Gut gekleideter junger Kajan.Gut gekleideter junger Kajan.
Gut gekleideter junger Kajan.
Gut gekleideter junger Kajan.
Während die eben erwähnten Verzierungen und die schön bestickten Baumbastkleider am oberen Mahakam jetzt noch gebräuchlich sind, findet man am Mendalam Figurenverzierungen nur noch an der Totenkleidung und Baumbast, einfach bearbeitet, wird nur noch bei der Feldarbeit oder als Zeichen von Trauer getragen. An Stelle des Baumbasts wird bei der Trauerkleidung jetzt auch weisser Kattun angewandt, den man vor dem Gebrauch in den Morast legt und dann auswäscht, um ihm den braunen Ton zu geben, der dem Baumbast gewöhnlich eigen ist.
Seitdem der weniger dauerhafte aber billige Kattun am Mendalam eingeführt worden ist, webt man dort überhaupt nicht mehr. Merkwürdiger Weise ist mit der Qualität der Stoffe auch die ihrer Bearbeitung gesunken; denn statt des früheren sorgfältigen Nähens ist jetzt nur noch das Heften gebräuchlich und das Sticken hat ganz aufgehört.
Bei sämmtlichen Stämmen von Mittel-Borneo bekleiden sich die Männer mit einem Lendentuch, die Frauen mit einem Röckchen. Während dieses bei den verwandten Bahau- und Kĕnjastämmen hinsichtlich der Form völlig übereinstimmt, trägt es bei den übrigen Dajak, z.B. den Batang-Lupar, Taman und Ot-Danum, einen ganz anderen Charakter.
Beschäftigen wir uns im folgendem speziell mit der Kleidung der Mendalam Kajan.
Das wichtigste und einfachste Kleidungsstück der Männer bildet das Lendentuch (bă). Bei schwerer Arbeit und auf Expeditionen durch Urwald und über Wasserfälle gebraucht man ein kurzes (huch, das nur einmal um die Hüften geschlungen wird; im Hause und bei Festlichkeiten dagegen tragen besonders die Reicheren bis zu 12 m lange Lendentücher. Ein derartiges Tuch wird stets nur einmal zwischen den Beinen durchgezogen und der Rest dann um die Hüften geschlungen. Gegenwärtig ist weisser, roter und blauer Kattun hierfür am beliebtesten, falls aber die Feldarbeit einen dauerhafteren Stoff erfordert, wählt man Baumbast. Die grosse Haltbarkeit des Baumbasts ist wohl die Ursache, dass er noch nicht gänzlich durch den beim Tragen viel angenehmeren Kattun verdrängt worden ist.
Bahau in Kriegskostüm.Bahau in Kriegskostüm.
Bahau in Kriegskostüm.
Bahau in Kriegskostüm.
In der Regel wird das Lendentuch nicht verziert; seine Schönheit hängt von seiner Länge und vom angewandten Stoff ab. Zur Alltagskleidung der Männer gehört ferner eine Sitzmatte (tabin) in Form eines 3 × 4½ dm grossen Rechtecks, das oben, an einer der schmalen Seiten, in ein 1½ dm hohes Dreieck verläuft. An der Dreieckspitze sind zwei Schnüre angebracht, mittelst deren die Sitzmatte über den Hüften an den Körper gebunden wird und zwar so, dass die Matte hinten an der Verlängerung des Rückens zu hängen kommt. Die Matte hat den Zweck, die blosse Haut beim Sitzen auf schmutzigem oder nassem Boden vor Verunreinigung zu schützen; sie wird daher beinahe ständig getragen und häufig auch auf Reisen nicht abgelegt. In der Regel werden die Matten aus Rotang geflochten und oft mit roten oder schwarzen Figuren oder mit Knöpfen und Zeugstreifen verziert.
In neuerer Zeit tragen die Männer an Festtagen gern eine lange, bunte, malaiische Hose, falls sie einer solchen habhaft werden können.
Auf Jacken (bāsong) aus Kattun sind die Kajanmänner sehr erpicht; ihre Frauen stellen aber für die Feldarbeit auch sehr gute Jacken aus Baumbast her. Um eine Trennung der Fasern zu verhindern, wird der Bast mit festem Zwirn oder dünner Schnur durchzogen. Bisweilen fassen die Frauen die Bastkleider mit rotem Kattun ein; die Arbeit lässt aber an Schönheit viel zu wünschen übrig. Weiter unterscheidet sich die Festkleidung der Männer von der Alltagskleidung hauptsächlich durch die bessere Qualität des angewandten Materials. Hinzu kommt nur noch einsarongausbatik1oder ein anderes schönes Stück Zeug, das quer über der linken Schulter getragen wird. Am Mahakam gebrauchen die jungen Leute diesen Schal, falls sie nicht arbeiten, täglich.
Zum Kriegskostüm der Männer gehört hauptsächlich eine dicke ärmellose Jacke (bāsong kapai), die aus zwei mit Kapok gefüllten Lagen Kattun besteht, welche in rechtwinklig sich schneidenden Linien durchsteppt ist; sie schützt den Oberkörper vor Speerstichen und Schwerthieben.
Als eine Ergänzung dieses ärmellosen Waffenrockes müssen wahrscheinlich zwei Ärmel betrachtet werden, die nur durch den obersten, nicht mehr als 2 dm betragenden Teil eines Jäckchens mit einander verbunden sind. Dieses eigenartige Kleidungsstück ist aus gewöhnlichem Stoff verfertigt und dient als Armbedeckung.
Die Kajan und alle übrigen Stämme auf Borneo tragen über den eben erwähnten Kleidungsstücken einen Kriegsmantel (sunung) ausTierfellen. Ein Pantherfell (sunung kule̱) gilt als das schönste; aber wegen seiner Kostbarkeit und Seltenheit begnügt man sich auch mit einem langhaarigen Ziegenfell (sunung kading). In früheren Zeiten scheinen mit Tierfiguren bestickte Baumbastmäntel in Form einer Tierhaut gebräuchlich gewesen zu sein, wenigstens wurde mir ein solcher, mit einer Reihe von 8 Schwanzfedern des Nashornvogels verziert, zum Kauf angeboten. Man nannte ihnsunung kapuwa.
Hüte der Bahau.Hüte der Bahau.
Hüte der Bahau.
Hüte der Bahau.
Ein Kopftuch (lawong) wird von den gewöhnlichen Männern nur gelegentlich, von den Häuptlingen jedoch, um ihre Würde anzuzeigen, täglich getragen. Der Kajan schlingt das Tuch in Form eines Wulstes um den Kopf und zieht seine für gewöhnlich offen hängenden Haare derart hindurch, dass sie unter dem Wulst eine auf die Schultern herabhängende Schlinge bilden und über demselben mit ihren Enden aufliegen. Ausser Baumbast wird besonders bunter Kattun und europäischerbatikfür Kopftücher gebraucht.
Hüte (haung) benützen die Männer nur gegen Sonnenbrand und heftigen Regen; sie werden aus Pandanusblättern verfertigt und haben die gleiche Form wie die der Frauen, ihr Durchmesser beträgt aber selten mehr als 50 cm (Fig. 5 u. 6 auf Tafel: Hüte der Bahau). Die Frauen, welche die Hüte herstellen, legen bisweilen viel Formen- und Farbensinn an den Tag, indem sie bei besonders schönen Exemplaren in der Mitte einen Beleg, bestehend aus einer Stickerei oder Perlenarbeit, anbringen und das Feld mit hübschen Figuren aus schwarzem Kattun verzieren. Derartige Hüte dürfen indessen nur von hochgestellten Personen getragen und Toten ins Jenseits mitgegeben werden (Fig. 6). Auch ist nur alten Männern gestattet, die Schwanzfedern des Nashornvogels (Buceros rhinoceros) auf ihre Hüte zu heften; häufig werden diese Federn an Perlenschnüren befestigt (Fig. 5).
Eine weitere Kopfbedeckung der Männer bildet die Kriegsmütze. Sie wird in Form eines runden Körbchens aus festem Rotang geflochten und von den Frauen mit besonderer Sorgfalt verziert. Mitten auf dem Boden werden Perlenstickereien und am Rande eigenartige Verzierungen—vorn meist glänzende Metallplatten oder Tiermasken—angebracht. Oben auf die Mütze werden lange Federn gesteckt; die beliebtesten sind die des Nashornvogels, des Argusfasans (Argusianus Grayi) und des Hahns. Für die Mützen gilt, wie für die Hüte, dass die mit breiten schwarzen Streifen gezeichneten weissen Schwanzfedern des Nashornvogels nur von angesehenen Personen oder bewährtenKriegern getragen werden dürfen und dass nur wenigen Auserwählten gestattet ist, deren acht in der Mitte der Mütze von vorn nach hinten anzubringen.
Zu den wichtigsten Schmucksachen der Männer gehören: Bein- (am Mah.se̥khăd) und Armringe (le̥ku), Halsketten (te̥we̥sing, te̥we̥-āng) und Ohrringe (isang).
Die Armringe werden oberhalb der Ellenbogen, die Beinringe unterhalb der Knie getragen und von den Punan oder auch den Kajan selbst aus Rotang oderke̥bālăn, dem dunkelbraunen oder schwarzen, sehr biegsamen Kernholz einer farnartigen Gebirgsliane, sehr fein geflochten. Bisweilen wird die Farbenwirkung dieser Ringe, die, je nach dem Material, aus dem sie bestehen,le̥ku ke̥bālănoderle̥ku uwe̱(Rotang) genannt werden, durch Einflechten goldgelber Pflanzenfasern erhöht. Häufig trägt eine Person bis zu 200 solcher Ringe gleichzeitig.
Diejenigen jungen Leute, welche mit den Batang-Lupar im Sĕrawakschen Gebiet zusammengekommen sind, bringen von diesen Holz- oder Elfenbeinringe mit, die sie dann selbst mit schönen Schnitzereien verzieren.
Auch die jungen Mädchen stellen für die Jünglinge Armverzierungen her und zwar aus Glasperlen, welche sie mit viel Geschmack zu zierlichen, farbenprächtigen Mustern in Form schmaler Bänder aneinanderreihen (Fig. 1 auf Tafel: Schmucksachen der Bahau).
Die Halsketten der Männer bestehen alle aus neuen oder alten und dann bisweilen sehr wertvollen Glasperlen.
Die schmalen, fest am Halse anliegenden Ketten (te̥we̥sing, Fig. 6) sind in der Regel aus bunten kleinen Perlen zusammengesetzt und enden vorn in einer Rosette.
Die frei auf die Brust herabhängenden Ketten (te̥we̥āng, Fig. 11 u. 8) dagegen bestehen aus mehreren Reihen grösserer—bis erbsengrosser Perlen. Bei der Zusammenstellung dieser Perlen wird auf eine gewisse Regelmässigkeit geachtet; sind es jedoch alte Perlen, welche selten in genügender Anzahl und gleicher Form vorhanden sind, so kann eine bestimmte Regel nicht eingehalten werden. Aus gleichartigen alten Perlen bestehende Ketten haben daher einen hohen Wert. Die Kapuasstämme unternehmen monatelange Reisen zum Mahakam, um diese Perlen, die dort noch in grösserer Anzahl vorhanden sind, zu kaufen.
Ausser der Tätowierung fällt bei den Männern am meisten die Umformung, welche die Ohren erlitten haben, auf; im Ausrecken der Ohrläppchen wetteifern sie nämlich mit den Frauen.
Mit der Durchbohrung der Ohrläppchen wird daher, wie imKapitel IVberichtet worden ist, schon gleich nach der Geburt des Kindes begonnen. Die Zinnringe (isang te̥mhā), welche das Kind anfangs ausschliesslich trägt, werden später häufig durch dicke Kupferringe (hisang te̥mbaga) ersetzt, deren Zahl so weit vermehrt wird, als, ohne Schmerzen und Entzündung zu verursachen, möglich ist. Um die Dehnbarkeit der Ohren zu erhöhen, wird bei Kindern ausserdem öfters innen an der Oberseite der Öffnung ein Einschnitt gemacht.
Schmucksachen der Mendalam Kajan.Schmucksachen der Mendalam Kajan.
Schmucksachen der Mendalam Kajan.
Schmucksachen der Mendalam Kajan.
Die Eltern achten sorfältig darauf, dass bei diesen Operationen keine Entzündungen entstehen, da die dünnen Ohrläppchen sonst Gefahr laufen, durchgescheuert zu werden, was bei sehr kleinen Kindern bisweilen auch vorkommt. Die Ringe erreichen oft ein so hohes Gewicht, dass die Kleinen sie bei jeder lebhaften Bewegung mit der Hand stützen müssen. Durchgerissene Ohrläppchen werden als ernsthafter Schönheitsfehler aufgefasst. Obwohl die Kajan es in der Chirurgie nicht weit gebracht haben, verstehen es einige ihrer Männer doch, die beiden zerrissenen Enden wieder aneinanderwachsen zu lassen; sie erzeugen mit ihrem gewöhnlichen Messer an jedem der Enden eine wunde Oberfläche, legen sie übereinander, wickeln einen weichen Blattstreifen herum und befestigen das Ganze mit einem Faden. Ich sah verschiedene auf diese Weise geheilte Ohren, die vom aesthetischen Standpunkt zwar viel zu wünschen übrig liessen, deren 6–8 mm übereinander gelegte Enden jedoch wieder kleine Ringe zu tragen vermochten.
Wenn die Ohrläppchen durch Verwundung oder Hautkrankheit öfters entzündet werden, entstehen Verdickungen des Bindegewebes (Keloide), welche die Schönheit sehr beeinträchtigen. Ein übrigens hübsches Mädchen sah ich einst ihre derart verunzierten Ohren ängstlich verbergen.
Während die Frauen sich mit diesen Umformungen begnügen, lassen sich die Männer in späterem Alter ausserdem noch oben in der Ohrmuschel eine Öffnung von der Grösse eines Pfennigstückes und häufig auch noch eine zweite über dem Hinterende des ausgereckten Ohrläppchens, anbringen. In diesen Öffnungen dürfen alte, tapfere Männer die Eckzähne (ipe̥n) des seltenen borneoschen Panthers (kule̱) tragen; häufig begnügt man sich auch mit geschliffenen oder ungeschliffenen Bärenzähnen. Diese Zähne werden oft, wahrscheinlich um ein Verlieren zu verhindern, mit einer um Hinterhaupt und Hals geschlungenen Perlenschnur verbunden.
In den grossen Ohrlöchern tragen die Mendalam Kajan gewöhnlich Ringe (isāng) aus eingeführtem Zinn oder Kupfer (Fig. 2); in letzter Zeit schinücken sie sich auch, nach der Sitte der Mahakamstämme, mit einer grossen Anzahl dünner silberner Ringe.
Statt dieser Ringe werden bei festlichen Gelegenheiten auch noch hölzerne oder metallene Ohranhängsel angebracht; sie sind birnförmig und greifen mit einem grossen Haken um das Ohrläppchen herum (Fig. 3). Während die Ringe beinahe ausnahmslos unverziert sind, werden diese eigentlichen Ohrgehänge, sowohl was ihre Form als was ihre Bearbeitung betrifft, mit viel Sorgfalt und Kunstsinn hergestellt.
Weniger auffallend als die Umformung der Ohren ist die der Zähne. Die Schneidezähne werden am Ober- und Unterkiefer von vorn hohl ausgeschliffen; einige lassen sich auch nach Sitte der Punan goldene Stifte durch einen oder mehrere Zähne treiben.
Über den menschlichen Haarwuchs haben sowohl Bahau als Kĕnja sehr eigenartige Anschauungen, die sich zum Teil aus der Tatsache erklären lassen, dass sie selbst gewöhnlich sehr schwach behaart sind. Es flösst ihnen nämlich, da sie selbst an den Anblick stark behaarter Wesen nicht gewöhnt sind, eine Person mit starkem Voll- oder Knebelbart fast Abscheu und Schreck ein. Aus Rücksicht für unsere Gastherren rasierten wir Europäer und einer der Javaner uns daher, so lange der Besitz von Seife es gestattete, regelmässig.
Da die Kajan nur das Haupthaar schön finden, herrscht bei ihnen die Sitte, dass sich sowohl Männer als Frauen alle Haare im Gesicht, in den Achselhöhlen und an der pubis ausziehen. Die jungen Frauen der Mahakam- und Kĕnjastämme halten sich besonders streng an diese Vorschrift; die am Mendalam lassen einen schmalen Streifen an den Augenbrauen stehen.
Alte Männer lassen sich bisweilen, um auf ihre Umgebung Eindruck zu machen, ihren Bart nach Belieben wachsen; junge Leute dagegen sorgen dafür, dass von ihren Barthaaren möglichst wenig sichtbar wird.
Die Männer rasieren sich ohne Seife mit dem gewöhnlichen Messer (nju); die Achsel- und Pubishaare entfernen sie weniger sorgfältig als die Frauen.
Zum Ausziehen der Wimpern dienen kleine, kupferne oder silberne Zangen (tso̤̱p), die stets zu einer vollständigen Toilettenausstattung von Mann oder Frau gehören.
In vorgerücktem Alter oder während der strengen Arbeitszeit verfährtman häufig weniger sorgfältig mit der Entfernung der Haare. Das Haupthaar, das Männer und Frauen sich lang wachsen lassen, wird schlicht zurückgestrichen; zum Kämmen dient ein geschnitzter Bambuskamm.
Bei Frauen gilt langes Haar für sehr schön und, wenn sie sich etwas Kokosnussöl—am Mendalam eine grosse Seltenheit—verschaffen können, versäumen sie nie, ihre Frisur damit einzureiben. Ebenso nehmen sie, sobald sie eines Stückchens Seife habhaft werden, sogleich eine Extrareinigung des Haares vor; gewöhnlich gebrauchen sie dafür Citronensaft. Die Männer lassen das Haar am Hinterhaupt lang wachsen; vorn schneiden sie es gerade und kurz ab und kämmen es glatt auf die Stirn, während sie an den Schläfenstellen über den Ohren einen 5 cm hohen Streifen rasieren.
Betrachten wir jetzt die Kleidung der Frauen.
Das wichtigste Kleidungsstück der Frauen besteht aus einem rechteckigen Stück Zeug, an dessen oberen Ecken Bänder befestigt sind. Dieses Tuch (tă-ā) wird in der Beckengegend um den Körper geschlungen und derart festgebunden, dass es unterhalb der Darmbeinkämme zu liegen kommt. Bei den Frauen am Mendalam schlagen die seitlichen Kanten dertă-ārechts am Körper, bei denen am Mahakam dagegen hinten über einander. Dieses Röckchen reicht bei den Kajanfrauen bis zu den Füssen herab, bei den Frauen der anderen Kapuasstämme bedeckt das Röckchen, das sie geschlossen tragen, kaum noch die Kniee. Beim Laufen oder wenn sie am Boden hocken, kommen die Beine der Frauen und zugleich die schönen Tätowierungen ihrer Schenkel zum Vorschein.
Dietă-āist, je nach dem Vermögen ihrer Besitzerin und nach der Gelegenheit, bei welcher sie gebraucht wird, mehr oder minder hübsch-. sie besteht jedoch immer aus einem Mittelfeld mit 4 ungefähr 1 dm breiten Rändern.
Für Feströckchen wählt man als Mittelstück einfarbigen Kattun oder Seide und für die Ränder meist roter. Flanell oder, falls diese zu kostbar ist, roten oder geblümten Kattun.
Der obere Rand des Röckchens (kohong tă-ā) ist meist etwas breiter als die übrigen und wird in Fällen besonderer Eleganz durch eine Silberborte von dem Mittelstück abgegrenzt.
Einfache Jacken (basong) aus Baumbast oder Kattun werden von den Frauen als Schutz gegen Sonnenbrand bei der Feldarbeit oderauch sonst getragen. Es giebt Jacken mit und auch ohne Ärmel; diese enden hinten in einem ungefähr 1 dm langen Zipfel. Besonders hübsche Jacken werden in den Neujahrstagen getragen; bei häuslichen Festen dagegen werden sie selten angezogen.
Statt der Jacken werden an Festtagen auch Schale gebraucht. Die, Frauen, die keine Priesterinnen sind, bedecken sich dann den Oberkörper derart mit einem langen Stück Zeug von ungefähr ½ m Breite, dass die beiden Enden vorn und hinten bis zur Mitte der Schenkel gerade herunterhängen und der mittlere Teil rechts unter der Achsel liegt, während zwei Falten der linken Tuchhälfte oberhalb der linken Schulter aneinander genäht werden. In Tandjong Karang waren hauptsächlich Schale aus rotbrauner, golddurchwirkter Seide beliebt.
Ähnliche Schale tragen auch die Priesterinnen, wenn sie an Festtagen ihres Amtes walten; sie schlingen sie jedoch nur einmal um den Körper und zwar so, dass die Mitte des Tuches über der Brust zu liegen kommt und die unter den Armen hindurchgezogenen Enden auf dem Rücken festgebunden werden. Nur die OberpriesterinUsunbedeckte sich den Oberkörper nicht.
Frauen, welche die Würde einer Priesterin noch nicht völlig erreicht haben, unterscheiden sich von diesen durch die weissen Felder ihrertă-ā.
Alle Frauen der Bahau tragen, sobald ihre Schwangerschaft äusserlich sichtbar wird, ein Tuch (djăd butit), das sie auf gleiche Weise wie die Priesterinnen um Brust und Leib schlingen. Durch straffes Anziehen dieses Tuches erhält der Leib, besonders in den letzten Monaten, eine gute Stütze. Nach der Entbindung wird dasdjăd butitbald abgelegt und durch ein schmäleres Tuch (djăd uso̱k) ersetzt, welches nur die Brüste bedeckt und noch während mehrerer Monate getragen wird.
Die Frauen schmücken sich mit den gleichen Ohrgehängen wie die Männer, nur lassen sie sich in der eigentlichen Ohrmuschel keine Löcher bohren.
In noch höherem Masse als die Männer, lieben sich die Frauen mit Perlenschnüren, Armbändern und Fingerringen zu zieren. Sie sind es auch, die für den Wert alter Perlen am meisten Verständnis haben, die jede Art beim Namen kennen; für den Besitz mancher dieser Perlen sind sie im stande, sehr viel aufzuopfern. Die neuen Glasperlen, Nachahmungen der alten Formen, werden in Europa verfertigt und über Singapore eingeführt.
Sogar über dem Alltagsröckchen trägt die Kajanfrau einen Gürtel,(tăksā), bestehend aus einer doppelten Reihe oft sehr kostbarer alter Perlen (Fig. 12 u. 13) und dazu zahlreiche Halsketten aus kleineren Perlen (Fig. 11 u. 8).
Frau der Bahau in Trauerkleidung.Frau der Bahau in Trauerkleidung.
Frau der Bahau in Trauerkleidung.
Frau der Bahau in Trauerkleidung.
Zu den Kostbarkeiten der Frau gehört auch ein Satz elfenbeinerner Armbänder (le̥ku tulāng). Es sind 16–60 glatte Elfenbeinringe, die, in der Grösse aufeinanderfolgend, zusammen einen stumpfen Kegel bilden, der den Unterarm vom Puls bis 1 dm unterhalb des Ellen bogens bedeckt.
Sowohl diese Armbänder als auch die beliebtesten Seidenstoffe werden in China verfertigt und von dort bezogen, vielleicht im Zusammenhang mit den früheren chinesischen Niederlassungen an Borneos Nordküste.
Fingerringe. werden von den Kajan nie selbst hergestellt; besonders beliebt sind die europäischen Ringe aus unechtem Golde mit glänzenden bunten Steinen; sie haben die von den Taman Dajak stammenden kupfernen Ringe fast gänzlich verdrängt.
Sobald in einer Kajanfamilie ein Trauerfall stattfindet, müssen alle Schmuckgegenstände abgelegt werden; auch bunte Kleidungsstücke dürfen dann nicht mehr getragen werden. Die veraltete Baumbastkleidung (kapua) wird wieder hervorgeholt und, falls man diese nicht mehr besitzt, muss alles aus- weissem Kattun hergestellt werden.
Nach Ablauf der Trauerzeit (be̥t lāli) steht es jedem frei, seine frühere Kleidung wieder anzulegen; es kommt jedoch häufig vor, dass die nächsten Angehörigen durch das Tragen dieser Trauerkleidung ihrem Schmerz über den erlittenen Verlust noch Monate und Jahre lang Ausdruck geben. Wittwen zeigen dadurch an; dass sie sich nicht wieder verheiraten wollen.
Zu der eigentlichen Trauerkleidung der Frauen gehört eine besondere Baumbastmütze, bestehend aus einem langen breiten Streifen, der wie ein Tuch von hinten nach vorn um das Haupt geschlungen wird, wo die Enden über einander geschlagen und dann frei von vorn über den Kopf nach hinten bis zum halben Rücken herab hängen gelassen werden; Männer tragen nichts dergleichen.
Als Zeichen der Trauer das Haupthaar abzuschneiden, scheint bei den Mendalam Kajan nicht üblich zu sein; ich weiss auch nicht, ob die Sklaven nach dem Tode des Häuptlings hierzu verpflichtet sind, wie dies am Mahakam der Fall ist.
Die Liebe zu ihren Verstorbenen äussern die Kajan dadurch, dass sie diese für die Reise in den Himmel und. den dortigen Aufenthalt so gut als möglich auszurüsten suchen. In erster Linie handelt es sichhierbei um eine Aussteuer von schönen Kleidungsstücken. Interessanter Weise giebt man sich alle Mühe, diese Kleider nach der Mode der Vorfahren zu verzieren, eine Mode, die sich bis heute noch bei den Stämmen am oberen Mahakam erhalten hat (Tafel: Totenausrüstung).
Totenausrüstung.Totenausrüstung.
Totenausrüstung.
Totenausrüstung.
Das Charakteristische dieser Totenkleidung besteht in einer Applikation von Figuren, die aus schwarzem Kattun geschnitten sind, auf weiss kattunenen Röcken und Jacken. Von der schwarzen Farbe glauben die Kajan, dass sie auf die bösen Geister, die die Seele des Verstorbenen unterwegs bedrohen könnten, schreckenerregend wirkt. Die Figuren werden von den Männern entworfen und ausgeschnitten und von den Frauen auf die von ihnen verfertigten Kleider geheftet. Gleichfalls von Männern entworfen und von den Frauen angebracht werden auch die mit schwarzer Farbe auf Pandanusblätter gemalten oder aus schwarzem Kattun geschnittenen Figuren für die Hüte und Tragkörbe der Toten. Den Verzierungen der Totenkleidung liegen bei den Kajan als beliebte Kunstmotive der Hund (aso̱, Fig. 3 b), der Mensch (ke̥lunăn, Fig. 3 a) und Stilisierungen beider zu Grunde. Beim Hunde tritt dabei der Kopf stets am deutlichsten hervor; die übrigen Körperteile verlaufen in so zierlich gebogenen Linien, dass man deren Bedeutung im ersten Augenblick meist nicht erkennen kann.
Die Hüte der Toten (Fig. 6 auf Tafel: Hüte der Bahau) werden viel schöner verziert als die der Lebenden; so dürfen, wie bereits gesagt, mit schwarzen Figuren belegte Kopfbedeckungen bei Lebzeiten nur Abkömmlinge der vornehmsten Häuptlingsgeschlechter tragen, nach dem Tode jedoch werden sie neben dem Grabe viel niedrigerer Personen niedergelegt.
Der Leiche selbst wird im Sarge eine eigenartige Mütze aus Baumbast, die nicht mit Zwirn, sondern mit den früher gebräuchlichen umgedrehten Pflanzenfasern genäht werden muss, aufgesetzt. Die Form dieser Mütze ist für Männer und Frauen verschieden; jenen ist eine Zipfelmütze, diesen eine anschliessende, nach hinten etwas verlängerte Mütze vorgeschrieben.
Einen wichtigen Gegenstand der Totenausrüstung bildet ein Tragkorb (ădjāt, Fig. 1), in dem sich ausser Armbändern (Fig. 1 d) und einem Palmblattsack (sāmit, Fig. 1 e) mit Handarbeiten auch noch Gegenstände befinden, die zur Überwindung aller Gefahren auf dem Wege zumApu Ke̥siọdienen. Der Korb enthält einekawit(Fig. 1 c) und zwei kleine Bambusgefässe (Fig. 1 b) mit Speise für die guten Geister, für die auchdas Barnbusgefäss (Fig. 1 g) mit Zuckerrohrsaft, das am Tragkorb hängt, bestimmt ist. Drei Säckchen (Fig. 1 h) enthalten eigentümlich geformte Steinchen, die zur Abwehr böser Geister dienen. Zum gleichen Zweck werden auch Tierzähne am Tragkorbe befestigt. Um auf wilden Flüssen das Wasser aus dem Boot schöpfen zu können, wird dem Toten eine halbe Kalabasse (Fig. 1 a) mitgegeben. Schliesslich hängt am Tragkorbe noch eine Leiter (Fig. 1 f), um über Felsen und Abgründe klimmen zu können (Siehe pag. 104).
Den Toten werden auch die schönsten und kostbarsten Armbänder, Halsketten und Ringe für den Aufenthalt im Jenseits in den Sarg gelegt. Daher übt das Grab eines Vornehmen eine so grosse Anziehung auf die raubgierigen Malaien, dass selbst die am Kapuas errichteten Prunkgräber aus Eisenholz nicht fest genug sind, um ihren kostbaren Inhalt vor diesem Gesindel zu schützen. So wurde das Grab vonAkam Igauserster Frau bereits kurz nach deren Begräbnis von Malaien erbrochen und geplündert. Auch in Sĕrawak ist Grabschänderei nichts Unbekanntes.
Schwerter der Mendalam Kajan.Schwerter der Mendalam Kajan.
Schwerter der Mendalam Kajan.
Schwerter der Mendalam Kajan.
Die Hauptwaffen der Kajan sind Schwert (malat) und Speer (bakir); das Blasrohr (se̥put) spielt als Waffe nur eine nebensächliche Rolle; nur wenige verstehen überhaupt mit ihm umzugehen und kein eigentlicher Kajan ist im stande, das Pfeilgift zu sammeln und zu bereiten. Hauptsächlich sind es Abkömmlinge der Punan unter ihnen, die sich mit Vorliebe des Blasrohrs, der ursprünglichen Waffe der Nomadenstämme, bedienen. Das Schwert dagegen ist für den Kajan nicht nur im Kriege. die wichtigste Waffe, sondern auch im täglichen Leben der wichtigste Gebrauchsgegenstand und wetteifert hierin nur mit dem kleinen Messer (nju, Fig. h, Taf.: Schwerter der Mendalam Kajan), das an der Innenseite der Schwertscheide in einem besonderen Behälter stets mitgetragen wird. Alle Arbeit, die mit Messer oder Beil nicht ausgeführt werden kann, verrichtet der Kajan mit seinem Schwert, das ihn daher nie verlässt. Bei der Feldarbeit verwendet er zum Abhacken von Zweigen und Gestrüpp allerdings ein für diesen Zweck hergestelltes einfaches Schwert; befindet er sich aber auf weiten Reisen, so benützt er sein Kriegsschwert sowohl gegen den andringenden Feind als auch zum Behauen von Brettern und zum Hacken von Brennholz. Kein Kajan nimmt auf Expeditionen zweierlei Schwerter mit, aber jeder sorgt dafür, dass sein Exemplar alle Zwecke erfüllen kann. Daher werden sowohl am Kapuas als am Mahakam für ernsthafteKriegszüge meist einfache, aber gut gearbeitete Klingen vorgezogen, während die schönen, mit eingelegtem Kupfer und Silber verzierten Exemplare nur als sehr geschätzte Prunkgegenstände dienen. Nur ein kriegerischer Häuptling, wie der PnihinghäuptlingBĕlarè, nahm auch auf Expeditionen schön gearbeitete Kriegsschwerter mit, aber gelegentlich wird er mit ihnen wohl auch Bäumchen gefällt haben.
Ebenso unzertrennlich wie von seinem Schwerte ist der Kajan von seinem Speer; in den Wohnungen findet man selbst ganze Reihen von Speeren aufgestellt.
In früherer Zeit wurden die Speerspitzen (tite̱ bakir) sehr sorgfältig bearbeitet, gegenwärtig aber begnügt man sich mit sehr schlichten Speeren und auf gute Herstellung der Schäfte wird in der Regel gar nicht geachtet. Einen mit Schnitzwerk verzierten Speerschaft sah ich niemals bei den Bahau, höchstens hatte man ihn rund und glatt poliert.
Die Spitzen der Speere, die täglich aufs Feld mitgenommen werden, gleichen einem länglichen, scharf zugespitzten, zweischneidigen, eisernen Blatte; dagegen haben die wirklichen Kriegsspeere die Form eines ausgehöhlten Meissels; sie sind besonders zum Durchbohren der Schilde sehr geeignet, werden aber nie auf die Jagd mitgenommen.
Zum Werfen dient ein kurzer Speer mit kurzer Spitze.
Das Schwert wird, nach der grösseren Sorgfalt, die auf seine Herstellung verwandt wird, zu urteilen, dem Speere bei weitem vorgezogen.
Beim Verzieren der Schwerter nebst Zubehör entwickeln die Kajan viel Geschmack und Kunstfertigkeit; die Männer beim Schnitzen der Griffe (haupt, Fig. b) und Scheiden (bukăr, Fig. c), die Frauen beim Verfertigen von Gürtelquasten (Fig. d) und Belegen (tāp) aus Wolle oder Perlen. (Siehe Tafel: Schwerter der Mendalam Kajan. u.s.w.).
Die Bestandteile eines Kajanschwertes sind genügend bekannt, weniger ist dies vielleicht mit den Anhängseln der Fall, welche ein gut ausgerüsteter Krieger stets am Schwertgürtel hängen hat. Die wichtigsten sind zwei Bambusdöschen mit Feuerstein (batu te̥kik) und Rauchmaterial: Tabak und Bananenblättern; ferner einige Fläschchen mit Arzneien, meist malaiischen Ursprungs, und endlich allerhand Amulette zur Abwehr böser Geister: Flusssteinchen von besonders auffälliger Form, z.B. länglich und stark gebogen oder mit einem auf natürliche Weise entstandenen Loch in der Mitte; Eckzähne von Hunden und Bären, die an alten Perlenschnüren in einem Bündel beieinander hängen; auch Glöckchen (anhing), besonders solche aus altem Eisen, üben eine schutzbringende Wirkung. Unter all diesen Merkwürdigkeiten fiel mir noch etwas Besonderes auf: ein sogenanntes Hahnenei, ein kleines Exemplar des letzten unfruchtbaren Eies einer Henne. Kein Najan beginnt einen Kriegszug ohne ein solches Ei, das bisweilen Jahrzehnte alt ist und in ein Tüchlein eingewickelt in einem besonderen Bambusdöschen (Fig. e) mitgenommen wird. Sonderbarer Weise glauben auch die Bahau, dass ein derartiges Ei von einem Hahn gelegt wird; am Mahakam verteidigte ein Kajanjüngling mir gegenüber mit grossem Ernst diese Überzeugung.
Alle diese Anhängsel sind an der rechten Seite, wo der Gürtel (Fig. f ) mit einer scheibenförmigen Schnalle (hulọ bukar, Fig. g) geschlossen wird, befestigt. Das Schwert hängt für gewöhnlich an der linken Seite, ist sein Träger jedoch linkhändig, was ziemlich häufig vorkommt, so hängt es rechts und auch die Klinge (tite̱, Fig. a) ist dann rechts und nicht, wie sonst, links ausgeschweift geschmiedet. Auch gewöhnliche Arbeitsschwerter werden für Linkhändige angefertigt.
Schwerter der Bahau.Schwerter der Bahau.
Schwerter der Bahau.
Schwerter der Bahau.
Hauptsächlich der eigentümlichen Art ihrer Herstellung wegen von Interesse sind die Blasrohre (se̥put): 2 m lange hölzerne Rohre mit gleichmässig weitem Kanal; ist dieser bisweilen nach einer Seite etwas gekrümmt, so wird die Unregelmässigkeit durch Beschweren mit einer Speerspitze (tite̱ se̥put) ausgeglichen. Oft sind die Rohre auch tadellos gerade; unregelmässig gekrümmte sah ich nie.
Schwertscheiden der Bahau.Schwertscheiden der Bahau.
Schwertscheiden der Bahau.
Schwertscheiden der Bahau.
Die meisten Stämme von Mittel-Borneo verfertigen die Blasrohre selbst aus einem harten Stück Holz, das sie zuerst mit einem 2 m langen Eisen bearbeiten, dessen eines, meisselförmiges Ende schart geschliffen ist. Das Holzstück wird zu diesem Zweck in horizontaler Lage gut befestigt und das Eisen, das stets dünner sein muss als der gewünschte Kanal, wird in dessen Richtung gelegt und durch etliche gekreuzte Bambusstücke gegen den Block gestützt. Durch fortwährendes Stossen mit diesem Meissel wird langsam ein Weg durch den Block gebohrt. Bei ununterbrochener Arbeit kann ein Mann einen solchen Kanal innerhalb eines Tages herstellen, bevor das Blasrohr aber fertig ist, hat es noch manche Prozedur zu erleiden. Zuerst schneidet man das überschüssige Holz an der Aussenseite fort und giebt dann der Wand eine gleichmässige Dicke. Das Glätten des Kanals wird durch Schaben bewirkt. Man benützt hierzu ein Reibeisen (tossok se̥put, Fig. a, Taf.: Pfeilköcher), bestehend aus einem doppelt gefalteten Eisenstab, in den man mit einem Schwert oder Meissel Einschnitte gehackt hat. Mittelst eineslangen, dünnen Stieles aus festem Holz oder Rotang wird dieses Reibeisen so lange im Kanal herumgedreht und hin- und hergezogen, bis keine Splitter mehr zum Vorschein kommen.
Schwerter mit Scheiden der Stämme von Nord- und West-Borneo.Schwerter mit Scheiden der Stämme von Nord- und West-Borneo.
Schwerter mit Scheiden der Stämme von Nord- und West-Borneo.
Schwerter mit Scheiden der Stämme von Nord- und West-Borneo.
Zur feineren Bearbeitung verwendet man die harten, scharfen Ränder zweier ungefähr 2 dm langer Bambusstücke, die, an den gleichen Stab zusammengebunden, gerade in die Öffnung passen; durch Hin- und Herdrehen dieser Stäbe erhält der Kanal beinahe die gewünschte Glätte. Den letzten Schliff giebt man ihm durch an einen Stab gebundene Blätter, die unter der Epidermis soviel Kieselsäurekristalle angehäuft enthalten, dass sie sich wie feines Reibpapier anfühlen. Auf ähnliche Weise wird die Aussenfläche des Blasrohrs behandelt: wenn das Messer nichts mehr verbessern kann, kommt eine ArtBambusreibe (kasa se̥put, Fig. b) an die Reihe, bestehend aus dünnen Bambusspähnen, die an 2 Schnüren so nah aneinander gereiht sind, dass sie in gleichen Entfernungen den scharfen, kieselhaltigen Rand nach innen kehren. Diese scharfen Ränder umschliessen das Blasrohr und scheuern, wenn man sie einen Tag lang um die Oberfläche bewegt, alle Unebenheiten ab. Zum Schluss poliert man die Aussenseite mit den gleichen Blättern wie die Innenseite.
Der Kanal hat bei allen Blasrohren ungefähr den gleichen Durchmesser, nur seine Länge variiert innerhalb bestimmter Grenzen. Gute Exemplare besitzen ein Mundstück aus Horn, Zinn oder Kupfer und ein aufrechtes Eisenstäbchen am andern Ende dient dazu, dem Schützen das Zielen zu erleichtern.
Die Pfeile (Fig. c und d), welche mit dem Blasrohr abgeschossen werden, besitzen, je nach dem Zweck, für den sie bestimmt sind, eine verschiedene Form und sind ausnahmslos vergiftet. Ihr Schaft wird aus Palmblattstielen, in der Regel aus denen der Sagopalme (Eugeisonia tristis), verfertigt.
Die Pfeile tragen, damit sie im Kanal dicht anschliessen, an ihrem Ende ein kegelförmiges, sehr leichtes Holzstückchen. Ihre Spitze wird, zum Töten kleiner Tiere, durch Einschrumpfenlassen am Feuer gehärtet und dann mit einer Lage schwarzen Giftes bestrichen (Fig. c.) Sollen mit den Pfeilen Menschen, Hirsche oder Wildschweine getötet werden, so fügt man in einen Einschnitt der Schaftspitze eine feine, dünne Spitze aus Bambus oder am liebsten aus Blech und bestreicht diese mit einer dickeren Lage Gift, die sie zugleich auch im Schaft befestigt, jedoch nur so weit, dass sie, wenn sie einmal durch die Haut gedrungenist, mit ihren Widerhaken in der Wunde stecken bleibt und sich vom Schafte leicht lösen kann (Fig. d). Bisweilen bewirkt man auch das Abbrechen eines Teiles des Schaftes selbst, indem man ihn mit einem ringförmigen Einschnitt versieht.
Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w.Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w.
Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w.
Pfeilköcher, Giftbrett u.s.w.
Die Pfeile werden in grösserer Anzahl in einem besonderen Bambusköcher (te̥langa, Fig. e und f) von ungefähr 9 cm Durchmesser aufbewahrt.
Der Bambus ist 30 cm oberhalb des Halmknotens, der den Boden des Köchers bildet, abgeschnitten und am oberen Teil rings um die Öffnung etwas beschnitten, um bequem mit einem Bambusstöpsel (am Kapuas, Fig. e) oder mit einem runden, kegelförmigen, hölzernen Stöpsel (am Mahakam, Fig. f) geschlossen werden zu können. Am Köcher wird ein oft hübsch geschnitzter hölzerner Haken (Fig. g) befestigt, den die Jäger, wenn sie sich auf die Jagd oder in den Krieg begeben, an der rechten Seite in ihr Lendentuch stecken.
In einem Köcher befinden sich ungefähr 24 Pfeile von verschiedener Form und zwar sitzt jeder gesondert in einem dünnen Bambusbehälter (Fig. h), damit sie einander auf langdauernden Reisen nicht beschädigen. Da die Pfeile und ihre Behälter viel kürzer als derte̥langaselbst sind, werden sie noch gesondert in Stückchen Fell (Fig. k) des grossen Eichhörnchens oder des kleinen Hirsches gehüllt, an welchen sie bequem hervorgeholt werden können. Durch verschiedene Farben oder an das Ende aufgeschobene kleine Perlen unterscheidet man die Pfeile für grössere und kleinere Tiere.
Neben diesen fertigen Pfeilen stecken im Köcher noch mehrere Päckchen (Fig. i und l) unvollendeter Pfeilschäfte, deren noch stumpfe Spitzen meistens bereits im Feuer gehärtet worden sind (Fig. m). Jedes dieser Päckchen wiederum befindet sich in einer besonderen ledernen Hülle. Der Köcher enthält ausserdem noch ein Stöckchen mit scharfer Spitze (Fig. n), auf die man beim Schneiden die konischen Hölzchen steckt, welche hinten an die Pfeilschäfte befestigt werden. Die Bahau und Punan nehmen stets einen Vorrat dieser Hölzchen in einer flaschenförmigen Kalabasse (Fig. o) mit hölzernem Stöpsel mit, die sie an den Köcher hängen; da sie überdies auf dem Grunde des Köchers immer ein bis mehrere Stücke Pfeilgift mitnehmen, können sie auch im Walde stets neue Pfeile herstellen. Neben der Kalabasse hängt noch ein Bambusbehälter mit Zunder und Feuerstein (Fig. p), die auf Reisen stets mitgeführt werden.
Die Gifte, welche die Stämme von Mittel-Borneo für ihre Pfeilebenützen und durch welche unbedeutende Wunden oft tötlich wirken, sind sehr verschiedenen Ursprungs. Die Bahau unterscheiden 6 verschiedene Arten von Pfeilgiften, die sich von ebenso vielen verschiedenen Bäumen und Lianen herleiten; sie heissen:tase̥m; tase̥m te̥lāng; ipu kajo̱; ipu aka; ipu tanaundipu se̥luwăng.
Die zweitase̥m-Arten werden aus den Giften verschiedener Pflanzen, welche in ganz Mittel-Borneo, sowohl am oberen Kapuri, oberen Barito und oberen Mahakam als am oberen Kajan vorkommen, zusammengesetzt; daher können dietase̥m-Gifte von allen Stämmen, die diese Flussgebiete bewohnen, hergestellt werden.
Dagegen wachsen die dieipu-Gifte liefernden Pflanzen nur am oberen Kapuas und oberen Barito, so dass sie nur von den in diesen Gebieten umherschwärmenden Punan und Bukat gesammelt und den anderen Stämmen verkauft werden. können. Dieipu-Gifte werden nämlich, als die wirksameren, dentase̥m-Giften vorgezogen. Da dieipuliefernden Pflanzen auch am Kapuri nur an bestimmten Stellen vorkommen, müssen die Sammler oft weite Züge unternehmen, um die Gifte zu finden. Eine gute Fundstelle für die betreffenden Pflanzen bilden die Wälder am Fuss des Bukit Tilung im Mandaigebiet.
Die Herstellung der Pfeilgifte und die sie liefernden Pflanzen sind in Mittel-Borneo nur den Jägerstämmen der Bukat und Punan oder deren Abkömmlingen unter den ackerbautreibenden Dajakstämmen bekannt; daher ist es nur unter besonders günstigen Umständen möglich, sich Pfeilgifte von bekannter Herkunft und die dazu gehörigen Pflanzen zu verschaffen.
Auf meinen drei Reisen in Borneo glückte es mir nur im Jahre 1894, in den Besitz einer einigermassen vollständigen Sammlung deripu-Gifte und des dazugehörigen Herbariums zu gelangen. Bei meiner zweiten Reise 1896 waren die Bukatsöhne, die früher bei den Mendalam Kajan wohnten und mir zu der Sammlung verholfen hatten, fortgezogen und ich konnte in vier Monaten keine zweite zuverlässige Sammlung zu Stande bringen. Im Jahre 1898 erhielt ich zwar die verschiedenen Gifte und das Holz und die Blätter deripu-Pflanzen, aber man führte mich mit den Blüten und Früchten, für die die richtige Zeit augenscheinlich noch nicht gekommen war, irre. Diese letzte Sammlung wurde von Dr.Boorsmaim botanischen Institut zu Buitenzorg untersucht; die erlangten Resultate sind in “Mededeeling uit ’s Lands Plantentuin” (deel 52) veröffentlicht worden; ihnen entnehmeich auch die weiter unten angeführten Bestandteile der Pfeilgifte. Die beiden Gifte:tase̥m und tase̥m te̥lāng, werden gewonnen, indem man die gleichnamigen Bäume anzapft und den ausfliessenden Milchsaft auffängt. Dertase̥m-Baum erreicht eine bedeutende Grösse, dertase̥m te̥langdagegen wird nicht über 1 dm dick.
Der Milchsaft wird mit dem wässerigen Auszug aus dem geriebenen Bast einer Liane,aka kia, vermengt. Die Mischung wird in einem alten eisernen Topf, der für andere Zwecke nicht mehr gebraucht wird, bis zu Sirupdicke eingedampft; die Masse erhärtet beim Abkühlen. Das Gift wird vor dem Gebrauch fein gerieben und mit den Blättern vongambir utan(Euphorbiacee) gemengt, ein Verfahren, für welches besondere, oft schön verzierte Brettchen (Fig. q) und Reib stöcke (ligan, Fig. r) verwendet werden.
Dietase̥m-Gifte werden auf weite Expeditionen in viereckigen Körbchen aus Palmblattscheiden (takong, Fig. s) mitgeführt und vor dem Gebrauch in der Nähe des Feuers aufgehängt, um sie zäh-flüssig werden zu lassen.
Eine Analyse des Pfeilgiftes, das einen zähen, schwarzen Extrakt mit intensiv bitterem Geschmack liefert, stellte folgende Bestandteile fest: Antiarin, das giftige Glycosid, das im Saft von Antiaris toxicaria Lesch. enthalten ist; die zwei Alkaloide: Strychnin und Brucin; Upaïn, das durchWefers Bettinkaus dem Milchsaft von Antiaris gewonnen wurde, und Antiaretin, das vonMulderundLewinals Bestandteil desantjar-Milchsaftes angegeben wurde; ferner eine schwach giftige pflanzliche Säure, die ein Aufschäumen verursacht. Derrid, das hauptsächlich in den aus Malakka stammenden Pfeilgiften enthalten ist, fehlte.
Die giftige Wirkung dertase̥m-Gifte muss somit den in Antiaris vorkommenden Stoffen und den Strychnos-Alkaloiden zugeschrieben werden; der hohe Antiaringehalt spielt hierbei zweifellos die Hauptrolle.
Auf Grund der in dentase̥manwesenden aufschäumenden Säure nimmt Dr.Boorsmaan, dass nicht nur der Milchsaft, sondern wahrscheinlich auch ein Auszug aus dem Bast destase̥m-Baumes (höchst wahrscheinlich Antiaris toxicaria) bei der Zubereitung verwendet werden. Das in viel geringerer Menge vorkommende Strychnin und Brucin liess sich in kleinen Quantitäten auch in den Holz- und Bastteilen der Lianeaka kianachweisen; diese gehört, wie auch eine mikroskopische Untersuchung feststellte, zu den Strychnosarten.
Was dieipu-Gifte betrifft, so bildet:
ipu tanaeine teils zähe, teils brüchige, dunkelbraune Masse;
ipu kajo̱einen weichen, schwarzen Extrakt;
ipu akaeine zähe, braune, von aussen schwarze und bröckelnde, teilweise auch steinharte Masse;
ipu se̥luwangeinen zähen, schwarzen Extrakt.
Alle dieseipu-Arten haben einen intensiv bitteren Geschmack. Sie enthalten sämmtlich Strychnin undipu tanaausserdem auch Brucin. Derrid fehlte auch bei diesen Giften.
Augenscheinlich stammen alleipu-Gifte von Strychnosarten ab. Die Holz- und Bastteile der diese Gifte liefernden Pflanzen ergaben bei der Untersuchung alle als giftige Bestandteile Alkaloide. Nicht nur der Bast, sondern hauptsächlich auch das Holz erwiesen sich als strychninreich, während das Holz vonipu se̥luwangausserdem auch noch Brucin enthielt. Es ist daher wahrscheinlich, dassipu tanaundipu se̥luwangoder die dazu gehörigen Holzproben aus Versehen verwechselt worden sind.
Da beiipu kajo̱hauptsächlich in den Holzteilen viel Strychnin gefunden wurde, ist es wahrscheinlich, dass bei der Herstellung dieses Giftes nicht nur geschabter Bast, sondern auch geschabtes Holz verwendet wird.
Man bereitet sämmtlicheipu-Pfeilgifte, indem man den Bast, vermutlich auch das Holz der betreffenden Pflanzen, fein zerreibt, mit Wasser auszieht und die Lösung vorsichtig eindampft, bis sie eine dicke, zähe, schwarzbraune Masse bildet. Diese wird in kleinen Mengen in den Palmblättern einer Licula-Art aufbewahrt. Beim Gebrauch erweicht man das Ende eines Stückchensipuüber Wasserdampf und bestreicht damit die Pfeilspitzen, welche sodann in einiger Entfernung vom Feuer getrocknet werden. Den Wasserdampf lässt man durch die Öffnung eines trichterförmig gewundenen Bananenblattes, das über ein Bambusgefäss mit kochendem Wasser gestülpt worden, hindurchstreichen.
Dass die Wirkung desipumit derjenigen des Strychnins übereinstimmt, davon überzeugte ich mich einst, als ein Hund von einem Pfeile nicht sogleich tötlich getroffen wurde. Das Tier lag mit Bewusstsein auf der Seite, die Zunge aus dem Maule hängend und litt, wie die schnellen, kurzen Atemzüge andeuteten, an Atemnot. Ab und zu stellten sich spontan Konvulsionen ein, bei denen sich der ganze Körper streckte; sie wechselten mit tonischen Krämpfen. Erschütterteman das eine Ende des freiliegenden Fussbodenbrettes, auf dem das Tier lag, so wurden die Zuckungen so heftig, dass der Hund bis auf ½ m Höhe aufsprang; er gab dabei keinen Laut von sich.
Das Schiessen mit dem Blasrohr hat auf der Jagd und im Kriege den grossen Vorteil, dass man auf das Opfer, ohne es zu verscheuchen, so lange Pfeile abschiessen kann, bis einer trifft. Übrigens sind auch viele Nachteile damit verbunden, besonders bei der Jagd auf grosse Tiere, für die die Wunde niemals sofort tötlich ist und die auch durch die Giftwirkung nicht sogleich bewegungslos werden. Sie behalten daher immer noch genug Kraft, um bedeutende Abstände zurückzulegen, was den Jägern viel Schwierigkeiten bereitet, da bereits ganz in der Nähe gefallenes Wild in dem dichten Walde, auf dem mit Blättern, Ästen und Gestrüpp bedeckten Boden, schwer zu finden ist.
Die Pfeile erfahren ferner, ihres geringen Gewichtes wegen, leicht eine Ablenkung, hauptsächlich auf freier Fläche bei Wind.
Unter den sesshaften Dajak begegnete ich nie einem, der im Schiessen mit dem Blasrohr eine besondere Geschicklichkeit an den Tag legte; die Punan verstanden sich hierauf viel besser. In den Proben, die sie vor mir ablegten, schossen sie zwar auf 40–50 m Abstand, aber die Treffsicherheit liess viel zu wünschen übrig und war mit derjenigen eines Gewehrschusses mit Kugel nicht zu vergleichen. Für die Jägerstämme jedoch, die in den fast windstillen Wäldern leben, bildet das Blasrohr, weil es mehrere Pfeile auf das gleiche Tier abzuschiessen gestattet, eine praktische Waffe, der sie sich auch Menschen gegenüber gut zu bedienen verstehen.
Die Schilde (kle̥bit) der Bahau haben die bekannte länglich viereckige Form mit dreieckiger Verlängerung nach oben und unten. Die mit Menschen- und Tierfiguren und Masken stark verzierten Exemplare, die bisweilen nach Europa ausgeführt werden, traf ich bei den Stämmen von Mittel-Borneo nur selten; sie bedienen sich auf ihren Zügen stets einfacher, glatter Schilde aus leichtem, festem, braunem Holze, die in der Mitte und an den Seiten, der Breite nach, mit Rotangschnüren verstärkt werden. Ich fand bei den Kajan noch eine alte, viereckige, eiserne Platte mit zwei Spitzen, die, als Schutz für die an der Rückseite befindliche Hand, vorn in der Mitte der Aussenfläche befestigt wurde.
Die einfachen Schilde werden nie mit Haar verziert; dies geschieht nur mit den bemalten Schilden, die daherkle̥bit bo̱k(Haarschild) genanntwerden. Gegenwärtig wird am Kapuas nicht mehr das Haar erschlagener Feinde als Zierat gebraucht, auch ist es verboten, als Waffenverzierung Menschenhaar aus dem eigenen Stamm zu verwenden. Das Haar für die Schilde wird jetzt hauptsächlich von den Taman Dajak gekauft, die mit ihrem eigenen Haar Handel treiben. Für die Schwerter benützt man vielfach eingeführte, gefärbte Tierhaare.
Nur die Punan und Bukat gebrauchten ursprünglich und zum Teil auch noch jetzt keine Schilde.