DER BESUCH

DER BESUCH

Eine junge Frau, die ich seit lange als eine fast Heilige an Demut und Sanftmütigkeiten verehre, kam an mein Krankenbett, bleich und verstört.

Sie erzählte mir, daß ihr Mann, der sich für sie aufopfere, Gesichtsneurose habe und sich, mit ihrer Einwilligung, der Operation auf Tod und Leben unterziehen wolle. Sie wisse nicht, ob sie es gestatten solle. »Soll ich, soll ich nicht, soll ich?! Ich werde es also an meinen Knöpfen abzählen —.«

Ich lag da, von meinen Leiden zerfressen, und sie stützte den Kopf in die Hand.

Da sagte sie: »Nicht, Peter, das Leben ist eigentlich komisch —.«

Und ich sah eine Träne, vielleicht die heißeste, verzweifeltste, die je geweint wurde.

Drei Tage später saß sie an meinem Krankenbette: »Peter, ich habe es ihm gestattet, und er ist daran gestorben. Peter, nicht wahr, die Welt ist komisch —.«

Ich lag da, von meinen Leiden zerfressen — — —.

Ich zählte es an den Knöpfen ab, was, weiß ich nicht. Aber immerhin, an den Knöpfen —. Soll man, soll man nicht, soll man?!


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