12. Kapitel.Die Organisation des Staatswesens beim Ausgang der Jagiellonen.

Um zu den staatlichen Reformen zurückzukehren, so wurde am wirkungsvollsten noch die Güterexekution durchgeführt, durch denExekutionsreichstagvon 1562, obwohl an1562eine allgemeine Zurückgewinnung der zu Unrecht besessenen Güter nicht gedacht werden darf.

Mehrere Reichstage, zuletzt der von Petrikau 1567, beschäftigten sich mit der Exekution. Es wurde festgesetzt, daß drei Viertel der Einnahmen für die Hofhaltung und Verwaltung, ein Viertel für ein stehendes Heer, das sogenannte „Viertelsheer” (Kwarciane wojsko), verwendet werden sollten. Als man zu Ende war, hatte man zwar eine beträchtliche Anzahl von Magnatenbesitzungen verkleinert, also demokratisierend gewirkt, aber doch nicht so viel erreicht, daß ein nur irgend nennenswertes Heer unterhalten werden konnte. Das Viertel mußte daher späterhin verdoppelt werden. Von diesen Exekutionen her tritt auch das „Brot der verdienten Leute” (panis bene merentium) auf, Güter, die der König verdienten Männern gegen einen sehr niedrigbemessenen Zins zu lebenslänglicher Nutzung verlieh, wodurch der Wirtschaftsstand dieser Güter selbstverständlich nicht verbessert wurde.1565 kam in Petrikau diekirchliche Gerichtsbarkeitan1565die Reihe. Man ließ sie zwar bestehen, entzog ihr aber die Unterstützung der weltlichen Gewalt, nachdem schon 1562 ein1562Toleranzediktmit ähnlichen Bestimmungen ergangen war.Die Reform des Heeres, der Verwaltung und Gerichtsbarkeit blieb unerledigt, da der Adel über das Fehlschlagen der kirchlichen Hoffnungen erbittert war. Dafür wurden aber, gleichfalls 1565, diewirtschaftlichen „Reformen”in Angriff genommen, indem nämlich die Städte zugunsten des Adels schwer geschädigt wurden. (Die Bauern waren zur Zufriedenheit der Szlachta bereits genügend „reformiert” worden!) Man gab nämlich die Ausfuhr von Rohstoffen und die Einfuhr von Fabrikaten frei, verbot aber die Ausfuhr der letzteren. Das war der letzte, vernichtende Schlag, der die Städte traf und der ihren Niedergang noch weiter beschleunigte. Denn man untergrub ihnen die Grundlage ihres Wohlstandes und ihrer Fähigkeit, all die Lasten zu tragen: Handel und Gewerbe. Ist es ein Zufall, daß gerade 1565 zu Neujahr der polnische Stadtschreiber von Kosten, das um 1400 noch völlig deutsch war, eintragen konnte: „Ad annum Dom. 1565 lingua Polonica feliciter incipit”? Der Weg vom Deutschen über das Lateinische zum Polnischen war in den Städten vollendet....

Mehrere Reichstage, zuletzt der von Petrikau 1567, beschäftigten sich mit der Exekution. Es wurde festgesetzt, daß drei Viertel der Einnahmen für die Hofhaltung und Verwaltung, ein Viertel für ein stehendes Heer, das sogenannte „Viertelsheer” (Kwarciane wojsko), verwendet werden sollten. Als man zu Ende war, hatte man zwar eine beträchtliche Anzahl von Magnatenbesitzungen verkleinert, also demokratisierend gewirkt, aber doch nicht so viel erreicht, daß ein nur irgend nennenswertes Heer unterhalten werden konnte. Das Viertel mußte daher späterhin verdoppelt werden. Von diesen Exekutionen her tritt auch das „Brot der verdienten Leute” (panis bene merentium) auf, Güter, die der König verdienten Männern gegen einen sehr niedrigbemessenen Zins zu lebenslänglicher Nutzung verlieh, wodurch der Wirtschaftsstand dieser Güter selbstverständlich nicht verbessert wurde.

1565 kam in Petrikau diekirchliche Gerichtsbarkeitan1565die Reihe. Man ließ sie zwar bestehen, entzog ihr aber die Unterstützung der weltlichen Gewalt, nachdem schon 1562 ein1562Toleranzediktmit ähnlichen Bestimmungen ergangen war.

Die Reform des Heeres, der Verwaltung und Gerichtsbarkeit blieb unerledigt, da der Adel über das Fehlschlagen der kirchlichen Hoffnungen erbittert war. Dafür wurden aber, gleichfalls 1565, diewirtschaftlichen „Reformen”in Angriff genommen, indem nämlich die Städte zugunsten des Adels schwer geschädigt wurden. (Die Bauern waren zur Zufriedenheit der Szlachta bereits genügend „reformiert” worden!) Man gab nämlich die Ausfuhr von Rohstoffen und die Einfuhr von Fabrikaten frei, verbot aber die Ausfuhr der letzteren. Das war der letzte, vernichtende Schlag, der die Städte traf und der ihren Niedergang noch weiter beschleunigte. Denn man untergrub ihnen die Grundlage ihres Wohlstandes und ihrer Fähigkeit, all die Lasten zu tragen: Handel und Gewerbe. Ist es ein Zufall, daß gerade 1565 zu Neujahr der polnische Stadtschreiber von Kosten, das um 1400 noch völlig deutsch war, eintragen konnte: „Ad annum Dom. 1565 lingua Polonica feliciter incipit”? Der Weg vom Deutschen über das Lateinische zum Polnischen war in den Städten vollendet....

Der letzte Punkt des Reformprojektes, die engere Vereinigung der einzelnen Landesteile, fand seine Erledigung durch die berühmte„Union” von Lublin, 1569, die1569eigentlich gar keine Union mehr, sondern eine Einverleibung ist, und die auf Seiten der nichtpolnischen Kontrahenten gar nicht so freiwillig war, wie die Polen es darzustellen liebten.

Die Litauer waren zu dem Unionsreichstag — vier Reichstage hatten sich bereits vergeblich mit der Frage befaßt — in ablehnender Gesinnung gekommen. Der König, dem um des Kampfes gegen Moskau willen viel an der Einigung gelegen war, hatte bereits auf sein Erbrecht in Litauen verzichtet und den großfürstlichen Stuhl unter das Wahlrecht gestellt, um auch dieses formelle Hindernis ausdem Wege zu räumen. Aber die Litauer brachen die Verhandlungen ab und entfernten sich. Da beschloß man, die Union „in contumaciam” einzuführen, d. h. Litauen ungefragt einzuverleiben, nötigenfalls durch einen Krieg. Die Abgeordneten von Podlasie, Wolynien und Kijew hatten sich ohnehin mit den Nordlitauern nicht einverstanden erklärt und um Einverleibung in die Krone gebeten, die ihnen auch gewährt wurde. Sie behielten ihre Selbstverwaltung, das litauische Statut, Wahrung der ruthenischen Sprache und erhielten Gleichstellung des Adels, auch des orthodoxen, mit dem polnischen: „Die Freien mit den Freien, die Gleichen mit den Gleichen”, wie es hieß. Nun besannen sich auch die litauischen Magnaten, die ohnehin zu Hause den auf die demokratisch regierten Polen neidischen Kleinadel zu fürchten hatten. Am 1. Juli 1569 wurde die Union ausgerufen, unter Tränen der Abgeordneten, wie gemeldet wird. Auf polnischer Seite waren es Freudentränen, auf litauischer Tränen des Schmerzes und der Wut, denn der Vertrag bestimmte: 1. Polen und Litauen bilden einen, unteilbaren „Leichnam”, 2. sie haben einen gemeinsamen König, den sie auf einem gemeinsamen Wahlreichstage wählen und gemeinsam in Krakau krönen, 3. die Reichstage sind gemeinsam, 4. die Münze ist gemeinsam, 5. die Ansiedlung in allen Landesteilen steht frei, 6. Wolynien, Kijew und Podlasie gehören zu Polen. Der einzige Rest der alten Unabhängigkeit war, daß Litauen eigene Verwaltung, eigenes Finanzwesen und sein eigenes Heer behielt.

Schließlich wurde auch das widerstrebende Preußen unter ähnlichen Bedingungen in die Union aufgenommen. (Nur Danzig wußte sich 1570 eine eigene Konstitution zu erringen.) Livland sollte Polen und Litauen gemeinsam gehören. Als Ort der Reichstage wurde Warschau bestimmt, das infolgedessen auch Residenz des Königs wurde.

So war der Staat geeinigt. Die Schwäche, die man durch die Reformen beseitigen wollte, blieb allerdings bestehen, denn sie war nicht im Partikularismus der Länder, sondern in der Ohnmacht der Krone begründet. Diese zu heilen aber lag nicht in der Absicht der Szlachta.

Es konnte nicht ausbleiben, daß Polen auch inkultureller Beziehungim Zeitalter der Reformation und der staatlichen Reformversuche in eine lebhafte Bewegung geriet. Unter den beiden letzten Jagiellonen lebten die lateinischen Dichter Andreas Krzycki (Erzbischof von Gnesen aus dem deutschen Hause Kottwitz, † 1537), Clemens Janicki († 1543), Johannes Dantiscus († 1548), lebte der dem Protestantismus zugetane erste polnische DichterNikolaus Rej von Naglowic(† 1569) und sein großer Nachfolger, der Posener Domherr Johann Kochanowski († 1584). Der Preuße Nikolaus Koppernigk, Domherr zu Frauenburg in Ermland († 1543), ließ sein unsterbliches Werk „De revolutionibus orbium terrestrium” erscheinen. (Als Pole wird er von polnischen Chauvinisten ganz mit Unrecht in Anspruch genommen.) Joseph Strauß († 1568), der Leibarzt Siegmund Augusts, leistete der Medizin durch seine Theorie über den Puls einen wichtigen Dienst. Matthias Miechowita († 1523), der objektiv berichtende Leibarzt Siegmunds, schrieb eine wichtige Chronik, die zensuriert und in entstellter Auflage nochmals herausgegeben wurde. Justus Ludovicus Decius († 1545), Bernhard Wapowski († 1535), Martin Bielski († 1575), der zuerst Geschichte polnisch schrieb, der Kanzler Martin Kromer († 1589) sind wichtige Quellen der Geschichtschreibung. Jakob Przyłuski († 1553) kommentierte das Recht und schrieb über die Reformpläne. Auch Simon Maricius Czystochlebski († nach 1569), Stanisław Orzechowski († 1566) und der schon erwähnte Friccius sind als sozialwissenschaftliche Schriftsteller zu nennen.

Es konnte nicht ausbleiben, daß Polen auch inkultureller Beziehungim Zeitalter der Reformation und der staatlichen Reformversuche in eine lebhafte Bewegung geriet. Unter den beiden letzten Jagiellonen lebten die lateinischen Dichter Andreas Krzycki (Erzbischof von Gnesen aus dem deutschen Hause Kottwitz, † 1537), Clemens Janicki († 1543), Johannes Dantiscus († 1548), lebte der dem Protestantismus zugetane erste polnische DichterNikolaus Rej von Naglowic(† 1569) und sein großer Nachfolger, der Posener Domherr Johann Kochanowski († 1584). Der Preuße Nikolaus Koppernigk, Domherr zu Frauenburg in Ermland († 1543), ließ sein unsterbliches Werk „De revolutionibus orbium terrestrium” erscheinen. (Als Pole wird er von polnischen Chauvinisten ganz mit Unrecht in Anspruch genommen.) Joseph Strauß († 1568), der Leibarzt Siegmund Augusts, leistete der Medizin durch seine Theorie über den Puls einen wichtigen Dienst. Matthias Miechowita († 1523), der objektiv berichtende Leibarzt Siegmunds, schrieb eine wichtige Chronik, die zensuriert und in entstellter Auflage nochmals herausgegeben wurde. Justus Ludovicus Decius († 1545), Bernhard Wapowski († 1535), Martin Bielski († 1575), der zuerst Geschichte polnisch schrieb, der Kanzler Martin Kromer († 1589) sind wichtige Quellen der Geschichtschreibung. Jakob Przyłuski († 1553) kommentierte das Recht und schrieb über die Reformpläne. Auch Simon Maricius Czystochlebski († nach 1569), Stanisław Orzechowski († 1566) und der schon erwähnte Friccius sind als sozialwissenschaftliche Schriftsteller zu nennen.

Da dieOrganisation des Staatesin der 1569 erlangten Form im wesentlichen bis zu seiner Auflösung bestehen blieb, so ist es notwendig, nochmals einen Blick darauf zu werfen.

Der Staat zerfiel staatsrechtlich in zwei Reiche, Polen und Litauen, und zwei Lehensfürstentümer, Preußen und Kurland. Verwaltungsrechtlich zerfiel er in drei Provinzen: 1. Großpolen mit zwölf Wojewodschaften, zu denen auch die masowischen und preußischen gerechnet wurden, 2. Kleinpolen mit elf Wojewodschaften, zu denen die kleinrussischen gehörten, und 3. Litauen mit elf Wojewodschaften, zu denen auch Livland gezogen wurde.

Die ausführende Gewalt lag rechtlich in der Hand des Königs, tatsächlich aber in der Hand der Beamten. Die Behörden zerfielen in drei Kategorien: 1. senatorische Ämter, 2. Hofämter, 3. Landschaftsämter. Sie wurden auf Lebenszeit verliehen und ihre Inhaber, sogar die Minister, waren nur dem Reichstage verantwortlich.

I.ZumSenatgehörten außer den Bischöfen die Wojewoden und die Kastellane, kraft Amtes auch die königlichen Minister.Letztere waren: 1. Der Großmarschall der Krone und der von Litauen, die ersten Würdenträger des Staates, die für die Sicherheit des Königs und für die Hofhaltung zu sorgen hatten. Ihnen standen zwei Hofmarschälle zur Seite. 2. Die beiden Großkanzler, Bewahrer der großen Staatssiegel und Vorsteher der königlichen Kanzlei, zugleich auch Minister für auswärtige Angelegenheiten. Ihre Stellvertreter waren die beiden Unterkanzler, zugleich Bewahrer der kleinen Staatssiegel. 3. Die beiden Großschatzmeister, Finanzminister, deren Stellvertreter die Hofschatzmeister waren. Die Hofschatzmeister erhielten Ministerrang und senatorische Würde jedoch erst 1775, kurz vor der Auflösung des Staates. 4. Seit 1768 auch die Hetmane (siehe unten).Den Wojewoden, in jeder Wojewodschaft einem, war die Führung des allgemeinen Aufgebotes in ihrer Wojewodschaft, die Aufsicht über die Märkte und die Judengerichtsbarkeit geblieben, denKastellanen, deren Zahl in jeder Wojewodschaft verschieden war, die Führung des allgemeinen Aufgebots ihrer Bezirke. Alle anderen Funktionen waren, wie wir gesehen haben, auf die Starosten übergegangen.

I.ZumSenatgehörten außer den Bischöfen die Wojewoden und die Kastellane, kraft Amtes auch die königlichen Minister.

Letztere waren: 1. Der Großmarschall der Krone und der von Litauen, die ersten Würdenträger des Staates, die für die Sicherheit des Königs und für die Hofhaltung zu sorgen hatten. Ihnen standen zwei Hofmarschälle zur Seite. 2. Die beiden Großkanzler, Bewahrer der großen Staatssiegel und Vorsteher der königlichen Kanzlei, zugleich auch Minister für auswärtige Angelegenheiten. Ihre Stellvertreter waren die beiden Unterkanzler, zugleich Bewahrer der kleinen Staatssiegel. 3. Die beiden Großschatzmeister, Finanzminister, deren Stellvertreter die Hofschatzmeister waren. Die Hofschatzmeister erhielten Ministerrang und senatorische Würde jedoch erst 1775, kurz vor der Auflösung des Staates. 4. Seit 1768 auch die Hetmane (siehe unten).

Den Wojewoden, in jeder Wojewodschaft einem, war die Führung des allgemeinen Aufgebotes in ihrer Wojewodschaft, die Aufsicht über die Märkte und die Judengerichtsbarkeit geblieben, denKastellanen, deren Zahl in jeder Wojewodschaft verschieden war, die Führung des allgemeinen Aufgebots ihrer Bezirke. Alle anderen Funktionen waren, wie wir gesehen haben, auf die Starosten übergegangen.

II.Aus der Zahl derHofämtersind hervorzuheben: 1. die beiden Großsekretäre, fast immer geistlichen Standes, die ersten Hofbeamten, den Kanzlern in ihren Funktionen verwandt, sie auch zeitweise vertretend; 2. die vier Referendare, in jedem Lande je einer geistlichen und je einer weltlichen Standes, die Beschwerden und Bitten entgegenzunehmen und dem Könige vorzutragen hatten; 3. die beiden Kronhetmane und die beiden Feldhetmane, die Feldherren des Reiches, erst unter Kasimir Jagiellończyk eingeführt, während bis dahin die Kanzler zugleich Feldherren waren; 4. die Hofschatzmeister (siehe oben); 5. der Kronkämmerer und der litauische Kämmerer, Vorsteher der königlichen Wohnung; 6. dann die übrigen Hofwürdenträger, der Großbannerträger, Schwertträger, Stallmeister, Küchenmeister usw., die nur bei Hoffestlichkeiten in Funktion traten, und 7. die Militärbeamten, wie der Feldschreiber, seit 1637 der Artilleriegeneral und andere.III.DieLandschaftsämterwaren, wie wir aus der Entwicklung bereits wissen, fast durchweg zu reinen Titularämtern geworden. Doch wurden zu ihnen auch die Burggerichtsstarosten gezählt, von denen einige sogar mehrere Wojewodschaften unter ihrer Gerichtsbarkeit hatten, weswegen sie Generalstarosten hießen: die Generalstarosten von Großpolen und Podolien, später auch von Krakau. Daneben gab es noch andere Starosten, die nur Pächter der Krongüter waren. Neben den Burgstarosten hatten noch der Landrichter, der Instruktionsrichter (podsędek) und der Landschreiber sowie der erste landschaftliche Würdenträger, der Kämmerer, ritterliche Funktionen.

II.Aus der Zahl derHofämtersind hervorzuheben: 1. die beiden Großsekretäre, fast immer geistlichen Standes, die ersten Hofbeamten, den Kanzlern in ihren Funktionen verwandt, sie auch zeitweise vertretend; 2. die vier Referendare, in jedem Lande je einer geistlichen und je einer weltlichen Standes, die Beschwerden und Bitten entgegenzunehmen und dem Könige vorzutragen hatten; 3. die beiden Kronhetmane und die beiden Feldhetmane, die Feldherren des Reiches, erst unter Kasimir Jagiellończyk eingeführt, während bis dahin die Kanzler zugleich Feldherren waren; 4. die Hofschatzmeister (siehe oben); 5. der Kronkämmerer und der litauische Kämmerer, Vorsteher der königlichen Wohnung; 6. dann die übrigen Hofwürdenträger, der Großbannerträger, Schwertträger, Stallmeister, Küchenmeister usw., die nur bei Hoffestlichkeiten in Funktion traten, und 7. die Militärbeamten, wie der Feldschreiber, seit 1637 der Artilleriegeneral und andere.

III.DieLandschaftsämterwaren, wie wir aus der Entwicklung bereits wissen, fast durchweg zu reinen Titularämtern geworden. Doch wurden zu ihnen auch die Burggerichtsstarosten gezählt, von denen einige sogar mehrere Wojewodschaften unter ihrer Gerichtsbarkeit hatten, weswegen sie Generalstarosten hießen: die Generalstarosten von Großpolen und Podolien, später auch von Krakau. Daneben gab es noch andere Starosten, die nur Pächter der Krongüter waren. Neben den Burgstarosten hatten noch der Landrichter, der Instruktionsrichter (podsędek) und der Landschreiber sowie der erste landschaftliche Würdenträger, der Kämmerer, ritterliche Funktionen.

Auch dieRechtspflegehatte ihre Umwandlung vollendet, wenngleich nicht im Sinne der für die Staatsreform aufgestellten Forderungen. An Stelle der allen Thinggerichte (wiece) war eine Anzahl abgestufter kollegialer Gerichte getreten, und zwar:

1. Als unterste Gerichte dieBurggerichte(Grodgerichte) und dieLand-Adelsgerichte(ziemstwo). Dem Grodgericht stand der Burgstarost vor mit Vizeburgrichtern (podstarości), Notaren (rejent) usw. Es hatte vor allem Kriminalsachen, daneben aber auch Zivilsachen abzuurteilen. Die Land-Adelsgerichte bestanden aus dem Landrichter, demInstruktionsrichter und dem Schreiber. Ihnen fielen namentlich die Rechtsangelegenheiten der Adelsgüter zu. Bei beiden Gerichten wurden Gerichtsbücher geführt, in die nicht nur Verträge eingetragen wurden, sondern auch öffentliche Akte, wie Reichs- und Landtagsbeschlüsse, Konföderationen, Proteste der Abgeordneten usw., die durch diese Eintragung die Kraft eines Rechtsdokuments erhielten. Hierdurch sind die Grodbücher und Ziemstwobücher eine wichtige Quelle für die innere Geschichte Polens geworden.

2. DasAssessorengerichtunter dem Kanzler mit den Referendaren, königlichen Sekretären und Notaren diente als höchste Instanz in städtischen Angelegenheiten und als Appellationsgericht von den Obergerichten des deutschen Rechts.

3. DasRelationsgerichtunter dem König mit den Ministern und Senatoren urteilte die Sachen ab, die das Assessorengericht nicht zum Austrag brachte oder die der König sich vorbehalten hatte.

4. DasReichstagsgericht, der Ersatz deswiec, tagte während des Reichstages unter dem König und den Senatoren, seit 1588 verstärkt durch vom Reichstagsmarschall ernannte Landboten, als Oberinstanz für Zivilangelegenheiten, als Gericht für politische Verbrechen und für Dinge, die an Ehre oder Leben eines Edelmannes gingen. Stephan Báthory setzte an seine Stelle für Zivilangelegenheiten die Obertribunale für Polen und für Litauen.

5. DasMarschallgerichtunter den Groß- oder Hofmarschällen und Würdenträgern hatte am Aufenthaltsort des Königs über Vergehen wider die königliche Person oder die öffentliche Sicherheit mit dem Recht über Leben und Tod und sofortiger Vollstreckbarkeit des Urteils zu richten.Das Prozeßverfahren war nicht genau festgelegt, sondern beruhte auf Gewohnheit. Für den Adel gab es Todesstrafe nur bei Verbrechen gegen König und Vaterland, sonst gewöhnlichGeldstrafe. Für die nichtadligen Stände bestand die Tortur. Die Ausführung der Urteile war dem Burgstarosten übertragen. Für das Zivilverfahren wurden Gebühren erhoben, die teils in die Staatskasse flossen, teils den Richtern zukamen.

5. DasMarschallgerichtunter den Groß- oder Hofmarschällen und Würdenträgern hatte am Aufenthaltsort des Königs über Vergehen wider die königliche Person oder die öffentliche Sicherheit mit dem Recht über Leben und Tod und sofortiger Vollstreckbarkeit des Urteils zu richten.

Das Prozeßverfahren war nicht genau festgelegt, sondern beruhte auf Gewohnheit. Für den Adel gab es Todesstrafe nur bei Verbrechen gegen König und Vaterland, sonst gewöhnlichGeldstrafe. Für die nichtadligen Stände bestand die Tortur. Die Ausführung der Urteile war dem Burgstarosten übertragen. Für das Zivilverfahren wurden Gebühren erhoben, die teils in die Staatskasse flossen, teils den Richtern zukamen.

Auch imHeerwesenwar die Reform bekanntlich nicht gelungen. Dasallgemeine Aufgebot(pospolite ruszenie) aller grundbesitzenden Edelleute bestand weiter. Es betrug im 17. Jahrhundert über 300 000 Mann, die alle fünf Jahre durch Lustration festgestellt wurden. Aus uns sattsam bekannten Gründen erfolgte die Aufbietung, die der König nur gemeinsam mit dem Reichstag vornehmen konnte, so selten als möglich. Daneben bestand die Wehrkraft des Landes aus dem stehenden Viertelheer, aus für besondere Zwecke für bestimmte Zeiten angenommenen Soldtruppen, aus den Kontingenten der beiden Lehensfürstentümer, aus den Hoftruppen und den Bannern der Magnaten und Bischöfe, die oft Tausende von Truppen als stehende Leibwache hielten. Der Dienst geschah überwiegend zu Pferde, erst Stephan Báthory führte das Fußvolk ein. Man unterschied Schwerbewaffnete (Husaren und Panzerreiter) und Leichtbewaffnete (Janitscharen, Ulanen, Dragoner).

Eine besondere militärische Organisation bildeten dieKosakenin der Ukraine am unteren Dnjestr, Bug und Dnjepr, von denen später im Zusammenhange die Rede sein wird.

Eine besondere militärische Organisation bildeten dieKosakenin der Ukraine am unteren Dnjestr, Bug und Dnjepr, von denen später im Zusammenhange die Rede sein wird.

DieStaatseinkünftewaren sehr beschränkt, da ja auch die Reform des Finanzwesens mißlungen war. Sie bestanden außer den Einkünften der königlichen Güter noch aus der Grundsteuer von zwei Groschen von der Hufe, den Abgaben der Städte, der Judensteuer, den Einnahmen aus Bergwerken, Salinen und der Münze, und dem erst 1717 in eine feste Steuer umgewandelten freiwilligen „subsidium charitativum” der abgabenfreien Geistlichkeit. Wo diese Einnahmen nicht reichten, da mußte der König sich vom Reichstage für besondere Zwecke erst Sondersteuern bewilligen lassen.

DerReichstagbestand aus dem Senat und der Landbotenkammer. Er wurde mit Gebet und Predigt eröffnet. Darauf wählten die Landboten den Reichstagsmarschall und nahmen die Wahlprüfungen vor. Alsdann vereinigten sich beide Kammern zum Handkuß beim König, und der Kanzler trug die Vorschläge der Regierung vor, die Gegenstand der Beratung sein sollten. Diese Gegenstände wurden von jeder Körperschaft gesondert beraten, vom Senat unter Vorsitz des Königs, von der Landbotenkammer unter Vorsitz des Reichstagsmarschalls. Durch Deputationen wurde der Verkehr zwischen beiden hergestellt, nach Bedarf auch gemeinsam beraten. Zur Gültigkeit der Beschlüsse war „communis consensus” sowohl des Senats mit der Landbotenkammer, als auch in dieser der einzelnen Landschaften erforderlich. Hieraus hat sich das „liberum veto”, die Zerreißung der Reichstage, die Anwendung von Gewalt bei den Abstimmungen entwickelt. Die Feststellung der Übereinstimmung erfolgte durch den König. Den Schluß der Tagung bildete wieder eine gemeinsame Sitzung mit Handkuß beim König.

Es muß hier noch hervorgehoben werden, daß der Sieg des Kleinadels über die Magnaten, wie er in dem Petrikauer Statut zum Ausdruck kam, auf die Dauer doch nur eine scheinbare Demokratisierung der Macht zur Folge hatte. Die wirtschaftliche Stellung der Magnaten war zu stark, als daß sie nicht immer das Übergewicht behalten mußten, besonders in Kleinpolen, Litauen und Kleinrußland. Sie saßen wie souveräne Herren auf ihren Besitztümern, hatten eine vollständige Hofhaltung, zu der zuweilen sogar ärmere Senatoren gehörten, ernährten eine große Zahl von niederen Adligen in ihren Diensten, sei es in der Verwaltung, sei es bei den Leibtruppen. Sie trieben auf eigene Hand Politik, führten nicht nur unter sich, sondern sogar mit den Nachbarmächten Krieg. Im Reichstage stimmten die von ihnen direkt abhängigen oder durch Bestechung und Drohung gewonnenen Landboten natürlich, wie ihnen vorgeschrieben wurde, so daß nicht der Wille der Gesamtheit des Adels, sondern nur der Wille der großen Häuser zum Ausdruckkam. In ihrer Hand, nicht in der Hand des niederen Adels war der König ein Spielball, und eine Änderung hätte nur eintreten können, wenn die Güterexekution vollständig durchgeführt, auch über die Zeit vor dem Jahre 1504 zurück erstrebt worden wäre, so daß die Krone die größte Macht im Lande wurde. Am reichsten waren die kleinrussischen Familien, an ihrer Spitze die Ostrogski, nach ihnen die Sanguszko, Wiśniowiecki, Chodkiewicz, Sapieha, ferner die Lubomirski, Radziwill, Czartoryski, Zborowski, Potocki, Leszczyński, Górka, Zamojski usw.

Es muß hier noch hervorgehoben werden, daß der Sieg des Kleinadels über die Magnaten, wie er in dem Petrikauer Statut zum Ausdruck kam, auf die Dauer doch nur eine scheinbare Demokratisierung der Macht zur Folge hatte. Die wirtschaftliche Stellung der Magnaten war zu stark, als daß sie nicht immer das Übergewicht behalten mußten, besonders in Kleinpolen, Litauen und Kleinrußland. Sie saßen wie souveräne Herren auf ihren Besitztümern, hatten eine vollständige Hofhaltung, zu der zuweilen sogar ärmere Senatoren gehörten, ernährten eine große Zahl von niederen Adligen in ihren Diensten, sei es in der Verwaltung, sei es bei den Leibtruppen. Sie trieben auf eigene Hand Politik, führten nicht nur unter sich, sondern sogar mit den Nachbarmächten Krieg. Im Reichstage stimmten die von ihnen direkt abhängigen oder durch Bestechung und Drohung gewonnenen Landboten natürlich, wie ihnen vorgeschrieben wurde, so daß nicht der Wille der Gesamtheit des Adels, sondern nur der Wille der großen Häuser zum Ausdruckkam. In ihrer Hand, nicht in der Hand des niederen Adels war der König ein Spielball, und eine Änderung hätte nur eintreten können, wenn die Güterexekution vollständig durchgeführt, auch über die Zeit vor dem Jahre 1504 zurück erstrebt worden wäre, so daß die Krone die größte Macht im Lande wurde. Am reichsten waren die kleinrussischen Familien, an ihrer Spitze die Ostrogski, nach ihnen die Sanguszko, Wiśniowiecki, Chodkiewicz, Sapieha, ferner die Lubomirski, Radziwill, Czartoryski, Zborowski, Potocki, Leszczyński, Górka, Zamojski usw.

Die Frage der Nachfolge Siegmund Augusts, der ohne männliche Nachkommenschaft geblieben war, wurde schon zu seinen Lebzeiten erörtert. Der König, der in dritter Ehe wieder eine Habsburgerin geheiratet hatte, neigte dazu, einen Habsburger auf den Thron zu bringen, der Adel war in seiner Mehrheit für Johann Siegmund Zápolya von Siebenbürgen, des Königs Neffen. Aber der Siebenbürger starb 1571, und ein Jahr später folgte ihm der letzte Jagiellone, 52 Jahre alt, ins Grab, ohne daß die Thronfolge geregelt war.1572Außer Ernst, dem Sohn Kaiser MaximiliansII., und Stephan Báthory, dem Nachfolger Zápolyas, tauchten andere Bewerber auf: Heinrich von Valois, der Bruder KarlsIX., König Johann von Schweden, der Schwiegersohn Siegmund Augusts, Verwandte des Piastenhauses. Sogar Iwan der Schreckliche ließ mitteilen, unter welchen Bedingungen er bereit wäre, die Krone anzunehmen. Die Lage war neu, denn obwohl auch die Jagiellonen in Polen Wahlkönige waren, so lagen die Verhältnisse doch anders, da sie unter anderen Umständen auf den Thron gekommen und, weil in Litauen erblich, die gegebenen Thronkandidaten waren. Noch nicht einmal eine Wahlordnung war vorhanden.

Die Frage der Nachfolge Siegmund Augusts, der ohne männliche Nachkommenschaft geblieben war, wurde schon zu seinen Lebzeiten erörtert. Der König, der in dritter Ehe wieder eine Habsburgerin geheiratet hatte, neigte dazu, einen Habsburger auf den Thron zu bringen, der Adel war in seiner Mehrheit für Johann Siegmund Zápolya von Siebenbürgen, des Königs Neffen. Aber der Siebenbürger starb 1571, und ein Jahr später folgte ihm der letzte Jagiellone, 52 Jahre alt, ins Grab, ohne daß die Thronfolge geregelt war.1572

Außer Ernst, dem Sohn Kaiser MaximiliansII., und Stephan Báthory, dem Nachfolger Zápolyas, tauchten andere Bewerber auf: Heinrich von Valois, der Bruder KarlsIX., König Johann von Schweden, der Schwiegersohn Siegmund Augusts, Verwandte des Piastenhauses. Sogar Iwan der Schreckliche ließ mitteilen, unter welchen Bedingungen er bereit wäre, die Krone anzunehmen. Die Lage war neu, denn obwohl auch die Jagiellonen in Polen Wahlkönige waren, so lagen die Verhältnisse doch anders, da sie unter anderen Umständen auf den Thron gekommen und, weil in Litauen erblich, die gegebenen Thronkandidaten waren. Noch nicht einmal eine Wahlordnung war vorhanden.

Der kleinpolnische und der großpolnische Adel taten sich sofort inKonföderationenzusammen, um für die öffentliche Sicherheit und die Grenze zu sorgen, eine Erscheinung, die sich von nun ab bei jedem Interregnum wiederholte. Dann entspann sich zwischen den beiden Religionsparteien ein Streit darüber, wer „interrex” sein solle, der Primas oder der Kronmarschall, der gerade damals Protestant war (Johann Firley). Die Großpolen und Katholiken drangen mit ihrer Meinung durch und fortan war immer der Erzbischof von Gnesen als Primas des Reichs „interrex”. Es wurde ferner beschlossen, daß der Wahl ein Konvokationsreichstag in Warschau vorauszugehen habe, und ein Interregnumsgericht (sądy kapturowe) eingesetzt. Auch die Frage der Revision der Rechte wurde erörtert und hierzu eine eigene Kommission eingesetzt.

DerKonvokationsreichstagfand im Januar 15731573in Warschau statt. Er bestätigte die Befugnisse des Primas und bestimmte weiter, daß er den Wahlreichstag zu berufen und zu leiten und nach erfolgter Abstimmung den König zu nominieren habe, während dem Kronmarschall nur die öffentliche Verkündigung, die Promulgation, des Gewählten zugestanden wurde. Nach der Konstitution von 1530, betreffend die Wahl Siegmund Augusts, hatte die Wahl durch die gesamte Szlachta zu geschehen. Das wollte die protestantische Partei vernünftigerweise nicht aufrechterhalten wissen, aber auf Veranlassung Johann Zamojskis beschloß der Konvokationsreichstag, daß die Wahl „viritim”, durch den ganzen Adel zu geschehen habe, nicht durch den gewöhnlichen Reichstag. Als Wahlort wurde ein Feld am Dorfe Wola bei Warschau bestimmt, wodurch der Nähe wegen die streng katholischen und konservativen Masowier das Übergewicht erhielten.

Diese Niederlage veranlaßte die Protestanten, sich zu derWarschauer Konföderationzusammenzuschließen, mit dem Zweck, die Ordnung aufrechtzuerhalten und die Freiheit des Bekenntnisses zu sichern. Die Konföderationsakte wurde dem Reichstag vorgelegt und von ihm einstimmig gebilligt, nur von den Bischöfen nicht. Sie war der einzige Sieg der Protestanten, die sich hier zum ersten MaleDissidentennannten, und wurde die einzige rechtliche Garantie für die Freiheit ihres Bekenntnisses in Polen.

ZurWahlim April 1573 kamen etwa 40 000 Edelleute1573zusammen, unter ihnen allein 10 000 Masowier. Nachdem der Nunzius, der in Zukunft bei allen Wahlen mitwirkte, und die Gesandten der Bewerber gehört worden waren, begann der Senat mit der Deputation der Szlachta in einem „Szopa” (Schuppen) genannten Zelte die Korrektur der Rechte zu beraten, die vom künftigen Könige bestätigt werden sollten. Die Masowier zwangen zum Abbruch der langen Verhandlungen, vereitelten also von neuem den Reformversuch, und so wurde dann am 4. Mai zur Wahl unter den drei übrigbleibenden Kandidaten Ernst von Habsburg, Johann von Schweden und Heinrich von Valois geschritten. Die Geschicklichkeit und Rührigkeit des französischen Gesandten Montluc im Verein mit den Anstrengungen des Nunzius sicherten die Wahl des ungefährlichsten und meistbietenden, Heinrichs von Valois.

ZurWahlim April 1573 kamen etwa 40 000 Edelleute1573zusammen, unter ihnen allein 10 000 Masowier. Nachdem der Nunzius, der in Zukunft bei allen Wahlen mitwirkte, und die Gesandten der Bewerber gehört worden waren, begann der Senat mit der Deputation der Szlachta in einem „Szopa” (Schuppen) genannten Zelte die Korrektur der Rechte zu beraten, die vom künftigen Könige bestätigt werden sollten. Die Masowier zwangen zum Abbruch der langen Verhandlungen, vereitelten also von neuem den Reformversuch, und so wurde dann am 4. Mai zur Wahl unter den drei übrigbleibenden Kandidaten Ernst von Habsburg, Johann von Schweden und Heinrich von Valois geschritten. Die Geschicklichkeit und Rührigkeit des französischen Gesandten Montluc im Verein mit den Anstrengungen des Nunzius sicherten die Wahl des ungefährlichsten und meistbietenden, Heinrichs von Valois.

Die Bedingungen, unter denenHeinrich von Valois1573 bis 1574(1573–1574) gewählt wurde, waren in denPacta conventaniedergelegt: ein ewiges Bündnis mit Frankreich, Errichtung einer Flotte auf seine eigenen Kosten, im Kriegsfalle Ausrüstung eines Heeres auf seine eigenen Kosten, Verwendung von 40 000 fl. für die Bedürfnisse des Landes aus eigenen Mitteln, Bezahlung der Schulden Siegmund Augusts, Bestätigung der Privilegien und Freiheiten. Diese letzte Bedingung war genauer in denArticuli Henricianiumschrieben: Der König erkennt die freie Wahl an und verzichtet auf den Titel „Erbe des Reiches”; er sichert den Dissidenten Bekenntnisfreiheit, erklärt ohne denSenat weder Krieg noch schließt er Frieden, umgibt sich stets mit 16, der Reihe nach abwechselnden Senatoren; er beruft das allgemeine Aufgebot nur mit Zustimmung des Reichstages und teilt es nicht, außer Landes besoldet er es; er beruft den Reichstag alle zwei Jahre auf höchstens sechs Wochen und entbindet, falls er eine dieser Bestimmungen verletzt, das Volk vom Gehorsam.

Von nun ab wurden jedem Könige „Pacta conventa” vorgelegt, dieArticuli Henricianiaber gingen in die Staatsgrundgesetze über.

Die unheilvolle Bahn, die ununterbrochen abwärts führte, war nun beschritten. Indem die Vererbbarkeit der Königswürde ausgeschlossen wurde, wurde das Land mehrmals in jedem Jahrhundert den Wahlwirren ausgesetzt, eine stete Politik unmöglich gemacht, der Hader der Parteien gestärkt. Alle Schritte des Königs, der so wie so fast keine Befugnisse mehr hatte, wurden durch die 16 „residierenden” Senatoren überwacht. Der letzte Artikel, „de non praestanda obedientia”, wurde ein Vorwand zu ständigem Aufruhr.Es beginnt die bedeutsame Rolle derKonföderationenin Polens Geschichte, die zur Erreichung bestimmter Ziele durch den König, den Reichstag oder Adelsparteien gebildet wurden, bestimmter Ziele, die im Rahmen der bestehenden Gesetze nicht zu erreichen waren. Diese Konföderationen hatten ihre eigenen Reichstage, auf denen glücklicherweise Stimmenmehrheit entschied, ihre eigene, aus Wahlen hervorgehende Verwaltung, mit einem Marschall und Hetman oder Generalregimentarius an der Spitze. Wenn die Konföderationen alle Wojewodschaften umfaßten, dann hießen sieGeneralkonföderationen. Deren Leiter hatten diktatorische Gewalt, ihre Beschlüsse dieselbe Geltung wie Reichstagskonstitutionen. Angesichts der schwerfälligen Reichstagsverfassung und der erforderlichen Einstimmigkeit aller Wojewodschaften bei Reichstagsbeschlüssen waren die Konföderationen oft das einzige Mittel, aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß sie ebensooft in den Händen ehrgeiziger oder verbrecherischer Männer dem Staate verderblich wurden.

Die unheilvolle Bahn, die ununterbrochen abwärts führte, war nun beschritten. Indem die Vererbbarkeit der Königswürde ausgeschlossen wurde, wurde das Land mehrmals in jedem Jahrhundert den Wahlwirren ausgesetzt, eine stete Politik unmöglich gemacht, der Hader der Parteien gestärkt. Alle Schritte des Königs, der so wie so fast keine Befugnisse mehr hatte, wurden durch die 16 „residierenden” Senatoren überwacht. Der letzte Artikel, „de non praestanda obedientia”, wurde ein Vorwand zu ständigem Aufruhr.

Es beginnt die bedeutsame Rolle derKonföderationenin Polens Geschichte, die zur Erreichung bestimmter Ziele durch den König, den Reichstag oder Adelsparteien gebildet wurden, bestimmter Ziele, die im Rahmen der bestehenden Gesetze nicht zu erreichen waren. Diese Konföderationen hatten ihre eigenen Reichstage, auf denen glücklicherweise Stimmenmehrheit entschied, ihre eigene, aus Wahlen hervorgehende Verwaltung, mit einem Marschall und Hetman oder Generalregimentarius an der Spitze. Wenn die Konföderationen alle Wojewodschaften umfaßten, dann hießen sieGeneralkonföderationen. Deren Leiter hatten diktatorische Gewalt, ihre Beschlüsse dieselbe Geltung wie Reichstagskonstitutionen. Angesichts der schwerfälligen Reichstagsverfassung und der erforderlichen Einstimmigkeit aller Wojewodschaften bei Reichstagsbeschlüssen waren die Konföderationen oft das einzige Mittel, aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß sie ebensooft in den Händen ehrgeiziger oder verbrecherischer Männer dem Staate verderblich wurden.

Heinrich von Valois, der erst Anfang 1574 ins Land1574kam, war nicht gewillt, seine Versprechungen zu halten. Dochehe es zu ernsten Zwistigkeiten kam, starb sein Bruder. Noch im selben Jahre verließ er daher bei Nacht und Nebel Polen, um den französischen Thron zu besteigen.

Das Land sah sich, nachdem es Heinrich vergebens eine Frist zur Rückkehr gegeben hatte, von neuem vor die Notwendigkeit einer Wahl gestellt, die schon die ersten Zwistigkeiten herbeiführte (1576). Die Senatorenpartei, Litauen und Preußen wählten Kaiser MaximilianII., die Partei der Szlachta unter Führung Johann Zamojskis und der Zborowski die letzte Jagiellonin Anna, die Schwester Siegmund Augusts, und bestimmte gleichzeitig zu ihrem GattenStephan Báthory(1576–1586). Ein Bürgerkrieg stand1576 bis 1586in Aussicht, denn die Szlachta hatte sich schnell Krakaus bemächtigt, und die Kaiserlichen rüsteten ebenfalls. Da starb Maximilian, der bereits den Eid auf diePacta conventain Wien geleistet hatte, und dem energischen Durchgreifen Stephans gelang es, sich beim Adel Anerkennung zu verschaffen, zuletzt, durch einen Feldzug (1576–1577), auch in1576 bis 1577Danzig.

Dieser begabte Fürst, der letzte große Staatsmann auf dem polnischen Thron, trug sich mit weitschauenden Plänen für die Größe des Landes. Wie er im Innern die königliche Macht zu stärken suchte und auch stärkte, so wollte er nach außen durch Niederwerfung der Moskowiter, der Tataren und Türken Polen die Vorherrschaft in Osteuropa zurückerlangen.

Dieser begabte Fürst, der letzte große Staatsmann auf dem polnischen Thron, trug sich mit weitschauenden Plänen für die Größe des Landes. Wie er im Innern die königliche Macht zu stärken suchte und auch stärkte, so wollte er nach außen durch Niederwerfung der Moskowiter, der Tataren und Türken Polen die Vorherrschaft in Osteuropa zurückerlangen.

Zunächst drängten die Vorgänge in Livland zum Waffengange mitRußland. Iwan der Schreckliche hatte die Wirren benutzt, um ganz Livland mit Ausnahme von Riga zu verwüsten und an sich zu reißen. Ihm mußte Stephan zuerst entgegentreten. Er sicherte sich den Frieden mit den Türken, ließ den saporogischen Kosaken Iwan Podkowa, der diesen Frieden nicht hielt, in Lemberg enthaupten und verstärkte seine Streitkräfte durch Verbesserung der Artillerie und durch Einführung einer Bauerninfanterie von den königlichenGütern (jeder 20. Bauer). 1579 brach er mit 30 000 Mann15791580in Rußland ein, eroberte Polozk zurück, gewann 1580 mit einem noch größeren Heere die wichtigen Grenzplätze Welish, Usswjat (beide im Gouvernement Witebsk), Wjelikije Luki (Gouv. Pskow) und stand im nächsten Jahre vor Pskow.

Alle Erfolge Iwans standen in Frage. Da entschloß er sich zu einer Gesandtschaft an den Kaiser und den Papst, um über Stephans „unchristliches Vorgehen” Beschwerde zu führen und seinen Anschluß an Rom in Aussicht zu stellen, wenn man ihm einen günstigen Frieden vermittle. GregorXIII. war leichtgläubig genug, dieses Anerbieten ernst zu nehmen. Er schickte den Jesuiten Antonio Possovino nach Polen und Moskau, der sich eifrig um den Frieden bemühte. Da die Belagerung von Pskow sich bis in den Winter hinzog und im polnischen Heere Krankheiten ausbrachen, da vor allem die Szlachta den König ohne Mittel ließ und ihm in unpatriotischer Weise entgegen war, hatten die Bemühungen Erfolg. In Sapolje (Jam Zapolski) im Pskowschen wurde 1582 ein zehnjähriger Waffenstillstand geschlossen, der Polen1582Polozk zurückbrachte, dazu Welish und die Teile Livlands, die Iwan früher innehatte. Das Übergewicht, das Moskau unter den beiden Iwan erlangt hatte, war vorläufig gebrochen.

Im Innern nahmen Religionsstreitigkeiten und Reformpläne den König in Anspruch. Obwohl früher Protestant, glaubte er nur aus der Wiederherstellung der Kircheneinheit eine Gesundung der Verhältnisse erhoffen zu können. Er begünstigte daher eifrig die jesuitischeGegenreform, die in Polen wie überall durch die Schule die heranwachsende Generation für sich zu gewinnen suchte und in dem vor kurzem noch so toleranten Lande den religiösen Fanatismus entfachte. In Riga führte ihr Vorgehen, das auch anderwärts Unruhen verursachte, im Verein mit der Einführung des gregorianischen Kalenders 15861586zur sogenanntenKalenderrevolution, die erst nach Stephans Tode erstickt wurde (1589).

Im Innern nahmen Religionsstreitigkeiten und Reformpläne den König in Anspruch. Obwohl früher Protestant, glaubte er nur aus der Wiederherstellung der Kircheneinheit eine Gesundung der Verhältnisse erhoffen zu können. Er begünstigte daher eifrig die jesuitischeGegenreform, die in Polen wie überall durch die Schule die heranwachsende Generation für sich zu gewinnen suchte und in dem vor kurzem noch so toleranten Lande den religiösen Fanatismus entfachte. In Riga führte ihr Vorgehen, das auch anderwärts Unruhen verursachte, im Verein mit der Einführung des gregorianischen Kalenders 15861586zur sogenanntenKalenderrevolution, die erst nach Stephans Tode erstickt wurde (1589).

Im Kampfe wider die Adelsanarchie sind besonders dieZborowskischen Händelbekannt geworden. Stephan verdankte dieser Familie zum guten Teil seine Wahl. Infolgedessen glaubte Samuel Zborowski, der zu Heinrichs von Valois Zeiten einen Wapowski im Krakauer Schloßhof erschlagen hatte, die Verbannung brechen zu dürfen. Darüber kam es zu Empörungsversuchen und zum Hochverrat. Samuel wurde enthauptet (1584), Christoph Zborowski aus dem Lande verbannt (1585). 1584

Im Kampfe wider die Adelsanarchie sind besonders dieZborowskischen Händelbekannt geworden. Stephan verdankte dieser Familie zum guten Teil seine Wahl. Infolgedessen glaubte Samuel Zborowski, der zu Heinrichs von Valois Zeiten einen Wapowski im Krakauer Schloßhof erschlagen hatte, die Verbannung brechen zu dürfen. Darüber kam es zu Empörungsversuchen und zum Hochverrat. Samuel wurde enthauptet (1584), Christoph Zborowski aus dem Lande verbannt (1585). 1584

Bedeutungsvoll war dieGerichtsreform. Da das Reichstagsgericht als oberste Instanz in Zivilsachen nicht mehr genügte, setzte Stephan unter großen Schwierigkeiten die Einsetzung eines Tribunals für Polen (1578) und eines1578zweiten für Litauen (1581) durch. DieTribunalewurden mit von den Landtagen gewählten Deputierten besetzt und tagten abwechselnd alle Halbjahre in Petrikau für Großpolen und in Lublin für Kleinpolen, bzw. in Wilna und in Nowohorodok oder Minsk für Litauen. Die Fälle, in denen es um Ehre und Leben eines Edelmannes ging, blieben nach wie vor dem Reichstagsgericht vorbehalten.

1584 starb Iwan der Schreckliche. Sein Nachfolger1584wurde der schwache FeodorI.Iwanowitsch. Stephan wollte nun den Kampf wieder aufnehmen, er dachte sogar an eine Personalunion, ähnlich wie sie zur Vereinigung Polens und Litauens geführt hatte. Dann sollte ein Türkenkrieg folgen. Schon stand er in Verhandlungen mit dem Papst, dem Kaiser, Spanien und Venedig, schon hatte er die Landtage einberufen, als er plötzlich, 53 Jahre alt, in Grodno starb, viel zu früh für das Land, das eben in geordnete Verhältnisse zurückzukommen begann.

Hatte die zweite freie Wahl nur zu einer Doppelwahl geführt, so brachte die dritte bereits den Bürgerkrieg. DieZborowskis erhoben nach Stephan Báthorys Tode ihr Haupt. Sie bildeten eineGeneralkonföderation, die namentlich gegen Johann Zamojski, Stephans Helfer und Berater, gerichtet war. Ihre Partei wählte den Erzherzog Maximilian, die Zamojskis, die infolge des Zborowskischen Übermutes bald aus der Minderheit in die Mehrheit kamen, den Sohn König Johann Wasas von Schweden und der Tochter Siegmund Augusts (Katharina), den JesuitenzöglingSiegmundIII.(1587–1632). Es kam nun darauf an, wer1587 bis 1632den Vorsprung gewann. Maximilian zog mit 11 000 Mann gegen Krakau, wurde aber von Zamojski geschlagen und gefangen genommen, so daß Siegmund allgemeine Anerkennung fand.

Drei Könige aus dem Hause Wasa haben während eines Jahrhunderts auf dem polnischen Thron gesessen. Glück haben sie dem Lande nicht gebracht. Namentlich des ersten bigotter phantastischer Katholizismus, seine auswärtigen, mit dem Interesse Polens durchaus nicht zusammenfallenden Sonderinteressen, die seinen absolutistische Neigungen gepaarte Unfähigkeit zum Herrscherberuf beförderten die Anarchie in einem Lande, das angesichts seiner Verfassung Männer vom Schlage Stephan Báthorys gebraucht hätte. Große und glänzende Gelegenheiten, Polen die von Stephan Báthory angebahnte Vorherrschaft in Osteuropa endgültig zu sichern, boten sich. Daß sie nicht gehörig ausgenutzt wurden, war ebensosehr Schuld des die engherzigsten jesuitischen Pläne verfechtenden Königs wie des jeden Weitblickes und jeder Opferwilligkeit entbehrenden Reichstages.Wie Rom seine Wahl gegenüber der doch auch katholischen Kandidatur des Erzherzogs förderte, weil es durch ihn Schweden zurückzugewinnen hoffte, so trug es auch kein Bedenken, ihn, als er 1594 in Schweden gekrönt wurde, eine Erklärung unterschreiben1594zu lassen, welche die Katholiken in Schweden von allen Ämtern ausschloß. Er war ja geneigt, dieselbe Bestimmung in Polen gegenüber den Dissidenten und Orthodoxen durchzuführen, und Schweden sollte nachher auch an die Reihe kommen! Durch die Aussicht auf Estland aber hatte man Polen, dessen Interessen eher auf einen gemeinsamen Kampf mit Schweden gegen Moskau hinwiesen, mit den dynastischen Interessen des Königs und mit den Plänen Roms verknüpft.

Drei Könige aus dem Hause Wasa haben während eines Jahrhunderts auf dem polnischen Thron gesessen. Glück haben sie dem Lande nicht gebracht. Namentlich des ersten bigotter phantastischer Katholizismus, seine auswärtigen, mit dem Interesse Polens durchaus nicht zusammenfallenden Sonderinteressen, die seinen absolutistische Neigungen gepaarte Unfähigkeit zum Herrscherberuf beförderten die Anarchie in einem Lande, das angesichts seiner Verfassung Männer vom Schlage Stephan Báthorys gebraucht hätte. Große und glänzende Gelegenheiten, Polen die von Stephan Báthory angebahnte Vorherrschaft in Osteuropa endgültig zu sichern, boten sich. Daß sie nicht gehörig ausgenutzt wurden, war ebensosehr Schuld des die engherzigsten jesuitischen Pläne verfechtenden Königs wie des jeden Weitblickes und jeder Opferwilligkeit entbehrenden Reichstages.

Wie Rom seine Wahl gegenüber der doch auch katholischen Kandidatur des Erzherzogs förderte, weil es durch ihn Schweden zurückzugewinnen hoffte, so trug es auch kein Bedenken, ihn, als er 1594 in Schweden gekrönt wurde, eine Erklärung unterschreiben1594zu lassen, welche die Katholiken in Schweden von allen Ämtern ausschloß. Er war ja geneigt, dieselbe Bestimmung in Polen gegenüber den Dissidenten und Orthodoxen durchzuführen, und Schweden sollte nachher auch an die Reihe kommen! Durch die Aussicht auf Estland aber hatte man Polen, dessen Interessen eher auf einen gemeinsamen Kampf mit Schweden gegen Moskau hinwiesen, mit den dynastischen Interessen des Königs und mit den Plänen Roms verknüpft.

Zu Österreich, dessen Prinzen er bei der Wahl ausgestochen, trat Siegmund durchaus nicht, wie man hätte erwarten müssen, in ein gespanntes Verhältnis. Er verband sich nicht nur durch Heirat zweimal dem Erzhause, sondern war sogar 1589 bereit, die polnische Krone an1589Erzherzog Ernst abzutreten, wenn dieser keine Ansprüche auf Estland geltend machen wolle. Dieser in der jesuitischen Hofpolitik seine Erklärung findende Plan kam zwar zu früh ans Tageslicht und brachte den König 1592 vor1592dem deswegen so genannten Inquisitionsreichstag zu Warschau in eine peinliche Lage. Er hinderte ihn aber nicht, Österreich wider den Willen des Reichstages in seinen Türkennöten beizustehen und die Angriffe auf Polen hinzulenken, sooft seine Beichtväter es verlangten.

Dissidenten wie Orthodoxe hat er mit Hilfe des jetzt schon jesuitisch erzogenen Adels in gleicher Weise unterdrückt (es z. B. 1606 und 1614 zugelassen, daß die Posener1606Jesuitenschüler zweimal die lutherische Kirche niederbrannten) und in gleicher Weise dem Staate verfeindet. Bei der Ämterbesetzung wurden sie systematisch übergangen. Dabei bot sich eine günstige Gelegenheit, die Orthodoxen mit Rom zu unieren, nachdem die Florentiner Union infolge der Intoleranz der römisch-katholischen Geistlichkeit und infolge der Propaganda IwansIII.zu Anfang des Jahrhunderts auch in Kleinrußland und Litauen verfallen war. Das Bestreben, die griechische Kirche organisatorisch, geistig und moralisch auf die Höhe der römischen zu heben, machte sowohl die Führer der Geistlichkeit als auch die hervorragendsten Laien einer neuen Union geneigt. Dazu kam als Warnung, daß Boris Godunow 1589, um die russischen Popen für1589sich zu gewinnen, ein eigenes, von Konstantinopel unabhängiges russisches Patriarchat in Moskau gegründet hatte, das natürlich ganz in der Gewalt des Zaren war. Unmittelbarer Anstoß wurde, daß der Patriarch von Konstantinopel sich alle Amtshandlungen von der orthodoxen Geistlichkeit Polens ungebührlich teuer bezahlen ließ.

Unter Führung des Metropoliten Michael Rahoza von Kijew und des Fürsten Wassilij Ostrogski wurden 15951595auf einerSynode zu Brześć Litewskidie Unionsbedingungen vereinbart: Beibehaltung der Liturgie, des Ritus, der slawischen Kirchensprache, Einführung des gregorianischen Kalenders, Aufnahme der Bischöfe in den Senat. Die Bischöfe von Łuck und Wladimir wurden nach Rom geschickt, wo KlemensVIII.die Bedingungen annahm. Als aber eine neue Synode zu Brześć im nächsten Jahre den Anschluß vollziehen sollte, da hatte jesuitischer Eifer, der keine Sonderstellung wollte, und der Eigennutz und Hochmut der römischen Prälaten, die sich der Aufnahme der griechischen Bischöfe in den Senat widersetzten, alles verdorben. Es bildeten sich zwei Parteien, die sich gegenseitig bannten. Ein Teil nahm die Union an, der andere, mit Ostrogski und den Bischöfen von Lemberg und Przemyśl, verharrte im Schisma. Der Druck, ja die offene Feindseligkeit gegenüber den Schismatikern wurde so stark, daß die Kosaken, die schon zwischen 1592 und 1596 blutige, mühsam unterdrückte Aufstände verursacht hatten, sich wieder erhoben. Mit den in gleicher Weise, namentlich durch fanatisierte Schüler der Jesuitenkollegien verfolgten Dissidenten schlossen die Orthodoxen zum gemeinsamen Schutze ihrer Rechte und Freiheiten 1599 eine1599Konföderation zu Wilna. Zur übermäßigen Einschränkung der königlichen Gewalt, zur Knechtung der Bauern und Bedrückung der Städte trat hiermit der vierte Faktor, der Polens wirtschaftlichen und politischen Untergang beförderte.

Es konnte nicht ausbleiben, daß dieSchwedeneinen ständig in der Ferne weilenden und dem Protestantismusabholden König nicht ertrugen. Unter seinem Onkel, dem Regenten Karl, Herzog von Sudermanland, wurde die königliche Partei zurückgedrängt. Die Polen weigerten sich, in diese Privatangelegenheiten des Königs einzugreifen. Erst als Siegmund einen schwedischen Einfall in Livland herbeizuführen wußte, entschlossen sie sich 1601 zum Kriege, der, nur durch Waffenstillstände unterbrochen, sechzig Jahre diese natürlichen Bundesgenossen in Anspruch nahm und Moskau Gelegenheit gab, von neuem zu erstarken. Der Herzog wurde 1604 als KarlIX.zum Könige gekrönt, und1604wenn ihn auch 1605 Chodkiewicz zu Kirchholm schlug und Livland wiedergewann, so hinderten innere Unruhen eine weitere Ausnutzung dieses Sieges.

Auch Aussichten, die sich inRußlandboten, wurden durch diese Unruhen in Frage gestellt.

In Rußland war nach des Zaren FeodorI.Tode 15981598dessen Schwager, der Tatare Boris Godunow, auf den Thron gelangt, nachdem er schon vorher (1591) den rechtmäßigen Thronfolger, des Zaren Bruder Dmitrij Iwanowitsch, ermordet hatte. Seine starke Herrschaft verfeindete ihm die Bojaren, seine Begünstigung fremder Wissenschaften die Geistlichkeit, seine Beschränkung der Freizügigkeit die Bauern. Da tauchte 1603 am1603Hofe des Fürsten Adam Wiśniowiecki ein entlaufener Basilianermönch, Grischka Otrepjew, auf, der sich für den wunderbar gerettetenDmitrij Iwanowitschausgab. Dem König und den Jesuiten erschien er als geeignetes Werkzeug für russische Pläne. Sie heuchelten Glauben an seine Herkunft und gestatteten, daß er 1604 mit Unterstützung einiger Magnaten und der Kosaken1604in Rußland einbrach. Er siegte zunächst bei Nowgorod Sjewersk, wurde dann geschlagen, gelangte aber infolge des plötzlichen Todes Boris Godunows dennoch auf den Thron (1605). Der1605Betrüger mußte sich auf Polen stützen. Er heiratete Maryna Mniszech, die Tochter des Wojewoden von Sandomir, er konnte großen Nutzen bringen.

In Rußland war nach des Zaren FeodorI.Tode 15981598dessen Schwager, der Tatare Boris Godunow, auf den Thron gelangt, nachdem er schon vorher (1591) den rechtmäßigen Thronfolger, des Zaren Bruder Dmitrij Iwanowitsch, ermordet hatte. Seine starke Herrschaft verfeindete ihm die Bojaren, seine Begünstigung fremder Wissenschaften die Geistlichkeit, seine Beschränkung der Freizügigkeit die Bauern. Da tauchte 1603 am1603Hofe des Fürsten Adam Wiśniowiecki ein entlaufener Basilianermönch, Grischka Otrepjew, auf, der sich für den wunderbar gerettetenDmitrij Iwanowitschausgab. Dem König und den Jesuiten erschien er als geeignetes Werkzeug für russische Pläne. Sie heuchelten Glauben an seine Herkunft und gestatteten, daß er 1604 mit Unterstützung einiger Magnaten und der Kosaken1604in Rußland einbrach. Er siegte zunächst bei Nowgorod Sjewersk, wurde dann geschlagen, gelangte aber infolge des plötzlichen Todes Boris Godunows dennoch auf den Thron (1605). Der1605Betrüger mußte sich auf Polen stützen. Er heiratete Maryna Mniszech, die Tochter des Wojewoden von Sandomir, er konnte großen Nutzen bringen.

Da brach 1605 derZebrzydowskische Aufstandaus,1605in dem sich die allgemeine Unzufriedenheit gegen SiegmundLuft machte. Bei Sandomir sammelten sich 100 000 Edelleute zu einer Konföderation. Sie wählten Janusz Radziwill zu ihrem Marschall, den Krakauer Kastellan Nikolaus Zebrzydowski zu ihrem Hetman, ganz wie bei einem Interregnum, und faßten ihre Beschwerden in 67 Artikel zusammen, die ebenso viele Anklagen auf Verletzung der bestehenden Verfassung waren. Der König sammelte seine Partei, namentlich viele Senatoren, in Wiślica und ließ 13 Gegenartikel aufsetzen, die den Konföderierten als Verhandlungsgrundlage vorgeschlagen wurden. Da man zu keinem Einvernehmen kam und die meisten Unzufriedenen sich verliefen, fiel der König mit 20 000 Mann über die zurückbleibenden 6000 her und besiegte sie mit leichter Mühe. Sie erklärten sich nun einverstanden, die Angelegenheit dem Reichstage von 16061606vorzulegen. Als der Reichstag die Sandomirer Artikel verwarf, sammelten sich die Aufrührer von neuem, erlitten aber 1607 bei Radom eine entscheidende Niederlage, die1607den Aufstand beendigte und den König zum Herren der Situation machte.

Noch einmal bot sich die Gelegenheit, inRußlandsGeschicke einzugreifen, denn derfalsche Dmitrijwurde schon 1606 getötet und der FürstWassilij Schujskiwurde1606zum Zaren gewählt. Vor den falschen Prätendenten, die sich erhoben, vermochte Schujski sich nicht zu halten, zumal ein zweiter falscher Dmitrij wieder von den Polen unterstützt wurde. Schujski suchte Anschluß an Schweden, was Siegmund zum Anlaß nahm, selbst als Thronbewerber aufzutreten und Schujski den Krieg zu erklären. Wider den Rat des Hetmans Żółkiewski legte der König sich vor Smolensk fest, das von 1609–1611 seinen Angriffen widerstand,1609 bis 1611anstatt gleich das ganze Land in seine Gewalt zu bringen. Erst 1610, nach einem Siege über ein russisch-schwedisches Ersatzheer bei Kluschyn, gelangte Żółkiewski nachMoskau, wo die Bojaren sich zum Thronrat versammelt hatten und Schujski absetzten. Żółkiewski setzte die Wahl Władysławs, des Sohnes Siegmunds, durch. Władysław sollte sich verpflichten, die griechische Kirche und die Privilegien der Bojaren zu schützen, ihnen das Privileg „Neminem captivabimus” zu gewähren und mit Polen ein Bündnis zu schließen. Aber Siegmund, der den Jesuiten sicherer schien als sein Sohn, nahm die Krone für sich in Anspruch, gab der Bojarendeputation einen abschlägigen Bescheid, hielt die Belagerung von Smolensk aufrecht und berief Żółkiewski von Moskau ab.

Der Widerwille gegen Siegmunds Kandidatur und die Erbitterung über den Übermut der polnischen Besatzung in Moskau riefen jenen berühmten Aufstand hervor, der 16131613Michael Feodorowitsch Romanowauf den Zarenthron brachte. Jetzt, wo es zu spät war, wurde Chodkiewicz, und obendrein mit zu geringer Truppenzahl gegen Moskau geschickt; er wurde geschlagen. Militärkonföderationen der auf ihren Sold wartenden Truppen legten die weitere Kriegsführung lahm. Erst 1617 wurde der Kampf wieder aufgenommen,1617diesmal für Władysław, der vorher auf Smolensk und eine Reihe russischer Gebiete zugunsten Polens hatte verzichten müssen. Die Kosaken unterPeter Konaszewiczstießen zu ihm. Aber nachdem ein Sturm auf Moskau gescheitert war, kam auf Wunsch des Königs und des Reichstages 1618 zu Deulino bei Moskau ein 16jähriger1618Waffenstillstand zustande, der Polen im Besitz von Smolensk, Nowgorod Sjewerskij, Dorogobush und Tschernigow beließ.

Beim nächsten Zusammenstoß war Rußland bereits wieder ein ebenbürtiger Gegner, das folgende Mal erwies es sich schon als überlegen und zwar endgültig. Was Stephan Báthory weitschauend angebahnt hatte, das war durch Siegmund kleinlich vertan.

Beim nächsten Zusammenstoß war Rußland bereits wieder ein ebenbürtiger Gegner, das folgende Mal erwies es sich schon als überlegen und zwar endgültig. Was Stephan Báthory weitschauend angebahnt hatte, das war durch Siegmund kleinlich vertan.

Inzwischen war KarlIX.gestorben und sein großer Sohn Gustav Adolf hatte 1611 den Thron bestiegen. Er begann denKrieggegen Polen von neuem (1617–1629),1617 bis 1629um Siegmund zur Thronentsagung inSchwedenzu zwingen und seinen ewigen Umtrieben ein Ende zu machen. Er eroberte den größten Teil von Livland, dann Kurland und 1626 auch Polnisch-Preußen, bis auf Danzig und1626Thorn. Wieder weigerte sich der Reichstag, den königlichen Privatinteressen Opfer zu bringen, und erst als Wrangel die Polen bei Gorzno (in der Nähe von Strasburg) geschlagen hatte und Thorn bedrohte, bewilligte er Mittel. Nun wurden die gerade damals zur Entlassung gekommenen Wallensteinschen Söldner geworben, mit denen Stanisław Koniecpolski Gustav Adolf in der Nähe von Marienwerder schlug. Durch Vermittelung der Westmächte, die Gustav Adolf gegen den Kaiser verwenden wollten, kam ein sechsjähriger Waffenstillstand zu Altmark bei Stuhm zustande, kraft dessen der Schwede seine livländischen Eroberungen und die preußischen Seestädte behielt.

In den Beginn dieses zweiten Schwedischen Krieges, 1618, fällt auch der TodHerzog Albrecht Friedrichs1618von Preußen und die Nachfolge desKurfürsten Johann Sigismundim Herzogtum, die Siegmund unter anderen Umständen sicher nicht ruhig hätte hingehen lassen.

Der Dreißigjährige Krieg griff nicht nur mit der Werbung der Wallensteiner und mit dem Altmärker Waffenstillstand in Polens Schicksale hinein, sondern, da Siegmund natürlich die katholische, kaiserliche Partei hielt, fiel ihm auf Anstiften Bethlen Gábors und Frankreichs der Türke ins Land. 80 000Türkenund Tataren unter Skinder-Pascha brachen 1620 gegen Polen auf. Zółkiewski rückte ihnen1620mit geringen Streitkräften in die Moldau entgegen. In einem befestigten Lager zu Cecora am Pruth hielt er langeden Feinden stand. Schließlich mußten die Polen sich aber zurückziehen und wurden auf dem Rückzuge aufgerieben. Im nächsten Jahre schickte Osman ein aus 300 000 Mann1621geschätztes Heer aus, denen 65 000 Polen unter Karl Chodkiewicz, Stanisław Łubomirski und dem Sohn des Königs sowie 30 000 Kosaken unter ihrem Hetman Peter Konaszewicz gegenüberstanden. Bei Chotin (Chocim) am Dnjestr, in der Nähe von Kamjenjez Podolski verschanzten sie sich und wehrten einen Monat lang den türkischen Sturm ab. Schon waren sie der Übergabe nahe, als die Türken Frieden anboten. Der König verpflichtete sich, die Kosaken von Einfällen ins türkische Gebiet abzuhalten, während der Sultan umgekehrt bezüglich der Tataren das gleiche versprach. Peter Konaszewicz freilich — die Kosakeneinfälle hatten dem Sultan überhaupt den Vorwand zum Kriege gegeben — unternahm alsbald wieder einen Raubzug, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Die Gelegenheit, bei einem Thronwechsel seinen Kandidaten auf den Stuhl der krimschen Khane zu bringen, benutzte Siegmund nicht richtig, wie alle anderen Gelegenheiten.

Als er 1632 starb, hatte er noch nicht einmal die Nachfolge seines Sohnes durchgesetzt.

Trotzdem ging die WahlWładysławsIV.(1632 bis1632 bis 16481648) ohne Schwierigkeiten vor sich. Er war in Polen erzogen worden, hatte sich in manchen Feldzügen hervorgetan und war so beliebt, daß nicht einmal eine Gegenkandidatur aufgestellt wurde. Außerdem hatte derZar Michael Feodorowitschgemeinsam mit dem Pascha Abasi von Widdin schon während des Interregnums von neuem denKrieg gegen Polenbegonnen (1632–1634),1632 bis 1634so daß die Wahl schnell erfolgen mußte. Die russischen Feldherrn Scheïn und Ismailow eroberten 23 Städte, darunter Dorogobush und Nowgorod Sjewerskij, und belagertenSmolensk acht Monate lang. Erst 1633 rückte der König1633zum Ersatz heran. Er konnte die geschwächten Russen abschneiden und zwang sie, gegen freien Abzug die Waffen zu strecken. Da er aber vor Bjelaja scheiterte, kam inPoljanowkaein Friede zustande, in dem Władysław auf seine Thronansprüche verzichtete, Michael aber den Waffenstillstand von Deulino anerkannte und 20 000 Rubel zahlte. Abasi-Paschas und der von ihm aufgehetzten Tataren wurde Koniecpolski in der Moldau und am Dnjestr Herr (1633).

Władysław verfolgte in allen Punkten eine der väterlichen entgegengesetzte Politik, nur die Ansprüche auf die schwedische Krone hielt er aufrecht. Doch blieben auch seine Bemühungen ohne Erfolg, da der Reichstag von seiner bekannten Stellungnahme nicht abwich und sogar gegen den Willen des Königs Bevollmächtigte ernannte, die 1635 mit Schweden einen neuen1635sechsundzwanzigjährigen Waffenstillstand zu Stuhmsdorf abschlossen, die preußischen Küstenstädte wiedergewannen, aber in Livland denStatus quoanerkannten.In seinenPacta conventahatte sich Władysław noch weitere Einschränkungen gefallen lassen müssen als seine Vorgänger. Er durfte keine Soldtruppen aus eigenen Mitteln halten (was jeder Edelmann durfte), keine Kriege auf eigene Faust führen, mußte auf die Steuer von zwei Groschen von der Hufe verzichten, zum Krieg gegen Moskau die Hälfte statt ein Viertel seiner Einkünfte hergeben, sich zum Bau einer Flotte auf der Ostsee (eine Folge der Schwedenkriege) und zur Achtung des Religionsfriedens verpflichten. Später mußte er sich durch verschiedene Konstitutionen noch weitere Beschränkungen gefallen lassen: nicht ins Ausland zu reisen ohne Genehmigung des Reichstages, Erhöhung der Zahl der „residierenden” Senatoren von sechzehn auf achtundzwanzig u. a. Auch eineVerschlechterung der Verfassungwurde 1635 eingeführt, daß nämlich die auf den Reichstagen beschlossenen Auflagen erst noch durch die Relationslandtage genehmigt werden mußten.

Władysław verfolgte in allen Punkten eine der väterlichen entgegengesetzte Politik, nur die Ansprüche auf die schwedische Krone hielt er aufrecht. Doch blieben auch seine Bemühungen ohne Erfolg, da der Reichstag von seiner bekannten Stellungnahme nicht abwich und sogar gegen den Willen des Königs Bevollmächtigte ernannte, die 1635 mit Schweden einen neuen1635sechsundzwanzigjährigen Waffenstillstand zu Stuhmsdorf abschlossen, die preußischen Küstenstädte wiedergewannen, aber in Livland denStatus quoanerkannten.

In seinenPacta conventahatte sich Władysław noch weitere Einschränkungen gefallen lassen müssen als seine Vorgänger. Er durfte keine Soldtruppen aus eigenen Mitteln halten (was jeder Edelmann durfte), keine Kriege auf eigene Faust führen, mußte auf die Steuer von zwei Groschen von der Hufe verzichten, zum Krieg gegen Moskau die Hälfte statt ein Viertel seiner Einkünfte hergeben, sich zum Bau einer Flotte auf der Ostsee (eine Folge der Schwedenkriege) und zur Achtung des Religionsfriedens verpflichten. Später mußte er sich durch verschiedene Konstitutionen noch weitere Beschränkungen gefallen lassen: nicht ins Ausland zu reisen ohne Genehmigung des Reichstages, Erhöhung der Zahl der „residierenden” Senatoren von sechzehn auf achtundzwanzig u. a. Auch eineVerschlechterung der Verfassungwurde 1635 eingeführt, daß nämlich die auf den Reichstagen beschlossenen Auflagen erst noch durch die Relationslandtage genehmigt werden mußten.

Zum Bau einer Flotte kam es nicht, da Danzig, das neben seiner Flotte keine andere dulden wollte, sich erfolgreich widersetzte. Dagegen wurde bereits auf dem Krönungsreichstag von 1633 einAbkommen mit den Nichtunierten1633über die Bistümer getroffen, ohne daß freilich die Streitigkeiten hierdurch beigelegt wurden. Der König, der durchaus kein Freund der Jesuiten war und die Gründung einer jesuitischen Akademie in Krakau beim Papst rückgängig zu machen suchte, ließ sogar den Rücktritt von der Union zur Orthodoxie zu. 1646 veranstalte er in Thorn ein „Colloquium charitativum”, einReligionsgespräch1646mit den Dissidenten, die er gern durch friedliche Verständigung wieder zur katholischen Kirche zurückgeführt hätte. Einen Erfolg hatte diese Veranstaltung natürlich nicht, und auch dem fanatischen Treiben der Jesuitenschüler vermochte der König keinen Einhalt zu tun.

Überhaupt schlugen alle seine Bestrebungen auf Stärkung der Zentralgewalt und auf Niederdrückung der Jesuiten, die hinter den Kulissen alles lenkten, fehl. Er mußte noch erleben, daß die durch diesen Orden begünstigte Politik der Magnaten in Kleinrußland zu dem großen Kosakenaufstand des Bohdan Chmielnicki führte, der für Polen wiederum ein Wendepunkt wurde. Auf dem Wege nach dem Kampfplatz verschied er, 52 Jahre alt, zu Merecz am Njemen. Das Ansehen und Vertrauen, das er bei den Kosaken genoß, fehlte dem Staate in den nun folgenden schweren Jahren sehr.

Überhaupt schlugen alle seine Bestrebungen auf Stärkung der Zentralgewalt und auf Niederdrückung der Jesuiten, die hinter den Kulissen alles lenkten, fehl. Er mußte noch erleben, daß die durch diesen Orden begünstigte Politik der Magnaten in Kleinrußland zu dem großen Kosakenaufstand des Bohdan Chmielnicki führte, der für Polen wiederum ein Wendepunkt wurde. Auf dem Wege nach dem Kampfplatz verschied er, 52 Jahre alt, zu Merecz am Njemen. Das Ansehen und Vertrauen, das er bei den Kosaken genoß, fehlte dem Staate in den nun folgenden schweren Jahren sehr.

In schwerer Bedrängnis ging die neue Wahl vor sich, denn schon war Chmielnicki bis Lemberg und Zamość vorgedrungen. Als Thronbewerber kamen die beiden Brüder Władysławs in Frage, der Kardinal Johann Kasimir und Karl Ferdinand, Bischof von Breslau und Plock. Eine Gesandtschaft Chmielnickis trat für den ersten ein, und so1648 bis 1668wurdeJohannII.Kasimir(1648–1668), der Jesuit und Kardinal, den der Papst erst von seinem Gelübde entbindenmußte, zum König gewählt. Er nahm Maria Louise von Nevers-Gonzaga, seines Bruders Witwe, zur Frau, wohl um ihr großes Vermögen zu sichern. Zunächst galt es, derKosakenHerr zu werden.

Dieses bunte Gewirr aus Polen, Litauern, Großrussen, Ungarn, Walachen und Tataren, vor allem aber Kleinrussen, aus Adligen und Bauern, aus Flüchtlingen, Abenteurern und Verbrechern, Katholiken, Unierten, Orthodoxen und Moslems, das von Jagd, Viehzucht und Raub lebte, hatte schon SiegmundI.in gewissem Grade unter seinen Starosten in Kijew, Bracław, Tscherkassy organisiert, unter Eustaphius Duszkiewicz, Przecław Lanckoroński, Demetrius Wiśniowiecki u. a. 15721572registrierteder Kronhetman Georg Jazłowiecki einen Teil, nahm sie in königlichen Sold und setzte einen Ältesten (Starszy) über sie, der auch die Gerichtsbarkeit hatte.Vielen aber erschien jede Berührung mit Polen als eine Beschränkung der Freiheit. Sie gingen noch weiter östlich, hinter die Stromschnellen (Porogi) des Dnjepr, dahersaporogische Kosakengenannt. Ihre erste Erwähnung finden wir 1568,1568die weitere Ausbildung ist aber wohl erst gegen Ende des Jahrhunderts vor sich gegangen. Diese saporogischen Kosaken hatten ihre Waffenplätze auf den Inseln des Dnjepr. Die waffenfähigen Mannschaften lebten dort fast klösterlich in völliger Gleichheit und Freiheit zusammen. Frauen wurden im Lager nicht geduldet. An der Spitze stand der selbstgewählte Ataman (Hetman), mit dem Asawul (Jesaul, Unterbefehlshaber) und dem Pisar (Kanzler).Als die polnische Kolonisation weiter in die Ukraine vordrang, und die Magnaten dort große Güter erwarben, wurde ihnen das unabhängige Kosakentum lästig. Nicht nur, daß die Kosaken immerwährende Einfälle der Tataren und Türken hervorriefen, sondern sie übten auf die Bauernschaft, namentlich der kleinrussischen Gebiete, eine starke Anziehungskraft aus, die Magnatenwirtschaften mit dem Untergang infolge Leutemangels bedrohend. Das führte auf dem Reichstag von 1590 zum Erlaß1590einerOrdnung für die Ukraine, wonach die Zahl der besoldeten und registrierten Kosaken auf 6000 erhöht, der Rest aber zum Bauernstande zurückgeführt werden sollte. Daß die Nichtregistrierten diese Überführung in den hörigen Stand nicht hinnehmen konnten, ist selbstverständlich. Aber auch die Registrierten waren unzufrieden, da die von ihnen geforderte Gleichstellung mit der Szlachta nicht gewährt wurde. So kam es 1592 zum erstenAufstandunter Christoph Kosiński, 1596 zum1592zweiten, die Registrierten unter Nalewajko, die Saporoger unter Loboda. Diesmal spielte auch die Anerkennung der Orthodoxie mit. Zamojski und Żółkiewski schlugen zwar den Aufstand blutig nieder, aber die Frage blieb ungelöst, und die Kosaken erholten sich schnell wieder.

Dieses bunte Gewirr aus Polen, Litauern, Großrussen, Ungarn, Walachen und Tataren, vor allem aber Kleinrussen, aus Adligen und Bauern, aus Flüchtlingen, Abenteurern und Verbrechern, Katholiken, Unierten, Orthodoxen und Moslems, das von Jagd, Viehzucht und Raub lebte, hatte schon SiegmundI.in gewissem Grade unter seinen Starosten in Kijew, Bracław, Tscherkassy organisiert, unter Eustaphius Duszkiewicz, Przecław Lanckoroński, Demetrius Wiśniowiecki u. a. 15721572registrierteder Kronhetman Georg Jazłowiecki einen Teil, nahm sie in königlichen Sold und setzte einen Ältesten (Starszy) über sie, der auch die Gerichtsbarkeit hatte.

Vielen aber erschien jede Berührung mit Polen als eine Beschränkung der Freiheit. Sie gingen noch weiter östlich, hinter die Stromschnellen (Porogi) des Dnjepr, dahersaporogische Kosakengenannt. Ihre erste Erwähnung finden wir 1568,1568die weitere Ausbildung ist aber wohl erst gegen Ende des Jahrhunderts vor sich gegangen. Diese saporogischen Kosaken hatten ihre Waffenplätze auf den Inseln des Dnjepr. Die waffenfähigen Mannschaften lebten dort fast klösterlich in völliger Gleichheit und Freiheit zusammen. Frauen wurden im Lager nicht geduldet. An der Spitze stand der selbstgewählte Ataman (Hetman), mit dem Asawul (Jesaul, Unterbefehlshaber) und dem Pisar (Kanzler).

Als die polnische Kolonisation weiter in die Ukraine vordrang, und die Magnaten dort große Güter erwarben, wurde ihnen das unabhängige Kosakentum lästig. Nicht nur, daß die Kosaken immerwährende Einfälle der Tataren und Türken hervorriefen, sondern sie übten auf die Bauernschaft, namentlich der kleinrussischen Gebiete, eine starke Anziehungskraft aus, die Magnatenwirtschaften mit dem Untergang infolge Leutemangels bedrohend. Das führte auf dem Reichstag von 1590 zum Erlaß1590einerOrdnung für die Ukraine, wonach die Zahl der besoldeten und registrierten Kosaken auf 6000 erhöht, der Rest aber zum Bauernstande zurückgeführt werden sollte. Daß die Nichtregistrierten diese Überführung in den hörigen Stand nicht hinnehmen konnten, ist selbstverständlich. Aber auch die Registrierten waren unzufrieden, da die von ihnen geforderte Gleichstellung mit der Szlachta nicht gewährt wurde. So kam es 1592 zum erstenAufstandunter Christoph Kosiński, 1596 zum1592zweiten, die Registrierten unter Nalewajko, die Saporoger unter Loboda. Diesmal spielte auch die Anerkennung der Orthodoxie mit. Zamojski und Żółkiewski schlugen zwar den Aufstand blutig nieder, aber die Frage blieb ungelöst, und die Kosaken erholten sich schnell wieder.

Unter ihrem neuen Ataman PeterKonaszewicz(1612–1622) gelangten sie sogar zu so großer Blüte,1612 bis 1622daß sie 1612 die Krim bis Eupatoria plünderten, Kaffa nahmen, 1613 Sinope zerstörten, 1614 die ganze Nordküste Kleinasiens brandschatzten, 1615/16 Trapezunt eroberten, die türkische Flotte und sogar die Vorstädte von Konstantinopel verbrannten. An dem Krieg gegen Moskau nahmen sie ebenso teil, wie an dem Türkenkrieg von 1620 bis 1621. An den Türkenfrieden von 1621 kehrte sich Konaszewicz, wie erwähnt, nicht. Das nahm Polen zum Vorwand, um den Hetman Koniecpolski nach der Ukraine zu senden, angeblich um weitere Einfälle in türkisches Gebiet zu verhindern, in Wirklichkeit aber, um die rechtsufrigen Kosaken zu beugen. Durch treulose Versprechungen hinterlistig irregeführt, wurden sie am See Kurakow umzingelt und gezwungen, die Registrierung anzuerkennen, die Einfälle ins türkische Gebiet einzustellen und ihre kleinen Raubschiffe (Czajki) zu verbrennen. Die Nichtregistrierten aber sollten binnen drei Monaten ihre Habe verkaufen und in den Dienst ihrer Herren zurückkehren. Zum Ataman wurde an Stelle IsmailsMichael Doroszenkogewählt. Es ist klar, daß die Nichtregistrierten auch diesmal widerstanden, und als der politische Übermut und die Bedrückung durch die Magnaten und die Szlachta allzuhoch stiegen, brach 1630 unter Taras wieder einAufstandaus, den Koniecpolski1630in einer furchtbaren Schlacht bei Perejaslawl dämpfte.

1632 erschienen auf dem Wahlreichstag auch Kosaken,1632die das Wahlrecht, Gleichstellung der orthodoxen Kirche und Vermehrung der Registrierten verlangten. Das Wahlrecht wurde ihnen in verletzenden Worten versagt, aber ihr MetropolitPeter Mohylavon Kijew (1632–1647) anerkannt.1632 bis 1647

Mohyla stammte aus einer angesehenen Familie, die der Moldau und der Walachei einige Hospodare geschenkt, war hochgebildet und hat für die geistige Hebung des ruthenischen (kleinrussischen) Volkes unendlich viel getan. Auch die orthodoxe Kirche ganz Rußlands verdankt ihm die Wiedererweckung des wissenschaftlichen Lebens, ausgehend von der von ihm begründeten Akademie zu Kijew, von der Moskau seine Lehrer erhielt. Er tat kulturell dasselbe für die Ruthenen, was Konaszewicz politisch erreicht hatte: er stärkte das nationale Selbstbewußtsein. Weder polnische noch moskowitische Bedrückungen konnten von nun an das ruthenische Volk vernichten, diekleinrussische Frageverstummen machen.

Mohyla stammte aus einer angesehenen Familie, die der Moldau und der Walachei einige Hospodare geschenkt, war hochgebildet und hat für die geistige Hebung des ruthenischen (kleinrussischen) Volkes unendlich viel getan. Auch die orthodoxe Kirche ganz Rußlands verdankt ihm die Wiedererweckung des wissenschaftlichen Lebens, ausgehend von der von ihm begründeten Akademie zu Kijew, von der Moskau seine Lehrer erhielt. Er tat kulturell dasselbe für die Ruthenen, was Konaszewicz politisch erreicht hatte: er stärkte das nationale Selbstbewußtsein. Weder polnische noch moskowitische Bedrückungen konnten von nun an das ruthenische Volk vernichten, diekleinrussische Frageverstummen machen.

WładysławIV., der die orthodoxe Kirche verständnisvoll gewähren ließ, vermochte nicht, auch auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete die Kosaken zufriedenzustellen. Die Rücksicht auf die Türken führte vielmehr unter seiner Regierung an der ersten Stromschnelle des Dnjepr zur Errichtung einer neuen Zwingburg,Kudak, gegen die Saporoger gerichtet. Zwar zerstörte der Ataman Sulyma diese Feste, aber er wurde 1635, ebenso wie Pawluk 1637, geschlagen1635und hingerichtet.

Diese Siege verführten die selbstsüchtigen und kurzsichtigen polnischen Herren zu derKonstitution von 1638, durch1638die auch die Registrierten den Bauern gleichgestellt, der freien Wahl ihres Ältesten beraubt und einem polnischen Kommissar untergeben wurden. Nach geradezu barbarischer Unterdrückung eines infolgedessen ausbrechenden neuen Aufstandes unter Hunia, Ostrjanin und Filonenko durch die erbittertsten Kosakenfeinde, Nikolaus Potocki und Jeremias Wiśniowiecki, wurde die Konstitution streng durchgeführt. Es fehlte zwar nicht an einsichtigen Warnern, die „diese Änderung im Leben der Kosaken für einenVorteil einzelner, aber für eine Schädigung des Staates” hielten (Bischof Piasecki von Przemyśl), doch die wirtschaftlichen Interessen der kleinrussischen adligen Grundherren siegten über solche Bedenken.

Diese Siege verführten die selbstsüchtigen und kurzsichtigen polnischen Herren zu derKonstitution von 1638, durch1638die auch die Registrierten den Bauern gleichgestellt, der freien Wahl ihres Ältesten beraubt und einem polnischen Kommissar untergeben wurden. Nach geradezu barbarischer Unterdrückung eines infolgedessen ausbrechenden neuen Aufstandes unter Hunia, Ostrjanin und Filonenko durch die erbittertsten Kosakenfeinde, Nikolaus Potocki und Jeremias Wiśniowiecki, wurde die Konstitution streng durchgeführt. Es fehlte zwar nicht an einsichtigen Warnern, die „diese Änderung im Leben der Kosaken für einenVorteil einzelner, aber für eine Schädigung des Staates” hielten (Bischof Piasecki von Przemyśl), doch die wirtschaftlichen Interessen der kleinrussischen adligen Grundherren siegten über solche Bedenken.

Zehn Jahre herrschte Ruhe in der Ukraine, die Ruhe vor dem Sturm, nur unterbrochen durch Gesandtschaften an den König, der nicht helfen konnte. Unter einem dieser Gesandten,Bohdan Chmielnickiaus Tschirigin, masowischer adliger Abkunft, Kosakenkanzler, dem der Unterstarost Czapliński das Gut fortgenommen, die Frau entführt, den Sohn erschlagen hatte, und der kein Recht finden konnte, brach 1648 das Unwetter los. Man behauptet, daß der König1648selbst ihn darauf hingewiesen habe, er besitze ja ein Schwert. Auf diese Weise habe sich der König Mitkämpfer wider die Übermacht des Adels werben wollen. Die Registrierten gingen zu Chmielnicki über, die Tataren leisteten Hilfe. Bald stand die ganze Ukraine in Flammen. Tod der Szlachta, Tod den Jesuiten, das war die Losung. Gegen den König und den Staat, das betonten die Kosaken ausdrücklich, ging es nicht, sondern nur gegen ihre Peiniger. Nur ihr Recht wollten sie haben.

Der König schickte eine Kommission zur Untersuchung, aber gegen seinen Befehl brach der Kronhetman Nikolaus Potocki in die Ukraine ein. An den gelben Wassern (Żółte Wody) östlich von Kudak wurden 6000 seiner Leute vernichtet. Er selbst wurde bei Korsun geschlagen und gefangen genommen.

In diesem Augenblick starb Władysław. Auf dem Konvokationsreichstag war ein Teil der Abgeordneten unter dem Kanzler Georg Ossoliński und dem Kastellan Adam Kisiel von Bracław für eine Verständigung, der andere unter Wiśniowiecki für Ausrottung. Man beschloß, Kisiel als Unterhändler auszusenden, gleichzeitig aber drei Generalregimentare mit einem Heere zu beordern. Kisiel richtetenichts aus, und das Heer, Söldner und Aufgebot, an die 230 000 Mann stark, das sich bei Pilawce an der polnisch-podolischen Grenze angesammelt hatte, ergriff des Nachts vor den Kosaken die Flucht, das Lager in ihren Händen zurücklassend. Nun zogen die Kosaken vor Lemberg, das 700 000 Gulden Lösegeld zahlen mußte, und belagerten Zamość, während Chmielnickis Gesandte bei der Königswahl den Ausschlag gaben.

Dies war die Lage, die Johann Kasimir bei seiner Thronbesteigung vorfand. Dem König zuliebe, von dem er eine friedliche Regelung hoffte, kehrte Chmielnicki nun nach Kijew zurück, wie ein Triumphator empfangen und von Gesandten des Sultans, des Zaren, der Hospodare mit Bündnisanträgen erwartet. Als Polen seine Bedingungen nicht annahm, begann 1649 der Kampf von neuem. Ein1649Heer unter Wiśniowiecki wurde zu Zbaraż in Podolien eingeschlossen, ein anderes unter dem König bei Zborow in Rotrußland geschlagen. Chmielnicki stellte nun neue Friedensbedingungen: Erhöhung der Zahl der Registrierten auf 40 000, die Wojewodschaften Kijew, Tschernigow, Poltawa und Bracław für die registrierten Kosaken, die alle Rechte der Szlachta erhalten sollten, Entfernung der Jesuiten und Juden aus der Ukraine, Berufung des Kijewer Metropoliten in den Senat, Vergebung aller Ämter in den genannten Wojewodschaften an Orthodoxe.

Noch schienen Polen diese Bedingungen unannehmbar. In der Ukraine aber erhob sich Unzufriedenheit bei dem Teil des Volkes, der auch bei 40 000 Registrierten unberücksichtigt geblieben wäre und wieder in die Untertänigkeit zurückkehren sollte. So sahen sich beide Seiten von neuem zum Kampfe genötigt, im Jahre 1651. Bauernaufstände1651im eigentlichen Polen, die auf Chmielnickis Veranlassung ausbrachen, wurden glücklich gedämpft, er selbst bei Beresteczko in Wolynien geschlagen, da der Tatarenkhan, vom König gewonnen, das Schlachtfeld verließ und den Ataman als Gefangenen mit sich führte. Chmielnicki machte sich wieder frei und stellte nunmehr sehr viel mäßigere Friedensbedingungen. Aber diese nahm der Reichstag nach dem Siege von Beresteczko noch weniger an.

Auf den Sultan gestützt, den er als Lehensherrn anerkannte, suchte Chmielnicki seine Herrschaft über die Moldau auszubreiten, vernichtete 1652 ein neues polnisches Heer1652bei Batoh am Bug und schlug mit dem Khan, der auf Befehl des Sultans ihm wieder zu Hilfe gekommen war, ein zweites bei Żwaniec, unfern Chotin (1653). Als nun der1653ihm unfreundlich gesinnte Tatare auf Grundlage der nach Zborow gestellten Bedingungen eigenmächtig Frieden mit den Polen schloß, ließ Chmielnicki die Partei des Sultans fallen. Er schickte eine feierlicheGesandtschaftan den rechtgläubigenZaren Alexejund bot ihm die Herrschaft über die Ukraine an. Alexej nahm das Anerbieten an und schickte 1654 Kommissare, die von dem Lande Besitz ergriffen,1654unter Wahrung der Selbstverwaltung, der eigenen Gerichtsbarkeit und der sonstigen Freiheiten der Kosaken.

So waren die Kämpfe um die Ukraine durch die Kurzsichtigkeit, Intoleranz und Habgier des Adels zuungunsten Polens ausgegangen. Moskau hatte auch territorial das Übergewicht in Osteuropa erlangt, der Wettstreit war eigentlich schon jetzt zu seinen Gunsten entschieden.

So waren die Kämpfe um die Ukraine durch die Kurzsichtigkeit, Intoleranz und Habgier des Adels zuungunsten Polens ausgegangen. Moskau hatte auch territorial das Übergewicht in Osteuropa erlangt, der Wettstreit war eigentlich schon jetzt zu seinen Gunsten entschieden.

Zunächst mußte aberAlexejnoch in einemWaffengang(1654–1556) die Neuerwerbung sichern, die ihm so mühelos in den Schoß gefallen war. Ehe Polen überhaupt ein Heer aufstellen konnte, hatte er die ganze vielumstrittene Reihe russischer Städte von Kijew bis Smolensk und Polozk in seiner Gewalt. Erst 1655 besiegte ihn Potocki bei Ochmatow1655in der Ukraine, zu einer Zeit allerdings, als schon ein zweiter Feind auf polnischem Boden stand, Karl Gustavvon Pfalz-Zweibrücken, seit 1654 König von Schweden, den nach alter Übung Johann Kasimir nicht anerkennen wollte.

DieserSchwedische Krieg(1655–1660) ward eine1655 bis 1660nahezu ununterbrochene Reihe polnischer Niederlagen, und nur durch geschickte Bündnisse rettete Johann Kasimir das Land vor der bereits geplanten Teilung.

Einem von Pommern in Großpolen eindringenden Heer ergab sich das allgemeine Aufgebot schimpflich bei Usch a. d. Netze, einem anderen, das von Livland kam, der Großhetman von Litauen, Janusz Radziwill bei Kiejdany in Samogitien. In kurzem nahm Karl Gustav Warschau und Krakau, während Alexej und Chmielnicki bis Lublin und Zamość vordrangen, derGroße Kurfürst Preußenbesetzte. Der Adel erkannte Karl Gustav als König an und selbst die beiden Hetmane mitsamt den Truppen traten in seinen Dienst. Der verlassene Johann Kasimir mußte noch im Jahre 1655 nach Glogau fliehen.1655

In Großpolen brach jedoch, veranlaßt durch die Greuel der schwedischen Truppen und die Nichtachtung der religiösen Gefühle, unter Christoph Żegocki ein Aufstand zugunsten des vertriebenen, katholischen Königs aus. Die tapfere und erfolgreiche Verteidigung des Paulinerklosters inCzenstochaudurch den Prior Augustin Kordecki mit Mönchen und Edelleuten weckte den Fanatismus: die wundertätige schwarze Muttergottes, die man in Czenstochau verehrte, hatte schützend ihre Hand über ihre Getreuen gehalten! Es bildete sich unter Führung der Hetmane Potocki und Lanckoroński, die sich von Schweden zurückzogen, dieKonföderation zu Tyszowce„zur Verteidigung des Glaubens und des Vaterlandes”.

In Großpolen brach jedoch, veranlaßt durch die Greuel der schwedischen Truppen und die Nichtachtung der religiösen Gefühle, unter Christoph Żegocki ein Aufstand zugunsten des vertriebenen, katholischen Königs aus. Die tapfere und erfolgreiche Verteidigung des Paulinerklosters inCzenstochaudurch den Prior Augustin Kordecki mit Mönchen und Edelleuten weckte den Fanatismus: die wundertätige schwarze Muttergottes, die man in Czenstochau verehrte, hatte schützend ihre Hand über ihre Getreuen gehalten! Es bildete sich unter Führung der Hetmane Potocki und Lanckoroński, die sich von Schweden zurückzogen, dieKonföderation zu Tyszowce„zur Verteidigung des Glaubens und des Vaterlandes”.

Johann Kasimir, der eine eifrige diplomatische Tätigkeit entwickelt hatte, kehrte zurück. Doch erfochten die Schweden im Verein mit dem Großen Kurfürsten, der imVertrage von Königsberg(17. Januar 1656) sein Herzogtum1656Preußen von Schweden in Lehen genommen und am 25. Juni zu Marienburg gegen Abtretung der Souveränität in denLandschaften Posen, Kalisch, Sieradz und Łęczyca Hilfeleistung mit seiner ganzen Macht versprochen hatte, einen entscheidenden Sieg in der dreitägigenSchlacht bei Warschau(28. bis 30. Juli 1656): 9000 Schweden und 9000 Brandenburger gegen 80–90 000 Polen und Tataren.Am 26. November erkannte Karl Gustav zu Labiau seinen Bundesgenossen als souveränen Herzog in Preußen an.

Friedrich Wilhelm hatte von Schweden alles erreicht, was es ihm bieten konnte, ohne daß es übermächtig wurde. Als Karl Gustav mit Dänemark, das im Verein mit dem Kaiser Johann Kasimir unterstützte, in Krieg geriet und den Dingen in Polen vorläufig ihren Lauf ließ, zog er sich zurück. Am 29. September 1657 schloß er den1657Vertrag zu Wehlau, worin Polen seineSouveränität im Herzogtum Preußenebenfalls anerkannte und seine Hilfe erwarb. Nicht umsonst war der Große Kurfürst das Zünglein an der Wage gewesen.Von nun an mußten die brandenburgischen Bestrebungen auf die Herstellung der Verbindung zwischen dem Herzogtum und Brandenburg, also auf die Erwerbung von Polnisch-Preußen gerichtet sein.

Mit Alexej hatte Johann Kasimir 1656 auf der Grundlage „uti possidetis” Frieden geschlossen und seine Bundesgenossenschaft gegen Schweden gewonnen, so daß die Lage wieder Aussicht auf Besserung bot. Aber Karl Gustav verbündete sich nunmehr mit den Kosaken und mit GeorgII.Rákoczy von Siebenbürgenzur Teilung Polens. Ganz Rotrußland bis vor die Tore Krakaus fiel 1657 in die Hände der Ungarn und Kosaken. Sie gelangten bis Warschau, wurden aber dann durch den Einbruch der Kaiserlichen in ihren Rücken zur Umkehr gezwungen.

Mit Alexej hatte Johann Kasimir 1656 auf der Grundlage „uti possidetis” Frieden geschlossen und seine Bundesgenossenschaft gegen Schweden gewonnen, so daß die Lage wieder Aussicht auf Besserung bot. Aber Karl Gustav verbündete sich nunmehr mit den Kosaken und mit GeorgII.Rákoczy von Siebenbürgenzur Teilung Polens. Ganz Rotrußland bis vor die Tore Krakaus fiel 1657 in die Hände der Ungarn und Kosaken. Sie gelangten bis Warschau, wurden aber dann durch den Einbruch der Kaiserlichen in ihren Rücken zur Umkehr gezwungen.


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