STRANDBAD
Nun sah ich dich, Unbekannte, mit deiner bräunlichen Haut und dem krebsroten nassen seidenen Schwimmtrikot, am »Gänsehäufel«, und bin an dir vor Sehnsucht erkrankt. Immer, immer seh ich dich mit deinen unbeschreiblich edlen Gliedern an Wassers Rand entlanggehen mit weiten Schritten —.
O, weshalb durft’ ich dir nicht sagen: »Kaiserin des Strandbads!« Dir hätte es nichts geschadet, und mich hätt’ es erlöst, wie es müde enttäuschte Menschen erlöst, wenn sie in stillen Kirchen vor einer heiligen Frau niederknien —. So aber wandle ich, krank an meiner fanatischen Zärtlichkeit, dahin —. Kaiserin des Strandbads — — —.
An Unzulänglichem werden wir vorzeitig alt und müde, verlieren den Glauben an die Realisierbarkeit von Gottes Träumen. Da seh ich dich, Edelstgegliederte, und fange wieder an zu glauben —!
In Kleidern, geschützt durch Seide und Batist, oder im Bett, wo des Mannes Leidenschaft sein Auge trübt, wohlan! Da nehmen wir vorlieb, begnügen uns!
Jedoch, aufrechten Ganges, in Licht und Luft getaucht, in nassem Schwimmtrikot, da besteht keine außer dir diese zärtliche Prüfung! Nun sah ich dich und wurde krank an dir, weil ich nicht wenigstens flüstern durfte: »Kaiserin!«