Kopfstück, Kapitel I, 10Zehntes Kapitel.Die Geschichte von Kleinglaube.
Kopfstück, Kapitel I, 10
A
Abermals schlief ich ein und träumte: Ich sah dieselben Pilger den Berg hinab längs der Landstraße nach der Stadt zu gehen. Ein wenig jenseits des Gebirges liegt auf der linken Seite eine Landschaft mit NamenEinbildung, von wo ein krummer Fußpfad auf den Weg der Pilger herüberführte. Hier trafen sie mit einem lebhaften jungen Mann zusammen, der aus jener Gegend kam, sein Name warUnwissend.
Christfragte ihn nach seiner Heimat und nach dem Ziel seiner Reise.
Er antwortete: „Mein Herr, ich bin in der Gegend geboren, die ihr hier zur linken Seite seht, und ich reise nach der himmlischen Stadt.“
Christ.„Aber wirst du auch zur Pforte der Stadt eingehen können? Du wirst dort viele Schwierigkeiten finden.“
Unwissend.Ei, ich werde ebensogut hindurchkommen wie andre gute Menschen.
Christ.Aber was willst du an der Pforte vorzeigen, das dir Einlaß gewährt?
Unwissend.Ich kenne den Willen meines Herrn und habe ein rechtschaffenes Leben geführt; ich gebe einem jeden das Seine, ich bete, ich faste, ich erfülle alle meine Pflichten Gott und Menschen gegenüber, ich gebe Almosen und habe mein Vaterland verlassen, um das himmlische zu suchen.
Christ.Aber du bist ja nicht zur engen Pforte am Eingang dieses Weges hereingekommen, ein krummer Weg hat dich hierher geführt, und darum — du magst von dir halten, was du willst — fürchte ich sehr, du wirst von demRichter eher für einen Dieb und Mörder erklärt als zur Pforte des Himmels eingelassen werden.
Unwissend.Meine Herren, ihr seid mir ganz fremd, ich kenne euch nicht. Folgt nur immerhin der Religion eures Landes, aber laßt mich auch der meinen folgen. Ich hoffe, alles wird noch gut werden. Was die Pforte betrifft, von der ihr redet, so weiß ja alle Welt, daß sie sehr weit von unsrer Landschaft abliegt, und niemand von uns ist der Weg dahin bekannt; allein dies ist auch nicht nötig, da wir, wie ihr seht, einen so angenehmen Fußsteig haben, der in kurzer Frist zur Straße führt.
DaChristhörte, wie weise sich der junge Mann dünkte, sagte er leise zuHoffnungsvoll: „An einem Narren ist mehr Hoffnung denn an ihm(Spr. 26, 12) und:Ob der Narr auch selbst närrisch ist in seinem Tun, so hält er doch jedermann für einen Narren(Pred. 10, 3). Was wollen wir mehr tun? Sollen wir weiter mit ihm sprechen oder für jetzt vorausgehen und ihn über das nachdenken lassen, was er bereits gehört hat? Wir können uns ja zuweilen nach ihm umsehen und ihm vielleicht noch nützlich werden.“
Hoffnungsvollsprach:
„Wie kann ein Blinder richtig gehen,Wenn er dem Führer folget nicht?Ach, möchte er die Wahrheit sehenUnd seinem Kopfe folgen nicht!So könnt’ es uns ja noch gelingen,Daß wir ihn mit zum Himmel bringen.
„Wie kann ein Blinder richtig gehen,Wenn er dem Führer folget nicht?Ach, möchte er die Wahrheit sehenUnd seinem Kopfe folgen nicht!So könnt’ es uns ja noch gelingen,Daß wir ihn mit zum Himmel bringen.
„Wie kann ein Blinder richtig gehen,Wenn er dem Führer folget nicht?Ach, möchte er die Wahrheit sehenUnd seinem Kopfe folgen nicht!So könnt’ es uns ja noch gelingen,Daß wir ihn mit zum Himmel bringen.
„Wie kann ein Blinder richtig gehen,
Wenn er dem Führer folget nicht?
Ach, möchte er die Wahrheit sehen
Und seinem Kopfe folgen nicht!
So könnt’ es uns ja noch gelingen,
Daß wir ihn mit zum Himmel bringen.
So laß uns also, da es nicht ratsam ist, ihm alles auf einmal zu sagen, ein paar Schritte vorausgehen, wenn es dir beliebt, und ihn von Zeit zu Zeit weiter unterweisen, soviel als wir denken, daß er aufnehmen kann.“
Da sie also ihren Lauf beschleunigten, bliebUnwissendin einiger Entfernung hinter ihnen zurück. Plötzlich wurde es dunkel um sie her, und es begegnete ihnen ein Mann, der, mit sieben starken Stricken gebunden, von sieben unsaubern Geistern zu jener Tür zurückgetrieben wurde, die, wie die Pilger gesehen, in das Innere des Berges und in den Abgrund führt[117].Christfing an zu zittern, und auch seinem GefährtenHoffnungsvollwurde es bang. Währenddie Teufel diesen Mann wegführten, glaubte Christ in ihm einen gewissenAbtrünnigaus der StadtAbfallzu erkennen, jedoch nicht mit völliger Sicherheit, da der Gebundene das Haupt wie ein ertappter Dieb niedersenkte.Hoffnungsvollsah ihm nach und bemerkte auf seinem Rücken einen Zettel mit der Aufschrift: „Ein leichtfertiger Bekenner und fluchwürdiger Verleugner des Herrn.“
Christsprach hierauf zu seinem Gefährten: Eben fällt mir ein, was einst hier in dieser Gegend einem guten Mann begegnet sein soll. Er hießKleinglaube, war dabei redlich und wohnte in der StadtAufrichtig. Der Vorfall war dieser.
Beim Eingang in diesen Hohlweg kommt von derBreitwegpforteein Weg herab, der wegen der vielen Mordtaten, die schon darauf verübt worden sind,Totmannsstraßegenannt wird. DieserKleinglaube, welcher wie wir jetzt sich auf der Pilgerreise befand, setzte sich dort nieder und schlief ein. Nun begab es sich, daß gerade von derBreitwegpfortedrei handfeste Kerle herabkamen; ihre Namen warenZaghaft,KleinmutundSchuld— drei Brüder. Als sieKleinglaubeerblickten, rannten sie mit Windeseile auf ihn zu. Dieser war eben aus seinem Schlaf aufgewacht und schickte sich an zur Weiterreise. Als er nun plötzlich mit drohender Stimme angerufen wurde und sich von drei Männern umringt sah, entfiel ihm aller Mut, sich zur Wehr zu setzen oder die Flucht zu ergreifen. „Gib deine Börse her!“ riefZaghaftihm zu. Er zögerte, denn er wollte sein Geld nicht gern missen.Kleinmutdrang nun auf ihn ein, griff in seine Tasche und zog einen Beutel mit Silber heraus. „Diebe, Diebe!“ schrieKleinglaube, aberSchuldschlug ihn mit seiner Keule auf das Haupt und streckte ihn mit einem Schlag zu Boden. Da lagKleinglaubenun schwer verwundet und in Gefahr, hier zu verbluten, während die Diebe noch eine Weile um ihn herumstanden. Da sie aber von fern jemand kommen hörten und befürchteten, es möchte ein gewisserGroßgnadeaus der StadtGutezuversichtsein, so machten sich sich aus dem Staube und überließen den armen Mann sich selbst. Nach einiger Zeit kamKleinglaubezu sich, richtete sich mühsam auf und versuchte kriechend fortzukommen. Das war also die Geschichte.
Hoffnungsvoll.Haben sie ihn gänzlich ausgeraubt?
Christ.Nein, seine Kleinodien, die den Händen der Diebe entgingen, sind ihm geblieben[118]. Der gute Mann war jedoch über den erlittenen Verlust, nämlich des größten Teiles seines Reisegeldes, fast untröstlich. Außer seinen Kleinodien besaß er zwar noch ein wenig Kleingeld, doch kaum soviel, um bis ans Ende seiner Reise damit auszukommen; ja, er war, wenn ich recht unterrichtet bin, sogar genötigt, unterwegs zu betteln, um sein Leben zu fristen; denn seine Kleinodien durfte er nicht verkaufen. Aber soviel er auch umherging und bettelte, er mußte den größten Teil seiner Reise mit hungrigem Magen zurücklegen[119].
Hoffnungsvoll.Aber war das nicht ein Wunder, daß sie ihm sein Zeugnis, auf welches hin er an der Pforte des Himmels eingelassen werden sollte, nicht abnahmen?
Christ.Allerdings; daß sie es nicht fanden, lag jedoch nicht an seiner Vorsicht, denn durch den Überfall war er so bestürzt, daß er weder die Geistesgegenwart noch das Geschick besaß, irgend etwas zu verbergen. So geschah es also mehr durch die gütige Vorsehung Gottes als durch seine Bemühung, daß ihnen dies köstliche Ding entging[120].
Hoffnungsvoll.Welch ein Trost muß das für ihn gewesen sein, daß sie seine Kleinodien nicht bekamen!
Christ.Das hätte es sein können, wenn er sich dessen recht bewußt gewesen wäre. Allein, wie mir erzählt wurde, war er auf seinem Weg durch diesen Vorfall noch so von Angst und Schrecken erfüllt, daß er lange Zeit seines Schatzes, den er bei sich trug, gar nicht mehr gedachte. Und ob auch zuweilen ein Gedanke daran ihm aufleuchtete wie ein freundlich Sternlein in dunkler Nacht, so verdrängte ihn doch gleich wieder die stets neu aufsteigende Betrübnis über den erlittenen Verlust, wodurch seine Seele allen Trostes beraubt wurde.
Hoffnungsvoll.Ach der arme Mann! Wie ist ihm dadurch das Leben verbittert worden!
Christ.Ja, wie bitter! Versetzen wir uns einmal in diese Lage: in fremder Gegend plötzlich überfallen, beraubt und verwundet zu werden. Wie würde uns da zumute sein! Es ist ein Wunder, daß er nicht gar am Leben verzagte,der Arme! Man hat mir gesagt, daß er den ganzen übrigen Teil seines Weges unter bitterm Wehklagen und Seufzen zurückgelegt habe, und einem jeden, zu dem er kam, habe er eingehend seine Leidensgeschichte erzählt, nämlich wie und wo er ausgeraubt und verwundet worden sei, wer es getan und was er alles verloren, und wie er nur mit knapper Not sein Leben davongebracht habe.
Hoffnungsvoll.Aber auch das ist ein Wunder, daß ihn die Not nicht dazu trieb, etliche seiner Kleinodien zu versetzen oder zu verkaufen, um sich dadurch auf seiner Reise einige Erleichterung zu verschaffen.
Christ.Wie unbedacht du sprichst! Wofür sollte er sie auch verpfänden, oder an wen hätte er sie denn verkaufen können? In jener ganzen Gegend werden diese Dinge für nichts geachtet, und die Erquickung, die er bedurfte, war dort auch nicht zu finden. Überdies, wenn er am Tor der himmlischen Stadt seine Kleinodien nicht hätte vorzeigen können, so hätte er — das wußte er sehr wohl — von seinem Erbteil dort müssen ausgeschlossen bleiben; und wahrlich, das wäre für ihn schlimmer gewesen als ein spitzbübischer Überfall von zehntausend Dieben.
Hoffnungsvoll.Warum ereiferst du dich so, lieber Bruder? Esau verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht[121], und diese Erstgeburt war sein größtes Kleinod. Warum hätte es nicht auchKleinglaubeihm gleichtun können?
Christ.Wohl hat Esau sein Erstgeburtsrecht verkauft, und also tun noch viele und schließen sich dadurch gleich diesem Nichtswürdigen selbst aus von dem größten Segen; aber du mußt einen Unterschied machen zwischen beider Lage; Esaus Erstgeburt war vorbildlich,KleinglaubensKleinodien aber nicht. Bei Esau war der Bauch sein Gott, beiKleinglaubeaber nicht. Esaus Gebrechen lag in seiner Fleischeslust, was vonKleinglaubenicht gesagt werden kann. Auch hatte Esau nichts anderes als die Befriedigung seiner Lüste im Auge, denn er sagte: „Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir denn die Erstgeburt?“ (1. Mos. 25, 32). AberKleinglaubeward, wiewohl ihm nur ein geringes Maß von Glauben verliehen war, vor solcher Verirrung bewahrt, und daher achtete er seine Kleinodien zu hoch, als daß er sieverkauft hätte wie Esau seine Erstgeburt. Aus der Schrift ist nirgends zu ersehen, daß Esau auch nur ein Fünklein Glaube besessen habe. Kein Wunder also, wenn jemand, von fleischlichem Sinn beherrscht (wie das immer der Fall ist bei einem Menschen, in dem kein Glaube zum Widerstand ist), dem Teufel seine Erstgeburt, seine Seele, ja sein Alles so leichten Kaufes preisgibt. Ein solcher ist wie ein Wild in der Brunst, das niemand aufhalten kann (Jer. 2, 24). Ist sein Sinn erst einmal auf die Befriedigung seiner Lüste gerichtet, so sucht er dieselbe auch um jeden Preis zu erlangen. AberKleinglaubewar doch von andrer Art: sein Herz war auf göttliche Dinge gerichtet; seine Nahrung war geistlich und von obenher; wie sollte er also bei solcher Gesinnung seine Kleinodien verkaufen, um sein Herz mit eitlen Dingen zu füllen, selbst wenn sich ein Käufer gefunden hätte. Wird ein Mensch wohl einen Pfennig geben, um seinen Bauch mit Heu zu füllen? Oder kann jemand eine Turteltaube bewegen, vom Aas zu fressen wie ein Rabe? Ein Ungläubiger mag, um seine fleischlichen Lüste zu befriedigen, sich selbst und alles, was er hat, verpfänden, verschreiben oder verkaufen; nie und nimmer tut das einer, der Glauben, seligmachenden Glauben besitzt, und wenn es auch nur in einem geringen Maß sein sollte. Hierin, mein lieber Bruder, liegt dein Irrtum.
Hoffnungsvoll.Ich erkenne das an, aber doch hätten mich deine scharfen Worte beinahe erzürnt.
Christ.Ei, warum denn? Erwäge die Sache selber, darüber wir sprachen, und es wird alles gut zwischen dir und mir stehen.
Hoffnungsvoll.Aber höre, lieberChrist, davon bin ich überzeugt, daß jene drei Kerle nichts als Feiglinge waren. Nahmen sie nicht Reißaus, als von ferne menschliche Schritte an ihr Ohr drangen? Warum zeigteKleinglaubenicht mehr Mut? Meines Erachtens hätte er sich einmal zur Wehr setzen und erst dann ergeben sollen, als ihm keine Hilfe mehr in Aussicht stand.
Christ.Daß sie Feiglinge sind, haben schon viele gesagt, aber wenige haben es auch zur Zeit der Anfechtung gefunden. Großen Mut hat allerdingsKleinglaubenicht bewiesen. Aber ich merke an dir, mein Bruder, daß du an seiner Stelle auch nur einen Angriff gewagt und dann kleinbeigegeben hättest. Wohl kannst du jetzt, da die Feinde weit von uns sind, von großem Mut sprechen, aber wenn sie dir selber begegnet wären, so würden sie dich schon auch auf andre Gedanken gebracht haben. Bedenke ferner, daß diese herumstreichenden Straßenräuber unter dem König des bodenlosen Abgrunds dienen, der ihnen, sooft sie’s bedürfen, selber Beihilfe leistet, und dessen Stimme ist wie das Brüllen des Löwen (1. Petr. 5, 8). Ich bin auch einmal wieKleinglaubevon diesen drei Spitzbuben überfallen worden und fand es in der Tat erschrecklich; und als ich mich, wie es einem Christen gebührt, ihnen mannhaft entgegenstellte, war auf ihren Ruf auch gleich ihr Meister zur Stelle. Und wahrlich, ich hätte keinen Heller, wie man zu sagen pflegt, für mein Leben gegeben, wäre ich nicht nach Gottes gnädigem Willen mit einem bewährten Harnisch angetan gewesen. Und ob ich gleich so geharnischt war, fand ich es doch schwer, als ein Mann den Kampf zu bestehen. Kein Mensch vermag zu sagen, was in solchem Kampf einem begegnet, als der ihn selbst bestanden.
Hoffnungsvoll.Gut, aber sie liefen ja, wie du siehst, davon, schon als sie einen gewissenGroßgnadeauf dem Weg vermuteten.
Christ.Allerdings haben sie und ihr Meister oft die Flucht ergriffen, wennGroßgnadesich nur sehen ließ; das ist auch kein Wunder, denn es ist einer von des Königs Helden. Ich denke, du wirst aber einen Unterschied machen zwischenKleinglaubeund einem dieser Helden. Nicht alle Untertanen des Königs sind auch Helden und können wie jener solche Taten vollbringen, wenn es zum Treffen kommt. Erwartet man von einem kleinen Kind, daß es wie David den Kampf mit dem Riesen Goliath aufnimmt? Oder sucht man bei einem Zaunkönig die Stärke eines Ochsen? Etliche sind stark, etliche schwach; etliche haben einen großen Glauben, etliche sind kleingläubig. Dieser Mann war einer von den Schwachen, und daher leicht zu überwinden.
Hoffnungsvoll.Ich wünschte, daß die Diebe es mitGroßgnadeselber zu tun bekommen hätten.
Christ.Auch er wäre nicht so leicht Herr über sie geworden; denn obgleichGroßgnadeseine Waffen vortrefflich zu führen versteht, wird auch er nur solange die Oberhand behalten, als er seine Gegner mit des SchwertesSpitze von sich halten kann. Gelingt es aberZaghaftundKleinmutoder einem andern, auf ihn einzudringen, wird es schwer halten, sich vor dem Niederfallen zu bewahren. Und wenn einer einmal daliegt, so weißt du wohl, was er noch ausrichten kann. WerGroßgnaderecht genau ins Angesicht sieht, der wird da verschiedene Narben wahrnehmen, die meine Worte bestätigen. Ja, ich hörte sogar, daß er von einem solchen Kampf gesagt haben soll: „Wir verzagten auch am Leben und hatten bei uns beschlossen, wir müßten sterben“ (2. Kor. 1, 8. 9). In welch Trauern, Klagen und Seufzen kam David durch diese schlimmen Gesellen und deren Helfer! Ja auch Heman (Ps. 88) und Hiskia, Helden zu ihrer Zeit, mußten alle Kräfte aufbieten, um im Kampfe mit ihnen nicht den kürzeren zu ziehen, und nichtsdestoweniger wurden sie dabei gewaltig mitgenommen. Petrus wollte auch einst versuchen, was er ausrichten könnte. Aber obschon er der Fürst unter den Aposteln genannt wird, so trieben sie’s doch also mit ihm, daß ihm zuletzt vor einer elenden Magd bange ward.
Ihr König ist überdies ganz nahe und auf ihr erstes Rufen bereit und eilt, wenn ihnen der Untergang droht, wo möglich gleich zur Hilfe herbei. Von ihm steht geschrieben: „Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken; und wenn er daherbricht, so ist keine Gnade da. Wenn man zu ihm will mit dem Schwert, so regt er sich nicht, oder mit Spieß, Geschoß und Panzer. Er achtet Eisen wie Stroh, und Erz wie faules Holz. Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Stoppeln; die Keule achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze“ (Hiob 41, 17-21). Was kann ein Mann in einem solchen Fall tun? Ja, wenn einer Hiobs Pferd dann stets zur Verfügung hätte und Gewandtheit und Mut dazu, es zu reiten, so könnte man wohl große Dinge ausrichten; denn „es stampft auf den Boden und ist freudig mit Kraft und zieht aus, den Geharnischten entgegen. Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht vor dem Schwert nicht, wenngleich über ihm klingt der Köcher und glänzen beide, Schwert und Lanze. Es zittert und tobt und scharrt in die Erde und läßt sich nicht halten bei der Drommete Hall. Sooft die Drommete klingt, spricht es: Hui! und wittert den Streit von ferne, das Schreien der Fürsten und Jauchzen“ (Hiob 39, 21-25).Aber solche Fußgänger wie wir sollten nie ein Zusammentreffen mit dem Feind herbeiwünschen noch denken, daß wir es bessermachen würden als solche, von denen wir hören, daß sie unterlegen sind; noch sollten wir uns kitzeln mit Gedanken an unsre eigene Mannhaftigkeit, denn solche unterliegen gewöhnlich noch am ersten im Streit. Als Beispiel diene uns nochmals Petrus. Wie hatte er sich vermessen; wenn auch alle Jünger den Herrn verließen, wolle er mit Ihm in den Tod gehen, und wer ist durch jene Bösewichter je schmählicher zuschanden geworden als er?
Wenn uns daher solche Räubereien auf der Heerstraße zu Ohren kommen, so laß uns zweierlei beachten:
Erstens müssen wir geharnischt hinausgehen und ja den Schild mit uns führen; denn weil dieser ihm fehlte, konnte er, der so mutig den Speer gegen Leviathan einlegte, denselben nicht bezwingen. Das ist gewiß, wenn wir den nicht haben, fürchtet er sich nicht im geringsten vor uns. Darum sagte einer, der sich auf diesen Streit wohl verstand: „Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts“ (Eph. 6, 16).
Und zweitens wollen wir den König anflehen, daß Er uns durch Seine starken Helden beschirmen wolle, ja, daß Er selbst bei uns sei und uns geleite auf unserm Weg. Über diesen Geleitsmann jauchzte David mitten im finstern Tal[122], und Mose wollte lieber sterben als einen Schritt weiterziehen ohne seinen Gott[123]. O mein Bruder, wenn der Herr mit uns zieht, so dürfen wir uns nicht fürchten vor vielen Tausenden, die sich umher wider uns legen (Ps. 3, 7). Aber ohne Ihn müssen die gewaltigsten Helden unter die Gefangenen gebeugt werden und unter die Erschlagenen fallen (Jes. 10, 4).
Auch ich bin schon im Gefecht gewesen, und ich bin durch die Güte des Herrn noch am Leben, wie du siehst; aber ich kann mich meiner Tapferkeit nicht rühmen. Ich wäre froh, wenn ich nicht wieder zu solch einem Kampf genötigt würde; aber ich fürchte, wir haben noch nicht alle Gefahren überstanden. Nun, der Herr, der mich von demLöwen und Bären errettet hat, der wird mich auch aus der Hand aller Feinde erretten (1. Sam. 17, 37).
Hierauf sangChrist:
Wär auch mein Glaub’ wie Senfkorn klein,Und daß man ihn kaum merke,Wollst Du doch in mir mächtig sein,Daß Deine Gnad’ mich stärke,Die das zerbrochne Rohr nicht bricht,Den glimmend Docht auch vollends nichtAuslöschet in den Schwachen.Herr Jesus, der Du angezünd’tDas Fünklein in mir Schwachen,Was sich von Glauben in mir find’t,Du wollst es stärker machen.Was Du begonnen, das vollführBis an das End’, daß dort bei DirAuf Glauben folg das Schauen.
Wär auch mein Glaub’ wie Senfkorn klein,Und daß man ihn kaum merke,Wollst Du doch in mir mächtig sein,Daß Deine Gnad’ mich stärke,Die das zerbrochne Rohr nicht bricht,Den glimmend Docht auch vollends nichtAuslöschet in den Schwachen.Herr Jesus, der Du angezünd’tDas Fünklein in mir Schwachen,Was sich von Glauben in mir find’t,Du wollst es stärker machen.Was Du begonnen, das vollführBis an das End’, daß dort bei DirAuf Glauben folg das Schauen.
Wär auch mein Glaub’ wie Senfkorn klein,Und daß man ihn kaum merke,Wollst Du doch in mir mächtig sein,Daß Deine Gnad’ mich stärke,Die das zerbrochne Rohr nicht bricht,Den glimmend Docht auch vollends nichtAuslöschet in den Schwachen.
Wär auch mein Glaub’ wie Senfkorn klein,
Und daß man ihn kaum merke,
Wollst Du doch in mir mächtig sein,
Daß Deine Gnad’ mich stärke,
Die das zerbrochne Rohr nicht bricht,
Den glimmend Docht auch vollends nicht
Auslöschet in den Schwachen.
Herr Jesus, der Du angezünd’tDas Fünklein in mir Schwachen,Was sich von Glauben in mir find’t,Du wollst es stärker machen.Was Du begonnen, das vollführBis an das End’, daß dort bei DirAuf Glauben folg das Schauen.
Herr Jesus, der Du angezünd’t
Das Fünklein in mir Schwachen,
Was sich von Glauben in mir find’t,
Du wollst es stärker machen.
Was Du begonnen, das vollführ
Bis an das End’, daß dort bei Dir
Auf Glauben folg das Schauen.
Fußnoten:[117]Die Missetat des Gottlosen wird ihn fangen, und er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten werden (Spr. 5, 22).[118]Das unvergängliche und unbefleckte und unverwelkliche Erbe, das behalten wird im Himmel (1. Petr. 1, 4).[119]So der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 18.)[120]Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, Er kann mir bewahren, was mir beigelegt ist, bis an jenen Tag (2. Tim. 1, 12).[121]Daß nicht jemand sei ein Gottloser wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte (Hebr. 12, 16).[122]Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir (Ps. 23, 4).[123]Wo nicht Dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von dannen hinauf (2. Mos. 33, 15).
Fußnoten:
[117]Die Missetat des Gottlosen wird ihn fangen, und er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten werden (Spr. 5, 22).
[117]Die Missetat des Gottlosen wird ihn fangen, und er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten werden (Spr. 5, 22).
[118]Das unvergängliche und unbefleckte und unverwelkliche Erbe, das behalten wird im Himmel (1. Petr. 1, 4).
[118]Das unvergängliche und unbefleckte und unverwelkliche Erbe, das behalten wird im Himmel (1. Petr. 1, 4).
[119]So der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 18.)
[119]So der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 18.)
[120]Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, Er kann mir bewahren, was mir beigelegt ist, bis an jenen Tag (2. Tim. 1, 12).
[120]Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiß, Er kann mir bewahren, was mir beigelegt ist, bis an jenen Tag (2. Tim. 1, 12).
[121]Daß nicht jemand sei ein Gottloser wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte (Hebr. 12, 16).
[121]Daß nicht jemand sei ein Gottloser wie Esau, der um einer Speise willen seine Erstgeburt verkaufte (Hebr. 12, 16).
[122]Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir (Ps. 23, 4).
[122]Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir (Ps. 23, 4).
[123]Wo nicht Dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von dannen hinauf (2. Mos. 33, 15).
[123]Wo nicht Dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von dannen hinauf (2. Mos. 33, 15).
Schlussvignette Kapitel I, 10