Vierzehntes Kapitel.

Das Automobil nach seinem Saltomortale.Das Automobil nach seinem Saltomortale.

Das Automobil nach seinem Saltomortale.

Das Automobil nach seinem Saltomortale.

Die Reaktion der Freude brach jetzt durch. Die Gefahr war vorüber und hinterließ in uns nur noch die Empfindung eines Albdrucks. Wenn man träumt, man stürze von einer Höhe herab, so ist man beim Erwachen froh, nur geträumt zu haben. Wir verlebten einen Augenblick dieser unsagbaren Befriedigung. Wir lachten, wenn wir das umgestürzte Automobil ansahen, als hätte es sich mit uns einen Scherz gemacht. Wir photographierten es von allen Seiten, wobei wir uns die wenig angenehmen Stellungen zeigten, die wir kurz zuvor eingenommen hatten.

„Ich lag hier, so!“

„Ich unter jenen Brettern!“

„Ich bin dort hineingefallen!“

„Wenn der Balken nicht gehalten hätte!“ — „Wir wären plattgedrückt worden! Haha!“

Der Gendarm hatte das Ende nicht abgewartet. Er war laut um Hilfe rufend nach der Station gerannt. Wir hörten ihn in der Ferne unaufhörlich angstvolle Rufe ausstoßen.

Der erste Gedanke Don Scipiones galt dem Automobil. Er betrachtete es aufmerksam und rief:

„Ich finde keinen ernstlichen Schaden! Sieh einmal her, Ettore!“

Ettore untersuchte die Maschine.

„Mir erscheint sie heil und ganz.“ Und er lachte vergnügt.

Sofort machte er sich an die Arbeit. Er löste die Seile des Gepäcks und brachte die Rucksäcke, die Ballen, die Kissen, das Zeltdach in Sicherheit. Das Benzin sickerte aus den oberen Verschlüssen der Behälter, die nach unten zu liegen gekommen waren. Er zog die Schrauben an und rettete, was noch übrig war. Der Spaten hatte sich umgebogen wie ein Blatt Papier; die Spitzhacke war zerbrochen, die eiserne Fahnenstange hatte sich verbogen; der Kasten mit den Ersatzstücken hatte Beulen bekommen: der hintere Benzinbehälter warebenfalls verbeult; die Ledergurte, die die Ersatzgummireifen hielten, waren zerrissen; die aus Myssowaja mitgebrachten Bretter fanden wir in Splitter verwandelt wieder. Die Maschine aber war unversehrt; die eine der langen Eisenstangen, die das Differenzialwerk tragen, war etwas verbogen (sie hatte sich in dem Augenblick verbogen, als das Automobil mit dem Bauche auf die Brückenbahn geschlagen war), und das Messingrohr, in der das Wasser aus den Zylindern nach dem Kühler fließt, war leicht eingedrückt, und zwar war dies vermutlich auf des Fürsten Rücken geschehen. Nichts weiter. Verschiedenen glücklichen Umständen war es zu danken, daß die Maschine unversehrt geblieben war.

Der Sturz war rasch gewesen, aber nicht plötzlich. Wir fuhren langsam; die Brücke war infolge des Gewichts, nicht infolge der Schnelligkeit zusammengebrochen. Der Einsturz der Fahrbahn war, so rasch er auch eingetreten war, doch nur nach und nach vor sich gegangen. Das Automobil hatte in seinem Sturz Bretter und Balken zertrümmern müssen, und all dieses Holz, das es auf seinem Wege antraf, konnte den Sturz zwar nicht aufhalten, aber es milderte seine Wucht. Was das Automobil aber außerdem geschützt hat, war die hinten befestigte Ladung Ersatzgummireifen. Als es sich vorn soweit erhoben hatte, daß es eine senkrechte Stellung einnahm, war es gerade auf die Gummireifen gefallen: es hatte sich auf Kautschuk gesetzt. Dies hob die Wirkung des Stoßes auf. Es muß ein furchtbarer Stoß gewesen sein, weil die schützenden Gummireifen ganz in das Bett des Flusses gedrückt waren, so daß wir sie aus der Höhlung ausgraben mußten. Ein Balken und einige unbenutzte Pneumatiks hatten uns und das Automobil gerettet. Hätte sich der Balken etwas abseits befunden, oder wären die Pneumatiks an einer andern Stelle gewesen, die Fahrt hätte ihr Ende gefunden! Es braucht nicht gesagt zu werden, daß wir dem rettenden Balken ein viel größeres, wohlbegründetes Verdienst beimaßen.

Wenige Minuten erst waren verstrichen, als wir von der Station her Leute im Laufschritt herbeieilen sahen, allen voran denGendarmen, erhitzt, keuchend, atemlos. Sein Gesicht verklärte sich zu einem Lächeln der Befriedigung, als er uns alle wohlbehalten erblickte. Hinter ihm rannte der Stationsvorstand. Der arme Mann hatte Gewissensbisse. Er begrüßte uns in freudiger Erregung, aus Dankbarkeit, daß wir uns lebend hatten wiederfinden lassen, und von diesem Augenblicke an widmete er sich uns ganz. Er verwandte seine ganze Tätigkeit, seine Klugheit, seine Autorität zu unseren Gunsten; er wollte uns nicht mehr von sich lassen und half uns, begleitete uns, führte uns bis zum Abend. Er hatte eine Schar Arbeiter, die auf der Strecke arbeiteten, mitgebracht; es waren diejenigen, die wir kurz vor der Station angetroffen hatten, gegen zwanzig Sibirier, groß und stark, rauh, geschickt, charakteristische Kerle mit ihren langen roten Blusen, ihren weiten Beinkleidern, ihren hohen Stiefeln, ihrem unordentlich herunterhängenden Haar. Sie hatten Seile und Äxte bei sich. Der sibirische Holzfäller, der Sieger über die Riesen des Waldes, ist ein Meister im Gebrauche der Axt. Sie gingen sofort ans Werk. Die Rettung der Maschine wurde in Angriff genommen.

Der Stationsvorsteher leitete die Arbeiten. Das Automobil wurde mit Seilen umwunden, die um das Motorgehäuse geschlungen wurden, und die gespannten Seile an Baumstämme befestigt, um zu verhüten, daß die Maschine ihre Lage verändere. Dann rissen die Arbeiter die Brücke vollends ein. Sie schlugen alles nieder, was von ihr übriggeblieben war, indem sie ihre Arbeit mit dem Gesange schwermütiger Lieder begleiteten. Die Balken fielen rasch einer nach dem andern unter kräftigen, wohlgezielten Axtschlägen und wurden beiseite geschafft und übereinandergeschichtet. Das Automobil war von allen Seiten freigelegt. Nun teilten sich die Leute in zwei Gruppen und befestigten zwei Seile am Automobil, das eine vorn, das andere hinten, das erstere zum Ziehen, das zweite zum Lenken; nach Kommando stellten alle mit vereinten Kräften die Maschine allmählich auf ihre vier Räder. Sie befand sich wieder in ihrer gewöhnlichen Stellung im Bett des Flusses. Nun mußte sie noch auf die Straße gezogen werden.

Es war der zweite Abschnitt der Rettung, der jetzt begann.

Es wurde ein ausgezeichnetes Mittel dazu gefunden. Hinter dem Automobil wurde der Teil der Brücke, den wir bereits hinter uns gehabt hatten und der unversehrt geblieben war, mit leichter Mühe durch das Wegschlagen der Stützbalken in eine schiefe Ebene verwandelt. Darauf wurden zwei Seile an dem hinteren Teile des Chassis befestigt, die wackeren Sibirier spannten sich an die Seile, und mit der Kraft ihrer Arme zogen sie singend die Maschine auf der schiefen Ebene langsam auf die Straße.

Der erste Helfer beim Sturz des Automobils.Der erste Helfer beim Sturz des Automobils.

Der erste Helfer beim Sturz des Automobils.

Der erste Helfer beim Sturz des Automobils.

Die Arbeit hatte drei Stunden gedauert.

Die braven Leute schienen mit unserer Rettung zufrieden zu sein, ein wenig aus Eigenliebe und ein wenig, weil man Dinge, die uns Mühe kosten, stets liebgewinnt. Sie interessierten sich lebhaft für die Einzelheiten des Automobils. Sie wollten wissen, ob es laufen könne, ob es „lebendig“ sei, wie sie sich bildlich ausdrückten. Wir aber warenängstlich geworden; wir sehnten uns nach Gewißheit. Hatte uns der Schein nicht betrogen? War die Maschine wirklich unverletzt? Ettore stellte auf dem Steuerrade die Vergasungs- und die Zündungstasten in „Marschstellung“ und drehte die Kurbel an.

Kein Laut war vernehmbar. Es war, als erwarteten wir einen Urteilsspruch. Die Kurbel drehte sich ein-, zwei-, dreimal. Die Maschine blieb stumm. Ettore versuchte es noch mehrmals vergebens. Er strengte seine ganze Kraft an und wurde schließlich zornig. Der Motor blieb untätig.

„Vielleicht ist Öl in die Zylinder gedrungen,“ rief er, „und die Zündung funktioniert nicht. Wollen einmal nachsehen!“

Er öffnete das Motorgehäuse, schraubte die Verschlüsse der Zylinder ab und trocknete diese mit einem Tuche, dann trocknete er die „Hämmerchen“, damit das Öl durch seine isolierende Wirkung nicht den elektrischen Strom unterbreche, brachte alles wieder an Ort und Stelle, zog die Schrauben an und drehte an der Kurbel. Bei der zweiten Drehung begann der Motor zu arbeiten. Sein gewohntes Getöse erscholl plötzlich, laut, triumphierend und ließ das ganze Automobil wie vor übermächtiger Ungeduld schnaufen. Es war die Antwort auf die stumme Frage, die jeden Gedanken von uns beherrscht hatte. Das Automobil hatte gesprochen. „Hurra!“ riefen die Sibirier und schwenkten ihre Mützen.

Die Vorbereitungen zur Abfahrt nahmen noch viel Zeit in Anspruch. Ettore brauchte zwei volle Stunden, um die Maschine wieder in Ordnung zu bringen. Er wollte alles auf das genaueste nachsehen. Währenddessen bot der Stationsvorsteher dem Fürsten und mir Gastfreundschaft in seinem Hause an, wohin er mich Schritt für Schritt geleitete, indem er mich dabei brüderlich stützte, weil die vertrackten Beine mir den Dienst versagten. Er setzte uns Tee, Milch, dampfenden Schtschi, die inhaltsreiche Nationalsuppe, vor und bot uns Betten an. Um 2 Uhr war das Automobil reisefertig.

Das Vorderteil des Automobils wird an Bäume gebunden.Das Vorderteil des Automobils wird an Bäume gebunden.Freimachung von den Brückenresten.Freimachung von den Brückenresten.Der Einsturz der Brücke am Baikalsee.

Das Vorderteil des Automobils wird an Bäume gebunden.

Das Vorderteil des Automobils wird an Bäume gebunden.

Freimachung von den Brückenresten.

Freimachung von den Brückenresten.

Der Einsturz der Brücke am Baikalsee.

Der Einsturz der Brücke am Baikalsee.

Wir warteten noch die Vorüberfahrt einer Lokomotive ab, die telegraphisch von Myssowaja gemeldet worden war. Die Lokomotiveflog wie der Blitz vorüber. Wir kehrten auf die Strecke zurück. Der Stationsvorsteher wollte uns begleiten, und wir ließen den Gendarmen zurück, der nicht abgeneigt schien, dem Automobilsport zu entsagen, nachdem er dessen Gefahren aus der Nähe kennen gelernt hatte. Der Stationsvorsteher setzte sich auf den Tritt, der Fürst nahm auf der Rücklehne der Sitze Platz, Ettore steuerte, ich wurde auf den Sitz neben ihm verladen und zwei der stärksten Arbeiter standen hinten auf den Vorsprüngen der Federn und hielten sich mit den Händen an den Seilen des Gepäcks fest wie zwei Lakaien an den Riemen einer Staatskutsche. Es befanden sich also sechs Personen und ein Gepäckballen auf dem Rücken der Maschine, die dies aber nicht allzusehr zu empfinden schien. Wie am Vormittage fuhren wir die Geleise entlang. Der Stationsvorsteher sah jeden Augenblick nach der Uhr; er erwartete zwei Züge, einen von Tanchoi, den andern von Myssowaja. Bei einem Straßenübergang verließen wir auf sein Geheiß die Strecke und fuhren auf der Heerstraße weiter. Vielleicht wollte er uns beweisen, daß er bei dem Rate, den er uns am Vormittage gegeben hatte, in gutem Glauben gehandelt habe. An den Brücken stiegen die Arbeiter ab und liefen voran, um sie zu besichtigen. Wenn ihr Urteil zweifelhaft war, rief der Stationsvorsteher:

„Vorwärts! Mit der allergrößten Geschwindigkeit!“

Mit voller Kraft schossen wir dahin. Für die ebenen Brücken, die in der Mitte nicht anstiegen, war der Rat vortrefflich. In zwei, drei Sekunden befanden wir uns auf der andern Seite, und die Widerstandskraft eines Brettes oder eines Balkens steht im umgekehrten Verhältnis zur Zeit der Belastung. Jeder Teil der Brücke hatte nur einen beinahe unmeßbaren Augenblick zu halten und hatte keine Zeit zu brechen. Bei jeder genommenen Brücke äußerte unser Lotse geräuschvoll seine Genugtuung, klatschte in die Hände und rief begeisterte Kommandoworte wie ein Offizier auf dem Schlachtfelde:

„Vorwärts! Mut! Frisch drauf los!“

Über einen Bach mußten wir uns einen Übergang zimmern. Es war ein Werk von fünf Minuten.

Wir hörten den Zug von Myssowaja vorüberbrausen. Kurz darauf gelangten wir wieder an einen Straßenübergang in gleicher Höhe mit dem Bahndamm. Der Stationsvorsteher wollte seine Schlacht weiter kommandieren, aber die beiden auf der alten Heerstraße zur Erkundung vorgeschickten Arbeiter sagten, daß auf jener Strecke alle größeren Brücken eingestürzt seien. Wir begannen wieder über die Schwellen der Eisenbahn zu galoppieren. Tanchoi kam näher. Bei einem neuen Straßenübergang lief uns ein Bahnwärter entgegen und machte uns Zeichen. Als er ganz außer Atem uns erreicht hatte, rief er:

„Verlaßt die Strecke! Der Zug kommt! Er ist von Tanchoi abgegangen.“

Das Automobil sollte in der Nähe des Bahnwärterhäuschens von der Strecke herunterfahren; aber an jener Stelle lagen die Schwellen bloß. Die Räder blieben stecken, und alle Kraftanstrengungen des Motors vermochten nicht den schweren Wagen von der Stelle zu bringen. Die Leute schoben vergebens. Man hätte die Maschine herausheben müssen. Wir hörten schon den Pfiff des Zuges, der sich näherte, durch eine Kurve unseren Blicken verborgen. Es war keine Zeit zu verlieren. Mit alten Schwellen, die an der Seite der Strecke aufgespeichert lagen, suchten wir in fieberhafter Eile den Rädern kleine schiefe Ebenen zu verschaffen, die ihnen das Loskommen erleichtern sollten. Der Motor arbeitete heftig. Inzwischen hörten wir das Brausen des Zuges und sahen seinen Rauch in der Ferne zwischen den Bäumen. Don Scipione rief mir zu:

„Steigen Sie jetzt schon ab, da Sie nicht springen können; steigen Sie ab!“

Aber die Beine versagten auf einen Augenblick ihren bescheidenen, so notwendigen Dienst. Glücklicherweise hob ein letzter gemeinsamer mächtiger Ruck das Automobil aus den Vertiefungen und brachte es außer Gefahr.

Wir ließen den Zug vorüber — es war ein ganz gewöhnlicher Güterzug, gar nicht wert der Ehre, daß wir uns seinetwegen so abgerackert hatten — und setzten unsere Fahrt auf der Strecke fort. Eine Stunde später gelangten wir nach Tanchoi, einer ganz neu angelegten Stadt, die uns einen Rundblick auf funkelnagelneue Dächer darbot. Es war spät; der Himmel war grau, wolkig und dunkel geworden. Es war kalt.

Die Bevölkerung kannte bereits unser Brückenabenteuer und war herbeigeströmt, um uns ankommen zu sehen. Alle begrüßten uns feierlich. Einige junge Leute verstiegen sich sogar zu Beifallsklatschen. Die Straße wurde von mit Gewehren bewaffneten Soldaten frei gehalten. Ein Polizeioffizier näherte sich, grüßte und überreichte dem Fürsten ein Papier: es war die formelle Erlaubnis des Generalgouverneurs von Sibirien, die ganze Eisenbahnstrecke bis nach Irkutsk befahren zu dürfen, eine Erlaubnis, die telegraphisch nach Myssowaja geschickt worden war, um uns nicht auf die Ankunft der Post warten zu lassen.

Wir schlugen unser Hauptquartier im Bahnhofsrestaurant auf und besprachen bei einer guten, wohlverdienten Flasche Champagner unsere weiteren Pläne. Sollten wir die Eisenbahnlinie weiter benutzen? Wir hatten 60 Kilometer auf ihr zurückgelegt. Die Fahrt bot keinerlei Schwierigkeiten; sie war von banaler Einfachheit. Von Tanchoi an hätten wir nicht einmal mehr die Aufregung gehabt, Zügen zu begegnen, weil das Automobil jetzt die amtliche Eigenschaft eines Extrazuges angenommen hatte. Wir erkundigten uns, ob es möglich sei, von Tanchoi aus wieder die alte Heerstraße zu benutzen. Aber die Nachrichten, die wir erhielten, benahmen uns alle Hoffnung: die Straße existierte nicht mehr. Alle Brücken waren zerstört.

Die Eisenbahnstrecke war das eine Auskunftsmittel, das Trajektboot das andere. Da wir die Heerstraße nicht verfolgen konnten, mußten wir zu einem von beiden greifen. Warum sollten wir die Eisenbahnstrecke dem Dampfschiffe vorziehen? Wir waren bis zum äußerstenZipfel des Sees gelangt und hatten nur noch eine Strecke von 40 Kilometern Seelänge vor uns. Zweifellos konnten wir uns ohne Gewissensbisse über diese schmale Stelle setzen lassen, wie wir uns über einen Fluß übersetzen ließen.

Gerettet!Gerettet!

Gerettet!

Gerettet!

Wir beschlossen uns einzuschiffen. Aber der Benutzung des Dampfschiffes auf jenem schmalen Arme des Sees stellte sich eine ernste Schwierigkeit entgegen: der Hafen von Tanchoi ist ausschließlich Kriegshafen.

Seit die Eisenbahn um das südliche Ufer des Sees herumgeführt worden ist, dürfen sich die Reisenden nicht mehr auf den großen staatlichen Trajektbooten einschiffen. Sie müssen den Zug oder Privatschiffe außerhalb der Häfen von Baikal und Tanchoi benutzen. Jene Schiffahrtslinie mit ihren riesigen Dampfeisbrechern bleibt der ausschließlichen Benutzung durch das Heer vorbehalten. Das Gesetz gestattet keine Ausnahmen. Schiffe und Landungsplätze wurden sofort zu einem „militärischen Geheimnis“. Selbst den Beamten und ihren Familien ist es verboten, sich ihnen zu nähern. Konnten wir Fremden hoffen, die Erlaubnis dazu zu erhalten? Wir versuchten es und telegraphierten noch einmal nach Irkutsk. Wir hatten die unbestimmte Furcht, den Behörden schließlich lästig zu fallen, aber die Brücken waren daran schuld!

In unserem Hauptquartier erhielten wir viele Besuche von kleinen Beamten, höflichen, dienstfertigen Leuten, die bereit waren, für uns auf das Telegraphenamt zu laufen und Erkundigungen einzuziehen. Auch sie fragten, ob wir denn nicht überfallen worden seien, und drückten auf unsere verneinende Antwort hin ihre Befriedigung aus, die aber nicht frei von Verwunderung war. Diese Frage wurde in ganz Sibirien immer wieder an uns gerichtet, selbst von Polizeibeamten, ja sogar von Gouverneuren, und alle wunderten sich, daß wir nicht wenigstens von Muschiks ausgeplündert worden seien.

Ich glaube, daß die herrschenden russischen Klassen den Muschik nicht kennen. Sie haben sich so abgeschlossen, daß sie nicht wissen, wieer lebt und wie er denkt, so daß sie sich von ihm einen ganz falschen Begriff gebildet haben. Sie sprechen von ihm wie von einem zu fürchtenden stumpfsinnigen Wesen, einem Tiere, das man nur durch Schrecken regieren könne, um nicht selbst unter seine Schreckensherrschaft zu geraten. Wir sind mehr mit dem Muschik in Berührung gekommen als mit den Beamten, die ihn beherrschen, und daher empfinden wir für ihn Teilnahme und Achtung. Ich glaube auch, daß Sibirien von der amtlichen Welt verkannt wird, daß man wohl seine unbenutzt liegenden Reichtümer kennt, aber nicht seine schlummernden Kräfte, daß man den Sibirier von gestern mit dem von heute verwechselt, und daß man keine Ahnung von dem Sibirier von morgen hat. Sibirien bereitet große Überraschungen vor. Die Behauptung der gebildeten Sibirier, Sibirien sei der am weitesten vorgeschrittene Teil des Russischen Reiches, könnte zur Wahrheit werden! Es ist ein Land, das durch Verbannte, das heißt durch Leute von Intelligenz, durch Auswanderer, das heißt durch Leute von Unternehmungsgeist, und durch Kosaken, das heißt durch Leute von Kühnheit, bevölkert worden ist. Es sind dies die Grundbestandteile eines auserlesenen Volkes, das moderne Maschinen und moderne Ideen aufnimmt. Die transsibirische Eisenbahn, einzig zu Eroberungszwecken erbaut, als Militärstraße geplant, ruft durch ihren Verkehr eine langsame und unerwartete Umwälzung hervor.

Aber ich schweife von meinem Gegenstande ab. Kehren wir in das Bahnhofsrestaurant von Tanchoi zurück.

In dieses Restaurant trat nach einiger Zeit eine Schar von etwa 15 Männern, denen man es trotz der großen landesüblichen Kapuzen, der Kosakenstiefel und der Pelzmützen auf eine Meile Entfernung hätte ansehen können, daß sie keine Russen waren. Wie hätten wir nicht sofort ihre Nationalität erkennen sollen, als wir ihre schwarzen, lebhaften Augen, ihre ausdrucksvollen Gesichtszüge, ihre ungestümen Gestikulationen sahen? In freudiger Überraschung wandten wir uns an sie.

Übergang über eine alte Holzbrücke auf der verlassenen sibirischen Straße.Übergang über eine alte Holzbrücke auf der verlassenen sibirischen Straße.

Übergang über eine alte Holzbrücke auf der verlassenen sibirischen Straße.

Übergang über eine alte Holzbrücke auf der verlassenen sibirischen Straße.

„Wie kommt ihr in aller Welt hierher?“ fragten wir, sie begrüßend.

„So viele Italiener in diesem Winkel Transbaikaliens?“

„Wir arbeiten in einem Kohlenbergwerk in der Nähe; wir haben von Ihrer Ankunft gehört und sind gekommen, um Sie zu begrüßen.Viva l’Italia!“

Fragen und Antworten kreuzten sich:

„Eine schwierige Reise, wie?“ — „Sie kommen also aus Peking? Ich bin dort gewesen, als ich an der Eisenbahn von Pao-ting-fu arbeitete.“ — „Wir kennen die chinesischen Straßen! Wir sind ein Jahr dort gewesen, um Brücken auf der mandschurischen Strecke zu bauen.“

„Brücken zu bauen?“

„Jawohl. Eisenbahnbrücken.“

„Aber arbeiten Sie nicht in einem Bergwerk?“

„Wir arbeiten einstweilen dort bis zum Bau der Amureisenbahn, der nahe bevorsteht.“ — „Der Bergbau bringt nichts ein.“ — „Wir haben auch auf den Linien hier gearbeitet. Maurerarbeiten.“

„Wie sind Sie aber schließlich hierhergekommen, in diesen äußersten Winkel Sibiriens?“

„Wir haben an den rumänischen Eisenbahnen gebaut, dann an den kaukasischen, dann an den turkestanischen, dann in Sibirien, in der Mandschurei, in Zentralasien. Übrigens, wissen Sie nichts über die Amurbahn?“

„Und Sie kehren nicht nach Italien zurück?“

„Alle Wetter, gewiß!“ — „Wir arbeiten mit dieser Absicht.“ — „Es würde uns gerade fehlen, in Sibirien zu bleiben!“ — „Um uns die Nase zu erfrieren.“

Aufstieg auf der alten Straße am Baikalsee.Aufstieg auf der alten Straße am Baikalsee.

Aufstieg auf der alten Straße am Baikalsee.

Aufstieg auf der alten Straße am Baikalsee.

Wir verweilten in dieser Gesellschaft von modernen Freimaurern, die die Welt durchstreifen, um Eisenbahnen zu bauen, wie ihre Vorgänger vor 600 Jahren Europa durchstreiften, um Kirchen zu bauen. Dann gingen wir ins Theater, um — zu schlafen.

Im Theater zu schlafen ist eine ziemlich verbreitete Sitte, aber während der Vorstellung! Für uns war es anders. Das kleine hölzerne Theater von Tanchoi befand sich in einer Ruheperiode, und die Polizei hatte in Ermangelung eines Gasthofes drei Betten auf die Bühne stellen lassen, in denen wir schlafen sollten. Das Theater war elektrisch beleuchtet und für eine demnächst stattfindende Dilettantenvorstellung von Eisenbahnbeamten geschmückt. Der Vorhang war aufgezogen, die elektrischen Batterien überströmten uns mit einer Flut von Licht — eine Stunde lang mühten wir uns ab, den Ausschalter zu suchen. Mitten in all diesem Glanze sah es aus, als ob wir drei, die wir uns auszogen und uns seufzend und stöhnend über unsere Quetschungen, die bei jeder Bewegung schmerzten, zu Bett legten, ein Stück aus dem Stegreif spielten!

Draußen schritten bewaffnete Schildwachen auf und ab. Tanchoi wachte, als ob man für jene Nacht einen Angriff der „Leute von Sachalin“ befürchtete.

Im Gouvernement Irkutsk.

Überfahrt über den Baikalsee. — Am Ufer der Angara. — Irkutsk. — Blühende Felder. — Auf den Flüssen. — Die Sträflinge. — Sima. — Automobile und Telegas. — Die alten Etappenstationen. — Nischne-Udinsk. — Telegrammschwierigkeiten.

Die Genehmigung zur Überfahrt über den Baikalsee auf einem der staatlichen Trajektboote wurde uns telegraphisch erteilt. Am 1. Juli, 3 Uhr nachmittags, schifften wir uns auf dem großen Eisbrecherdampfer „Baikal“ ein. Es regnete fortwährend. Tanchoi verschwand beinahe in dem grauen Dunste. Von dem Verdeck des Schiffes aus sahen wir die hohe, aus Balken errichtete Werft, die weißen Leuchttürme, die gewaltigen Maschinen, die den Zweck haben, die Verbindung der Schiffe mit dem Ufer herzustellen und die Schienen des weiten Laderaums an die der Eisenbahn anzuschließen, die neuen Dächer der Kasernen und der Amtsgebäude, von den hohen Antennen einer Funkentelegraphenstation wie von den Masten eines Schiffes überragt; all dies entfernte sich und verblaßte. Den gesetzlichen Vorschriften gemäß hatten wir die photographischen Apparate in dem Gepäckballen untergebracht. Wir waren darauf aufmerksam gemacht worden, daß es verboten sei, Bilder von militärischen Gebäuden, von Hafenanlagen, von Schiffen, von Eisenbahnbrücken und Eisenbahnarbeiten und andern Dingen, die doch jedermann sehen kann, aufzunehmen.

Ein seltsames Land, in dem die Photographie verboten und das Tragen von Feuerwaffen gestattet ist! Vom Kriege her ist eine Art Spionenfurcht zurückgeblieben. Man erzählte sich haarsträubende Geschichten von japanischen Spionen, die eine wahrhaft phantastische Verkleidungsgabe besäßen. Sogar uns ist es begegnet, uns mit unserer Gestalt und unseren Gesichtszügen, daß wir von Muschiks, die es uns ganz offen sagten, für japanische Spione gehalten wurden!

Die Kälte und der Regen vertrieben uns vom Verdeck. Der Kapitän, ein riesiger Russe aus den baltischen Provinzen, lud uns ein, den Tee in seinem Salon einzunehmen. Wir waren die einzigen Reisenden an Bord. Die Überfahrt dauerte nur zwei Stunden. Um 5 Uhr befanden wir uns auf dem linken Ufer der Angara, nachdem wir wieder an einer Werft in der Nähe einer Eisenbahnstation gelandet waren: wir waren in Baikal.

Die Straße nach Irkutsk zieht sich auf dem rechten Ufer des Flusses hin; den Verkehr von einem Ufer zum andern vermitteln große, von Dampfern geschleppte Lastschiffe.

Nachdem unser Automobil aus dem Trajektboot ausgeschifft war, überschritt es mit eigener Kraft die Schienen der Station, fuhr zwischen Holz- und Kohlenlagern hindurch und ging endlich mit einem geschickten Manöver an Bord einer gerade abgehenden Fähre, wo es haltmachte, während eine neugierige Menge von Soldaten, Lastträgern, Muschiks und Vagabunden ihm folgte.

Es befanden sich zwei seltsame Männer unter diesen Leuten, von denen wir nicht erraten konnten, was sie waren: Bettler mit dem Aussehen gebildeter Männer. Einer von ihnen gab uns in höflichem Tone Auskunft über die Straße:

„Bis nach Krasnojarsk nicht übel, stellenweise ausgezeichnet, ebenso von dort nach Nischne-Udinsk. In der Nähe vom Tomsk schlecht. Weiterhin gut. Von Omsk bis zum Ural beinahe durchgängig vortreffliche Steppe.“

„Wie kommt es, daß Sie den Weg so genau kennen?“ fragten wir ihn.

„Ich kenne ihn Schritt für Schritt, den Moskowskij Trakt“, rief er lachend. „Schritt für Schritt. Ich habe ihn in seiner ganzen Ausdehnung zu Fuß zurückgelegt!“

Die Menge brach in ein lustiges Gelächter aus. Jemand rief: „Auch ich!“

„Um hierher zu gelangen?“ fragten wir.

„Nun ja. Freiwillig hätte ich es schwerlich getan.“

Das Gelächter erneuerte sich.

„Was ist Ihr Beruf?“

„Mein Beruf? Jetzt? Was sich eben bietet. Lastträger, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter. Man hat wenigstens sein tägliches Brot.“

„Und früher?“

„Früher? Ich erinnere mich nicht mehr.“

Und er zuckte mit den Schultern mit jener bei den Russen so gewöhnlichen und charakteristischen Gebärde, welche bedeutet: „Nitschewo!“ „Was liegt daran?“

Es war 6½ Uhr, als wir in Listwinitschnoje, am andern Ufer der Angara, landeten, des großen Ausflusses des Baikalsees, der seine Gewässer nach einem Laufe von beinahe 2000 Kilometern dem Jenissei zuführt. Listwinitschnoje mit seinen kleinen Holzhäusern erschien in der nebligen Luft einem japanischen Dorfe auffallend ähnlich. Wir wurden ausgeschifft und standen im Begriff, sofort nach dem etwa 64 Kilometer entfernten Irkutsk abzufahren, als eine junge Dame sich durch die uns umgebende Menge Bahn brach und uns zurief:

„Ah, Messieurs, Messieurs! Vous n’allez pas repartir tout de suite!“

„Mais oui, Madame!“

„Das ist unmöglich. Sie müssen mindestens eine Stunde bleiben. Eine Stunde nur,voyons!“

Bei dem Anblick unserer Fahne wurde sie unsicher.

„Sie sind keine Franzosen?“ fragte sie uns.

„Non, Madame, wir sind Italiener.“

„Italiener? ... Nun gut, warten Sie ... eine Minute!“

Sie schien sehr niedergeschlagen zu sein, als sie erfuhr, welcher Nationalität wir angehörten. Es war eine junge Französin, Erzieherin in einer reichen sibirischen Familie. Sie erwartete voller Sehnsucht die Ankunft der französischen Automobile, mit der fieberhaften Spannung, die jeder kennt, der fern von seinem Vaterlande lebt. Wir suchten sie wegen der Enttäuschung, die wir ihr unfreiwillig bereitet hatten und die sie wie ein nationales Unglück zu betrüben schien, zu trösten, indem wir ihr erklärten, daß, wenn wir auch als die ersten in Listwinitschnoje gelandet seien, damit noch nichts über den endgültigen Sieg entschieden sei. Wir teilten ihr mit, was wir von unseren Kollegen wußten: und das war, daß sie diese Nacht bis nach Kabansk, einem Dorfe zwischen Werchne-Udinsk und Myssowaja, gekommen seien, daß sie sich vielleicht zu dieser Stunde schon am Ufer des Sees befänden, und daß sie sie wahrscheinlich übermorgen landen und nach Irkutsk weiterfahren sehen würde, wo sie uns ohne Zweifel einholen würden. Wir hatten in der Tat bei unseren Versuchen, um den See herumzufahren, vier Tage verloren, und in Tanchoi hatten wir es für richtig gehalten, unsere Kollegen telegraphisch vor der Nutzlosigkeit und vor allen Dingen vor den Gefahren unseres Unternehmens zu warnen.

Die Dame wurde wieder heiterer und sagte lächelnd:

„Dank, tausend Dank! Warten Sie einen Augenblick!“

Sie entfernte sich eilig und kam mit einem großen Blumenstrauß wieder, den sie uns mit den Worten überreichte:

„Ich habe sie im Walde gepflückt. Nehmen Sie sie freundlichst an. Und nun glückliche Reise! Adieu!“

Eine Minute später rollten wir eiligst auf der Straße nach Irkutsk dahin, das Automobil mit Blumen geschmückt. Aber in kurzer Entfernung von dem Dorfe fanden wir die Straße durch einen Schlagbaumgesperrt, den ein Zollbeamter bewachte. An jenem Schlagbaum endete das Gebiet der Vorzugszolltarife, deren sich das östliche Sibirien erfreut. Wir wurden angehalten und von Beamten gefragt. Sie hatten den Befehl, uns frei passieren zu lassen, nicht erhalten; Kiachta hatte ihnen nichts mitgeteilt; wir besaßen kein Papier, das unser Recht auf Zollfreiheit hätte beweisen können. Höflich wurden wir ersucht, unsere Weiterreise auf übermorgen zu verschieben, bis das Zollamt in Irkutsk Aufklärungen gegeben habe! Alle unsere Vorstellungen waren fruchtlos. Das Vorzeigen der Pässe ließ das Zollamt von Listwinitschnoje ganz kalt und gleichgültig. Da versuchten wir es mit einem letzten Mittel — und, o Wunder! Der Schlagbaum erhob sich; der Wächter stand stramm, die Beamten lächelten verbindlich, legten zum Gruß die Hand an die Mütze und sagten:

„Fahren Sie zu! Glückliche Reise!“

Was war geschehen? Schweigend hatte der Fürst zwei zauberkräftige Papiere vorgezeigt: das Schreiben des Ministers des Innern und das des Polizeidirektors. Wir ließen uns die Erlaubnis nicht wiederholen, aus Furcht vor einem Widerrufe, und jagten mit Windeseile davon.

Die Straße war gut. Das hatte uns schon der Kommandant des Schleppdampfers gesagt:

„Auf jenem Wege verkehren täglich Beamte, die von Irkutsk nach Listwinitschnoje in Hafen- und Zollangelegenheiten kommen. Wo Beamte verkehren, sind die Wege stets in gutem Zustande.“

Wir fuhren am grünen Ufer der Angara entlang, deren ungestüme Gewässer in der Nähe des Baikalsees zwei bei sibirischen Flüssen ungewohnte Tugenden besitzen: sie frieren nie zu und behalten Sommer wie Winter eine sich gleichbleibende Temperatur von vier Grad. Wir kamen rasch vorwärts, wurden aber dann durch einen wenig angenehmen Vorfall zum Halten veranlaßt. Während wir abwärts fuhren, erklärte Ettore:

„Ich merke, daß die Maschine müde wird.“

„Wohl möglich!“ erwiderte der Fürst. „Die Straße senkt sich, und wir sollten ohne Motor fahren.“

„Ich glaube, die Bremse ist zu fest angezogen.“

„Halte! Wir wollen nachsehen.“

Es war schlimmer als eine zu fest angezogene Bremse! Wir fanden uns von einer Rauchwolke und einem Dunst verbrannten Öls umgeben. Das Fett der Bremse brannte, und die Flammen leckten an dem Wechselgetriebe. Wir verdankten diesen Übelstand vielleicht einem durch den Fall verursachten Schaden. Die Fußbremse, die durch eine der Westinghousebremse ähnliche Konstruktion kräftig auf die Kardanwelle wirkt, funktionierte nicht mehr gut; sie blieb fest angezogen, und durch die Reibung entwickelte sich eine solche Hitze, daß das Schmiermaterial in Brand geriet. Zum Glück befand sich Wasser in den Gräben und auch in den Straßenpfützen, und wir konnten sofort das Feuer löschen.

Nach Lockerung der Bremse fuhren wir weiter. Es regnete fortwährend, und wie auf dem Wege nach Myssowaja wurden wir über und über mit Schmutz bespritzt. Der Tag neigte sich langsam seinem Ende zu. Um 9 Uhr wurde am Himmel jener seltsame Schimmer der nordischen Abende sichtbar, die endlos erscheinen, lange, trübe Dämmerungen, ein wahrhafter Todeskampf des Tages. Eine Stunde später vermochten wir noch die Straße zu erkennen, die sich zwischen den tiefen Schatten der Bäume hinzog. Auf einer steilen Anhöhe machte das Automobil halt. Wir waren 6 Kilometer von Irkutsk entfernt, dessen Lichter wir von fern als undeutliche Punkte in der Dunkelheit schimmern sahen.

Eine Strecke mit tiefem Morast hielt uns auf. Wir kehrten um, probierten auf verschiedene Weise über diese Stelle hinwegzukommen, strengten den Motor an, versuchten im Zickzack zu fahren, aber vergebens. Der Wagen glitt aus, genau wie an jener Anhöhe, die wir bei Werchne-Udinsk angetroffen hatten. Eine halbe Stunde mühten wir uns ab, als wir eine Anzahl Wagen bemerkten, die aufdem hohen, neben der Straße hinlaufenden Damme fuhren. Wir sahen die Köpfe der Pferde und die Dugas sich am Himmel abzeichnen. Es waren viele Wagen, die anhielten. Mitten durch den Lärm des Motors hörten wir Stimmen rufen:

„Knjäs Borghese! Knjäs Borghese!“

„Wer da?“ fragte der Fürst.

Abfahrt von Irkutsk.Abfahrt von Irkutsk.

Abfahrt von Irkutsk.

Abfahrt von Irkutsk.

„Sie kommen auf der Straße nicht weiter! Fahren Sie zurück nach unten und leiten Sie die Maschine dann auf den Damm. Auf der Straße versinkt man!“

„Danke. Wer sind Sie?“

„Wir sind aus Irkutsk. Wir sind Ihnen entgegengefahren.“

Nach kurzer Zeit schüttelten wir im Halbdunkel eine Menge Hände und vernahmen die herzlichsten Willkommensworte. Ein Herr bot sich als Führer an und setzte sich zu uns. Er hieß Radionoff; er war einer der reichsten Kaufleute von Irkutsk, Besitzer von Dampfschiffen auf dem Baikalsee und der Angara, sowie eines der begeistertsten Mitglieder des russischen Komitees für die Fahrt Peking–Paris. Er geleitete uns nach Irkutsk und dann durch die verlassenen Straßen derStadt, auf deren Schmutz der Widerschein der wenigen Laternen zitterte, bis zu einem weißen Gehöft mit einem grünen Gittertor, wo er nach jemand rief. Es erschien ein Riese, der das Gittertor öffnete. Wir fuhren in eine Art Garten hinein, gewahrten Bäume und hielten vor einem hübschen weißen Hause mit erleuchteten Fenstern, die ihren Schimmer auf das Laub der Bäume warfen. Und wie im Märchen stieg Herr Radionoff ab und rief:

„Wir sind da.“

„Wo sind wir?“

„In meinem Hause, das heißt in Ihrem Hause. Das Bad steht bereit. Ihre Zimmer sind in Ordnung. Das Essen ist auf dem Feuer.“

Wir fanden in jenem weißen Hause eine prunkvolle und herzliche Aufnahme, die volle und freie Gastfreundschaft dessen, der alles bietet, was er vermag, und es gern bietet. Um Mitternacht kamen Freunde zu dem Mahle, das auf dem Feuer stand. Die Stunde konnte dem, der den russischen Sommer nicht kennt, wenig geeignet erscheinen, jene unerträgliche Jahreszeit des Lichtes, da es um 11 Uhr abends noch Tag und um 2 Uhr morgens schon wieder Tag ist. Es kamen Offiziere, Kaufleute, Beamte. Wir bewegten uns unter ihnen, als hätten wir uns schon lange gekannt. Der slawische Charakter weist viel Ähnlichkeit mit dem romanischen auf: er bringt dem Fremden überströmende Freundlichkeit und hochherziges Vertrauen entgegen.

In Irkutsk verbrachten wir eine bezaubernde Zeit der Ruhe. Allerdings ist das Wort „Ruhe“ übertrieben; aber oft bedeutet „ausruhen“ nur „die Arbeit wechseln“. Wir durchstreiften Irkutsk der Länge und Breite nach auf den breiten Straßen mit dem holprigen Pflaster, die von beiden Seiten von düsteren, prächtigen Palästen begrenzt werden, wir spazierten über riesige, von Morast überschwemmte Plätze, durch die Kaufmannsviertel, die alle aus Holz gebaut sind, wie die Budenstadt einer riesigen immerwährenden Messe; wir gingen von einer Bank in einen Laden, von einem Laden auf das Telegraphenamt,von da nach einem Regierungsbureau. Wir hatten Erkundigungen einzuziehen, Rechnungen zu begleichen, allerlei Dinge zu kaufen, um unsere Garderobe zu erneuern, die durch das Öl der Maschine ganz und gar verdorben war. Wir betrachteten neugierig das Leben und Treiben in dieser Stadt, die sich das Ansehen einer Hauptstadt gibt und es in einiger Beziehung auch ist. Sie regiert ein Land, zwanzigmal so groß wie Frankreich, sie herrscht über eine Bevölkerung, die aus Angehörigen aller Rassen besteht; auf ihren Straßen begegnen sich unter der slawischen Masse Burjaten aus Transbaikalien, Kirgisen, die aus den Steppen kommen, Tungusen, die aus den Tundren herabgestiegen sind, Zirkassier, Tataren, Armenier und Juden. Es ist eine Stadt des Westens und des Ostens zu gleicher Zeit, in der die Geschäfte rasch Erledigung und die Moden spät Eingang finden; in ihr finden sich noch die Trachten des alten Rußlands, bewahrt von Männern von modernem Unternehmungsgeiste.

Der Radfahrklub wollte uns in seinem Velodrom jenseits der Angara empfangen, wo wir eintrafen, nachdem wir eine der größten Schiffsbrücken der Welt überschritten hatten. Der Regen und die Kälte störten das Fest, dämpften aber nicht die Begeisterung unserer Gastfreunde. Die uns zu Ehren in verschwenderischer Fülle angebrachten Flaggen und Fahnen hingen in dem eisigkalten Regen melancholisch herunter, aber im Gegensatz zu dem Wasser draußen rannen drinnen edle Weine die Kehlen hinab, die Gemüter erhellten und erwärmten sich an der herrlichsten geistigen Sonne. Wackere Männer fanden den Mut, ihre Zweiräder zu besteigen und eine Wettfahrt zu veranstalten, die wir mit gespanntem Interesse verfolgten, während eine Militärkapelle zündende kriegerische Weisen bis zu den fernen Ufern des Flusses erschallen ließ. In der Nacht waren wir aufs neue in Bewegung. Zuerst wurden wir in das Theater geführt, sodann in das Variété (die Vorstellungen in den Variétés beginnen in Rußland erst nach Mitternacht) und von da ins Restaurant, weil es der Brauch so will. „Andere Länder, andereSitten!“ Nachdem wir Krebse aus Moskau und Kaviar aus Kasan gekostet hatten, wurden wir wieder in ein Variété geführt, um russische Gesänge, die berühmten Lieder der Ukraine, anzuhören, die auf Kommando gesungen wurden. Als die Gesänge zu Ende waren, weshalb sollten da nicht auch kleinrussische Tänze befohlen werden? Wir wohnten also auch den Tänzen bei. Der Tag dämmerte bereits, als uns der „Steigbügeltrunk“ zum Abschied angeboten wurde. Wir kehrten erst beim Morgengrauen des 3. Juli in einer Kutsche nach Hause zurück, als die Stadt bereits zu erwachen begann. Unsere „Ruhezeit“ in Irkutsk neigte sich ihrem Ende zu.

Wenige Stunden später, um 11 Uhr, verließen wir Irkutsk, umgeben von einem Ehrengeleite von Radfahrern. Das Automobil hatte sich durch eine sorgfältige Toilette gänzlich verändert. Ettore hatte es mit Hilfe des kräftigen Strahles einer Feuerspritze gesäubert, und aller Schmutz aus China, der Mongolei und Sibirien war unter jenen ungestümen Wasserstrahlen abgefallen. Wenn das Automobil somit auch gereinigt war, so hatte es doch seine ursprüngliche Farbe nicht wiedergewonnen; die Unbilden der Witterung hatten ihm eine unbestimmte Färbung verliehen. Wie wir hatte auch das Automobil eine neue Haut bekommen; es sah dunkler, ungepflegter aus und zeigte offen seine Beulen und Sprünge; es war häßlicher geworden, erschien aber stärker. Um es zu verschönern, ließ Fürst Borghese einen Schildermaler kommen und gab ihm den Auftrag, an den Seiten des Automobils zwei große weiße Inschriften anzubringen:Peking–Paris. Zum Unglück sah die Inschrift wie ein Ladenschild aus; es wäre wohl besser gewesen, das Automobil schmutzig zu lassen. In Irkutsk entäußerten wir uns eines Teiles des Gepäcks, der dritte Platz, der für mich bestimmt gewesene hintere Sitzplatz, wurde ausgeräumt und benutzbar gemacht. Er wurde von Herrn Radionoff eingenommen, der uns ein Stück Weges zu begleiten wünschte. Das Einsteigen war nicht leicht, weil man über Behälter hinwegsteigen mußte. Ein großes in Papier eingeschlagenes Paket legte er neben sich; wie wir später entdeckten,enthielt es Lebensmittel. Unser Freund hatte die Mittagszeit herannahen sehen und war nicht wie wir gewöhnt, das Frühstück zu vergessen.

Vor der Abfahrt überbrachte uns ein Telegramm aus Myssowaja die letzten Nachrichten von den übrigen Automobilen. Sie waren den Tag zuvor in Myssowaja eingetroffen und von jener Station mit der Eisenbahn nach Irkutsk gefahren.

Wir überschritten die große Pontonbrücke, gelangten glücklich über eine einige Kilometer lange Strecke unsicheren Geländes, auf dem das Automobil mehrmals einzusinken drohte — in der Nähe der sibirischen Städte sind die Wege stets fürchterlich —, und erreichten gegen Mittag den Anfang der guten Straße. Dahin hatten sich alle Radfahrer schon vor uns begeben. Wir begrüßten uns, brachten ein mehrfaches Hurra aus, die Mützen wurden geschwenkt, und dann schoß unsere Maschine rasch davon.

Wäre die selbst für Sibirien im Sommer außergewöhnliche Kälte nicht allzu schneidend gewesen, so hätten wir diesen neuen Abschnitt unserer Reise entzückend gefunden. Der Weg erlaubte die mittlere Geschwindigkeit von 30 Kilometern die Stunde. Wir fuhren am linken Ufer der Angara entlang, die majestätisch ihre kristallklaren Fluten vorüberwälzte. Irkutsk verschwand allmählich in dem weiten welligen Tale, und schließlich sahen wir nur noch die großen, zahlreichen Kirchen: eine Menge von Kuppeln, Türmen und Giebeln, die aus der grünen Ferne noch weiß herüberschimmerten, als die Häuser der Stadt dem Auge schon entschwunden waren.

Die Landschaft nahm einen anmutigeren Charakter an. Das Gelände senkte sich allmählich, entsprechend dem weiteren Laufe der Selenga. Die schroffen Anhöhen, die den Baikalsee umsäumen, wurden zu immer leichteren wellenförmigen Erhebungen. Wir begannen uns in den unermeßlichen Ebenen Sibiriens zu verlieren. Wir ließen die steilen Gebirge hinter uns, die sich am Horizonte gleich riesigen unbeweglichen Wogen auftürmten, und hatten — wie damals, als wiruns der Mongolei näherten — den Eindruck, als ob sich ein Unwetter entferne. Die Straße wies lange ebene und gerade Strecken auf, auf denen wir mit der Geschwindigkeit von 40 und sogar 50 Kilometern dahinjagen konnten, zwischen grünen, üppigen Wiesen, die von leuchtendgelben und weißen Blumen gesprenkelt und gestreift waren. Es waren die Pflanzenarten, die auch in den Alpen vorkommen. Die Wiesen waren von Rinder- und Pferdeherden bevölkert. Die Viehzucht ist dort draußen noch die ausschließliche Beschäftigung der halbwilden Bevölkerung, einer Mischlingsrasse, die etwas vom Slawen und etwas vom Mongolen an sich hat.

Herr Radionoff, der sich zum ersten Male an der schwindelerregenden Wonne der Schnelligkeit berauschte, stieß Rufe der Begeisterung und des Entzückens aus. Jedesmal, wenn wir unsere Fahrt beflügelten, äußerte er das glühende Verlangen nach dem Besitz eines Automobils. Er wollte es sofort haben, er wollte es bestellen, sobald er nach Hause käme; er würde telegraphieren, er wollte genau ein solches haben wie das unsrige. Nach und nach legte sich seine Begeisterung; unser guter Reisegefährte war schweigsam geworden; er hatte sein Frühstückspaket geöffnet. Ohne ein Wort zu sprechen, reichte er uns von den mitgebrachten Speisen; wir sahen seine Hand vor unserem Gesicht erscheinen mit einem riesigen belegten Butterbrote, das wir unter dankender Kopfbewegung ergriffen und verzehrten; kaum war es verschwunden, so erschien die Hand schon wieder mit einer neuen Portion. Es schien die Hand der Vorsehung zu sein. Seine Vorräte mußten unerschöpflich sein, da unser Appetit eher zu Ende ging als sie.

Wir kamen durch zahlreiche Dörfer, die von Zäunen umgeben waren, deren Gatter die Straße versperrten. Über die Holzdächer erhoben sich dünne, gleichmäßig hohe, nach vorn geneigte Brunnenstangen, die wie lange Lanzen aussahen. Einige dieser Dörfer waren von Kosaken bewohnt. Auf den Häusern wehten rote oder weiße Fähnchen, die mit Nummern versehen waren. Vor jedem Fenster standen Blumen; die schwarzen Isbas hatten sich mit ihnen geschmückt,um den kurzen Frühling zu feiern. Der Sibirier liebt Blumen abgöttisch, und mag sein Haus auch noch so armselig sein, es hat stets seine Geranien-, Nelken- oder Oleanderstöcke, die an der Wärme des Ofens gedeihen und die Kahlheit der Isba erheitern. Sie werden geliebt, weil sie selten sind und auch, weil jene Pflanzen, die der Pflege bedürfen, den Bewohnern in den langen, stillen, weißen Wintermonaten Gesellschaft leisten, wenn die Kälte und der Schnee jede Arbeit unmöglich machen und die Leute in ihren Häusern einschließen. Der Muschik verwendet beständige Sorgfalt auf die Verschönerung seines Heims; er breitet rohgearbeitete Decken über den Fußboden, behängt die Wände mit Bildern in schreienden Farben, mit Heiligenbildern, Bildnissen des Kaisers, und verteilt alles mit einem gewissen Ordnungssinn; der blinkende Samowar steht auf einem Tische in der Nähe des Fensters, damit man ihn von der Straße aus sieht; um den Samowar herum stehen die Gläser und Teller; auf einem Schranke stehen alle wertvollen Schätze der Familie: Porzellantassen, bemalte Teller, die bei der Hochzeit gebraucht wurden, eine ewige Lampe; an den Fenstern hängen Kattungardinen. Es herrscht in jenen Häusern ein Sinn für in sich gekehrte, zufriedene Traulichkeit, die nicht in den Ländern anzutreffen ist, in denen man nicht viel im Hause lebt, weil dort die Sonne auch im Winter warm scheint, die Luft mild ist und man sich im Freien wohlfühlt.

Wir gelangten auf das rechte Ufer eines Flusses, der Suchuja. Es ist ein Doppelfluß, der durch eine Bodenerhebung in der Mitte in zwei Flüsse geteilt ist; die eine Hälfte überschreitet man in einer Furt, die andere mittels des Bootes. Viele sibirische Flüsse haben so einen tiefen und einen seichten Teil; auf der einen Seite sind sie gefährlich, auf der andern harmlos. Einige von ihnen haben eine Brücke zum Überschreiten des besseren Arms und einen Kahn zum Übersetzen über den andern, in dem sich alle Wut und alle Gefahren der Strömung vereinigen. Eine Brücke über den ganzen Fluß würde bei Hochwasser den Fluten nicht widerstehen.

Ein großes Boot setzte uns über. Es war nicht leicht, das Automobil hinüberzubringen; wir mußten die Brücke verstärken, über die Ettore die Maschine rasch mit jener Sicherheit und Zuverlässigkeit trieb, die er schon an der Selenga bewiesen hatte. Schließlich gewannen wir Übung in diesen Einschiffungen. Wir setzten in Booten, von denen manches alt und leck war, über eine Menge anderer großer und kleiner Flüsse, über den Ospin, die Bjelaja, den Salarin, die Oka, die ihre Gewässer der Angara auf ihrem weiteren Laufe zum Jenissei zuführen.

Auf den Fährbooten setzten mit dem Automobil Telegas über, die von den benachbarten Märkten kamen. Wir befanden uns mitten in einer dichten charakteristischen Menge sibirischer Landleute, die uns ehrfurchtsvoll grüßten und seltsame Bemerkungen unter sich austauschten. Auf einem dieser Boote war es, wo wir gefragt wurden, ob wir Japaner seien! Der Mann, der diesen Zweifel an unserer Nationalität geäußert hatte, erklärte dies folgendermaßen:

„Ich glaubte, Sie seien Japaner, weil es derlei Maschinen in Rußland nicht gibt und Sie von jener Seite kommen“; er deutete dabei nach Osten. Dann fügte er hinzu: „Man sagt, die Japaner hätten alle Maschinen, die überhaupt erfunden worden sind.“

Auf der Oka murmelte ein alter Muschik dem Fährmann zu:

„Wir werden bald wieder Krieg haben!“

„Warum denn, Väterchen?“

„Sie besichtigen schon das Land!“ Dabei deutete er auf uns und schüttelte nachdenklich den Kopf.

Was mag er sich wohl über unsere Personen und den Zweck unserer Reise gedacht haben! Und wer weiß, welche Meinung all die friedfertigen Dorfbewohner von dem Automobil hegten! Einige drückten lebhaftes Erstaunen aus, blieben wie betäubt stehen und ließen ihre Arbeitsgeräte aus der Hand fallen. Andere liefen fröhlich herbei wie beim Nahen einer harmlosen Erscheinung oder einer wandernden Gauklertruppe auf ihrem Reisewagen. Manche suchten das Weite.Die Frauen lachten häufig, daß sie sich die Seiten halten mußten, wie es die Mongolen in der Nähe von Urga getan hatten — was beweisen könnte, daß die Frau weniger bildungsfähig ist als der Mann, daß ihre Seele noch etwas von der Natur des Wilden an sich hat. Wenn wir aber hielten, so näherten sich alle beruhigt, und eine Minute später waren sie gegen uns und das Automobil von der herzgewinnendsten Freundlichkeit. Die jungen Leute bewunderten es und taten verständige Fragen über die Geschwindigkeit und Kraft der Maschine.


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