Zweites Kapitel.Wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Kopfstück, Kapitel II, 2Zweites Kapitel.Wer da anklopft, dem wird aufgetan.

Kopfstück, Kapitel II, 2

M

Mittlerweile hatte sichChristinmit ihren Knaben auf den Weg gemacht, undBarmherzigbegleitete sie. Indem sie miteinander gingen, entspann sich unter ihnen folgendes Gespräch:

„Barmherzig,“ sagteChristin, „ich betrachte es wirklich als eine unverdiente Gnade, daß du mit mir ausgezogen bist, um mir noch ein wenig Gesellschaft zu leisten.“

„Wenn ich glauben dürfte,“ erwiderte das Mädchen (dennBarmherzigwar noch jung), „daß es nicht vergeblich wäre, mit dir zu gehen, so würde ich der Stadt nie wieder nahe kommen.“

„Weißt du was,“ antworteteChristin, „wirf dein Los mit dem meinen zusammen, weiß ich doch wohl, was das Ende unsrer Pilgerschaft sein wird! Mein Mann ist an einem Ort, den er um alles Gold in den Bergwerken Spaniens nicht wieder verlassen möchte. Und wenn du gleich nur auf meine Einladung hin mitgehst, so wirst du doch nicht zurückgewiesen werden; denn der König, der nach mir und meinen Kindern geschickt hat, hat Wohlgefallen an Barmherzigkeit (Matth. 9, 13). Überdies, wenn es dir recht ist, will ich dich dingen, und du sollst als meine Magd mit mir gehen; doch wollen wir alle Dinge untereinander gemein haben; komm nur mit mir!“

Barmherzig.Aber wie erlange ich die Gewißheit, daß ich auch angenommen werde? O daß sich jemand fände, der hierüber Auskunft geben könnte; ich würde mich keinen Augenblick besinnen, sondern mit Hilfe dessen, der helfen kann, mit dir durch dick und dünn gehen.

Christin.Nun wohl, geliebteBarmherzig, so will ich dir sagen, was du tun sollst: Gehe mit mir nach der engen Pforte[161], und dort will ich mich deinetwillen weiter erkundigen. Und wenn dir da keine Ermutigung zuteil wird, so will ich mich damit zufrieden geben, daß du an deinen Ort zurückkehrst. Auch will ich dir deine Liebe vergelten, die du mir und meinen Kindern erweisest, indem du uns auf unserm Weg begleitest.

Barmherzig.So will ich denn hingehen und hinnehmen, was weiter kommt, und der Herr gebe gnädiglich, daß mein Los so falle, daß der König des Himmels Sein Herz zu mir neige.

Hierüber warChristinvon Herzen froh, nicht nur, daß sie eine Gefährtin hatte, sondern auch, daß sie dieses arme Mädchen bewogen hatte, für ihr Seelenheil zu sorgen. So gingen sie denn zusammen weiter,Barmherzigaber fing an zu weinen.

Da fragteChristin: „Warum weinst du, liebe Schwester?“

„Ach,“ sagte sie, „wer kann anders als wehklagen, wenn man recht erwägt, in welcher Lage und in welchem Zustand meine armen Verwandten sich befinden, die noch in unsrer sündenvollen Stadt verbleiben? Und was meinen Kummer noch größer macht, ist, daß niemand sie unterrichtet und auf die drohende Gefahr hinweist.“

Christin.Mitleiden steht den Pilgrimen wohl an, und du empfindest für deine Angehörigen, was mein guterChristfür mich empfand, als er mich verließ. Er trauerte darüber, daß ich ihn nicht hören noch auf ihn achten wollte. Aber sein und unser Herr hat seine Tränen gesammelt und sie in Seinem Krug verwahrt[162], und nunmehr ernten du und ich und diese meine geliebten Kinder die Frucht und den Segen davon. Glaube mir,Barmherzig, deine Tränen werden nicht umsonst sein, denn die ewige Wahrheit spricht: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben“ (Ps. 126, 5. 6).

Barmherzigsprach:

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?Nein, das ist unmöglich, Du getreuer Hort!Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht Dein Wort.Du hast zugesaget: Wer da bittet, nimmt;Wer da sucht, soll finden, was ihm Gott bestimmt.Wer im festen Glauben mutig klopfet an,Dem wird ohne Zweifel endlich aufgetan.Nun, so will ich’s wagen, Herr, auf Dein Gebot,Alle meine Sorgen, eign’ und fremde Not,All mein heimlich Grämen, alles, was mich quält,Dir ans Herz zu legen, der die Tränen zählt.

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?Nein, das ist unmöglich, Du getreuer Hort!Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht Dein Wort.Du hast zugesaget: Wer da bittet, nimmt;Wer da sucht, soll finden, was ihm Gott bestimmt.Wer im festen Glauben mutig klopfet an,Dem wird ohne Zweifel endlich aufgetan.Nun, so will ich’s wagen, Herr, auf Dein Gebot,Alle meine Sorgen, eign’ und fremde Not,All mein heimlich Grämen, alles, was mich quält,Dir ans Herz zu legen, der die Tränen zählt.

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?Nein, das ist unmöglich, Du getreuer Hort!Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht Dein Wort.

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt;

Soll ich sein der erste, der zuschanden ward?

Nein, das ist unmöglich, Du getreuer Hort!

Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht Dein Wort.

Du hast zugesaget: Wer da bittet, nimmt;Wer da sucht, soll finden, was ihm Gott bestimmt.Wer im festen Glauben mutig klopfet an,Dem wird ohne Zweifel endlich aufgetan.

Du hast zugesaget: Wer da bittet, nimmt;

Wer da sucht, soll finden, was ihm Gott bestimmt.

Wer im festen Glauben mutig klopfet an,

Dem wird ohne Zweifel endlich aufgetan.

Nun, so will ich’s wagen, Herr, auf Dein Gebot,Alle meine Sorgen, eign’ und fremde Not,All mein heimlich Grämen, alles, was mich quält,Dir ans Herz zu legen, der die Tränen zählt.

Nun, so will ich’s wagen, Herr, auf Dein Gebot,

Alle meine Sorgen, eign’ und fremde Not,

All mein heimlich Grämen, alles, was mich quält,

Dir ans Herz zu legen, der die Tränen zählt.

Mein alter Freund fuhr fort: Da aberChristinzu dem Sumpf derVerzagtheitkam, ward sie bedenklich und blieb stehen. „Hier,“ sagte sie, „ist die Stelle, wo mein lieber Mann in den Schlamm fiel und beinahe versunken wäre.“ Sie bemerkte auch, daß ungeachtet des Königs Befehl, diese Stelle für die Pilger auszubessern, sie eher schlechter als besser geworden war. — Als ich fragte, ob sich das also verhielte, da antwortete der alte Mann: „Ja, ja, so ist es; denn es gibt viele, welche vorgeben, des Königs Arbeiter zu sein, und sagen, sie ließen es sich angelegen sein, des Königs Heerstraße auszubessern; allein statt der Steine bringen sie Kot und Unrat herzu, und so verderben sie den Weg, statt ihn zu bessern.“

So blieb nunChristinmit ihren Kindern unschlüssig hier stehen;Barmherzighingegen sagte: „Kommt, laßt uns es wagen, nur wollen wir uns in acht nehmen!“ So gingen sie sehr behutsam vor, Schritt für Schritt, und kamen, wenn auch hin und wieder ausgleitend, mit knapper Not hinüber. Doch wäreChristineinigemal beinahe steckengeblieben. Als sie nun die gefährliche Stelle überschritten hatten, so war es ihnen, als hörten sie die Worte: „O selig bist du, die du geglaubt hast! denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn“ (Luk. 1, 45).

Indem sie ihren Weg fortsetzten, sprachBarmherzigzuChristin: „O wenn ich wie du die gewisse Zuversicht hätte, an der Pforte eine freundliche Aufnahme zu finden, ich glaube, kein Sumpf derVerzagtheitkönnte mich mutlos machen.“

„Nun,“ erwiderteChristin, „du kennst jetzt deine Schwächen und ich die meinen. Ja, liebe Freundin, wir alle werden noch Drangsal genug haben, ehe wir an das Ziel unsrer Reise kommen. Denn das darf man sich nicht einbilden, daß Menschen, die eine solche Herrlichkeit zu erlangen trachten wie wir und um ihre Glückseligkeit so beneidet werden, nicht auf allerart Schlingen und Hindernisse, Anfechtungen und Trübsale stoßen werden. Nein, unsre Hasser werden uns alles das in den Weg zu legen wissen.“

Hier nun verließ mich HerrScharfsinn, daß ich meinen Traum selber zu Ende träumen möchte, und es dünkte mich, als sähe ichChristin,Barmherzigund die Knaben alle miteinander nach derengen Pfortezugehen. Daselbst angekommen, berieten sie darüber, wie sie anklopfen und was sie dem Torhüter sagen sollten. Es wurde beschlossen, daßChristinals die Älteste anklopfen und mit dem, der auftun würde, auch für die übrigen sprechen sollte.

Christinklopfte also an die Pforte[163]und, wie ihr armer Mann getan, klopfte sie wieder und wieder. Anstatt aber, daß jemand antwortete, meinten sie alle einen Hund zu hören[164], der bellend auf sie zukäme; ja, ein Hund war’s und noch dazu ein großer, der den Frauen und Kindern Schrecken einjagte. Auch wagten sie eine Zeitlang nicht, wieder anzuklopfen, aus Furcht, daß der Bullenbeißer sie anfallen könnte. Eine peinliche Stille folgte, und sie wußten nicht, was sie vornehmen sollten; denn umkehren wollten sie auch nicht, weil sie fürchteten, der Torhüter möchte es wahrnehmen und unwillig auf sie werden. Endlich aber faßten sie ein Herz, noch einmal anzuklopfen, und sie klopften heftiger als zuvor. Hierauf rief der Torhüter: „Wer ist da?“ Sogleich hörte der Hund auf zu bellen, und die Pforte ward ihnen aufgetan.Christinverneigte sich und sprach:

„Möge unser Herr nicht zürnen mit Seinen Mägden, weil wir an Seine königliche Pforte geklopft haben!“

Hüter.Von wannen kommt ihr? und was ist euer Begehr?

Christin.Wir kommen von daher, von wannenChristauch kam, und in derselben Absicht wie er, nämlich daß wir,so es Dir gefällt, durch diese Pforte auf den Weg gelangen, der zu der himmlischen Stadt führt. Auch tue ich meinem Herrn zu wissen, daß ichChristin,ChristsFrau, bin, der nun droben angelangt ist.

„Wie?“ rief der Torhüter verwundert aus, „ist die nun eine Pilgerin geworden, die noch vor kurzem ein solches Leben verabscheute?“Christinverneigte sich und sprach: „Ja, und hier sind auch meine lieben Kinder!“

„Lasset die Kindlein zu Mir kommen!“ (Mark. 10, 14) sagte Er, nahm sie bei der Hand und führte sie hinein; das Tor ward wieder geschlossen. Hierauf rief Er einem Trompeter auf der Warte zu,Christinmit Frohlocken und dem Schall der Posaune zu empfangen. Dieser fing alsbald an zu blasen und erfüllte mit lieblichen Weisen die Luft.

Während dieser Zeit stand die armeBarmherzigdraußen, zitterte und weinte bitterlich vor Furcht, daß sie verworfen wäre. Als jedochChristinfür sich und ihre Söhne Einlaß erlangt hatte, begann sie, sich fürBarmherzigzu verwenden.

„Herr,“ sprach sie, „ich habe eine Gefährtin, die noch draußen steht. Sie ist in derselben Absicht hergekommen wie ich. Sie ist sehr niedergeschlagen in ihrem Gemüt, weil sie kommt, wie sie denkt, ohne eingeladen zu sein, wogegen von meines Mannes König nach mir geschickt wurde.“

Nun fingBarmherzigan, sehr ungeduldig zu werden, und es kam ihr jede Minute so lang vor wie eine Stunde. Dadurch, daß sie selbst an die Pforte anklopfte, unterbrach sieChristinin ihrer Fürsprache für sie. Ihr Anklopfen war so stark, daß jene zusammenfuhr. „Wer ist draußen?“ fragte der Torhüter.Christinantwortete: „Es ist meine Freundin.“

Er öffnete also das Tor und sah hinaus.Barmherzigaber war draußen ohnmächtig hingesunken, denn ihre Kraft verließ sie, weil sie fürchtete, daß ihr keine Tür aufgetan werden würde. Da ergriff Er sie bei der Hand und sagte: „Mägdlein, Ich sage dir, stehe auf!“ (Mark. 5, 41.)

„Ach Herr,“ sprach sie, „ich bin noch so schwach; es ist kaum noch Leben in mir.“

Er erwiderte: „Es steht geschrieben: Da meine Seele bei mir verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu Dir in Deinen heiligen Tempel (Jon. 2, 8). Fürchtedich nicht, sondern tritt auf deine Füße und sage Mir, warum du hergekommen bist.“

Barmherzig.Ich komme um etwas, wozu ich niemals eingeladen worden bin wie meine FreundinChristin. Sie kommt auf den Ruf des Königs, ich aber nur auf den ihren; darum fürchte ich, ich sei vermessen.

Hüter.Hat sie dich aufgefordert, mit ihr hierher zu kommen?

Barmherzig.Ja, und so bin ich, wie mein Herr sieht, auch gekommen; und ist noch irgendwelche Gnade und Vergebung der Sünden vorhanden, so bitte ich, laß doch diese Deine arme Magd Anteil daran haben!

Da nahm Er sie wieder bei der Hand, führte sie sanft hinein und sprach: „Ich bitte für alle die, welche an Mich glauben, sie mögen zu Mir kommen, wodurch es auch sei[165].“ Und zu denen, welche dabeistanden, sprach Er: „Holt etwas herbei und gebt esBarmherzig, daß sie daran rieche und wieder wacker werde.“ Da brachten sie ihr einen Büschel Myrrhe, und alsbald ward sie von neuer Kraft durchströmt.

Nun wurdenChristinund ihre Knaben undBarmherzigvon dem Herrn am Eingang des Weges empfangen, und Er redete freundlich mit ihnen. Sie sprachen zu Ihm: „Wir haben gesündigt, und unsre Sünden sind uns herzlich leid, und wir bitten Dich: Vergib uns und unterweise uns den Weg, den wir zu gehen haben!“

Er antwortete: „Vergebung wird euch zuteil durch Wort und Tat, nämlich durch das Wort der Verheißung Meiner Gnade, durch Tat: in der Weise, wie Ich sie erworben habe. Nehmet die erste von meinen Lippen mit einem Kuß (Hohesl. 1, 2; Joh. 20, 22) und die andre, wie es euch weiterhin wird geoffenbart werden.“

Noch manch süßes Trostwort sprach Er ihnen zu, wodurch ihre Herzen hoch erfreut wurden. Er führte sie auch auf die Warte des Tores und zeigte ihnen, durch welche Tat sie gerettet worden[166], und verhieß ihnen, daß sie diesen Anblick auf ihrer fernern Reise zu ihrem Trost wieder haben sollten.

Danach ließ Er sie eine Weile allein unten in einer Gartenlaube, wo sie sich miteinander unterhielten.

„O wie froh bin ich,“ fingChristinan, „daß wir hier angelangt sind!“

Barmherzig.Du kannst auch wohl froh sein; aber ich habe vor allem Ursache, vor Freude zu springen.

Christin.Als ich vor der Pforte stand und auf mein Anklopfen niemand antwortete, da dachte ich, es wäre all unsre Mühe vergeblich, zumal als der bissige Hund uns so greulich anbellte.

Barmherzig.Und mir entfiel gänzlich das Herz, als du in Gnaden angenommen und ich draußen gelassen wurde. Ich sah darin schon die Erfüllung dessen, was geschrieben steht: „Zwei werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andre wird verlassen werden“ (Matth. 24, 41). Weiter anzuklopfen wagte ich nicht, und so kam ich der Verzweiflung nahe. Als ich aber die Inschrift über der Pforte erblickte, faßte ich wieder Mut, mir selber zusprechend: Jetzt oder nie! So klopfte ich denn; ich kann aber nicht sagen wie, war ich doch wie eine, die mit dem Tode rang.

Christin.Wie? das weißt du nicht einmal? O dein Klopfen konnte einem Mark und Bein durchdringen, wie ich dergleichen meine Lebetage noch nie gehört habe. Ja, es schien, als wolltest du mit Gewalt eindringen und das Reich im Sturm einnehmen[167].

Barmherzig.Was konnte ich in meiner Not anders tun? Vor mir ward die Tür verschlossen, und zudem schreckte mich ein grimmiger Hund! Wer in aller Welt, der so geängsteten Herzens gewesen wie ich, würde nicht mit aller Macht angeklopft haben? Aber, bitte, was sagte mein Herr zu solcher Dreistigkeit? War Er nicht ungehalten über mich?

Christin.Als Er dein ungestümes Klopfen hörte, zog sich ein wunderbar mildes Lächeln über Sein Angesicht. Ich glaube, was du tatest, gefiel Ihm wohl, denn Er ließ nichts von Mißfallen gewahr werden. Aber eines ist mir ein Rätsel, warum Er wohl einen solchen Hund hält. Wie gut, daß ich das vorher nicht wußte, denn sonst hätte ich mich kaum so weit gewagt. Aber nun sind wir ja geborgen, und darüber ist mein Herz fröhlich.

Barmherzig.Wenn es dir recht ist, will ich Ihnfragen, sobald Er herunterkommt, warum Er ein so widerwärtiges Tier auf Seinem Hof hält. Ich hoffe, Er wird es nicht übelnehmen.

„Bitte, tue das!“ sagten die Kinder, „und berede Ihn, daß Er ihn anbindet; denn uns ist so bange, daß er uns beißt, wenn wir von hier weggehen.“

Als Er endlich wieder zu ihnen trat, fielBarmherzigvor Ihm nieder zur Erde, betete an und sprach: „Herr, laß Dir wohlgefallen das Opfer meines Dankes, welches ich Dir jetzt darbringe, und die Farren meiner Lippen!“

Er erwiderte: „Friede sei mit dir!Stehe auf!“ Sie aber blieb auf ihrem Angesicht liegen und sprach: „Herr, wenn ich gleich mit Dir rechten wollte, so behältst Du doch recht; dennoch muß ich vom Recht mit Dir reden (Jer. 12, 1). Warum hältst du einen so bösen Hund auf Deinem Hof, bei dessen Anblick Frauen und Kinder wie wir aus Angst von Deinem Tore fliehen möchten?“

Er antwortete und sprach: „Jener Hund hat einen andern Eigentümer; er wird auch auf eines andern Grund und Boden in Verwahrung gehalten; Meine Pilgrime hören nur sein Bellen. Er gehört zu dem Schloß, welches ihr dort in der Ferne seht; aber er kann bis an die Mauern dieses Orts herankommen und hat schon manchen rechtschaffenen Pilger durch seine gewaltige Stimme heilsam erschreckt. Freilich, sein Herr hält ihn nicht aus irgendwelcher Freundschaft zu Mir und den Meinen, sondern in der Absicht, die Pilger abzuhalten, zu Mir zu kommen, und damit sie sich fürchten, an dieser Pforte um Einlaß anzuklopfen. Zuweilen hat er sich auch losgerissen und einige Meiner Geliebten übel zugerichtet; aber das alles nehme Ich zurzeit noch mit Geduld an. Doch schaffe Ich Meinen Pilgern rechtzeitige Hilfe, daß sie seiner Gewalt nicht überlassen werden und er ihnen nicht tue, wozu ihn seine hündische Art treibt. Aber du, Meine teuer Erkaufte, darfst dich nicht von einem Hund abschrecken lassen, und wenn du zuvor noch soviel davon erfahren hättest. Auch die Bettler, die von einer Tür zur andern gehen, laufen lieber Gefahr, von einem Hund angebellt oder gar gebissen zu werden, als daß sie sich ein erhofftes Almosen entgehen ließen. Sollte denn ein Hund, der sich auf eines andern Hof befindet, und dessen Gebell ich zum besten Meiner Pilger wende, jemand abhalten, zu Mir zu kommen? Ich errette sieaus dem Rachen des Löwen und Meine Einsame von den Hunden“ (Ps. 22, 21. 22).

„Ich bekenne meine Unwissenheit,“ sprachBarmherzig, „ich habe von Dingen geredet, die ich nicht verstehe. Ich erkenne, daß Du alles wohl machst.“

Christinfing hierauf von ihrer Reise zu reden an und nach dem Weg zu fragen. So speiste Er sie denn, wusch ihnen die Füße und brachte sie auf den Weg Seiner Fußstapfen, wie Er zuvor mit ihrem Mann getan.

Fußnoten:[161]Jesus spricht: Ich bin die Tür, so jemand durch Mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden (Joh. 10, 9).[162]David betet: Fasse meine Tränen in deinen Krug: ohne Zweifel, Du zählst sie (Ps. 56, 9).[163]Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan (Matth. 7, 7).[164]Der Hund ist der Teufel, der ein Feind des Gebets ist.[165]Ich bitte nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an Mich glauben werden (Joh. 17, 20).[166]Von ferne sahen sie Christus am Kreuz.[167]Das Reich Gottes leidet Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich (Matth. 11, 12).

Fußnoten:

[161]Jesus spricht: Ich bin die Tür, so jemand durch Mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden (Joh. 10, 9).

[161]Jesus spricht: Ich bin die Tür, so jemand durch Mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden (Joh. 10, 9).

[162]David betet: Fasse meine Tränen in deinen Krug: ohne Zweifel, Du zählst sie (Ps. 56, 9).

[162]David betet: Fasse meine Tränen in deinen Krug: ohne Zweifel, Du zählst sie (Ps. 56, 9).

[163]Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan (Matth. 7, 7).

[163]Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan (Matth. 7, 7).

[164]Der Hund ist der Teufel, der ein Feind des Gebets ist.

[164]Der Hund ist der Teufel, der ein Feind des Gebets ist.

[165]Ich bitte nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an Mich glauben werden (Joh. 17, 20).

[165]Ich bitte nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an Mich glauben werden (Joh. 17, 20).

[166]Von ferne sahen sie Christus am Kreuz.

[166]Von ferne sahen sie Christus am Kreuz.

[167]Das Reich Gottes leidet Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich (Matth. 11, 12).

[167]Das Reich Gottes leidet Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich (Matth. 11, 12).

Schlussvignette, Kapitel II, 2


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