Wie ohne Brücke und Fähre über den Iro kommen?Wie ohne Brücke und Fähre über den Iro kommen?
Wie ohne Brücke und Fähre über den Iro kommen?
Wie ohne Brücke und Fähre über den Iro kommen?
So hatten wir ihn denn erreicht! Wie aber hinüberkommen? War es möglich, ihn mit Hilfe des Motors zu durchfahren? Ettore watete in das Wasser hinein; er hatte aber noch nicht hundert Schritte gemacht, als wir es ihm schon bis an die Hüften reichen sahen. Er berichtete:
„Wir müssen eine andere Art ausfindig machen. Der Grund ist gut, aber das Wasser würde den Magneten bedecken. Die Zündung würde nicht mehr funktionieren, und wir würden plötzlich, mitten im Strom, stillstehen. Die Strömung ist sehr stark; zuweilen drohte sie mich mit fortzureißen.“
Wir dachten an den Bau einer Fähre. Um das Gewicht des Automobils zu tragen, wäre eine sehr große Fähre erforderlich gewesenund mindestens zwei Lagen Balken; wo sollten wir aber so viel Holz hernehmen? Als wir uns umsahen, entdeckten wir neben einem kleinen Gebüsch eine alte Hütte, die einer sibirischen Isba ähnelte, umgeben von einer niedrigen Palissadenwand.
„Kaufen wir die Hütte,“ schlug ich vor, „reißen wir sie ein, und wir haben genug Holz zum Bau einer Fähre.“
„Das würde vielzuviel Zeit kosten“, bemerkte der Fürst. „Sehen wir erst zu, ob sich nichts findet, was rascher fördert.“
Da traten einige Mongolen aus der Hütte und näherten sich uns. Es waren auch Frauen darunter, das Gesicht umgeben von der komischen, an ein Elefantenohr erinnernden Haartracht. Andere kamen am sonnigen Ufer entlang geritten.
Vielleicht konnten wir die Barke erreichen, welche die Wagen übersetzt, die auf der Straße über das Gebirge kommen? Es mußte einen Weg geben, der uns zu ihr führte. Wir fragten die Mongolen, von denen einige etwas russisch verstanden.
Nein, es gab keinen solchen Weg; weiter hinauf wurde das Ufer felsig. Wir mußten bis zu der von uns am Abend vorher befahrenen Straße zurückkehren und das Gebirge überschreiten, vorausgesetzt, daß dies möglich war.
Es gab noch ein anderes Mittel: den Magneten aus dem Automobil herauszunehmen und dieses dann an das andere Ufer zu ziehen. Der mit einer dicken Fettschicht überzogene Motor würde keinen Schaden leiden, wenn das Wasser nur nicht in die Zylinder eindränge.
Wir beschlossen, unverzüglich den Versuch zu wagen. Zunächst machten wir den Mongolen unser Vorhaben klar. Wir brauchten Ochsen; wir würden gut zahlen, müßten sie aber sofort haben. Sie gingen darauf ein. Nach kurzer Zeit sahen wir von irgendwoher eine Anzahl Ochsen ankommen unter Obhut zweier Hirten, die ihren langen Stachelstock schwangen. Bei diesem Anblicke gestanden wir feierlichst, daß die Mongolen das dienstfertigste und zuvorkommendste Volk der Welt seien.
Übergang über den Iro-Fluß.Übergang über den Iro-Fluß.
Übergang über den Iro-Fluß.
Übergang über den Iro-Fluß.
Ettore, der auf dem Rücken ausgestreckt unter dem Automobil auf dem heißen Sande lag, arbeitete lange Zeit. Er nahm das Blech ab (wir nannten es den „Bauch“ nach einer gewissen Ähnlichkeit mit einem Pferdeleib), das von unten den Motor und das Geschwindigkeitsgetriebe schützt, schraubte sorgfältig den Magneten los und bedeckte die feinsten Teile der Maschine mit ölgetränkten Lappen; dann hüllte er den Magneten sorgfältig in seine Joppe und erklärte schließlich, alles sei bereit. Die Stricke wurden an dem Automobil befestigt und die Ochsen angespannt. Nun begann eine seltsame Bugsierschiffahrt über eine etwa 300 Meter breite Wasserfläche.
Zugleich mit den Ochsen und dem Automobil betraten sämtliche Mongolen das Bett des Iro; einige zu Fuß, andere zu Pferde, zu zweit und dritt auf einem Tiere reitend. Auch die Frauen bestiegen ihre Sättel, um den Schiffszug zu begleiten. Der Fürst erhielt ein Pferd zur Verfügung gestellt. Ich stand im Begriff, ebenfalls zu Pferd in aller Ruhe den Übergang zu bewerkstelligen, und war vor allem darauf bedacht, den photographischen Apparat durch Hochhalten aus dem wahrscheinlichen Bereich der Spritzer zu bringen, als jemand hinter mir auf meinen Sattel sprang. Es war ein Mongole, der dies ganz natürlich fand. Mit heiterer Vertraulichkeit hielt er sich an meinen Schultern fest, und so kamen wir selbander in brüderlicher Gemeinschaft ans andere Ufer.
Mitten im Flusse verschwanden die Räder des Automobils, und das Wasser schoß gurgelnd über den Boden der Karosserie. Die Ochsen zauderten einen Augenblick, als sie die Stärke der strudelnden Strömung spürten, die sie von ihrem Wege abdrängte; aber die Zurufe und der Stachelstock spornten sie zu neuer Kraftentfaltung an, und eine Minute später wohnten wir dem ungewöhnlichen Schauspiele bei, daß ein Automobil über und über triefend und unter Hinterlassung einer breiten nassen Spur aus dem Bade kommt. Von dem Augenblicke an, als wir an das linke Ufer gelangt waren, bis zu dem, als wir das rechte erreichten, waren zweieinhalb Stundenverflossen. Es ist dies viel Zeit zum Zurücklegen einer Wegstrecke von 300 Metern!
Eine halbe Stunde später waren wir marschfertig, um den letzten Zipfel der Mongolei zu durchqueren. Wir benachrichtigten die wackeren Mongolen von der Ankunft noch mehrerer solcher Wagen wie des unsrigen und fuhren ab. In diesem Augenblicke entbrannte unter den braven Leuten ein anscheinend wütender Streit über die Verteilung des Geldes. Man hätte sagen können, sie seien im Begriff, zu den Messern zu greifen, wenn man nicht wüßte, daß die Mongolen mit Entsetzen vor Blutvergießen zurückschrecken; ihre Religion verbietet es ihnen, und sie gehorchen ihr buchstäblich. Wenn sie sich an einem Feinde rächen wollen, so — erdrosseln sie ihn.
Wir fuhren rasch; wir hatten Eile, die russische Grenze zu überschreiten. Ich weiß nicht warum, aber wir hatten den Eindruck, als seien jenseits der russischen Grenze die Wegschwierigkeiten zu Ende. Wir gaben uns der tröstlichen Illusion hin, daß von nun an alles sich zu einer langen Reihe von Spazierfahrten gestalten werde. Auf den Karten waren von Kiachta an die Straßen mit zwei Linien statt mit einer bezeichnet. War das nicht der Beweis einer großen Veränderung? Diese beiden Linien erschienen uns köstlich. Wir schlugen alle Augenblicke die Karte nur zu dem Zwecke auf, um diese Linien mit dem Auge zu verfolgen und schon im voraus die Freude einer ununterbrochenen „60 in der Stunde“ zu kosten.
Etwa 40 Kilometer vom Iro entfernt traten wir in den Schatten majestätischer Kiefernwälder. Infolge des trockenen, glatten Geländes gab es eine rasche Fahrt im Walde. In wenigen Minuten fühlten wir uns schon unendlich weit vom chinesischen Reiche entfernt, obwohl die Räder unseres Automobils noch auf dessen Boden dahinrollten. Wir wechselten Worte der Bewunderung und Begeisterung, als seien wir unser Lebenlang nie in einem Walde gewesen. Zu Füßen der mächtigen geraden Stämme breitete sich ein weicher Rasenteppich aus. Wir atmeten Harzduft ein. Wir kamen an grünen Waldwiesen vorüber,die in uns die Lust erweckten, zu halten, uns auf einem alten gestürzten Stamme niederzulassen und uns des Schattens zu erfreuen.
„Wie schön!“ wiederholten wir. „Es ist wie in einem Parke.“
Wenn wir jetzt daran zurückdenken, so war die Schönheit gar nicht so außerordentlich, aber die Neuheit war groß. Der Bogda-ola hatte uns auch Wälder sehen lassen, aber nur von ferne, und hier nahm uns der Wald selbst auf. Der Unterschied ist ganz gewaltig, wenn man aus der Wüste kommt.
Der Weg war etwas sandig und infolge hier und da hervorstehender Wurzeln etwas holprig, aber verhältnismäßig gut. Nach einigen Stunden trat jedoch eine Veränderung ein, die uns den Wald unerträglich machte: der Himmel hatte sich mit Wolken bedeckt. Wenn der Sonnenschein fehlt, macht die Gesellschaft der Bäume traurig; sie fügt Schatten zu Schatten; die Dunkelheit wirkt beklemmend, weil sie gleichmäßig verbreitet ist, und erfüllt uns mit der ganzen Melancholie der Abenddämmerung.
Als wir aus den Kiefernwäldern herauskamen und der Horizont sich entfaltete, bemerkten wir im Norden eine schwarze Wetterwand. Unterhalb der düsteren, niedrig schwebenden, bleigrauen Wolken zog sie sich in der Form eines Nebelstreifens über die Erde. Sie verbreitete sich wie der Rauch einer sich rasch ausdehnenden Feuersbrunst. Die Luft war still.
Wir fuhren in ein sandiges Tal hinab. Eine kleine Wagenkarawane hatte sich hier gelagert. Das Benzin im Motor war zu Ende, und wir mußten aus den Behältern neues aufgießen; wir hielten daher. Mit einem Male wurde die Stille der Luft gestört, ein plötzlicher Windstoß fuhr heulend vorbei. Er war der Vorbote eines Orkans, der sich nach wenigen Minuten wütend auf die Ebene stürzte und Wolken von Staub aufwirbelte, die uns zwangen, die Augen zu schließen.
Es war der Abschiedsgruß der Mongolei! Wir erlebten ein in jenen Gegenden häufiges Schauspiel: einen Sandsturm. Wir befanden uns in einem Luftwirbel. Das Automobil wurde hin und hergerüttelt; wir hielten uns dicht an die Maschine, die uns als Windschutz diente. Die Richtung des Windes wechselte wirbelartig. Der Sand lief wie eine Flüssigkeit über den Boden hin; er bildete gelbe Ströme, häufte sich zusammen und erhob sich in Wirbeln. Der heftigste Anprall dauerte aber nur wenige Minuten, und nach einer halben Stunde ließ der Sturm mit derselben Schnelligkeit, mit der er gekommen war, nach. Wir sahen den Orkan sich entfernen, wie man auf der Erde den Schatten der Wolken dahinhuschen sieht.
Kiachta konnte nicht mehr weit sein. Es war 4½ Uhr nachmittags. Wir wollten rechtzeitig eintreffen, um vor Einbruch der Nacht noch die Geschäfte auf dem Zollamt zu erledigen und auf russischem Boden zu schlafen. Wir suchten daher die Fahrt zu beschleunigen, aber der Weg führte uns über Dünen, in denen die Räder einsanken. Der Sand lag lose und hoch und leistete uns einen immer größeren Widerstand. Die Laufräder begannen sich zu drehen, ohne sich fortzubewegen; sie schleiften auf dem Boden. Der Motor strengte sich an und erhitzte sich, und der Dampf strömte zischend aus dem Kühler. Es fehlte uns an Wasser, und aus Furcht, einen Teil der Maschine zum Schmelzen zu bringen, gewährten wir dem Motor lange Ruhepausen. Er verbreitete eine Hitze, die sich schon von fern bemerkbar machte, jedesmal aber warteten wir die Abkühlung ab. Während dieser Ruhepausen arbeiteten wir, ebneten den Weg vor den Rädern mittels des Spatens und schaufelten so viel Sand weg, bis wir auf eine feuchte, härtere Schicht stießen. Dann ging es wieder vorwärts; wir unterstützten die Anstrengungen der Maschine durch Schieben. Zentimeter auf Zentimeter rückten wir vor. Wir brauchten eine Stunde, um einen halben Kilometer zurückzulegen, und gelangten dann in steilem Aufstieg zum Gipfel.
Auf halber Höhe zeigte sich uns Kiachta. In der Entfernung von zwei Kilometern lag es in ein Tal eingebettet, um vor den Stürmen geschützt zu sein. Daher hatten wir es auch vorher nicht gesehen. Sie verbarg sich vor uns, die stolze Stadt!
Wir empfingen in der Tat von Kiachta den Eindruck stolzer Großartigkeit. Das Bild wuchs in unserer Phantasie ins Riesengroße, zu einem wahren Schönheitstraum. Wir sahen spitze Glockentürme, weiße Häuser mit Fenstern, Giebeldächer, Fabriken mit hohen Schornsteinen — alles wunderbare, unglaubliche Dinge! Diese Formen setzten uns in Erstaunen, weil sie uns vertraut waren. Es schien, als sei uns Europa bis zur Mongolei entgegengekommen.
So waren wir also angelangt! Wir fühlten Freude und Stolz darüber. Wir betrachteten diese Stadt, die zwischen dem Grün der Bäume weiß hervorschimmerte, als hätten wir sie erobert. Ihr Erscheinen war eine Überraschung, ihr Anblick eine Offenbarung.
Von diesem Augenblicke an prägte sich der Name Kiachta dem Geiste Ettores unauslöschlich ein und teilte sich hinfort mit Kalgan in die Ehre, alle Städte des russischen Ostens zu bezeichnen.
Vor Kiachta dehnt sich eine niedrige, regellose Menge kleiner Häuser aus: es ist Maimatschen, die letzte chinesische Stadt. Urga ist eine dreifache, Kiachta eine doppelte Stadt. Die Häuschen von Maimatschen drängen sich auf der Grenze der beiden Reiche an die slawischen Gebäude heran, als wollten sie sich deren Einmarsch entgegenstellen. Die russische und die chinesische Stadt liegen nicht wie in Urga weit voneinander entfernt, sondern berühren einander. Es sieht aus, als stießen sie sich, als suchten sie einander vom Platze zu drängen, als machten sie sich das Gelände Zoll um Zoll streitig. Die neutrale Zone ist nur wenige Meter breit — ein kleiner Rasenstreifen, auf dem sich einer Schildwache gleich der hohe Pfeiler erhebt, der die Grenze bezeichnet. Die Nachbarschaft hat kein vertrautes Verhältnis im Gefolge gehabt. Auf der einen Seite Stockchinesentum, auf der andern Stockrussentum. Eine Ansiedlung, die an der Wolga liegen könnte, ist mit einer solchen vereinigt, die sich am Jang-tse-kiang befinden könnte!
Was uns in Maimatschen in Erstaunen setzte, war der Umstand, daß sich hier die am schärfsten ausgeprägten Charakterzüge Chinas finden. Es gleicht weniger einem Orte der Provinz Tschili alseinem von Hu-pe; es gehört mehr dem Süden als dem Norden des Reiches an. In der Tat stammen seine Bewohner aus der Umgebung von Hankou, aus dem eigentlichen Herzen Chinas. Sie kommen aus dem Lande des Tees und sind des Tees wegen nach Maimatschen gewandert. Kiachta und Maimatschen verdanken ihr Dasein einzig und allein dem Tee, der auf langen Reihen von Kamelen durch die Wüste kommt (oder besser kam). Kiachta nimmt ihn in Empfang, Maimatschen übergibt ihn. Dieser Ort ist Jahrhunderte hindurch der Mittelpunkt eines der größten Weltmärkte gewesen. Der Handel mit Tee hat fabelhafte Reichtümer von Hankou nach Moskau gebracht; sein Transport hat die Saat des Wohlstandes auf zwei Kontinenten zurückgelassen. Der Tee ist eine der reichsten Quellen des Gewinnes zweier Völker geworden, die in jenen Einöden ein dauerndes Kompaniegeschäft gegründet haben. Es sind China und Rußland, die miteinander im Vertragsverhältnisse stehen.
Die Bewohner von Maimatschen haben alle ihre Gewohnheiten, ihre Gebräuche, ihre Geschmacksrichtungen mitgebracht. Die Außenwände der Häuser sind roh, einförmig kahl und grau, weil der Chinese seinen Luxus nicht für die Vorübergehenden zur Schau stellt. Aber durch jede offene Tür sehen wir in das Innere großer, buntbemalter Höfe hinein und auf den Türpfosten, auf den spanischen Wänden, die die Blicke der Fremden abhalten sollen, auf den Pfeilern drehen und winden sich Drachen und andere lebhaft gefärbte Fabeltiere, gestikulieren bizarre Gestalten, fliegen Phönixe inmitten eines Gewirrs traditioneller Ornamente, erglänzen große vergoldete chinesische Schriftzeichen, die „langes Leben“ und „viel Glück“ bedeuten — die ganze ins Auge fallende Zusammenstellung von Dingen, die in China die Aufgabe haben, das Böse zu vertreiben und das Gute anzulocken. Eine derartige überströmende ornamentale und symbolische Fülle ist den echt chinesischen Ortschaften Chinas jenseit des Gelben Flusses eigen, wohin der tatarische Einfluß nicht gedrungen ist.
Die Bevölkerung von Maimatschen wurde durch unsere Ankunft in Aufregung versetzt. Man hatte uns von den sandigen Hügeln herunterkommensehen, und alle Chinesen in ihren blauen Kleidern liefen, die Fächer bewegend, auf die Straße, kamen uns entgegen und drängten sich um uns, während wir durch die Stadt fuhren. Keine Frau befand sich unter ihnen. Es ist eine Eigentümlichkeit Maimatschens, die auffallendste, die sich in einer Stadt, die Tausende von Einwohnern zählt, denken läßt: es gibt hier keine Frauen. Ich weiß nicht, ob dies auf einer Bestimmung der Verträge mit Rußland beruht, das an seiner ganzen östlichen Grenze die Eroberungszüge der Fruchtbarkeit der gelben Rasse fürchtet, oder auf einem freiwilligen Entschluß der Chinesen, die davor zurückscheuen, sich fern von ihrer Heimat anzusiedeln, um nicht nach dem Tode gemäß ihren Anschauungen das schmerzlichste Exil, das der Seele, zu erdulden. Tatsache ist, daß Maimatschen eine Männerstadt ist.
In den Sanddünen bei Kiachta.In den Sanddünen bei Kiachta.
In den Sanddünen bei Kiachta.
In den Sanddünen bei Kiachta.
Diese Seltsamkeit hat ein Gegenstück, das vielleicht nicht ganz außer Zusammenhang mit ihr steht: drei Li von Maimatschen entfernt liegt in der Ebene ein Jurtendorf, das einzig und allein von mongolischen Frauen bewohnt ist.
Ein junger Chinese winkte uns zu, wir möchten halten, und redete uns englisch an. Er wollte die Ehre haben, uns zu beherbergen, wennauch nur auf wenige Minuten, wie alle seine Kollegen von Kalgan bis Urga diese Ehre gehabt hatten: es war der Vorsteher des Telegraphenamtes.
„Ich habe den Polizeikommissar von Kiachta von Ihrer Ankunft benachrichtigen lassen,“ sagte er, als er uns in seiner Privatwohnung empfing; „inzwischen können Sie sich erfrischen, sich waschen und etwas trinken.“
Wir befanden uns allerdings in einem unbeschreiblichen Zustande. Unsere Gesichter waren buchstäblich schwarz von Staub, und auf unseren Kleidern lag eine dicke Kruste der verschiedenen Schmutzarten, mit denen wir auf unserer Fahrt in vertraute Berührung gekommen waren: schwarzer Schmutz aus den Sümpfen, gelber aus dem Chara-gol, weißer aus dem Iro. Man brachte uns warmes Wasser, kaltes Wasser, Seife, Kämme, Handtücher, Kleiderbürsten und dann Zigaretten, Wein, Milch, Biskuits, eingemachte Früchte. Wir versuchten und kosteten alles; wir verwandelten uns äußerlich und innerlich. Endlich machten wir uns auf die Ankündigung hin, daß der Kommissar uns erwarte, dankbar und neu gestärkt wieder auf den Weg.
Eine Minute später verließen wir das Himmlische Reich. —
Neben dem Grenzpfeiler stand als Posten der erste Gorodowoi (Schutzmann), den wir zu Gesicht bekamen, in weißer Uniform, mit flacher Mütze, den Säbel am Wehrgehenk, die Brust mit roten Verschnürungen geschmückt. Er erhob die Hand und befahl:
„Stoi!“ — „Halt!“
Er grüßte steif, indem er zwei Finger an den Schirm seiner Mütze legte und die Hacken zusammenschlug, und sprang auf das Automobil. Auf dem Trittbrett stehend, gab er die einzuschlagende Richtung an und kommandierte:
„Vorwärts, rechts!“
Das Automobil bewegte sich gehorsam wie ein Rekrut.
Wir betraten den Boden des Russischen Reiches.
Transbaikalien.
Der amtliche Schutz. — Sibirische Gastfreundschaft. — Das Automobil und der Tee. — In der Richtung auf Nowi-Selenginsk. — Der Übergang über die Selenga. — Ein aufblühendes Land. — Die Eisenbahn.
Der Polizeikommissar von Kiachta empfing uns in seinem Amtszimmer und erklärte uns mit finsterem Gesicht, er befinde sich in der Notwendigkeit, mit uns von ernsten Dingen sprechen und uns einige wichtige Dokumente überreichen zu müssen.
Der Fürst und ich sahen uns fragend an. Der Ton unseres Gastfreundes hätte den Glauben erwecken können, als handle es sich um einen Verhaftungs- oder Ausweisungsbefehl. Aber bald sollten wir bemerken, daß er stets eine würdige, feierliche Haltung annahm, wenn er von amtlichen Geschäften sprach, welcher Art sie auch sein mochten, während er sich heiter und gewandt über alles sonstige unterhielt. Er ließ zwei getrennte Persönlichkeiten erkennen, die des Bureaukraten und des gebildeten Mannes, von denen jede ihre besondere Umgangsform und Sprechweise hatte. Im übrigen war er ein sympathischer Beamtentypus und wurde einer unserer besten Freunde in Kiachta. Er war ein kleiner, dicker, alter, gesprächiger, gebildeter und sprachenkundiger Herr. Jetzt hatte er sich in seinen amtlichen Ernst wie in eine Uniform gehüllt.
Er forderte unsere Pässe, um sie zu prüfen. Dann teilte er uns mit, daß die Zollverwaltung den Befehl erhalten habe, uns zollfrei passieren zu lassen, und überreichte uns, nachdem wir eine regelrechte Empfangsbescheinigung ausgestellt hatten, einige Schriftstücke, die von Petersburg gekommen waren und die ebenso viele Beweise des wohlwollendsten amtlichen Schutzes darstellten. Die russische Regierung hatte, als die Fahrt Peking–Paris projektiert worden war, durch das Ministerium des Auswärtigen es abgelehnt, die Verantwortung für die persönliche Sicherheit der Reisenden zu übernehmen, namentlich während ihrer Fahrt durch Sibirien. Wir waren daher angenehm überrascht, als wir in Kiachta ein amtliches Schreiben des Ministers des Innern erhielten, eine Podoroschnaja, einen Reisepaß, der alle Behörden ersuchte, uns im Notfalle Hilfe zu leisten, nebst einem Schreiben des Generaldirektors der Reichspolizei, das uns des väterlichen Schutzes aller Polizeiämter versicherte, und drei besonderen Erlaubnisscheinen, kraft deren es einem jeden von uns gestattet war, zwei Revolver bei sich zu führen.
Nachdem die Überreichung vor sich gegangen war, lachte der Kommissar, rieb sich die Hände und nahm die freundliche Miene eines liebenswürdigen Privatmannes an.
Er erzählte uns die letzten Neuigkeiten aus der Welt, um uns auf dem Laufenden zu erhalten: die Duma war aufgelöst worden; in Petersburg herrschte Ordnung; in Südfrankreich war Revolution; in der Nähe von Neapel hatte sich ein Automobilunglück zugetragen. Dann ließ er Champagner bringen und stieß mit uns auf den Erfolg unserer Fahrt an. Auch begleitete er uns persönlich nach dem Zollamte und stellte uns vielen Beamten, Herrn Sinitzin, dem Agenten der Russisch-Chinesischen Bank, und den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt vor. Kurz, er war ein gefälliger und liebenswürdiger Führer.
Auf dem Zollamte mußten wir eine Erklärung unterzeichnen, in der wir, Fürst Borghese und ich, uns solidarisch verpflichteten, dasAutomobil über die Grenzen des Reiches zu bringen. Es war dies unser sehnlichster Wunsch, der hier protokolliert und zum Gegenstande einer feierlichen Amtshandlung gemacht wurde.
An der Maschine wurde eine Tafel mit einer Zahl — Nummer 1 — angebracht, und dieselbe Zahl wurde auf die Scheiben der Laternen gemalt. Dann wurden wir für frei erklärt. Herr Sinitzin lud uns in sein Haus ein, ein großes Holzhaus, in dem sich auch die Geschäftsräume der Russisch-Chinesischen Bank befinden. Nie werden wir den patriarchalischen, liebevollen Empfang vergessen, der uns hier zuteil wurde.
Das alte Haus war in voller Aufregung; es zitterte und knirschte vom Boden bis zum Keller unter den eiligen Schritten der barfüßigen Mägde, die in die charakteristischen traditionellen Trachten Sibiriens gekleidet waren; die Herdfeuer brannten beständig, weil die Tafel immer gedeckt blieb. Es kamen Schüsseln auf den Tisch, die homerischer Gastmähler würdig gewesen wären; riesige Rinderbraten, große gesottene Fische, Lammviertel, dampfende Borschtsuppe in Terrinen, die so groß waren wie Fischteiche, Berge von Kaviar, von Stör, von Lachs, von Eiern, von Pirowski, und Flaschen, gefüllt mit jederlei Art Wein und jederlei Art Likör, köstliche Früchte, die eigens aus Italien bezogen waren. In der Mitte des Ganzen summte ein riesiger Samowar wie eine zufriedene Katze. Was uns aber noch mehr zusagte, das war die ungeheuchelte, aufrichtige Herzensgüte, die Zuvorkommenheit, die Liebenswürdigkeit, von der wir umgeben waren. Wir empfanden in allem die Sympathie, die man uns entgegenbrachte, die Freundlichkeit, die Vertraulichkeit, das beständige Bestreben, uns vergessen zu lassen, daß wir Fremde und fern von der Heimat seien. Unsere Neigungen, unser Geschmack wurden studiert, und oft kam man ihnen zuvor. Ein beständiges Lächeln belebte aller Blicke. Die gute Frau Sinitzin, die in ihrer Unermüdlichkeit mitunter ihre Staatstoilette ablegte, um sich den üblichen Pflichten der Hausfrau zu widmen, war unaufhörlich um uns besorgt. Sie verschwendete an Fremde die Schätze ihres mütterlichen Empfindens, weil sie an dieSchwelle des Greisenalters gelangt war, ohne Mutter gewesen zu sein. Sie hatte Falia, ein Burjatenmädchen, als Tochter angenommen, und dieses, einem wilden Stamme entsprossene Kind erheiterte ihr die Einsamkeit des Lebens. Falia brachte uns Blumen, und wenn sie uns nachdenklich und ernst sah, kam sie zu uns und lächelte uns an.
Fortwährend kamen neue Gäste zu Tische. Die Freunde betraten das Zimmer, nahmen nach kurzer Begrüßung Platz und verkehrten in der Familie mit einer Vertraulichkeit, die auf langjährigen Umgang schließen ließ. Man begreift, daß bei diesen Leuten alle Türen und Tore offenstehen; sie sprachen in einem Tone ernster, ruhiger Freundschaft, aus dem man ersehen konnte, daß auch die Tore des Herzens geöffnet waren. Viele der Erschienenen waren Teehändler; auch unser Gastfreund Sinitzin gehörte dazu. Alle diese einfachen und bescheidenen Männer von ungeschlachtem Körperbau, mit bärtigen Gesichtern und dem sanften Blick des russischen Muschik, die in Blusen aus sibirischer Seide gekleidet waren und riesige Stiefel an den Füßen hatten, waren Millionäre. Der Teehandel hatte sie reich gemacht.
Kiachta ist ein Städtchen von Millionären. In den kleinen, mit lebhaften Farben bemalten Holzhäusern, die sich längs der aus Brettern hergestellten Fußsteige hinziehen und durch ländliche Höfe voller Telegas und Schlitten voneinander getrennt sind, führen Familien, die einen Palast in Moskau oder Petersburg besitzen könnten, ein Leben wie Verbannte. Der Tee geht fast gar nicht mehr durch Kiachta; die Quelle ihres Reichtums ist seit etlichen Jahren versiegt, aber sie bleiben. Sie harren aus in dem Lande, das ihnen Wohlstand gebracht hat, sie bleiben in der Nähe ihrer alten prächtigen Kathedrale, die mehr Schätze birgt als alle Kirchen Sibiriens zusammengenommen. Die Liebe zu dem Orte hält sie hier zurück, die Unbekanntschaft mit dem Luxus, die Gewohnheit und auch die unbestimmte Hoffnung, daß die uralte Wüstenstraße sich wiederum mit Karawanen bevölkern, daß die kleine, jetzt so stille Stadt wieder zu geschäftigem Lärm erwachen werde.
Mongolische Reiter auf der Straße nach Kiachta.Mongolische Reiter auf der Straße nach Kiachta.
Mongolische Reiter auf der Straße nach Kiachta.
Mongolische Reiter auf der Straße nach Kiachta.
„Sie haben keinen Begriff,“ sagte ein Zollbeamter zu mir, „was Kiachta vor sieben bis acht Jahren war! Sehen Sie diese breiten, öden Straßen? Sie reichten an manchen Tagen nicht aus, um das riesige Gewirr des Kommens und Gehens zu fassen. Es wurden täglich bis zu 50 000 Kisten Tee verladen. Jährlich kamen 25 000 000 Kilogramm Tee durch. Der große Umsatz begann im Oktober, und im November und Dezember war ganz Kiachta ein einziger großer Jahrmarkt und ein einziger Festplatz. Nicht einmal des Nachts begab man sich zur Ruhe. Oft schneite es, und die Leute freuten sich darüber, weil der Schnee die Straßen zu Schlittenbahnen umwandelte. Sinitzin und viele andere mieteten jeder im Sommer bis zu 500 Kamele, um die ersten zu sein, den neuen Tee auf die Messe nach Nischnij-Nowgorod zu schicken. Sehen Sie jene großen Gebäude aus Ziegeln, hinter der Kirche? Das waren die Lagerspeicher, der Gostinij Dwor. Hunderte von Arbeitern waren dort Tag und Nacht beschäftigt, die Ladungen aus der Mongolei zu öffnen, den beschädigten Tee auszusondern und die Kisten für die Reise durch Sibirien wieder zurechtzumachen, indem sie sie mit Kamelfellen bedeckten. Dort fanden die Versteigerungen statt, und Hunderttausende von Rubeln liefen um, als wären es Kopeken. Riesige Schlittenkarawanen gingen nach dem Baikalsee ab. Alle Höfe standen voll von Pferden. Am Abend fanden dann große Bälle und unaufhörliche Gastereien statt; in Troizkossawsk, der nächsten Stadt, befand sich ein Theater. Man trank, man lachte, man gab Geld aus, ohne zu rechnen. Jetzt, nachdem dieses Leben zweieinhalb Jahrhunderte gedauert hat, ist Kiachta eine tote Stadt.“
„Ist dieses Jahr wenig Tee durchgekommen?“
„Nichts.“
„Alles geht nach Wladiwostok?“
„Alles geht mit der Eisenbahn. Vor zwei Jahren trat während des Krieges ein Aufschwung ein, weil alle Eisenbahnlinien für die Truppen in Beschlag genommen waren. Aber jetzt ist es vorbei. Wie soll man mit der Eisenbahn den Kampf aufnehmen? Die Straßen sindganz verödet, es benutzt sie niemand mehr. Sie werden es mit eigenen Augen sehen.“
Sibirische Muschiks.Sibirische Muschiks.
Sibirische Muschiks.
Sibirische Muschiks.
„Aber die Verbindungen mit der transsibirischen Eisenbahn? Kiachta wird kein weltabgeschiedener Flecken bleiben!“
„Nein, aber jetzt benutzt man den Flußweg. Es gibt Dampfboote, die den Verkehr zwischen Werchne-Udinsk und Ust-Kiachta auf der Selenga vermitteln, und von hier bis Ust-Kiachta ist die Straße für Telegas noch gangbar.“
Die Auskünfte über die Straßen, die wir von allen Seiten erhielten, konnten nicht entmutigender lauten.
„Über die Maßen schlecht, schauderhaft, unwegsam!“ hatte uns der Polizeikommissar mit seiner dröhnenden Stimme gesagt. „Haben Sie Sümpfe in der Mongolei angetroffen? Sie werden noch schlimmere finden. Wissen Sie, welche Art von Sümpfen die Engländer mit ‚Bog‘ bezeichnen? Nun, Sie werden auf ‚Bogs‘ stoßen, wie Sie in Ihrem Leben noch nicht gesehen haben! Und Abhänge, daß Sie sich den Hals brechen können! Anhöhen, auf die Sie das Automobil nur mit Seilen hinaufziehen können! Und Sand, einen Meter hoch! Wollen Sie noch mehr wissen? Noch heute will ich durch meine Agenten die einzigen Leute befragen lassen, die jene Straße benutzen, die Telegraphenarbeiter, die die Linie auszubessern haben. Sie sollen alle Einzelheiten erfahren. Ich für meine Person bin unerschütterlich fest davon überzeugt, daß Ihr Automobil nicht durchkommt.“
„Ist es möglich?“ riefen wir mit schmerzlichstem Erstaunen aus und dachten dabei an jene hübschen Doppellinien der Landkarte. „Wir haben doch alle Schwierigkeiten der Straße zwischen Urga und Kiachta überwunden.“
Unsere Unfälle in der Mongolei interessierten alle Teemillionäre. Die Nachricht von der Fahrt Peking–Paris hatte in Kiachta ein Publikum gefunden, das darüber in Aufregung geriet. Neue Hoffnungen erwachten. Man erwartete mit Spannung die Erprobung des Automobils auf mongolischem Boden. Sollte es nicht möglich sein, das Kamel durch das Automobil zu ersetzen und die Konkurrenz der Eisenbahn bei der Teebeförderung zu besiegen? Unsere Ankunft versetzte die alten Teekaufleute in hochgradige Erregung. Wir hatten die Strecke von Kalgan bis Kiachta in 7 Tagen zurückgelegt, während die Karawanen 20 brauchten. Sie fragten uns nach tausenderlei Dingen, über die Kosten des Benzins, über die Möglichkeit, schwere Lasten zu befördern, über den Preis der Maschine. Sie diskutierten eifrig untereinander. Aus ihren Reden ersahen wir, welches der Hauptgrund gewesen war, der sie in Kiachta zurückgehalten hatte: sie erwarteten, daß die russische oder die chinesische Regierung die mongolische Bahn bauen würde, eine Bahn, die von der Logik der Dinge gefordert und daher unausbleiblich war.
Es kann noch viel Zeit vergehen, aber kommen wird die Bahn. Dann würde Kiachta, durch den Schienenstrang mit Hankou verbunden, allen chinesischen Tee direkt aus den Produktionsorten an sich ziehen. In die ruhige und geduldige Erwartung der mongolischen Linie warf das Automobil ein Fieber neuer Ideen und neuer Pläne hinein. Augenblicklich jedoch ist das Automobil, wenn es sich auch selbst in der Wüste als schnelles Verkehrsmittel bewährt hat, noch kein praktisches Beförderungsmittel. Die „Itala“ hätte nach Kiachta nicht mehr als 200 Kilogramm Tee bringen können, und zwar mit einem Kostenaufwand von ℳ 1,20 bis 1,60 für das Kilogramm.
Wie das dem Fürsten in Peking zugegangene Telegramm in Aussicht gestellt hatte, erhielten wir in Kiachta eine ausführliche Liste unserer Ersatzvorräte mit Angabe der Menge der einzelnen Gegenstände und der Entfernungen von einem Depot zum andern in Werst. An der Spitze der Liste stand Kiachta. Aber in Kiachta war auch nicht ein Tropfen unseres Benzins angekommen! Das Brennmaterial, das wir noch in den Behältern hatten, hätte vielleicht hingereicht, uns bis zum Baikalsee zu bringen, aber wir waren nicht sicher. Die sehr schwierige Straße von Urga hierher hatte den Motor oft zu angestrengter Tätigkeit gezwungen und den Benzinverbrauch erhöht. Wenn der künftige Weg ebenso schlecht war, so würde unser gesamter Reservevorrat aufgebraucht werden, bevor wir das nächste Depot erreichten! Hätten wir es dann in Wirklichkeit und nicht nur auf der Karte auffinden können? Würden wir nicht gezwungen sein, vielleicht auf Wochen hinaus festzuliegen?
Das Glück war uns günstig. Einer der reichsten Kaufleute von Kiachta hatte vor Jahren den Einfall gehabt, sich ein Automobilwägelchen und mit ihm eine große Menge Benzin kommen zu lassen. Das kleine Automobil hatte den guten Gedanken gehabt, infolge eines Schadens, dem der Schmied des Ortes bisher nicht hatte beikommen können, die Arbeit einzustellen; das Benzin war im Keller eines Magazins liegengeblieben und wartete sozusagen auf die unwahrscheinliche Gelegenheit, daß ein Automobil durchkäme. Herr Sinitzin, der als Agent der Russisch-Chinesischen Bank unser Depot hätte in Empfang nehmen sollen, erinnerte sich des Wägelchens seines Freundes und verschaffte uns das wertvolle Brennmaterial, nachdem wir das halbe Russische Reich vergebens mit dringenden Telegrammen bestürmt und uns schon entschlossen hatten, unser Glück zu versuchen. So vervollständigten wir unsere Vorräte.
Am Abend des 24. Juni erfuhr ich auf dem Telegraphenamt in Maimatschen, daß der „Spyker“ an jenem Tage bis Urga gekommen sei. Am 25. teilte mir dasselbe Amt mit, daß die beiden „de Dion-Bouton“ und der „Spyker“ bei Tagesanbruch Urga verlassen hätten. Am Nachmittag begann es zu regnen.
„Aha, die Bogs des Kommissars!“ sagten wir lachend zueinander.
Und wir dachten an die berüchtigten Sümpfe, an Moräste, die uns drohen sollten; bald würde der Regen jeden Durchgang unmöglich gemacht haben. Regen ist vorteilhaft, weil der Sand durch ihn fest wird; zuviel aber verwandelt den Sand in Schlamm. Und das schlechte Wetter schien anzudauern. Es war so beharrlich, daß es uns 500 Kilometer weit begleitete! An diesem Tage fiel einer jener dichten, gleichmäßigen, verdrießlichen Regen, die den Gedanken an den Herbst wachrufen, wenn es auch noch so warm ist. Am Abend teilte man uns mit, daß einige Mongolen von der Höhe der Dünen auf der Straße von Urga Lichter erblickt hatten, und man nahm an, daß dies die übrigen Automobile sein müßten. Uns erschien die Vermutung widersinnig. Sie hatten Urga am Morgen verlassen und konnten abends noch nicht in Kiachta eintreffen. In der Tat haben sie, vom schlechten Wetter überrascht, drei Tage gebraucht, um jene Strecke zurückzulegen. Wir entschlossen uns indes, am nächsten Tage aufzubrechen. Frau Sinitzin war über die Kühnheit unseres Plans erschrocken.
„Sie Ärmste!“ wiederholte sie des öfteren, indem sie uns mit tiefem Mitleid betrachtete und dabei seufzte. „Bei diesem Regen und im offenen Wagen! Ich will Ihnen wenigstens etwas zur Stärkung mitgeben.“
Als wir uns am frühen Morgen erhoben, fanden wir die herzensgute Frau emsig beschäftigt, umgeben und unterstützt von den Dienstboten. Die Küche war in voller Tätigkeit.
„Die Flaschen Wein hierher!“ rief Frau Sinitzin über den Rand eines mächtigen Weidenkorbes gebeugt. Eine Magd kam, die Arme voller Flaschen, die in dem Korbe verschwanden. „Rasch die gebratenen Hühner!“ — sechs Hühner folgten den Flaschen. „Ist das Lamm gekocht? Bringt es her!“ — ein dampfendes Lammviertel nahm in dem Korbe Platz. Und dann kamen noch Orangen, frisches Brot, alles schön in Papier eingeschlagen und verpackt.
„Mein Gott!“ rief sie aus, als ihr der Inhalt vollständig schien — „ich habe ja das Bier und den Kognak vergessen!“ Und sofort wurden noch weitere Flaschen in die leergebliebenen Stellen versenkt.
„Für wen sind denn diese Dinge?“ fragte der Fürst besorgt.
„Für Sie, Knjäs Borghese!“
„Ah, aber dies ist unmöglich! Du lieber Himmel, das sind ja Lebensmittel und Wein für ein ganzes Regiment! Nein, nein! Die Maschine ist schon zu sehr belastet. Und bei dem Morast, den wir antreffen werden! Es ist unmöglich, gnädige Frau!“
Ein aufrichtiger und dabei komischer Schmerz malte sich bei dieser Ablehnung auf dem Gesicht der gütigen Dame. Sie faltete die Hände und betrachtete uns schweigend. Dann bemerkte sie schüchtern, besorgt, uns allzusehr zu widersprechen:
„Sie wollen nichts mitnehmen? Auf eine so lange Reise? Wenigstens ein bisschen!“
Um sie nicht zu kränken, nahmen wir zwei Hühner und zwei Flaschen Wein, die Frau Sinitzin kopfschüttelnd in ein Säckchen steckte, als wollte sie sagen: „Sie kommen um vor Hunger und Durst, die Ärmsten!“
Es regnete fort und fort. Im Hofe stand das Automobil. Wir nahmen herzlichen Abschied von unseren Gastfreunden, die mit bloßem Kopfe vor der Haustür standen und uns glückliche Reise wünschten, und fuhren ab. Noch auf der Straße vernahmen wir ihre Stimmen, und sahen, als wir uns umwandten, wie sie uns ein letztes Lebewohl zuwinkten. Mit traurigem Gefühl dachten wir daran, daß wir höchstwahrscheinlich jene selbstlosen, herzensguten Freunde nie wiedersehen würden.
Kiachta schlief noch in der bleichen, kühlen Morgenfrühe. Wenige Minuten später kamen wir durch das benachbarte Troizkossawsk mit seinem kleinen grasbewachsenen Friedhof, der übersät war mit Kreuzen und Grabsteinen, die vom Regen abgewaschen waren. Ein Birkenhainlag im Mittelpunkte der Stadt, große Kasernen am äußersten Ende des bewohnten Teils, und großartige Schulen — Privatschulen, die von dem Reichtum des Ortes Zeugnis ablegten — erhoben sich neben den kleinen, weiß und blau gestrichenen Holzhäusern längs der ungepflasterten, schmutzigen Hauptstraße. Mancher Fensterladen öffnete sich, und heraus schauten verschlafene Frauengesichter mit ungeordneten Haaren und starrten uns verständnislos nach. Ein frühaufstehender Krämer war eben dabei, seinen Laden zu öffnen; er unterbrach seine Beschäftigung, als er uns kommen sah, und fuhr erschreckt in die offenstehende Tür zurück, wie um sich zu verstecken. Die an den Wegkreuzungen wachestehenden Gendarmen grüßten militärisch. An den kleinen Fluß mit steilen, grasbewachsenen Ufern, der die Stadt durchschneidet und auf dem sich im Winter die Knaben von Troizkossawsk und Kiachta mit Schlittschuhlaufen vergnügen, führten einige Kosaken ihre Pferde, die sich bei unserer Vorbeifahrt erschreckt bäumten, zur Tränke. Eine vom Exerzieren zurückkehrende Truppe in ihren schweren, grauen Mänteln marschierte wieder in die Kaserne, bis zu den Knien mit Schmutz bespritzt. Die Soldaten machten halt undtraten aus Reih und Glied, um uns besser sehen zu können, wobei die Bajonette über ihren Köpfen hin und her schwankten.
Auf dem Wege durch ein sibirisches Dorf.Auf dem Wege durch ein sibirisches Dorf.
Auf dem Wege durch ein sibirisches Dorf.
Auf dem Wege durch ein sibirisches Dorf.
Kaum waren wir außerhalb der Stadt, als uns die Straße, die mit einem Male zu einem schmalen Fußpfade geworden war, durch schweigende, dunkle Tannen- und Birkenwälder führte, in denen wir nichts hörten als das unaufhörliche laute Herniederrauschen des Regens. Wir zitterten vor Kälte in unseren triefenden Regenmänteln, in deren Falten das Wasser herunterrann.
War es möglich, daß wir der Mongolei noch so nahe waren, daß Maimatschen mit seiner Menge blaugekleideter Chinesen vom Jang-tse-kiang nur wenige Kilometer zurücklag? Die brennenden Wüsten, die weiten Steppen, auf denen Kamele und Antilopen in Freiheit leben, erschienen uns wie ein Traum. Der Wechsel war so plötzlich, daß er auf uns wie eine Gewalttat wirkte. Alles war verändert, die Landschaft, die Bevölkerung, das Klima. Wir fühlten uns wie durch einen Zauberschlag aus Asien heraus versetzt. Es war Rußland, das dasselbe ist an der Selenga wie am Dnjepr, an der Wolga wie an der Newa, Rußland, das sich innerhalb seiner Grenzen gleichbleibt, das weder asiatisch noch europäisch ist, das sich ebenso stark von China wie von Frankreich unterscheidet! Zar AlexanderII.sagte, wenn ich mich recht entsinne, Rußland umfasse ein Sechstel der Erdoberfläche, und das ist wahr. Die wunderbare Gleichförmigkeit des Reiches macht es zu einem in der Welt allein dastehenden Staatsgebilde.
Der Wechsel entzückte uns. Wir fanden uns unvermutet in einer Umgebung, die der Heimat ähnlicher war.
Als wir aus den Wäldern herauskamen, erblickten wir Felder, umzäunt von rohen, aus jungen Kiefernstämmen hergestellten Gehegen, die erste Eigentumsteilung, das erste Anzeichen der Besitzergreifung des Landes, das wir nach Tausenden von Kilometern antrafen. Zwischen den Feldern standen schwarze, uralte Bauernhäuser. Der Regen verwischte die Farben in der Ferne, indem er einen dünnen Nebel überdie Felder breitete, und ließ die Farben in der Nähe schärfer hervortreten; die vom Regen gebadeten Pflanzen erhielten eine unbeschreibliche Lebensfrische. Auch diese Wirkungen des Regens gefielen uns, die intensive Färbung, die Dunstschleier, an die unser Auge nicht mehr gewöhnt war; wir fanden bekannte Landschaftsbilder wieder. Wir begegneten Telegas; sie wurden von Muschiks in roter Bluse und Pelzmütze gelenkt, einige hatten an den Beinkleidern lange gelbe Streifen und trugen Militärmützen, es waren ausgediente Kosaken. Jeden Augenblick kamen Tarantasse vorüber, Lederkähnen auf vier Rädern ähnlich, die dauerhaftesten, aber auch unbequemsten Fuhrwerke der Welt, in denen man auf Stroh ausgestreckt liegt; gezogen wurden sie von alten Schindmähren, die von burjatischen Kutschern mit weitausholenden Peitschenhieben angetrieben wurden. Aller Augenblicke erschien eine Gruppe rohgebauter kleiner Häuschen neben der Straße; an dem größten war ein Wappen mit dem Doppeladler angebracht: es war ein Postamt. Da sauste der Postwagen, niedrig wie ein Schlitten, nach Art der Troika bespannt, im Galopp eine Anhöhe hinauf. Er kam von Ust-Kiachta. Die in ihre Mäntel gehüllten Reisenden, mit Pelzmützen bis über die Ohren, streckten neugierig die Köpfe heraus, um uns zu betrachten.
Die Straße war augenscheinlich von unseren Freunden in Kiachta fürchterlich verleumdet worden. Sie hatten uns so viel Schlechtes von ihr gesagt, daß wir sie schließlich beinahe vorzüglich fanden. Sie hatten einstimmig erklärt, sie sei schlimmer als die Straße nach Urga. Im Grunde war dies ganz natürlich; sie kannten ja die Straße nach Urga nicht, wohl aber die nach Werchne-Udinsk, und man ist leicht geneigt, von dem, was man kennt, Übles zu reden; was man nicht kennt, ist besser.
Wir fuhren über morastige Ebenen, gelangten glücklich über nicht immer leichte Aufstiege und nicht immer bequeme Abhänge, aber nirgends war etwas von Bogs oder von jenen so lebhaft geschilderten Abgründen zu entdecken. Ruhig und ohne Unterbrechungen fuhren wir unsere 20 Kilometer in der Stunde. Um 7 Uhr befanden wiruns in Ust-Kiachta an der Selenga. Wenige vom Wetter gebräunte Bauernhütten, eine kleine Kirche, eine lange schmutzige Straße. Und auf der Straße ein eleganter Polizeibeamter, die Brust mit Ehrenzeichen geschmückt, in einer Uniform von blendendem Weiß; er erwartete uns. Zwischen den Häusern erblickten wir das Wasser des Flusses.
„Wie kann ich Ihnen nützlich sein?“ fragte er höflich und grüßte, während das Automobil neben ihm hielt.
„Ist es möglich, die Straße nach Werchne-Udinsk zu verfehlen?“ fragte der Fürst.
„Nein,“ erwiderte der Beamte; „Sie brauchen nur der Telegraphenlinie zu folgen. Aber in Nowi-Selenginsk, etwa 65 Kilometer von hier, müssen Sie den Telegraphen verlassen und den Weg nach links einschlagen, um über die Selenga zu kommen; der Telegraph läuft am Ufer weiter.“
„Danke. Und ist eine gute Barke zum Übersetzen vorhanden?“
„Ja, aber ich fürchte, sie ist für das Automobil zu klein.“
„Wir werden ja sehen.“
„Wann beabsichtigen Sie in Werchne-Udinsk zu sein?“
„Heute abend.“
„Heute abend?“ fragte er verblüfft. „Aber es sind ja 250 bis 260 Kilometer von Kiachta! Wunderbar!“
„Wenn die Straße gut wäre, würden wir zu Mittag dort sein. Adieu und vielen Dank!“
„Wollen Sie nicht ein Glas Tee trinken?“
„Nein, danke!“
„Glückliche Reise!“
Im nächsten Augenblicke rief er:
„Wünschen Sie einen Führer? Einen Mann zu Pferd?“
„Nein, nein; es ist nicht nötig!“
„Folgen Sie nur dem Telegraphen!“
Wir folgten ihm auf grasbewachsenen Wegen, über weite Ebenen und bergauf über Hügel. Oft kamen wir an Stoppelfeldern vorüber,an Dörfern, die sich an den Fuß bewaldeter Anhöhen schmiegten — Anhäufungen von kleinen, schwarzen, gleichförmigen Holzhäusern, überragt von einer weißen Kirche mit spitz zulaufendem Turm und grünem Dache. In der Nähe der Häuser drehten Windmühlen langsam das graue Kreuz ihrer Flügel. Der Regen hatte aufgehört.
Die ersten sibirischen Dörfer, durch die wir kamen, erschienen uns entzückend. Der verführerische Reiz der Ruhe, der Zauber des Landlebens liegt über ihnen. Mit ihren kleinen, aus Baumstämmen gezimmerten, von Zäunen umgebenen Häusern, die untereinander durch Bretter verbunden sind, um trockenen Fußes unter freiem Himmel gehen zu können, wenn es regnet und die Straße schmutzig ist, machen sie einen äußerst malerischen Eindruck. Wir Bürger des Westens lieben das rohe Holz, die rohen, mit der Axt behauenen und zu Hauswänden gewordenen Balken, weil sie uns vom Walde, von seinem Schatten, von seinem Leben erzählen. Holz findet man überall in Sibirien, es ersetzt das Eisen, es ersetzt das Mauerwerk, liefert die Hausgeräte und oft die Arbeitswerkzeuge. Man könnte sagen, daß, wie es eine Stein- und Bronzezeit gegeben hat, es auch eine slawische Holzkultur gibt. All dies spricht uns an, weil es schlicht und einfach ist, dunkle, ferne Erinnerungen an ein primitives, aber freies Leben und die Sehnsucht danach in uns wachruft. Die Häuser mit dem überhängenden Dache, mit der von einem schmalen, über die Straße vorspringenden Vordache geschützten Tür, die zum Eintritt einlädt, mit den kleinen Fenstern, deren weißgestrichene Pfosten und Rahmen sich heiter von der dunklen Wand abheben, machen den Eindruck des Friedlichen und Heimeligen. Sie zeigen Blumen auf den Fensterbrettern und Vorhänge an den Fenstern und erwecken die Vorstellung eines gut behüteten Wohlstandes, der sich zu verteidigen weiß. Bald aber macht man die niederdrückende Erfahrung, daß das erste Dorf dem zweiten gleicht, das zweite dem dritten, das hundertste dem neunzigsten und so ins Unendliche fort. Die Häuser sind alle auf dieselbe Art gebaut, die Kirchen sehen sich ähnlich wie ein Ei dem andern. Alles istnach einer und derselben Schablone angelegt: eine breite Straße, um die Gefahren der Feuersbrünste zu verringern, und zu beiden Seiten von ihr die Wohngebäude; hinter den Wohnhäusern die Stallungen; in der Mitte des Dorfes, auf einer Wiese, die Kirche. Nichts, was einen Unterschied bieten könnte zwischen dem einen Dorfe und dem andern, den Namen ausgenommen!
Bei jedem Turme, der sich in der Ferne zeigt, hegt man die trügerische Erwartung einer Abwechslung. Die Kirche erscheint größer als die bisherigen, das Dorf schöner, und man wünscht, rasch hinzukommen, voll neubelebten Interesses und getrieben von dem Wunsche, etwas anderes als das ewige Einerlei zu sehen. Aber das Dorf gleicht doch den Nachbardörfern und auch denen, die in weiter Ferne liegen, wie ein Soldat dem andern. Rasch ruft die Gleichförmigkeit Eintönigkeit hervor und die Eintönigkeit Melancholie. Man denkt an die meisten Dörfer Italiens, von denen jedes seine besondere Physiognomie, seinen besonderen Gesichtsausdruck, seine besondere Persönlichkeit hat, die schon von weitem ruft: „Das bin ich!“
Einige Stunden führte uns die Straße von der Selenga ab in das kahle Tal ihres Nebenflusses Tschiko, den eine üppige Vegetation kenntlich macht. Nicht weit von der Mündung des Tschiko stoßen wir wieder auf die Selenga, deren weiße, milchige Fluten von üppigen, sich über das Wasser neigenden Gebüschen umrahmt sind. An dem Ufer stehen einige Bauernhütten, die aussehen, als ob sie den Fluß überschreiten wollten, um Nowi-Selenginsk zu erreichen, dessen weißen Kirchturm wir in wenigen Werst Entfernung über die Bäume hervorragen sahen.
Hier war der Ort unserer Einschiffung. Auf dem Flusse kam ein kleines, aus klaffenden Brettern verfertigtes Fahrzeug in Sicht. Wir stiegen ab. Die Barke befand sich auf dem andern Ufer des Flusses, wohin sie eine Telega befördert hatte, die in diesem Augenblicke zwischen den Gebüschen verschwand. Zwei alte Männer mit dichten, wirren Bärten näherten sich, begleitet von einigen barfüßigen Mädchen, die unsfurchtsam betrachteten und bei unserem Nahen die Flucht ergriffen. Einer der Alten fragte, ob wir übersetzen wollten.
„Ja. Wird die Barke uns tragen?“
„Wieviel wiegt der Wagen?“
„120 Pud.“
„Das ist viel. Aber sie trägt sie, wenn nur der Wagen auf der Barke Platz hat.“