VON MEINEM KRANKENLAGER AUS

VON MEINEM KRANKENLAGER AUS

Ich lese so viel wertlose Bücher annonciert, besonders die, deren Illustrationen ebenso unverständlich blöd wie die »Sand in die Augen streuenden« pathologisch-aufgeblasenen Texte dazu sind. Ich gelte selbst als unverständlich und verworren. Das ist aber ein großer Irrtum. Ich bin nämlich ganz einfach zu verstehen für Leute, die eineSeelehaben und sogenannte »Hyperästhesien«, wie wir Griechen uns auszudrücken belieben, damit dasVolkuns nicht sogleich verstehe. Auf Deutsch heißt es:Überempfindlichkeiten. Und daran krankt oder, wie tiefer Denkende es auffassen, darangesundetallmählich unser, bisher ein bißchen zu brutales Zeitalter. Aber, um auf das Thema dieses Aufsatzes zu kommen, dessen Einleitung bisher ziemlich verschroben und unnötig gewesen ist — — —, ich fühle mich eben in diesen verworrenen Zeitläuften, wo schlecht von gut deshalb schwer zu unterscheiden ist, weil so viele talentlose Idioten die Konjunktur »Richard Wagner war auch einst verkannt und mißverstanden« frecher- und tölpelhafterweise ausnützen, ich fühle mich eben in diesen verworrenen Zeitläuften verpflichtet, ein unbeschreiblich einfaches, Kindern verständliches, herrliches, rührendes Buch öffentlich zu erwähnen: Philippe Monnier: Blaise, der Gymnasiast, übersetzt von Dr. Rudolf Engl und Marie Döderlein, Verlag Albert Langen. Ich glaube, viele unserer Literatursnobs werden sich schämen, wenn sie die Wirkung dieses unerhört einfachen Buches verspüren werden in ihren, zu gordischenKnötchen verschlungenen Gehirnchen! Es ist keine sonderliche Kunst, sich, indem man andere, Contemporains, bewundert, den Erfolg eines adelig denkenden Unabhängigen, Vorurteilslosen zu ergattern! Aber solcheManöverwird man dem todeskranken, bereits in lichteren Sphären befindlichen Autor der ausgezeichneten Bücher »Wie ich es sehe« und »Was der Tag mir zuträgt« keineswegs zumuten können. Blaise, der Gymnasiast, versetzt feinfühlige Menschen in alle poetisch-romantisch-alltäglichen Vorkommnisse ihrer Jugend, deren Erlebnisse niemandvordem 40. Lebensjahr zu genießen oder literarisch zu verwerten weiß! Jugendzeit, du goldene Zeit — — —, aber mit welchentiefen Niaiserienist sie in diesem Buche vorgeführt! Man erholt sich von sogenannten talmimodernen Malern, Dichtern, Bildhauern und Frauen. Wenn ich einfach seinwill, so muß ich es vor allem auch wirklich seinkönnen. Nicht ein jeder darf nämlich als »härener Pilger« uns belästigen! Etsch!


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