LEBENSWEG
Der Ältere und der Jüngere waren anfänglich kolossal eifersüchtig aufeinander. Bis der Ältere ihr einen geläuterten Brief schrieb. Darin stand unter anderm: »Der Jüngere ist der Jüngere. Daher hat er den momentanen Sieg. Aber der Ältere ist der Ältere. Daher hat er einen Vorsprung, welcher Art immer. Es wird sich schon zeigen —.« Sie verstand kein Wort davon. Infolgedessen versöhnten sich die beiden Rivalen.
Dem Jüngeren ward sie aber zu einfach, zu ruhig mit der Zeit. Der Ältere ruhte bei ihr aus, von den Strapazen seiner Seelenweltreisen. Der Jüngere hatte sie lieb, solange sie nicht da war, der Ältere erst, wenn sie neben ihm dahinging wie ein verlorenes Kindchen. Er dachte dabei an die »Ludern«, denen er unnützerweise sein Denken, sein Dichten, sein Träumen geweiht hatte durch Jahre, und die doch nur sich-überhebende freche Püppchen gewesen waren zeitlebens.
Aber auch er hatte bald genug von ihr, obzwar er sie brüderlich zärtlich lieb hatte und sie ganz verstand und achtete. Der Jüngere feierte hie und da dennoch immer wieder Orgien mit ihr und behauptete dann, sie sei doch die einzige von allen. Der Ältere brachte sie zum Chor der Operette. Es begann ihr sehr gut zu gehen. Aber immer wieder kam sie zu dem Jüngeren zurück ohne Grund, und zu dem Älteren sagte sie sanft: »Wissen Sie noch, wie Sie mir die Pfirsiche geschenkt haben?!« Später fuhr sie im eigenen Automobil. Sie vergaß ganz des Jüngeren. Aber so oft sie den Älteren erblickte, sagte sie sanft: »Servus, Pfirsich-Herr!«