GERICHTSVERHANDLUNG IN WIEN
Fräulein Str., eine arme Klavierlehrerin, kannte alle Schandtaten ihres Herrn Bruders. Aber sie schickte Geld und Geld, wenn er darum schrieb. Und Geld und wieder Geld. Immer galt es ihr, ein wertvolles Leben noch zu retten, das aber wertlos war. Und übrigens, wer könnte das entscheiden?!
Der Richter sagte: »Ihr Vorgehen, Fräulein, ist strafbar, aber es macht Ihrem Herzen alle Ehre — —.«
Das Fräulein erwiderte: »Für irgend etwas muß man sich doch abplagen. Nur seinen armseligen Hunger stillen?!? Wenn er nicht wär’, no, so wärs halt was anders, die Kirche oder eine Leidenschaft — — —. Für irgend etwas muß man sich doch abplagen.«
Man verurteilte sie wegen Vorschubleistung.
Als die Blicke der beiden verurteilten Geschwister sich begegneten, begannen einige Menschen im Auditorium zu weinen — — —.