Schenkeltätowierung einer panjin.Schenkeltätowierung einerpanjin.
Schenkeltätowierung einer panjin.
Schenkeltätowierung einerpanjin.
Der stilisierte Menschenkopf ist das einzige Motiv, das am Mendalam für einklinge̱der Vorderseite des Schenkels benützt wird. Oft bleiben von dem Kopf nicht viel mehr als zwei Augen und eine Andeutung von Nase und Mund übrig, doch wird er stets weiter alskọhong ke̥lunănbezeichnet. NurPaja,Akam Igauszweite Tochter, war sehr stolz darauf, dass ihre Beine mit einemusung tingang(Schnabel resp. Kopf des Nashornvogels) geschmückt waren. Der Vater hatte ihr dieses Muster von den Long-Glat am Mahakam mitgebracht.
Ebenfalls dem Tierreich entlehnt sind die wellenförmigen Grenzlinien der Schenkeltätowierungen, die alsiko, Schwanzlinien, bezeichnet werden und die Zickzacklinien im Kniestück, diekalong njipă, Schlangenmuster, genannt werden.
Um die Knöchel tragen die Frauen der Mendalamstämme ein ungefähr 7 cm breites Band, das entweder, nach Art derte̥dăk danau, einheitlich ist, oder aus parallelen, bis 3 mm dicken Linien besteht, die mit gleich breiten Streifen von der natürlichen Hautfarbe abwechseln.
Schenkeltätowierung von Tipong Igau.Schenkeltätowierung vonTipong Igau.
Schenkeltätowierung von Tipong Igau.
Schenkeltätowierung vonTipong Igau.
Ferner sind der Fussrücken (Tafel: Tätowierung D. Fig. c) und die Zehen mit fünf, der Zahl der Zehen entsprechenden Längsstreifen tätowiert, die wiederum durch zwei Querstreifen von der natürlichen Hautfarbe in ungleichen Abständen unterbrochen werden. Zur Fusswurzel hin sind die Streifen am breitesten, zu den Zehen hin verschmälern sie sich. Bei weitaus den meisten Frauen werden diese Streifen gleichmässig blau tätowiert. Einige Häuptlingstöchter versuchen zwar auch hier schöne Figuren anbringen zu lassen, was allenfalls auf dem Fussrücken glückt, aber die dünne Haut der Zehen entzündet sich so leicht, dass von einem Muster meist nicht viel zu sehen ist. Die Fusstätowierung wird meist ohneklinge̱ te̥dăk, aus freier Hand, ausgeführt. Fig. c zeigt die Fusstätowierung vonTipong Igau, die mit denklinge̱ te̥dăkk, l, m auf Tafel: Tätowierung A., ausgeführt worden ist.
Hand- und Fusstätowierung der Mendalam Kajan.Hand- und Fusstätowierung der Mendalam Kajan.
Hand- und Fusstätowierung der Mendalam Kajan.
Hand- und Fusstätowierung der Mendalam Kajan.
Auch die Tätowierungen auf Unterarm, Handrücken und Finger werden für gewöhnlich von geübten Künstlerinnen ohneklinge̱ausgeführt, da ihre Zusammenstellung eine sehr einfache ist (Tafel: Tätowierung D.). Wie aus Fig. b ersichtlich, werden neben Tiermotiven,wie Eulenaugen (manok wăk) und Schwänzen (iko), für diese Tätowierungen auch Himmelskörper, wie der Mond (be̥liling bulan), und Gegenstände aus dem täglichen Leben, wie Haken (krawit) und Bootsspitzen (do̱lo̱ng haro̱k), verwendet, diese kehren mit einigen Variationen in den verschiedenen Armmustern wieder.
Schenkeltätowierung einer Long-Glat-Frau.Schenkeltätowierung einer Long-Glat-Frau.
Schenkeltätowierung einer Long-Glat-Frau.
Schenkeltätowierung einer Long-Glat-Frau.
Die Armtätowierug Fig. b ist die einer gewöhnlichen Kajanfrau. Fig. a stellt wiederum die Armtätowierung der HäuptlingstochterTipong Igaudar; die Muster sind hier schöner entworfen und sorgfältiger ausgearbeitet; im übrigen sind die Motive hier die gleichen wie bei b. Die Eulenaugen (manok wak) befinden sich bei b in den Dreiecken, welche die Bootsspitzen (do̱lo̱ng haro̱k) vorstellen. Vergleicht man diese Figur mit a, so sieht man, dass der Schnitzkünstler die Eulenaugen hier mit der innersten Grenzlinie der Bootsspitze verbunden hat, wodurch eine Scheibe, an die sich ein Bogen anschliesst, entstanden ist. Dieses Motiv wiederholt sich in vielen geschmackvollen Variationen inTipong Igaus Tätowierung. Dieklinge̱ te̥dăk, mit denen dieses Muster zusammengestellt worden ist, sind auf Tafel: Tätowierung A. in Fig. g, h und i abgebildet.
Vor noch nicht allzu langer Zeit verteilte sich. die Sitte des Tätowierens bei den Mahakamstämmen derart, dass die Pnihing gar nicht oder wenig tätowierten, die Bahaustämme, ausgenommen die Long-Glat, die Seeen-Tätowierung gebrauchten und bei den Long-Glat, sowie bei den Stämmen am mittleren Mahakam, besonders von den Frauen, sehr komplizierte Muster angewandt wurden.
Jetzt hat die Sitte des Tätowierens auch bei den Pnihing Eingang gefunden. Ihre Männer verzieren sich, wenn auch spärlich, mit den Mustern der Mendalambewohner. Ihre Frauen lassen sich eigentümlicher Weise nicht nach Art der anderen Bahaufrauen taitowieren, sondern bringen ganz unsystematisch auf Armen und Beinen Stilisierengen desaso̱an, mit denen sich bei den übrigen Stämmen nur die Männer schmücken.
Bei den Kajan und den übrigen Bahaustämmen am Mahakam tätowieren sich die Männer jetzt in gleicher Weise wie die Kajan am Mendalam, nur die Tätowierung der Frauen weicht gänzlich von der ihrer Schwestern am Mendalam ab und steht völlig unter dem Einfluss der Long-Glat.
Bevor die Frauen die Long-Glat-Tätowierung annahmen, trugen sieeine charakteristische Figur auf dem Handrücken; ich fand sie nur noch bei wenigen.
Dass die Tätowierung der Long-Glat sich erst vor kurzem bei den Kajan eingebürgert hat, geht auch daraus hervor, dass die Frauen ihreklinge̱ te̥dăknoch stets von den Long-Glat beziehen, obgleich die Männer ihres Stammes sie sehr gut selbst schnitzen können. Die Busang sprechenden Stämme, die, ausser den Ma-Suling, den Long-Glat direkt unterworfen sind, nehmen auch noch gegenwärtig in höherem oder geringerem Masse die Tätowiermotive dieses Stammes an, nachdem sie ihre früheredanau-Tätowierung aufgegeben haben. Die Hauptstämme, wie die Ma-Suling und Ma-Tuwān, ahmen die Long-Glat vollständig nach, andere gebrauchen zwar dieklinge̱ te̥dăkder Long-Glat, tätowieren sich aber nach Art der Kajanfrauen, z.B. die Batu-Pala und noch einige andere, die bereits seit länger als einem Jahrhundert mit den Long-Glat zusammenwohnen.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Unter den Long-Glat findet man also die am Mahakam vorherrschende Tätowiermethode, der, mit geringen Abweichungen, auch alle Bahaustämme unterhalb der Wasserfälle folgen. Bei dieser Tätowierung wird der Schenkel, der Knöchel, der Fussrücken und die Rückseite von Puls, Hand und Fingern verziert. Verschiedenheiten bestehen nur in der Reihenfolge, in welcher die Figuren angebracht werden, und bei denen der Uma-Luhat in Udju Halang z.B. auch in der Anordnung der Schenkeltätowierung. Wenn der Umfang, in dem die Verzierungen bei den Frauen am Mahakam angebracht werden, auch mit dem der Kajanfrauen am Mendalam übereinstimmt, so sind doch die Motive, welche den Tätowiermustern am Mahakam zu Grunde liegen, viel zahlreicher und verschiedener, auch bieten sie in Bezug auf Geschmack und Kunstsinn das schönste, was die Bahau zu leisten vermögen.
Das Hauptgewicht wird bei den Frauen der Long-Glat und bei denen der weiter unten wohnenden Stämme auf eine geschmackvolle und sorgfältige Ausarbeitung der Schenkeltätowierung gelegt. Wie aus nebenstehende Abbildung (Tafel: Tätowierung E.) ersichtlich, bestehen diese Muster aus drei verschiedenen Teilen, einem Mittelstück, das durch eine Artklinge̱, kalong usung tinggang(Schnabel des Nashornvogels) genannt, zusammengestellt wird, zwei gleichen Seitenstücken, für die stets als Motiv stilisierte Flugfedern des Argusfasans (ke̥rip kwẹ) verwendet werden, und einem weiteren Hinterstück links, das aus 1 bis 2 Teilen bestehen kann. Dieses letzte Stück, dasnach hinten den Abschluss bildet, entlehnt sein Motiv der Zeichnung auf einem Prunkgrab (song) und wirdkalong song se̥pitgenannt (se̥pit= Hinterseite der Tätowierung).
Das Mittelstück der Schenkeltätowierung lässt das Knie der Long-Glat-Frauen unbedeckt und weicht hierin von demjenigen der Frauen in Udju Halang ab, bei denen die Tätowierung bis zur halben Kniescheibe herabreicht. Bei diesen Frauen werden die Figuren unten auch nicht, wie bei denen der Long-Glat, durch Linien begrenzt. Während bei den Long-Glat dieklinge̱ te̥dăk, oder wie sie sie nennen, diete̥rong be̥tik, in wechselnder Richtung angebracht werden, richten die Frauen der Uma-Luhat die Figuren stets mit den Tierköpfen nach unten, ausserdem ist bei ihnen die Tätowierung an der Aussenseite des Beines um eine Figurenreihe höher. Die Long-Glat beginnen mit der Ausführung der Tätowierung an der Vorderseite, die Uma-Luhat an der Hinterseite des Beines.
Auf den ersten Blick tragen die Muster bei beiden Stämmen den gleichen Charakter; die Mittelstücke bestehen beinahe stets aus Bögen, deren abgewandte Enden in mehr oder weniger deutliche Tierköpfe auslaufen. Diese stellen entweder den Kopf des Nashornvogels oder, wenn Zähne vorhanden sind, den einer Naga dar. Die Zwischenräume werden mit zierlichen Arabesken ausgefüllt. In diesen Füllfiguren sind die Motive, denen sie ihr Entstehen verdanken, oft sehr schwer zu erkennen; bisweilen treten aber auch hier deutliche Tierfiguren zu Tage. So sind z.B. auf Tafel: Tätowierung F. für die innere Verzierung deste̥rong be̥tikder Long-Glat (Fig. a), bei dem eine doppelte, gleichmässige Nagafigur das Hauptmotiv bildet, zwei Nagaköpfe gebraucht, die sich in der Mitte vereinigen, nur ein Auge besitzen und noch rechts und links zwischen den aufgesperrten Kiefern eine Zunge hervorstrecken. Die Oberkiefer besitzen noch eine Reihe Zähne, die aber nicht mehr mit ihnen in Verbindung stehen. Sowohl die Ober- als die Unterkiefer verlaufen in zierlichen Bögen, die sich mit anderen vereinigen. Die unteren Nagaköpfe haben zu beiden Seiten die Augen eingebüsst, ein seltener Fall; die beiden Kiefer tragen aber noch Zähne.
Vergleicht man die Mittelfigur von a mit der von b, so sieht man, dass diese sich von jener ohne viele Übergänge ableiten lässt, während aber das ursprüngliche Kopfmotiv in a noch deutlich erkennbar ist, ist e an und für sich nicht verständlich.
Die Motive, welche den Tätowierungen der Frauen zu Grunde liegen,sind in allen Ständen die gleichen, nur sind auch bei diesen Stämmen der Entwurf und die Ausführung bei Häuptlingsfrauen besser als bei Sklavinnen, auch sind die Figuren bei jenen oft grösser (Tafel: Tätowierung G., Fig. d, Tätowiermuster einer Sklavin; Tafel: Tätowierung H., Fig. e und f, Tätowiermuster angesehener Frauen). Die Anzahl Reihen zur Füllung der Vorderseite ist bei den Sklavinnen dementsprechend grösser.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Alle diese Figuren werden mit zweite̥rong be̥tik, einer rechten und einer linken Hälfte, auf das Bein abgedrückt. Einfachere Figuren, die vom Schnitzkünstler weniger sorgfältig bearbeitet worden sind, zeigen bisweilen asymmetrische Hälften. Von den Figuren a und b wollte man mir nur eine Hälfte verkaufen, daher sind die Figuren bei der Konstruktion symmetrisch geworden; dagegen sind d, e und f mehr oder weniger asymmetrisch.
Völlig abweichend ist die alte Form der Uma-Luhat (Fig. c), die ebenfalls für das Mittelfeld der Schenkeltätowierung benützt wird In den 4 Ecken finden wir je den stilisierten Kopf eines Nashornvogels.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Muster für Schenkeltätowierungen.
Berücksichtigt man, dass es mir nur ab und zu glückte, das Tätowiermuster einer Frau käuflich zu erwerben, und dass ich durchaus nicht immer das Schönste erlangen konnte, so kann man sich den Formenreichtum denken, der diesen Stämmen zur Verzierung einer viereckigen Fläche, auf der als Motiv nur ein Bogen angegeben ist, zu Gebote steht. Der den unentwickelteren Völkern so häufig gemachte Vorwurf, dass ihre Kunst von Armut zeuge, trifft für die Bahau in diesem Fall nicht zu.
Das Gleiche gilt auch für die Seitenstücke, die rechts und links vom Mittelfelde angebracht werden und die stets Stilisierungen von Federn des Argusfasans vorstellen. Die Long-Glat bezeichnen sie als “ke̥njṳj jauk dṳ”. Auch hier habe ich das kaufen müssen, was man mir gerade abtreten wollte. So ist von den Mustern, die ich erhielt, nur dasjenige für die Schenkeltätowierung der Long-Glat vollständig; dagegen fehlen bei den fünf (Tafel: Tätowierung I.) abgebildeten Mustern bei a und b das obere Ende, während c, d und e nur kleine Stücke des Ganzen vorstellen.
Seitenstücke für Schenkeltätowierungen.Seitenstücke für Schenkeltätowierungen.
Seitenstücke für Schenkeltätowierungen.
Seitenstücke für Schenkeltätowierungen.
Alle diese Muster haben die schönen Augen auf den langen Flugfedern (ke̥rip) des Argusfasans (kwẹ) zum Motiv und es spricht für die Phantasie der Bahau, dass sie die auch im übrigen schöne Zeichnung auf der Feder nicht ohne weiteres übernommen, sondern sie durch eigene Erfindungen ersetzt haben.
Die Entwürfe beweisen, dass die betreffenden Künstler nicht an Gedankenarmut gelitten haben, denn betrachtet man ein Muster von oben nach unten, so sieht man, dass das Motiv an verschiedenen Stellen verschieden behandelt worden ist. Dass die Figuren nicht immer symmetrisch sind, muss einer nachlässigen Bearbeitung zugeschrieben werden, da die wirklich guten Schnitzkünstler stets auf Symmetrie achten.
Als Schlussstück zwischen den beiden stilisierten Federn auf der Hinterseite der Schenkel gebraucht man einte̥rong be̥tik, zwischen dessen beiden Hälften die Frauen der Uma-Luhat einen 1 cm breiten Raum lassen. Auch bei den Long-Glat besteht dieses Schlussstück aus zwei Teilen, aber nicht ausnahmslos, wie aus dem sehr schönen Beispiel einessong se̥pitauf Tafel: Tätowierung J, Fig. e zu ersehen ist.
Die verschiedenen Artensong se̥pit, vom einfachsten bis zum kompliziertesten, sind auf der gleichen Tafel in Figur a, b, c, d neben einander abgebildet. Dassong se̥pit, das für die abgebildete Schenkeltätowierung einer Long-Glat verwendet worden ist, stellt sich der Fig. e würdig zur Seite. Obgleich diese Figur asymmetrisch ist, da die eine Hälfte breiter als die andere, hat der Künstler den langen, schmalen Raum doch mit bewundernswerter Geschicklichkeit zu füllen verstanden.
Zu dem Reichtum von Fig. e stehen die schlichten, strengen Formen von d in scharfem Gegensatz. Hier ist die Symmetrie viel besser durchgeführt. Am Holzmodell ist auch deutlich zu sehen, dass es von einem geübten Künstler herrührt; denn das Relief ist besonders scharf und tief ausgeschnitten.
Da alle abgebildeten Figurensong se̥pitvorstellen, ist es begreiflich, dass die Hauptlinien den gleichen Charakter tragen, doch machen sich bei ihnen, wie bei den Stilisierungen der Feder des Argusfasans, individuelle Verschiedenheiten geltend.
Für die Knöchel gebrauchen die Long-Glat u.a. stets ein Band, das aus sechzehn 3 mm breiten Linien, welche mit ebenso vielen Streifen von der natürlichen Hautfarbe abwechseln, besteht. Das Band wirdte̥dăk akinggenannt.
Die Füsse werden bei den Frauen dieser Stämme nach Art der Mendalam Kajan tätowiert; nur werden die Streifen stets ganz gefüllt; besondere Figuren werden nicht angebracht.
Für die Tätowierung der Rückseite von Puls und Hand verwenden die Frauen der Long-Glat zwei verschiedenete̥rong be̥tik, die durch 4 gerade Linien getrennt werden. Die oberste Figur wird auf dieRückseite von Unterarm und Puls, die folgende auf die Mittelhand tätowiert. Zu den Fingern hin folgen wieder 4 gerade Linien und auf den Gelenken zwischen den Knochen der Mittelhand und der ersten Fingerglieder wird eine Reihe Dreiecke angebracht. Das erste Viereck liegt auf dem ersten Fingerglied, das zweite auf dem zweiten; das Nagelglied bleibt frei, nur das Nagelglied des Daumens erhält einen Fleck.
Schlussstücke für Schenkeltätowierungen.Schlussstücke für Schenkeltätowierungen.
Schlussstücke für Schenkeltätowierungen.
Schlussstücke für Schenkeltätowierungen.
Als Beispiel für Handtätowierungen der Long-Glat mögen die beiden Figuren a und b auf Tafel: Tätowierung K. gelten. Die zweiklinge̱ te̥dăkvon Fig. a stammen aus Long Tĕpai; das Muster wirdbe̥tik kule̱, Panthermuster, genannt, weil es das gefleckte Fell eines Panthers nachahmen soll. Dies ist ein seltener Fall, da gewöhnlich nur die Köpfe der Tiere als Motive verwendet werden. Die schwarzen Flecken auf dem Fell des Borneoschen Panthers sind besonders bei der obersten Figur gut getroffen und geschmackvoll stilisiert, in der untersten Figur treten sie weniger deutlich hervor.
Handtätowierungen der Long-Glat.Handtätowierungen der Long-Glat.
Handtätowierungen der Long-Glat.
Handtätowierungen der Long-Glat.
Fig. b trägt einen anderen Charakter. Hier ist nur in dem unteren Teil ein Tierornament zu erkennen und zwar in den symmetrisch angebrachten Köpfen des Nashornvogels, die nur aus Auge, Schnabel und Horn bestehen. Die oberste Verzierung von b, in welcher ein Motiv kaum zu erkennen ist, zeichnet sich durch eine bedeutende Asymmetrie aus. Dass diese Asymmetrie in einer Tätowierung der Bahau keine grosse Störung hervorruft, geht aus der Tätowierung der Kajanfrau vom oberen Mahakam hervor (Tätowierung L.). Die obere und die untere Figur waren auf die beiden Seiten desselben Brettes geschnitten. Während die erstere nun stark asymmetrisch ist, hat derselbe Künstler auf der anderen Seite eine beinahe symmetrische Verzierung hergestellt. In der oberen Figur ist ein Tiermotiv nicht leicht zu erkennen, dagegen führen in der unteren die beiden Augen rechts und links in der Mitte wiederum auf zwei Köpfe und zwar, wie das gebogene und das gerade Horn und der grosse Schnabel andeuten, auf die des Rhinozerosvogels.
Handtätowierungen der Uma Luhat; Kajan am Blu-u.Handtätowierungen der Uma Luhat; Kajan am Blu-u.
Handtätowierungen der Uma Luhat; Kajan am Blu-u.
Handtätowierungen der Uma Luhat; Kajan am Blu-u.
Die drei Handtätowierungen, die mit den Tätowierbrettchen der Uma-Luhat zusammengestellt wurden, haben einen eigenen, von dem der Long-Glat abweichenden Stil (Tafel: Tätowierung L. und M. Die Verzierungen sind nicht so reich und fein ausgearbeitet als die der Long-Glat, auch ist das Relief niedriger und breiter. Dass auch die Uma-Luhat Tiermotive für ihre Ornamente verwenden, zeigt die oberste Figur von a, bei der zwei mit Zähnen bewaffnete Köpfe deutlich zu unterscheiden sind.
Handtätowierungen der Uma Luhat.Handtätowierungen der Uma Luhat.
Handtätowierungen der Uma Luhat.
Handtätowierungen der Uma Luhat.
Fig. b auf Tafel: Tätowierung M. zeigt, in welcher Weise die Künstler eine Figur von der anderen ableiten. In der linken, oberen Ecke der unteren Verzierung ist ein Auge angegeben, von dem aus sich ein mit Zähnen versehener Kiefer nach innen und unten erstreckt. In der rechten Ecke befindet sich im Grunde die gleiche Verzierung, aber durch die Verbindung des Auges mit der weissen Linie, welche sich zwischen den zwei schwarzen befindet, ist die gleiche Figur entstanden, die wir bei der Armtätowierung der Kajan am Mendalam finden; doch ist sie dort aus der Stilisierung eines Eulenauges mit dem Bug eines Bootes hervorgegangen.
Die Kĕnjastämme vom oberen Kajan tätowieren sich auf die gleiche Weise wie die Bahau. Sie zeigen aber einige Eigentümlichkeiten, die um so bemerkenswerter sind, als die Kĕnja noch den ursprünglichen Zustand dieser Stämme repräsentieren.
Der Busang sprechende Stamm der Uma-Lĕkèn tätowiert auf eine andere Weise als die übrigen Kĕnjastämme, die ihren eigenen Dialekt besitzen. Als Beispiel für die eigentliche Kĕnjatätowierung mag die alte Methode der Uma-Tow dienen (Tafel: Tätowierung N), die neuerdings aber mehr und mehr durch die der Uma-Lĕkèn, welche derjenigen der Kajan am Balui und Mendalam gleicht, verdrängt wird. Die Frauen der Uma-Lĕkèn reisen daher jährlich zu den anderen Stämmen am oberen Kajan, um sie zu tätowieren.
Die Männer der Kĕnja tätowieren sich sehr wenig und nur zum Schmuck. Sie erzählten mir, dass die Baliau die Sitte, sich nach begangenen Heldentaten tätowieren zu lassen, von den Bukat übernommen haben.
Die alte Tätowierung der Frauen vom Stamme Uma-Tow besteht in der Hauptsache in einer Verzierung der Hände, Arme und Beine. Die Armtätowierung zeigt unterhalb des Ellbogens ein breites Band, das an der Innenseite einen 2 cm breiten Hautstreifen frei lässt (Tafel: Tätowierung N. Fig. a). Von dem Bande verlaufen bis zu den Fingernägeln Längsstreifen, die nur zweimal von Querlinien von der natürlichen Hautfarbe unterbrochen werden. Dies ist durchaus diedanau-Tätowierung, welche früher bei den Busang sprechenden Baliau angewandt wurde.
Die Beinverzierungen sind auf der gleichen Tafel in Fig. b, c, d, e, f abgebildet; sie werden so angebracht, dass b vorn auf dem Schenkeloberhalb des Knies, e an der Aussenseite des Beins, d unterhalb der Kniescheibe längs des Schienbeins, e darunter und f an der Innenseite des Beins zu liegen kommt. Ferner tätowieren sie auf die Wade, unter der Kniekehle, eine Verzierung, die dem Mittelstück von c gleicht.
Von den Frauen der Häuptlingsfamilie ist jedoch keine mehr auf diese Weise geschmückt, diese lassen sich alle von den Frauen der Uma-Lĕkèn tätowieren und vielepanjinfolgen ihrem Beispiel.
Tätowierung der Kĕnja Uma Tow.Tätowierung der Kĕnja Uma Tow.
Tätowierung der Kĕnja Uma Tow.
Tätowierung der Kĕnja Uma Tow.
Die Tätowierungen der einfachen und die der angesehenen Frauen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Anzahl der verwendeteniko, Schwanzlinien, (Tafel: Tätowierung O. und P.). Die Kĕnjafrauen tragen bis zu 16 solcher Linien, die bis auf die halbe Wade hinunterreichen. Dieklinge̱, die für die Lĕkèn-Tätowierung bei den Kĕnja gebraucht werden, sind sehr zahlreich. Hier ist die Tätowierung einer vornehmen Frau wiedergegeben, der allein das Recht zusteht, ein Muster mit zwei Hundeköpfen zu gebrauchen, ferner die einerpanjin, bei der das Tiermotiv in den Hintergrund tritt.
An der Aussenseite des Schenkels reicht die Tätowierung bis zum halben Gesäss, an der Innenseite dagegen nur bis zur Schenkelfalte. Überdies sind die Figuren an der Innenseite des Schenkels spärlicher, weil die Haut an diesen Stellen besonders empfindlich ist. Die brauen lassen sich diese Tätowierung vor ihrer Heirat anbringen und zwar erst auf der Hinterseite des Schenkels, dann auf dem Knie und schliesslich auf der Vorderseite.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Die Handtätowierung der Kĕnjafrauen stimmt im wesentlichen mit der der Mendalam Kajan überein.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Schenkeltätowierung der Kĕnja.
Reise zur Küste: von Long Blu-u nach Long Tĕpai—Passieren der westlichen Wasserfälle—Flössen des Rotang—In Long Dĕho beiBo Adjāng—Aufenthalt wegen Hochwassers—Ertrinken zweier Long-Glat—AnkunftKwing Irangs—Weiterreise mit den Kajan—Passieren des Kiham Udang—Wiedersehen mit dem Kontrolleur in Long Bagung—Begegnung mit Kĕnja—Über Uma Mĕhak, Udju Halang, Ana und Tengaron nach Samarinda.
Reise zur Küste: von Long Blu-u nach Long Tĕpai—Passieren der westlichen Wasserfälle—Flössen des Rotang—In Long Dĕho beiBo Adjāng—Aufenthalt wegen Hochwassers—Ertrinken zweier Long-Glat—AnkunftKwing Irangs—Weiterreise mit den Kajan—Passieren des Kiham Udang—Wiedersehen mit dem Kontrolleur in Long Bagung—Begegnung mit Kĕnja—Über Uma Mĕhak, Udju Halang, Ana und Tengaron nach Samarinda.
Am 13. April fand unsere langersehnte Abreise von Long Blu-u endlich statt. Die Kajan, die durch den Bau ihrer eigenen Wohnung und andere Arbeiten daran verhindert waren, uns zur Küste zu begleiten, brachten uns jetzt nach Long Tĕpai, teils um etwas zu verdienen, teils um auch etwas für uns getan zu haben. Am ersten Taue fuhren wir bis Batu Sala, übernachteten dort und trafen bereits am Vormittag des folgenden Tages in Long Tĕpai ein.
Das Flusstal verbreitert sich vom Batu Mili an; unmittelbar an den Ufern befinden sich nur wenige Hügel und erst in grösserem Abstand sind einige Berge sichtbar. Zwischen den zahlreichen Inseln bei Lulu Njiwung wählt man, je nach dem Stand des Wassers, um die vielen Stromschnellen zu vermeiden, ein verschiedenes Fahrwasser. Von der Mündung des Mĕrasè an tragen die flachen Ufer nur Gestrüpp, niedrigen Wald und einige Reisfelder. Bei Long Tĕpai erreichen die Ausläufer des Batu Lĕsong, der sich hier dem Mahakam nähert, dessen Ufer.
Long Tĕpai stellt oberhalb der Wasserfälle die wichtigste Niederlassung der Long-Glat vor, weniger ihrer Grösse, als der Persönlichkeit ihres HäuptlingsBo Leawegen. Der Häuptling von Lulu Njiwung,Ding Ngow, ist in bezog auf seine Geburt zwar vornehmer, er ist aber ein junger, unbedeutender Mann, währendBo Leaals bejahrter Mann und energische Persönlichkeit, trotzdem er nur der Sohn einerpanjinist, in den Augen der Bahau viel mehr Ansehen geniesst. Sein Einfluss lässt sich bereits daraus beurteilen, dass bei der Teilung derNiederlassung Lirung Bān die meisten Bewohner ihm folgten (pag. 281). Als ich mich im Jahre 1896 nach dem oberen Mahakam begab, gereichte es meinem Geleite von Mendalam Kajan zur grossen Beruhigung, dassBo Leamit meiner Expedition einverstanden war. Nachdem ich in Long Blu-u zurückgeblieben war, begab sichAkam Igau, nur um sichBo Leavorzustellen, nach Long Tĕpai. Bei meinem Besuch in Long Tĕpai hatte ich damals das Glück gehabt, den Häuptling von einer akuten Diarrhoe, die ihn an den Rand des Grabes gebracht hatte, kurieren zu können.
Alle schreckenerregenden Berichte, die ich überBo Leazu hören bekam, liefen, wie ich später merkte, darauf hinaus, dass er seine Rechte in bezug auf die Erzeugnisse des Waldes den Malaien gegenüber besser als die anderen Häuptlinge zu wahren wusste und dass jene sich bei ihm weniger breit als anderswo machen durften. Seine Massregeln waren allerdings oft hart, entsprachen aber seiner Natur und waren übrigens auch vom europäischen Standpunkt gegenüber Vagabunden, wie die Malaien es sind, die mit allen Mitteln, die ihren Kopf nicht gefährden, bei den Bahau ein Schlaraffenleben zu führen versuchen, durchaus gerechtfertigt.
Da er, wie alle übrigen Häuptlinge, von Banden, die gegen eine Vergütung von 10% seine Wälder auf Guttapercha und Rotang durchsuchten, sehr bestohlen wurde, hatte er zwei Mal einer Gesellschaft, die die gewonnenen Produkte ohne Bezahlung auf Seitenwegen fortschaffte, ihren ganzen Vorrat abgenommen. Die Schuldigen sorgten dafür, dass diese Tat ruchbar wurde und die an dergleichen energische Massregeln nicht gewöhnten Bahau fanden sie gewalttätig und hart. Übrigens erging es den Malaien beiBo Leadoch noch besser als beiBĕlarè, bei dem sie sich überhaupt nicht niederlassen durften.
Bei meiner Ankunft hausten inBo LeasGalerie so zahlreiche Buschproduktensucher, dass ich es vorzog, bei einem niedrigeren Häuptling,Bo Ibau, der mitKwing IrangsSchwesterUniangverheiratet war, meinen Einzug zu halten. Die Kajan waren hiermit natürlich sehr einverstanden, aber aus politischen Gründen hätte ich lieber beiBo Leagewohnt, da die Häuptlinge ein Wohnen unter ihrem Dache sehr hoch schlitzen.Bo Ibaustellte uns seine neue, 18 m lange und 8 m breite Galerie gänzlich zur Verfügung.
Fast alle Hausbewohner befanden sich der Ernte wegen auf den Reisfeldern. Im Hause traf ich nurBo Ibaumit seiner kranken, kleinenTochter.Barthhatte das Kind bereits zu behandeln versucht, aber es hatte das bittere Chinin nicht einnehmen wollen und litt noch fortwährend an chronischen Malariaanfällen, auch sah es kachektisch aus und zeigte eine starke Hypertrophie von Leber und Milz. Ich verspürte jedoch wenig Lust, mich dem verwöhnten Kinde viel zu widmen und interessierte mich mehr für das, was von dem Kontrolleur und seiner Reise nach Long Dĕho bekannt war als vorsichtiger Mann wollte mirIbauüber diesen Gegenstand nichts mitteilen und erklärte, dass ichNjok Lea, den ältesten Sohn des Häuptlings, der den Kontrolleur selbst nach Long Dĕho begleitet hatte, hierüber befragen müsse. DaNjokerst abends vom Felde zurückkehrte, machte ich, nachdem ich unseres Gepäckes wegen einige Anordnungen getroffen, einen Gang durch die Niederlassung, um die seit meinem letzten Besuch staugefundenen Veränderungen zu besichtigen.
Die Niederlassung macht einen gut unterhaltenen, aber alten Eindruck, da man zum Bau altes Material, hauptsächlich Pfähle und Querbalken aus Eisenholz, von Lirung Bān, benützt hatte. Hinter dem langen, hohen Hause am Ufer, in dem 16 Familien wohnen, steht ein zweites, gleich langes Haus, das mit dem ersten durch Bretterstege verbunden ist. Sowohl diese Häuser als die anderen und die der HäuptlingeBo LeaundBo Ibausind durch derartige Stege verbunden, so dass man die ganze Niederlassung, ohne den Boden zu berühren, passieren kann.
Während unter den Häusern der meisten Bahau nur die nackte Erde mit allen Abfällen des Hauses zu sehen ist, ist der Boden unter den Wohnungen der Long-Glat zur Hälfte gedielt, auch führen von hier aus in jede Einzelwohnung Treppen. Der übrige Teil des Raumes ist durch Verschläge, in denen Ferkel oder besonders schöne Schweine gezogen werden, eingenommen. Die Long-Glat bauen ihre Häuser ohne Galerieen, die ihnen unterworfenen Stämme haben sich aber, trotzdem sie über ein Jahrhundert mit ihnen zusammenwohnen, neben anderen Eigentümlichkeiten, auch ihren alten Baustil erhalten. Ihre langen Häuser ruhen, wie die der übrigen Bahau, auf Pfählen und besitzen eine durchlaufende Galerie.Bo LeasHaus liegt unterhalb derjenigen der übrigen Long-Glat, dann folgen die der Ma-Tuwān, Batu-Pala und Long-Tĕpai.
Ein Glied der Häuptlingsfamilie der Ma-Tuwān erzählte mit Stolz, dass der Kontrolleur die letzten Tage in ihrer Galerie gewohnt hatte, aus Furcht, durch daslāli pareider Long-Glat aufgehalten zu werden,da er beim ersten Fallen des Wassers weiterreisen wollte. Der Felsblock, an dem der Wasserstand abgelesen wurde, war aber während der ganzen Verbotszeit der Long-Glat unter Wasser geblieben, so dass der Kontrolleur sich längere Zeit bei ihnen hatte aufhalten müssen. Zu meiner Zufriedenheit hörte ich, dass die Frau des Häuptlings ihren ganzen Satzklinge̱ te̥dăk(Tätowierbrettchen) dem Kontrolleur verkauft hatte. Ich hatte nämlichBarthgebeten, jede Gelegenheit, schöne Gegenstände aufzukaufen, zu benützen, und ihn mit allem Nötigen versehen.
Spät abends kehrteNjok Leavon seinem Reisfeld am Tĕpai zurück; man schien ihn vor uns gewarnt zu haben, denn er liess seine Familie und, die seines Vaters auf dem Felde übernachten. Er empfand eine gewisse Genugtuung, dass es den Kajan noch immer nicht geglückt war, die Reise mit mir zu unternehmen, auch berichtete er mit Stolz, dass er dem Kontrolleur nach Long Dĕho das Geleite gegeben hatte und dass er ihn noch weiter gebracht hätte, wenn der Kontrolleur nicht dort auf mich hätte warten wollen. Er erzählte ferner, dassBang Jokunterhalb der Wasserfälle einen Wachtposten aufgestellt hatte, um ihn, sobald wir nach unten kämen, zu benachrichtigen, und dass er damals mit Frau und Kindern sein Haus eiligst verlassen hatte. Der alte HäuptlingBo Adjāng Lĕdjüund dessen Familie waren aber zu Hause geblieben und hattenBarthfreundlich empfangen.
Obgleich sie vom Kontrolleur bereits gut bedacht worden waren, kehrten die Häuptlingsfamilien in den folgenden Tagen von ihren Reisfeldern heim, um auch von mir Geschenke in Empfang zu nehmen. Glücklicher Weise hatte ich darauf gerechnet und von Anfang an einige Sachen bei Seite gelegt. Es zeigte sich, dass der Satz Armbänder aus Elfenbein, den ich einstensHinan Lirunggegeben hatte, seine Wirkung bis hierher geltend machte, dennBo Leabat sich für seine Frau den gleichen Schmuck aus. Ich ging bei der Austeilung der Geschenke mit Überlegung zu Werke, da ich sehr viele Menschen und noch dazu nach ihrem Range zu beschenken hatte. Darauf blieb mir nichts weiter zu tun übrig, als Patienten zu behandeln und auf den Neumond zu warten, an demKwing Irangkommen sollte. Als ich von diesem nichts hörte und einige Gerüchte über seine Ankunft sich als falsch erwiesen, wuchs meine Ungeduld aufs neue. Des hohen Wasserstandes wegen kamen auch aus Long Dĕho keine Böte heraufgefahren, so dass ich sehr froh war, als sich vierFremde dazu überreden liessen, mit einem kleinen Boot, das sie über die Felsen tragen oder ziehen konnten, nach Long Dĕho zu fahren, um dem Kontrolleur einen Brief zu übergeben.
Zu unserem Trost fanden wir hier bei den Long-Glat mehr zu essen als in den letzten Monaten bei den Kajan. Unsere Schutzsoldaten schossen in der Nähe einiger Salzquellen in kurzer Zeit ein wildes Rind und zwei Hirsche, die nicht nur frisches Fleisch, sondern auch Proviant für die Reise lieferten. Das Konservieren von Fleisch durch Räuchern und Salzen war mir früher mehrmals missglückt;Bier, der die Arbeit diesmal auf sich nahm, erzielte ein gutes Resultat, indem er das Fleisch in Stücke, die 2–3 dm lang, 1½ dm breit und 3–4 cm dick waren, schneiden und einen Tag lang über einem Holzfeuer trocknen und räuchern liess. Selbst das fette Schweinefleisch liess sich auf diese Weise aufbewahren. So hatten wir von der Menge Fleisch, die ein grosses Stück Wild liefert, mehrmals einige Wochen essen können, was uns bei Stämmen, die nur eine geringe Anzahl Hühner hielten und bei denen auch der Fischfang wenig ergab, sehr willkommen war.
Meine Gesandten brachten erst am 28. April, nachdem das Wasser stark gefallen war, aus Long Dĕho den Bericht, dass unsere ganze Gesellschaft dort längere Zeit geblieben war und mit den Bewohnern auf freundschaftlichem Fuss verkehrt hatte, dass sie aber aus Furcht, wiederum durch Hochwasser aufgehalten zu werden, den günstigen Wasserstand benützt hatte, um den Fluss weiter hinunter zu fahren. Der Kontrolleur war, als unsere Gesandten ihre Rückreise antraten, bereits abgereist, währendBiersich sogar einen Tag vorher aufgemacht hatte, um den Fluss zu messen.
Das Wasser fiel ständig, daher suchte ich zum soundsovielten Male,Bo LeaundBo Ibaudazu zu bewegen, mir über die Wasserfälle zu helfen. Die beiden Häuptlinge waren nämlich, aus Furcht vorKwing Irang, dem daran gelegen war, uns persönlich zu begleiten, bisher meinem Drängen gegenüber taub geblieben.
Ein wichtiger Umstand kam mir zu Hilfe.Hadji Umarhatte durch meine LeuteNjok Leamelden lassen, dass dieser mit den 600 Packen Rotang, die sie gemeinschaftlich besassen, so schnell als möglich hinabfahren solle, um die Ware mit ihm unten am Mahakam zu verkaufen. Das half. Nun fand sich plötzlich eine genügende Anzahl junger Leute zur Reise bereit und obwohl ich wusste, dass es ihnenhauptsächlich um den Rotang zu tun war, erfreute mich die Aussicht, wieder ein Stück weiter zu kommen, doch zu sehr, um dem Zufall nicht dankbar zu sein. Eine Verzögerung von einigen Tagen wurde noch dadurch bewirkt, dass einige Leute vom Mĕrasè berichteten,Kwing Irangsei im Begriff aufzubrechen undSorongbefinde sich bereits am Mĕrasè. An diesem Tage traf jedoch niemand ein und als ich am folgenden einige Männer in einem Boot nach oben auf Kundschaft schickte, kamen sie mir abends melden, dass man dort nichts wisse. In der Ungewissheit, ob esKwing Irangjemals gelingen würde, abzureisen, beschloss ich, die Reise mitNjok Leazu unternehmen. Dieser hatte es nun mit seinem Rotang so eilig, dass er nicht einmal dafür war, ein Boot zuKwing Irangzu senden, um zu sehen, wie es dort stand.
Am 3. Mai sollten wir wiederum warten, weil einer der Reisegenossen noch nicht vom Reisfelde zurückgekehrt war, aber ich setzte die Abreise doch leicht durch. Es schlossen sich uns auch einige Böte mit Frauen und Kindern an, die unter unserem Schutze Familienglieder in Long Dĕho besuchen wollten. Um 9 Uhr brachen wir auf und zwar ohne den Rotang, der, aus Mangel an Hilfskräften, erst nachdem man uns bis oberhalb der Wasserfälle gebracht hatte, abgeholt werden sollte.
Bei Long Tĕpai beträgt die Breite des Mahakam 200 m, unmittelbar unterhalb der Niederlassung wird das Flussbett aber von hohen, felsigen Ufern eingeengt. Dabei treten bei niedrigem Wasserstande zahlreiche Felsblöcke aus dem Flussbett hervor, so dass eine grössere Anzahl Böte nur hinter einander dem gewundenen Fahrwasser folgen kann. Nach einstündiger Fahrt erreichten wir, nachdem der Kiham (Wasserfall) Hulu in dieser günstigen Zeit mit einiger Vorsicht hatte befahren werden können, den mir von 1897 her bekannten Lagerplatz oberhalb des Kiham Hida, von dem aus das Gepäck und die Böte eine grosse Strecke weit getragen werden mussten.
An der Stelle, an der wir uns eben befanden, windet sich der Mahakam um den Batu Ajo; an seinem rechten Ufer erheben sich beinahe horizontale Sandsteinschichten in senkrechten, über 100 m hohen Wänden, während am linken Ufer ein viel höheres Gebirge, der Ong oder Batu Hida, steil aufsteigt. Da der Fluss sich sein Bette in den harten, weissen Hornstein, der in ½-1 m mächtigen Schichten unter dem Sandstein liegt, hat erodieren müssen, ist sein Bette über eine etwa 2 km weite Strecke sehr schmal und die Wassermassen,die bei Long Tĕpai noch eine Breite von 200 m zur Verfügung hatten, drängen sich hier durch einen 15–20 m breiten Spalt hindurch.
Diese Stelle kann nur bei sehr tief stehendem Wasser passiert werden, da bei hohem und besonders bei steigendem Wasserstande die Strömung sehr reissend ist. Auch im günstigsten Falle muss alles Gepäck aus den Böten genommen werden. An den schwierigsten Stellen werden die kleineren Böte mit Hilfe von Baumstämmen, welche als Rollen benützt werden, über die Felsen gezogen, während die grossen Böte, die alle mit einem sehr hohen Rande versehen sein müssen, von den Männern über die Fälle gefahren werden müssen. Das Gepäck wird auf den Felspfaden des linken Ufers hinabgetragen. Die Stellen, an denen Felsen oder Geröllbänke grössere Fälle verursachen, oder die ihrer Enge wegen besonders gefährlich sind, tragen, von oben nach unten gerechnet, folgende Namen: Kiham Hulu; K. Hida; K. Nöb; K. Lobang Kubang; K. Binju; K. Bĕnpalang; K. Kĕnhè.
Sobald wir oberhalb des Kiham Hida angelangt waren, ging ein Teil der Männer Rotang für unsere Böte suchen, ein anderer begab sich nach Long Tĕpai zurück, um nun auch die Bündel Rotang hinunter zu befördern.
Njok Leahatte den Rotang, der unter seinem Hause aufbewahrt lag, bereits am Tage zuvor in dicke Bündel binden und diese am gleichen Morgen ins Wasser bringen lassen. Die Bündel (gulung) bestehen in der Regel aus 40 Stücken Rotang von 3–4 Faden Länge, die mit Rotangtauen zusammengebunden werden. Für den Transport zu Wasser vereinigt man diesegulungzu Bündeln von 1 m Durchmesser und lässt sie einfach von der Strömung abwärts treiben, wobei einige in den Wasserfällen zwar auseinander gerissen werden und verloren gehen, die meisten aber heil ankommen. Unterhalb der Wasserfälle werden die Bündel zu Flössen zusammengefügt, die je von einem Steuermann flussabwärts gelenkt werden. Nach einiger Zeit kehrten die Männer zu uns zurück und bald darauf trieb ein Rotangbündel nach dem anderen an uns vorbei und suchte sich durch die brausenden Wasser massen seinen Weg. Einige Männer fingen die Bündel in dem ruhigen Becken auf, das sich unterhalb des Lobang Kubang befindet, und banden sie dort vorläufig fest, um sie später die folgenden Fälle hinuntertreiben zu lassen.
Mit Rücksicht auf den vorausgeschwommenen Rotang wurde es für ratsam gehalten, nicht am Kiham Hida, sondern weiter unten das Lager aufzuschlagen, und so beeilte man sich, alles wertvolle Gepäckund die Kisten mit Ethnographica dorthin zu schaffen. Die Familien, die mit uns reisten, hatten gleich nach ihrer Ankunft begonnen, ihr Gepäck so weit als möglich abwärts zu tragen. Da sie einen grossen Reisvorrat mitgenommen hatten, um ihn in Long Dĕho, wo Reismangel herrschte, zu hohen Preisen zu verkaufen, hatten sie sehr grosse Lasten zu befördern. Trotzdem hatten sie es so eilig, weiterzukommen, dass sie nicht mit uns Schritt hielten. Als sie daher weiter unten, statt den Reis mit uns über Land zu transportieren, die kleineren Wasserfälle hinunterfahren wollten, schlugen ihre zu schwer beladenen Böte um und die Männer verloren zwar nicht ihr Leben und ihre Böte, aber ihren kostbaren Reis.
Ich sorgte dafür, dass alles, was getragen werden konnte, aus den Böten geholt wurde; alle Pflanzen mussten natürlich im grossen Boot bleiben, ebenso die grossen Kisten. Obwohl ihm sein Rotang sehr am Herzen lag, trafNjok Lea, in gleicher Weise wie früherAkam IgauundKwing Irang, alle Vorsichtsmassregeln beim Transport, so dass kein Boot umschlug und keine Kiste fiel. Nachts sank das Wasser noch um einen halben Meter, die grossen Böte konnten daher am folgenden Morgen ohne grosse Gefahr die Fälle passieren. Da die Kajan unterKwing Irang1897 das grosse Boot mit lebenden Pflanzen wohlbehalten nach unten geschafft hatten, lag den Long-Glat viel daran, ihnen an Geschicklichkeit nicht nachzustehen. Sie wussten auch, dass ich damals durch die beiden Fälle Binju und Kĕnhè gefahren war, und schlugen mir vor, es diesmal auch mit ihnen zu versuchen. Das Wagstück erschien mir nicht gross und ich befand mich bereits mitten auf dem Fluss, als ich am UferNjok Leabemerkte, der aus Verzweiflung über unser ruchloses Unternehmen die Arme in die Luft erhob; doch verloren seine Leute das Vertrauen nicht.
Der Kiham Binju, der auf den Lobang Kubang folgt, stellt eine verengte Flussstelle mit heftiger Strömung dar, aus welcher hohe Felsblöcke hervorragen. Mit einiger Vorsicht legt man die erste Strecke gut zurück, dann aber wird das Boot von einer Stromschnelle gepackt und geradeaus auf eine alleinstehende Felsspitze geschleudert. Die Wassermassen, die rechts vom Felsen verhältnismässig ruhig fortströmen, prallen etwas weiter unten an das hohe Ufer an, links aber bilden sie einen Strudel, dessen mittlerer Trichter bei normalem Wasserstande sicher einen Meter tief ist. Da man, um rechts weiter unten nichtan das felsige Ufer geschleudert zu werden, über diese Stelle hinweg muss, kann sie nur von langen, schweren Böten, die mit grosser Geschwindigkeit ankommen und sich daher nicht leicht ablecken lassen, überwunden werden. Das Wagstück gelang, aberNjok Lealiess es doch nicht zu, dassDemmeniuns in dem zweiten grossen Boote folgte. Wir übernachteten unterhalb des Binju. Die Nacht blieb trocken, aber morgens hörten wir es im Osten gewittern, auch fiel ein schwacher Regen. Der Fluss begann sogleich zu steigen, doch ist, um den Kiham Kĕnhè zu passieren, ein hoher Wasserstand günstiger als ein sehr niedriger. Wir beeilten uns daher mit unserer Mahlzeit und fuhren bis zum Anfang des Kĕnhè. Hier beschlossen wir, das Gepäck nicht auf dem Bergpfade nach Hait Aja (grosser Sand), unserem nächsten Lagerplatz, tragen zu lassen, sondern mit ihm die Fahrt zu wagen.
Der Wasserstand war für mein grosses Boot gerade der richtige und ich begann die Fahrt, wie früher bereits, stehend. Die heftige Strömung brachte aber das Fahrzeug so sehr ins Schwanken, dass ich mich setzen musste, um nicht umzufallen, und gleich hinter Kĕlang Gak, wo sich ein kleiner Fluss über 50 m hohe Felsen in den Mahakam ergiesst, schlug eine Welle über das Boot. Der grosse Bootsraum füllte sich aber nicht so leicht mit Wasser und da wir uns hier am Ende der Flussenge befanden, beunruhigten wir uns nicht. Im Kĕnhè werden die Wassermassen durch zwei hohe Felsen in einem sicher nicht über 15 m breiten Bette wie durch einen Trichter gepresst, derart, dass sie in der Mitte wild dahinschiessen, zu beiden Seiten aber einige Meter weit ruhiger strömen. Die Bemannung musste nun das Boot nicht nur in diesem ruhigeren Wasserstreifen zu halten suchen, sondern es auch schneller als die Strömung fortbewegen, da es sonst am hinteren Ende gepackt und mit der Spitze gegen die Felswand oder in das tobende Wasser gedreht worden wäre; in beiden Fällen schlägt das Boot um und zerschellt in der Regel vollständig.
Bevor meine Leute noch längs des UferpfadesDemmenierreicht hatten, um auch ihn im zweiten grossen Boot durch den Kĕnhè zu befördern, stieg das Wasser um 6 Meter. Die Felsen am Anfang des Kĕnhè wurden fast gänzlich überflutet und weiter abwärts geriet die ganze Wasserfläche in Aufruhr und bildete zwei grosse Strudel, über die unser Boot aber noch gut hinwegkam. Schlimmer erging es dem MalaienBang W-ā, der mit uns nach Udju Tĕpu reisen wollte, weil er sich nach der Ermordung seines HalbbrudersAdambei den Bahaunicht mehr sicher fühlte. Der Mann hatte sein kleines Boot hinter das grosse vonNjok Leagebunden, wurde aber vom Strudel losgerissen und verschwand in der Tiefe. Nach einiger Zeit kam er aber, zur grossen Belustigung der Long-Glat, mit seinem Boote wieder nach oben und wurde von ihnen für den Verlust seiner Sachen so reichlich entschädigt, dass er sein Untertauchen kaum zu bereuen hatte. Des mit enormer Schnelligkeit steigenden Wassers wegen machten sich die Leute um die Rotangbündel, die oberhalb der letzten Fälle angebunden waren, Sorgen. Nach einiger Zeit wurden auch die ersten Bündel heruntergetrieben und bei Halt Aja, wo das Wasser stiller wurde, mit vieler Mühe ans Land gezogen. Einige Männer begaben sich zu Fuss wieder nach oben, um auch die übrigen Bündel zu lösen, damit sie nicht hoch auf den Felsen liegen blieben, von wo man sie bei niedrigem Wasserstande nur schwer in den Fluss hätte schaffen können. Viele wurden auf dem Wege nach unten zwischen Felsblöcken und Baumstämmen eingeklemmt und mussten befreit werden. Glücklicher Weise blieben die Bündel heil und kamen, nachdem man auch noch den folgenden Tag mit ihnen zu tun gehabt hatte, wohlbehalten an.
Eine Gesellschaft Buschproduktensucher, Kahájan Dajak, die uns entgegen kam, berichtete, dass sie dem Kontrolleur unterhalb des Kiham Halo, wo er sein Lager aufgeschlagen hatte, begegnet war. Da das Wasser ebenso schnell fiel als es gestiegen war, konnten wir am 7. Mai ruhig nach Long Dĕho weiterfahren.
Bei unserer Ankunft trafen wir nur den alten HäuptlingBo Adjāng Lĕdjümit einer grossen Anzahl weiblicher Familienglieder zu Hause. Wir wurden in dem verlassenen Hause des MalaienInoiempfangen, der aus Bandjarmasin gebürtig und hier einige Jahre als Schreiber und BeraterBang Jokstätig gewesen war. Er hatte mit vielen seiner Stammesgenossen in einer der Schulen, welche die Rheinische Mission in der “Zuider-Afdeeling” errichtet hat, seine Bildung genossen. AuchBarthhatte in seinem Hause gewohnt. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, begannen wir Umschau zu halten und die alten Bekannten zu begrüssen.
Obgleich Long Dĕho ein sehr grosses Dorf ist, eine zahlreiche Bevölkerung enthält und von Händlern von der Küste, die hier vor allem in Buschprodukten Handel treiben, viel besucht wird, sieht es doch baufälliger und vernachlässigter als die Niederlassungen weiter oben am Flusse aus. Dies ist zum Teil der geringen Energie derBewohner zuzuschreiben, die in Übereinstimmung hiermit unter allen Mahakamstämmen am meisten an Nahrungsmangel leiden.
Der greiseBo Adjāng, der mich vor zwei Jahren noch humpelnd in meiner Wohnung besucht hatte, war inzwischen so zusammengefallen, dass er abgezehrt und mit geschwollenen Gelenken bewegungslos auf seiner Matratze sass und sich von seinen zahlreichen Töchtern und Frauen pflegen liess. Er musste ungefähr 90 Jahre alt sein, denn er erinnerte sich noch, mit etwa 15 Jahren,Georg Müller1825 bei seinem Vater gesehen zu haben.Adjāngwar nämlich der jüngste Sohn des berühmten Long-Glat-HäuptlingsBo Lĕdjü Aja, der seiner siegreichen Kriegszüge wegen als derNapoleonvon Borneo bezeichnet worden ist. Da die Bahau in Bezug auf alles, was die Ermordung vonGeorg Müllerbetrifft, sehr verschlossen sind, hatte ich mitAdjāng, als einem Augenzeugen, Bekanntschaft geschlossen. Er erzählte, dassGeorg Müllerein Mann mit einem grossen Bart gewesen sei; auch zeigte er minMüllersFeuersteingewehr, das ich ihm abkaufte.Adjāngwar infolge seines Alters minder zurückhaltend als die anderen und berichtete mir einiges überMüllerstrauriges Ende (pag. 281).
Wie ich mich beiBo Adjāngüberzeugen konnte, wird die Vielweiberei bei den Long-Glat-Häuptlingen unter malaiischem Einfluss in weit höherem Grade als oberhalb der Wasserfälle betrieben. VonAdjāngszahlreichen Frauen lebten noch fünf, von denen zwei zur Arbeit bereits zu alt waren, drei aber alle Dienste verrichteten, die anderswo den Sklavinnen zufallen. Eine der Frauen war so jung, dass sie erst seit wenigen Jahren seine Gattin sein konnte. Ferner waren vier verheiratete Töchter anwesend, weil der Tod des kranken Vaters jeden Augenblick erwartet wurde.
Adjāngsältester Sohn,Ibau Adjāng, und zwei Sklavinnen vervollständigten die Familie, deren Zusammenleben durch Zwistigkeiten aller Art so unangenehm geworden war, dass man seit meinem vorigen Besuch ein grosses Wohngemach angebaut hatte, in dem nun zwei Frauen mit ihren Kindern getrennt lebten. In dem gleichen Genrache hatten auchIbau Adjāngund seine SchwesterDèw Adjāngihre eigenen Kammern, in denen sie schliefen und ihr Privateigentum bewahrten.
Am folgenden Morgen hatte ich meine Toilette noch kaum beendet, als vier vonAdjāngsFrauen bei mir eintraten und meine Tauschartikel, von denen ihnen der Kontrolleur viel erzählt hatte, besichtigen wollten.Barthselbst hatte seinen Vorrat bereits in Long Tĕpaifast gänzlich erschöpft und so hatte man alle Erwartung auf mich gespannt. Ich fühlte mich der Häuptlingsfamilie gegenüber ohnehin verpflichtet, und daBang Jokgeflohen war, kam meine Freigebigkeit der FamilieAdjāng Lĕdjüszugute. Zuerst musste ich wiederum die Armbänder aus Elfenbein zeigen; vorsichtshalber holte ich auch nur diese aus der Kiste hervor. Von den Frauen hatte keine ein grosses Geschenk von mir zu beanspruchen, aber die einen waren etwas angesehener oder sympathischer als die anderen, so dass ich bald merkte, dass ein Satz Armbänder nicht genügen würde. Die vier vorhandenen Sätze wurden auch sogleich von den Damen in Beschlag genommen, doch sahen sie ein, dass ich sie unmöglich alle abtreten konnte; da sie sich jedoch ebensowenig von den Armbändern zu, trennen vermochten, verfielen sie auf den Ausweg, mir hübsche Perlenmützen und andere kostbare Perlenverzierungen als Gegengeschenk anzubieten. Die einen zeigten sich hierin freigebiger als die anderen, und so gelangte ich in kurzer Zeit zu mehreren schönen Stücken, die ich auf andere Weise nicht hätte erwerben können. Mit diesen Unterredungen und der BehandlungAdjāngs, den ich von Fieber und Husten befreien sollte, und vieler anderer Kranken verging der Tag. Da ich den günstigen Wasserstand noch benützen wollte, um die folgenden Wasserfälle zu passieren, war ich sehr wenig erbaut, als abends die Nachricht kam, dass esNjok LeasLeuten noch nicht gelungen war, allen Rotang von Hait Aja abzuholen; überdies mussten die Bündel hier von neuem gebunden werden.
Sĕkaranghatte, durch die Erfahrung belehrt, bereits abends zuvor alle Pflanzen unter dem Palmblattdache des grossen Bootes hervorholen und an Land bringen lassen. Da er dies bei jedem Aufenthalt tun liess, litten seine Pfleglinge nur während der Fahrt durch Hitze, Dunkelheit und schlechte Luft. Sie sahen in der Tat nach unserer Ankunft am unteren Mahakam nicht schlechter als am oberen aus.
Während ich als Arzt einen Rundgang durch die Niederlassung machte, wurde es mir plötzlich klar, warum es mit dem Herbeischaffen des Rotang so langsam vorwärts ging; in der einen Familie, in der sich ein hübsches junges Mädchen befand, traf ich den einen Long-Glat, in einer anderen den anderen u.s.f. Die jungen Leute, dieNjok Leamitgenommen hatte, fanden hier so viele Bekannte und liebe Verwandte, dass sie in den ersten Tagen nur für diese Sinn hatten undNjok Leanicht viel mit ihnen anstellen konnte. Nachtslag er auch beinahe allein in dem grossen Raume, der den Long-Glat in unserem Hause angewiesen worden war, während die übrigen die Vorrechte genossen, welche die unverheirateten Frauen den Junggesellen gewähren dürfen. Erst am dritten Tage waren alle Bündel geordnet, aber noch nicht zu einem Floss, das man schon hier zusammenstellen wollte, vereinigt worden. Das Wasser war indessen wieder gestiegen und die Geröllbank, die am jenseitigen Ufer den richtigen Wasserstand für das Passieren der unteren Wasserfälle angab, war bereits überschwemmt.
In meiner Besorgnis, durch Hochwasser in Long Dĕho aufgehalten zu werden, begrüsste ich am anderen Morgen die wenigen Grashalme, die auf der Geröllbank hervortauchten, mit Freude, und da das Wasser stets weiter fiel, suchte ichNjokzur Abreise zu überreden. Der grossen Gefahr wegen weigerten sich viele, aber ich liess alles Gepäck in meine Böte bringen, erstens um in der Nähe des Kiham Udang, des gefährlichsten Falles zu sein, sobald das Wasser eine Fahrt auf demselben zuliess, zweitens um auf die Long-Glat einen Druck auszuüben.Njokzeigte sich endlich, wenn auch zögernd, damit einverstanden, uns in den zwei grossen Böten weiter zu befördern; für die kleinen wäre die Reise zu gefährlich gewesen, was ich nur zu bald selbst merkte, denn obgleich ich früher bereits bei günstigem Wasserstande diesen Teil des Flusses hinabgefahren war, hatte ich nicht gedacht, dass ein Unterschied von zwei Fuss im Niveau des Wassers einen solchen Einfluss auf die Strömung haben könnte. Gleich hinter den beiden, von den Long-Glat abhängigen Niederlassungen Batu Pala und Uma Wak verengt sich das Flussbett von 150 auf 75 m und weiter unten bahnt sich der Fluss zwischen grossen Sandsteinfelsen (Batu Brāng), die nur etwa 40 m von einander entfernt sind, einen Weg. Nachdem wir hier mit grosser Geschwindigkeit hindurch gefahren waren, gerieten wir an eine Stelle, wo das gestaute Wasser, das sich plötzlich verbreiten kann, sehr gefährliche Strudel bildet, die wir nur dank der Schwere unserer Böte und der Geschicklichkeit unserer Mannschaft überwinden konnten. Weiterhin wird der Fluss durch hohe, senkrechte Wände wiederum in ein schmales, nur 60–70 m breites Bette gezwängt, so dass ich der stets heftig bleibenden Strömung wegen schliesslich doch bereute, nicht gewartet zu haben. Ich hoffte jedoch auf ein baldiges Fallen des Wassers und bat daherNjok, der nach Long Dĕho zurückkehrte, so schnell als möglich nachzukommen.
Den Udang zu passieren war unmöglich, denn in seiner engen Schlucht schlugen die zusammengepressten Wassermassen in hohen Wellen empor, während halbuntergetauchte Felsen unregelmässige Strömungen verursachten. Dreihundert Meter weiter aufwärts befand sich aber am linken Ufer eine kleine, von Felsen eingeschlossene Bucht, in der bei normalem Wasserstande Sand und Äste blosslagen, jetzt aber zwei Meter tiefes Wasser stand, das zum Unterbringen unserer Böte gerade genügte.Njokbegab sich zu Lande nach Long Dĕho zurück und zwar schweren Herzens, da er mich nicht dazu bewegen konnte, mit ihm zu gehen, und uns allein mit unseren Malaien und Javanern zurücklassen musste. Wir litten jedoch weniger durch den Gedanken an irgend welche Gefahren als durch den Ärger über das Steigen des Wassers und verbrachten im übrigen in unseren Böten eine sehr ruhige Nacht.
Das Wasser war morgens noch nicht gefallen; ich liess daher auf dem hohen Uferwall einen Platz aushauen, auf demSĕkarangdie Pflanzen der frischen Luft aussetzen konnte. Kurz darauf erschienen fünf Long-Glat, dieNjokin seiner Besorgnis geschickt hatte, um auf uns und unsere Böte zu achten. Sie erzählten, dassNjokam vorigen Abend vor Erregung nicht hatte essen können. In unserem feuchtkalten Schlupfwinkel, in wenigen Metern Abstand vom brausenden Fluss, verbrachten wir drei Tage, während welcher das Wasser abwechselnd 6 m stieg und dann um ebensoviel wieder fiel. Da der Wald sehr steil anstieg, konnten wir uns keine Bewegung verschaffen, doch gewährte das wilde Tosen der Wasser im Kiham Udang einen prachtvollen Anblick.
Am 16. Mai, als das Wasser zwar etwas gefallen war, aber doch noch mit grosser Schnelligkeit an unserem Schlupfwinkel vorüberschoss, äusserten des Morgens vier unserer Long-Glat den Wunsch, mit ihrem Boot bis nach Uma Wak zurückzufahren, um dort ihren Vorrat an Sirihblättern zum Betelkauen zu erneuern. Obgleich ich das Unternehmen sehr gewagt und mit dem Anlass in keinem Verhältnis fand, war ich doch zu sehr daran gewöhnt, mich in derartigen Angelegenheiten der Meinung der Bahau zu fügen, die vom Befahren dieser Flüsse so viel mehr als die Weissen verstehen, als dass ich mich ernsthaft ihrem Wunsch widersetzt hätte.
Eine Stunde darauf, als wir neben einander auf dem Uferwall sassen, bemerkten wir ein Boot mit Schilden, das an uns vorüber trieb, alshätte es sich eben vom Ufer gelöst. Wir beunruhigten uns daher keineswegs, fanden es aber schade, dass die Strömung zu heftig war, um das Boot durch Schwimmen vom Untergang im Udang zu retten. Wir mussten ruhig zusehen, wie es dort von den Wellen einige Male emporgehoben, mit Wasser gefüllt und in die Tiefe gezogen wurde.
Zu unserer Verwunderung erschien ungefähr eine Stunde darauf einer der vier Long-Glat,Lugat, mit einigen Bewohnern von Uma Wak und fragte uns, ob sein BruderAdjāngundIbaunicht bei uns seien. So viel wir aus seiner verworrenen Erzählung begriffen, waren sie in ihrem Boot hinaufgefahren, aber bald von einem Strudel erfasst worden, wobeiLugataus dem Boote geschleudert wurde. Nachdem dieser, nach längerem Kampf mit dem Wasser, die Oberfläche erreichte hatte, rettete er sich schwimmend ans Ufer. Dort fand er den einen Gefährten,Dja-āng, dem es ebenso ergangen war. Von den beiden anderen wussten sie nichts. Da sie an diesem Tage nicht zurückkehrten, waren sie augenscheinlich ertrunken. Den Leuten von Uma Wak traten die Tränen in die Augen, als sie hörten, dass die beiden nicht bei uns waren, undLugatbrach in heftiges Weinen aus, rief nachAdjāngundIbauund machte sich Vorwürfe, dass er nicht besser für sie gesorgt hatte.
Demmeniund ich standen selbst noch so sehr unter dem Eindruck des plötzlichen Todes der beiden tüchtigen jungen Leute, mit denen wir kurz zuvor gescherzt hatten, dass wir keine Trostworte fanden. In unserer unglücklichen Lage und in dieser wilden, finsteren Umgebung fühlten wir uns durch das Geschehene doppelt niedergeschlagen. Schwere Wolken hingen über uns und ununterbrochen fiel ein feiner Staubregen.
Im Lauf des Tages trafNjoktief betrübt bei uns ein. Obgleich ich indirekt an dem Unglück die Schuld trug, indem ich zu früh von Long Dĕho aufgebrochen war, hörte ich kein Wort des Vorwurfs; nur betrauerten alle den Verlust der Ihrigen undLugatquälte sich unaufhörlich mit Selbstvorwürfen.
Die Leute von Long Dĕho und Uma Wak kehrten mitNjoknach Hause zurück und liessen andere Dorfgenossen bei uns. Am anderen Morgen kamNjokzu uns und sagte, er habe abends mit anderen beschlossen, hier neun Tage zu verbringen, da die Leichen, die er gern begraben wollte, in dieser Zeit an die Oberfläche kommen würden. Die Bewohner der anderen Niederlassungen sollten ihm helfen. Ich war überzeugt, dass die heftige Strömung die Leichen abwärts getriebenhaben musste, aberNjokbehauptete, dass dies nicht der Fall sei. Nach einiger Zeit trafen auchIbau Adjāngund einige Böte der Uma Wak und Batu Pala ein, um suchen zu helfen. Ein Lager wurde oberhalb und ein zweites unterhalb des Kiham Udang aufgeschlagen. Zu meinem Erstaunen brachte mirNjoknoch eine andere, erfreuliche Nachricht, nämlich, dass die Kajan mitKwing Irangbereits in Long Dĕho waren und dassSorongsogleich kommen würde, um zu berichten, warum sie so lange mit der Abreise gezögert hätten.
Gleich nach dem Essen trafSorongwirklich ein und erzählte, dassKwing Irang, seinem Plan gemäss, beimbulan pusit(Neumond) mit ihm einme̥lo̱ njăho̱gehalten hatte, dass aber am Abend des zweiten Tages alle Gonge in der Niederlassung ertönt hatten, weil ein Ehepaar,Anjang BawanundAnja Song, die am Abhang des Batu Mili Harz suchten, noch nicht zurückgekehrt waren. Es blieb ihnen nichts übrig, als mit allen anderen auf die Suche zu gehen, was vier Tage dauerte, woraufAnjang, man wusste nicht wie, plötzlich in einer Hütte erschien, in der einige alte, halb blinde Männer wohnten. Sein Mund war voll Erde, die man nur mit Mühe entfernen konnte, auch konnte er beinahe nicht sprechen. Aus seinen verwirrten Antworten erfuhr man nur, dass er und seine Frau durch Geister erschreckt worden waren und dass diese sie auf den Berg mitgenommen hatten. Im Reiche der Geister, die gerade Neujahr feierten, hatten sie einander aus dem Auge verloren; doch hatte sichAnjangtrotzdem am Hühner- und Schweinefleisch gütlich getan. Nach einigen Tagen, als man sich gemeinschaftlich über hohe Bretterstege zu den Geistern auf dem gegenüberliegenden Batu Kasian begab, fielAnjangvom Stege und langte plötzlich bei den alten Männern an. Seit der Zeit war er sehr verschlossen und wollte nichts mehr erzählen. Auch nach viertägigem Suchen hatte manAnja Songnicht gefunden, aberKwinghatte nicht länger warten wollen und war abgereist. Ich zweifelte nicht an der Wahrheit dieses Berichtes, wusste aber nicht, was ich davon denken sollte, und erhielt auch vonSorongkeinen Aufschluss.
Am 18. Mai, gegen Mittag, trafKwing Irangmit 10 Leuten bei uns ein. Dass er nun doch die Reise mit mir fortsetzen konnte, schien ihn sichtlich zu bewegen und ich war zu froh, diese Unglücksstätte verlassen zu können, um ihm der endlosen Verzögerungen wegen Vorwürfe zu machen. Hierzu hatte ich, mit meiner Überlegenheit an Kenntnissen und Handlungsfreiheit übrigens kein Recht, da er ohnehin meinetwegenmit den Überzeugungen und Sitten seines Stammes einen ständigen Kampf führte.
Kwingerklärte auch jetzt, nicht mit den Long-Glat auf das Finden der Leichen warten zu können. Er wollte am anderen Morgen mit seinen Kajan und ihrem vielen Gepäck den Udang passieren und mich dann abholen. Das Wasser fiel und der Himmel klärte sich auf, so sah ichKwingguter Stimmung nach Uma Wak zurückkehren. Hier konnten sich die jungen Kajan nur mit Mühe den Liebenswürdigkeiten der Frauen entziehen, die die frischen jungen Burschen gern bei sich behalten hätten; es blieb diesen auch nichts übrig, als durch Geschenke, wie Tragkörbe und neue Kopftücher aus Baumbast, den Frauen ihren Dank zu bezeigen. Daher fuhr die Flotte der Kajan, die aus 20 Böten bestand, erst um 12 Uhr an uns vorüber; nurKwinglegte für einen Augenblick bei uns an, um zu sehen, ob wir reisefertig waren.
Am Abend zuvor war es den Long-Glat geglückt, wenigstens eine der Leichen zu finden.Lugat, der den ganzen Tag mit einigen Freunden den Fluss auf- und niedergefahren war, hatte die Leiche seines Bruders, noch bevor diese in den Udang geriet, auffangen können. Am gleichen Abend wurdeAdjāngam Ufer begraben, ein kleines Grabmal errichtet und dort zugleich auch fürIbau, dessen Leiche später am mittlerer. Mahakam gefunden wurde, eine Ausstattung fürApu Ke̥siọniedergelegt.
MitNjokvereinbarte ich, dass ich in Uma Mĕhak auf ihn warten sollte, da er uns mit seinem Gepäck und Rotang folgen wollte. Allein hätten die Long-Glat dies sicher nicht zu tun gewagt, da das Unglück, ein deutlicher Beweis der Unzufriedenheit der Geister, sie zur Heimreise gezwungen hätte.
Gegen 3 Uhr wurden wir aus unserer feuchten, dunklen Höhle, in der wir nun 1 m niedriger als anfangs lagen und mit unseren Böten zwischen Sand und Ästen eingeklemmt zu werden drohten, befreit. Die Malaien hatten die Pflanzen wieder in das grösste Boot gebracht, das mittelst fester Rotangtaue längs der Uferfelsen vorsichtig den Fall hinabgelassen wurde.
Das übrige Gepäck wurde, ausser den Kisten, die für einen Mann zu schwer waren, aus den Böten genommen. Die Kisten wurden, trotz der Erhöhung der Bootsränder, doch noch nass, da sie nicht vollständig wasserdicht waren und durch double-waterproof-sheeting nichtganz bedeckt werden konnten; so verdarb uns noch ein bedeutender Teil unserer grösseren Ethnographica.
Nachdem wir den Kiham Udang überwunden hatten, blieb uns noch Zeit übrig, uns ruhig abwärts treiben zu lassen. Ich fühlte mich wie aus einem finsteren Gefängnis in eine strahlende Aussenwelt versetzt. Von der Tiefebene des mittleren und unteren Mahakam trennte uns nur noch der Kiham Halo. In einem Brief, den der Kontrolleur einigen Kahájan Dajak, die aufwärts zogen, für mich mitgegeben hatte, schrieb er mir, dass er unten in Long Bagung auf mich wartete.
Zwar regnete es am folgenden Morgen und die. tief herniederhängenden Wolken hüllten die schönen Gipfel der Berge ein, auch hatte derbilang(Baumgekko) nachts seine warnende Stimme ertönen lassen, aberKwing Irangmachte, wie früher zur Beruhigung des Tieres einen kleinen Rundgang durch den Wald und da der Fluss nur wenig stieg, sassen wir um 8 Uhr bereits in den Böten, in der Hoffnung, den Kontrolleur noch am gleichen Tage zu erreichen. Wir hatten diese frohe Aussicht zur Ermunterung sehr nötig, denn die schmale Schlucht des Kiham Halo, die uns 1897 bei guter Beleuchtung entzückt hatte, zeigte sich jetzt, wegen der schwer aufliegenden Wolken, nur als eine finstere Spalte, die bei dem Geschrei, das die Kajan über den tobenden Wassermassen anhuben, einen doppelt unheimlichen Eindruck machte.
Auf halbem Wege begegneten wir in der engen Durchfahrt einer Gesellschaft Kĕnja, die ihre Böte langsam an Rotangseilen längs der Uferfelsen aufwärts zogen. Trotzdem ich, hauptsächlich im Hinblick auf unsere späteren Pläne, grosse Lust verspürte, mit Kĕnja in Berührung zu kommen, konnten wir bei ihnen nicht Halt machen, da die heftige Strömung uns mit sich riss. Die Kajan liessen nun ihren Ajo-Ruf um so lauter ertönen; die Kĕnja antworteten und aus den Bergen erschallte das Echo. Der Fluss wurde stets breiter und die Ufer niedriger, bis wir gegen 3 Uhr nachmittags hinter einer Flussbiegung Long Bagung zum Vorschein kommen sahen. Durch einige Gewehrschüsse meldete ichBarthunsere Ankunft.
Long Bagung ist eine Haltestelle für malaiische Händler und Buschproduktensucher und liegt auf dem rechten Ufer des Mahakam. Der Kontrolleur hatte hier bereits wochenlang auf uns gewartet; es war ihm zwar im allgemeinen gut ergangen, doch freute er sich, endlich mit uns weiterreisen zu können. Seine Gesellschaft hatte an Fiebergelitten, am meistenHadji Umar, der auch jetzt noch krank lag. Die Aufnahme des Mahakam warBiergut geglückt, nur war er durch das häufige Hochwasser oft an der Arbeit gehindert worden und im Kiham Halo war ihm ein Boot an den Felsen zerschellt, wobei beinahe ein Malaie ums Leben gekommen wäre.