IX

Jeden Neugierigen scheuchte Unrat strenge fort von der Tür zur Künstlergarderobe. Die fremden Matrosen glaubten, er sei der »Heuerbas«, der die Artisten gemietet habe. Wer in ihm nicht den Direktor der Truppe sah, hielt ihn für einen Vater. Dazwischen saßen die, die ihn kannten, und grinsten unsicher.

Die ersten Abende hatten sie laut gehöhnt. Unrat sah dann überlegen und unberührt über sie hinweg. Er hatte hier zuviel vor ihnen voraus. Sie fühlten das bald. Sie kamen sich bald selbst gedemütigt vor, sie, die für ihre Nickel dabei saßen und glotzten, – und Unrat machte, mit einer Miene des Einverständnisses, die Tür auf vor der Künstlerin Fröhlich, zu der sie alle die größte Lust hatten. Wider ihren Willen faßten sie Achtung vor Unrat, und ihre Bemühungen, ihn noch lächerlich zu finden, wurden täglich verlegener. Dafür rächten sie sich durch Wispern in den hinteren Kontoren der Großhandlungen. Die ersten Gerüchte über Unrats Lebenswandel fanden dort eine Tür geöffnet nach der Stadt. Die Stadt glaubte ihnen nicht sogleich. Die Schüler des alten Unrat behaupteten heute, er habe seine Wirtschafterin ins Kabuff gesperrt, und morgen etwas anderes. Das war herkömmlich, die Stadt lächelte darüber.

Ein junger Oberlehrer besuchte, unter dem Schutze des ältesten Professors, eines halbtauben Greises, den Blauen Engel und gewann Einblicke in die Wahrheit. Am nächsten Morgen im Lehrerzimmer sprach dertaube Professor zu Unrat einige beschwörende Worte über die Würde des Erzieherstandes. Der junge Oberlehrer lächelte skeptisch. Die andern Herren sahen weg; mehrere zuckten die Achseln. Unrat erschrak: er sah sich vor einem schlechthin unglaublichen Eingriff in seine Machtvollkommenheit. Sein Kinn klappte; er brachte hervor:

»Das ist – traun fürwahr – nicht Ihre Sache.«

Er wendete sich nochmals um.

»Meine Würde – aufgemerkt nun also! – gehört mir selbst ganz allein.«

Er schnappte mehrmals und schlich bebend davon. Auf halber Straße zog es ihn noch immer zurück. Es erbitterte ihn tagelang, daß er es bei unklaren Worten gelassen hatte. Er hätte bekennen sollen, die Künstlerin Fröhlich sei würdiger als alle Oberlehrer, schöner als der taube Professor und höher als der Direktor. Sie sei einzig und gehöre an Unrats Seite, hoch über der Menschheit, die gleich sehr frevle, ob sie sich an ihr vergreife oder ihn anzweifle.

Aber die Gänge dieser Meinungen waren noch zu wenig ausgegraben, zu dumpf und zu tief, als daß Unrat die Leute hätte hineinführen können. Diese Meinungen reizten ihn unterirdisch; er hatte in der Stille seines Zimmers Ausbrüche, in denen er knirschte und die Fäuste schüttelte. Und am Sonntag ging er mit dem Artisten Kiepert zur politischen Wahl, an den Kohlmarkt, ins sozialdemokratische Hauptquartier. Es war die Ausführung eines jähen Entschlusses. Die Macht der Kaste, der Lohmann angehörte, war, soentdeckte er, eine zu brechende. Bis dahin hatte er allen Werbungen des Artisten sein höhnisch überlegenes Lächeln entgegengehalten: das Lächeln des aufgeklärten Despoten, der Kirche, Säbel, Unwissenheit und starre Sitte unterstützt und sich über seine Beweggründe lieber nicht äußert. Heute war er auf einmal entschlossen, das alles über den Haufen werfen zu lassen, gemeinsame Sache zu machen mit dem Pöbel gegen die dünkelhaften Oberen, den Pöbel in den Palast zu rufen und den Widerstand einiger in allgemeiner Anarchie zu begraben. Im Dunst des Volksgemüts, der schwer unter der Decke des Wahllokals hing, verfing sich Unrats Besinnung; und er entbrannte in hektischer Zerstörungssucht. Er schlug mit geröteten Knöcheln zwischen die Biergläser und verlangte:

»Vorwärts nun also! Ich bin nicht gewillt, dies alles noch länger zu dulden!...«

Es war ein Rausch; tags darauf bereute er ihn. Überdies erfuhr er, alle die Stunden hindurch, die er beim Umsturz verbracht hatte, sei die Künstlerin Fröhlich aus der Stadt verschwunden gewesen. Augenblicklich dachte Unrat, angstgelähmt, an Lohmann.

Lohmann fehlte seit heute in der Klasse! Welche Verruchtheiten beging er inzwischen? Er verbrachte jeden Augenblick, den Unrat sich abwandte, bei der Künstlerin Fröhlich! Er war endgültig zu ihr entlaufen! Er stak in ihrem Zimmer! Unrat ward von dem Drang ergriffen, ihr Zimmer zu sehen, es zu untersuchen ...

Diese Tage verbrachte Unrat zitternd vor Argwohn.In der Schule wütete er mörderisch in den Laufbahnen von Sekundanern. In der Künstlergarderobe beschuldigte er die dicke Frau eines unheilvollen Einflusses auf die Künstlerin Fröhlich. Die Frau lachte nachsichtig. Die Künstlerin Fröhlich selber antwortete:

»Wenn ich mit Ihre drei Schuljungens 'ne Landpartie sollt' machen – lieber laß ich mich gleich auf 'n Kopf schlagen, als daß ich mich mit Ihre Schuljungens totmopse.«

Er musterte sie entsetzt. Dann, im Drang, sie als unverantwortlich zu behandeln, sie rein zu finden, stürzte er sich zurück auf die Frau.

»Verantworten Sie sich! Was haben Sie mit der Ihnen anbefohlenen Künstlerin Fröhlich gemacht!«

Die Frau sagte, ohne sich aufzuregen:

»Sie werden jetzt überhaupt so komisch.«

Sie machte die Tür auf, kehrte sich nochmals um:

»Von Ihnen wird doch keiner satt.«

Und im Abgehen:

»Und glücklich auch nicht.«

Darauf errötete Unrat wolkig. Die Künstlerin Fröhlich lachte.

»Er kommt nu mal nich drauf,« erklärte sie, obwohl sie mit ihm ganz allein war. Und weiter teilten sie sich nichts mit.

So oft aber die dicken Leute sich zeigten, schwoll Unrat von Streitsucht. Er behandelte sie schon längst mit Strenge. Je wichtiger sich die Künstlerin Fröhlich in seinem Bewußtsein ausbreitete, je stärker er seinen Schutz um sie legte und je einsamer er sie der Menschheitentgegenstellte: desto weniger Platz war auf den Stühlen der Garderobe für die Röcke der dicken Frau und für Kieperts Trikots. Er verdachte ihnen den Beifall, den sie ernteten, und ihre lärmende gute Laune. Er verwies den Artisten nach einer turnerischen Produktion aus der Garderobe, weil er zu sehr schwitze und dies in Gegenwart einer Dame, wie der Künstlerin Fröhlich, sich nicht zieme. Kiepert trollte sich gutmütig, indes er vermutete:

»Sie is woll von Butter, daß die Gerüche in sie einziehn?«

Seine Frau war leicht verletzt, aber sie lachte und stieß Unrat an. Er wischte sich den Ärmel ab. Darauf war sie wirklich beleidigt.

Die Künstlerin Fröhlich kicherte dazu. Sie konnte unmöglich anders als sich geschmeichelt fühlen. Die beiden Dicken ärgerten sie ohnehin mit ihrem immer erfolgreichen Flottenlied. Unrat behauptete wiederholt, eine Künstlerin sei nur sie. Er reizte, ein naiver Intrigant, ihre Eifersucht und zog sie näher an sich, dadurch, daß er sie dazu verführte, aller Welt Geringschätzung zu zeigen; dadurch, daß er sie nötigte, sich auf ihn zu stützen, als ihren unbedingten Ritter. Die allertiefste Verachtung verlangte er von ihr für den Saal voll Menschen, um deren Beifall sie sich abarbeitete, und für jeden einzelnen Zuschauer, dem sie gefallen hatte. Er haßte die dicke Frau besonders deshalb, weil sie immer Nachrichten aus dem Saal mitbrachte von Eindrücken, die die Künstlerin Fröhlich darin hinterlassen hatte.

»Wie! Wäre es möglich!« rief er aus. »JenerMensch also nun erkühnt sich, den Mund zu öffnen? Derselbe Meyer, der mit neunzehn Jahren das Ziel der Klasse noch nicht erreicht hatte und endlich sich genötigt sah, dreijährig zu dienen!«

Die Künstlerin Fröhlich verbarg unter einem Lächeln ihre Verlegenheit darüber, daß ihr der untergeordnete Meyer nicht mißfiel. Sie wünschte sich, er möge ihr mißfallen. Sie war gelehrig von Natur und empfänglich dafür, daß ein Mann vom geistigen Stande Unrats sie erzieherischer Eingriffe würdigte. Es geschah ihr zum erstenmal. Der dicken Frau, die noch ein Wort zugunsten Meyers versuchte, fuhr sie aufgebracht über den Mund.

Andere Male kitzelte sie Unrat mit Blumen unter der Nase.

»Die angefressene Rose ist von dem kleinen Dicken da gleich hinterm Klavier.«

»Kindchen,« versetzte die Frau, »das is ja der Zigarrenfritze vom Markt. 'n feiner Mann. Kiepert käuft bei ihm. 'n großartiges Geschäft.«

»Was sagt Unrat nu?« fragte die Künstlerin Fröhlich.

Unrat sagte, dieser Schüler sei einer der Schlimmsten gewesen, und als Geschäftsmann könne er auch nicht viel taugen; denn er stelle ihm keine Rechnung aus, ohne seinen Namen das erste Mal mit einem falschen Buchstaben anzufangen. Die Frau meinte, das machte nichts. Unrat log, der Mann gelte für geschäftlich unsicher. Die Künstlerin Fröhlich, die ihn Feuer spritzen sah, drehte sich in den Hüften und roch an der angefressenen Rose.

»Sie haben auch an all und jedem was auszusetzen,« bemerkte die Frau. »Was wollen Sie da eigentlich mit, können Sie uns das woll erzählen?«

Und da Unrat schwieg:

»Sie selber stellen hier doch weiter nischt an.«

»Nee, er kommt auf nischt,« und die Künstlerin Fröhlich schlug sich aufs Knie, indes Unrat sich rosig bewölkte.

»Dann müssen Sie ihn alleine klug reden lassen,« verlangte die Frau, »und sich mit die Dümmern begnügen, die sind auch was wert, und wenigstens das Einfachste fällt ihnen manchmal ein. Sie verstehn, Rosachen. Ich hab' doch meine Gründe, nicht wahr, daß ich Ihnen so 'n Rat gebe, und ewig kann ich auch nich warten.«

Darauf ging sie, um mit Kiepert das Flottenlied zu singen. Die Künstlerin Fröhlich blieb in weinerlicher Erbitterung zurück.

»Hurrgott, die piesackt einen, daß man blaue Flecke kriegt!«

Sie hielt sich die Arme.

»In der Tat,« setzte sie, sich fassend, hinzu, »die Person fällt mir greulich auf die Nerven.«

Stehen bleibend, in Verzweiflung:

»Daß Sie auch gar kein Mitleid kennen!«

Und Unrat fühlte auf einmal die Last einer täglich und fast unbemerkt gewachsenen Schuld auf sich, und gar keine Kraft, sie loszuwerden.

Solange das Flottenlied stieg, bewegte sich die Künstlerin Fröhlich stöhnend durch die Garderobe.

»Gleich hat's geschnappt!... Ich hab' doch immer gesagt, ich verekel' es den Dicken noch mal. Hab' ich das nich gesagt? Nu hat's geschnappt.«

Und kaum hatte das Ehepaar Kiepert den Gesang der deutschen Seehelden geendet, da schritt sie stürmisch hinaus und kreischte in den noch ganz von Patriotismus erschütterten Saal:

»Mein Mann der is 'n SchiffskaptänWoll auf die deutsche Flott',Un wenn er duhn nach Hause kommt,Dann haut er mir die –«

»Mein Mann der is 'n SchiffskaptänWoll auf die deutsche Flott',Un wenn er duhn nach Hause kommt,Dann haut er mir die –«

»Mein Mann der is 'n Schiffskaptän

Woll auf die deutsche Flott',

Un wenn er duhn nach Hause kommt,

Dann haut er mir die –«

Erst waren alle starr; dann entrüsteten sie sich geräuschvoll; endlich ging das Vergnügen am Kontrast ihnen auf. Die Künstlerin Fröhlich war durchgedrungen mit ihrem Wagnis, sie kehrte frohlockend zurück.

Die dicke Frau war diesmal ernstlich aufgebracht.

»Wir zwei stellen uns auf'n Kopp, damit daß die Leute 'n Begriff vons Höhere kriegen. Un denn kommen Sie un verulken uns die heiligsten Güter. Wenn das nicht 'ne Gemeinheit is!«

Unrat leugnete dies, im Bunde mit der Künstlerin Fröhlich. Er behauptete, jede Richtung sei in der Kunst berechtigt; Kunst sei, was die großen Künstler machten; und das heiligste der Güter sei das Talent der Künstlerin Fröhlich. Sie ergänzte seine Ausführungen durch wenige Worte an die dicke Frau.

»Sie können mir überhaupt –«

Da trat Kiepert ein und schob vor sich her einen untersetzten Mann mit einem rötlichen Haarband rundum das rotfleischige Gesicht. Der zog die Brauen in die Höhe und sagte:

»Gottsdunner, Fräulein, Sie sind jä 'n dolle Deern, sind Sie jä. Huhu! Denn haut er mich auf'n – Ich bin nämlich auch 'n Kaptain, und wenn Sie was mit mich trinken wollen –«

Schon griff Unrat ein.

»Die Künstlerin Fröhlich trinkt – traun fürwahr – mit niemand. Da irren Sie, Mann. Überdies verkennen Sie sichtlich den privaten Charakter dieses Kab–, dieser Garderobe.«

»Herr, Sie spaßen woll,« und der Kapitän zog die Brauen noch höher.

»Mit nichten,« erklärte Unrat. »Vielmehr belehre ich Sie darüber, daß Sie hinausgehn müssen.«

Dem Ehepaar Kiepert ward es zu viel.

»Herr Professor,« sagte der Artist, gekränkt und polternd: »Wenn ich mir 'n Freund mit 'reinbring', mit dem ich eben Brüderschaft getrunken hab', das is woll meine Sache.«

Seine Frau brach endlich los:

»Ob ich mir Sie nu nich bald kaufe! Keinen gibt er hier was zu verdienen, un nischt als Stank macht er un grault uns die Leute weg. Rosa, gehn Sie mal mit'n Kapitän!«

Unrat war fahl, er zitterte.

»Die Künstlerin Fröhlich,« rief er mit einer Stimme aus der Tiefe und schielte giftig vor Angst nach ihr hin, »ist nicht eine Sobeschaffene, daß es ihr anstehen würde, Ihr Bier zu trinken, Mann!«

Sein Blick stach sie; sie seufzte.

»Gehn Sie man wieder weg,« versetzte sie, »da is ja nischt zu machen.«

Und Unrat im Triumph, plötzlich rot auf den Backenknochen, und mit einem Sprung:

»Hören Sie es, Mann? Sie sagt es Ihnen selbst. Die Künstlerin Fröhlich verweist Sie ins Exil. Gehorchen Sie! Vorwärts nun also!«

Er hatte den Kapitän schon gepackt, sich in ihn eingekrallt, ihn zum Ausgang gezerrt. Der starke Mensch ließ den hektischen Ansturm ohne Widerstand über sich gehn. Er schüttelte sich nur, wie Unrat ihn losließ. Aber das war schon jenseits der Schwelle, und die Tür schloß sich heftig vor seinen erstaunten Brauen.

Der Artist schlug gewaltig auf den Tisch.

»Menschenskind, Sie sind woll –«

»Und Sie, Mann –«

Unrat kam pfauchend auf ihn zu. Kiepert bekam Furcht.

»– merken Sie sich – denn also – daß die Künstlerin Fröhlich unter meinem Schutze steht, und daß ich nicht gesonnen bin, sie beleidigen noch auch das Heft mir entwinden zu lassen. Wiederholen Sie sich dies des öftern! Schreiben Sie es sich auf!«

Der Artist brummte etwas, aber er sah bezähmt aus. Allmählich machte er sich davon. Die Künstlerin Fröhlich sah Unrat an und lachte laut auf; dann kam ein viel leiseres Lachen, spöttisch und zärtlich, und so, als dächte sie über ihn nach und über sichselbst: warum sie sich stolz fühlte auf ihn, den sie lächerlich fand.

Die dicke Frau überwand ihr Übelwollen und legte Unrat die Hand auf die Schulter.

»Nu hören Sie mal zu,« sagte sie.

Unrat wischte sich die Stirn, halb abgewendet und völlig besänftigt. Die Panik des Tyrannen, der einer Widersetzlichkeit durch kopfloses Wüten begegnet, sie ließ ihn wieder einmal ziemlich erschöpft zurück.

»Also da aus der Tür geht Kiepert, und da is die Rosa, und da sind Sie, und hier bin ich ...«

Mit eindringlicher Stimme hielt sie ihm die Wirklichkeit vor.

»Und denn war da noch der Schiffskapitän, den Sie 'rausgesetzt haben. Der kommt nämlich aus Finnland und hat 'n glänzendes Geschäft gemacht, weil ihm nämlich sein Schiff untergegangen is, und es war versichert ... Sie haben woll kein Schiff versichert? Nu, das muß ja auch nich sein. Dafür haben Sie andere Geistesgaben. Sie müssen sie bloß mal sehen lassen, das is allens was ich sag' ... Da is also nu die Rosa. Sie verstehn? Der Kapitän hat Geld, is 'n ansehnlicher Mann und gefällt dem Mädchen.«

Unrat blickte verstört auf die Künstlerin Fröhlich.

»Is ja gar nich wahr,« machte sie.

»Sie haben es doch selbst gesagt.«

»Gott, kann sie lügen.«

»Leugnen Sie doch mal, daß Ihnen der eine Schüler von Herrn Professor, der mit der schwarzenLocke auf die Augen, daß der Ihnen 'n ganz ernsten Antrag gemacht hat.«

Unrat fuhr wild auf. Die Künstlerin Fröhlich beschwichtigte ihn.

»Das is ja 'n böswilliger Irrtum. Heiraten will mich bloß der Rote, der aussieht wie 'n besoffener Mond. 'n Graf is er, aber was hab' ich davon, ich mag ihn doch nich ...«

Sie lächelte Unrat zu, kindlich.

»Na meinswegen hab' ich gelogen,« sagte die Frau. »Aber das stimmt doch woll, daß Sie mir zweihundertsiebzig Mark schulden, waschen, Rosachen? Sehn Sie, Herr Professor, man is sonst nich so, und ich beiß mir lieber 'n Finger ab, als daß ich das in Ihrer Gegenwart zur Sprache bring'. Aber schließlich is man sich selbst der Nächste, is doch wahr. Und dafür, daß Sie hier alle andern rausschmeißen, Herr Professor, sei'n Sie man nich böse, dafür bieten Sie nich genug. Von's Geld will ich nich mal reden; aber so 'n junges Ding will auch Liebe und kann sie woll beanspruchen. Da merkt man bei Ihnen gar nichts von, Sie kommen einfach nich drauf. Ich weiß nicht mal, ob ich das peinlich finden soll, oder lachhaft.«

Die Künstlerin Fröhlich rief:

»Wenn ich selber nischt sage, kann es Ihnen auch recht sein, Frau Kiepert.«

Aber die dicke Frau wehrte ab; sie hatte das Bewußtsein, für Moral und Sitte ein vernünftiges Wort eingelegt zu haben; und sie schritt erhobenen Hauptes hinaus.

Die Künstlerin Fröhlich rückte die Schultern.

»Sie is ja nur ungebildet, aber gutmütig. Na laß ihr. Wenn Sie nu man nich glauben, daß ich mit ihr unter einer Decke steck' und Sie bloß 'rankriegen will.«

Unrat sah vom Boden auf. Nein, diese Vermutung hatte ihm fern gelegen.

»Überhaupt steck' ich mit keinem unter einer Decke ...«

Sie lächelte von unten, spöttisch und schüchtern.

»Nich mal mit Ihnen ...«

Nach einer Pause.

»Das is doch wahr?«

Sie mußte mehrmals fragen. Unrat merkte nichts von der Brücke, die ihre Worte ihm bauten. Nur von der entstandenen Stimmung fühlte er sich umfangen, daß ihm schwül ward.

»Mag's denn sein ...« versetzte er und streckte zitternde Hände aus nach der Künstlerin Fröhlich. Sie überließ ihm die ihrigen. Ihre kleinen Finger, ein wenig grau und fettig, schlüpften weich zwischen seine Knöchel. Ihr Haar, ihre Stoffblumen, ihr buntes Gesicht drehten sich ihm als ein farbiges Rad vor den Augen. Er kämpfte sich durch.

»Sie sollen der Frau kein Geld schulden. Ich bin entschlossen –«

Er schluckte hinunter. Es fiel ihm mit Schrecken ein, der Schüler Lohmann möchte ihm in seinem Entschluß zuvorgekommen sein: der Schüler Lohmann, der in der Klasse fehlte und sich vielleicht im Zimmer der Künstlerin Fröhlich verborgen hielt.

»Ich will Ihnen – traun fürwahr – Ihre Wohnung bezahlen.«

»Davon reden wir mal gar nich,« erwiderte sie leise. »Das is bei uns Nebensache ... Übrigens kost mein Zimmer nich viel ...«

In Pausen:

»Es is hier oben im Haus ... Es is ganz schön ... Wollen Sie es mal sehn?«

Sie hielt die Lider gesenkt und sah bestürzt aus, wie man bei der Erklärung eines ernsten Mannes aussehen mußte. Und sie wunderte sich, weil sie gar keine Lachlust verspürte, und weil eine kleine feierliche Wallung ihr Herz aufhob.

Sie erschloß einen ungewöhnlich dunklen Blick und sagte:

»Na, nu gehn Sie man voraus. Die Affen im Saal brauchen es ja nich gleich zu merken.«

Kieselack öffnete von außen die Saaltür, führte seine blaue Pfote an den Mund und stieß einen gedämpften Pfiff aus. Sofort kamen Ertzum und Lohmann heraus.

»O Mensch, lauf!« rief Kieselack jedem zu und tanzte rückwärts, mit anfeuernden Gesten, vor ihnen her, bis ans Ende des Hausflurs und der Treppe zu.

»Nu is es so weit!«

»Was ist so weit?« fragte Lohmann gleichgültig – obwohl er es genau wußte und darauf gespannt war.

»Sie sind schon oben,« raunte Kieselack, mit ganz verrenktem Mund. Er zog sich die Schuhe aus und schlich die flache gelbgeländerte Holztreppe hinan, die knarrte. Gleich auf dem ersten, niederen Absatz war die Tür: Kieselack kannte sie. Er duckte sich vors Schlüsselloch. Nach einer Weile winkte er, stumm und leidenschaftlich, ohne sich vom Schlüsselloch zu trennen.

Lohmann zuckte die Achseln und blieb am Fuß der Treppe stehn neben Ertzum, der mit offenem Mund hinaufstarrte.

»Nun, wie ist dir?« fragte Lohmann verständnisvoll.

»Ich weiß bei Gott nicht mehr, was los ist,« sagte von Ertzum. »Du glaubst doch nicht, daß da was passiert? Dieser Kieselack ulkt natürlich.«

»Natürlich,« bestätigte Lohmann mitleidig.

Kieselack winkte immer wilder. Er kicherte lautlos in das Schlüsselloch hinein.

»Sie muß sich doch sagen,« bemerkte Ertzum, »daß ich diesen Menschen niederschlagen kann.«

»Schon wieder?.. Übrigens, das macht ihr die Sache vielleicht reizvoller.«

Von Ertzum kam nicht mehr mit. Sein Begriff von Liebe war ein für allemal geprägt durch die Kuhmagd, die ihn vor drei Jahren daheim ins Gras geworfen hatte, nachdem er über einen starken Viehjungen Sieger geblieben war ... Hier war nun einhochschulteriger Schwächling; und Rosa Fröhlich glaubte doch wohl nicht, daß Ertzum ihn fürchtete?

»Sie glaubt doch wohl nicht, daß ich ihn fürchte?« fragte er Lohmann.

»Fürchtest du ihn etwa nicht?« fragte Lohmann.

»Das sollst du sehn!«

Und Ertzum, aufgereckt, tat zwei Sätze, über sechs Stufen.

Aber Kieselack, der das Schlüsselloch losgelassen hatte, vollführte auf Socken einen Triumphtanz. Plötzlich anhaltend:

»O Mensch!« wisperte er, und seine Augen funkelten in seinem käseblassen Gesicht. Ertzum war feuerrot und keuchte. Ihre Blicke maßen sich, kämpften. Ertzum verlangte mit seinem: dies sollte nicht wahr sein. Kieselack antwortete mit dem dünnen Hohn eines Lidwinkels, der ein bißchen zuckte ... Und auf einmal sank Ertzum in ebensolche Blässe wie der andere, beugte sich über sich selbst, als habe er einen Stoß vor den Magen bekommen, und stöhnte auf vorSchmerz. Er tastete sich wankend die sechs Stufen wieder hinunter. Lohmann empfing ihn mit verschränkten Armen, den Mund in lebensfeindlichen Falten. Ertzum ließ sich wie einen Sack auf die unterste Stufe fallen und nahm den Kopf in die Hände. Nach einem Schweigen, dumpf, von unten:

»Lohmann, faßt du das? Ein Weib, das ich so hochgestellt habe! Ich glaub' noch immer, derEkel,der Kieselack macht faule Witze. Dann gnad' ihm Gott!... Ein Weib, das so, so viel Seele hat!«

»Auf Seele kommt es bei dem, was sie momentanbetreibt, nicht eben an. Sie handelt schlicht weiblich.«

Lohmann lächelte grausam. Er zog durch dieses Wort Dora Breetpoot in den Schmutz neben die andere – Dora Breetpoot, die erste der Frauen. Wie er das genoß!

»Aber Kieselack ist wieder am Schlüsselloch ...«

Lohmann erhielt Ertzum, der den Kopf wegdrückte, auf dem Laufenden.

»Kieselack winkt schon ziemlich heftig ... Dieser Unrat ist – Ertzum, wir gehen vielleicht weiter?«

Er raffte seinen Freund vom Boden und zog ihn nach dem Haustor. Draußen wollte Ertzum nicht mehr vom Fleck; er lehnte sich, schwer und stumpf, an das Haus seiner Enttäuschungen. Lohmann redete eine Zeitlang vergeblich. Er drohte mit Weggehn; da erschien Kieselack.

»Ihr seid auch öde Kerls. Was kommt ihr denn nich rein. Unrat is schon drin mit seiner Braut. Ich hab' im Saal Bescheid gesagt, wo sie herkommen, da sind sie mit 'n großen Juchhe empfangen. Du, so was lebt nicht mehr: sie sitzen im Kabuff und sind zärtlich. Ich lach' mich tot! Komm, nu ziehn wir drei Mann hoch ins Kabuff.«

»Du bist wohl –« machte Lohmann.

Aber Kieselack meinte seinen Vorschlag ernst.

»Ihr habt doch hoffentlich keine Angst vor Unrat!« verlangte er empört.»Unratliegt ja viel zu sehr drin, was will er denn gegen uns noch machen. Wir können jetzt Schindluder mit ihm treiben.«

»Es reizt mich nicht. Unrat istunterallem Schindluder,« erklärte Lohmann. Kieselack flehte stürmisch.

»Sei doch kein Frosch. Du hast bloß Angst.«

Ertzum entschied plötzlich:

»Also los! Ins Kabuff!«

Eine wilde Neugier hatte ihn gepackt. Er wollte diesem Weib gegenübertreten, das aus solcher Höhe gestürzt war! Er wollte von ganz oben einen Blick über sie und ihren elenden Verführer hinwerfen und sehen, ob sie den Blick aushielt.

Lohmann erklärte:

»Ihr seid geschmacklos.«

Aber er ging mit.

In der Garderobe empfing sie Gläserklirren. Der Wirt entkorkte gleich die zweite Flasche Sekt. Das Ehepaar Kiepert neigte sich mit strahlenden Gesichtern über Unrat und die Künstlerin Fröhlich, die in eins verschmolzen hinter dem Tisch thronten.

Die drei Schüler gingen zuerst einmal um den Tisch herum. Dann pflanzten sie sich vor Unrat und seine Dame hin und wünschten einen guten Abend. Nur die beiden Kiepert antworteten und schüttelten ihnen die Hände. Darauf wiederholte Ertzum allein und mit rauher Stimme seinen Gruß. Rosa Fröhlich blickte verwundert auf und sagte unbefangen, mit einem zwitschernden, girrenden Stimmchen, das er noch gar nicht kannte:

»Na, da seid ihr ja. Sieh mal, Schatz, da sind sie. Setzt euch man hin un prost.«

Damit war sie fertig, und ihr Blick ließ Ertzum fahren, so teilnahmslos, daß er ins Zittern geriet.

Unrat hob gnädig die Hand auf.

»Freilich nun wohl – setzen Sie sich und trinken Sie eins. Heute sind Sie meine Gäste.«

Er schielte nach Lohmann, der schon Platz genommen hatte und sich eine Zigarette drehte ... Lohmann, der schlimmste, dessen Eleganz eine Demütigung war für die schlecht bezahlte Autorität; Lohmann, der die Unverschämtheit hatte, Unrat nicht bei seinem Namen zu nennen; Lohmann, der kein mausgrauer, unterworfener Schüler und kein dummer Kerl war, sondern mit seinen unbeteiligten Manieren, seinem neugierigen Bedauern beim Zorn des Lehrers, den Tyrannenanzweifelte: – zu allen den Nebendingen, mit denen dieser Lohmann sich abgab, hatte er auch die Künstlerin Fröhlich hinzuzufügen versucht. Hierbei aber war er gescheitert an Unrats ehernem Willen. Er sollte nicht im Kabuff bei der Künstlerin Fröhlich sitzen: Unrat hatte es geschworen. Er sollte der Künstlerin Fröhlich nicht teilhaftig werden: er war es nicht geworden. Und nicht nur, daß nicht Lohmann im Kabuff bei der Künstlerin Fröhlich saß, saß vielmehr Unrat darin ... Dies Ergebnis ging hinaus über Unrats erstes Ziel. Er stutzte; und fühlte auf einmal eine heißere Genugtuung. Er hatte Lohmann samt seinen zwei Genossen, er hatte den entlaufenen Schülern draußen im Saal, er hatte der Stadt von fünfzigtausend widerspenstigen Schülern die KünstlerinFröhlich entzogen, und er war Alleinherrscher im Kabuff!

Sie fanden ihn förmlich verjüngt. Mit der Krawatte hinterm Ohr, einigen offenen Knöpfen und den verwirrten Resten seiner Frisur, hatte er etwas aus dem Geleise Geratenes, verkommen Sieghaftes, ungeschickt Trunkenes.

Rosa Fröhlich hatte etwas Aufgeweichtes, Müdwarmes, Verkindlichtes, wie sie an ihn geschmiegt, über den Tisch hing. Ihr Aussehen war eine Kränkung für jeden unbeteiligten Mann, weil es ein allzu entschiedener Triumph Unrats war.

Die drei merkten dies ganz gut; Kieselack begann sogar an den Nägeln zu kauen. Kiepert, der sich weniger klar darüber war, ward mit seinem Unbehagen fertig dadurch, daß er allen geräuschvoll zutrank. Die dicke Frau entzückte sich fortwährend über Rosas glückliche Veränderung und über das allgemeine Versöhnungsfest.

»Und Ihre Schüler, Herr Professor, die freuen sich auch mit. Was die jungen Herren anhänglich sind an Sie, da is das Ende von weg.«

»Immerhin denn wohl,« sagte Unrat. »Sie scheinen ja wirklich des Sinnes für das Schöne und Gute nicht völlig zu ermangeln.«

Und er lächelte höhnisch.

»Nun, Kieselack, immer mal wieder auch da? Es wundert mich nur, das Sie der Möglichkeit, das Haus zu verlassen, nicht durch die Wachsamkeit Ihrer Großmutter verlustig gegangen sind ... Dieser Schülerbesitzt nämlich eine Großmutter, welche keinen Anstand nimmt, ihn mit Prügeln zu versehen,« sagte er zu der Künstlerin Fröhlich, in der Absicht, Kieselack in seiner Manneswürde zu beeinträchtigen.

Kieselack war sich aber bewußt, durch ganz andere Mittel als Manneswürde seinerzeit bei der Künstlerin Fröhlich das Ziel der Klasse erreicht zu haben. Er rieb sich das Gesäß und plärrte, während er heftig nach seiner Nasenspitze schielte:

»Großmutter haut mich, wenn ich mein Thèmeheft nicht wiederfind'. Es is mir so gewiß hier in 'n Kabuff untern Tisch gefallen.«

Und er ließ sich ganz plötzlich daruntergleiten, griff der Künstlerin Fröhlich an die Beine, raunte ihr in dem Geschrei, das die Kieperts unterhielten, aus der Tiefe seine Forderungen zu. Widrigenfalls verrate er alles an Unrat.

»Kleine Rotztulpe,« sagte sie bloß hinab und stieß ihn mit dem Fuß beiseite.

Zugleich redete Unrat den zweiten Schüler an.

»Nun also, von Ertzum – immer mal wieder. Sie erwecken durch Ihren Gesichtsausdruck den Anschein, als bewähre sich Ihre Fassungsgabe hier ebenso mangelhaft wie in der Klasse. Sind nicht Sie es, der – aufgemerkt nun also! – der Künstlerin Fröhlich einen Heiratsantrag zu machen sich unterfangen hat?... Ihrem einfältigen Glotzen entnehme ich bereits die Antwort. Drum denn, von Ertzum, die Künstlerin Fröhlich hat Sie über die einem Schüler gesetzten Grenzen belehrt. Ich brauche dem nichts hinzuzufügen. Stehen Sie einmal auf –«

Ertzum stand gehorsam auf. Denn Rosa lachte; und ihr Lachen nahm ihm die letzte Kraft sich zu empören und den Rest seines Selbstbewußtseins; es lähmte ihn.

»– und lassen Sie einmal sehen, ob Ihr vertrauter Verkehr im Blauen Engel Sie, der Sie bekanntlich zu den Schlechtesten gehören, etwa dahin bringt, daß Sie die von der Schule an Sie gestellten Anforderungen nicht nur nicht befriedigen, sondern dieselben leichten Herzens in den Wind schlagen. Sagen Sie die für morgen aufgegebenen Gesangbuchverse her!«

Ertzums Augen irrten aufgerissen durchs Zimmer. Seine Stirn war naß. Er fühlte sich im Joch, senkte den Kopf, zog an:

»Sollt' ich meinem Gott nicht singen?Sollt' ich ihm nicht fröhlich sein?Denn ich seh' in allen Dingen,Wie so gut er's mit mir mein'.«

»Sollt' ich meinem Gott nicht singen?Sollt' ich ihm nicht fröhlich sein?Denn ich seh' in allen Dingen,Wie so gut er's mit mir mein'.«

»Sollt' ich meinem Gott nicht singen?

Sollt' ich ihm nicht fröhlich sein?

Denn ich seh' in allen Dingen,

Wie so gut er's mit mir mein'.«

Hier begann Rosa zu kreischen. Auch Frau Kiepert gluckste, gutmütig. Rosa aber kreischte, mit der Absicht, Ertzum zu beleidigen; und sie kreischte weich, aus Zärtlichkeit für Unrat, dessen Arm sie drückte, und um ihm zu schmeicheln, ihn zu belohnen für seine Herrschaft über den vierschrötigen, roten Menschen, der in ungelenkem und untertänigem Ton seine frommen Reime hersagte.

Von Ertzum versetzte noch:

»Ist doch nichts als lauter Lieben,Das sein treues Herze hegt ...«

»Ist doch nichts als lauter Lieben,Das sein treues Herze hegt ...«

»Ist doch nichts als lauter Lieben,

Das sein treues Herze hegt ...«

Da ward ihm das Betragen des Artisten zu toll.Kiepert hatte die Situation erst eben zu schmecken begonnen. Jetzt aber brüllte er Ertzum ins Gesicht und schlug sich dabei aufs Knie.

»Nee Sie, aber Sie! Was reden Sie denn? Ihnen is woll schlecht geworden?«

Er zwinkerte Unrat zu, gab zu verstehen, daß er den Grafen Ertzum, der im Hinterzimmer des Blauen Engels Gesangbuchverse hersagte, zu schätzen wisse, und sich diesem Witz auf Adel und Religion mit Überzeugung anschließe. Er öffnete die Tür und tat, als bestellte er bei dem Klavierspieler einen Choral. Schließlich stimmte er selbst ihn an ... Doch Ertzum hörte auf.

Zwar hätte er gar nicht weiter gewußt. Davon aber abgesehen, würgte ihn plötzlich eine maßlose Wut auf den dicken, lachenden, singenden Mann. Es verschwamm ihm vor den Augen. Er meinte nicht mehr leben zu können, außer mit seinen beiden Fäusten an diesem Menschen, mit seinen beiden Knien auf Kieperts Brust. Er zuckte ein paarmal auf seinem Platze; er hob die geballten Hände vor die Schultern ... er stürzte los.

Der Athlet war atemlos vom Lachen und auf nichts gefaßt: das setzte ihn in Nachteil gegen den tiefernsten Ertzum, der aufblühte, während er seinen Muskelhunger stillte. Sie rollten von einem Winkel in den andern. Ertzum vernahm inmitten des Gepolters einen leisen Ausruf Rosas. Er wußte, sie sah auf ihn; und darum atmete er mächtiger; preßte die Gliedmaßen seines Gegners härter zwischen den seinigen;fühlte sich glücklich erlöst und an seinem richtigen Platz, da er unter ihren Augen kämpfen konnte, wie damals mit dem Viehjungen um die Kuhmagd.

Inzwischen hatte Unrat, ohne dem Ringkampf ein mehr als flüchtiges Interesse zuzugestehen, sich an Lohmann gewandt.

»Was ist denn nun aber mitIhnen, Lohmann? Da sitzen Sie und rauchen – immer mal wieder – eine Zigarette; und heute morgen in der Klasse haben Sie gefehlt.«

»Ich war nicht disponiert, Herr Professor.«

»Aber zum Besuch des Blauen Engels sind Sie – traun fürwahr – stets disponiert.«

»Das ist etwas anderes, Herr Professor. Ich hatte heute morgen Migräne. Der Arzt hat mir geistige Anstrengung verboten und mir Zerstreuung verordnet.«

»So. Sei dem wie ihm wolle ...«

Unrat schnappte erst ein paarmal. Dann hatte er's.

»Da sitzen Sie und rauchen,« wiederholte er. »Schickt sich das denn nun für den Schüler in Gegenwart des Lehrers?«

Und da Lohmann nichts tat, als ihn hinter halb gesenkten Lidern hervor mit müder Neugier ansehn, brauste Unrat auf:

»Werfen Sie die Zigarette weg!« schrie er dumpf.

Lohmann ließ eine Weile verstreichen. Unterdessen taumelten Kiepert und Ertzum gegen den Tisch; Unrat mußte sich selbst, die Künstlerin Fröhlich und mehrere Gläser und Flaschen in Sicherheit bringen. Als dies geschehen war:

»Wie denn! Vorwärts nun also!«

»Die Zigarette,« versetzte Lohmann, »gehört zur Situation. Die Situation ist ungewöhnlich – für uns beide, Herr Professor.«

Unrat, erschrocken über den Widerstand, mit unterirdischem Beben:

»Die Zigarette wegwerfen, sage ich!«

»Bedaure,« sagte Lohmann.

»Sie sollten es wagen ...! Bursche!...«

Lohmann machte nur noch eine vornehm ablehnende Bewegung mit seiner spitzen Hand.

Da fuhr Unrat, gepackt vom Schwindel des bedrohten Tyrannen, vom Stuhl auf.

»Sie werfen sie weg, oder ich hemme Sie in Ihrer Laufbahn! Ich zerschmettere Sie! Ich bin nicht gesonnen –!«

Lohmann hob die Schultern.

»Wie bedauerlich, Herr Professor. Das alles ist ja vorüber. Daß Sie die Umstände so mißverstehen können.«

Unrat pfauchte. Er hatte die Augen einer wütenden Katze. Sein Hals war vorgestreckt mit höckrigen Sehnen; vor seinen Zahnlücken erschien Geifer; sein Zeigefinger drang, am Ende des im Winkel ausgelegten Armes, mit gelbem Nagel auf den Feind ein.

Die Künstlerin Fröhlich klammerte sich an ihn, aus der Verdauung der gehabten Genüsse jäh aufgeschreckt, noch etwas wirklichkeitsfremd, blind loskeifend gegen Lohmann.

»Was wollen Sie denn? Beruhigen Sie ihn lieber,« meinte Lohmann.

Da fielen Ertzum und Kiepert über zwei krachende Stühle hinweg, dem umschlungenen Paar in den Rücken und warfen es mit den Nasen auf den Tisch. Aus dem ziemlich stillen Winkel hinter Rosa Fröhlichs Toilettentisch ertönte Kieselacks heller Jubel. Er tröstete sich ungestört mit Frau Kiepert.

Als Unrat und seine Freundin sich wieder aufgerafft hatten, schalten sie weiter.

»Sie kommen bei mir immer zuletzt,« schrie sie Lohmann zu.

»Ich erinnere mich, gnädiges Fräulein, daß Sie mir das bereits verheißen haben, und ich sehe dem gern entgegen.«

Und er bekam, da sie verzottelt, halb aufgeknöpft, mit zerlaufener Schminke, wüst und heiser sich vor ihm abarbeitete, plötzlich eine ungestüme Lust auf sie: wieder diese Lust, seine grausame Liebe zu demütigen durch die düstern Liebkosungen des Lasters!

Das ging aber gleich vorbei. Unrat, in seinem Angstkrampf, ließ es sich nämlich einfallen zu drohen:

»Wenn Sie nicht augenblicklich die Zigarette fortwerfen, begleite ich Sie stehenden Fußes zu Ihrem Vater!«

Nun enthielt das Lohmannsche Haus an diesem Abend einige Gäste, darunter auch Konsul Breetpoot mit seiner Frau. Lohmann stellte sich vor, wie Unrat in den Salon einbräche ... Er konnte Dora Breetpoot um so weniger diesen Auftritt zumuten, als er seit gestern wußte, daß sie in andern Umständen sei. Seine Mutter hatte es herausgebracht ... Und daswar auch der Grund, weshalb Lohmann heute in der Klasse gefehlt hatte. Den Kopf auf den Fäusten, in den Versgestalt annehmenden Martern des Gedankens an dieses Kind, das sie von Assessor Knust, vielleicht noch von Leutnant von Gierschke, möglichenfalls aber auch von Konsul Breetpoot hatte, saß Lohmann nun tagelang in seinem verschlossenen Zimmer ...

»Kommen Sie mit!« rief Unrat. »Ich befehle Ihnen, Sekundaner Lohmann, mit mir zu kommen!«

Lohmann ließ ungeduldig die Zigarette fallen. Darauf sank Unrat befriedigt auf seinen Sitz.

»Sehen Sie! Freilich nun wohl. So ziemt es sich für einen Schüler, der sich um den Lehrer wohl verdient machen möchte ... Sie, Lohmann, entschuldigt der Lehrer, denn Sie sind – immer mal wieder – alsmente captuszu bezeichnen. Haben Sie doch eine unglückliche Liebe.«

Lohmann ließ die Arme sinken. Er war geisterblaß und seine Augen glühten so schwarz, daß die Künstlerin Fröhlich ihn mit Bewunderung anstarrte.

»Haben Sie etwa keine?« fragte Unrat, giftig frohlockend. »Sie machen Verse – ohne darum doch –«

»– das Ziel der Klasse zu erreichen?« ergänzte zaghaft die Künstlerin Fröhlich, denn sie kannte diese Wendung durch Kieselack.

Lohmann sagte sich: »Der Elende weiß es. Jetzt drehe ich mich um, gehe nach Haus, ersteige den Speicher, richte die Flinte gegen mein Herz. Und drunten am Klavier sitzt Dora. Das kleine Lied, dasDora singt, flattert herauf, und sein Flügelstaub schimmert bis in meinen Tod ...«

Die Künstlerin Fröhlich äußerte:

»Wissen Sie woll noch, wie Sie mich angedichtet haben?«

Sie fragte sehr sanft, mit einem Seufzer. Sie wünschte sich mehr von ihm. Sie hatte sich eigentlich immer viel mehr von ihm gewünscht, erinnerte sie sich jetzt; und fand ihn grausam; und auch ziemlich dumm.

»Und kommst du erst mal in die Wochen ... Na, wer is nu in den Wochen?«

Auch das. Sie wußten auch das. Lohmann wandte sich ab und ging zur Tür, verurteilt. Wie er den Griff in der Hand hatte, hörte er Unrat sagen:

»Freilich nun wohl. Sie haben eine unglückliche Liebe zu der Künstlerin Fröhlich, welche sich jedoch entschlossen hat, Ihrer zu entraten, und darum auch dem in jenem schamlosen Gedicht von Ihnen geäußerten Wunsche nicht entsprochen hat. Sie sitzen nun nicht bei der Künstlerin Fröhlich im Kabuff, Lohmann. Sie sind der Künstlerin Fröhlich nicht teilhaftig geworden, Lohmann. Sie können nun zu Ihren Penaten zurückkehren, Lohmann.«

Mit einem Ruck drehte Lohmann sich wieder um. Weiter war's nichts?

»Jawoll,« sagte auch Rosa. »Es stimmt, und jedes Wort sitzt.«

Der alte Dummkopf floß über von greisenhafter Eitelkeit. Das andere Geschöpf war ein unappetitliches Mädel, nichts weiter. Beide ganz harmlos,beide ganz unwissend. Die Tragik seiner vergangenen Minuten, Lohmann hatte sie irrtümlich erlebt und ohne Recht. Er ging nicht mehr, sich zu erschießen. Er fand sich enttäuscht, beinahe albern, durch die Komödie der Dinge wieder einmal entwürdigt, noch immer im Leben vor, und in diesem Kabuff.

»So, von Ertzum,« versetzte Unrat. »Nun räumen auch Sie – immer mal wieder – das Feld. Und weil Sie sich erdreistet haben, in Anwesenheit des Lehrers eine Prügelei vom Zaun zu brechen, schreiben Sie die Gesangbuchverse, die Sie nicht gekonnt haben, sechsmal ab.«

Ertzum blieb stehen, ernüchtert, belastet mit der Erkenntnis, daß die soeben genossene Muskelfreude nur Selbsttäuschung gewesen sei, daß sein Sieg über den Athleten ihm nichts genützt habe, daß hier nur ein Sieger sei: Unrat; und sah schreckensvoll in das gleichgültige Gesicht der Künstlerin Fröhlich.

»Fort mit Ihnen!« rief Unrat.

Kieselack wollte hinterher.

»Wohin? Ohne vom Lehrer entlassen zu sein!... Sie werden mir vierzig Vergilverse memorieren!«

»Warum,« machte Kieselack, empörerisch.

»Weil der Lehrer es so will!«

Kieselack überflog ihn mit einem Senkblick; und verlor alle Lust, es mit ihm aufzunehmen. Er machte sich still davon.

Die beiden andern waren ein Stück voraus.

Ertzum, in dem Bedürfnis, Rosa samt ihrem Galan zu verachten und zu verwerfen:

»Das Mädchen muß man also als verloren ansehn. Ich gewöhne mich schon an den Gedanken. Ich versichere dich, Lohmann, ich sterbe nicht dran ... Aber was sagst du zu diesem Unrat? Ist dir so eine Schamlosigkeit schon mal vorgekommen?«

Lohmann lächelte bitter. Er verstand: von Ertzum war geschlagen und zog sich klagend auf die angestammte Moral zurück: auf die ewige Zuflucht der Geschlagenen. Lohmann verschmähte sie, so schlecht er heute weggekommen war, auch er.

Er sagte:

»Es war verkehrt von uns, dahinein zu gehn und zu glauben, wir könnten ihn in Verlegenheit setzen. Wir mußten bedenken, er war darüber hinaus. Zu Mitwissern hat er uns längst. Zusammengeplatzt sind wir hier schon oft mit ihm. Er hat uns schon nach Haus geschleppt, damit wir ihm bei der Fröhlich nicht gefährlich würden. Hielt er es übrigens für ausgeschlossen, daß ihm inzwischen irgend ein anderer bei ihr gefährlich ward?«

Ertzum stöhnte verwundet auf.

»Denn es wäre ungesund für dich, Ertzum, wenn man dir hierüber noch Illusionen ließe. Sei ein Mann!«

Ertzum versicherte mit schlecht gefesteter Stimme, Rosa sei ihm gleichgültig, er frage nicht, ob sie rein sei. Nur Unrat empöre ihn in seinem sittlichen Bewußtsein.

»Mich nicht,« gab Lohmann an. »Dieser Unrat fängt an, mich zu beschäftigen: er ist eigentlich eine interessante Ausnahme. Bedenke, unter welchen Umständen er handelt, was er alles gegen sich auf die Beine bringt. Dazu muß man ein Selbstbewußtsein haben, scheint mir – ich für meine Person brächte so eines nicht auf. Es muß in einem ein Stück Anarchist stecken ...«

Dies alles reichte weiter als von Ertzum reichte. Er brummte etwas.

»Wie?« machte Lohmann. »Nun ja. Die Szene im Kabuff war widerlich. Aber sie hatte etwas widerlich Großartiges. Oder, wenn du lieber willst, etwas großartig Widerliches. Aber großartig war dabei.«

Ertzum hielt sich nicht mehr.

»Lohmann, war sie wirklich nicht rein?«

»Nun, jetzt ist sie jedenfalls bedeckt mit Unrat. Da siehst du auch von ihrem Vorleben besser ab.«

»Ich hielt sie für rein. Mir ist überhaupt wie im Traum. Du wirst lachen, Lohmann, aber ich könnte mich erschießen.«

»Wenn du es wünschest, lache ich.«

»Wie soll ich darüber hinwegkommen. Hat schon mal einer das erlebt? Sie stand mir so hoch, ich habe eigentlich, wenn ich es genau bedenke, nie gehofft, sie zu erlangen. Du erinnerst, in welcher Aufregung ich neulich war, als ich das Hünengrab kaputt machte. Übermut war das nicht; ich will nur ganz aufrichtig sein. Es war bloße Angst vor der Entscheidung. Ichhätte mich, Gott weiß es, gewundert, wenn sie mit mir gekommen wäre. Wie konnte ich mir das einbilden: sie hat ja viel zuviel Seele für mich ... Und als dann der Würfel gefallen war –«

Lohmann musterte ihn von der Seite. Ertzum mußte in einem unerhörten Zustand sein, um von gefallenen Würfeln zu sprechen.

»– da war ich allerdings ein verzweifelter Mensch, das darf ich wohl sagen. Aber das war 'ne Wohltat, verglichen mit heute. Verstehst du denn überhaupt, Lohmann, wie tief sie jetzt gefallen ist?«

»Bis zu Unrat!«

»Denke nur! Da gehört sie doch nicht hin. Sie ist doch rein. Oder aber sie wäre das letzte der Weiber.«

Lohmann gab es auf. Ertzum war nun einmal viel daran gelegen, daß die Rosa Fröhlich auf einem unzugänglichen Wolkenthron sitze. Offenbar brauchte er es so. Er machte seinem dümmeren Selbst weis, daß er sich auf die Rosa Fröhlich niemals wirkliche Hoffnung angemaßt habe. Zweck des Selbstbetrugs war, daß um so weniger Unrat aus seinem Pfuhl heraus nach ihr gelangt haben könne. Die Lebenserfahrung, die das Gesicht einer Kuhmagd trug, blieb dahinten; und ein hochgespannter Träumer entstieg dem roten Landjunker: denn es brachte Vorteil für Ertzums Eigenliebe ... So war der Mensch, meinte Lohmann.

»Und wenn ich mich nun frage, warum,« sagte Ertzum noch: »da find' ich wirklich keine Erklärung. Ich hab' ihr alles geboten, was ihr ein Mensch nur bieten kann ... Daß sie mich liebte, das konnte ich,ehrlich gesagt, allerdings kaum hoffen. Sie hat mich ja nicht besser behandelt als dich! Warum wohl auch grade mich!... Aber statt dessen Unrat? Glaubst du das, Mensch? Unrat?!«

»Die Frauen sind unfaßbar,« erklärte Lohmann und versank in Sinnen.

»Ich kann es nicht glauben. Ich glaube, er hat ihr schwindelhafte Vorspiegelungen gemacht; er wird sie noch ins Unglück bringen.«

Und Ertzum dachte hinzu:

»Vielleicht ... dann ...«

Da überholte Kieselack die beiden. Er schlich schon seit einer Weile hinter ihnen her. Er verkündete gellend:

»So blau. Unrat hat zehn Mark geblecht, ich hab' es ja durchs Schlüsselloch gesehn.«

»Du lügst – Schwein!« brüllte Ertzum und brach los gegen den Kleinen.

Aber Kieselack hatte dies vorausgesehen und war im Nu über alle Berge.

Kieselack hatte gelogen. Unrat war weit entfernt, der Künstlerin Fröhlich Geld anzubieten: nicht aus Feingefühl; auch nicht aus Geiz; sondern – sie durchschaute dies – weil er nicht darauf kam. Es kostete sie viele Andeutungen, bis er sich wieder der Wohnung erinnerte, die er ihr hatte nehmen wollen. Als erdann davon sprach, sie in ein möbliertes Zimmer zu stecken, verlor sie die Geduld und verlangte bündig eine eigene Einrichtung. Unrat war tief erstaunt.

»Da du jedoch mit dem Ehepaare Kiepertzusammenzu wohnen pflegst ...«

Sein Geist war auf Erhaltung gerichtet; in so durchgreifende Umwälzungen mußte er sich erst hineindenken. Er arbeitete angestrengt.

»Wenn aber – aufgemerkt nun also! – das Ehepaar Kiepert die Stadt verläßt?«

»Un wenn ich nich mitwill?« ergänzte sie. »Was tu' ich denn woll?«

Er war ratlos.

»Nu? Unratchen? Nu?«

Sie hüpfte ihm vor den Füßen umher; und triumphierend:

»Denn bleib' ich hier!«

Ein Glänzen brach aus seinem Gesicht. Solch eine Neuigkeit wäre ihm niemals eingefallen. »Dann bleibst du – hier,« wiederholte er mehrmals, um sich daran zu gewöhnen.

»Das ist denn freilich recht brav,« setzte er anerkennend hinzu. Er war beglückt; und trotzdem bedurfte sie einige Tage später wieder ihrer ganzen Kunst des Einflüsterns, bis er es heraus hatte, daß er sie nicht mehr im Blauen Engel essen lassen, sondern ihr die Mahlzeiten in einem guten Hotel bezahlen sollte.

Als er es heraus hatte, wollte er sogar mit ihr zusammen essen. Dies lehnte sie ab, und er war enttäuscht. Dafür erlaubte sie ihm, ihr im SchwedischenHof nicht nur die Mahlzeiten, sondern auch ein Zimmer zu bezahlen, bis ihre eigene Wohnung fertiggestellt sein würde.

Auf jede Möglichkeit, sie aus ihrer Umgebung noch weiter heraus und fester an sich zu ziehen, der Welt die Künstlerin Fröhlich entgegenzuhalten, stürzte er sich mit knabenhaftem Eifer. Nur erkannt haben mußte er die Möglichkeit. Er trieb den Tapezierer zur Eile, handele es sich doch um die Künstlerin Fröhlich. Er drohte dem Möbelhändler mit der Unzufriedenheit der Künstlerin Fröhlich, erinnerte in dem Porzellan- und dem Wäschegeschäft an den verwöhnten Geschmack der Künstlerin Fröhlich. Die Stadt gehörte der Künstlerin Fröhlich; überall nahm Unrat ihr, was für sie paßte, überall ließ er, unberührt von mißbilligenden Blicken, ihren Namen ertönen. Immer war er, beladen mit Paketen, auf dem Wege von ihr, auf dem Wege zu ihr. Immer stak er voller Dinge von drängender Wichtigkeit, die für die Künstlerin Fröhlich grade so wichtig und gemeinsam mit ihr zu bedenken und zu bereden waren. Auf seine grauen Wangen kamen, von beglückender Tätigkeit, jetzt meistens rote Flecken. Er schlief des Nachts gut und lebte gefüllte Tage.

Sein einziger Kummer war, daß sie niemals mit ihm ausging. Er hätte sie in der Stadt umherführen wollen, sie mit ihrem Reich bekannt machen, sie den Untertanen vorstellen, sie gegen Aufrührer verteidigen: denn Unrat fürchtete sich in dieser Zeit vor keiner Erhebung, er forderte sie heraus. Sie aber hatte grade eine Probe, oder sie war müde, oder unwohl,oder die dicke Frau hatte sie geärgert. Daraufhin machte er einmal der Kiepert eine Szene; wobei sich herausstellte, daß sie die Künstlerin Fröhlich den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Unrat begriff das nicht. Sie lächelte vielsagend. Ratlos kehrte er zurück zur Künstlerin Fröhlich, und sie mußte ihn wieder hinhalten.

Ihr wahrer Beweggrund war einfach, daß sie es für verfrüht erachtete, sich mit ihm zu zeigen. Wenn man sie öffentlich an seiner Seite erblickte, würde man, das sah sie voraus, ihn gegen sie einzunehmen versuchen. Sie war sich noch keines so großen Einflusses auf ihn bewußt, um all die Geschichten zuschanden zu machen, die er über sie zu hören bekommen konnte. Sie hielt sich wahrhaftig nicht für eine unanständige Person; aber tatsächlich hatte doch jede allerlei Sachen hinter sich – sie waren ja eigentlich nicht der Rede wert, aber ein Mann, der es ernst meinte, durfte sie nun mal nicht wissen. Wenn die Männer vernünftiger gewesen wären, wieviel leichter hätte man es gehabt. Man hätte seinen kleinen Unrat unters Kinn gefaßt und ihm einfach erzählt: So und so. Nun aber hieß es schwindeln. Und das Schlimmste war, daß er hierbei auf dumme Gedanken verfallen und sich einbilden konnte, sie suche nur allein zu Hause zu bleiben, um sich ohne ihn zu amüsieren. Und das stimmte weiß Gott nicht. Davon hatte sie doch genug und war froh, ein wenig Ruhe zu haben, zusammen mitihremkomischen alten Unrat, der sich soviel mit ihr befaßte wie sonst noch nie im Lebeneiner, und der wirklich – sie betrachtete ihn manchmal lange und sinnend – ein feiner Kerl war.

Der Verdacht, den sie fürchtete, war Unrat fremd; er kam nicht darauf.

Andererseits hätte sie dem Gerede der Leute ruhig an seiner Seite trotzen dürfen. Er war stärker als sie meinte. Es traten an ihn Anfechtungen heran, die er überwand, ohne ihr auch nur davon zu reden. Das meiste geschah in der Schule.

Hier wußte, dank Kieselack, jedermann Bescheid über Unrats außeramtlichen Lebenswandel. Einige jüngere Oberlehrer, noch im Zweifel, welche Gesinnung ihre Karriere mehr befördern könne, wichen ihm aus, um ihn nicht grüßen zu müssen. Der junge Oberlehrer Richter, der seine Augen zu einem Mädchen aus reicher, Oberlehrern sonst unzugänglicher Familie erhob, grüßte ihn mit mokantem Lächeln. Andere aber verleugneten ausdrücklich jede Gemeinschaft. Einer sprach vor Unrats eigener Klasse von »sittlichem Un–, vielmehr Kot,« von dem die Schüler sich nicht ergreifen lassen sollten. Es war derselbe Oberlehrer Hübbenett, der sich seinerzeit über Unrats Sohn und seine sittlichen Verfehlungen abfällig geäußert hatte: auch damals vor des Vaters Klasse.

Wenn jetzt Unrat den Schulhof betrat, schrie, während der beaufsichtigende Lehrer angewidert wegsah, alles drauf los:

»Oho! Hier riecht es nach sittlichem Unrat!«

Der alte Professor näherte sich, der Lärmschwoll, unter Unrats giftigem Schielen, allmählich ab; dann stellte an seinem Wege sich Kieselack auf und versetzte mit einem Senkblick, langsam und nachdrücklich:

»Vielmehr Kot.«

Und Unrat schlich zusammenzuckend weiter; er konnte es Kieselack nicht beweisen.

Er konnte ihm nichts mehr beweisen, ihn, das fühlte er wohl, niemals wieder fassen: so wenig wie von Ertzum und Lohmann. Er und seine drei Schüler lebten hier auf Grund gegenseitiger Duldung. So besaß Unrat keine Macht dagegen, daß Lohmann sich am Unterricht überhaupt nicht mehr beteiligte und auf einen Aufruf mit seinem schauspielerischen Tonfall entgegnete, er sei beschäftigt. Unrat vermochte wenig gegen von Ertzum, der, erbittert über sein langes fruchtloses Dahocken, seinem Nachbar das Extemporale aus den Händen riß, um es abzuschreiben. Unrat mußte zusehn, wie Kieselack bei allen Fragen seine Mitschüler durch Dazwischenwerfen unsinniger Antworten verwirrte; wie er laute Reden führte, ohne Veranlassung durch die Klasse spazieren ging, ja, mitten in der Stunde eine Prügelei anzettelte.

Ließ Unrat sich einmal von der Panik des bedrohten Tyrannen hinreißen und steckte die Aufrührer ins Kabuff, dann ergab sich noch Schlimmeres. Die Klasse vernahm dann das Knallen und Glucksen geöffneter Flaschen, lautes Prostrufen, verdächtiges Kichern, den Schall von Küssen ... Hals über Kopf stürzte Unrat zur Tür und ließ Kieselack wiederherein. Die beiden andern kamen mit, ungebeten, mit drohenden, verachtungsvollen Mienen ...

Für den Augenblick erlitt Unrat zweifellos viel Verdruß. Aber was half ihnen das. Schließlich waren doch sie die Besiegten, der Künstlerin Fröhlich nicht teilhaftig Gewordenen. Nicht Lohmann saß bei der Künstlerin Fröhlich im Kabuff ... Unrat schüttelte, kaum daß das Tor der Schule durchschritten war, seinen Unmut ab und lenkte seine Gedanken auf den grauen Rock der Künstlerin Fröhlich, den er von der Waschanstalt abholen sollte, und auf die Bonbons, womit er vorhatte, sie zu überraschen.

Dagegen konnte der Direktor des Gymnasiums nicht länger umhin, einzugreifen in die Zustände der Untersekunda. Er entbot Unrat zu sich ins Amtszimmer und hielt ihm die sittliche Auflösung vor, der seine Klasse sichtlich entgegengehe. Er wolle nicht untersuchen, woher der Ansteckungsstoff komme. Bei einem jüngeren Lehrer würde er dies allerdings untersuchen. Der Herr Kollege aber sei in Ehren ergraut, er möge daher einerseits seiner selbst gedenken, andererseits aber auch des Beispiels nicht vergessen, das er der Klasse schulde.

Unrat sagte darauf:

»Herr Direktor: der Athenienser Perikles hatte – traun fürwahr – die Aspasia zur Geliebten.«

Dies passe hier wohl nicht, meinte der Direktor. Und Unrat:

»Ich würde mein Leben – immer mal wieder – für nichts erachten, wenn ich den Schülern die klassischenIdeale nur vorerzählte wie müßige Märchen. Der humanistisch Gebildete darf des sittlichen Aberglaubens der niederen Stände billig entraten.«

Der Direktor, der nicht weiter wußte, entließ Unrat und dachte noch lange nach. Zuletzt beschloß er, das Gehörte für sich zu behalten, aus Furcht, der Laie möchte es in einem für Schule und Lehrerstand unvorteilhaften Sinne auslegen.

Seine Wirtschafterin – sie hatte an Besuchen der Künstlerin Fröhlich Anstoß genommen – nötigte Unrat mit triumphierender Ruhe, gegen die ihr Toben sich machtlos brach, zum Verlassen des Hauses. Statt ihrer zog eine Magd aus dem Blauen Engel ein. Sie sah aus wie ein Kehrlappen und empfing den Fleischerburschen, den Schornsteinfeger, den Gasmenschen und die ganze Straße in ihrem Zimmer.

Eine Schneiderin, gelblich von Gesicht, der Unrat im Auftrag der Künstlerin Fröhlich oft Besuche machte, hatte sich immer kalt und zurechtweisend verhalten. Eines Tages als Unrat die Rechnung über einen größeren Auftrag eben beglichen hatte, öffnete sie die Lippen. Der Herr Professor solle sich doch man umhören, was die Leute sagten. Wenn das nicht 'ne Schande wäre. In seinen Jahren – und überhaupt. Unrat schob ohne Erwiderung das kleine Geld ins Portemonnaie und ging. Zur halb zugezogenen Tür lächelte er nochmals hinein und sagte nachsichtig:

»Aus dem für Ihre Worte von Ihnen gewählten Augenblick, gute Frau, ersehe ich, daß Sie die Besorgnis hegten, die allzugroße Offenheit Ihrer Redemöchte Ihnen zu pekuniärem Nachteile gereichen. Indessen, fürchten Sie nichts! Sie sollen auch fernerhin für die Künstlerin Fröhlich arbeiten dürfen.«

Und er zog sich zurück.

An einem Sonntagmorgen endlich, während Unrat die Rückseite eines Blattes aus seinen »Partikeln bei Homer« mit dem Konzept eines Briefes an die Künstlerin Fröhlich bedeckte, ward geklopft, und in schwarzem, faltigem Rock und hohem Hut trat Schuhmachermeister Rindfleisch ein. Er machte einen Kratzfuß und sagte befangen, über seinen Spitzbauch weg:

»Herr Professer, Morgen, Herr Professer, ich möcht' man bloß gebeten haben, daß ich an Herrn Professer darf 'ne Frage richten.«

»Nur zu, Meister,« sagte Unrat.

»Ich hab' es mir all lange überlegt, und leicht wird es mir ja auch nich. Bloß daß Gott es nu mal will.«

»Vorwärts denn also, Mann!«

»Besonders, weil ich so was von Herrn Professer doch überhaupt nich glauben kann. Die Leute reden viel über Herrn Professer, das wird Herr Professer woll selbst am besten wissen. Aber glauben soll der Christenmensch es nich. Nöh. Wahrlich nich.«

»Wenn dem so ist,« bemerkte Unrat und winkte Schluß, »so mag's denn gut sein.«

Rindfleisch drehte seinen Zylinder, sah zur Erde.

»Ja. Aber Gott will man, daß ich Herrn Professer da an erinner', daß er es nich will.«

»Was will er nicht?« fragte Unrat und lächelte von unten. »Die Künstlerin Fröhlich etwa?«

Der Schuhmacher atmete schwer unter dem Druck seiner Sendung. Seine langen, hängenden Wangen schwankten in seinem Keilbart.

»Ich hab' Sie all mal darin eingeweiht, Herr Professer,« und seine Stimme verdunkelte sich vor Geheimnis – »daß Gott es nuhr darum erlaubt, auf daß er –«

»Mehr Engel kriegt. Recht so, Meister. Drum will ich denn sehn, was sich tun läßt.«

Und ohne sein hinterhältiges Lächeln abzulegen, drängte Unrat den Herrnhuter aus der Tür.

So unbefangen und ganz auf der Höhe lebte Unrat dahin – da platzten schreckliche Ereignisse.

Ein Flurhüter hatte die Anzeige erstattet, daß das Hünengrab im Walde mutwillig beschädigt worden sei. An dem Sonntag, der seiner Schätzung nach der Zeitpunkt des Frevels gewesen war, hatte er eine Gesellschaft von jungen Leuten auf der Landstraße getroffen. Nachdem die Staatsanwaltschaft längere Zeit hindurch vergebliche Erhebungen angestellt hatte, erschien eines Montag morgens der Flurhüter zur Seite des Direktors in der Aula des Gymnasiums. Solange die Andacht währte – mochte nun der Direktor das Kapitel aus der Bibel verlesen oder die Schule einen Choral singen – musterte der Mann aus dem Volk von der Höhe des direktorialen Podiums die Versammlung. Er wischte sich dabei oft mit dem Handrücken die Stirn, und ihm schien nicht wohl zu sein. Schließlich mußte er noch hinabsteigen und, geführtvom Direktor, durch die Reihen der Schüler gehn. Er benahm sich dabei als Mensch, der in zu hohe Gesellschaft geraten ist, sah niemand und verbeugte sich vor Ertzum, der ihn auf den Fuß getreten hatte.

Als jede Hoffnung, die Verbrecher im Bereich des Gymnasiums zu entdecken, vorbei schien, machte der Direktor einen äußersten Versuch. Er las erst noch ein Extrakapitel aus der Bibel; dann sprach er die Zuversicht aus, dies werde wenigstens einen der Schuldigen gerührt und zur Reue erweicht haben, und er werde sich in seinem Gewissen gedrängt fühlen, in das Sprechzimmer des Direktors zu kommen und seine Mitübeltäter anzuzeigen und der Gerechtigkeit zu überliefern. Zum Lohn für sein aufrichtiges Geständnis solle ihm selbst dann nicht nur die Strafe erlassen, sondern auch ein Geldgeschenk zugeteilt werden ... Hiermit war die Andacht zu Ende.

Schon drei Tage später geschah es, daß Unrat in einer Titus Livius-Stunde, die die verwahrloste Klasse mit Lärm und Nebendingen ausfüllte, jäh vom Katheder emporschnellte und zu schreien anfing.

»Lohmann, Ihre Privatlektüre werden Sie demnächst an einem andern Ort fortsetzen dürfen. Kieselack, Sie haben hier die längste Zeit auf dem Schlüssel gepfiffen. Sie können nun bald daheim – immer mal wieder – Ihren Mist fahren, von Ertzum. Weit entfernt, diese drei Verruchten in das Kabuff zu verbannen, das für ihre Verworfenheit einen zu edlen Aufenthalt darstellen würde, will ich vielmehr alles daransetzen, damit ihre Laufbahn den wohlverdientenAbschluß in Gesellschaft gemeiner Diebe und Einbrecher finde. Der Gemeinschaft der Anständigen werden sie nicht mehr lange teilhaftig bleiben, ihre Atemzüge unter uns sind gezählt!«

Zwar erhob sich Lohmann und bat, die Stirne gerunzelt, um eine Erklärung; aber Unrats begrabene Stimme war so voll gewesen von sich sättigendem Haß, seine Miene triumphierte so schaurig, daß alle sich geschlagen fühlten. Lohmann setzte sich wieder, mit bedauerndem Achselzucken.

In der nächsten Pause ward er, zusammen mit Kieselack und von Ertzum, zum Direktor beschieden. Bei ihrer Rückkehr erklärten sie mit scheinbarer Geringschätzung, es sei wegen des albernen Hünengrabs. Aber sofort bildete sich ein freier Kreis um sie. Kieselack raunte:

»O Mensch, wer mag uns woll bloß angesagt haben?«

Die beiden andern sahen sich angewidert in die Augen und drehten Kieselack den Rücken zu.

An einem Vormittag fuhren die drei, vom Unterricht befreit, im Gefolge einer Gerichtskommission in den Wald und wurden vor das Hünengrab, den Gegenstand ihrer Gewaltakte, gestellt. Hier erkannte sie der Flurhüter. Die Untersuchung der Angelegenheit trug ihnen noch mehrere schulfreie Tage ein. Endlich betraten sie als Angeklagte das Sitzungszimmer des Landgerichts. Von der Zeugenbank empfing sie Unrats giftiges Lächeln.

Im Saal befanden sich auch Konsul Breetpootund Konsul Lohmann, und der Staatsanwaltssubstitut konnte nicht umhin, den beiden einflußreichen Herren eine Verbeugung zu widmen. Er rang innerlich die Hände über die Torheit des jungen Lohmann und seines Freundes, daß sie sich nicht längst gemeldet hatten. Die Anklagebehörde würde es vermieden haben, an die große Glocke zu rühren. Natürlich hatte man geglaubt, es handele sich um lauter Burschen vom Schlage des Kieselack.

Nachdem in die Verhandlung eingetreten war, fragte der Vorsitzende die drei Angeklagten, ob sie sich schuldig bekennten. Kieselack fing sofort an, zu leugnen. Aber er habe es ja selbst seinem Direktor gestanden und auch im Lauf der Voruntersuchung alles zugegeben. Der Direktor trat vor und bestätigte dies ausführlich. Er ward vereidigt.

»Der Herr Direktor hat gelogen,« behauptete darauf Kieselack.

»Der Herr Direktor hat es aber beschworen.«

»O wei,« machte Kieselack, »denn hat er erst recht gelogen.«

Er hatte die Zügel abgestreift. Davongejagt ward er doch. Und überdies war er erbittert und in seinem Glauben an die Menschen erschüttert, weil er, anstatt die versprochene Belohnung zu erhalten, vor Gericht gestellt worden war.

Lohmann und Graf Ertzum gaben die Tat zu.

»Ich bin es nich gewesen,« quäkte Kieselack dazwischen.

»Aber wir!« entschied Lohmann, peinlich berührt durch diese Kameradschaft.

»Pardon,« bemerkte Ertzum. »Ich hab' es alleine getan.«

»Bitte sehr,« und Lohmann machte ein Gesicht von müder Strenge. »Meinen Anteil an dieser Beschädigung eines öffentlichen Besitztums oder wie man das nennt, muß ich mit aller Entschiedenheit in Anspruch nehmen.«

Von Ertzum wiederholte:

»Ich hab' es ganz alleinekaputtgemacht. Das ist wahr.«

»Mein Lieber, rede keinen Kohl,« bat Lohmann. Und der andere:

»Zum – nochmal. Du warst ja ein ganzes Stück davon weg. Du saßest ja mit –«

»Mit wem?« fragte der Vorsitzende.

»Mit niemand – glaube ich;« und von Ertzum war sehr rot.

»Mit Kieselack, wahrscheinlich,« meinte Lohmann.


Back to IndexNext