Lektion 13.Kletterpflanzen.

Lektion 13.Kletterpflanzen.

(Siebentes Vollbild.)

Wenn ihr die Augen offen haltet, so müßt ihr bemerkt haben, als ihr die Blüten der Erbse und der Stangenbohnenpflücktet, daß sie an Stangen emporklettern, die für sie eingesteckt werden. Aber vermutlich habt ihr nicht darüber nachgedacht, warum sie klettern und wie sie klettern.

Ihr wißt, daß sie zu einer wirren Masse auf den Boden fallen würden, wenn ihr die Stangen fort nähmet, denn Erbsen und Stangenbohnen haben schwache, dünne Stengel. Wenn sie auf dem Boden lägen, würden sie nicht genug Luft und Licht bekommen, und andere Pflanzen würden sie ersticken. So haben sie gelernt, an Stangen, an Hecken oder irgend etwas anderem, das sie finden, emporzuklettern, um Luft und Licht zu haben.

Erbse, an Stangen kletternd.

Erbse, an Stangen kletternd.

Das ist der Grund, weshalb sie klettern, und wir wollen nun untersuchen, wie sie klettern. Jede Kletterpflanze tut dies in anderer Weise.

Ihr werdet finden, daß an manchen Stellen der Erbsenpflanze, wo ein Blatt stehen sollte, ein kleiner geringelter grüner Faden ist, der sich an die Stange klammert wie ein Kind an den Finger der Mutter. Diese Fädchenheißen „Ranken“. Sie halten die Pflanzen in Licht und Luft und lassen die Blüten an solchen Stellen niederhängen, wo die Insekten sie finden können. Die Stangenbohne klettert in anderer Weise. Sie braucht dazu nicht die Blätter, sondern windet ihren ganzen Stamm um die Stangen.

1. Wilde Clematis oder Waldrebe. 2. Garten-Clematis.

1. Wilde Clematis oder Waldrebe. 2. Garten-Clematis.

Wenn ihr die Hecken betrachtet, so werdet ihr viele Kletterpflanzen finden, die die dichten Büsche benutzen, um ihre Blätter und Blüten darauf auszubreiten. Da ist z. B.die Clematis oder gemeine Waldrebe. Sie hat ihre Blätter nicht in Ranken verwandelt, noch benutzt sie ihren Stamm zum Klettern. Sie schlingt die Blattstiele fest um die Zweige, so daß die Blätter am Ende herausstehen. Ihre hübschen grünlichen Blüten sind auf diese Weise über die ganze Hecke ausgebreitet, und allmählich werden die am oberen Teile federartigen Samenkapseln wie der Bart eines alten Mannes herabhängen, gerade da, wo der Wind sie fassen kann, um sie fortzuwehen.

Kleblabkraut.

Kleblabkraut.

Ihr kennt doch wohl das kletternde Labkraut, welches überall an den Hecken wächst. Seine schmalen grünen Blätter stehen sternartig um den Stamm herum, und es hat sehr kleine weiße Blüten. Der Stamm, die Blätter und die Samenkapseln sind mit winzigen Häkchen übersät, so daß sie sich an der Hand festklammern, wenn man die Pflanze pflückt. Es ist eine sehr schwache Pflanze, aber sie klammert sich mit ihren Haken an anderen Gewächsen fest, die stärker sind, und richtet sich so auf.

Die Brombeere klettert in ähnlicher Weise, und die wilde Rose tut dies mit ihren Dornen. Etwas weiter an der Hecke hinunter findet ihr vielleicht den wilden Hopfen.Sein Stamm stirbt jedes Jahr ab und erneut sich im Frühling. Aber trotzdem bringt er es fertig, sich weit auszubreiten, denn er schlingt sich um Zweige und kleine Bäume, und alles, was er findet, bedeckt er mit seinen breiten herzförmigen Blättern. Ihr werdet von den Blüten des wilden Hopfens überrascht sein, denn Staubgefäße und Stempel wachsen auf verschiedenen Pflanzen.

Auch das zahme Geißblatt oder Jelängerjelieber schlingt seinen Stengel um eine Stütze, wie ihr an der Pforte oder am Staket gewiß schon bemerkt habt. Manchmal windet es sich so fest um einen jungen Zweig, daß dessen Wachstum an den Stellen, wo ihn das Geißblatt umschlungen hat, gehemmt wird. Und so entstehen an diesen Stellen Eindrücke, als wenn er mit einem Bande umwickelt worden wäre.

Dann gibt es hübsche Pflanzen, Wicken genannt, die Blüten haben, welche einer kleinen Erbsenblüte ähnlich sind. Sie klimmen an ihren Ranken überall hinauf. Ihr werdet sie ebenso leicht finden, wie die Winde, die alle möglichen Pflanzen umschlingt, selbst unsere Stachelbeer- und Johannisbeerbüsche, und deshalb sehr sorgfältig ausgerodet werden muß. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob ihr eine sonderbare kleine Pflanze, die sogenannte Flachsseide, finden werdet. Ihr müßt sie an Flußufern, Gebüschen, Wegrändern suchen, wo sie über Weiden, Brennesseln, Klee und andere Pflanzen klettert. Sie hat nur einen dünnen, aber zähen Stamm, der Büschel von winzigen blaßroten Blüten trägt. Blätter hat sie überhaupt nicht. Wie kann sie also leben, da sie kein Mittel hat, um Nahrung zu bereiten? Sie windet sich um Brennessel, Weide oder Klee und sendet Wurzeln in deren Stämme hinein, um daraus die fertige Nahrung auszusaugen.

Geißblatt, die Pflanze schlängelt sich um einen Stamm und windet sich empor.III. 7.

Geißblatt, die Pflanze schlängelt sich um einen Stamm und windet sich empor.

III. 7.

Die Weinrebe und der hübsche wilde Wein verwandeln ihre kleinen Zweige in Ranken, um emporklettern zu können. Sehr wahrscheinlich habt ihr wilden Wein, dessen Blätter im Herbste rot werden, an eurer Hausmauer. Zwei Arten desselben haben eine sonderbare Art zu klettern. Wenn die Ranken die Mauer berühren, werden ihre Spitzen rot und schwellen zu kleinen Kissen an. Diese halten so fest an der Mauer, daß man sie abreißen muß, wenn der Zweig schon verwelkt ist. Und endlich klettert der Efeu vermittels kleiner Wurzeln, die ganz am Stamm entlang wachsen.

Nun kennt ihr alle Kniffe, welche die Pflanzen zum Klettern gebrauchen. Sie klettern mit Häkchen, mit Ranken, mit Wurzeln und dadurch, daß sich die ganze Pflanze um ihre Stütze schlingt. Versucht nun, wie viele ihr davon finden könnt.

Suche ein Exemplar von jeder Art der Kletterpflanzen.


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