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Schon war wieder ein Jahr vorübergegangen. An der Rheinhalde weinten die Schosse der frischgeschnittenen Reben und schwellten die Weidenkätzchen.
Da gehörte Ulrich Junghans zu den Armbrustschützen des Städtchens, einer Gesellschaft halbwüchsiger Jugend, die in der Sonntagsfrühe auf einer Wiese am Stromufer mit Bogen und Pfeil in eine Lehmscheibe schoß. Als das »Absenden« kam, das Preisschießen, wurde ihm die beste Gabe zuteil, das von Pfarrer Tappoli gestiftete, schön eingebundene Buch »Lienhard und Gertrud«. Die es ihm vom Gabentisch reichte, war Nick, und ein leises, wohlgefälliges Lächeln spielte ihr dabei um den Mund. Auch wurde er von der Gesellschaft, unter Übergehung einiger reicher Bauernburschen, zum Säckelmeister gewählt. Das Amt war eine jugendliche Ehre, an der sich nicht am wenigsten die Eltern erfreuten. Sie bewies, daß ihm das Städtchen den törichten Flug in die Brombeerstauden verziehen hatte und Zutrauen in seine Redlichkeit setzte.
Noch schöner fügte es sich im Winter, am Bächtoldstag, dem zweiten Januar, an dessen Abend sich die Jungen und Mädchen je nach Neigung und Freundschaft zusammenfinden und einander bei allerlei Spielen die ersten Zeichen der Neigung geben. In der alten geräumigenStube des Kirchenpflegers und Ehegaumers Jakob Angst waren er und Nick mit einem Dutzend anderer jungen Leute zusammen und saßen eben bei dem Pfänderspiel »Fischlein in den Teich«. Ob es nun aus Zerstreutheit, Übermut oder Absicht geschah, – die sonst hurtige Monika ließ sich von allen am häufigsten fangen und wurde Ulrich, der den Schlingenkünsten des Fischers entging, einen Kuß schuldig. Rot und verlegen wandte sie sich zu ihm hin: »Wenn es wenigstens nicht in der Stube sein müßte!« »Dann gehen wir in den Flur hinaus,« erwiderte er; »aber den Kuß will ich.«
Sie seufzte, folgte ihm unter dem Lachen der andern, und kaum war die Türe hinter ihr zu, küßte sie ihn voll lieblicher Verwirrung, doch mit zusammengepreßten Lippen und flüchtig. Vor Enttäuschung zog er das Gesicht finster. Da stotterte sie: »Uli, ich will ehrlich sein, aber mach die Augen zu.« Er gehorchte, und sie gab ihm mit warmem Mund einen treuherzigen, süßen Kuß. Nun wußte er nicht, wie es kam, er erwiderte ihn und spürte, wie ihre Lippen dabei einen Herzschlag lang leisdurstig an den seinen hingen. »Komm,« drängte sie und mit hochroten Gesichtern traten sie wieder in die Stube. Dann und wann aber glitten ihre Augen noch mit vergnügtem Blinzeln zu ihm hinüber.
Er wußte kaum mehr, was um ihn vorging. Nachdem Nick durch die Magd des Pfarrhauses abgeholt worden war, ging auch er heim, schloß vor Seligkeit kein Auge und spürte immer noch ihren Mund auf dem seinen. Das wonnige Gefühl verließ ihn den ganzen Winter nicht wieder. Eltern und Geschwister wunderten sichüber die Güte und Verträglichkeit des Jungen, der vorher oft ein schwer zu behandelnder Groller gewesen war. Besonders lieb begegnete er der Schwester Marie. Vielleicht weil ihm das Herz überfloß, vielleicht weil er hoffte, daß sie ihm eine Brücke hinüber zu Nick schlage, vertraute er ihr sein Erlebnis und seine Liebe.
Sie aber antwortete ihm: »Uli, du tust mir leid. Ein Kuß aus einem Pfänderspiel verpflichtet zu nichts, und ich verwundere mich deines Mutes, die Gedanken zu Nick zu erheben. Wohl gebärden sich der Pfarrer und seine Familie gegen uns, als gehörten sie völlig zum Städtchen, heimlich sind sie aber doch stolze Zürcher Bürger, die sich für besser halten als das Landvolk. So liegt es ihnen nun einmal im Blut. Noch ein Jahr, dann kommt Monika in eine welsche Schule, nachher als Fräulein zu Verwandten in Zürich, ins Theater und auf Bälle. Da wird sich der Zünfter oder der junge Pfarrer, der sie heimführt, schon finden. Die Gedanken von Nick weg, Uli, damit es dir nicht das Herz bricht, wenn es kommt, wie ich dir darlege.«
So Marie, und keiner glaubte er mehr als ihr. Die Schwester war selber ein feines, gescheites Mädchen und besaß die gleiche schlicht überzeugende Art wie die Mutter. Er ließ den Kopf hängen.
Das Leben hatte aber für ihn stets wieder einen Trost. Und jetzt war er schon Konfirmand. Ein strenggläubiger Pfarrer hätte wohl keine Freude an ihm gehabt, denn wie von selber war er durch sein religiöses Nachdenken in mancherlei Widersprüche hineingeraten. Zum Glück für den Zweifler aber war Tappoli einer dermilden Pfarrherrn, die den Nachdruck weniger auf die dogmatischen Lehrsätze als auf den dichterischen und sittlichen Feingehalt des Christentums legen. Da vermochte ihm auch Ulrich zu folgen. Als Tappoli im Laufe des Unterrichts auf seine Lieblingsgestalt in der Entwicklung der christlichen Religion, den Apostel Paulus, zu sprechen kam und dem verdorbenen, schlemmenden Rom die Märtyrerkraft des Urchristentums gegenüberstellte, erlebte Ulrich bei ihm wahre Weihestunden innerer Erhöhung. Es empörte ihn, daß es unter den Mitkonfirmanden einige Lümmel gab, die während der Stunden Tappolis, der in der Zucht kein Meister war, zotige Verse unter den Bänken umherboten. Mit der Kraft des jungen Schmieds schuf er aus eigener Machtvollkommenheit Ruhe in den Reihen, und Tappoli spürte seinen guten Einfluß auf die übrigen. Als sie sich einmal unter der Kirchentür begegneten, gab er ihm einen dankbaren Blick. »Es ist doch jammerschad', daß du nicht deinen Gymnasialstudien hast leben können, ich hätt's dir so sehr gegönnt.« Da schlug das Herz Ulis in Feuer und Flammen für den Pfarrer, und seine Gedanken spielten aufs neue um Nick.
Nun war er feierlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.
Er trat aus der Bogenschützengesellschaft aus und wurde Mitglied des Rhein-Fahrvereins, der unter der Führung militärisch ausgebildeter Pontoniere die Lust und Freude an der Rheinschiffahrt pflegte. Jeden Abend probte er mit den andern, meist gesundkräftigem Bauernblut, in den langen, schmalen Kähnen die Fahrt über dieKlippen, Sturzwellen und Wirbel des Stromes, der gerade ober- und unterhalb der Brücke aufgeregt über etliche nur beim kleinsten Wasserstand im Winter dem Auge sichtbare Querriffe dahinfloß. Es war eine Unterhaltung des Städtchens, fast die einzige, daß Jung und Alt, namentlich aber die weibliche Jugend, aus den Fenstern der Brücke oder den grünumrankten Lauben der Häuser den Spielen der braunen Gesellen in lebhafter Neugier zuschauten. Leise oder laute Ausrufe der Angst, des Beifalls und der Bewunderung begleiteten ihre Geschicklichkeit und Kühnheit. Denn ungefährlich waren die Übungen nicht, und in traurigem Gedenken stand, daß die »krumme Röhre«, ein starker Wirbel unterhalb der Brücke, einmal drei Jünglinge verschlungen hatte, einen Gekenterten und zwei, die ihm zur Rettung in die Tiefe nachsprangen. Seither waren die Wasserratten etwas vorsichtiger, aber im Übermut der Jugend kam es doch hie und da vor, daß sich einer über die Kante des Bootes schleudern ließ und in den Fluten versank. Atemlose Spannung! Dann tauchte er ein gut Stück weiter unten im Strom wieder auf, schüttelte sich und schwamm ans Ufer. So auch Ulrich. Aus einem Wirbel emporschnellend landete er unmittelbar vor Monika, die mit ein paar Gespielinnen aus den Fenstern des Pfarrhauses auf die Übenden schaute. Ihre dunkeln Sterne blitzten ihn an, und ihr kleiner, roter Mund schalt: »Das tust du nicht wieder, Uli! Herrgott, kannst du einen in Schrecken jagen.« Er lachte: »Und wenn mich jetzt der Rhein behalten hätte? Was dann?« Da rief sie unwillig: »Geh, du Häßlicher!«
Nun war er selig überzeugt, daß sie ihn liebe. Mit den andern trieb er die Schiffe zum Ufer, im weichen Mondlicht der Sommernacht ruhten die Burschen, in den angebundenen Weidlingen sitzend, von der Arbeit aus, und mit doppelter Lust warf er seine metallene, bildsame Stimme in ihre Heimatlieder und ließ sie über den beglänzten Strom und die dunkelragenden Umrisse des Städtchens klingen.
Stets hatte er bei seiner Arbeit etwas Schönes zu denken, jeden Tag war er seines Lebens froh. Um so mehr, da es auch den Eltern gut ging. Friedrich, der Älteste, hatte die Lehrjahre bei Meister Benninger in Winterthur hinter sich und stand als gutbezahlter, geachteter Arbeiter in einem Atelier in Zürich. Alle vierzehn Tage kam er, ein hoch- und straffgewachsener junger Mann mit blauen Augen und blondem Schnurrbart, zu Fuß aus der Stadt ins Elternhaus auf Besuch und blieb vom Samstag spät bis zum Montag im Morgengrauen daheim. Jedesmal brachte er dem Vater den Rest des Zahltages, der ihm über das Kostgeld hinaus geblieben war, wie eine selbstverständliche Schuld. So faßte auch Meister Martin die Beiträge Friedrichs zu den Kosten des Haushaltes auf, aber nicht knauserig schob er ihm jedesmal ein hübsches Sackgeld zurück und gab auch Uli das übliche Zweifrankenstück.
Die Sonntagsmorgenspaziergänge mit dem ältern Bruder, der ebenso klar, doch nüchterner als er in die Welt blickte, waren für ihn stets ein schönes Erlebnis, ebenso der Mittagstisch, den die stille Mutter zu Ehren der tapfern Söhne merkbar reichlicher als früher deckte.Am Nachmittag liebte es Meister Martin, mit ihnen unter die Leute zu gehen und in einer Gartenwirtschaft Einkehr zu halten. Friedrich wußte, daß er die bescheidene Zeche zu bezahlen hatte; nicht etwa, weil der Vater geizig gewesen wäre, sondern weil es ihm wie eine freundliche Lebensquittung erschien, daß er sich schon von einem seiner Söhne konnte bewirten lassen. Am Abend setzten sich Vater und Mutter unter die achtköpfige blühende Kinderschar, die blonden und schwarzen, sie stimmte Lied um Lied an, und wenn die hellen Gesänge verklungen waren, legte Meister Martin den Arm über die Schulter der kleinen Frau mit den glücklichen, schweigsamen Augen und sagte: »Man kann weit laufen, bis man eine so zufriedene und einträchtige Familie findet. Wir haben es uns aber auch sauer werden lassen.«
Die Eltern rühmten ihr Glück nie vor anderen, sie hätten befürchtet, es damit zu verscherzen; aber im stillen flüsterten sie heimlich von Wohlfahrt und Gedeihen.
Da brachte der Herbst eine unerwartete Veränderung in die Familie. Durch das Städtchen schwälte der Duft des jungen Weines, Fuhrwerk um Fuhrwerk kam von Schaffhausen, Hallau und dem Rafzerfeld her und führte in grünbemalten Fässern, aus deren Spundloch Georginen- und Asternsträuße ragten, den Sauser durch die Brücke. Tag und Nacht hörte das Pferdegeklingel nicht auf, und auch das Städtchen wimmelte von Käufern, meist Gastwirten aus Zürich, die seine wohlgeratene Traubenernte begehrten.
Die Geldkatze aus Otterfell über den Leib, trat einerauch zu Meister Martin herein. »Ich bin Jakob Weriker, der Meisenwirt von Zürich, und hätte mit Euch, wenn Ihr wollt, zwei Geschäfte. Das eine betrifft die paar Saum1Wein, die Ihr zu verkaufen habt, sie würden mir zur Vervollständigung einer Ladung dienen, das andere Euere älteste Tochter.« Meister Martin zog das Käppchen und machte ein bedenkliches Gesicht, nicht wegen des Weines, den zu veräußern er bereit war, sondern wegen Marie. »Ja, was soll's denn mit dem Kind?« fragte er. »Darf ich die Tochter sehen?« erwiderte Weriker. »Ihr werdet vom Zunfthaus zur Meise in Zürich noch nie etwas Nachteiliges gehört haben.«
1Altes Maß, anderthalb Hektoliter.
1Altes Maß, anderthalb Hektoliter.
1Altes Maß, anderthalb Hektoliter.
»Nein, gewiß nicht,« versetzte Junghans, »ich weiß, daß es die Einkehr der Ratsherren und der vornehmen Leute in der Stadt ist.«
»Also,« lächelte der Wirt.
Sein Auftreten gefiel Meister Martin, es spiegelte sich darin Wohlhabenheit, Selbstbewußtsein, aber auch ehrbare Zuverlässigkeit. Neugierig, was nun folgen würde, rief Junghans Marie herbei.
Sie kam, grüßte den Wirt anstandsvoll und so bescheiden, als hätte sie noch nie in einem Spiegel gesehen, wie ihr das Gesicht hübsch aus den glatten, schlichtgescheitelten Haaren hervorleuchtete. Die braunen Rehaugen fragten ängstlich und neugierig, was denn wohl der Fremde von ihr wolle. Er fragte sie manches aus ihrem jungen Leben, und sie gab kurze, klare Antworten. Weriker fand ein wachsendes Gefallen an ihrer ebensogescheiten wie treuherzigen Art. Auf seinen Wunsch trat auch die Mutter herzu, und in großer Spannung saß das Ehepaar dem stattlichen Zunftwirt gegenüber.
»Ja, lieber Meister und Frau,« hob er an, »Eure Marie hätte ich gern als Aufwärterin in die Meise.«
»Niemals!« fuhr Meister Martin empor. »Niemals!« wiederholte Frau Elisabeth wie ein Echo. »Nein, wir geben kein Kind in ein Gasthaus. Bemüht Euch nicht weiter.« In ihren Gesichtern stand die Entrüstung über das Ansinnen.
»Ich war auf diese Ablehnung gefaßt,« erwiderte Weriker unbeirrt. »Herr Pfarrer Tappoli, der nie nach Zürich kommt, ohne in die Meise zu schauen, hat mir zuerst den Namen Eurer Tochter genannt, aber mich auch auf Euren Widerstand vorbereitet. Doch wollte ich das Mädchen einmal sehen. Nun hat ihr Eindruck meine Erwartung übertroffen. Eure Marie ist gerade das, was ich bedarf: ein gesundes, rechtschaffenes Wesen, rasch von Verständnis, anmutig, doch nicht auffallend von Gesicht. Das brave, einsichtige Landmädchen, das in ein Zunfthaus taugt.«
»Wenn wir aber nicht wollen!« grollte Meister Martin. »Zu jedem Handel müssen doch zwei sein.« »Darüber jetzt ein Wort,« versetzte Weriker ruhig und zäh. »Es gibt genug reiche Bauern und Müller, die mir noch ein stattliches Geld zahlen würden, wenn ich ihre Töchter nur in meine Stuben aufnähme, aber daraus habe ich mir nie ein Geschäft gemacht, sondern stets die Mädchen gewählt, wie sie sich für mein Haus eignen. Warum würden Bauern und Müller noch gerne Geld bezahlen?Meine Frau und ich halten unsere Aufwärterinnen wie eigene Töchter. Im Umgang mit unsern Gästen erlernen sie Lebensart, erwerben sich gute Formen und hören auch manches Ernste, was sie bildet. Liebeleien gestatten wir aber nur, wenn wir überzeugt sind, das Mädchen finde dabei sein Glück. Das ist der alte Ruf der Meise. In den vielen Jahren, da ich auf der Zunft sitze, ist noch jede zu einer guten Heirat gelangt und hat, wenn sie aus dem Haus trat, bereits eine schöne Aussteuer besessen. Die besorgen unsere Stammgäste, die grundsätzlich kein Trinkgeld geben, statt dessen aber für die aufwartende Tochter ein Sparkassenheft führen. Und so sage ich bloß: Stellt Euch der Marie nicht in den Weg für ihr künftiges Glück, denkt an die reichen Bauern.«
Junghans und seine Frau blickten sich fragend an. Der Vorschlag Werikers ließ sich doch hören.
»Also überlegt's Euch, Meister und Frau,« versetzte er selbstsicher. »Ich fahre jetzt nach Schaffhausen und Hallau, dann komme ich wieder und bitte um Eure Antwort. Die Angelegenheit drängt etwas, die Tochter, die durch Marie ersetzt werden soll, will heim, sie ist mit einem angesehenen Handelsmann verlobt.« Als er gegangen war, setzte sich das Ehepaar ratlos an den Tisch, Meister Martin das Kinn in der Hand. Marie aber glänzten die Augen auf und blühten die Wangen. »Ja, Vater, ja, Mutter, ich will! Mir schien es schon lange ein Unrecht, daß ich Euch nicht verdienen helfe. Quält Euch nicht mit Befürchtungen. Ich weiß, was ich Euch schuldig bin.« Und mehr als ihr Mund sprach ihr braunes,lieblich ernstes Gesicht, das leichtsinniger Gedanken nicht fähig war.
Meister Martin besprach sich mit Pfarrer Tappoli und nahm den Weg nach der Stadt unter die Füße. Als er am Abend todmüde heimkam, erzählte er: »Für Marie und uns ist wirklich das Glück zum Dach hereingefallen, daß sie auf dem Zunfthaus dienen darf.«
Sie fand dort ihr Brot.
Ulrich aber sah in der Ferne schon die Zeit seiner Wanderschaft vor sich und freute sich darauf, ohne recht zu wissen warum. Er durchstreifte, allerdings nur auf der Karte, die Länder Europas, Osten und Westen, Norden und Süden, fuhr bald den Rhein oder die Donau hinab, oder zog über den Gotthard nach Italien, oder über den Jura nach Frankreich hinein. Oft sprach der Vater mit ihm andeutungsweise, dann offener und klarer über die sittlichen Gefahren der Wanderschaft, über Weggefährten, Herbergen, Gesellenleben und die Versuchungen durch junges Weibsvolk. Obgleich sich Ulrich für einen gescheiten jungen Mann hielt, gestand er sich, daß er doch eigentlich von den verführerischen und schlechten Dingen draußen in der Welt noch wenig wisse.
Das bekräftigte ihm auch Thomas, der alle deutschen Mundarten durcheinander sprach. »Das Schlechtest aber, was Gott erschaffen hat, das soan's schon d'Weibsleut. Himmi Sakrament, Donnerwetter! Läus' haben ist nichts, aber so' nen weibischen Anhang, den man nimmi losbringt. Schön und liab soans z'erst, aber nahi? – Wenn du der Simson wärst, du kimmst net dagegen an.Die luderige Delila hat dir halt's Haar abg'schnitten, wie's schon in der Bibel steht, die Katz hat si an dei Buckel krallt, und du kannst kratzen und schreien, es hilft dir nichts. Und du bist grad einer, Uli, auf den's Weibsvolk losgeht wie d'Schnackenmucken auf das frische Blut.«
Den jungen künftigen Wandersmann überlief eine Gänsehaut. Wenn er sich aber ruhiger Überlegung hingab, war ihm, er brauche nicht vor den Künsten der Weibsbilder zu bangen. Versuchte ihn eine, so würde er an Nick Tappoli denken, und die andere könnte mit ihrem Zauber gehen.