Lektion 8.Der Kohlkopf.

Lektion 8.Der Kohlkopf.

Wenn die Frühlingsblumen anfangen, aus der Erde hervorzulugen, wird der Gärtner im Garten tüchtig bei der Arbeit sein. Im März, wenn nicht schon früher, müssen saubere Beete mit Kohl, Rosenkohl, Blumenkohl usw. besät und die kleinen Pflanzen nach und nach ausgepflanzt werden. Frühe Rüben müssen gezogen, und Radieschen und Senfsamen und Brunnenkresse zum Salat ausgepflanzt werden.

Alle diese Pflanzen gehören zu der Familie der Kreuzblütler, deren Blüten die Form eines Kreuzes haben. Es ist, wie ihr seht, für den Gärtner und Landwirt eine sehr nützliche Familie. Sie schenkt uns außer dem lieblichen Goldlack auch die vielfarbige Levkoie und das hübsche Steinkraut in den Gärten, sowie die Brunnenkresse in den Bächen.

Aber sobald unsere Kohlpflanzen zu wachsen anfangen, finden wir, daß die Insekten, die so nützlich sind, die Pflanzen zu befruchten, in einem Gemüsegarten vielen Schaden anrichten können. Früh im Mai, wenn die Pflanzen noch klein sind, kann man den Kohlweißling durch den Garten flattern sehen.

Wo ist er wohl hergekommen? Den ganzen Winter lang ist sein Körper von einer harten gummiartigen Masse bedeckt gewesen, die ihn überzog, als die Raupe sich verpuppte und sich mit seidenen Fäden an einem alten Kohlstrunk aufhing oder sich vielleicht in einer Ritze des Zauns versteckte.

Jetzt, wo die Sonne warm scheint, ist er ausgekrochen, und das Weibchen legt seine Eier. Der Schmetterling nährt sich nicht selbst von Kohlblättern, er saugt nur Honig aus den Blüten. Aber er nährte sich von Blättern, als er eine Raupe war, und deshalb legt das Weibchen ihre Eier unter ein Kohlblatt, wo die Raupen Nahrung finden, wenn sie ausgekrochen sind.

Ein anderer Schmetterling, der Fuchs genannt wird, legt seine Eier auf Brennesseln, weil seine Raupen sich von deren Blättern nähren. Sie weben ein kleines Nest unter denselben, wohin sie des Nachts zurückkehren, und wo man sie finden kann.

Wenn man nun seine Kohlpflanzen vor den Raupen schützen will, muß man die Eier des Kohlweißlings unter den Kohlblättern ablesen. Sie sind sehr klein, aber in vierzehn Tagen werden aus ihnen kleine grüne Raupen auskriechen, die schwarze Flecke und eine gelbe Linie auf dem Rücken haben.

Sie fressen und fressen ungefähr vier Wochen lang, und gegen Juli oder August kriechen sie dann nach irgend einem Baum oder Zaun, verpuppen sich und hängen sich an seidigen Fäden bis zum nächsten Frühling auf. Dann kriecht der Schmetterling aus, um seine Eier auf die jungen Kohlpflanzen zu legen.

Wenn ihr während des Winters überall den Garten im gefallenen Laube und an den Zäunen durchforschen werdet, werdet ihr die Puppen finden und sie vernichten und so helfen, eure Gemüsepflanzen vor den Raupen zu schützen.

Wenn ihr aber kleine weiße Bällchen von der Größe von Hanfsamen in der Nähe einer toten Raupe findet, so hütet euch sie zu vernichten. Es sind die Kokons einer kleinen Wespe, die ihre Eier in den Körper der Raupe des Kohlweißlings legt; wenn die Larve dann auskriecht, nährt sie sich von dem Inneren der Raupe.

Ist es nicht eine sonderbare Geschichte? Der Schmetterling saugt den Honig aus den Blüten und überträgt dabei den Blütenstaub. Dann legt er seine Eier unter ein Kohlblatt und stirbt. Die Raupe nährt sich vom Kohl, und dann kommt vielleicht eine kleine Wespe und legt ihre Eier in sie hinein. Deren Larve nährt sich von der Raupe, und wenn nun die Zeit kommt, wo sich diese in einen Schmetterling verwandeln soll, stirbt sie.

Viele andere Geschöpfe nähren sich noch von der Kohlpflanze. Larven und Schnecken lieben grüne Nahrung und der Kohlgallenrüsselkäfer, der sich, wie wir gesehen haben, von der Kohlrübe nährt, frißt die Wurzel des Kohls ebenso gern. Der beste Weg, alle Feinde fern zu halten, ist, den Boden von Unkraut zu befreien und alle Insekten, die man findet, abzulesen.

Suche möglichst viele Kreuzblütler: Goldlack, Brunnenkresse, Brennessel, Levkoie, Ackersenf, Kohlrübe und eine in den Samen geschossene Kohlpflanze. Versuche die Puppe des Kohlweißlings zu finden.


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