The Project Gutenberg eBook ofNeugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden GegendenThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden GegendenEditor: Bernhard BaaderRelease date: November 9, 2008 [eBook #27206]Most recently updated: January 4, 2021Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN AUS DEM LANDE BADEN UND DEN ANGRENZENDEN GEGENDEN ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden GegendenEditor: Bernhard BaaderRelease date: November 9, 2008 [eBook #27206]Most recently updated: January 4, 2021Language: GermanCredits: Produced by Delphine Lettau and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net
Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden
Editor: Bernhard Baader
Editor: Bernhard Baader
Release date: November 9, 2008 [eBook #27206]Most recently updated: January 4, 2021
Language: German
Credits: Produced by Delphine Lettau and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN AUS DEM LANDE BADEN UND DEN ANGRENZENDEN GEGENDEN ***
Von
Bernhard Baader.
Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem Lande Baden &c.
Karlsruhe.
A. Geßner'sche Buchhandlung.
1859.
Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden« (Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande, und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande weitere Schätze zu Tage zu fördern.
Karlsruhe, den 15. September 1858.
Bernhard Baader.
1.
Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser wurde.
2.
In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt war, allein Kegel schob.
Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange, so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, einetüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen; Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!«
Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern, indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt.
3.
Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frauin das Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch Geldstücke.
4.
Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite, bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und nicht mehr vertilgt werden können.
5.
Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.
6.
Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte:
Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nachdem Abendgeläute auf den Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen. Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes, zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der Abendglocke diesen Weg zu machen.
7.
Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr ein fruchtbares.
8.
Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren, als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne Thüre und über derselben ein rundesLoch war. Aus diesem holte das Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«, sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause, sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden.
9.
Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer Weißhasel bei sich, was Alles geweihtwar. Nachdem sie eine Weile dort gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden.
10.
Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt. Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei gewesen sey.
11.
Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische Kirche ist.
12.
Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben, wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen.
13.
In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck ließen sie nacheinandereinige Geistliche kommen; aber keiner derselben vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde. Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme: »He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand; aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen.
14.
Auf diesem verfallenen Bergschloß liegt viel Geld vergraben, bei dem ein Fräulein in weißem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie öfters auf der Burgbrücke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehört, der, wie unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in manchen Nächten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in früherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schloß nach der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht behalten kann, sondern wieder herbringen muß. Was man in den Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem Wiesenfluß hinweg, in das Brombacher Schlößlein; er ist aber gegenwärtig großen Theils verschüttet.