Massenkalk mit undeutlicher Schichtung.Massenkalk mit undeutlicher Schichtung.
Massenkalk mit undeutlicher Schichtung.
Massenkalk mit undeutlicher Schichtung.
Den Lohn für die Begleitung an den Blu-u setzte ich mitBĕlarègleichfalls im voraus fest; die Pnihing forderten ein Kopftuch und einige Glasperlen für den Mann. Auch versprach ichBĕlarè, am folgenden Morgen vor unserer Abreise nach seiner Frau zu sehen, die bereits bei meinem ersten Besuch an Anfällen von Verfolgungswahnsinn litt und die ich schon damals für unheilbar erklärt hatte. Während meiner Abwesenheit hatten sich die Anfälle noch einige Mal wiederholt; die grosse, schlanke Frau erschien jetzt magerer und bleicher als je. Vor dem Eintritt eines Anfalls empfand sie Schwindel und einen sonderbaren Geruch in der Nase, dann stellten sich Kopfschmerzen, Blutandrang zum Kopf, glühende Wangen und rot unterlaufene Augen ein. Bald darauf glaubte sie sich von bösen Menschen und Geistern verfolgt, griff nach Schwertern und Speeren zur Verteidigung und wurde dadurch für ihre Umgebung gefährlich. Da man ausserdem noch fürchtete, dass sie sich in ihrer Angst ertränken könnte, mussten einige Männer bei ihr Wache halten. Die zarte Frau entwickelte während der Anfälle so viel Kraft, dass mehrere starke Männer sie nur mit Mühe bewältigen konnten. Nach derartigen Anfällen, die bis zu 8 Tagen dauerten, kam sie wieder zur Besinnung und nach einigen Tagen gedrückter Stimmung wurde sie ganz normal. Die Anfälle waren zum ersten Mal aufgetreten, nachdem die Batang-Lupar aus Sĕrawak im Jahre 1885BĕlarèsNiederlassung verbrannt und viele Menschen getötet oder als Sklaven fortgeführt hatten. Dass dieser Umstand die Krankheit nicht verursacht, sondern eine erbliche Anlage nur zum Ausbruch hatte kommen lassen, ging daraus hervor, dass ihr Bruder, der Häuptling von Long Kub, ohne diesen Anlass an der gleichen Krankheit litt. Auch jetzt konnte ich leider nichts anderes tun, als die Leute trösten.
Unterdessen hatten meine Begleiter gegessen, ihre grossen Böte unter dem Hause hervorgeholt, ins Wasser gelassen und ihr eigenes Gepäck in den Böten untergebracht. Ich machte von den starken Armen und frischen Kräften der Pnihing Gebrauch, um die meisten und schwersten Kisten sogleich von ihnen an den Blu-u mitnehmen zu lassen, der Rest sollte mit den übrigen Europäern nachkommen. Die meisten Malaien und Javaner zogen sogleich mit mir, um sich nach einer passenden Wohngelegenheit für sich umzusehen. DassBĕlarèund die Vornehmsten seines Stammes mir bis zum Blu-u das Geleite gaben, war ein Beweis dafür, wie sehr sie meinen Besuch und den verlängerten Aufenthalt des Kontrolleurs in ihrer Mitte zu schätzen wussten.
Die Fahrt ging bei dem hohen Wasserstande sehr schnell von statten, bereits nach zwei Stunden befanden wir uns an der Mündung des Blu-u. Die Ufer boten jetzt einen ganz anderen Anblick, als bei meiner Abreise im Frühling des vergangenen Jahres. Man hatte damals längs des rechten, 30 m hohen Ufers bereits zum dritten Mal alles Gestrüpp und Gras ausgerodet, um dort für den ganzen Stamm ein neues Haus zu bauen. Seitdem die Batang-Lupar ihre Niederlassung verbrannt hatten, lebten die Kajan nämlich zerstreut im ganzen Gebiet des Blu-u auf ihren Reisfeldern, auch hatte jede Familie im Laufe der Zeit bereits Pfähle und Planken zum Bau ihrer eigenenaminhergestellt und sie im Walde oder im Blu-u unter Wasser aufbewahrt. Schlechte Ernten, ungünstige Vorzeichen und die Angst vor den immer noch im Quellgebiet des Mahakam nach Guttapercha suchenden Batang-Lupar hatten den Hausbau ständig verzögert.
Während meines achtmonatlichen Aufenthaltes in ihrer Mitte (1896–97) hatten sich die Kajan, im Gefühl der Sicherheit wegen meiner Anwesenheit, mit neuem Mut an den Bau des Hauses gemacht und waren auch während meiner Abwesenheit in der Arbeit fortgefahren; denn jetzt standen eine lange Reiheaminauf dem hohen Ufer. Nur eine einzige Familie, zu der besonders viele arbeitsfähigen Männer gehörten, hatte ihre Wohnung völlig beendet, die übrigen wohnten noch in kleinen, aus alten Brettern gebauten Hütten rings umher und sollten erst später die letzte Hand an ihreaminlegen.Kwing Iranghatte mit dem Bau seiner Wohnung überhaupt noch nicht anfangen können und wohnte augenblicklich mit seiner Familie und einigen Sklaven in einem sehr kleinen Hause, das wie die übrigen 3 In über dem Erdboden lag. Die meisten seiner Sklaven lebten mit ihrenFamilien auf den Reisfeldern des Häuptlings, die sie zu bebauen hatten und um welche herum sie ihre eigenen kleinen Felder angelegt hatten.
DaKwing Irangsprovisorische Wohnung nur eine sehr kleine Galerie besass, hatte man zur Aufnahme von Gästen und zur Abhaltung von Versammlungen seinem Hause gegenüber an der anderen Seite eines freien Platzes ein längliches Gebäude aufgeführt. Diesen Versammlungssaal hatte man zur vorläufigen Unterkunft meines Personals und Gepäckes bestimmt, während man für uns Europäer an dieses Gebäude angelehnt a m über dem Boden ein festes Haus von 48 □ m Grundfläche errichtet hatte. Man hatte sich, gleich nachdemAkam Igaumeine Ankunft gemeldet hatte, ans Werk gemacht und mir ein so gutes, starkes Haus gebaut, wie ich es bis dahin auf meinen Reisen noch nicht besessen hatte. Uns Europäern stand nun ein ausgezeichneter Wohnraum zur Verfügung, der nur als Zeichenatelier fürBier, als photographisches Atelier fürDemmeniund als Arbeits- und Handelslokal fürBarthund mich zu eng war. Doch konnte allen diesen Anforderungen später entsprochen werden; vorläufig musste ich für meine Malaien eine Unterkunft zu beschaffen suchen.Kwing Irangmeinte, dass hierfür ein leer stehendes, am Fusse des Uferwalles gelegenes, malaiisches Haus am geeignetsten sein würde. Es hatte hier lange Zeit ein malaiischer Anführer einer Gesellschaft Buschproduktensucher, ein gewisserHadji Umar, gewohnt, der sich augenblicklich unterhalb der Wasserfälle aufhielt. Das etwas baufällige Haus konnte schnell wieder hergestellt werden, indem der Wald Pfähle, der Häuptling Planken und meine Malaien die Arbeit lieferten. Die Lage des Hauses, weit ab von der eigentlichen Niederlassung der Kajan, war insofern günstig, als die Malaien, die für die Dajak nie Sympathie empfanden, hier ungestört wohnen konnten. Zwar war unser Geleite während der Nacht hier weit von uns entfernt, aber einige Männer konnten als Wache stets oben im Versammlungssaal schlafen.
Nachdem ichBĕlarèund die Seinen belohnt und verabschiedet hatte, wandte ich mich an meine alten Kajan Bekanntschaften, die sich während der Anwesenheit der Pnihing in einiger Entfernung gehalten hatten. Ihrer Sitte gemäss, äusserte keiner der Kajan, bevor ich das Wort an ihn gerichtet hatte, seine Freude über meine Ankunft, dann aber war die Zunge plötzlich gelöst und ich wurde mit Fragen, wo ich die Zeit über gewesen sei, ob ich mich nicht verheiratet hätte u.s.w. über schüttet; leider begannen sie auch sogleich wieder umallerhand Dinge zu betteln. Das Willkommgeschenk, das die meisten erwarteten, schob ich noch einen Tag hinaus.
An den beiden folgenden Tagen trafen in gesonderten Gruppen die Mendalam Träger bei uns ein: zuerst die Ma-Suling mit denen aus Pagong. Diese wollten sich den Mahakam abwärts zu ihren Verwandten am Mĕrasè begeben, sich 10 Tage bei ihnen ausruhen und dann wieder an den Kapuas zurückkehren. Obgleich sie bereits in Putus Sibau einen Vorschuss von ihrem Lohn erhalten hatten und es abgemacht war, dass sie den Rest bei ihrer Heimkehr dort vom Kontrolleur in Empfang nehmen sollten, baten sie mich doch wieder um Geld. Mit Rücksicht auf meinen beschränkten Geldvorrat und darauf, dass alle anderen wahrscheinlich mit den gleichen Forderungen herantreten würden, musste ich ihre Bitte abschlagen und gab jedem nur eine kleine Summe als Vorschuss; für den Rest gab ich ihnen einen Brief an den Kontrolleur von Putus Sibau mit. Der gleiche Auftritt spielte sich mit den Kajan aus Tandjong Karang und Tandjong Kuda ab, die sich, um Blutsverwandte zu besuchen und Handel zu treiben, nach anderen, weiter unten am Mahakam gelegenen Niederlassungen begaben. Nur den armen Punan, die wenig oder gar keine Tauschartikel besassen, händigte ich einen grösseren Betrag aus, damit sie unterTĕtuhèsAnführung bei ihren Verwandten am Sĕrata, wo sich bei den Pnihing eine grosse Bukat Niederlassung befand, keine allzu klägliche Rolle spielten.
Ferner besprach ich mitKwing Irang, was ich seinen Untergebenen, die mir entgegengereist waren, geben sollte. Zu meiner angenehmen Überraschung schlug er mir vor, jeden auf die gleiche Weise mit einem Stück schwarzen und roten Kattuns zu belohnen; so hatte ich denn nicht mit dem persönlichen Geschmack der einzelnen zu streiten. Ein chinesischer Bankerottierer,Mi-Au-Tong, der aus Pontianak dein Kapuas entlang an den Mahakam geflüchtet war und jetzt bei den Kajan durch Handel mit Buschprodukten und Arzneien sein Leben fristete, half mir beim Messen des Zeuges. Die Abmachung mit dem Häuptling wurde von seinen Untergebenen natürlich wieder nicht für gut befunden; jeder verlangte noch eine Portion Salz dazu, die ich ihm gern gab.
Dem Häuptling selbst übergab ich im Namen der Regierung eine silberne Beteldose mit Zubehör, die ihn sehr zu beglücken schien. Seinen beiden Frauen hatte ich schöne seidene Tücher mitgebracht,ausserdem liess ich sie von meinen geblümten Seidenstoffen selbst noch etwas auswählen.Kwing IrangsPflegetochterKehaderfreute ich mit einem Ohrschmuck, bestehend aus 20 Silberringen von 4 cm Durchmesser. Ich hatte in Batavia 1500 dieser Ringe anfertigen lassen; sie bildeten einen kostbaren und wenig umfangreichen Tauschartikel.
Der Satz Armbänder aus Elfenbein, den ichHinan LirungundBĕlarègegeben hatte, spukte auchKwing Irangim Kopfe herum, und er ruhte nicht eher, bis ich auch den Arm seines 10 jährigen SöhnchensHāngmit Elfenbeinringen geschmückt hatte. Alle Bahau besitzen die Eigenart, dass sie ihre Wünsche starrsinnig auf einen bestimmten Gegenstand richten und dass man sie dann mit Geschenken von viel grösserem Werte nicht entsprechend erfreuen kann. Es ist daher am einfachsten, sie ihre Wünsche stets vorher äussern zu lassen.
Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.
Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.
Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.
Zu meiner grossen Beruhigung war es diesmal mit dem Reisvorrat der Kajan viel besser bestellt, als auf meiner vorigen Reise. Bereits in den ersten Tagen kamen Scharen von Mädchen und Knaben, um gegen kleine Mengen Reis Nadeln, Perlen u.a. einzutauschen, so dass ich einen ganzen Vorrat beisammen hatte, bevorBarth, DemmeniundBieram 11. Oktober bei uns eintrafen.Kaharonbegleitete die Gesellschaft, um mit mir noch einmal über die Expedition zum Quellgebiet des Mahakam zu reden, die nach Ablauf der mit der Reissaat verbundenen Verbotszeit, die jetzt bei den verschiedenen Stämmen eintrat, stattfinden sollte.
Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf—Bewohner des Mahakamgebietes—Vorgeschichte der Stämme—Stellung und Einfluss der Fremden—Ursprüngliche Bewohner am oberen Mahakam—Vorherrschaft der Long-Glat—Kwing Irang und dessen Stellung unter den übrigen Häuptlingen—Verkehr und Handel unter den Stämmen—Selbständigkeit der Stämme—Verteilung der Ländergebiete—Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte, Buschprodukte, Jagd und Fischfang—Industrie—Verkehr mit den Nachbarländern—Handel und Handelswege.
Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf—Bewohner des Mahakamgebietes—Vorgeschichte der Stämme—Stellung und Einfluss der Fremden—Ursprüngliche Bewohner am oberen Mahakam—Vorherrschaft der Long-Glat—Kwing Irang und dessen Stellung unter den übrigen Häuptlingen—Verkehr und Handel unter den Stämmen—Selbständigkeit der Stämme—Verteilung der Ländergebiete—Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte, Buschprodukte, Jagd und Fischfang—Industrie—Verkehr mit den Nachbarländern—Handel und Handelswege.
Der Mahakam (im Malaiischen; Mĕkám im Busang) ist von den Strömen Borneos, die sich an der Ostküste ins Meer ergiessen, der grösste. Er entspringt unter dem Namen Sĕlirong an der südwestlichen Seite des Batu Tibang, eines wahrscheinlich vulkanischen Berges, der sich in der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges, das aus alten Schiefern besteht, erhebt. Der Mahakam folgt anfangs einem Längstal dieses Gebirges, aber bald nachdem sich der Sĕlirong mit dem Sĕliku, einem zweiten Quellflüsschen, das auf dem Lasan Tujan entspringt, auf 550 m Höhe vereinigt hat, bricht der Fluss in südwestlicher Richtung der Reihe nach durch alle Ketten des Gebirges hindurch. Bis zur Mündung des Howong, auf etwa 300 m Höhe, behält der Mahakam diese Richtung bei, wendet sich hier, in gleicher Entfernung von dem Batu Lĕsong, ungefähr gerade nach Osten und biegt dort, wo dieses Sandsteingebirge sich unter dem Namen Batu Ajo nach Süden fortsetzt, ebenfalls nach Süden. An der Biegung bei Long Tĕpai hat sich der Fluss durch die weissen Hornsteinschichten, auf denen das Sandsteingebirge liegt, nur ein schmales 15–40 m breites Bett erodieren können, während das Flussbett oberhalb Long Tĕpai an einigen Stellen eine Breite von 200 m erreicht.
An der Verengung bildet der Mahakam eine lange Reihe von Wasserfällen, die von oben nach unten folgende Namen tragen: Kiham (Wasserfall im Busang) Ulu, Kiham Hida, Kiham Nub, Kiham Lobang Kubang, Kiham Binju, Kiham Kĕnhè. Unterhalb dieser verengtenStelle verbreitert sich das Flussbett über eine ausgedehnte Strecke, bis beim Kiham Udang der Fluss wiederum nur 30 m breit wird, während noch weiter unten, beim Kiham Halo auf 100 m Höhe, die Wassermassen sich über eine Entfernung von über 2000 m durch eine Verengung, die zwischen 20–50 m breit und zwischen Sandsteinbergen gelegen ist, hindurchzwängen. Obwohl noch eine Strecke weit von Hügeln beengt, erreicht der Fluss doch bald wieder die normale Breite und wird von Long Bagung an auch nicht mehr stark durch Berge verengt. Während daher der oberhalb Long Bagung gelegene Teil des Mahakam nur unter günstigen Verhältnissen für die eigenartigen Böte der Eingeborenen schiffbar ist, können bis zu dieser Stelle, ausser bei sehr niedrigem Wasserstande, kleine Dampfböte den Fluss hinauffahren. Bereits bei der Mündung des Mĕrah beträgt die Breite des Flusses 300 m und nimmt nach unten hin immer mehr zu. Nur bei Uma Mĕhăk Tĕbă, wo der Strom sich um eine Hügelreihe windet, wird er noch einmal 100 m breit, später jedoch nicht wieder. Erst dort, wo die südöstliche Richtung in eine östliche übergeht, jenseits des Gunung Sindáwar, wird das Land zu beiden Flussseiten zu einer alluvialen Tiefebene, auch erhebt es sich nicht hoch über dem Meeresspiegel. Das Land behält aber nicht den gleichen Charakter bis zur Mündung bei, denn die ganze Ostküste von Borneo wird nach Süden, bis zum Pasirfluss, durch eine Gebirgskette begrenzt. Durch diese Gebirgskette muss der Fluss sich hindurcharbeiten, bevor er sich in zahlreichen Mündungen ins Meer ergiessen kann.
Betrachten wir uns den Oberlauf des Mahakam näher, so zeigt es sich, dass er so lange die südwestliche Richtung beibehält, als er sich in der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges befindet, beim Howong jedoch wird er gezwungen, sich nach Osten zu wenden, da er dort auf das vulkanische Gebiet stösst, dessen wichtigste Erhebungen der Lĕkudjan, Penaneh und Mĕnĕtokai sind, und auf die Sandsteinformation, in welcher nach Osten hin der Batu Lĕsong die Hauptkette bildet.
Von der Vereinigung des Sĕlirong und Sĕliku an bis zur Mündung des Howong fällt der Fluss in seinem sehr geraden Lauf von 550 auf 300 m über dem Meeresspiegel. Da das Quertal überall eng ist, behält der Mahakam in diesem Gebiet ganz den Charakter eines Bergstromes, der nur bei niedrigem Wasserstande befahrbar ist und in welchem grosse Wasserfälle, wie der Kiham Matandow (Sonnenfall), die Reise sehr gefahrvoll machen.
Die Ufer bestehen, ausser auf kurzen, ebeneren Strecken, aus steilen Schieferwänden; im Flussbett selbst kommen nicht wie weiter unterhalb grosse Geschiebeablagerungen vor, die an den Ufern oder in der Mitte Geröllbänke bilden.
Da, wo der Fluss in der Richtung des Sandsteingebirges Batu Lĕsong im Süden und des Batu Apap Kaju Hun und Ong Dia im Norden nach Osten strömt, ändert sich sein Charakter. Bis Long Tĕpai kommen eigentliche Wasserfälle nicht vor, obgleich der Höhenunterschied zwischen Long Howong und Long Blu-u noch 100 m beträgt. Die grössten Hindernisse für eine Bootfahrt bilden auf dieser Strecke die Stromschnellen und die unterhalb der konvexen Uferseite gelegenen Geröllbänke. Der gewundene Lauf des Flusses zwischen Long Blu-u und Pahngè lässt bereits andere Verhältnisse vermuten. Von dem Gipfel des Batu Mili aus sieht man denn auch, dass sich das Flusstal nach Osten verbreitert; nur einige Hügel nähern sich den Ufern und am Horizont erscheinen die Berge Batu Niaan, Batu Boh und Batu Ajo. Auch eine Fahrt auf dem Flusse zeigt ein verändertes Bild; der Fluss hat hier sein Bett in seine alten Ablagerungen, viele Meter dicke Geröll- und Sandschichten, gegraben und zahlreiche kleine, bewachsene Geröllinseln erschweren die Fahrt auf dem Flusse.
Diese Flussablagerungen enthalten zahlreiche Schichten mit Pflanzenresten und haben ihr Entstehen dem Umstande zu danken, dass der Fall zwischen Blu-u und Tĕpai nur 20 m beträgt, während die grosse Enge des Bettes unterhalb Tĕpai durch Stauung bei Hochwasser auf die Stosskraft des Flusses sicher einen schwächenden Einfluss übt. Bei Lulu Njiwung ist die Anzahl kleiner Geröllinseln besonders gross. Unterhalb Long Tĕpai stösst der Mahakam auf das Bergmassiv, das nach Westen in den Pajang ausläuft; er windet sich hier durch zwei enge Täler nach Süden und bildet dabei zwei Reihen grosser Wasserfälle. Auf dieser Strecke ist der Fall des Flusses ein sehr bedeutender, er beträgt zwischen Long Tĕpai und Kiham Halo 80 m.
Nach der ersten, westlichen Reihe Wasserfälle folgt ein breiterer Teil des Flusses, an dem er den Bo aufnimmt, der, aus einem grossen Stromgebiet kommend, dem Mahakam ⅓ seiner Wassermenge zuführt.
Den verhältnismässig ruhigen Charakter dieser Strecke behält der Fluss bis Long Dĕho, wo bei Kiham Udang wiederum sehr enge Stellen folgen,da der Fluss die mächtigen Konglomeratblöcke, die in seinem Bette liegen, nicht hat entfernen können. Der Kiham Udang wird gänzlich aus diesen Blöcken gebildet, welche von den Konglomeratschichten aus rundem Griess abgebröckelt sind, die zu beiden Uferseiten mit Sandsteinschichten abwechselnd eine Mächtigkeit von 10–30 m erreichen. Der weiche Sandstein wurde vom Flusse weggeführt, während die Konglomeratmassen liegen blieben. Dass derartige Verengungen auf den Strom einen grossen Einfluss ausüben können, ersieht man daraus, dass der Fluss bei Long Dĕho im Jahre 1897 in zwei Tagen 15 in stieg, in 3 Tagen aber wieder seinen normalen Stand erreichte.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Unterhalb Long Bagun hat der Fluss für seinen gewundenen Lauf eine breitere Ebene, die er sich selbst aus seinen Ablagerungen von Griess und Sand geschaffen hat, zu seiner Verfügung. Zwischen der Mündung des Mĕra und Ma Mĕhak Tĕba liegen besonders viele Inseln, die alle durch abgesetztes Geschiebe entstanden sind. Da Ana nur noch 50 m über dem Meeresspiegel liegt, ist der Fall des Flusses weiter unten nicht mehr bedeutend.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Unsere Wohnung in Long Blu-u.
Griessbänke kommen noch bis Ana vor, aber der Mahakam betritt erst bei Gunung Sindáwar die ausgedehnte Tiefebene von Kutei und erhält erst von hier an den Charakter eines Unterlaufs.
Das weite, gänzlich flache Gebiet nördlich und südlich vom Mahakam, das den grössten Teil des Binnenlandes von Kutei ausmacht, scheint in früherer Zeit ein grosses Wasserbecken gewesen zu sein, das durch den Mahakam und seine Nebenflüsse allmählich angefüllt und dann durch die Vegetation überwuchert worden ist. Als Überbleibsel dieses Beckens sind zu beiden Seiten des Flusses eigenartige Seeen zurückgeblieben. Diese tragen mit ihrer runden Form und grossen Oberfläche einen ganz anderen Charakter als die länglichen, gewundenen, kleinen Seeen, die in der “Wester-Afdeeling” zu beiden Seiten des Kapuas vorkommen und einen Teil des früheren Flussbettes darstellen. Obwohl ein Teil des Mahakam, vom Blu-u bis Long Pahngè, nach Auffassung von ProfessorMolengraaff, der Art seiner Geschiebeablagerung wegen nicht als Oberlauf betrachtet werden sollte, muss es doch aus praktischen Gründen zweckmässig genannt werden, den Teil des Mahakam ọberhalb Long Bagun als Oberlauf zu bezeichnen. Die ausgedehnten Geröll- und Griessablagerungen unterhalb dieses Ortes stempeln den folgenden Teil zum Mittellauf; während der Lauf des Flusses durch die Alluvialebene unterhalbGunung Sindāwar alle Eigentümlichkeiten eines Unterlaufs aufweist. Nur wird der Fluss an der Küste durch eine Hügelkette gezwungen, erst durch sie hindurch zu brechen, bevor er sein Delta bildet.
Dass die Bevölkerung am oberen Mahakam aus Bahaustämmen besteht, die alle in den letzten zwei Jahrhunderten aus dem hoch gelegenen Gebirgsland Apu Kajan ausgewandert sind, ist bereits an anderer Stelle berichtet worden.
In dem Quellgebiet des Mahakam trifft man bis zum Kiham Matandow nur unberührten Urwald, in dem einige kleine Gruppen von Bukat umherschweifen. Sie gehören dem Bukatstamme an, der in den Gebieten des oberen Kapuas, oberen Mahakam und Njangejan zu Hause ist. Da sie in jedem Jahr und zu jeder Jahreszeit ihren Aufenthaltsort wechseln, wissen selbst die ansässigen Bahau oft nicht genau, wo sie sich gerade befinden. Sie stehen mit den übrigen Nomadenstämmen, die sich unter dem gleichen Namen von Bukat oder Punan am Sĕrata, Boh und am Kapuas im Flussgebiet des Gung, Kréhau und Mendalam aufhalten, in Verbindung.
Vor dem Kriegszug der Dajak aus Sĕrawak im Jahre 1885 wurde das Flussgebiet des Mahakam, vom Kiham Matandow bis zum Sumwé, von verschiedenen Niederlassungen des Pnihingstammes bewohnt. Diese Niederlassungen wurden damals jedoch alle verwüstet mit dem Resultat, dass sämmtliche Bewohner den Hauptstrom abwärts zogen und sich in den ersten Jahren am Danum Parei östlich vom Kajangebiete niederliessen und später, ungefähr 1893 und 1894, zwei Wohnplätze im Gebiete der Kajan selbst gründeten, den einen an der Mündung des Sumwé unter dem HäuptlingBĕlarè, den anderen dicht daneben zu Long ’Kub, unter den HäuptlingenErang ParenundTingang Kohi. Nach dem Tode des ersteren liess sich letzterer im Jahre 1901 wieder oberhalb der Mündung des Kaso nieder.
Die Dörfer an den Nebenflüssen wurden von den Sĕrawakischen Dajak verschont, so z.B. dasjenige am Howong unterAmun Lirungund das am Penaneh unter Kaja, dem BruderAmun Lirungs.
Die Bewohner des Hauses an der Mündung des Tjĕhan konnten noch, bevor ihr Haus verbrannt wurde, flussaufwärts flüchten und setzten sich weiter oben an der Mündung des Paketè fest, wo sie noch 1898 unter dem HäuptlingParenlebten. Seit der Zeit wohnen sie aber näher an der Mündung des Tjĕhan, um Vorbereitungen für denBau eines Hauses an der Mündung selbst zu treffen. Am Sĕrata, oberhalb der Wasserfälle, die hinter dessen Mündung liegen, war die Pnihingniederlassung unterNjangun Diu, in der auch viele Punan wohnten, von den Batang-Lupar verschont geblieben.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Der Stamm der Seputan, der nicht zu den Pnihing zu gehören scheint, sondern in seiner Lebensweise mehr Übereinstimmung mit den Bungan Dajak zeigt, lebt im Gebiet des Kaso, teils hoch oben an diesem Flusse, teils am Penaneh.
Fährt man den Mahakam weiter abwärts, so gelangt man in das Gebiet der Kajan, die nach dem im Jahre 1901 erfolgten Tode ihres HäuptlingsKwing Irangunter dessen NeffenBang Lawingstehen.
Der Stamm der Kajan beherrscht den zwischen dem Sumwé und dem Dini gelegenen Teil des Mahakamgebietes. Auch sein Haus, das sich früher unterhalb des Blu-u befand, wurde durch die Sĕrawakischen Dajak niedergebrannt, worauf sich die Bewohner zerstreut auf ihren Feldern im Gebiet des Blu-u niederliessen. Bei meiner Ankunft im Jahre 1898 bauten sie sich bereits eine neue Niederlassung auf dem hohen Mahakamufer an der Mündung des Blu-u. Im Lande der Kajan halten sich keine Punan auf.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Kajanfrau vom oberen Mahakam.
Östlich vom Dini beginnt das Gebiet der Long-Glat, eines Stammes, der sich gegenwärtig am Mahakam selbst festgesetzt hat und zwar in Lulu Njiwung unterDing Ngow, in Batu Sala unterParen Dalongund in Long Tĕpai unterBo Lea, dessen Besitz an der Grenze des Njian endet. Mit Ausnahme des Mĕrasè, an dem die Ma-Suling leben, gehört das ganze Flussgebiet den Long-Glat. Auch hier kommen keine Punan oder Bukat vor.
Die Niederlassungen der Long-Glat unterscheiden sich insofern von denen der Pnihing, Kajan und Ma-Suling, dass in jeder derselben mehrere Stämme beieinander wohnen, die alle eigene Häuptlinge besitzen, welche dem Long-Glat-Häuptling gehorchen müssen. Diese Verhältnisse bestehen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, wo die Long-Glat am oberen Mahakam eine grosse Macht entwickelten und unter den zwei HäuptlingsbrüdernBo IbauundBo Lĕdju Ajaalle dort ansässigen Stämme unterwarfen. Die kleineren Stämme, wie die Ma-Tuwān, Ma-Tĕpai, Ma-Manok-Kwe und Batu-Pala wurden von ihnen gezwungen, mit ihnen zusammen zu wohnen, um ihre Anzahl zu vergrössern. Seit der Zeit teilten sich diese Stämme, sobald sich die Long-Glat teilten. Obwohl sie viel von den Long-Glat übernommenund sich auch durch Heirat mit diesen vermischt haben, hat sich doch noch vieles aus der Zeit ihrer Selbständigkeit bei ihnen erhalten. Sie haben sich ihre Sprache, ihren Häuserbau und ihren Gottesdienst ein Jahrhundert lang bewahrt, auch besitzen einige Stämme eine eigene Art der Tätowierung. Jeder dieser Stämme wohnt in seinem eigenen, langen Hause neben dem der Long-Glat, so dass man in einem Dorfe, das vielleicht 1–2 Hektare umfasst, 3–4 bisweilen sehr verschiedene Sprachen reden hört, beim Ackerbau sehr verschiedene Zeremonien, Verbotszeiten und Vorzeichen beobachten sieht und, besonders bei den Frauen, verschiedene Arten der Tätowierung feststellen kann.
Allen Sprachen, die in einer Niederlassung gesprochen werden, die allgemeine Umgangssprache, das Busang, mit einbegriffen, liegt der gleiche Stamm zu Grunde. Dem Laute nach weichen diese Sprachen aber sehr von einander ab; das Long-Glat z.B. ist den anderen Stämmen so fremd, dass die Bahau etwas Unverständliches als “dahaunLong-Glat” = “Sprache der Long-Glat” bezeichnen. Im gegenseitigen Verkehr benützt man das Busang.
In Lulu Njiwung wohnen die Long-Glat jetzt mit den Ma-Tuwān und drei anderen, kleineren Stämmen zusammen; in Batu Sala leben die Long-Glat mit den Ma-Tuwān und Uma-Tĕpai; in Long Tĕpai leben ausser den 3 letzten auch noch Manok-Kwe und Batu-Pala.
Die Ma-Suling und die Ma-Pagong haben sich im Mĕrasègebiet in zwei Dörfern gemeinsam niedergelassen, bei Napo Liu (oberhalb der Insel) dicht bei der Flussmündung, und weiter oben in Lulu Sirāng. Diese beiden Dörfer waren früher Jahrzehnte lang vereinigt gewesen, aber im Jahre 1896 trennten sie sich derart, dass jetzt in beiden sowohl ein Haus der Ma-Suling als eines der Uma-Pagong steht. Die Niederlassung von Napo Litt regiert der HäuptlingLĕdju Liund die von Lulu Sirāng der HäuptlingBo Ngow. Am Mendalam und in den beiden Niederlassungen am Mĕrasè wohnen die Uma-Pagong mit den Ma-Suling zwar gemeinschaftlich, aber, so viel mir bekannt, in gegenseitiger Unabhängigkeit.
Nach ungefährer Schätzung beträgt die Seelenzahl bei den Sĕputan 500, den Pnihing 1500, den Kajan 800, den Ma-Suling mit den Uma-Pagong 1300, den Long-Glat 1600 und den Nomadenstämmen 400, so dass die Bevölkerung am oberen Mahakam oberhalb der Wasserfälle ungefähr 6000 Seelen stark sein muss.
Neben dieser eigentlichen Bevölkerung halten sich im Gebiet desoberen Mahakam bei allen Stämmen, die ihnen Zuflucht gewähren, d.h. bei allen ausser den Pnihing, zahlreiche Fremde auf.
Diese sind hauptsächlich Malaien oder, besser gesagt, Mohammedaner verschiedener Blutmischung und Dajak aus anderen Gegenden, die sich hier vor allem mit dem Sammeln von Buschprodukten befassen. Unter den Malaien befinden sich viele, die ihr eigenes Land in der Nähe der Küste Verbrechen oder Schulden wegen verlassen und bei den Bahau Schutz gesucht haben. Die zahlreichen Arten Guttapercha und Rotang, die am oberen Mahakam zu finden sind, lockten mit der Zeit immer mehr Fremde heran. Besonders unter dein gutmütigen, rechtschaffenen HäuptlingKwing Irangerschienen viele malaiische Buschproduktensammler, die aus dem Gebiet des oberen Murung gebürtig waren; ihr HäuptlingTemenggung Itjot, ein Nachkomme des von dem Krieg mit Bandjarmasin her bekanntenAntassari, erhielt jedoch von den Kajan kein Niederlassungsrecht und durfte daher auch nicht mit einer Tochter aus der Häuptlingsfamilie in die Ehe treten.Itjot, der sich mit den Seinen verfeindet hatte, zog zu den Ma-Suling an den Mĕrasè, heiratete dort die Tochter eines vornehmen Häuptlings und lebte seit 1893 in der neuen Heimat. Es sammelten sich um ihn die Buschproduktensucher, von denen sich viele gleichfalls eine Frau unter den Ma-Suling wählten, und beuteten die Wälder am Mĕrasè aus, die sehr gross und reich an Buschprodukten waren. Nachdem sie die Wälder erschöpft hatten, zogen die meisten nach anderen Gegenden. Unter anderem suchten sie bei den Long-Glat in Long Tĕpai, Batu Sala und Lulu Njiwung Einfluss zu gewinnen, um sich in ihren Gebieten der Buschprodukte bemächtigen zu können; sie konnten aber, hauptsächlich beim HäuptlingBo Lea, ihre Raubpolitik nur mit grosser Vorsicht betreiben. Die meisten durften nicht einmal in einem Dorfe längere Zeit wohnen bleiben. Der energische PnihinghäuptlingBĕlarèverstand diese für die Stämme gefährlichen Gäste sogar fast gänzlich fernzuhalten.
Der Wunsch der Häuptlinge, den Stamm nach. Möglichkeit zu vergrössern und das Ansehen, das sich die Fremden durch wirkliche oder vorgegebene Talente als Medizinmänner und Handwerker zu geben wissen, erleichtern den Fremden im allgemeinen die Aufnahme unter den Bahau.
Das Verhältnis zwischen Malaien und Dajak ist darin eigentümlich, dass einige Häuptlinge die Malaien gänzlich abzuwehren trachten, indessen sie bei anderen zu hohem Ansehen gelangen. Von Einfluss ist hierbei die grosse Bewunderung, die sie bei den jungen Mädchen erregen. Viele Malaien sind daher auch mit den vornehmsten oder schönsten Mädchen der Stämme, in denen sie sich gerade aufhalten, verheiratet. In der Regel lassen diese Männer ihre Frauen, sobald ihre Existenz mühsamer wird, einfach im Stich und ziehen zu anderen Stämmen oder in andere Gebiete. Das geschah u.a. bei den Ma-Suling, als der Guttapercha am Mĕrasè sein Ende erreichte.
Zu den Bahau, die aus dem Apu Kajan gebürtig sind, gehören zweifellos die Kajan, Ma-Suling und Long-Glat. Die Pnihing schreiben sich zwar gern den gleichen Ursprung zu, wahrscheinlich aber mit Unrecht. Erstens ist es gewiss, dass sie aus dem Gebiet des oberen Kapuas, wo noch ein kleiner Teil Pnihing wohnt, in das Tal des Mahakam gezogen sind und dass sie seit dieser Zeit ständig in dessen Quellgebiet gelebt haben. Zweitens haben die Pnihing einen viel kräftigeren Körperbau und andere Sitten als die übrigen Stämme am Mahakam. Sie können nicht, wie die Bahau, Schwerter schmieden und in Holz und Knochen schnitzen; ihre Männer und Frauen tätowieren sich nur wenig, unsystematisch, augenscheinlich als Nachahmung anderer Stämme; Kriegstänze, die unter den Bahau allgemein üblich sind, kennen sie nicht. Der Umstand, dass sie das Fleisch der Horntiere essen, was andere Stämme nicht tun, macht es mir besonders wahrscheinlich, dass sie eher zu den Kapuasstämmen als zu den Bahau gerechnet werden müssen. Ihre Sprache ist mir unbekannt.
Die Pnihing gehören vielleicht zu der Bevölkerung, die im Gebiet des Mahakam wohnte, bevor die Bahau hier eindrangen. Diese berichten, dass sie das Land von Stämmen eroberten, die Pin-Mĕtjai, Nè-Kiham, Pin-Buwat, Pin-Kunjong, Ten-Nean, Pĕra-Téran, Nè-Bĕrang und Pin-Bawan hiessen.
Alle diese Stämme flohen durch das Kasotal, teils nach dem Kapuas, teils nach dem Barito. Die Ot-Danum am Miri, einem Nebenfluss des Kahājan, werden noch mit Sicherheit als Nachkommen dieser Stämme bezeichnet. Zu ihnen begeben sich die Mahakambewohner auch vorzugsweise, um Köpfe zu jagen. Man schreibt diesen Urbewohnern alle Überreste aus früheren Zeiten zu, hauptsächlich die Steine mit Figurenzeichnungen am oberen Mahakam. Den einen, im Tjĕhan, suchten wir auf; ein zweiter liegt auf dem Abhang am Auer Kĕbalan unterhalb Long ’Kup und ein dritter im Fluss vor der Mündungdes Danum Parei; letzterer kommt nur bei niedrigem Wasserstande zum Vorschein.
Auch die steinernen Gerätschaften und Tempajan, die beim Fällen der mächtigen Wälder am Blu-u gefunden wurden, sind wahrscheinlich diesen Stämmen zuzuschreiben. Als lebende Beweise ihres Bestehens können die zahlreichen Sklaven der Mahakamstämme gelten, welche alle in den damals geführten Kriegen erbeutet wurden. Die Überlieferung ihrer Herkunft ist den Sklaven noch wohl bekannt und sie bleibt ihnen unter den Kajan auch bewusst, da diese ihre Sklaven in grösserer Abgeschiedenheit halten als die anderen Stämme. Sie fühlen sich grösstenteils noch fremd unter den Kajan, obwohl sie, mit Ausnahme einiger später geraubter Sklaven, alle im Stamme geboren sind, und folgen ihren eigenen Sitten, indem sie z.B. noch Hirsche und wilde Rinder essen.
Unter den Long-Glat sind die meisten Sklaven durch Heirat in den Stamm aufgenommen worden. Eine von dort gebürtige intelligente Sklavin, Uniang Pon, die viel gereist war, erzählte mir, dass man die Sklaven, ihrer grossen Anzahl wegen, unter die Stämme unterhalb der Wasserfälle verteilt hatte, da sie sonst den Bahau hätten gefährlich werden können.
Wie gross der Einfluss der Sklaven bisweilen gewesen ist, erkennt man daraus, dass die Kajan, die früher, nach eigener Angabe, Busang sprachen, sich jetzt deske̥ho̱bPin (Sprache der Pin) bedienen, eines Dialektes des Busang, der durch die Sklaven verändert worden ist.
Die Bahau zogen auf verschiedenen Wegen und zu verschiedenen Zeiten zum Mahakam, der sie, der Überlieferung nach, durch seinen grossen Fischreichtum angelockt haben soll.
Die Ma-Suling und Ma-Pagong zogen mit denjenigen, die jetzt am Mendalam wohnen, aus dem Apu Kajan zuerst zum Njangejan und teilten sich erst dort. Sie zogen teils zum Mendalam, teils zum Mahakam, wo ihnen das grosse Kalkgebirge, in dem sich der Batu Matjan, Batu Ulu und Batu Brok erheben, lange Zeit zum Wohnplatz diente. Auch die anderen Bahaustämme, die jetzt bei den Long-Glat leben, hielten sich ursprünglich dort auf. Die Batu-Pala haben ihren Namen noch vom Batu Pala, dem kleinen Kalkplateau am Mĕrasè in der Nähe des Batu Situn, von wo die Long-Glat sie zwangen, zum Mahakam herunterzuziehen.
Die Kajan dagegen kamen vom Apu Kajan längs dem Boh herab,unter Anführung des HäuptlingsKwing Irang, der nach seinem Tode den BeinamenSinga Mĕlönerhielt. Sie fuhren den Mahakam hinauf, bis zu dem Lande, in dem sie jetzt noch wohnen. Seit der Zeit wurden sie von sechs Häuptlingen regiert, also dauert ihr dortiger Aufenthalt noch nicht länger als 150 Jahre. Gleichzeitig mit ihnen zogen noch viele andere des gleichen Stammes aus dem Apu Kajan fort. Nach ihrer Überlieferung hatten sie sich, um über einen Fluss zu gelangen, eine Brücke gebaut. Als die Vordersten das andere Ufer erreicht hatten, bemerkten sie einen Hirsch (pajo) und begannen: “pajo, pajo” zurufen. Die Hinteren verstanden jedoch: “ajo(Kopfjagd),ajo” und erschraken darüber so sehr, dass sie die Rotangtaue, an denen die Brücke befestigt war, durchschnitten, worauf diese in den Fluss fiel. Darauf kehrten sie für immer nach dem Apu Kajan zurück und liessen die anderen allein zum Mahakam ziehen.
Die Long-Glat wanderten aus dem Apu Kajan am Ende des 18. Jahrhunderts unter dem HäuptlingDingaus. Streitigkeiten mit anderen Stämmen zwangen sie zum Auszug; wahrscheinlich liegen allen anderen Auswanderungen die gleichen Ursachen zu Grunde.
Auch die Long-Glat folgten dem Boh, aber sie lebten längere Zeit an der Mündung (long) des Glat, nach dem sie auch ihren Namen tragen. Von hier aus zogen sie zum Mahakam hinunter und liessen sich an der Mündung des Njiān nieder, von wo sie durch eine Kriegsbande unter dem HäuptlingDingaus Long Howong, am mittleren Mahakam, vertrieben wurden. Eine Frau hatte hierzu die Veranlassung gegeben.
Darauf zogen die Long-Glat, unter Anführung der beiden BrüderIbauundLĕdjuüber die westlichen Wasserfälle bis dicht an die Mündung des Mĕrasè. Diese beiden Brüder waren als Söhne des früheren HäuptlingsDingnoch im Apu Kajan geboren und spielten am oberen Mahakam viele Jahre hindurch eine grosse Rolle. Noch einmal mussten sie, wahrscheinlich infolge ihrer eigenen Übeltaten, bis zur Mündung des Sĕrata flüchten, wenigstens unternahmLĕdjuvom Sĕrata aus den grossen Kriegszug gegen die Turi (Taman), die am oberen Kapuas wohnten. Sämtliche Stämme mussten sich ihm ergeben. Er fuhr selbst den Kapuas bis Sĕmitau abwärts und verbrannte unterwegs alle Niederlassungen. Auch unternahm er grosse Züge nach dem Barito und oberen Kahájan, dem mittleren Mahakam und sogar nach dem Apu Kajan, wo er jedoch in der Nähe dergrossen Wasserfälle des Batu Plakau geschlagen wurde. Für alle dies: Kriegszüge beanspruchte er die Hilfe aller Stämme am oberen Mahakam, die ihm tributpflichtig waren oder die er gezwungen hatte, aus ihren Bergfestungen am oberen Sĕrata und oberen Mĕrasè hinunterzuziehen. Die Ma-Suling liessen sich damals am unteren Mĕrasè nieder, die Ma-Tuwan mussten mit den Long-Glat zusammenziehen, ebenso die Batu-Pala, die ein Jahr lang belagert werden mussten, bevor man ihr Haus verbrennen konnte. Dies war überhaupt die gebräuchliche Weise, um die Bewohner zum Auszug zu zwingen; bisweilen trug man ihnen vorher noch ihr Hab und Gut aus dem Hause.
So zwang z.B.Lĕdjuseinen BruderIbau, der sich mit einem Teil des Stammes von ihm geschieden hatte und auf einem Kalkplateau bei der Mündung des Sumwé lebte, sich wieder mit ihm zu vereinigen. Die Kalkberge tragen noch jetzt den Namen Liang Totong (totong= brennen).Lĕdjutrieb die Untertanen seines Bruders mit ihrer Habe aus dem Hause und verbrannte dieses. Seither wohnten sie gemeinsam in Lirung Bān, einer Ebene am Mahakam, in der Nähe der Mĕrasèmündung.
In damaliger Zeit waren auch die Kajan und Pnihing von den Long-Glat unterworfen und ihnen tributpflichtig gemacht worden. Die Tributpflichtigkeit muss darin bestanden haben, dass die Long-Glat das Recht hatten, sich an Böten und Vieh einige beliebige Stücke mitzunehmen. Wahrscheinlich stand aber dieses Recht nur den Häuptlingen zu. Noch gegenwärtig herrscht die Sitte, dass ein junger Pnihinghäuptling, sobald er zum ersten Mal eine Niederlassung der Long-Glat betritt, dem betreffenden Häuptling ein Geschenk, ein Boot, ein Fischnetz oder einen Gong mitbringt. Übrigens sind die Stämme, die nicht mit den Long-Glat zusammenwohnen, unabhängig. Die Kajan erkennen die Oberherrschaft der Long-Glat nicht mehr öffentlich an, da ihr vor kurzem verstorbener HäuptlingKwing Irangaus der Häuptlingsfamilie der Long-Glat stammte.
Die Macht der Long-Glat hat sich einerseits vermindert, weil ihr Charakter weniger kriegerisch geworden ist, anderseits, weil der Stamm nicht mehr beieinander blieb. BereitsLĕdjuzog, nachdem der ganze Mahakam oberhalb der Wasserfälle unterworfen war, mit der Hälfte des Stammes nach dem mittleren Mahakam, unterhalb der Wasserfälle. Er führte einen Teil der Ma-Tuwān, Uma-Wak, Batu-Pala und anderer Stämme mit sich und überliessIbaudie Herrschaft über denoberen Mahakam. Der Auszug war durch die Heirat veranlasst worden, welche zwischenLĕdjuund der Tochter eines dort lebenden vornehmen Häuptlings, namensOwat, stattfand, und vielleicht auch durch Mangel an gutem Ackerboden für die zahlreichen Bahau und durch die Nähe der Küste, die ihnen Salz, Tabak und Leinwaren lieferte. Seine Nachkommen herrschten über alle Bahaustämme am mittleren Mahakam.
Im Jahre 1825 trafGeorg MüllermitLĕdjuzusammen und wurde von ihm über die Wasserfälle geleitet und der Sorge seines BrudersIbauanvertraut. In gleicher Weise verfuhr man später mit mir, bei meinem Zuge in der umgekehrten Richtung. Da in damaliger Zeit sowohl die Kajan als die Pnihing, dieMüllersGeleite bildeten und ihn beim Gurung Bakang ermordeten, unterIbausHerrschaft standen, ist anzunehmen, dass der Mord auf dessen Befehl stattfand. Dass der Sultan von Kutei an dem Mord die Schuld trägt, ist unwahrscheinlich, weil die Bahau damals von Kutei gänzlich unabhängig waren.
Bemerkenswert ist, dass nurMüllerermordet wurde. Zwei seiner Soldaten erreichten den Kapuas, die übrigen wurden als Sklaven zum Mahakam zurückgeführt; keiner von diesen sah Java wieder. Ich erfuhr dies sowohl durch einen Augenzeugen,Adjang, den jüngsten Sohn vonLĕdju, als auch noch durch andere.Adjang, mit dem ich in Long Dĕho viel verkehrte, starb dort im Jahre 1900, im Alter von 90 Jahren.
Ibauwar eine friedsame Natur und hatte einen Ruf als Schnitzkünstler. Er und sein SohnBo Kulèverstanden, die Long-Glat beisammen zu halten, aber nach des letzteren Tode war ein Teil des Stammes mit seinem NachfolgerNgow Kulèunzufrieden und zog mitBo Lea, einem Häuptling von niederer Geburt aber hohem Ansehen, weiter abwärts. Von den Manok-Kwe kamen sämtliche mit, weilBo Leamit der Tochter ihres Häuptlings verheiratet war. Gegenwärtig leben sie alle in Long Tĕpai. AuchNgow Kulèblieb nicht an dem alten Ort Lirung Bān, wo der Stamm sich nach vielen Jahren wiederum ein Haus gebaut hatte, sondern liess sich in Lulu Njiwung nieder. Sein SohnDing Ngow, der sein Nachfolger geworden ist, lebt jetzt noch dort.
Trotzdem die Ma-Suling und Kajan jetzt von den Long-Glat unabhängig sind, besteht doch noch zwischen ihnen ein Band, nämlich die Häuptlinge, die alle entweder von der Häuptlingsfamilie der Long-Glatabstammen oder mit Gliedern von ihr verheiratet sind. So heirateteBo Edo, die Schwester vonBo Kulè, einen KajanhäuptlingOwat, dessen Söhne der Reihe nach über die Kajan regierten; der letzte warKwing Irang.
Bo Edohatte aus zweiter Ehe mit einempanjineinen SohnLi, der mit der vornehmsten Ma-Suling Frau verheiratet war. Sein SohnLĕdju Liwar in Napo Liu, einer der Niederlassungen der Ma-Suling am Mĕrasè, Häuptling. In Lulu Sirāng wiederum ist ein anderer Häuptling mit einer Schwester vonBo Leaverheiratet. Auch unter den Häuptlingen der Pnihing vom Tjĕhan, dem Sĕrata und von Long ’Kup giebt es verschiedene, die aus dem Geschlechte vonBo Kulèabstammen, so dass sich weitaus die meisten Häuptlinge am Mahakam oberhalb Tĕpu von derselben Familie herleiten.
Diese Familienbeziehungen haben zur Folge, dass bei einigen grossen Arbeiten, wie beim Bau von Häusern durch die Häuptlinge, alle Stämme am oberen Mahakam Hilfe leisten, indem sie einen schweren Pfahl aus Eisenholz liefern.
Dies geschah auch beim Bau des mächtigen Hauses vonKwing Irang. Jede Niederlassung lieh ihre Hilfe, ausser Lulu Njiwung, dessen junger Häuptling,Ding Ngow, sich zu hoch achtete, um seine Hilfe anzubieten, weil er in direkter, männlicher Linie vonIbauabstammte. Wegen der Eigenart der Bahau, das Ansehen eines Stammes auch von den persönlichen Eigenschaften und vom Alter seines Häuptlings abhängen zu lassen, standKwing Irang, als Häuptling der Kajan, höher als sein junger Neffe in Lulu Njiwung und alle übrigen Häuptlinge. Vor diesen hatte er ausserdem voraus, dass sowohl sein Vater als seine Mutter aus Häuptlingsfamilien abstammten, ferner war er der älteste seines Geschlechtes und ein Mann nach dem Sinn der Bahau. Im Vergleich mit seiner Umgebung zeichnete er sich durch Friedensliebe aus, so dass unter seiner Regierung bei den Kajan nur noch selten Kopfjägerei geübt wurde; jedem gegenüber war er gerecht und selbstlos, nur war er ein Feind von energischen Massregeln. Obwohl einige andere, wieBĕlarèbei den Pnihing undBo Leabei den Long-Glat, viel mehr Energie zeigten, erkannten sie doch mit den anderen HäuptlingenKwing Irangals den Höchststehenden oberhalb der Wasserfälle an. Diese Oberherrschaft bezog sich tatsächlich aber nur auf allgemeine Interessen, wie Unterhandlungen mit Sĕrawak und den benachbarten Ländern, auch genoss er das Vorrecht,für die hohen Bussen aufkommen zu müssen, die von diesen Ländern aus wegen erbeuteter Köpfe auferlegt wurden.