Elftes Kapitel.Wahlert und Kraft.

Treibjagd in Horneck – ei, was für ein fröhliches frisches Leben da gleich über die Leute kommt, die sonst so still und stolz ihre Bahn gehen; ist es denn nicht gerade, als ob sie mit den Wasserstiefeln und der Pelzmütze auch den Philister aus- und den vernünftigen Menschen auf einmal angezogen hätten, und nun mit ihres Gleichen, das heißt, mit anderen zweibeinigen Söhnen Gottes, mögen sie ein paar tausend Thaler mehr oder weniger im Vermögen haben, als sie selber, so freundschaftlich und vertraut verkehren, als wie gerade mit – »eben ihres Gleichen?«

Auf der Jagd hört jeder Standesunterschied auf, die verschiedenen Herren Barone, Grafen und Rittmeister von so und so sind eben nicht Barone, Grafen und Rittmeister mehr, sondern einfach, mit den Bauern, Jägern, Pachtern etc. etc. »die Herren Schützen,« und dieHasenfelle kehren sich eben so wenig an den Stand, sondern brennen durch, wo sie ein »Loch« sehen, mag das nun durch einen Grafen oder Bauer gemacht sein.

»Auf der Jagd hört jeder Standesunterschied auf, lieber Leser? Bitte um Verzeihung, wenn Du das glaubst, bist Du noch nie mit inHorneckauf der Jagd gewesen, denn gerade da wäre Dir der Unterschied der zwischen ›von‹ und ›nicht von‹ gemacht wurde, um so mehr aufgefallen, da Du ihn in der einfachen, sonst so gemüthlichen Dorfkneipe doch sicherlich nun und nimmer vermuthet.«

Herr von Gaulitz, dem die Jagd gehörte, hatte nämlich zu dieser, der ersten Treibjagd in diesem Jahr, eine sehr große Schützenzahl eingeladen, da die Aufhebung der Jagdgerechtigkeit zu nahe bevorstand, um nicht wenigstens jetzt noch Alles todt zu schießen, was irgend vorkam. An Schonen konnte gar kein Gedanke mehr sein, denn daß er, wieihmdie Bauern geneigt waren, die Jagd unter keiner Bedingung von denen in Pacht bekam, und wenn er sie wirklich hätte außergewöhnlich hoch bezahlen wollen, lag auf der Hand. Die Losung hieß daher, da auch einige Stücken Holz sollten mit abgetrieben werden, »Rikke und Bock,« und wenn Fasanen vorkamen, »Hahn und Henne.«

»Druff uf Alles was rauch is,« sagten die Bauern – »ich wäre mich aber hiten un en Reh schießen; die loofen mer gut genung bis zum nächsten Jahre rim, un nachens han ich se sälber – nur rächte Lecher machen.«[2]

Da es aber nun außer aller Frage war, daß der Herr Oberpostdirector von Gaulitz eben die Sprößlinge altadliger Geschlechter mit den »Schützen« – die er nun doch einmal gezwungen war einzuladen, damit sein Treiben nicht zu klein, und die Rehe und Hasen nicht verscheucht würden, ehe nur einmal zum Eindrücken abgeblasen wäre – nicht in eine und dieselbe Stube sperren und mit einem und demselben Frühstücke versehen konnte, so war der Wirth der Hornecker Schenke angewiesen worden, das gewöhnliche Gastzimmer für die »Schützen und Treiber,« oder mit anderen Worten für Alles, was zu Fuß oder in Droschken kam, und dasgrüneZimmer, zu dem auch noch ein besonderer Eingang von außen führte, für die »Herrschaften,« oder alles das, was in eigenen Equipagen oder zu Pferde kam, herzurichten. In der Gaststube gab es dabei Eierbier, Franzbrödchen, Bratwürste und richtigen Korn; in der grünen Stubedagegen Wein, Caviar, Schweizerkäse, Franzbrödchen und Gänse- und Schweinebraten.

Und vor der Thür standen die Treiberjungen in ihren abgerissenen Jacken und Hosen – denn zur Jagd wurde natürlich immer das Schlechteste angezogen – mit großen rauhgeschnittenen Stöcken in der Hand, die Hände in die Jacken vorn gesteckt, und die schmutzigen Mützen bis über die Ohren gezogen, und schauten sehnsüchtig hinein nach den wohlbesetzten Tischen und zechenden Gästen, nach den lockenden Braten und gut duftenden Würsten. O, was hätten sie d'rum gegeben, nur ein einziges Mal so recht aus vollen Kräften und mit unbeschränkter Quantität hineinbeißen zu dürfen in all' das Wonneausströmende – nur ein einziges Mal auch sich mit so fettigem Mund und Seligkeit strahlenden Zügen, in der rechten Hand eine Gänsekeule, in der linken ein Glas blinkenden Rothwein dastehen zu sehen, wie den kleinen dicken Mann in dem grünen Rock und der flachen Mütze – aber nein – laufen durften Sie mit, und Hasen schleppen – angeschossenen nachjagen, bis sie nicht mehr konnten, und Jagdtaschen tragen und Hunde führen, aber sonst brauchten sie nichts – das Stückchen Schwarzbrod, was sie in der Tasche trugen, war ihre einzige Nahrung – und auch das fror manchmal,wenn der Nordwind so recht über die harten Sturzäcker und durch ihre dünnen Kleider pfiff – außerdem bekamen sie auch wohl noch einen Schnaps und fünf Silbergroschen auf den Tag. –

Aber den Anblick hatten sie frei – sie konnten doch wenigstens sehen, wie der lange Herr da mit dem großen Schnurrbart und dem riesigen Muff um den Leib, ein halbes Franzbrod nach dem anderen die unermüdliche Kehle hinabsandte, und nur manchmal die Brod- und Fleischteller verließ, um eine verhältnißmäßige und angemessene Quantität Flüssigkeit nachzuspühlen – oder jener beleibte Herr mit dem Pfaffengesicht – nur ein Buchhändler aus der Residenz, aber Einer, der sich gern mit zur »Aristokratie« zählte, oder sich wenigstens unter jeder Bedingung dazu hielt – unbestimmte Massen in zu diesem Zwecke besonders mitgebrachtes Papier einwickelte, und –

»Wollt Ihr fort da, verdammte Jungen!« fuhr sie in dem Augenblick eine grimme Baßstimme an, und die armen Teufel stoben wie Spreu vor einem plötzlichen Sturmwind aus einander – es war der Rittmeister von Gaulitz, ein Vetter des Gutsherrn, der, einen wilden Blick um sich herwerfend, und zornige Flüche dabei in den fuchsrothen Bart murmelnd, aus der Thürestolzirte, um sich draußen in frischer Luft von dem etwas zu eifrig eingeladenen Frühstück ein wenig zu verschnaufen. Die Treiber zogen sich etwas ängstlich vor der breitkräftigen Gestalt in einen entfernteren Theil der Hausflur zurück, und die Thür zu den »Herrschaften« wurde geschlossen.

Lebendiger und wo möglich noch weniger ceremoniell ging es in der Gaststube zu, wo sich die eingeladenen Revierjäger aus der Umgegend, die Bauern, Verwalter etc. etc. mit Amtsschreibern, Steuerbeamten, Controleuren etc. etc. versammelt hatten, und zwischen ihnen durch die Treiber mit ihren langen Stecken manchmal hin und herschritten, und bald hier von dem einen Schnaps, bald von dem eine Tasse Eierbier eingeschenkt bekamen.

Besonders um einen Tisch in der Mitte hatte sich eine muntere Gruppe gebildet, deren Glanzpunkt ein kleiner wohlbeleibter Bauer mit rother, in's bläuliche spielender und ungewöhnlich großer Nase war. Die kleine dicke Gestalt sprudelte von einer Art trockenen Humors, und das ganze Aussehen des Mannes gab jedem, was er sagte, etwas nur um so mehr, und oft unwiderstehlich Komisches. Je öfter ihn die Umstehenden zu necken suchten, mit desto schärferer Münze zahlte er sie zurück, bis das Gespräch endlich ernster und ernster, und auchauf den jetzigen wie den künftigen Zustand der Jagd gelenkt wurde.

»Nun Beukel, und was machtIhrdenn, wenn Ihr die Jagd auf Eueren eigenen Aeckern und Wiesen wirklich in Wald und Teich freibekommt, schont Ihr?« frug den Bauer einer der Revierjäger.

»Nich 's Kalb im Mutterleibe« schwur Beukel und schlug mit der schweren Hand donnernd auf dem Tisch – »die Freude dauert doch am Ende nicht lange – und nachher ärgerte man sich erst recht, wenn man den Großmüthigen gespielt hätte.«

»Na das wird eine schöne Aasjägerei werden – nachher kann unser Einer nur die Flinte an den Nagel hängen.«

»Habt sie auch lange genug auf fremder Leute Grund und Boden herumgeschleppt« meinte Beukel – »dem Bauer schmeckt sein Hase auch.«

»Daß er dran erstickte« murmelte der Jäger leise vor sich hin.

»Ne ne,« lachte aber der Bauer, der die kaum hörbaren Worte doch verstanden hatte, »dererstickt schon nicht dran, überhaupt wissen die armen Leute jetzt noch gar nicht einmal, daß Hasenbraten gut schmeckt, undes wäre doch recht schön, wenn sie das bei der Gelegenheit auch einmal erführen.«

»BeiderGelegenheit nun schon nicht« sagte ein Förster, der hinter Beukels Stuhl stand und seine Pfeife stopfte.

»BeiderGelegenheit nicht? – und weshalb? Wenn der Gutsbesitzer nicht mehr alle Hasen allein schießen darf, und die kleinen Leute auch hinausgehn können, und ihr Stück Wild hereinholen, wirds da nicht etwa besser für die Armen? – die großen Herren haben ihnen doch wahrhaftig bis jetzt auch Nichts geschenkt.«

Die Bauern, die um den Tisch herum standen, lachten, der Förster ließ sich aber nicht irre machen und brummte dagegen:

»Die kleinen Herrn aber noch viel weniger und dann hat's mit der Jagdfreiheit auch einen anderen Haken. Daß sie Einer den Andern auf dem Felde todtschießen werden, wenn jeder mit seinem Kuhfuß draußen 'rum laufen und knallen darf, versteht sich von selbst und ist jetzt auch schon genug dagewesen, das schadet aber auch Nichts,dieArt Schützen mag sich unter einander selbst aufreiben, und ordentliche Jäger werden ihnen schon nicht zu nahe kommen, aber derarmeMann ist gerade der, der unter der Jagdfreiheit zu leiden hat – nichtetwa die ›großen Herrn‹ wie sich's der Bauer immer auf allen Bierbänken rühmt.«

»Der arme Mann?« sagte Beukel erstaunt und drehte sich nach dem Förster um, »na um die Erklärung gäb' ich auch ein Töpfchen Bier.« –

»Dem armen Mann thats wuhl guat, wenn de Raichen Hasenbraten fraßen?« frug ein anderer dabei stehender Bauer lachend, und die Uebrigen stimmten mit ein.

»Gewiß thats ihm gut« fiel aber hier der Förster mit Wärme ein, »denn während der Reiche Wildpret verzehrte, konnte er kein anderes Fleisch essen, und Rindfleisch z. B. behielt einen Preis, den dann und wann auch wohl einmal einarmerMann bestreiten und bezahlen konnte. Wie wird das aber jetzt werden, wenn das Wild, wenn Hasen und Rehe alle weggeschossen sind, heh? – Wir wollen einmal die Residenz nehmen; zu ganz geringem und durchschnittlichen Maasstab gerechnet sind dorthinein bis jetzt jährlich doch wenigstens 20000-25000 Hasen geschafft und darin consumirt worden – ebenso eine verhältnißmäßige Quantität Rehe, Hühner, Birkwild, Fasanen, etc. Wer verzehrt dieß Alles? – Die Reichen und fehlt ihnen das Wild, so sind die natürlich die Letzten, dieohneFleisch leben; können sie keinWildpret, keine Hühner, Rehe und Hasen bekommen, ei so essen sie Rind- Kalbs- oder Schweinebraten, diese 20000 Hasen und die vielen tausend Pfund anderes Wild fehlen aber jetzt, dafür wird anderes Fleisch also verbraucht, und dieses muß natürlich bei einem so gesteigerten Bedarf auch ebenso verhältnißmäßig im Preise steigen. Wird der Arme nunnochim Stande sein, sich dann und wann ein Huhn in seinen Topf oder ein Pfund Rindfleisch zu kaufen? – Fragt einmal übers Jahr wieder nach, und Ihr werdet hören, wie sie in den Städten darüber schimpfen.«

»Ah bah, in den Städten mögen sie's thun« lachte Beukel, »so schöpfen wir auf dem Lande doch wenigstens das Fett von der Suppe.«

»Wir? – die schöpfen es, welche die Schüssel schon bis jetzt immer vor sich gehabt« sagte ärgerlich der Jäger – »die armen Häusler und Tagelöhner, die kein eignes Feld haben, kriegen immer noch nichts. Uebrigens schöpft nur – ein, höchstens zwei Jahr habt Ihr noch ein paar Rebhühner zu schießen, und nachher wird Sturm geläutet, wenn sich einmal ein Hase auf dem Felde draußen blicken läßt.«

»Treiber vor!« tönte eine Stimme draußen auf der Diele, und die Treiber, die sich in der Stube befanden,bewegten sich langsam der Thüre zu, um sich draußen zu präsentiren und hinaus zu der Stelle geführt zu werden, von wo das erste Treiben ausgehen sollte.

»Wo hören wir denn eigentlich wieder auf?« frug da ein Verwalter aus der Nachbarschaft, »wenn wir nicht hierher zurückkommen, möcht' ich auch meinen Mantel fortschicken.«

»In Skorditz« sagte der alte Holke, der in diesem Augenblick in's Zimmer getreten war und die Anwesenden zu überzählen schien – »gleich neben der Windmühle.«

»Die Skorditzer Bauern haben gesagt, wenn die Schützen aufihreFelder kämen, schlügen sie Generalmarsch im Dorfe und rückten aus« meinte ein Bauer aus Horneck, der mit dem Verwalter an einem Tische saß.

»Die Skorditzer Bauern können zu – Grase gehn,« brummte Holke, ohne sich in seinem Zählen irre machen zu lassen – »sechs und zwanzig, – sieben und zwanzig, – acht und zwanzig, – denen ist auch zu wohl, und sie wollen erst einmal versuchen wie's thut, wenn man einen Haufen Militair im Orte hat – neun und zwanzig – dreißig – hol sie der Teufel alle mit einander – eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und dreißig im Ganzen – hm wird wohl langen – ist Fritz noch nicht dagewesen?«

»Er war erst vor einer Viertel Stunde bei den Treibern draußen, Herr Förster,« sagte das Schenkmädchen mit freundlichem Gruß und stellte ein Glas gewärmten Bieres vor ihn hin – »vielleicht ist er hinüber zur Herrschaft gegangen – soll ich einmal nachsehn?«

»Nein, danke schön – es wird bald ausgeblasen!«

Er goß das Bier mit raschem Zuge hinter, strich sich den grauen großen Bart aus und verließ mit einem »Gleich wirds fortgehn,« das Zimmer wieder.

»Die Bauern wollen's nicht leiden, daß wir in Skorditz jagen?« frug ein Controleur aus der Stadt und schnallte sich den neben ihm liegenden Muff dabei um.

»Ne,« sagte einer der Treiber, der noch hinter seinem Stuhle stand und eben im Begriff war, das Zimmer zu verlassen, »se han gesaiht se werren erscht alle de Jiagers met Schtung un Stiel usrotten, ähe se se uf ehre Fälder liaßen – das sin Mordskerle – die ferchten sich vor'n Deibel nich.« –

Er schüttelte lachend mit dem Kopf und sprang schnell hinaus als draußen das Signal zum Sammeln geblasen wurde – die meisten der Jäger standen ebenfalls auf, dem Ruf Folge zu leisten, während die älteren, und mit dem gewöhnlichen Gang des Treibens schon mehr vertrauten, noch ruhig bei ihrem Glase oderWarmbier sitzen blieben, den »Schwarm« erst ablaufen zu lassen, und nachher mit aller Gemüthsruhe einzurücken.

Die Jäger zogen mit den Treibern in einem dichten, nur hier und da durch einzelne Ausläufer umgebenen Trupp, einen engen Dorfpfad, der von niederen Mauern eingeschlossen zwischen den höher liegenden Gärten hinführte, dem Felde zu, und etwa zweihundert Schritte hinter ihnen kamen, zwei und zwei mit einander plaudernd, hier und da auch Einer allein in stillem Ernst die »Herrschaften.« Den Schluß bildeten einzelne Nachzügler, oder später Gekommene.

Dieser schmale Gartenweg lief ziemlich südöstlich aus dem Dorfe hinaus, und weiter oben, gerade nach Norden hinauf lag die größere, schon öfter erwähnte, und unfern von da in's Holz, nach Sockwitz laufende Fahrstraße, von der aus man gerade die Felder, auf denen das erste Treiben gehalten werden sollte, überschauen konnte.

Auf dieser hin schritt langsam, in schwarzem Filzhut und braunem mit Schnüren besetzten Burnus, ein Mann, hielt dann und wann an, die rege Gruppe der Jäger zu beobachten, die gerade ihren Sammelplatz aufeiner flachen Wiese erreicht hatte, und von dort, um das ganze Treiben zu umzingeln, nach rechts und links Schützen und Treiber abwechselnd aussandte, und blieb endlich an dem nämlichen Steine stehen, an welchem wir dem alten Schulmeister Kleinholz gleich im Anfang unserer Erzählung begegneten.

Eine Viertelstunde mochte er so gestanden haben, und das Treiben unten, das auch einzelne der kleinen Schluchten mit umschloß, war ziemlich zugezogen, als auf der Straße von Sockwitz her ein anderer Mann im einfach braunen, etwas abgetragenen Ueberrock, den schwarzen alten Filz ebenfalls auf dem Kopf, langsam den Weg niederschritt, und eben grüßend an dem jungen Mann vorübergehen wollte, als dieser, der vorher nur einen flüchtigen Seitenblick nach ihm hinübergeworfen, sich rasch umdrehte, und ihm die Hand entgegenstreckend, ausrief:

»Kraft!«

»Wahlert?« – sagte der Schullehrer, unser alter Bekannter, noch von der Versammlung her, erstaunt. »Sie hier in Horneck? – Was um des Himmels willen hat Sie hergeführt – Ihre Freiheit ist doch nicht mehr bedroht?«

»Nicht mehr hier – was in Berlin der Fall wäre,möchte eine andere Frage sein,« lächelte der junge Mann – »ja ja, lieber Freund, so wechseln die Schicksale, erst wie ein gemeiner Verbrecher von Steckbriefen und Häschern verfolgt, dann nach mir geschossen, wie nach einem wilden, reißenden Thiere – dann gefangen – wieder befreit – der Abgott des Volkes, von Fürsten gesucht, im Rath der erste zur Ministerpräsidentschaft berufen, aus der Nacht mit einmal zum höchsten strahlenden Lichtesglanz emporgeschleudert – und jetzt? – ein flüchtiger, oder doch wenigstens geflüchteter Demagog, einmißliebigerRepublikaner, der mit seinen schönen Träumen endlich wahrscheinlich –auswandernmuß, um sie, wenn auch nicht mehr in Deutschland, doch wenigstens inDeutschenrealisirt zu finden.«

»Auswandern?« frug Kraft erstaunt – »weshalb denn geradeauswandern?«

»Es wird Nichts in Deutschland,« sagte Wahlert, finster vor sich niederblickend, »jetzt wenigstens noch nicht, bis nicht eine frische Anregung von außen kommt, und die jetzt vorzubereiten, das sei das Werk derer, die wie wir es ehrlich mit dem Vaterlande meinen.«

»Anregung vonAußen« wiederholte Kraft, traurig dabei mit dem Kopfe schüttelnd; »ach, lieber Wahlert, so lange wir in Deutschland nicht selber im Innerenreif zu einer Selbstregierung sind, da hilft uns auch keine Anregung von Außen, komme sie, woher sie wolle; sie kann die Ordnung wieder zerstören, die Gesetze umstoßen, das ungebildete Volk reizen, und zum wilden zerstörenden Aufruhr locken, ihm aber die Kraft und Einigkeit und besonders die Einsicht geben, deren es, ach leider so nothwendig bedarf, um seine schlimmsten Feinde zu erkennen, und keinen Unterschied mehr zwischen schleichenden Reaktionairen oder bramarbasirenden Wühlern zu machen,daskann eine Anregung von außennicht, das muß Fleiß und Ausdauer im Inneren wirken.«

»Reif, reif und immer nur reif,« sagte Wahlert unwillig, »sind auch Sie Einer von denen, die das Wort zum Mantel brauchen, ihre eigene Furcht darunter zu verstecken? – Reif – weshalb soll der Deutsche nicht eben so gut reif zur Freiheit sein, wie ein anderes Volk – weshalb ist er plötzlichreifund einRepublikaner, wenn er über die See und nach Nordamerika kommt? reift ihn etwa die Seeluft oder wird dort ein besonderer chemischer Proceß vorgenommen, der ihn in mistbeetartiger Schnelle die hier noch nicht besessene Reife giebt?«

»Sein Sie nicht böse auf mich, meiner Aeußerung wegen,« sagte Kraft freundlich, »Sie wissen aber noch vonfrüherer Zeit wohl her, wo ich in der Residenz als Lehrer Ihres Vaters Haus besuchte, daß ich frei und derb mit meiner Meinung herauskomme, und nicht ›meine Furcht unter einem Mantel‹ verstecke.«

Wahlert reichte ihm schweigend und das rauhe Wort abbittend, die Hand, der alte Lehrer fuhr aber lächelnd fort:

»Lassen Sie's gut sein, Sie sind ein junger Brausekopf, und ich sehe das lebendige Leben eben so gern in dem jugendlichen Körper, wie den Geist im Champagner und den Uebermuth im jungen Roß, nur einen Irrthum will ich auf ihrer Seite berichtigen, einen Irrthum, der besonders in dem letzten Semester auf eine traurige Weise ausgebeutet worden ist, Unerfahrene zu überrumpeln und einen Beweis für etwas zu liefern, das sich auf eine andere Art eben nicht beweisen ließ. Sie wissen, lieber Wahlert, daß ich, ehe ich in die Residenz zurückkehrte, von wo aus ich gleich, durch des Herrn Generalsuperintendenten Vermittelung und Fürsprache –«

»Weil Sie seinem Sohne aus der Flut das Leben gerettet –«

»– Eher vielleicht, weil er mich passend für die Stellung hielt,« fuhr Kraft fort – »die Stelle in Bachstettenbekam, mich eine Zeit lang in Amerika herumgetrieben hatte. Wir haben oft darüber zusammen gesprochen, und ich suchte Ihnen stets von unseren Landsleuten in Amerika eine so günstige Meinung beizubringen wie nur möglich – ich liebe mein Vaterland und dessen Söhne und wäre der Letzte, der einer ungerechten Beschuldigung gegen sie Worte gäbe, wollen Sie mir aber mitdenenbeweisen, daß die zurückgebliebenen Bewohner unseres Deutschlands ebenfalls reif wären, so rennen Sie da in einen Irrthum hinein, den Sie nie schmerzlicher einsähen, als wenn Sie selbst nach Amerika kämen.«

»Daß der Deutscheunfähigsei, sich in einer Republik zu regieren, das wolle Gott verhüten, daß ich das behaupte – es hieß, ihm sein gesundes Herz, seine Fähigkeiten absprechen und leugnen, er ist aber eben nurfähigdazu, und wie das Kind, das den künftigen Gelehrten noch im ersten innersten Keime mit sich herum trägt, und nicht einmal lesen kann, ehe es ihm von älteren Leuten gelehrt wurde, so muß auch der Deutsche vor allen Dingen nochlernen, sich selbst zu regieren, ehe er diese schwere Kunst, soll es nicht zu seinem Verderben zu früh geschehn, in Ausführung bringen kann.«

»Aber Amerika – die Amerikaner selber –«

»Sind mir der Beweis dessen, was ich hier gesagt – Amerika schüttelte damals das englische Joch ab, proclamirte die Republik und wurde damals der blühendste Staat der Welt; sind aber dessen damalige Verhältnisse mit den unseren hier in jetziger Zeit auch nur im Entferntesten zu vergleichen? Nein, wahrlich nicht – Amerika war vom ersten Augenblicke an, wo die Separatisten-Colonie in den SchiffenMayflowerundSpeedwellzu Plymouth im Jahre 1592 landeten, eine Republik. Schon an Bord des ersten Fahrzeuges entwarfen und unterzeichneten sie ein Instrument, das zur nöthigen Gründung und Bestätigung ihrer künftigen Einrichtungen dienen sollte, und in jenem einfachen Document wurde schon, und zum ersten Male, das große Princip einer freiwilligen Conföderation vonunabhängigenMännern ausgesprochen, die einen Staat gründeten, ›nicht der Regierenden, sondern der Regierten wegen‹. Dort begann sie auf einem freien, noch unentweihten Feld ihre staatliche Einrichtung, und wenn auch England sein Scepter darüber hielt, so bestand doch die ganze Botmäßigkeit, die es über seine amerikanischen Colonien ausüben konnte, nur eigentlich in der Einsetzung von englischen Gouverneuren, in demVorbehalt, ihm mißliebige Gesetze ändern oder annulliren zu können, und in der Auflage von Steuern und Taxen. Der freien Entwickelung des Volkes konnte vom Mutterland aus nicht entgegengearbeitet werden, die in Amerika Gebornen wuchsen, von heißer Liebe für ihr Vaterland beseelt, und mit nur geringen Sympathien für Alt-England auf, und wie ihnen endlich der Druck von dort her zu beengend und unerträglich wurde, da schüttelten sie eben nur das über das Meer her aufgelegte Joch ab und – waren frei. Sie hatten kaum etwas weiteres zu thun, als in die Stelle der vertriebenen Gouverneure eigene einzusetzen, die Verfassung, die sie sich gaben, wurde nur wenig verändert, in Rhode-Island zum Beispiel fast gänzlich beibehalten und kein Mensch wird hiernach die Amerikaner als ein Volk zum Beispiel aufstellen können, das rasch von der Monarchie zur Republik übergegangen wäre.«

»Was aber nun dieDeutschenbetrifft, die dort hinüber auswandern, und von denen auch Sie leider, lieber Wahlert, vor wenigen Minuten dieselbe Phrase gebrauchten, die im Munde der sogenannten Republikaner bei den unteren Schichten unserer Gesellschaft so vieles Glück macht, ›ob die Deutschen, die nach Amerika gingen, etwa auf der See Republikaner würden,daß sie es drüben so ganz auf einmal, und hier doch gar nicht gewesen wären‹, so will ich Ihnen nur darauf einfach antworten, ›sie werden es auf der See, und auch selbst drüben nicht, bis sie nicht ihre gehörige Lehrzeit bestanden haben‹. Denn wollen Sie das nur zum Beweis gelten lassen, daß siewählen, so macht doch wahrlich die Abgabe seiner Stimme den Republikaner noch nicht.«

»Wie aber wollen Sie beweisen, daß die herüber gekommenen DeutschennichtRepublikaner im edlen Sinne des Wortes seien?« frug Wahlert begierig, »sind nicht eben die Deutschen ihres Vaterlandes und ihres ehrlichen, treuen und umsichtigen Charakters wegen, gerade in Nord-Amerika allgemein geachtet und geliebt?«

»Wollte Gott, ich könntedieFrage mitJabeantworten, dann säße ich nicht hier im Vaterlande und äße das schwere sauere Brod – und eben auch nur Brod, eines Dorfschulmeisters, der sich noch glücklich schätzen muß, durch einen freundlichen Gönner eine derwenigen gutenStellen von – 200 Thaler jährlichen Gehalt bekommen zu haben, und dafür jetzt Aerger und Verdruß, Sorge, Entbehrungen und Beschwerden das ganze geschlagene Jahr in vollem Maße einärntet.«

»Wie soll ich das verstehen?« frug Wahlert erstaunt.

»Es ist einfach genug,« sagte Kraft, »und ich will es Ihnen, da es doch genauen Bezug auf unser jetziges Gespräch hat, mit kurzen Worten mittheilen. Auch ich kam damals mit all den schönen Hoffnungen von Deutschthum nach den Vereinigten Staaten, und glaubte in der That, der Name ›ein Deutscher‹ werde dort schon gewissermaßen allein als ein Freipaß zur ehrenvollsten Aufnahme gelten – Großer Gott, wie hatte ich mich getäuscht. Nur kurze Zeit hielt ich mich in Neu-York auf, das ganze Wesen und Treiben der Deutschen dort gefiel mir nicht, auch schien mir eine Art Haß zwischen diesen und den Amerikanern zu bestehen. Nach Cincinnati zog es mich, der ›Königin des Westens‹, dort im Westen, mußte auch der Deutsche, seines Fleißes und sittlichen Betragens wegen, geachtet sein – so dachte ich, und was fand ich? – ›You shall call me a dutchman‹ – ›Du sollst mich einen Deutschen nennen, wenn das und das wahr ist‹, – lautete das Sprichwort der Amerikaner und leider nicht nur der niederen Klassen.God damn the dutchtönte es wohl hundert Mal des Tags in meine Ohren, und das Herz, glaubte ich, sollte mir brechen vor Weh und Scham. – Ich zog in die Wälder, trieb mich viele Jahre in den dünnenAnsiedlungen der weißen Pioneere, – Jahre lang zwischen den halbcivilisirten Indianern herum, und kehrte endlich, eines geselligen Verkehrs bedürftig, nach den Vereinigten Staaten zurück. Und was fand ich dort? – gerade zur Zeit der Wahlkämpfe traf ich in Philadelphia ein – auch Deutsche brauchten ihr Recht, das Recht der freien Wahl, das Recht eines freien Bürgers – undwiebrauchten sie es? Kaufen ließen sie sich von Whigs oder Demokraten, nicht wer das meiste bot, dennschlechtwaren sie eigentlich nicht, nein, wer daserstebot, wer ihnen zuerst in den Weg kam und sie zu überreden wußte, dem überließen sie sich. Keinen Begriff hatten sie von dem, was die Wahl eigentlich bedeute, was sie für einen Einfluß auf sie selbst, auf das ganze Land, ausüben könne – ›ach was‹ hört ich Viele sagen, ›ob ich den oder den Wisch in den Kasten stecke, darum bleibt Amerika doch stehn und wir kriegen auch nicht mehr Lohn.‹ Anderen machte ich Vorwürfe über ihr schändliches schaamloses Betragen und erhielt die Antwort: ›Geht zum Teufel – wir sind hier freie Amerikaner, und können stimmen wie wir wollen.‹«

»Und das waren meine Landsleute, das waren die Männer, die ich mir als ›Republikaner‹ geträumt, für die ich geschwärmt, die ich zum Beispiel für Andere,gerade wie Sie es gethan, aufgestellt hatte. Und vonsolchenMenschen könnten wir in Deutschland eine Besserung der Zustände erwarten? – Lange kämpfte ich damals mit mir selbst, was ich thun, wie ich handeln sollte, endlich war mein Entschluß bestimmt – nach Deutschland kehrte ich zurück und in Deutschland lag ferner, so lange diese schwachen Kräfte noch ausreichten, mein Wirkungskreis. Das Volk, oder wenigstens den kleinen mir anvertrauten Theil desselben, wollte ich heranziehn nach besten Kräften, wollteMänneraus ihnen machen, Männer, die wissen, was sie sich und ihrem Vaterlande – seien sie nun darin geboren oder aus freier Wahl hervorgezogen – schuldig sind – wollte mit einem Worte würdigeRepublikanerheranbilden, die ihre Zeit begriffen und verstanden. Was ich dabei unter Republik verstehe, vertrüge sich auch recht gut mit einer constitutionellen Monarchie, wenn diese Form, der Masse wegen, beibehalten werden müßte, aber ein König oder Kaiser würde dann auch nur der Präsident der Staaten sein und die Macht in der Majorität – im Volke ruhen.«

»Das, mein guter Herr Wahlert, istmeinePolitik und ob ich recht gehabt, mag die Zeit lehren. Unser – Deutschlands Heil liegt nicht in der Gegenwart, obgleichich gar nicht leugnen will, daß die letzte Revolution heilsam, ja sogar nöthig war, die starre Rinde erst einmal zu brechen, die uns mit ihren Banden umschlossen hielt – die Freiheit mußtegeborenwerden, ehe sie überhaupt bestehen konnte, jetzt aber haben wir sie heranzubilden und zu pflegen nach besten Kräften, daß sie in der aufwachsenden, von ihr beseligten Jugend eine starke, einige Stütze finde und nachher, lieber Wahlert, nachher wollen wir wieder von der Abänderung der jetzigen Staatsform sprechen. Ist dann die Majorität des Volks, mit ihrem vollen BewußtseinfürRepublik, ei lieber Gott,werwill sie ihr dann vorenthalten können, und ist sie es nicht? Gut, dann wird sie auch wissen weshalb, und sich der Majorität zu fügen, ist selbst Pflicht des Republikaners. – Wenn er nämlich wirklich auch ein Republikaner im Herzen ist, und sich nicht blos in eitlem prahlerischen Dünkel den Namen und die rothe Cokarde beilegt, zugleich aber gegen die Titel und Orden, die doch in dem Fall nur ganz dasselbe sind, in phrasenreichen Reden donnerte. Und Sie schweigen?«

Wahlert stand, den linken Fuß auf den Stein gehoben, den linken Ellbogen auf das Knie, in die Hand den Kopf und die rechte auf seinen Stock gestützt, stillund schweigend wohl mehrere Minuten da und sagte endlich leise:

»Manchmal, in recht trüben, schweren Stunden, haben mich ähnliche Gedanken überkommen, und ich zweifelte dann, wenn ich mich hie und da einmal in meinen Hoffnungen getäuscht, in meinen liebsten Plänen verlassen sah, an der Ausführung des hohen herrlichen Ziels. Aber nein, nein, es kann, es darf nicht sein,« rief er, sich plötzlich hoch und freudig emporrichtend – »nur ängstliches Alpdrücken ist das, was uns jetzt Herz und Seele manchmal beengt, noch nicht hineinfinden können wir uns in den Gedanken an so Göttliches. – Es ist wahr, in der Volksversammlung jauchzt die Menge nur dem Redner zu, der ihm die schwülstigsten Phrasen, die gröbsten Schmeicheleien in den Bart wirft – mit Mismuth und Aerger hab' ich beobachtet, wie in den Versammlungen der Demokraten besonders, wo leider am wenigsten die Intelligenz vertreten war, einige Wenige die Debatte leiteten und die Masse nur dazu da zu sein schien, beim Abstimmen ihrer Führer Meinung zum Beschluß zu erheben – aber das sind einzelne Misgriffe, die von selber in ihr Nichts zurückfallen werden. Das Volk selbst, das heißt der Kern des Volks, der Landmann, der Bürger weißwas er will und das einzige waswirjetzt zu thun haben ist, ihn dazu anzutreiben, daß er auchwill, was er weiß.«

»Gut« sagte Kraft ernst – »so gehn Sie denn hier im Lande herum und betrachten Sie sich das, was sie denKerndesselben nennen – kommen Sie zu dem Bauer, Gärtner, Häusler, zu dem Knecht und Tagelöhner, gehen Sie selbst zu den bemittelteren Bewohnern in Horneck und Bachstetten und wie die umliegenden Ortschaften alle heißen, unddannsagen Sie mir wieder, obdasRepublikaner sind, die Sie da finden, ob Sie sich getrauen, mitdemVolk eine Republik zu gründen. Sie wissen selbst am Besten, wie Sie hier von den ›Arbeitern,‹ weil Sie denn einmal den Titel wollen, förmlich einem wilden Thiere gleich gehetzt wurden. – Ja ich weiß schon, damals konnten die Leute es Ihnen noch nicht ansehn, daß Sie Ihr Leben und Vermögen blosseinemWohl geopfert und Alles verlassen hatten was den Menschen an die Heimath fesseln kann, nur um die Undankbaren von ihren Fesseln zu befreien und – glücklich zu machen. Aber jetzt – jetzt wissen sie das Vorgegangene, jetzt wissen sie, daß man Sie damals nur verfolgte, weil Sie Ihre Meinung zu frei geäußert und die Massen versucht hatten, zur Erkenntniß ihrerselbst zu bringen. Jetzt wissen sie, daß kein Verbrechen auf Ihnen lastet, jetzt wissen sie, daß Sie nur stets des armen Mannes Bestes gewollt und erstrebt, und blind folgte Ihnen die Schaar, wohin Sie die Fahne trügen. Treten Sie ihr aber einmal mit festem Wort entgegen, versuchen Sie den Strom zu dämmen, der im Begriff ist, sein Ufer zu überschwemmen, und Alles ist vergessen, was früher geschehn, gethan, – ›Reaktionair!‹ brüllt die Menge, und einmal verdächtigt, könnten Sie selbst die besten heiligsten Motive vor ihrem Fluch nicht schützen. Die eigenen Führer sind die ersten, die von den siegestrunkenenRepublikanern, wollten sie die Republikjetztproklamiren und nachher dem Mord und der Plünderung Einhalt thun, an die Laternenpfähle geknüpft würden. –«

»Doch ich predige da tauben Ohren und es ist mit der Politik, wie mit der Religion; zwei, die verschiedener Meinung sind, kommen zusammen, zanken und disputiren sich Stunden lang, gerathen in Eifer, werden oft bittere Feinde und wissen doch voraus, daß sie nie des Anderen Meinung ändern können. – Dort unten scheint indeß das Treiben zusammengekommen zu sein; wie die armen Hasen springen, und selbst noch mit zerschossenen Läufen ihren Feinden, den Hunden, und den noch weit ärgeren,den Menschen zu entgehn suchen – arme Thiere, Ihr seid eingekesselt, und ringsherum rücken die todtbringenden Rohre zusammen – wählt Euch einen sicheren Schützen zum letzten Sprung, der es bald mit Euch vorüber macht, mit zerschossenen Gliedern die kalte Nacht im Felde zu liegen und dann nicht sterben zu können, muß gar traurig sein.«

»Haben Sie einen besonderen Zweck, der Sie heute nach Horneck führt, lieber Kraft?« frug Wahlert endlich nach ziemlich langer Pause, »daß ich hier sei, konnten Sie doch kaum wissen, und schienen auch erstaunt mich zu sehn.«

»Allerdings« erwiederte der Lehrer »mein Besuch gilt auch eigentlich nur dem armen alten Kleinholz, der vor längerer Zeit schon emeritirt wurde und jetzt in fürchterlichster Noth, sich an das Ministerium um Zulage gewandt hat. Er wollte aber dabei meinem Rath nicht folgen und sichdirektan den Minister wenden, sondern zog den Weg durch den Pastor und zwar mit dessen Bevorwortung vor, Pastor Scheidler meinte er, oder der ›Herr Pastor Scheidler,‹ wie er sagte, hätte ihm schon in früherer Zeit versprochen, Alles aufzubieten, was in seinen Kräften stünde, ihn in der Noth zu unterstützen und auf dessen Bericht hin, der in dem gewöhnlichen steifen amtlichenStyl gehalten wird, kann ich mir nicht denken, daß das Ministerium viel thun wird – es kommen zu viel derartige Eingaben. Doch es ist ja möglich, und ich wollte nur einmal sehn ob es dem armen alten Mann etwas besser geht, und ich ihm vielleicht einige Unterstützung bringen kann.«

»Steht sich der alte Schullehrer hier im Orte so schlecht?« frug Wahlert, »es ist doch ein so großer Ort, und sollte sicherlich geradedenMann hegen und pflegen, der all seine Bewohner vielleicht groß, und viele zu braven wackeren Menschen herangezogen hat.«

»Du lieber Gott, darüber ließe sich so Manches sagen« erwiederte ihm Kraft seufzend. »Mit funfzig Thalern soll der Mann auskommen, sieben gesunde Kinder ernähren – und nicht betteln gehn, – es ist lächerlich – aber recht traurig. Doch leben Sie wohl, lieber Wahlert – ich habe geschwatzt und geschwatzt und die schöne Zeit damit versäumt, Wasser in die Rausche zu tragen. – Gott bessere es – vielleicht sehn wir uns heut' Abend im Dorfe wieder, ich werde in der Schenke übernachten und erst morgen früh nach Bachstetten zurückkehren.«

Und einen herzlichen Händedruck mit dem jungen Manne wechselnd, schritt er rasch auf dem breiten,mit gelbem Kies überworfenen Weg entlang, dem Dorf zu, das er in kurzer Zeit gerade da erreichte, wo der kleine Fußpfad nach Schule und Kirche hinüber und zwischen Sturz- und Stoppelfeldern hin, rechts abführte.

Wahlert stand noch eine lange Zeit, und schaute erst mit stierem, aber an Nichts haftendem Blick nach der Richtung hinaus, die sein alter Lehrer genommen, und dann, als dieser hinter den Gebäuden und Obstbäumen verschwunden war, in das Thal hinunter, wo die Treiberjungen eben die geschossenen Hasen auf einem Rain zusammenschleppten, und in eine Reihe legten, und die Schützen indeß in langer Linie auf einem schmalen Stoppelfeld weiter in's Revier hinunter gingen, das zweite Treiben zu beginnen. Endlich richtete er sich empor aus seinem dumpfen Brüten, stützte einen Augenblick noch die Stirn in seine linke hohle Hand, warf dann plötzlich, wie in neu erwachendem Stolz und gekräftigten Entschluß den Kopf zurück, und schritt mit verschränktem Arm rasch, und weder rechts noch links mehr schauend, in den Wald hinein.

Es war ein schöner, aber auch düsterer Morgen, links neben den Feldern hin breiteten sich weite Flächen rosig blühender Haidedecken, hier und da mit grünen Kieferbüschen wie überstreut. Dazwischen herauf aber ragten graue schroffe Felsblöcke, halb eingehüllt in den blüthengeschmückten Teppich, und einzelne entlaubte Eichen schüttelten darüber hin ihre dürren Aeste. Weiter drüben jedoch, wo das fruchtbarere Land begann, wechselten gelbe Stoppeln mit grün schimmernden Rapsflächen ab, und hier und da füllte die, in den wellenförmigen Boden eingerissenen Schluchten, junger kräftiger Baumschlag von Birken und Buchen.

Ueber diese hin lag, gerade den Gipfel des entferntesten Hügels krönend, das kleine Dörfchen Skorditz, bis auf dessen Fluren die Hornecker Jagdgerechtigkeit reichte, und ein langer, scharf gegen den Horizont abstechender Pappelnkamm, zog sich von einem Ende desselben bis zum anderen, die ganze Häuser und Baumgruppe wie mit einem Diadem umschließend, hinüber.

Wahlert hatte eben eine breit ausgehauene Waldschneuse erreicht, durch die hin er, auf die eine Seite wie durch ein Perspectiv nach Skorditz hinübersehen konnte, während er auf der anderen, von einer kleinen Anhöhe begünstigt, einen weiten, von Wald umschlossenenWiesenplan überschaute. Es war dieselbe Stelle, in deren Nähe er damals, gerade als er die Schneuse überspringen wollte, die beiden jungen Damen getroffen, angeredet, und von dem dazukommenden Jäger so rauh behandelt war, und das Gedächtniß jener Tage mochte ihm wohl recht peinlich, und doch in ihren Folgen auch süß und tröstend durch die Seele ziehen. Er lagerte sich in das weiche, duftige Haidekraut, und schien eine lange Zeit vollkommen in seinen Gedanken und Erinnerungen verloren.

»Wunderliches Schicksal,« murmelte er vor sich hin, während sein Blick die Stelle überflog, wo er damals seine jetzige Braut zuerst gesehen, »konnt' ich wohl denken, als ich die schlanke, liebe Gestalt auf mich zugleiten sah, daß jenes holde, herzige Wesen für den Mann Mitgefühl, und dannLiebeempfinden sollte, der mit zerrissenen Kleidern, mit wirrem Bart und Haar, bleich und verstört, einem Räuber ähnlicher als einem Unglücklichen, in ihren Weg sprang? – Aber bestimmt denn auch das Kleid den Werth des Menschen? Bleibt nicht das Herz sich gleich im Bettlerrock, wie unter –« Er hielt plötzlich inne, schaute erst einen Augenblick still und starr vor sich nieder, und barg dann mit tiefem Seufzer das Antlitz in den Händen. Ein bleiches,schmerzdurchschauertes Bild zog mit vorwurfsvollen Blicken an seiner inneren Seele vorüber, und strafte die Worte Lügen, die sein Mund gesprochen.

Leichte Schritte wurden gehört, den Weg aus dem Holz heraus kam eine Frauengestalt, in ein einfach dunkles Gewand gekleidet; sie hatte einen alten Shawl fest um sich hergeschlagen, und in der rechten Hand hielt sie einen Strauß von Kornblumen, wie sie noch draußen auf den Rainen blühten. Langsam kam sie die Straße herab, und als sie die Stelle erreichte, wo der junge Mann auf der kalten Erde lag, und die Stirn noch immer in das buschige, blumige Haidekraut hineingepreßt hielt, da blieb sie stehen, und schaute halb neugierig, halb ängstlich zu ihm nieder.

»Sind Sie krank, Fremder?« sagte sie endlich mit gedämpfter mitleidiger Stimme – »kann ich etwas helfen?«

Wahlert hob rasch den Kopf empor, sah das bleiche Mädchen dicht vor sich, über ihn hingebeugt, und strich sich schnell mit der Hand über die feuchte Stirn, als wenn er sich erst wirklich überzeugen wolle, ob er wache oder noch fort träume in seinen wilden, wehdurchzuckten Phantasien.

»Marie?« – sagte er emporspringend, und mit nochimmer zweifelnder, kaum verständlicher Stimme – »Du hier? – im Wald – allein?«

Ueber des Mädchens Züge hatte sich Todtenblässe gebreitet, und die beiden hellrothen Flecke glühten in eigenthümlichem fieberhaften Feuer, aber sie sprach kein Wort – kein Laut des Erstaunens kam über ihre Lippen, den Mann hier zu finden, dessen Anwesenheit im Dorf ihr schon Herz und Seele mit peinlich quälender Angst erfüllt hatte.

So standen sich die Beiden viele Minuten lang schweigend gegenüber, es war fast, als ob sich Jedes scheute, den Zauber zu brechen, der über dem Begegnen lähmend ruhte. Marie war die erste, die sich sammelte.

»Guten Tag, Herr Wahlert!« sagte sie leise, und wandte sich zum Gehen –

»Marie,« bat da der junge Mann, und ergriff die Hand, die sich nur schwach dagegen sträubte, der seinigen zu begegnen, – »wie geht es Dir – Du siehst bleich, krank und – leidend aus, (er konnte das Wortdürftig, das ihm auf den Lippen lag, nicht aussprechen) kann ich etwas für Dich thun?«

»Sie?« sagte das Mädchen, und schaute ihn erstaunt mit ihren großen, fast geisterhaften, dunkeln Augen an – »Sie? – Was könnenSiefür michthun, Herr Wahlert? Sie, der Bräutigam Sophiens, der im Begriff steht, sein Vaterland und seine Familie zu verlassen, um in fernen Zonen an der Seite der Geliebten eine neue Heimath zu suchen?«

»Und sollen wirsoauf immer scheiden?« frug Wahlert, von dem weichen Ton der Jungfrau schmerzlich berührt, »Du gabst mir damals die Freiheit wieder, Marie, als mich die Häscher dem Kerker entgegenführten – rettetest vielleicht dadurch mein Leben, denn es lag ihnen in der Zeit viel daran,michgerade unschädlich zu wissen.«

»Und jetzt sind Sie von keiner Gefahr mehr bedroht?« frug mit monotonen Lauten das Mädchen.

»Hiervon keiner, das Volk hat gesiegt, und Glück und Wohlstand wäre ihm verbürgt, wenn es jetzt, o nur jetzt, fest und treu zusammenhielte.«

»Glück und Wohlstand,« murmelte Marie, und wickelte sich fröstelnd fester in ihren Shawl ein – »Glück und Wohlstand – und wenn es fest und treu zusammenhielte« – wiederholte des Musikanten Tochter die Worte des jungen Mannes mit schmerzlicher Bitterkeit – »was aber kann der eine Theil dafür, wenn sich der andere kalt und – treulos von ihm abwenden – von ihm losreißenwill? – Was verschuldeteer, um in Unglück und Elendhinausgestoßen zu werden – während der Andere das Glück einer Welt in seine Arme zieht? Glück und Wohlstand für Alle – für Alle, nur nicht für die Elenden und in den Staub Getretenen, nur nicht für –«

Das Mädchen, dessen Wangen bei den letzten Worten eine fliegende Gluth wie mit überirdischem Glanz übergoß, und ihr für Momente mit dem feurigen Strahl der großen Augen, fast die frühere Schönheit wieder auf ihr Antlitz zurückzauberte, hielt plötzlich inne, strich sich mit der einen Hand die in die Stirn gefallenen Haare zurück, wandte sich dann ab und sagte mit leiser, wieder ganz ruhiger Stimme:

»Es ist besser, wir scheiden so, und kein Wort wird weiter unter uns gewechselt – ich will keinen Stachel der Reue in Ihre Seele drücken, jetzt, wo Sie die Pflicht übernommen, ein treu an Ihnen hängendes Mädchenherz mit starker, nicht schwankender Hand durch's Leben zu führen – nur eines noch, eines liegt mir auf der Seele, und selbst Gott könnte nicht von mir verlangen, daß ichdasBewußtsein sollte mit in mein Elend – mit in mein Leben hineinziehn.«

»Marie, was ist Dir, Du bist fürchterlich erregt?« sagte mit Mitleid in Ton und Blick der junge Mann.

»Sie glaubten michschuldig,« fuhr die Unglückliche,sich wieder zu ihm hinwendend und seinem Auge mit festem offnen Blick begegnend, fort – »ich bin esnicht.«

»Nicht?« rief Wahlert erschreckt und schaute mit ängstlicher Spannung auf das erregte Antlitz der einst, ach so heiß Geliebten – »nicht schuldig? – aber großer Gott – wie kam es da – weshalb – wie ist mir denn, mir wirbelt der Kopf vor Allem, was sich mir toll und sinnverdrehend hineinwirft – nicht schuldig – und Dein Kind?«

Marie barg das Antlitz eine Zeit lang in den Händen und große schwere Thränen drängten sich zwischen ihren Fingern hindurch.

»Mein armes Kind!« flüsterte sie leise.

»Du sprichst in Räthseln.«

»Deren Lösung Ihnen das Herz brechen würde,« erwiederte Marie, jetzt plötzlich sich gewaltsam zusammenraffend – »genug – genug – nur nicht als Schuldige, Treulose wollte ich in Ihrem Gedächtnisse leben, der Gedanke war mir zu fürchterlich in all' dem Leide, das überhaupt auf meinem Pfade liegt. – Sie wissen, daß ich Sieniebelogen, und werden mir glauben – jetzt leben Sie wohl und – glücklich – recht glücklich, undwenn Sie manchmal der armen Marie gedenken, sei es – in – in Mitleid – aber nicht in Haß.«

Mit flüchtigen Schritten eilte sie davon, wenige Secunden später aber stand Wahlert auch an ihrer Seite und ihren Arm ergreifend, und sie fest dadurch an die Stelle bannend, rief er rasch und heftig:

»Marie, nicht so – beim ewigen Gott, nicht so – ruht hier ein dunkles Geheimniß, so muß ich es lösen, und will es wissen – sprich, wenn noch ein Strahl von Liebe für mich in Deinem Herzen lebt, sprich.«

»Aus eben dem Grunde sollte ich schweigen,« sagte die Unglückliche – »weshalb dieselbe Last auf ein zweites Herz übertragen, wenn das erste dadurch nur um ein so geringes erleichtert wird – es wäre Sünde. Gehe wie bisher Deine Bahn, kalter, erbarmungsloser Mann, und schaue, mit Deinem Ziel im Auge, nicht nach den Blumen zurück, die Du zertreten hinter Dir läßt.«

»Du bist grausam, Marie, und folterst mich durch Dein Schweigen – nur die beiden Fragen beantworte mir, wenn Du den Frieden meiner Seele höher achtest, als den Stein, den Dein Fuß aus Deiner Bahn wirft – wer ist der Vater Deines Kindes?«

»Meine Schmach,« stöhnte Marie und barg Stirn und Augen in ihrer Linken.

»Du schweigst?« flüsterte Wahlert, und der eigene Laut seiner Stimme machte die Jungfrau erschreckt zu ihm aufschauen.

»Und auch jetzt noch Mißtrauen?« sagte sie und warf noch einen Blick auf den vor ihr Stehenden mit leisem Vorwurf im Ton – »so sei es denn, und dies Geständniß möge mir Gott zur Sühne meiner Sünden rechnen – der Oberpostdirector von Gaulitz.«

»Der Bube!« zischte Wahlert zwischen den zusammengebissenen Zähnen hindurch.

»Sie wissen,« fuhr Marie, jetzt wieder hochroth von Schaam übergossen, und von Wahlert abgewandt, fort – »daß die traurigen Verhältnisse meines Vaters mich zwangen, mein Brod mir außer dem Hause zu verdienen; – Sie lernten mich dort kennen – lieben. Mein unseliges Verhängniß wollte aber, daß jene herrliche Frau, bei der ich fast wie ein eigenes Kind gehalten wurde – starb – ich mußte meine Stellung aufgeben und ein böser Geist führte mich in das Haus des Oberpostdirectors von Gaulitz als Wirthschafterin. Sie selbst waren kurze Zeit vorher auf Reisen gegangen. Jener weißhaarige Bösewicht hielt nicht lange mit seinen schändlichen Anträgenzurück – ich wies sie mit Abscheu von mir und wollte sein Haus verlassen – die letzte Nacht – heiliger Gott, ersparen Sie mir das Geständniß – ein höllischer Saft, den ich unbewußt trank, muß mir die Besinnung geraubt haben – am andern Morgen war ich verrathen und – elend.«

»Teufelder,« rief Wahlert, mit dem Fuße stampfend.

»Ich floh zu meinem Vater,« sagte Marie mit kaum hörbarer Stimme, »und hoffte von Stunde zu Stunde auf Ihre Rückkehr – Siekehrtenzurück, aber nicht zu mir. Ein Brief, den ich an Sie, mit der ganzen Erzählung der an mir verübten That – mit der Bitte, um Hülfe, umGerechtigkeitsandte – kam uneröffnet wieder in meine Hände. Mein Kind starb, in der Residenz fand ich bei anständigen Leuten, da ich nicht einmal die Mittel besaß, mich ordentlich zu kleiden, kein Unterkommen mehr – mit meinem Vater, dessen rohe Vorwürfe mir täglich die Seele zerfleischten, zog ich von da an durch das Land – und wir sangen vor den Thüren der Leute – um unser Brod.«

»Marie,« rief da, von wildem Schmerz ergriffen, Wahlert, und schwere Thränen rollten seine bleichen Wangen herab, »arme, mißhandelte, unglückselige Marie,o sprich – giebt es ein Mittel auf der weiten Gotteswelt, Dir nur in etwas das Leiden zu vergüten, was Du erduldet, denn von jetzt an sollst Du wenigstens keine Noth mehr leiden – keine Sorge mehr kennen – von jetzt an –«

»Nicht um Almosen zu betteln, hab' ich Ihnen mein Schicksal erzählt,« sagte das Mädchen und richtete sich stolz empor – »nicht Ihr Mitleiden wollte ich wecken – nicht Ihre Reue, nur gerechtfertigt – nicht schuldig, nicht sündhaft wollte ich in Ihrer Erinnerung – neben Sophien meinen Platz gewahrt wissen. – Leben Sie wohl, Wahlert, – leben Sie glücklich –michsehn Sie nimmer wieder.«

»Marie!« rief Wahlert, und streckte bittend die Arme nach ihr aus.

»Denken Sie an Sophien,« sagte die Unglückliche ernst, den Arm gegen ihn erhebend; dann drehte sie sich ab von ihm und wanderte still und ohne sich wieder nach ihm umzuschauen, aber mit raschen festen Schritten, die Straße entlang dem Dorfe zu.

Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.

[1]: Diese und die nachstehenden Verse sind wörtlich einem kleinen Liederbuche entnommen: »Faxen aus Sachsen, zweites Heft« Englische Kunstanstalt von A. H. Payne in Leipzig.

[2]: »Löcher machen,« beim Treibjagen nicht die richtige Entfernung von seinem Nebenmann halten, daß eine zu große Lücke oder einLochentsteht.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Abschnitte, die abweichend in Antiqua gesetzt wurden, sind in der Transkription in kursiver Schrift dargestellt.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen:

Seite13:"«" entfernt(fest entschlossen war, von selber los zu gehn.)

Seite14:"dem" geändert in "den"(mit den unausweichbaren papageigrünen Glacéhandschuhen)

Seite22:"»" eingefügt(»Wo Muth und Kraft in deutscher Seele flammen)

Seite22:"«" eingefügt(Sie machen sicher nur Gestank.«)

Seite22:"»" eingefügt(»Alles war im Anfang gut auf Erden)

Seite24:"erlegte" geändert in "er legte"(er legte das Papier vor sich nieder)

Seite33:"»" eingefügt(auf- und abgegangen war; »erstlich ist mir das Sprengen)

Seite51:"Staatsbüger" geändert in "Staatsbürger"(und die Masse der »gutgesinnten« Staatsbürger)

Seite52:"-" eingefügt(seines General-Superintendenten Sohn zu befreien)

Seite68:"Fieberforst" geändert in "Fieberfrost"(bebte wie im Fieberfrost)

Seite72:"deßhalb" geändert in "deshalb"(deshalb sind sie wahrscheinlich so eifrig bemüht)

Seite75:"»" eingefügt(»vielleichtlassen sie ihn frei)

Seite77:"," eingefügt(in das blaue seelenvolle Auge, ergriff dann)

Seite77:"ihn" geändert in "ihr"(andere Gedanken drängten ihr aber in das)

Seite81:"»" eingefügt(»un was wärsch, wenn se's hiarten?)

Seite81/82:"»" eingefügt(ihn die anderen Beiden kurzweg nannten, »in dem dichten Grase)

Seite91:"." eingefügt(um des Burschen ohnmächtigen Zorn weiter zu kümmern.)

Seite120:"«" entfernt(durch die Straße lärmenden Schaar zu ihr hernieder tönten.)

Seite123:"etzt" geändert in "jetzt"(der Bauer hat sich bis jetzt und bei solchen Gelegenheiten)

Seite140:"«" eingefügt(und diese »würdige Weise« bestand denn auch allerdings)

Seite145:"nnd" geändert in "und"(nur ein halbes Jahr Pastor und die Saiten haben)

Seite148:"brechtigt" geändert in "berechtigt"(vielleicht berechtigt sein durfte zu erwarten)

Seite154:"«" eingefügt(der Freiheit voran, in die Reihen der Feinde zu tragen«)

Seite160:"«" eingefügt(er verachtet die – Dirne.« – Sie schauderte zusammen)

Seite161:"ei" geändert in "sei"(nach Horneck gekommen sei und in der Pfarre wohne)

Seite168:"e nsterbret" geändert in "Fensterbret"(lehnte sich, um nicht zu stürzen, an das Fensterbret)

Seite174:"anf" geändert in "auf"(ging dann auf seinen Zögling zu)

Seite176:"«" eingefügt(Alle mit einander, wie heißt der? –«)

Seite178:"»" entfernt(Die Knaben schienen das im Anfang)

Seite179:"zn" geändert in "zu"(heimlich zu desertiren, fand aber)

Seite196:"«" eingefügt(noch keine Emancipation, Herr Hennig, rrrr« – unterbrach ihn)

Seite196:"»" eingefügt(zu Worte kommen zu lassen, »auf's Neue)

Seite203:"«" eingefügt(und mir wieder gnädige –Herrensein.«)

Seite220:"«" eingefügt(»die Herren Schützen,«)

Seite225:"«" entfernt(eine Tasse Eierbier eingeschenkt bekamen.)

Seite228:"eine" geändert in "ein"(frug ein anderer dabei stehender Bauer lachend)

Seite239:"sie" eingefügt(die Verfassung, die sie sich gaben, wurde nur wenig verändert)

Seite242:"«" eingefügt(und können stimmen wie wir wollen.‹«)

Seite245:"Versammlung" geändert in "Versammlungen"(wie in den Versammlungen der Demokraten besonders)

Seite258:"»" eingefügt(»ich bin esnicht.«)

Seite262:"Denkeu" geändert in "Denken"(»Denken Sie an Sophien,«)


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