika und bedeutet ursprünglich den Namenszugwackerer Irokesenhäuptlinge, mit dem sie ihre Verträge mit dem Blaßgesicht unterzeichneten. Dies geschah nicht in der Form schlanker Schriftzüge, sondern in der einer ungefügen Zeichnung, die eben das Totem darstellte, das Stammestier, von dem die Sippe des Unterzeichners ihre Abstammung herleitete. Bei den amerikanischen Indianern hat man diesen Totemismus, wie man die Erscheinung in der Völkerkunde nennt, im weitesten Maße verbreitet vorgefunden und auch zuerst gründlich studiert, später hat man indes festgestellt, daß der gleiche Totemismus auch anderswo in trefflichster Ausbildung vorhanden ist; in Australien, anscheinend auch in Melanesien, in ausgeprägtester Weise sodann bei sämtlichen alten Völkerschichten in Vorderindien, und sonst noch hie und da. In den meisten Fällen leiten die Sippen ihre Herkunft von einem Tier ab. Dieses gilt dann als heilig und unverletzlich und darf meist nicht gejagt und gegessen werden, ja in vereinzelten Fällen gilt es sogar als die höchste Ehrung und das größte Glück für den Menschen, von dem Totemtier seinerseits gefressen zu werden! Auch kleine, ungefährliche Tiere, Insekten und dergleichen, werden als Totem gewählt, desgleichen auch Pflanzen; wo sollten z. B. bei den unzähligen Totems in Südindien die erforderlichen großen Tiere herkommen? Ich kann hier nicht die ganze, lange Reihe der von mir gesammelten Sippennamen für alle drei Völker aufzählen, sondern muß auch für diesen Teil meiner Ergebnisse auf die amtliche Publikation hinweisen. Aber interessant ist es mir doch gewesen, zu sehen, daß zwar kein den Eingeborenen bewußter Totemismus mehr besteht, daß aber doch mancher kleine Zug an sein früheres Vorhandensein erinnert. Diese Züge im einzelnen nachzuweisen, wird eine hübsche Aufgabe späterer Untersuchungen sein.

Von der Art der Sippennamen hier nur einige Beispiele.

Matola wie auch sein Vetter, unser gemeinsamer Freund Pastor Daudi, gehören der Lukosyo der Achemtinga an, gleichzeitig aber auch zu der großen Gruppe der Amachinga. Das Präfixche-(auchku-) hat die Bedeutung Herr oder Frau; Chemtinga aber ist nachDaudi ein großer Yaohäuptling in der Region des oberen Ludjende gewesen.

Im Gebiet des bärtigen Susa sitzen die Masimbo. Diese haben ihren Namen von den Fallgruben (Kiyao:lisimbo, Plural:masimbo), in denen ihre Vorfahren das Wild fingen. Bei Mwiti sitzen die Amiraji. Ihren Namen führen die Angehörigen dieser Sippe auf die Art ihrer ursprünglichen Wohnsitze zurück; diese hätten in bambusreichen Gebieten gelegen (mlasi, der Bambus). Eine Yaosippe sind auch die Achingalla; sie leiten ihren Namen von der Ngalla her, einer Muschel im Rovuma und seinen Nebenflüssen, deren Schale noch heute als Eßlöffel gebraucht wird; den Namen aber hat die Sippe deswegen, weil sich die Urväter vorwiegend von dem Tier selbst genährt haben.

In die gleiche Kategorie wie die Achingalla gehört die Makuasippe der Wamhōle; ihre Vorfahren haben sich vommhole, dem wilden Maniok, einer auch noch heute in Zeiten der Not gegessenen Waldwurzel, genährt. Die Makondesippe der Nambunga führt ihren Namen auf den Genuß der Bambusfrüchte,nambunga, seitens ihrer Vorfahren zurück; die Wantanda hatten vordem die Gewohnheit, das Fleisch des erlegten Tieres in lange Streifen (nantanda) zu schneiden. Die Wamunga sind Reispflanzer; die Voreltern der Alamande haben sich von einer kleinen Heuschrecke dieses Namens genährt; die Wutende schließlich sind Leute, die im ganzen Lande berühmt sind wegen einer Eigenschaft, die wir gerade beim Neger so wenig vermuten: weil sie immer und unausgesetzt arbeiten (kutenda), heißen sie Wutende.

In das Eherecht dieser Sippen sich hineinzudenken, ist selbst im kühlen Uleia nicht ganz leicht. Hier im tropischen Afrika mit seinem ewigen Wechsel von heiß und kalt ist es eine für mich schier unlösbare Aufgabe, den Ausführungen des alten Mponda, meines Hauptprofessors für bürgerliches Recht, zu folgen. Es geht uns doch auch gar zu sehr gegen den Strich, wenn man folgendes zu hören bekommt: Ist der Makondeknabe beschnitten, so kehrt er nicht in dasElternhaus zurück, sondern verbleibt bei seinem Oheim mütterlicherseits. Dort hat er weiter nichts zu tun, als heranzuwachsen und gleichzeitig das Heranwachsen seiner Basen zu erwarten. Ist aber der Onkel nicht im glücklichen Besitz von Töchtern, so wartet der geduldige Neffe zunächst deren Geburt ab; ist diese erfolgt, so geht das Warten noch lustig weiter. Das heißt, müßig darf der junge Mann in seiner „Pension“ nicht sein, sondern er muß tüchtig arbeiten, einem Jakob gleich, der um Rahel sieben lange Jahre diente. Endlich ist das Ziel erreicht, die Base ist groß und heiratsfähig; dann geht der mittlerweile recht verständig gewordene Heiratskandidat hin, erwirbt um eine Rupie Zeug, gibt dies dem Oheim und führt die Braut heim. Wegziehen darf er auch jetzt noch nicht, sondern er verbleibt in der Nähe des Oheims und dient ihm gleichsam als Höriger weiter. Nun bekommt er selbst Familienzuwachs, sagen wir einen Sohn. Nach Mponda muß dieser Sohn wiederum eine Base heiraten, und zwar die Tochter der Schwester seines Vaters. In Mpondas lapidare Worte gekleidet, lautet dieses Gesetz folgendermaßen: „Habe ich eine Schwester, und die hat eine Tochter, ich aber habe einen Sohn, so kann dieser Sohn jenes Mädchen heiraten; habe ich aber einen Bruder, und der hat eine Tochter, ich aber habe einen Sohn, so kann dieser Junge seine Base nicht heiraten, denn sie istnumbŭ́we, seine Schwester.“

Wir haben das junge Mädchen verlassen in dem Augenblick, wo es, dem Chiputu mit seinen monatelangen Formalitäten und Festen entronnen, in die Zahl der Wissenden aufgenommen worden ist. Nach einigen meiner Gewährsmänner soll die Verheiratung des Kindes sehr bald nach diesem Zeitraum erfolgen, jedenfalls noch vor dem Zeitpunkt, mit dem wir in Europa die Mannbarkeit beginnen lassen, vor der ersten Menstruation. Ob dem so ist, kann ich nicht kontrollieren; uns interessiert an dieser Stelle auch weit mehr die weitere Behandlung des jungen Weibes selbst, um so mehr, als diese Behandlung wieder Parallelen in einer ganzen Reihe von Gebieten der Erde besitzt. Genau wie an der ganzen Küste von Unterguinea, in Loango, am Gabunund Ogowé, sodann in verschiedenen Teilen Melanesiens, wird das Mädchen auch hier für einige Tage in eine besondere Hütte gebracht, wo es vollkommen allein bleibt; die Freundinnen kommen zwar an die Hütte heran, sie trillern und tanzen, daß es eine Art hat, halten sich aber sonst fern. Dafür beginnen jetzt die Mutter, die Lehrerin und die anderen weisen Frauen einen sehr eindringlichen Kursus von Verhaltungsmaßregeln: fern müsse sie sich von jedem halten, auch auf Reinlichkeit sehen, müsse baden und sich waschen, aber vor allem mit niemandem zusammenkommen. Dies wird immer und immer wiederholt; dabei wird ohne Unterlaß gegessen, gesungen und getanzt.

Auch bei der ersten Schwangerschaft der jungen Frau werden verschiedene Feste gefeiert. Im Grunde genommen sind diese jedoch nur der angenehme Rahmen für einen Haufen von Verhaltungsmaßregeln und Verboten, die wieder aus dem Munde der älteren Frauen auf das mehr oder minder ahnungslose junge Wesen herniederregnen. Im fünften Monat rasiert man ihr zunächst den Kopf; nach einem weiteren Monat rüsten die Frauen für sich selbst ein Fest, für die Schwangere aber röstet man Mais und zerstampft ihn, nachdem man die Körner im Wasser hat quellen lassen; den entstandenen Brei schmiert man der jungen Frau auf den Kopf. Jetzt geht der Ehemann in den Busch, mit ihm eine nahe Verwandte seiner Frau. Der Mann schickt sich an, in der uns bekannten Weise Rindenstoff herzustellen, die Verwandte aber entkleidet sich bis auf einen ganz kleinen Schurz. Und sitzt dann der Mann über seinem Baum und hämmert auf den werdenden Stoff, so singt das Mädchen im Takt dazu: „Nalishā́nira wozēwa neakutĕnde.“ Den fertigen Stoff bestickt man mit Perlen, dann hängt ihn die Lehrerin ihrem Schützling als Amulett um den Hals;mare ndēmboheißt dieser Talisman,mare ndemboheißt von jetzt ab auch die Schwangere.

Wiedergabe eines aufgenommenen Eingeborenenliedes durch den Phonographen.⇒GRÖSSERES BILD

Wiedergabe eines aufgenommenen Eingeborenenliedes durch den Phonographen.⇒GRÖSSERES BILD

⇒GRÖSSERES BILD

Der nächste Morgen versammelt wieder alle Leute zu Tanz, Gesang und Händeklatschen; darein mischt sich natürlich der unvermeidliche hohe Frauentriller, ohne den keine frohe Stimmung, kein freudigesGeschehnis denkbar ist. Doch nicht alle nehmen an dieser Freudigkeit teil; von der Menge abgesondert, umstehen die weisen Frauen und die Lehrerin das junge Weib.

„Du darfst nicht,“ so erschallt es aus dem zahnlosen Munde einer der Alten, „auf den Matten anderer Leute sitzen, denn das würde dir und dem Kinde, das du erwartest, schaden, du würdest eine Frühgeburt haben.“

Frau aus dem Makondestamm.

Frau aus dem Makondestamm.

„Du darfst nicht,“ tönt es hinter dem Holzblock hervor, der den Mund der nächsten Sprecherin in riesiger Ausdehnung überdeckt, „du darfst nicht mit Freunden und Freundinnen verkehren, auch das würde deinem Kinde schaden.“

„Du darfst von jetzt ab nur noch wenig ausgehen,“ rät ihr die dritte, „zeige dich möglichst nur deinem Mann allein, denn sonst möchte dein Kind später einem anderen ähnlich sehen. Wenn du aber einmal ausgehst,“ fährt dieselbe Beraterin fort, „dann mußt du allenLeuten weit ausweichen, denn schon der Dunst dieser Leute möchte deinem Kinde schaden.“

Es steckt ungemein viel in diesen Warnungen und Verhaltungsmaßregeln. Uns Europäern ganz geläufig ist die Furcht vor dem Versehen; die Schwangere darf nichts Schreckhaftes sehen und soll auch sonst möglichst keine andere Physiognomie als die des eigenen Mannes auf sich wirken lassen. In allen übrigen Vorschriften kehrt das wieder, was man vielleicht Analogiezauber nennen könnte: schon die Möglichkeit, in den Dunstkreis von Leuten zu geraten, die vorher geschlechtlich miteinander verkehrt haben, bringt das werdende Menschenkind in Gefahr.

Aber damit noch nicht genug; jetzt folgt erst die Hauptsache.

„Du darfst fortan keine Eier mehr essen,“ beginnt eine babybehaftete jüngere Frau mit glattrasiertem Langschädel, „denn sonst wird dein Kind keine Haare bekommen.“

„Iß auch kein Affenfleisch,“ pappelt auch schon eine andere mit zitterndem Pelele dazwischen, „denn sonst wird dein Kind auch so albern wie ein Affe.“

„Iß auch nicht, was vom Vortage in deinem Kochtopf übrig geblieben ist, denn sonst wird dein Kind krank“, fällt die dritte ein.

Jetzt wendet sich die Belehrung wieder einer anderen Richtung zu: „Gehst du in die Schambe oder zum Brunnen, und es grüßt dich jemand, so danke ihm nicht, und sage ihm auch nicht Lebewohl, denn sonst würdest du lange auf die Geburt deines Kindes warten müssen“, rät ihr eine ganz Alte mit sicher sehr viel Erfahrung; eine Jüngere aber fällt wiederum ein: „Wenn dir etwas daran liegt, daß dein Kind ein ordentliches, dichtes Kraushaar bekommt, so höre fortan auf, deine Schamhaare zu rasieren.“ Das ist nämlich sonst allgemeine Sitte im Lande, ebenso wie ja auch der Kopf gern völlig glatt getragen wird. Den Schluß des ganzen inhaltreichen Kollegs, das im Gegensatz zu unserem Hochschulbetrieb von vielen Dozenten, oder, der beim Neger bereits gelösten Frauenfrage entsprechend,von vielen Dozentinnen auf nur eine einzige unglückselige Hörerin herniedergeplappert worden ist, macht die sehr ernsthaft ausgesprochene Warnung, einstweilen unter keinen Umständen mit anderen Männern zu verkehren, denn dann würde sie unfehlbar sterben; wenn aber ihr Mann sich etwa vergäße und ein anderes Mädchen berühre, dann würde sie abortieren und hinterher sterben; sie solle also gut zu ihrem Manne sein und ihm schönen Ugali kochen.

Damit ist endlich das letzte Wort gesprochen. In dem unnachahmlichen, eigentümlich drehenden Gang der Negerin, der sich nicht mit Worten beschreiben läßt, eilen die Beraterinnen, so schnell es ihre Würde zuläßt, auf den Festplatz zu den übrigen. L-l-l-l-l-l-l-l-l schwirrt im gleichen Augenblick auch schon der bekannte hohe Trillerton durch die Luft; die Trommeln, von nerviger Männerfaust geschlagen, setzen von neuem ein; eine gewaltige Staubwolke erhebt sich über dem Ganzen, alles ist in Bewegung und voll echter, des sonstigen Elends gänzlich unbewußter Negerlust. Nur eine sitzt stumm und still dabei, die junge Frau; ihr ist die Teilnahme an diesem Fest gänzlich untersagt, dem soeben empfangenen Lehrkanon zufolge. Ihre braunen Augen, die verdienten, schön genannt zu werden, störte nicht das unreine, von gelblichbraunen Flecken durchsetzte Weiß den Eindruck, schauen sinnend auf ein und denselben Punkt; ob sie wohl der schweren Stunde gedenkt, der sie in wenigen Monaten entgegensieht? Das alte Bibelwort: „Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären“ gilt ja auch für die schwarze Rasse. Aber gleichwohl, ich für meine Person glaube nicht, daß das junge Ding in solche Fernen vorausschaut; dies liegt an sich schon nicht im Wesen der Jugend, die Zukunft Afrikas aber hat erst recht keine Veranlassung, mit Sorgen in die Zukunft zu schauen. O du glückliche Negerrasse, wie beneidenswert bist du in deiner Fähigkeit, nur dem Heute zu leben und dem Morgen seine Sorgen ganz und ungeteilt allein zu überlassen! Heute ist heut, das ist deine Devise.


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