Kapitel IX.

Lăsa, Opfergerüst mit Opfergaben.Lăsa, Opfergerüst mit Opfergaben.

Lăsa, Opfergerüst mit Opfergaben.

Lăsa, Opfergerüst mit Opfergaben.

Sowohl Priester als Laien stimmten während des Rundganges (nangeian) halb rezitierend, halb singend, ein geistliches Lied an;Usunsagte die Verse, die übrigen wiederholten den Refrain. Nach einigen Stunden stellten sich die Laien längs den Wänden der Galerie auf, um die Beseelung der jüngstendājungzu beobachten. Die Betreffende stand zu diesem Zwecke vor der Matte und hielt eine Art Kette fest (alan to̱= Geisterweg), längs welcher der Geist zu ihr herabkommen sollte. Neben ihr stand eine der ältesten Priesterinnen, um sie in die Geheimnisse ihrer Wissenschaft einzuweihen, währendUsun, die Kriegsmütze auf dem Kopfe, deklamierend und tanzend um sie herumlief; zu beiden Seiten führten männlichedājungKriegstänze auf. Wahrscheinlich hatten diese letzten Vorstellungen den Zweck, böse Geister abzuwehren. Die Szene dauerte nur eine Viertelstunde, worauf die Laien ihren Marsch bis nach 1 Uhr nachts fortsetzten. In den Familien mit Täuflingen herrschte bis in den Morgen fröhliches Beisammensein.

Der 6. Juni war für Priester und Priesterinnen ein Tag der Erquickung; denn bis jetzt hatten sie unter allerhand Verbotsbestimmungen, von denen nicht baden und kein Wasser trinken zu dürfen die schlimmsten waren, geschmachtet. An diesem Tage war es den Priestern endlich erlaubt, ihren auswendigen Menschen durch ein Bad zu erquicken; den inwendigen erfrischte ich ihnen bereits seit mehreren Tagen, indem ich in ihre Wasserflaschen einige Tropfen Salzsäure goss, wodurch, nach Auffassung derdājung, das Wasser so verändert wurde, dass sie es mit reinem Gewissen trinken konnten. Nach den grossen Mengen so präparierten Wassers, die von mir verlangt wurden, liess sich die Grösse des priesterlichen Durstes bemessen.

Nach demte̥ko̱kdes Morgens folgte der Glanzpunkt des Festes—die Opferung der Schweine. Zuerst begann unter dem Hause eine Jagd nach den frei herumlaufenden Tieren- der Häuptling liefertederen fünf; jede Familie, in der ein kleines Kind bei diesem Neujahrsfest einen Namen erhielt, lieferte eines.

Als ich mich bald nach dem Ertönen des priesterlichen Gongs auf die Galerie begab, fand ich die Schweine des Häuptlings gebunden neben einander niedergelegt und die Priesterinnen vor den Tieren knieend, die sie in Geistersprache den Bewohnern vonApu Laganals Opfer anboten. Hinter den Opfertieren, schräg unter dem Galeriefenster und dem als Geisterweg dienenden Rotangseil vom vorigen Tage, hatte man aus 4 senkrechten und 4 horizontalen Hölzern ein Gerüst (lasa) aufgestellt und dieses mit schönen Stoffen, einem Kriegsmantel und einigen Gürteln aus alten Perlen, alles Opfergaben des Häuptlings, behängt; ebenfalls Opfergaben waren die schönen kupfernen Gonge am Fusse des Gerüstes. Durch symbolische Gegenstände (pe̥māli) in einem danebenstehenden Korbe suchten die Priesterinnen den Geistern die Wünsche des Stammes zu erkennen zu geben.

Die Priesterinnen begannen nun, um das Opfergerüst langdauernde Tänze auszuführen, die, besonders da sie bei Tageslicht stattfanden, viel Interessantes boten.

Sämmtliche Priesterinnen beteiligten sich an dem Tanze; jede deutete durch ihre Bewegungen den Geistern droben das Darbringen der Opfer auf dem Gerüst und der fünf Schweine an. Erst schmückte sich die oberste Priesterin, dann jede der übrigen mit dem Kriegsmantel aus Pantherfell und der Kriegsmütze, während zu beiden Seiten zwei mit Schwertern bewaffnete Priester, zur Abwehr böser Geister, Kriegstänze aufführten. Hie und da veränderten die Priesterinnen den Charakter ihrer Bewegungen; sie zeigten viel Individualität beim Tanze und nach der Art seiner Ausführung liess sich die Höhe der erreichten priesterlichen Entwicklung bemessen. Nur den drei obersten Priesterinnen:Usun, Tipong Igauund einer gewissenUnianggelang es, durch Pantomimen das Anbieten der Opfer an die Himmelsbewohner wirklich verständlich auszudrücken.Usun, mit einer Speerspitze tanzend, erweckte den Eindruck, als wolle sie mit ihr das ganze Opfergerüst den Geistern droben entgegenreichen.Tipongdagegen führte einen ruhigen Tanz aus, mit gefälligen Bewegungen die Seelen der Opfer auffordernd, himmelwärts zu steigen. Ihre korpulente Gestalt bewegte sich dabei mit bewundernswerter Weichheit, welche die anderen; günstiger Gebildeten, bei weitem nicht erreichten. Diese sprangen und hüpften unbeholfen um die Opfer herum und verstanden nur seltenAusdruck in ihre Bewegungen zu bringen. Einige Priesterinnen liessen sich sogar, um recht deutlich zu sein, zu den absonderlichsten Vorstellungen verleiten. Während z.B.Tipongsich zu den nahebei liegenden Opfertieren beugte, scheinbar einen Teil von ihnen ergriff und mit einigen Bewegungen in die Höhe schwang, gingen andere, in der Meinung, dass eine bloss symbolische Bewegung nicht genüge, hüpfend, mit der Kriegsmütze auf dem Kopfe, auf die Schweine zu, packten das kleinste an den Hinterbeinen und trugen das quiekende Tier, mit Anspannung aller Kräfte, im Tanzschritt zum Opfergestell und wieder zurück. Zum Schluss wurde auchTipongzu grösserer Lebhaftigkeit hingerissen, schüttelte einige Male das Gestell, bestieg es sogar und bewegte es hin und her, um die Seelen der Opfer hinaufsteigen zu lassen. Im allgemeinen waren die Bewegungen bei diesen Tänzen viel lebhafter als bei denen der Javaner und erforderten grosse Kraftanspannung; die alteUsunleistete in dieser Beziehung Bewundernswertes.

Die Priesterinnen wurden jetzt von jungen Männern und Frauen abgelöst, welche mit dem gleichen Gesang wie am vorhergehenden Tage den Tanz um das Opfergerüst in ruhigerer Weise bis zum Abend fortsetzten. Man hatte sich für diesen Tanz besonders schön geschmückt; die Männer mit prächtigem Kopf- und Lendentuch und einer Artse̥lendang(langer, schmaler, malaiischer Schal) als Bandelier um die Schultern. Auch die Frauen trugen derartige Schale und zwar in der Weise, wie es im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Beinahe alle hatten Elfenbeinarmbänder und Fingerringe angelegt; ausserdem hatten sie sich für diese festliche Gelegenheit Augenbrauen und Wimpern besonders sorgfältig ausgezogen.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schlachteten die Männer die Schweine und zwar auf der Galerie vor der Tür der verschiedenen Wohnungen; sie schnitten ihnen jedoch nicht, wie die Ulu-Ajar Dajak, den Hals durch, sondern schächteten sie. Da man das Schreien der Tiere nicht gern hörte, hatte man ihnen nicht nur die Schnauze zugebunden, sondern hielt diese ausserdem noch fest. Der älteste, ungefähr zehnjährige Enkel des Häuptlings machte den Anfang beim Schlachten; man gab ihm ein Messer in die Hand, welche von einem älteren Manne geführt wurde. Auch in den Wohnungen der Familien mit Täuflingen wurden die Opfer geschlachtet, worauf man ihnen den Bauch durch einen Querschnitt öffnete, um zu sehen, ob die Unterseite der Leber hell oder dunkel war, d.h. ob sie eine günstige oder ungünstigeFarbe zeigte und ob die Gallblase und andere Teile durch ihr normales gegenseitiges Verhalten dem Kinde eine gute Zukunft versprachen.

Ebenfalls auf der Galerie versengte man den Tieren in hochflammendem Feuer die Borsten, weidete sie aus und zerstückelte sie, was bei der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit einen sehr phantastischen Anblick bot. In der darauf folgenden Nacht durften sich weder Männer noch Frauen zur Ruhe begeben, obgleich der Tag für alle sehr anstrengend gewesen war.

Nicht minder anspannend war der folgende Tag, genannt “aron uting” = “Festtag des Schweinefleischessens”, an dem der Häuptling bereits früh morgens im Freien in grossen, eisernen Kesseln das Schweinefleisch kochen liess.

Daste̥ko̱kdatierte diesmal besonders lange. Die Mütter fingen an diesem Morgen mit ihren Täuflingen einen Rundgang durch alle Wohnungen an, um sie bei allen Hausbewohnern als neue Stammesglieder vorzustellen. Die Kinder wurden dabei wieder von schön geputzten und mit dem geweihten Hut geschmückten jungen Mädchen in ihrenhăwătauf dem Rücken getragen, begleitet von den ebenso schön gekleideten Müttern, welche zwei geweihte Bambusgefässe mit Wasser und eine Klapper für eineme̥lăin die Wohnung des Häuptlings trugen; von dort aus begaben sie sich zu allen übrigen Hausbewohnern.

Auch aus der Wohnung des Häuptlings begann jetzt ein Kinderauszug: voran gingen die beiden Enkel, gleich hinter ihnen wurden die in deraminim verflossenen Jahre geborenen Kinder der Leibeigenen von ihren Müttern geträgen. Zwar waren die Häuptlingskinder bereits viel zu alt für den Umzug, aber als Söhne des Häuptlings mussten sie ihn noch etliche Jahre mitmachen. Dem ältesten,Tingè, wurde von einem Mädchen ein winziger Schild und ein hölzernes Schwert nachgetragen. Eine Sklavin begleitete den Zug mit einem Gong.

Mittags wurde, nachdem man aus gekochtem Schweinefleisch und Klebreis gesonderte Päckchen gebunden und diese in Dreieckform auf der Galerie aufgestapelt hatte, in gleicher Weise wie früher, mit allen Familiengliedern des Häuptlings und den Müttern, welche ihrer Täuflinge wegen den Geistern geopfert hatten, eineme̥lăvorgenommen, genannt “me̥lă uting” = “Seelenberuhigung durch Schweinefleisch”. Nach der heiligen Handlung erhielt jeder wiederum seinen Anteil an den Päckchen mitnach Hause. Der grosse Festtag verlief, wahrscheinlich wegen des tags zuvor erfolgten Todes eines kleinen Kindes, sehr ruhig. Die Kajan behaupteten zwar, Arak getrunken zu haben, ihr stilles, besonnenes Betragen und die nur zwei Tage lang dauernde Bereitung des Trankes sprachen aber mehr dafür, dass sie Zuckerwasser genossen hatten.

Vor der “me̥lă uting” hatte ich noch einem interessanten Ringkampfe (pajow) der jungen Männer beigewohnt. Bereits einige Tage zuvor hatten sich die Jünglinge hie und da mit einander gemessen, jetzt waren alle auf der Galerie versammelt und ein Paar nach dem anderen betrat den Ringplatz. Die Kämpfer waren nur mit dem Lendentuch bekleidet, das sie straff anzogen, um dem Gegner einen festen Angriffspunkt zu bieten. Die Partner umfassten einander, packten sich gegenseitig hinten am Gürtel fest und suchten einander emporzuheben und rücklings auf den Boden zu werfen. In Anbetracht, dass ein Fall auf die Eisenholzbretter nicht ungefährlich war, suchten einige Mütter ihre Söhne von dem gefährlichen Spiele abzuhalten. In Gegenwart der Kameraden blieben diese mütterlichen Mahnungen leider erfolglos, und so mancher hatte bereits mit heftigem Anprall den Boden berührt, als ein stämmiger Sklave als Sieger des Tages hervorzugehen schien. Dem jungen Manne waren die vielen Siege so zu Kopfe gestiegen, dass er nach seinem letzten Triumph mit herausfordernden Gebärden einen lauten Juchzer erschallen liess. Auch bei den Kajan kommt Hochmut vor dem Fall: einer der bis dahin unbeteiligt gewesenen Zuschauer betrat jetzt den Kampfplatz. Überlegen durch seine frischen Kräfte und durch seinen ansehnlicheren Wuchs, gelang es ihm bald, seinen Partner vom Boden zu erheben und ihn, den rechten Arm gestützt auf das rechte Knie, in die Höhe zu halten. Auf dem gleichen Bein hatte der zappelnde Gegner aber einen Stützpunkt für seine Füsse gefunden und so wurde das Umdrehen nicht leicht. Mit Anspannung aller Kräfte gelang es dem Neuen endlich, den hochmütigen Helden mit hartem Aufschlag zu Boden zu werfen. Die gebräuchliche Revanche brachte dem Besiegten keinen besseren Erfolg.

Am 8. Juni wurde der “aron ke̥rtăp” = “Festtag des Klebreisessens” gefeiert; er begann wieder mit einerme̥lă, nach welcher diesmal Päckchen mit Reis und Klebreis ohne Schweinefleisch verteilt wurden.

Abends war es, wegen des Todes des kleinen Kindes, sehr still imHause; man begrub es, um das Fest nicht durch Trauerfeierlichkeiten zu unterbrechen, erst nach beendetem Fest. Die eigene Mutter hatte den Heimgang des kleinen Kranken nachApu Ke̥siodadurch beschleunigt, dass sie ihn morgens beim Rundgang zurme̥lămitgenommen hatte.

Der 9. Juni bildete den letzten Festtag. Achtdājungbegaben sich morgens auf die kleine Plattform desdangei, bildeten einen Kreis, reichten einander die Hände und begannen gemeinsam im Tonfall deste̥ko̱keine Ansprache an die Geister; der Rhythmus wurde dabei durch Bewegen der Hände angegeben. Nachdem sie sich über eine Stunde lang von der warmen Sonne hatten bescheinen lassen, brachte man ihnen einen geschlossenen Korb (ingăn), in dem sich verschiedenekawit, acht aneinander gereihte Eierschalen und einige Küchlein befanden.Usunöffnete den Korb und begab sich mit ihm nach einer Ecke desdangei, in welcher täglich auf einem trichterförmig gespaltenen Pflanzenstengel Esswaren für die Geister niedergelegt wurden, und forderte diese auf, in den Korb überzugehen. Der Korb wurde darauf geschlossen und von den Priesterinnen in dieamindes Häuptlings getragen.

Nach einer kleinen Erholung und einem kräftigen Trunk von dem von mir präparierten Wasser versammelten sich diedājungauf der Galerie, legten acht unverletzte Bananenblätter auf und neben einander auf den Boden und stapelten darauf die Esswaren, welche sie aus dem erwähnten Korbe hervorgeholt hatten. Durch Auseinanderschieben der Schindeln hatte man zuvor eine Öffnung im Dache hergestellt. Wiederum murmelten die Priesterinnen eine Zeitlang über dem Haufen, bildeten ihren phantastischen Kreis und begannen, wie früher, zuerst mit den Gliedern der Häuptlingsfamilie, dann mit den Müttern und kleinsten Kindern eineme̥lăvorzunehmen Darauf verteilten sie einen kleinen Teil derkawit, Eierschalen und Küchlein an die Teilnehmer.

Es folgte jetzt eine Szene, die mich aufs lebhafteste interessierte aus deramindes Häuptlings wurde eine Sammlung alterhăwătund geweihter Hüte herausgetragen. Die Tragbretter und dann auch die Hüte wurden ehrfurchtsvoll über dem Haufen Opferspeisen hin- und herbewegt und dann ins Haus zurückgetragen. Jetzt durften auch die gewöhnlichen Kajanfrauen mit ihren altenhăwătund Hüten herantreten und den wohltätigen Einfluss der Opfergaben auffangen. Diese Zeremonie bot mir die seltene Gelegenheit, die alten, ehrwürdigenFamilienstücke zu sehen, die mir einen Begriff von der früheren Kunstfertigkeit der Kajan gaben. Es lagen auf denhăwătnoch Zeugstücke, die früher von den Kajan mit ähnlichen Figuren bemalt worden waren, wie man sie jetzt in den Webearbeiten der Batang-Luparstämme findet; derartige Arbeiten werden längst nicht mehr von den Kajan ausgeführt. Diejenigen, die diese Tragbretter und Hüte einst benützt hatten, waren entweder längst gestorben oder bereits betagte Leute; so wurde z.B. auchAkam IgausKindertragbrett hervor geholt. Augenscheinlich sollte die neue Weihe, die diehăwătempfingen, rückwirkend noch auf die Seelen der Verstorbenen und Betagten einen guten Einfluss üben. Kaum hatten sich die Priesterinnen entfernt, so suchte jeder noch etwas von dem Rest der Opferspeisen zu erwischen.

Die offizielle Schlussfeier des ganzen Festes erfolgte vor dem Hause beimdangei, wo man den Erdboden, den die Priesterschaft auch jetzt nicht berühren durfte, mit den Brettern destasu nangeibelegt hatte. Wiederum waren alle aufs schönste gekleidet. Mit Kriegsmütze und Kriegsmantel geschmückt umkreisteUsunetliche Male tanzend den Fuss desdangeiund führte mit ihrem alten Schwerte Bewegungen aus, als wollte sie den ganzendangeigen Himmel heben. Die übrigen Priesterinnen, von denen die ältesten gleich wie die männlichen Priester mit Speeren bewaffnet waren, unterstütztenUsuns Bemühungen und wehrten, indem sie in die Luft schlugen und stachen, ausserdem die bösen Geister ab, die ihre Handlungen stören konnten. Die Priesterinnen setzten ihren Tanz bis gegen Mittag fort, dann aber verschwand, von der jüngsten beginnend, die eine nach der anderen. Schliesslich waltete nur noch die alteUsunihres heiligen Amtes und verliess den Tanzplatz erst, nachdem die Sonne ihren Höhepunkt bereits erreicht hatte. Nach drei anstrengenden Tagen durften diedājungnun zum ersten Mal wieder ihr wohlverdientes und heissersehntes Bad nehmen.

Abends sollte wiederum einnangeianum das Opfergerüst, das in gleicher Weise wie früher (pag. 177) aufgestellt worden war, stattfinden. Die Häuptlingsfamilie begann sich gegen 6 Uhr abends auf den Rundgang, der nach alter Sitte bis zum Anbruch des folgenden Tages dauern musste, vorzubereiten, indem sie auf der Plattform desdangeiein symbolisches Bad nahm. Die Familienglieder und darauf auch diedājungwurden der Reihe nach, den Fuss auf einen alten Gong gestützt, mit Weihwasser aus einem Bambusgefäss übergossen. Unter den Tönen eines Gongs wurden gleichzeitig alle Speiseabfälle, welche vonder Herstellung derpe̥māliübrig geblieben und bis jetzt sorgfältig bewahrt worden waren, in grossen Körben von der Höhe desdangeiherabgeworfen.

Gegen 9 Uhr abends erklängen die Gonge von neuem, als Zeichen, dass die Priesterinnen dennangeianmit Singen und Tanzen begonnen hatten; sie setzten den Rundgang fort, bis der Zustrom der Laien so gross geworden war, dass sie von diesen abgelöst werden konnten. Die Beteiligung amnangeianwar jetzt eine viel regere als früher; selbst bejahrtere Personen scharten sich in den Kreis der Jungen und stimmten in den eintönigen aber melodischen Gesang ein. Alle hatten ihre schönsten Festkleider angetan; die Frauen trugen ausserdem ihre prächtigen Schale und die Männer ihre Schwerter. Unterdessen hockten die Priesterinnen auf einer Matte und unterhielten sich mit Betelkauen und Singen, bis die Reihe an sie kam, unter verstärkter Begleitung der Gonge wieder in den Kreis einzutreten. Auf uns Fremde machte die ganze Zeremonie, des schlichten Ernstes wegen, mit dem sie vorgenommen wurde, einen feierlicheren Eindruck, als wir ihn in dieser seltsamen und ungewohnten Umgebung erwartet hätten.

Bis zur Dämmerung setzten alle unermüdlich den Rundgang fort. Nachdem ich mich zur Ruhe begeben hatte, wurde ich stets wieder durch ein besonders starkes Einsetzen der Gonge geweckt.

Bei Tagesanbruch erschallte aus der Häuptlingswohnung lauter Gesang. Auf den Schluss des Festes begierig eilte ich nach oben und fand alle Festteilnehmer in der noch dunklenamin ajaversammelt; sie standen unter dem noch geschlossenen Dachfenster um diedājungherum und stimmten unter deren Vorgang einen Gesang an, der an Ernst und Feierlichkeit nichts zu wünchen übrig liess. Nach beendigtem Gesang zogen sich alle still in ihre Wohnungen zurück.

Der 10. Juni begann für alle mit dem, nach den Anstrengungen der letzten Tage, so nötigen Schlaf. Die Priesterinnen sollten erst nach genossener Ruhe in ihre eigenen Wohnungen zurückkehren, wo sie noch 8 Tage lang nach Vorschrift leben mussten. Die aussergewöhnliche Stille auf der Galerie benützten wir sogleich, um einige photographische Aufnahmen zu machen.

Die Tür der Häuptlingswohnung wurde zuerst photographiert. Da ich auch gern eine Aufnahme von dem noch danebenstehendenlasagemacht hätte, fragte ich, allerdings mit wenig Hoffnung auf Erfolg,Akam Igau, ob dies gestattet sei. Obgleich sehr aufgebracht, wagteer doch nicht, nein zu sagen, und so machte ich denn von dieser halben Zustimmung und dem Schlaf der noch abergläubischeren Frauen Gebrauch, um auch von demlasaein Cliché anzufertigen.

Was ich jedoch gefürchtet, traf ein, denn bereits abends kamAkam Igaumit verstörtem Gesicht zu mir und erzählte, dass unsere Aufnahmen einen Sturm der Entrüstung seitens der erwachten Priesterinnen auf sein armes Haupt beschworen hatten. Da eine günstige Stimmung der Kajan kurz vor unserem Zuge zum Mahakam von der grössten Bedeutung wir, glaubte ich den Häuptling mit ein paar Dollar entschädigen zu müssen. Ob nun die photographischen Aufnahmen oder dies Geldgeschenk beunruhigend gewirkt hatte, weiss ich nicht, aber am folgenden Morgen erschienenUsunundTipong Igau, setzten sich mit ernster Miene zu mir auf den Boden und erklärten, dass böse Träume ihnen in der vergangenen Nacht die Entrüstung der Geister verkündet hätten.Tiponghatte geträumt, dass man sie nach dem Ritus der Kajan in ihren Sarg gelegt hatte;Usun, dass ihr Boot aufs Land gezogen war: beide Träume deuteten auf ihren bevorstehenden Tod. Ich fürchtete anfangs, dass man die Vernichtung der Clichés verlangen würde, aber ihr dajakisches Gewissen zeigte sich zum Glück mit dem Bezahlen einer Busse zufrieden gestellt. Mir gegenüber wollteTipongjedoch noch Nachsicht üben und verlangte daher eine Seelenberuhigung von nur 3 Dollar. So waren die Schwierigkeiten beiderseits fortgeräumt, aber ich rechnete in Zukunft doch auf weniger kostspielige Aufnahmen.

Die Priesterinnen waren nach dem Fest, wie gesagt, noch nicht frei: den ersten Tag mussten sieme̥lo̱ bruwa, (= ruhen für die Seele); den zweiten Tag begaben sie sich alle in grosser Gala mit Kriegsmütze und Schwert aufs geweihte Reisfeld ans jenseitige Ufer, um die Verbotszeit abzuwerfen (be̥t lāli); am dritten Tage mussten sie wieder ruhen; am vierten Tage versammelten sie sich wieder alle in deramin aja, wo morgens und abends bei geschlossener Tür eine grosseme̥lăstattfand; am fünften und sechsten Tage wurde wieder geruht.

Auch für die übrigen Bewohner war alles Aussergewöhnliche in dieser Zeit verboten. Als in diesen Tagen ein von der Regierung mit der Impfung der Kajan betrauter Malaie aus Putus Sibau ankam, um hier seines Amtes zu walten, liess sich keiner von ihm impfen, obgleich man ihn selbst herbeigewünscht hatte. Erst einige Tage später kamen die Kajan, dann aber in Haufen heran.

Am siebenten Tage mussten diedājungin Gruppen von vieren in der eigenen Wohnung eineme̥lăabhalten, worauf am achten wieder einme̥lo̱folgte, nach welchem sie endlich ihr Armband der Verbotszeit (le̥ku lāli) endgültig ablegen durften. Diese Armbänder bestanden aus vier Reihen grosser, wertvoller Perlen, welche sie von der Häuptlingsfamilie als wichtigste Belohnung erhalten hatten.

Fischreichtum des Kapuasgebietes—Fischereigerätschaften—Fang destapa—Fang mittuba-Gift—Jagd—Hunde der Bahau—Erträgnisse der Jagd—Vogelfang—Haustiere.

Fischreichtum des Kapuasgebietes—Fischereigerätschaften—Fang destapa—Fang mittuba-Gift—Jagd—Hunde der Bahau—Erträgnisse der Jagd—Vogelfang—Haustiere.

Die Bahau am Mendalam erfreuen sich, wie auch die anderen Stämme am oberen Kapuas, eines grossen Fischreichtums ihrer Gewässer. Fische bilden daher auch nach Reis ihr Hauptnahrungsmittel. Nicht nur der Kapuas und seine Nebenflüsse, sondern auch alle Seeen, die ihm ihr Dasein verdanken, sind reich an Fischen. Der Fluss schlängelt sich nämlich in zahlreichen Windungen durch das flache Land, verlegt bei Hochwasser öfters sein Bett, hier seinen eigenen Bogen abschneidend, dort wiederum einen neuen bildend, und lässt als Folge hiervon zu beiden Uferseiten zahlreiche Seeen von länglicher Form zurück. Bei Hochwasser, wenn ihnen die Flüsse schwerer zugänglich sind, fischen die Kajan vorzugsweise in diesen Flussseeen.

Die Kajan gebrauchen für den Fischfang folgende Gerätschaften die Angel (pe̥se̱);das Schöpfnetz (hiko̤̱p);das Wurfnetz (djăla);den Speer mit einer Spitze (bakir);den Speer mit mehreren Spitzen (se̥răpăng) und verschiedene Arten von Reusen; ausserdem fischen sie mit Fischgift (tuba).

Die Angel und das runde Wurfnetz werden täglich gebraucht; jene hauptsächlich von Kindern und alten Männern, dieses von erwachsenen, kräftigen Männern.

Je nachdem, ob es sich um den Fang grosser oder kleiner Fische handelt, gebrauchen die Bahau verschiedene Angelhaken. Die kleinsten stellen sie mit einem Widerhaken aus Kupferdraht her. Als ich ihnen Stecknadeln mitbrachte, die sie bis dahin noch nicht kannten, verwandelten die Kinder diese, indem sie sie umbogen, bald in Angelhaken. Auf meinen folgenden Reisen bildeten Fischangeln verschiedener Grösse für alt und jung sehr geschätzte Geschenke.

Die grossen bis sehr langen Angelhaken werden geschmiedet;man benützt sie hauptsächlich für Setzangeln, die man, mit Köder und Schwimmer versehen, den Fluss abwärts treiben lässt, während man selbst, beispielsweise, eine weiter unten gelegene Niederlassung besucht. Als Schwimmer dient ein trockener, hohler Kürbis.

An Wurfnetzen gebraucht man, nach der Grösse der zu fangenden Fische, drei verschiedene Arten. Sie bestehen aus einem runden Netz, das rings herum eine Kette aus Zinn oder Eisen (awit tite̱= Eisenkette) trägt; letztere wird am liebsten aus grossen Nägeln, die man durch Klopfen in Kettenglieder verwandelt, hergestellt.

Die Netze für kleine Fische (djala se̥luwang) haben 2½–4 qcm grosse Maschen und einen Durchmesser von 3–4 m; sie werden gegenwärtig meist aus eingeführtem, grobem Strickgarn verfertigt.

Für grössere Fische gebraucht man Netze mit 4–9 qcm grossen Maschen und einem Durchmesser von 5–6 m. Die Netze werden aus den zu einer Schnur gedrehten Fasern der Lianeaka te̥ngānghergestellt. Die grossen Wurfnetze, deren Durchmesser bis zu 8 m beträgt, haben bis zu 16 qcm grosse Maschen; sie bestehen aus den gleichen Lianenfasern wie die kleineren Arten, nur verwendet man für sie dickere Schnüre.

Die Bahau imprägnieren ihre Netze nicht und verstehen sie nach dem Gebrauch vor Fäulnis nur durch Trocknen an der Sonne zu schützen.

Beim Auswerfen nimmt der Fischer das Netz über beide Arme und sucht es, durch drehende Bewegung, so ausgebreitet als möglich auf die Wasserfläche zu schleudern; die schwere, in zentrifugaler Richtung auseinander getriebene Kette bewirkt, dass das Netz flach niederfällt. Zum Herausziehen des Netzes dient eine im Mittelpunkt befestigte Schnur, während die Fische durch die am Boden schleifende Kette gefangen gehalten und mit heraufgezogen werden. Ist der Boden jedoch durch Gestein, Baumwurzeln und Zweige sehr uneben, so lässt der Fischer das Netz liegen, taucht unter und holt die Fische, aus Furcht, dass sie sonst entfliehen könnten, mit der Hand hervor. Bisweilen werden die Fische auch, bevor man das Netz über sie wirft, mit gekochtem Reis an eine bestimmte Stelle gelockt.

Das Auswerfen der Netze erfordert viel Kraft und Gewandtheit; um die grossen Netze gleichmässig niederfallen zu lassen, nimmt der Fischer den mittleren Teil oft in den Mund.

Ausser diesen sind auch lange Netze den Dahau bekannt; siegebrauchen sie, um ein Flüsschen abzusperren, besonders beim Fischen mit Gift. Zugnetze jedoch sind ihnen unbekannt.

Landschaft am oberen Kapuas.Landschaft am oberen Kapuas.

Landschaft am oberen Kapuas.

Landschaft am oberen Kapuas.

Beim Fischen mit demse̥răpangist, um die Fische anzulocken und sichtbar zu machen, Licht erforderlich. Der Fischer lässt sich nachts in aller Stille flussabwärts treiben und hält vorn im Boot dastapong hirui, das Brettchen, unter dem die Harzfackel (damat hirui) brennt, die ihm auf diese Weise nicht hinderlich wird. Am Brettchen ist, um es bequemer zu handhaben, ein Griff (tagin) angebracht. Sobald sich, vom Fackelschein angelockt, Fische zeigen, sucht sie der Fischer zu spiessen.

Reusen werden besonders bei Hochwasser ausgesetzt und zwar an Stellen, wohin sich die Fische vor der heftigen Strömung geflüchtet haben. Diese Reusen haben meist die gewöhnliche malaiische Form; nur eine Art ähnelt einem runden Vogelbauer mit rundlicher Öffnung, in welcher ein am Aussenende geschlossenes Bambusrohr mit ebenfalls runder Öffnung oben steckt. Kleine Fische, durch den im Bambus befindlichen Reis angelockt, lassen sich dazu verleiten, in den Bauer zu schwimmen. Der Rückzug wird ihnen durch zusammeneigende Ästchen an der inneren Bambusöffnung abgeschnitten.

Auch derhiko̤̱p, ein kreisförmiges Stück Rotang von ½ m Durchmesser mit eingespanntem Garnnetz, wird hauptsächlich bei Hochwasser angewendet, um zwischen das Ufergras geflüchtete Fische zu fangen.hiko̤̱pund Reusen werden vorzugsweise von Frauen und Kindern benützt.

Die Kajan ziehen zwar grosse Fische vor, verschmähen aber auch die kleinsten nicht; diese werden auch vielfach zu Opferzwecken verwendet.

Da Salz auch am Mendalam sehr teuer ist, werden grössere Mengen Fische durch Trocknen und Räuchern über dem Feuer für längeres Aufbewahren präpariert.

Während bei allen vorhin besprochenen Arten von Fischfang nur wenige Personen beteiligt sind, vereinigen sich zum Fischen destāpādie Bewohner eines oder mehrerer Häuser.

Dertāpāist ein grosser, bis 1 m langer, dunkelbrauner Fisch mit sehr breitem, plattem Kopf und weit klaffendem Maul, bewaffnet mit mehreren Reihen scharfer Zähne.

Gegen August zieht der Fisch aus dem Hauptstrom in kleine Nebenflüsse, um dort zu laichen; die Kajan benützen diesen Augenblick, um hinter den bisweilen grossen Schwärmen das Flüsschen mittelst eines Heckwerks oder Netzes abzuschliessen.

Einem derartigentāpā-Fang wohnte ich während meines erstenAufenthaltes in Tandjong Karang bei, wo es einem Manne aus Tandjong Kuda glückte, einen Fischschwarm im Samus, einem rechten Nebenfluss des Mendalam, einzuschliessen. Am ersten Tage hatten die Hausgenossen des glücklichen Finders, unsere Nachbarn oben am Fluss, das Recht, so viel Fische zu fangen als sie gelüstete; den folgenden Tag sollten wir uns zum Feste aufmachen.

Man hatte auch mich zur Teilnahme aufgefordert, und, wie immer mit Stock und Revolver bewaffnet, nahm ich anderen Morgens früh in einem schmalen Nachen Platz, dessen Wände nur wenige Centimeter über das Wasser herausragten; ich musste mich daher sehr ruhig verhalten, wenn ich das Boot nicht zum Umkippen bringen wollte. Zwei junge Kajan ruderten, und so ging es schnell den Mendalam hinauf. Die Samusmündung lag weiter unten, aber das eigentliche Jagdgebiet befand sich am Oberlauf des Flüsschens, so dass wir, um zeitig das Ziel zu erreichen, erst ein anderes Nebenflüsschen hinauffahren und dann eine Strecke über Land gehen mussten. Der Weg führte, nach dajakischer Weise, mehr über liegende Bäume als über mit Gras und Gestrüpp bedeckten Boden. Bald bildeten die Bäume den einzigen passierbaren Weg; zu meinem Erstaunen lagen sie aber nicht, wie gewöhnlich, der Äste beraubt am Boden, sondern teilweise über einander und zwar so, dass der nur wenig abgekappte Gipfel des einen Baumes auf dem Fussende des folgenden ruhte und der so entstandene Baumpfad bis zu 4 m hoch über dem Erdboden lag. Er führte nämlich zu früheren Reisfeldern durch einen Wald, der so nass und morastig war, dass man mit bewundernswerter Geschicklichkeit den einen Baum über den anderen hatte fallen lassen und, nachdem die hinderlichsten Äste entfernt waren, einen Pfad geschaffen hatte, auf dem man niemals den Boden berührte. Es lagen hier Baumriesen von mehreren Metern Durchmesser, auf denen man mühelos 40 m weit gehen konnte; dann trat man aber auf andere, deren glatte, hellgraue Stämme zwar sehr schön anzusehen waren, in dieser beträchtlichen Höhe von einem beschuhten Europäer jedoch nur mit einer gewissen Kaltblütigkeit begangen werden konnten. Besonders kritisch wurde die Situation beim Überschreiten der oberen, dünnsten Stammenden, an denen Äste gesessen hatten; da die hinter mir gehenden Kajan ihren Schritt dann etwas mässigen mussten, wurden die Schwingungen unseres Pfades unregelmässiger und wir liefen Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren. Letzteres war jedoch nicht wünschenswert,denn unter uns lagen zwischen dornigem Gesträuch die abgehackten Äste übereinander, so dass ein Fall bedenkliche Folgen gehabt hätte. Glücklicher Weise betrat ich hier nicht zum ersten Mal einen Baumpfad im Morastwalde, aber 1½ Stunden hintereinander, wie hier, war ich noch nicht auf solchem Wege marschiert und so hielt ich mich vor Ermüdung kaum noch auf den Füssen, als wir endlich wieder den Boden betraten. An meinen Begleitern bemerkte ich jedoch keine Ermattung, sie wären auch zu sehr von der freudigen Erwartung des bevorstehenden Fischfangs erfüllt, um sich in die Schwierigkeiten hineinzudenken, die ein solcher Gang über glatte Baumstämme ohne stützendes Geländer dem schuhbedeckten Fusse eines Europäers bereiten musste.

Der Marsch durch ein verlassenes, dicht bewachsenes Reisfeld zählte für gewöhnlich schon zu den Prüfungen, jetzt jedoch erschien er mir wie eine Erholung.

Zeitig genug langten wir am Ufer des Samus an; die hier versammelte Gesellschaft hatte ihre Reismahlzeit noch nicht begonnen.

An den sandigen, weissen Ufern des Samus, mitten im hohen Urwald, boten die geschäftigen Männer, Frauen und Kinder eine Reihe anmutig wechselnder Bilder. Auch die Ma-Suling hatten diesen Tag zum Fischen gewählt und ich bemerkte unter ihnen fremde Gestalten, die ihre Scheu jedoch bald ablegten, als sie die anderen sich so frei in meiner Gegenwart bewegen sahen.

Während des Essens kam die Nachricht, dass sich die Fische, diesmal in geringerer Zahl als sonst, weiter oberhalb im Bache befanden. Sogleich machten sich die Männer auf, durchwateten das Flüsschen und verschwanden im Walde. Nur mit Mühe konnte ich einige Knaben bestimmen, bei mir zu bleiben und mir den Weg zu weisen. Dieser führte gleich anfangs quer durch den Fluss, den meine braunen Führer einfach durchschwammen, während ich ihn, um nicht gleich durch und durch nass zu werden, watend zu passieren versuchte. Diese Vorsicht erwies sich aber als unnütz, da ich doch bis an die Brust ins Wasser musste; die Erfrischung war übrigens angenehm und bei der ständigen Bewegung nicht schädlich. Nachdem wir ein Stück Wald und mehrmals den gleichen Bach durchquert hatten, erreichten wir den Schauplatz des grossen Ereignisses: einige Meter unter uns zwischen steilen Uferwänden standen die Kajanmänner im Wasser, bewaffnet mit grossen Fischhaken, die so lose an langen Stöcken befestigt waren, dass siebeim Zurückziehen im Fischkörper haften blieben. Da der Haken ausserdem an eine Schnur gebunden war, konnte der Fischer die erfasste Beute bequem heranholen. Bei meiner Ankunft hatten die Leute bereits viele Fische gefangen; zwar waren die Tiere diesmal nicht, wie es früher vorgekommen sein soll, in solch gedrängter Masse erschienen, dass ihre Rücken an der Wasseroberfläche sichtbar wurden, vielmehr musste man sie aus Uferhöhlen und unter Baumstämmen, die im Bache umherlagen, hervorstöbern, doch gelang es, eine grosse Anzahl aus diesen Schlupfwinkeln aufzuscheuchen.

Es ging sehr lebhaft beim Fischen her. Der Fang eines besonders schönen Exemplars erfüllte jeden mit Genugtuung und, wenn ein aufgejagter Fisch mit kräftigen Schlägen zwischen den Fischern hindurchschoss, stürzten alle voll Eifer auf ihn zu, da jeder den ersten Speerwurf tun wollte, selbst auf die Gefahr hin, einen Menschen statt des Fisches zu spiessen.

Die Männer beeilten sich, sobald ein Fisch am Haken zappelte, das wütende Tier mit dem schrecklichen Gebiss durch einen kräftigen Schwertschlag hinter dem Kopfe unschädlich zu machen; auf dem Trocknen wurde der Kopf gänzlich vom Rumpf geschieden und dieser ausgeweidet. Wenn die Fische sehr zahlreich erschienen, wagte man sich, aus Furcht gebissen zu werden, nicht ins Wasser. Dass diese Furcht nicht unbegründet war, bewiesen einige grosse Narben an den Beinen der Kajan. Diesmal schienen nur grosse Fische den Samus hinaufgeschwommen zu sein; denn die gefangenen Exemplare waren mindestens 10 kg schwer.

Nach einigen Stunden besassen alle einen genügenden Vorrat an Fischen und, da der Weg noch weit war, begann man an den Rückzug zu denken. Die Knaben hatten bereits die Fische an den Platz vor ausgetragen, wo die Frauen schon seit dem Morgen mit den Vorbereitungen zur Mahlzeit beschäftigt waren; geröstetetapabildeten nun das Hauptgericht und es schmeckte so gut, dass keiner Lust zum Aufbruch verspürte, was mir, in der Voraussicht auf eine Wiederholung der Expedition vom Morgen, sehr angenehm war.

Unter einem hohen Uferbaum hielten einige mir wohl bekannte Frauen der Ma-Suling Siesta, und ich nahm mir die Freiheit, mich in ihrer Nähe im Schatten des gleichen Baumes niederzulegen; ihr Schlaf schien aber durch meine Anwesenheit gestört zu werden; denn sie begannen zu schwatzen. Eine von ihnen war ihres Gesanges wegenberühmt und liess sich zum Glück nicht lange nötigen, einige Proben ihrer Kunst zum besten zu geben.

Auf dein Rücken liegend, die Hände unter dem Haupte gekreuzt, trug sie, teils rezitierend, teils wirklich singend, einige Stücke vor; in dieser Umgebung klang es sehr lieblich und, wenn es auch kein europäischer Gesang war, machte er doch einen viel besseren Eindruck als der der Javaner oder Malaien. Die Melodieen glichen am meisten den unsrigen. Leider konnte ich die Worte nicht verstehen; sie erweckten die Heiterkeit der Zuhörer und, da ich einige Mal meinen Namen unterscheiden konnte, improvisierte die Sängerin augenscheinlich. Auch diese Idylle nahm ein Ende; das Mahl war eingenommen, die Fische in Körbe gepackt, und so zogen Männer, Frauen und Kinder beutebeladen in langer Reihe auf dem gleichen halsbrecherischen Wege heimwärts. Auch jetzt wieder beschützten reich die Urwaldgeister der Kajan und ich kam mit heilen Gliedmassen, aber mit etwas labilem Gleichgewichte nach Hause.

Was die Fischerei mit dertuba, dem Fischgift, betrifft, so nimmt auch an ihr die ganze Bevölkerung Anteil. Am oberen Kapuas wird nur in den kleineren Nebenflüssen mittelst Gift gefischt, am oberen Mahakam auch im Hauptfluss.

“tuba” ist ein Sammelname für verschiedene Wurzeln und Baumrindenarten, deren narkotisch wirkende Milchsäfte zum Betäuben der Fische benützt werden. Die für dietuba-Fischerei erforderlichen Pflanzen werden teils gebaut, teils aus dem Walde geholt.

Haben die Bewohner eines Kajandorfes beschlossen, einen Fluss mittubaabzufischen, so wird alles lebendig; denn um eine für alle genügende Menge Fische zu fangen, muss auch jede Familie ihren Teiltubaliefern. Man zieht daher in grossen Scharen zurladangund sammelt dort die schwarzen, fingerdicken Wurzeln, die man zu Bündeln von 1 Fuss Länge und 2 dm Dicke vereinigt. Binnen weniger Tage, wenn ungefähr 200 Bündel zusammengebracht worden sind, kann der Fischzug in einem Flüsschen beginnen.

So fuhren eines Tages bei Sonnenaufgang viele Männer mit dertubain Böten an den Platz voraus, wo der Fang stattfinden sollte. Etwas später begaben sich auch die Frauen, Mädchen und Knaben zum Fluss und auch ich nahm in einem der schwankenden Fahrzeuge Platz, in welchem mich einige Männer flussaufwärts ruderten.

Der Schauplatz der Jagd war ein kleines Flüsschen, in dem unserNachen bald hier bald dort über eine Geröllbank geschoben werden musste.

Das nur 20 m breite Gewässer schlängelte sich, von den Uferbäumen völlig überdacht, zwischen urwaldbedeckten Hügeln hindurch. Nach einstündiger Fahrt, als das Boot nicht weiter konnte, führte uns ein Waldpfad längs dem Ufer weiter hinauf. An einer buchtartig verbreiterten Stelle des Flusses stiessen wir zu den Männern, die damit beschäftigt waren, dietubadurch Klopfen in eine weissliche, faserige Masse mit scharfem, betäubenden Geruch zu verwandeln. Inzwischen hatten sich die übrigen Teilnehmer in malerischen Gruppen auf den Uferfelsen gelagert. Die erfreuliche Aussicht, die Fische auf bequeme Weise überlisten und verspeisen zu können, schien vor allem die Frauen und Mädchen fröhlich zu stimmen. Sie hatten alle Schöpfnetze (hiko̤̱p) mitgenommen, während die Männer, ausser mit ihren gewöhnlichen Waffen, auch mit den gleichen Harpunen wie bei dertapa-Fischerei ausgerüstet waren. Jedem hing ein Rotangkorb über der Schulter; im übrigen waren sie in ihren Bewegungen nicht durch übermässig viele Kleider gehindert: die Männer trugen nur ein kleines Lendentuch, die Frauen nur ein Röckchen.

Nachdem das Klopfen beendet war, begaben sich die Männer mit den gefüllten Körben reihenweise in den Fluss und spülten, den Bach durchquerend, die geklopftentuba-Wurzeln im Wasser aus. Das milchweiss aus der faserigen Masse strömende Wasser färbte den Fluss in seiner ganzen Breite, während der betäubende Geruch destuba-Giftes sich doppelt stark in der Umgebung fühlbar machte. In dem breiteren und zugleich sehr tiefen Teil des Flussbettes strömte das Wasser nur langsam und das Gift hatte Zeit, sich bis auf den Grund mit der ganzen Wassermasse zu vermengen.

Die Wirkung zeigte sich schon nach wenigen Minuten bei den kleinen Fischen, die nach oben kamen, aus dem Wasser zu springen suchten und gleich darauf ihren weissen Bauch statt ihres oft prächtig metallglänzenden Rückens sehen liessen. Dies war für alle ein Zeichen, sich mit Schöpfnetzen und Harpunen in Bewegung zu setzen; man verteilte sich im Fluss, die Jugend längs dem Ufer, die Älteren in der Mitte. Doch nach kurzer Zeit war von der anfänglichen Ordnung nichts mehr zu merken. Die allerdings etwas betäubten, aber durchaus nicht bewegungslosen Fische konnten nur mit viel Gewandtheit gefangen werden und so musste man sich bald ihnen vorsichtignähern, bald ihnen nachtauchen oder über Flussgeschiebe nachsetzen.

Alles lief, fiel und tauchte durcheinander; hier holte einer ein schönes Exemplar mühelos zwischen Flussgestein hervor, dort sahen drei andere etwas Weisses sich im Wasser bewegen und warfen sich von allen Seiten auf die erschreckte Beute, die gerade noch Zeit hatte, unterzutauchen und durch eine rasche Wendung den dreien zu entschlüpfen, um etwas weiter unten in das Netz eines ruhigeren Fischers zu geraten, der sich das Tier bedächtig zutreiben liess.

Anfangs kamen nur wenig grössere Fische nach oben; entweder waren sie nur in geringer Zahl vorhanden oder sie widerstanden besser der Wirkung des Giftes und entschlüpften den zahlreichen Verfolgern.

Langsam zog das vergiftete Wasser abwärts und gleichzeitig mit ihm die fröhliche Schar, der auch ich mich angeschlossen hatte. Ans Fischen konnte ich jedoch nicht denken; denn bekleidet und beschuht durch einen Bergstrom zu waten ist ohnehin schon eine schwierige Aufgabe; zudem wurde der Fluss hie und da so tief, dass ich bis zur Brust einsank und mich auf dem schlüpfrigen Geröll nur mit Mühe aufrecht hielt. Zum Glück strömte das vergiftete Wasser, aufgehalten durch die vielen Steinblöcke, nur langsam weiter und man hatte Zeit, ihm zu folgen. 1½ Stunden lang gingen wir so weiter, geleitet vomtuba-Geruch, den wir bis zuletzt wahrnahmen. Ober- und unterhalb des vergifteten Wasserstreifens verschwand der lästige Reiz in der Nase, der übrigens keinem gefährlich zu sein schien. Endlich wurde das Wasser zu tief, um darin waten zu können, und ich schwang mich in ein am Ufer liegendes Boot und liess mich abwärts treiben.

Das Schauspiel gewann immer mehr an Lebhaftigkeit, denn jetzt kamen die grossen Fische zum Vorschein, deren Fang bisweilen viele Schwierigkeiten bereitete. Mit erstaunlicher Schnelligkeit und Sicherheit tauchten die Männer den Tieren nach, trafen sie im klaren Wasser mit dein Speer und brachten die Beute im Triumph nach oben.

Die Frauen und Mädchen gaben übrigens dem stärkeren Geschlechte an Geschicklichkeit nichts nach und tauchten mit dem gleichen Erfolge auch unter den Böten durch, um ihre Schlachtopfer zu erjagen.

Nicht leicht werde ich das liebliche Bild vergessen, das mir ein Kajanmädchen bot, als es plötzlich neben meinem Nachen aus dem Wasser auftauchte. Ich hatte die Kleine nicht verschwinden sehen und erblickte nun unversehens ihr liebes Gesichtchen mit den freudestrahlenden Augen, umgeben vom lang herabhängenden, schwarzen Haar,das ihr wie ein triefender Mantel über dem Rücken hing und das helle Braun der wohlgeformten Schultern und des Busens um so schöner hervortreten liess. Nicht ohne Koketterie erhob sich das Mädchen halb aus dem Wasser und eilte darauf mit dem erbeuteten Fisch dem Ufer zu.

An der Einmündung in den Hauptfluss schien sich das langsam herbeiströmende Wasser zu stauen; wenigstens kamen eine Menge grosser Fische betäubt an die Oberfläche und gaben den Männern mit ihren Harpunen genug zu tun. Auf einer verhältnismässig kleinen Fläche mehrere Meter tiefen Wassers schwammen und tauchten alle durcheinander und warfen in ihrer Verfolgungswut die Harpunen mit solcher Schnelligkeit, dass nur wie durch ein Wunder keine Verwundungen vorkamen. An diesem letzten gefährlichen und anstrengenden Spiel beteiligten sich die Frauen nicht mehr, sie suchten befriedigt vom Erfolg des Tages die Böte auf und legten sich triefend und ermüdet, aber doch fröhlicher Stimmung, neben ihren Fischen nieder.

Während des ganzen Fischzugs hatte ich mich an der allgemeinen Heiterkeit und Einigkeit erfreut; durch keinen einzigen Misston war die Harmonie unterbrochen worden. In dieser günstigen Gemütsverfassung zeigten sie mir auf Wunsch des Häuptlings ihre Schätze, so dass ich bald 30 verschiedene Fischarten für die zoologische Sammlung beieinander hatte. Die Exemplare waren zwar meist klein, aber bei keiner Gelegenheit so bequem zu erlangen als bei dieser.

Dass ein Flüsschen durch eine derartigetuba-Fischerei gänzlich ausgefischt wird, kann man sich vorstellen; die jüngsten Fischchen leiden am meisten unter dem Gift und es dauert daher lange, bis sich der Fischstand wieder erholt. Darum bekümmerten sich die Dajak jedoch nicht, sondern fuhren allgemein befriedigt den Fluss hinab. Zu Hause angekommen kleidete ich mich schnell um und vergass bald, dass ich einen halben Tag in triefenden Kleidern gesteckt hatte.

Sind die abzufischenden Flüsse grösser und tiefer, so schliesst man ihre Mündung mit einem hohen Bambusgitter, dessen Stäbe eng beieinander stehen, ab, um die grossen, nur halb betäubten Fische aufzuhalten. Dann spielt sich die Jagd wegen der Gefahr, durch Fische oder zufällig aufgejagte Krokodile verwundet zu werden, in Böten ab. Zum Schluss sammeln sich alle Fischer vor dem Gitter, das hinten mit Bambuskörben und Netzen versehen ist, um die Fische, welche hinüberzuspringen versuchen, aufzufangen. Bei dieser Gelegenheit sahich einzelne Fische unglaublich hoch springen. Exemplare von etwa 1 Fuss Länge und auch einige grosse Arten schnellten plötzlich zwischen den Böten empor und verschwanden hinter der mehr als 2 m hohen Bambuswand. Die weniger guten Springer fielen in die Körbe und Netze.

Die Jagd spielt bei den Bahau am Mendalam nur eine nebensächliche Rolle: begeben sich die Männer aufs Reisfeld oder in den Wald, so werden die Hunde stets mitgenommen und zeigt sich Wild, so wird darauf Jagd gemacht.

Aus dem Begriff “Wild” schliessen die Bahau alle Tiere aus, die sie nicht essen dürfen, wie Horntiere, graue Affen und Schlangen. Als Wildpret kommen daher hauptsächlich Wildschweine, verschiedene Wildkatzen, kleinere Säugetiere und hühnerartige Vögel in Betracht. Besonders erstere sind als Wild sehr beliebt, auf meiner ersten Reise waren sie aber noch selten; eine heftige Epidemie in den Jahren 1888 und 1889 hatte nicht nur die wilden, sondern auch die zahmen Schweine in Mittel-Borneo fast ausgerottet.

Eine wichtige Rolle spielen bei der Jagd die Hunde, die sich trefflich zum Aufspüren und Stellen des Wildes eignen. Sie wagen sich aber nur an kleinere Tiere heran, da sie nicht über 1 Fuss hoch werden; grössere Schweine bellen sie nur aus einiger Entfernung an oder sie bemächtigen sich ihrer Jungen.

In allen Gegenden, die ich besuchte, fand ich bei den Dajak die gleiche Hunderasse: kurzhaarige, schlank aber kräftig gebaute Tiere mit aufrecht stehenden Ohren und langem, spitzen Kopf. Die männlichen Tiere, besonders die guten Jagdhunde, werden häufig kastriert, um sie anhänglicher an den Herrn und gleichgültiger gegen die Weibchen werden zu lassen. Die Bahau bilden sich ein, dass die Kastration dem Fortpflanzungsvermögen nicht schade, doch ist die Hunderasse bei ihnen durch dieselbe stark zurückgegangen. Von den Punan, die ihre Jagdhunde nicht kastrieren, beziehen die Häuptlinge der sesshaften Stämme ihre guten Exemplare. Eigentümlicher Weise bestimmen die Bahau auch bei den männlichen Tieren hauptsächlich nach der Zahl und Entwicklung der Zitzen, ob es gute Jagdhunde sind oder nicht. Vor allem wird ihr Mut hiernach beurteilt.

Bei Stämmen, wie die Pnihing, die sich für die Jagd interessieren und daher nicht, wie es meist geschieht, die Hunde selbst für ihrenUnterhalt sorgen lassen, besitzen die Häuptlinge schöne, kräftige Hunde.

Überall im Innern haben die Hunde die Eigenschaft, wenig, Fremden gegenüber überhaupt nicht, zu bellen. Begegnen sie letzteren, so ergreifen sie entweder mit eingezogenem Schwanz die Flucht oder sie beachten sie gar nicht. Auf der Jagd stossen sie ein kurzes Kläffen aus, für gewöhnlich aber machen sie sich durch ein höchst unangenehmes Heulen bemerklich, in welches, wenn einer den Anfang gemacht hat, alle übrigen im grossen Dajakhause einstimmen. Aus der Ferne erinnert ein derartiges Konzert an das Lärmen einer Menschenmenge. Auf die gleiche Weise heulten die einheimischen Hunde auf der Insel Lombok, was in der ersten Nacht auf dem Kriegsschauplatze einen unheimlichen Eindruck machte. Bei den Dajak wurde man durch das Heulen nur im Schlaf gestört und zwar hauptsächlich in mondhellen Nächten, die auf das Hundegemüt eine besondere Wirkung auszuüben schienen.

Nur wenige Häuptlinge, besonders eifrige Jäger, behandeln ihre Hunde gut, füttern sie reichlich und halten sie nicht, wie die übrigen Bahau, für gänzlich gefühllos. Für gewöhnlich sind die Hunde infolge schlechter Behandlung mager, sehr scheu und für Freundlichkeiten unempfindlich. Doch hängen auch bei den Dajak Herr und Hund auf ihre Weise aneinander und sobald ein Hund auf einem Zug mit darf, giebt er seine Zufriedenheit durch Springen und Heulen deutlich zu erkennen.

Die Kajan bedienen sich bei der Jagd keiner besonderen Waffen; sie gebrauchen Schwert und Speer, die sie stets bei sich tragen; nur gegen Vögel und kleine Säugetiere verwenden sie das Blasrohr mit vergifteten Pfeilen. Mit diesen schienen die Jäger, so viel ich beobachtete, nur schlecht umgehen zu können; sie trafen selbst in kleinen Abständen nur selten. Wie an einem anderen Ort bereits gesagt ist (pag. 154), handhaben nur wenige Leute das Blasrohr wirklich gewandt; es sind dies mit Kajanfrauen verheiratete Punan und Bukat, die ihrer Gewohnheit, in Wäldern herumzuschwärmen, getreu bleiben. Diese verbringen die meiste Zeit auf der Jagd statt auf dem Reisfeld und unterhalten auch ihre Familien mit dem, was die Jagd ihnen liefert. Besonders geschätzt sind die Hörner der Hirsche, die als Material zu Schnitzarbeiten dienen; die Gallenblase (o̤̱mpe̥du) und Klauen der Bären, welche die Chinesen zur Bereitung von Arzneimitteln verwenden, die Zähne des borneoschen Panthers, aus denen Ohrschmuck für Männer und sein Fell, aus dem Kriegsmäntel hergestellt werden; einenwichtigen Artikel bilden auch die Bezoare, die runden oder ovalen Steine aus dem Darm oder der Leber der genannten Tiere, sowie der Affen, Stachelschweine und Schlangen, die unter dem Namengligaoderguligaeinen hohen Wert besitzen und vor allem an chinesische Apotheken verkauft werden.

Zum Erlegen der Tiere wird meistens der Speer gebraucht; nur selten findet man bei den Mendalam Kajan Gewehre und noch seltener das notwendige Pulver. Da die Gewehre in der Regel von schlechter Beschaffenheit sind und recht häufig Unglück mit ihnen angestiftet wird, schiessen die Dajak meist mit abgewandtem Gesicht, was nicht gerade zur Erhöhung der Treffsicherheit dient.

Im Fangen der Vögel mittelst Schlingen zeigen sich die Kajan auffallend ungeschickt und das Stellen von Fallen, mit denen andere Stämme grössere Tiere erbeuten, scheint ihnen gänzlich unbekannt zu sein.

Während meines ersten Besuches am Mendalam wünschte ich, in den Besitz einiger Argusfasanen zu gelangen, deren schöner Ruf mir öfters aus dem Walde entgegenklang, die ihrer Scheuheit wegen jedoch beinahe nur mit Schlingen zu fangen sind. Nur wenige Kajan waren zu dieser Jagd geneigt und in den ersten Wochen hatte keiner Erfolg. Erst als ich sehr hohe Preise aussetzte, 10 Dollar für ein Männchen, 5 für ein Weibchen, begab sich der Schwiegersohn des Häuptlings mit zwei Leibeigenen, Söhnen von Punan, für einige Tage in den Wald. Mit dem Blut schienen diese auch die Geschicklichkeit ihrer Väter geerbt zu haben, denn nach 3 Tagen brachten sie mir einige prachtvolle Exemplare zurück; nur sie waren auch im stande, mir die verschiedenen Sorten von Pfeilgift mit den verschiedenen Pflanzenarten, aus denen es gewonnen wird, aus dem Walde zu holen.

Bei meinem zweiten Besuch 1896 waren diese beiden Jäger auf weiten Reisen und von einer ferneren Sammlung von Pfeilgiften oder Argusfasanen war keine Rede mehr.

Zu den gewöhnlichen Haustieren der Bahau und Kĕnja gehören Schweine, Hühner, Hunde und Katzen; Pferde, Kühe, Ziegen und Schafe besitzen sie nicht. Nur seit kurzer Zeit kommen bei einigen Stämmen einzelne eingeführte Ziegen und Schafe vor, sie werden aber von den Bahau, wie alle anderen wilden und zahmen Horntiere, noch nicht gegessen. Bei den Kĕnjastämmen essen nur die Priester keine Horntiere.

Die Schweine bilden in Mittel-Borneo eine einheitliche Rasse und stammen wahrscheinlich von den einheimischen wilden Schweinen ab oder sind doch wenigstens stark mit diesen vermischt; da die Schweine ständig frei um das Haus herumlaufen und bisweilen tief in den Wald eindringen, ist eine Vermischung mit wilden Schweinen durchaus nicht ausgeschlossen. Die Bahau behaupten auch, dass eine Vermischung wirklich stattfindet. Die jungen Schweine sind braun und schwarz gestreift wie die wilden Schweine; die älteren Tiere sind meist weiss, bisweilen auch schwarz.

Die Bahau füttern ihre Schweine so lange gut, als ihre eigenen Nahrungsmittel es zulassen. Sie werden des Morgens früh, hauptsächlich aber gegen 4 Uhr nachmittags, nach dem Reisstampfen, gefüttert, da die Reisspelzen mit Wasser vermengt das Hauptnahrungsmittel für die Tiere bilden. Ausserdem werden auch unreife Früchte, besonders Papaya, in Wasser gekocht, als Futter verwendet. Einige wohlhabende Familien halten sich bisweilen ein Schwein, das stets frei auf der Galerie des Hauses umherläuft und ausschliesslich mit Reis-, Früchte- und Gemüseabfällen genährt wird. Diese Tiere werden oft sehr dick, einige Exemplare wogen sicher 150 kg. Die unter dem Hause frei herumlaufenden Schweine erreichen niemals diese Grösse und dieses Gewicht.

Die Hühner Mittel-Borneos gehören zu einer Rasse, die sich in nichts von denjenigen der Malaien unterscheidet. Auch die Kampfhähne gehören dieser Hühnerrasse an. Tagsüber laufen die Tiere in und unter dem Hause frei umher und einzelne werden im Walde ein Opfer der Raubtiere. Um die Küchlein zu beschützen, werden sie jeden Abend eingefangen und mit der Henne in einem Korbe oben an die Galerie des Hauses gehängt. Die älteren Hühner schlafen auf dem Dache, auf den Fruchtbäumen oder an anderen hohen, sicheren Stellen. Die Eier werden als gelegentliche Opfergaben oft monatelang bewahrt. Nur ab und zu werden frische Eier von Erwachsenen gegessen; man giebt sie vor allem Kindern.


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