Pipin wollte ihn unterbrechen, er wehrte ab.
»Beruhigen Sie sich, liebes Kind, ich bin nicht böse auf Sie«, sagte er mit einer Art Lachen; es war aber in seiner Stimme, wenn auch keine höhnische oder ärgerliche Note, so doch weder Wärme noch Herzlichkeit. »Ich verstehe zu gut, daß Sie nicht anders konnten. Ich hätte Ihnen eben gleich mit Thatsachen statt mit persönlichen Urteilen aufwarten sollen ... Eines Tages also – es ist noch nicht lange her, vierzehn Tage oder so dergleichen – eines Tages verirrte ich mich im Wald. Lassen wir es dahingestellt, ob ich mich ganz zufällig verirrte, oder ob ich die Spur eines Wildes verfolgte, in der Absicht, mir durch Thatsachen Gewißheit zu verschaffen. Es giebt ja bekanntlich Mittel, dem Zufall nachzuhelfen; man muß nur dem Zufall die Hand bieten. Sie sehen, Pipin, ich selbst habe es meinem eigenen Verstand gegenüber nicht anders gemacht, als Sie – ich habe diesem ewigen Besserwisser auch keinen Glauben schenken wollen, bevor ihn die Thatsachennicht gerechtfertigt hatten. Und nun merken Sie gut auf, Pipin: als ich so durch den Wald irrte, weitab von allen Promenadewegen, wo die schöne Welt mit ihren feinen Schuhen und zarten Füßen lustwandelt, kam ich nach einiger Zeit auf eine kleine versteckte Wiese tief im Wald. Beileibe kein neuer Aussichtspunkt, den man einmal aus Ueberdruß an den bekannten Aussichtspunkten aufsucht, selbst wenn man nur auf einem morastigen Bauernsteig hinkommen kann, sondern eine ganz nichtssagende, langweilige Wiese, umgeben von lauter nichtssagenden, langweiligen Fichtenwipfeln. Das einzige Interessante auf dieser Wiese war ein Heustadel – und Sie werden zugeben, Pipin, daß man hier zu Land nicht eine halbe Stunde über Stock und Stein durch den Wald hinaufzuklettern braucht, um sich den Anblick eines Heustadels zu verschaffen. Für mein Wild aber schien dieser Heustadel eine magische Anziehungskraft zu besitzen; es ging schnurstracks darauf los wie auf ein wohlbekanntes Ziel und verschwand alsbald dahinter. Ich wartete – nichts rührte sich. Mein Wild blieb verschwunden. Während ich nun überlegte, wie ich es wohl anstellen sollte, dem Geheimnisse des Heustadels auf die Spur zu kommen, ohne mein Wild zu verscheuchen, erschien ein zweiter Jäger auf dem Anstand – ein gewandterer und keckerer Jäger,Pipin, einer, der sich besser als wir beide auf die Listen und Finten versteht, mit denen man auf der Jagd sein Glück macht. Und dieser Jäger verschwand gleichfalls, ohne eine Minute zu verlieren, hinter dem Heustadel. Da gab ich es auf, diese interessante Welt von der anderen Seite zu besehen. Wozu auch? Ich wußte jetzt vollkommen genug.«
»Nun, und?« fragte Pipin.
»Und so ging ich wieder den Wald hinunter nach Hause – um eine Illusion ärmer, aber um eine Erfahrung reicher, und so gründlich geheilt, Pipin, daß ich mich wie von einem Alpdruck befreit fühlte.«
Pipin sah ihn erstaunt an. »Sie wollten doch – Sie haben doch gesagt, daß es »Thatsachen« giebt?«
»Noch mehr Thatsachen? Haben Sie nicht genug an dieser einen Thatsache?«
Da brach Pipin in ein lautes herzliches Lachen aus. »Liebster bester Doktor Elmenreich! Und das ist alles? Und deswegen spannen Sie mich auf die Folter? Wie soll ich denn das verstehen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein?«
»Es scheint, Pipin, ich habe mich nicht deutlich ausgedrückt. Muß ich Ihnen wirklich erst sagen, wer jener Jäger war –?«
»Nein; denn es versteht sich von selbst, daß es Doktor Kranich war –«
»Und sagt Ihnen das nicht genug? Aber natürlich! Sie »glauben« ja auch an Doktor Kranich eher als an mich!«
Pipin wurde wieder sehr ernst. »Mißverstehen Sie mich nicht absichtlich! Ich glaube nicht an Doktor Kranich, aber ich glaube – an Eugenie.« Und mit Lebhaftigkeit fuhr er fort: »Sie sagen, das sei vor vierzehn Tagen gewesen. Nun, bis gestern war Eugenie vollkommen frei, konnte thun und lassen, was ihr beliebte. Sie hatte niemandem ihr Wort gegeben, und niemand hatte ein Recht, ihre Freiheit einzuschränken und ihre Schritte zu bewachen. Wenn Doktor Kranich sie zu etwas verleitet hat, was mißdeutet werden kann, so war das sehr unrecht von ihm; denn er hätte bedenken sollen, daß man es nicht ihm, sondern ihr übelnehmen wird. Nein, ich begreife Sie nicht, Doktor Elmenreich! Hatten Sie denn damals ein Recht, von Eugenie zu fordern, daß sie sich ausschließlich mit Ihnen beschäftigen sollte?«
Elmenreich sah Pipin mit gerunzelter Stirne an.
»Sie glauben also trotz alledem, daß diese junge Dame zur Frau für Sie geeignet ist?«
»Warum sollten mich Dinge, die vorher geschehensind, irre machen an ihr? Sie hatte die Freiheit der Wahl – sie brauchte sich vorher nicht gebunden zu fühlen. Jetzt hat sie mir ihr Wort gegeben, und an dieses Wort glaube ich. Nichts in der Welt wird meinen Glauben an ihr Wort erschüttern! Wenn es anders wäre, dürft' ich da sagen, daß ich sie liebe?«
Elmenreich antwortete nichts. Er stieß nur einen tiefen, ungeduldigen Seufzer aus, wie ein Mensch, der es aufgiebt, sich mit einem andern zu verständigen.
Es entstand eine lange Pause, eine Pause voll von unausgesprochenen Worten und unauflöslichen Dissonanzen. Etwas Frostiges lag in der Luft, eine Abschiedsstimmung, die nicht allein durch das Unbehagliche, das den letzten Augenblicken vor einer Abreise stets anhaftet, erzeugt war.
Draußen fuhr der Wagen vor's Hausthor. Die Magd kam mit dem Kutscher herein, um den Koffer zu holen. Elmenreich stand auf und verabschiedete sich trocken. Pipin hielt ihn an der Hand fest.
»Und so wollen Sie fortgehen? Ohne ein gutes Wort?« rief er schmerzlich. »Ich habe ein Gefühl, als ob – als ob Sie mir noch so vieles zu sagen hätten!«
»Gott bewahre!« versetzte Elmenreich, ohne ihn anzusehen; »ich habe Ihnen schon viel zuviel gesagt. Das Fazit ist ja doch nur, daß man Mißtrauen erntet –«
Da warf sich Pipin ungestüm an seine Brust, umschlang ihn mit den Armen und drückte sich an ihn. »Sie stoßen mich also von sich, Sie wollen nichts mehr von mir wissen? Sie verzeihen mir nicht? Dann nehmen Sie mir ein Stück von meinem Leben, dann bin ich nur mehr ein halber Mensch –« Elmenreich fuhr ihm mit der Hand über den Kopf.
»Armer Kerl!« sagte er nicht ohne Bewegung. »Aber wer von uns ist denn nicht ein halber Mensch? Wir sind alle miteinander nur Stücke von dem, was wir sein könnten, wenn – mna, da läßt sich eben nichts ändern!« Er schob Pipin von sich weg, lief zur Thür hinaus und sprang in den Wagen, ohne sich noch einmal umzusehen.
Lange sah Pipin dem davonfahrenden Wagen nach, der rasch in der Dunkelheit verschwand. Nachdenklich sagte er dann:
»Eines hätte ich ihm nicht sagen dürfen! Daß ich ihm nicht gefolgt habe, das wird er begreiflich finden, wenn er sich nicht mehr darüber ärgert, aber daß ich einen Augenblick an ihm irre geworden bin, das wird er mir nie verzeihen!«
* * *
(Aus einem Briefe.)
26. September 1893.
... Ich werde ihn erst auf seinem alten Platz in unserem Wohnzimmer wiedersehen. Aber nicht mehr den alten Elmenreich – sondern einen neuen für mich, zu dem ich mich in ein neues Verhältnis setzen muß. Er ist als Sieger aus dem Erlebnis dieses Sommers hervorgegangen; er hat sich nicht täuschen lassen, er hat Recht behalten durch die Ueberlegenheit seines Verstandes. Ich sollte ihn bewundern. Und der arme Pipin ist in die Schlinge gefallen; er geht unabsehbaren Enttäuschungen entgegen, grausamen Schmerzen; sein Glaube wird ihn betrügen, sein Vertrauen wird ihn irreführen, seine Güte wird ihn vernichten. Ich sollte ihn bemitleiden.
Nach meinem innersten Empfinden aber ist alles umgekehrt. Da erscheint mir Elmenreich arm und kahl, ein dürrer Boden, aus dem nimmermehr ein Halm sprießen wird – und Pipin unendlich reich, ein Auserwählter, auf den das Leben seine ganze Fülle häufen will ...
* * *
(Aus einem Briefe.)
28. September 1893.
... Daß Pipin diese letzten Tage meiner Verbannung mit mir teilt, mußt du der Wundergeschichtezuschreiben, die ihn zu guterletzt noch um das Vergnügen gebracht hat, mit seiner Braut zu reisen. An seiner Stelle machte Dr. Kranich den Reisemarschall. Eugenie hatte ihren Verlobten zwar gefragt, ob er diese Begleitung gestatte; er antwortete, daß er sich weder jetzt noch jemals ihr gegenüber auf den Standpunkt des Gestattens oder Verbietens stellen wolle. Da ließ sich die Stiefmutter nicht einen Tag länger halten; denn sie war sehr böse darüber, daß Pipin unerschütterlich darauf beharrte, vor seiner Abreise die Angelegenheiten der Tressenbäuerin zu ordnen.
Der neue Wallfahrtsort hatte plötzlich das Augenmerk der geistlichen Autoritäten auf sich gezogen. Bis dahin hatten sie der Sache ihren Lauf gelassen, ohne sich irgendwie einzumischen. Als es aber ruchbar wurde, daß ein unbefugter Amateur seine Hände dabei im Spiel gehabt und durch die Experimente einer »übersinnlichen Wissenschaft« den Zustand der Bäuerin herbeigeführt hat, ließ sich der Pfarrer den Brunnhofer-Seppl kommen; dann stattete er Pipin einen Besuch ab. Pipin bekam sehr unangenehme Dinge zu hören, Dinge, die allerdings an die Adresse der beiden Abwesenden gerichtet waren, die er aber doch selber einstecken mußte.
Das Ergebnis dieser Unterredung war, daßer sich verpflichtete, die Sache in aller Stille und ohne Aufsehen ungesäumt in Ordnung zu bringen.
Vor allen Dingen sollte die Kranke ehestens aus dem Umkreis der Gläubigen entfernt werden. Mit Hilfe des Arztes und reichlicher Geldopfer nach allen Seiten gelang es ihm auch in den nächsten Tagen, ihr einen Platz im Spital der Kreishauptstadt zu verschaffen. Gestern bei Tagesanbruch wurde sie von zwei Wärterinnen in einem Wagen abgeholt und auf die Bahn gebracht.
Und so ist es wieder nichts mit dem Wunderbaren! Oben vor dem leeren Hause am Abhang des Tressensteines stehen die Zuspätgekommenen und murren. Sie, die mühselig und beladen sind, auf die das Leben seine eiserne Faust gelegt hat, die es blutig schindet mit seinem unbarmherzigen Druck, sie sollen bloß zum Narren gehalten worden sein von einem dieser Spaziergänger und Nichtsthuer? Die Heilige aus ihrem Fleisch und Blut, sie wäre nur durch die falschen und unnützen Künste behext gewesen, mit denen sich die Nichtsthuer die Zeit vertreiben –? Und man kann es ihnen nicht einmal heimzahlen! Sie sitzen in sicherer Ferne in den warmen Städten, wo sie sich's gut geschehen lassen, während der grimmige Winter von den beschneiten Gipfelnheruntersteigt in das Land und alles Lebendige zertritt ...
Unten im Orte ist es wie ausgestorben; in den Villen und Wirtshäusern werden die Läden geschlossen, Vorhänge und Teppiche abgenommen, die offenen Veranden mit Brettern verschlagen. Es giebt keine eleganten Gestalten mehr, keine Equipagen, keine geräuschvollen Vergnügungen. Das Fieber dreier Monate ist vorbei; die Gegend kehrt aus dem künstlichen Leben des Sommers zu ihrer natürlichen Bestimmung zurück. Auf den Pflug gebückt, bearbeitet der Bauer schweigend seinen Acker; und in der Furche schreitet der Säemann mit seiner großen, unsterblichen Geberde – ein Symbol des primitiven Lebens, das sich in den Jahrtausenden behauptet, Wurzel und Stamm jenes ewigen Baumes, dessen Wipfel in ruheloser Bewegung von allen Winden zerzaust werden ...
Die schönsten Bücher und Geschenkwerkefür junge Frauen und Kinderfreunde!
Manuel Schnitzer,I.Semester
Ein Kinderbuch für Mütter. 3. Auflage. Brosch. M. 3.–, geb. M. 4.–.
»Möchten viele Mütter das köstliche Büchlein lesen, das übrigens auch für jeden feiner erzogenen Leser eine wertvolle, anmutende Gabe ist!«
»Baseler Nachrichten«.
»Ein Kinderbuch für Mütter! Darin liegt eigentlich eine Bescheidenheit, denn das Buch ist nicht nur Müttern und solchen, die es werden wollen, zu empfehlen, sondern jedem kinderliebenden Menschen. Das Buch ist eine liebevolle Kleinmalerei, reich an Humor und Gemüt, ja ich möchte fast behaupten, mit so recht mütterlichem Verständnis geschrieben.«
»Vossische Zeitung«, Berlin.
Ottokar Tann-Bergler, Seine Majestät das Kind
Kleine Geschichten von unseren Kleinen. Brosch. M. 3.,–, geb. M. 4.–.
»Eine Sammlung echter Wiener Skizzen, Kindergeschichten, die und zu Thränen lachen machen, aber auch zu Thränen rühren ..... Wer Freude an Kindern hat, dem wird das Buch lieb werden.«
»Züricher Post«.
»Die Sammlung enthält so viel Herzerfreuendes, daß sie zweifellos alle Kinderfreunde willkommen heißen werden.«
»Linzer Tagespost«.
Elsa d'Esterre-Keeling, Der Philosoph im Steckkissen
Autorisierte deutsche Ausgabe übersetzt vonWalter Heichen. Brosch. M. 3.–, geb. M. 4–.
»Dieses reizend schalkhafte Buch wird sicher jedes junge Elternpaar ganz außerordentlich erfreuen. Es ist eine außerordentlich geistvolle Ironisierung der mancherlei Schwächen und Thorheiten, welche mehr oder weniger von allen Eltern teils gegen das Kind, teils unter sich in Gegenwart des Kindes begangen werden ....«
Internationale Litteraturberichte, Leipzig.
Frances Hogdson Burnett, Der kleine Lord
Aus dem Englischen vonPaul Seliger. Illustriert vonS. v. Sallwürk. Preis M. 3.–.
Paul Herman Hartwig, Schnockelchen
Kindergeschichten. Brosch. M. 1.–, geb. M. 2.–.
Einer gesunden Reform desEhe- und Geschlechtslebensder Gegenwart sind folgende Werke gewidmet:
Wenn die Menschen reif zur Liebe werden.
VonEdward Carpenter. Einzig autorisierte deutsche Ausgabe. Aus dem Englischen übersetzt und eingeleitet vonKarl Federn. Brosch. M. 3.–, geb. M. 4.–.
Während unsere moderne Erziehung meist mit einer scheuen Verschwiegenheit über die Fragen sexueller Natur und ihre heimlichen Abgründe hinwegzuleiten sucht, erörtert der Verfasser, frei von aller Ängstlichkeit und Prüderie, dieses für das Lebensglück jedes Einzelnen und für unsere gesamte Kultur so hochwichtige Problem. Mit dem ruhigen und vorurteilslosen Blick des Naturforschers vereinigt er den idealen Schwung des Propheten und sozialen Reformators. Die unhaltbaren und unreifen Zustände der Gegenwart unterzieht er einer tiefeindringenden Kritik und gewinnt aus ihnen die Fundamente einer neuen, höheren Weltanschauung, welche die Sinne nicht durch Askese und unsinnliches Idealisieren verkrüppeln läßt, sondern der Persönlichkeit ein freies Ausleben aller ihrer Kräfte und Fähigkeiten ermöglicht. »Nicht nur fort sollst Du Dich pflanzen, sondern hinauf«. Dieses Wort Nietzsches könnte man der Schrift als Motto voransetzen. Es ist eins von jenen Büchern, durch das der warme Hauch des Lebens weht, ein Grund- und Eckstein von jenem großen Bau der Zukunft, an welchem wir mitzuarbeiten alle berufen sind.
Das Geschlechtsleben in der deutschen Vergangenheit
VonMax Bauer. Brosch. M. 4.–, geb. M. 5.50.
Auf ein reiches und gewissenhaft geprüftes Quellenmaterial gestützt, entwirft der Verfasser ein anschauliches Bild von den sexuellen Lebensgewohnheiten und Sitten unserer Vorfahren. Die naive Derbheit und Sinnlichkeit des mittelalterlichen Menschen mit ihren oft grotesken Äußerungen der Lebensbejahung ist hier ebenso anziehend wie historisch treu wiedergegeben. Keine Seite des geschlechtlichen Lebens, des legitimen, wie des illegitimen, bleibt unaufgehellt. Die Schrift bietet nicht nur dem Kulturhistoriker von Fach viel Interessantes, sondern ist, trotz ihres wissenschaftlichen Charakters, auch für jeden Laien lesenswert.
Schriften und Gegenschriften zur »Vera«-Frage.
Vera, Eine für Viele!Aus dem Tagebuche eines Mädchens. 15. Auflage. M. 2.–.
Christine Thaler, Eine Mutter für viele.Ein Brief an die Verfasserin von »Vera, Eine für Viele«. 3. Auflage. M. 1.–.
Auch jemand: Eine für sich selbst.Brief an die Verfasserin von »Eine Mutter für viele«. M. 1.–. 3. Auflage.
Verus, Einer für Viele.Aus dem Tagebuche eines Mannes. M. 2.–.
E... E..., Einer für Viele.M. 1.–.
Felix Ebner, Meine Bekehrung zur Reinheit.Aus dem Leben eines Junggesellen. M. 2.–.
Gerda Schmidt-Hansen, Eine für Vera.Aus dem Tagebuche einer jungen Frau. M. 2.–.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes.
Nicht nur denen, die Wert auf außerordentlich spannende Lektüre legen, sondern auch insbesondere für alle diejenigen, welche für die gerade in unseren Tagen soviel besprochenen Themata desSpiritismus, derSuggestion, derGebetsheilung, derSeelenwanderungetc. Interesse haben, seien die folgenden belletristischen Novitäten auf das Angelegentlichste empfohlen:
Victor Blüthgen, Die Spiritisten.Roman. Preis brosch. M. 3,–, geb. M. 4,–.
»In seinem neuen Roman »Die Spiritisten« zeichnet Victor Blüthgen mit jener Mischung von köstlichem Humor und herzwarmem Ernst, der ihm eigen ist, einen Kreis von interessanten Personen, die sich in den Spiritismus vertiefen und schildert sie in den verschiedensten Stellungnahmen zum spiritistischen Problem. Besonders sind die Abschnitte, in denen Blüthgen den Wahn einer Befruchtung aus der vierten Dimension darstellt, von aktuellstem Reiz. Dem Dichter standen die weitgehendsten praktischen Studien auf dem problematischen Gebiet zur Verfügung. In den Tagen des Prozesses einer Anna Rothe, unter den Sensationen der Gebetsheilung dürfte sich ein solches Werk des allgemeinen Interesses erfreuen.«
Berliner Börsenzeitung.
C. Eysell-Kilburger(Frau Victor Blüthgen),Klänge aus einem Jenseits. Ein Mysterium. Preis brosch. M. 3,–, geb. 4,–.
Dilettanten des Lasters.Roman. Preis brosch. M. 3,–, geb. M. 4,–.
Der Roman, ein Beitrag zur Frauenfrage, spielt in einem kleinen Kreise jener auf geistigem Gebiete erwerbenden Mädchen, die Berlin an sich zieht: Musikerinnen, Malerinnen, Kunstgewerblerinnen, Schriftstellerinnen, die statt auf den Mann zu warten, ihr Schicksal in Ringen und Entbehren selbst in die Hand nehmen. Stolz auf ihre Selbständigkeit, geben sie vor, den Mann entbehren zu können, während sie innerlich mit allen Fibern nach ihm verlangen, weniger aus Temperament, als aus der großen Mädchenneugierde heraus. Sie kokettieren mit der Bohême, machen sich deren Allüren zu eigen, aber sie sind zu anständig, um über heimliche Wünsche, allenfalls Naschen und Nippen hinauszukommen, sind nichts weiter alsDilettanten des Lasters. Und eine und die andere wagt doch einmal zu viel, man beneidet sie und ergreift mit Feuer ihre Partei. Gerade die Heldin, die Vornehmste, innerlich Keuscheste unter allen wagt den letzten, gefährlichen Schritt, wird zum Opfer und bringt es doch nicht fertig, konsequent zu bleiben. Der ganze Roman bietet auch in der Handlung ein aufgegriffenes Stück Leben von ergreifendem Ausklang.
Brünner Morgenpost.
Bertha Saturny, Sein Wille.Eine Erzählung im Zeitalter der Suggestion. Preis brosch. M. 2,50, geb. M. 3,50.
Henry Wenden, Die Tote.Eine Artistengeschichte. Preis brosch. M. 2,50, geb. M. 3,50.
Dr. med.Fritz Köhler, Die Gebetsheilung.Eine psychologisch-naturwissenschaftliche Studie. Preis M. 1,–.
Herman Frank, Das Abendland und das Morgenland.Eine Zwischenreich-Betrachtung. Preis M. 2,50.
A. N. Apuchtin, Vom Tod zum Leben.Geschichte einer Seelenwanderung. Preis M. 2.–.
Die Vaclavbude
Ein Prager Studentenroman vonKarl Hans Strobl.
2. Auflage. Brosch. M. 3.–, geb. M. 4.–. 2. Tausend.
»Nach der süßlichen Romantik »Alt-Heidelbergs« wirkt ein so gesundes Buch wie das vorliegende doppelt wohltuend. Strobl schildert in seinem Studentenroman die letzten Tage der sturmbewegten Zeit unter dem Ministerpräsidenten Badeni. Plötzlich fühlt man sich in jene Zeit zurückversetzt und lebt den Prager Rummel bis zur Verhängung des Ausnahmezustandes mit ... Die Schrecken dieser wenigen Wochen sind von dem Autor mit einer solchen Anschaulichkeit geschildert, daß es einem an mancher Stelle den Atem verschlägt.«
»Deutsche Zeitung«, Wien.
»Ein prächtiger Haß, eine lobenswerte Wut gegen die konventionellen Ausdrucksformeln ist hier in einer Weise zu Tage getreten, die in ihrer ganzen Bedeutung freilich nur der Selbstschaffende wird entsprechend würdigen können, der am besten weiß, wie viel fertige Phrasen an einen herandrängen, setzt man nur die Feder ans Papier.«
»Mährisch-schles. Korrespondent«.
»Strobls Erzählung, deren schlichte Helden ein paar Prager Burschenschafter sind, schildert mit großer dichterischer Kraft und Anschaulichkeit, die stellenweise an das Packendste, was Zola geschrieben hat, erinnert, Stimmungen und Vorgänge in den blutigen Prager Dezembertagen nach dem Sturz des Ministeriums Badeni, ohne dabei viel von Politik zu reden.«
»Vossische Zeitung«, Berlin.
Die Blauen
Eine humoristische Geschichte aus dem modernen Kunstleben
VonPaul von Schönthan.
2. Auflage. Brosch. M. 2.50, geb. M. 3.50. 2. Auflage.
»Die bekannte glückliche Feder des beliebten Wiener Autors muß man auch an diesem Kabinetstücke der humoristischen Litteratur bewundern. Er schildert die Tragikomödie eines Mannes, der mit seinen Talenten zwischen der Sezession und der konservativen Kunstgenossenschaft schwankt, in den Strudel des mondänen Kunstkultus gezogen wird und in die Gefahr kommt, allerlei violetten Beeinflussungen stilisierter Damen und Snobs zu unterliegen. Zum Glück reißt ihn sein gesundes und im Grunde tüchtiges Naturell aus diesem verworrenen Treiben. Er malt statt blauer Symphonien wieder solide Bilder und heiratet eine brave Beamtentochter, statt sich von hysterischen Kommerzienratstöchtern als Kunstpriester verhimmeln zu lassen. Die Figuren stehen über dem Wiener Künstlerleben wie auf goldenem Grunde. Als besonders interessant dürfte es noch empfunden werden, daß zu der Zeichnung von einzelnen jener Figuren litterarische Persönlichkeiten, deren sensationelle Publikationen besonders den Wiener Boden stark aufregten, ihre Züge geliehen haben. Ganz abgesehen von seinem sensationellen Charakter dürfte dieser Roman schon darum das Interesse weitester Kreise erregen, weil Paul von Schönthan nicht nur spannend zu erzählen, sondern auch amüsant zu plaudern und humoristisch zu schildern versteht, wie nur wenige seiner schriftstellernden Kollegen.«
»Hamburgischer Correspondent«
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
Darstellung abweichender Schriftarten:gesperrt,Antiqua,fett.
Der Titel "Dr." ist im Original in Antiqua gesetzt; auf eine Kennzeichnung wurde hier ausnahmsweise verzichtet, um den Lesefluss nicht zu hemmen.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Brunnhofer Seppl" – "Brunnhofer-Seppl", "nicht wahr" – "nichtwahr", "todmüde" – "totmüde", "verleumdet" – "verläumdet",
mit folgenden Ausnahmen,
Seite13:".." geändert in "..."(am Orinoko oder Maranon Pflanzer geworden ...)
Seite126:".." geändert in "..."(im Ernst behauptete sie, Elmenreich sei ein Weiberfeind ...)
Seite184:":" eingefügt(Elmenreich: »Mna!«)
Seite220:".." geändert in "..."(göttlich überlegen über Tod und Leben ...)