Kapitel VIII.

Kochen von Schweinefleisch.Kochen von Schweinefleisch.

Kochen von Schweinefleisch.

Kochen von Schweinefleisch.

Viele Männer zeigten sich jetzt bereit, die Schindeln auf dem Dache anzubringen; augenscheinlich hatte die Festfreude sie in gute Stimmung versetzt. In einem Tage befestigten sie 11000 Schindeln, indem sie mit einem Hohlmeissel oder Drillbohrer ins obere Ende der Bretter zwei Löcher bohrten, Rotangschnüre hindurchzogen und an die Querlatten festbanden. Die Schindeln waren alle sehr dünn und gleichmässig, doch bildeten ihrer 50 eine schwere Last selbst für einen starken Mann. Dank den fest angebrachten Leitern kam aber während des ganzen Hausbaus kein einziges Unglück vor. Geschieht ein solches aber dennoch, so wird es als ein Beweis für den Unwillen der Geister aufgefasst und dementsprechend behandelt. Fällt z.B. jemand vom Gerüst herab, so wird sein Lendentuch an der betreffenden Stelle begraben. Auch muss erme̥lo̱, ein Schwein opfern und den dājung Kattun und ein Schwert geben. Dann muss er wieder bis zu 8 Tagenme̥lo̱, währenddessen an dem Hause nicht gearbeitet werden darf. Auch Kleidungsstücke und Werkzeuge werden an Ort und Stelle, wo sie niedergefallen sind, vergraben. Überdies werden bei einem Neubau noch andere Vorsichtsmassregeln getroffen, um sich die günstige Stimmung der Geister und somit ein gutes Gelingen zu sichern. In gleicher Weise wie z.B. ein Mann, aus Furchttakut dawizu werden, keine getragenen Frauenkleider und keine Webeutensilien berühren will, darf auch kein Webeapparat unter einem unvollendeten Hause hindurchgetragenwerden. Auch den von weit her kommenden Fremden ist der Durchgang unter einem unvollendeten Hause verboten, wahrscheinlich weil man auch in diesem Fall die unbekannten Geister, die sie mitbringen, fürchtet. Stirbt jemand im Stamme, so muss der Hausbau, solange die Leiche nicht begraben ist, unterbrochen werden.

Trotz aller Hindernisse warKwing IrangsHaus im März 1899 unter Dach und dieaminmit Hilfe alten Materials soweit fertiggestellt, dass sie bezogen werden konnte. Der Galerie fehlte hauptsächlich eine Diele, aber diese war nicht unumgänglich nötig; auch musste man voraussichtlich wegen der Ernte noch Monate lang mit der Herstellung der Bretter warten.

Als der Tag, an demKwing Irangsein neues Haus beziehen sollte, nach dem Vogelflug bestimmt worden war, wurden alle Personen, die dieaminbewohnen sollten, also die Familienglieder und die Haussklaven, ausserdem auch noch ein Teil der Sklaven, der eigene Häuser bauen durfte, zusammengerufen.

Gegen Mittag wurde zuerst gegen die Haustreppe zu eine Art Gang hergestellt, indem man eine Reihe hölzerner Galgen errichtete und mit weissem Kattun überspannte. Mit einem gleichen weissen Baldachin überdeckte man auch die Treppe von unten bis zurăwă. Alle Hausgenossen in Begleitung eines Priesters mit Frau und Kindern und des altenBo Jokbildeten einen Zug, an dessen Spitze sichKwing Irangstellte. Der Häuptling trug seine gewöhnliche Kleidung. Ihm folgten ein Mantri, seine FrauenBo HiāngundAnja, dann der alteBo Jokund zuletzt die Sklavinnen mit ihren Kindern. Erst schritt der Zug durch den Gang zur Treppe, bog dann links ab, ging einmal unten um das Haus herum und lehrte dann zur Treppe zurück. Hier hatte man auf einem flachen Stein ein altes Schwert niedergelegt, auf welches der Häuptling und alle, die ihm folgten, erst den Fuss setzten, bevor sie die Treppe hinauf ins Haus stiegen. Dieser feierliche Einzug diente zur Vorbereitung der Seele, damit diese beim plötzlichen Anblick dieses grossen, imposanten Gebäudes nicht entfloh. Derdājungund seine Familie betraten nicht das Haus, sondern begaben sich nach rechts, ihrer eigenen Wohnung zu.

In deraminangelangt begannen die Hausbewohner sogleich, nachdem sie die Tragkörbe samt Inhalt vom Rüchen genommen hatten, Herde zu errichten. Der kleine Herd, auf dem hauptsächlich für den Häuptling gekocht wird, kam zuerst an die Reihe. Zwei junge Männerholten von draussen, zur Seite des Hauses Erde und bedeckten mit ihr einige Bretter aus hartem Holz. Dies ist die gebräuchliche Weise, um Herde herzustellen. Dann berichteteBo Jokden Geistern, wem dieser Herd gehörte, auch bat er um ein glückliches Leben und Reichtum für die künftigen Bewohner. Als symbolisches Zeichen hierfür steckte er 2 × 8 Haken aus Fruchtbaumholz und zwei Büschel vondaun sawangund noch einer anderen Blätterart in die Erde. In die Mitte legte man einen platten, nierenförmigen Stein von 10 cm Durchmesser, holte noch mehr Erde und stampfte diese über dem Stein fest. Damit war der Herd vollendet. Die Erde darf nie gewechselt werden; nur darf nötigenfalls bei religiösen Festen neue hinzugefügt werden.

Das erste Feuer muss auf die in früherer Zeit gebräuchliche Weise entzündet werden, indem man ein Stück Rotang über ein trockenes, weiches Holzstück hinund herzieht (Taf. 62, Fig. h). Die Funken, die hierbei entstehen, werden mittelst einer Art Schwamm aufgefangen. In den ersten Tagen darf dieses Feuer nicht ausgehen. Wenn diepanjinunddipe̥nspäter ihre eigenen Wohnungen beziehen, holen sie ihr erstes Feuer von diesem Herde in deramin aja.

Die beiden ersten Tage nach dem Einzug müssen die Hausbewohnerme̥lo̱. In dieser Zeit darf im Hause nicht geweint werden,Kwingschickte daher ein halbidiotisches Mädchen, das ihm von deren Familie anvertraut war, nach seiner Reisfeldwohnung, weil das Kind leicht in Tränen ausbrach.

Nach beendetemme̥lo̱musste manngajo̱, Köpfe jagen, um die vielen Verbotsbestimmungen, denen man sich während des Hausbaus hatte unterwerfen müssen, aufheben (be̥t lāli) zu können. Die Bewohner durften in der verflossenen Periode z.B. keine Bären, Gibbon unddongan, einen sehr beliebten Fisch, essen. Die von anderen Stämmen gebürtigen Sklaven mit anderer Religion mussten auf den verbreiteten grauen Affen (ke̥ră), dessen Fleisch sie für gewöhnlich geniessen, verzichten.

Dasngajo̱gelegentlich desbe̥t lāliführt der Häuptling allein aus. Diepanjinfeiern es gemeinschaftlich, sobald sie alle ihre Häuser beendet und bezogen haben, beim ersten Neujahrsfest. Dasngajo̱des Häuptlings bestand darin, dass er einen seiner Mantri nach demme̥lo̱den Vogelflug beobachten liess. Der Mantri baute an der Stelle, wo er dentĕlandjangoder hissit zu seiner Rechten gehört hatte, eineHütte, die vom Häuptling und seinem Geleite für zwei Tage bezogen wurde. Darauf kehrte die Gesellschaft mit einem alten Schädel heim und beobachtete alle Zeremonien, die früher bei einer echten Kopfjagd gebräuchlich waren.

In Anbetracht, dass eine ungünstige Mondphase (Vollmond) eintreten sollte, beeilte man sich und stellte sich mit wenigen guten Vorzeichen zufrieden. Deradatwurde vorläufig genügt; später, wenn das Haus gänzlich fertig gestellt war, wollte man nochmals die Vögel befragen.Kwing, der viel zu tun hatte, liess nur den Mantri und sein Geleite in der Hütte schlafen.

Ein derartigesbe̥t lālimitngajo̱des Häuptlings bedeutet für alle Stammesglieder eine Aufhebung einer eventuellen Verbotsperiode. So darf z.B. bei dieser Gelegenheit die Trauer für ein Familienglied abgelegt werden. Die Knaben und jungen Männer dürfen bei diesem Anlass, wie die Erwachsenen, eine Kopfjagd mitmachen, um sich dadurch das Recht zu erwerben, je nach dem Alter ein Schwert zu tragen, die Schwanzfedern des Rhinozerosvogels (ke̥rip tingang) auf ihre Kriegsmütze zu heften oder einen Kriegsmantel umzulegen. Die gleichen Sitten herrschen bei den Long-Glat. Sie weisen darauf, dass bereits seit langer Zeit eine Kopfjagd des Häuptlings für alle Dorfgenossen zumbe̥t lāligenügte. Daher beteiligten sich auch viele Familien an diesemngajo̱.Diepanjinbegaben sich bereits abends vor dem bestimmten Tag zur Hütte, in welcher der Mantri sich befand. Bei Tagesanbruch machte sich auch der Häuptling in 3 Böten, bemannt mit von Kopf bis zu Fuss bewaffneten Kriegern, dorthin auf. Nach etwa einer Stunde hörten wir den Fluss herunter den Kriegsruf der Bahau erschallen; in Long Buleng schossen die Malaien ihre Gewehre ab und bald darauf kamen die Böte in Sicht. Sie waren aneinander gebunden worden und bildeten so ein Floss, auf dem die Krieger standen und in der Morgensonne in ihren phantastischen Rüstungen einen prachtvollen Anblick boten. Die mit langen, aufrechtstehenden Bambuswedeln geschmückten Böte trieben feierlich langsam den Fluss herab und hielten bei dem Anlegeplatz des Häuptlings still, wo schön geschmückte Frauen und Mädchen ihre männlichen Angehörigen erwarteten, ihnen die Schwerter und die überflüssige Kriegsrüstung abnahmen und ins Haus trugen, um ihnen statt dessen einen hübschen, Schal um die Schultern zu schlingen. Sie tun dies, um diebruwader Krieger, die unter dem unangenehmen Eindruck von abgeschlagenenKöpfen, geraubter Habe und verbrannten Häusern steht, durch etwas Angenehmes zu beruhigen. Als alle Festteilnehmer in der Galerie versammelt waren, hing man die Kriegsrüstung auf und bereitete dort alles zu einem mehrtägigen Aufenthalt vor. Die Krieger durften nämlich während desngajo̱ihre amin nicht betreten und nur in Bambus gekochten Reis ohne Fische, Hühner, Schweinefleisch, Salz oder andere Zuspeisen geniessen. Die eben erwachsen gewordenen jungen Männer durften während der ersten 4 Tage kein Wildschweinfleisch essen und für die Knaben, die sich zum ersten Mal an einem Kriegsunternehmen beteiligten und noch nicht allen Verbotsbestimmungen folgten, erstreckte sich diese Vorschrift auf 6 Tage.

Die Böte wurden von einander gelöst und jeder Besitzer führte das seine wieder mit, nur die beiden mittelsten, die mit Bambus und Büscheln halb entfalteter, noch weisser Palmblätter verziert waren, blieben am Ufer liegen. In diesen Büscheln hingen zwei alte Köpfe, die der Sultan von KuteiKwing Irangeinst geschenkt hatte. Mit diesen Köpfen nahmen diejenigen Kajan, die auf ihren Reisfeldern wohnten und sich nicht so früh zumbe̥t lālihatten einstellen können, im Laufe des Tages dasngajo̱vor. Sie kamen mittags zusammen und fuhren, wenn ihr Alter es zuliess, in Kriegskostüm unter den Schlägen der Gonge zu einer Geröllbank am jenseitigen Ufer. Ein Priester und einige Männer in voller Kriegsrüstung begleiteten sie. Die Knaben, die noch keine Federn des Rhinozerosvogels tragen durften, hatten mit Palmblättern und Palmblattstielen verzierte Kriegsmützen aufgesetzt.

Auf der Geröllbank wurde einer der Schädel an Land gebracht und niedergelegt; der Priester brachte ein Ei zum Vorschein, redete die Geister des Batu Kasian an und zerschlug das Ei, worauf alle neuen Teilnehmer ein Blattstück in die Eimasse tauchten, in den Fluss warfen und hinabtreiben liessen. Dann tranken sie etwas Flusswasser, badeten sich und legten die Kriegsrüstung wieder an. Auch der Priester nahm ein Bad, nachdem er das Ei in den Fluss geworfen hatte. Darauf bewiesen alle Jünglinge ihren Mut, indem sie mit ihren Schwertern den Schädel berührten, mit ihren Speeren hineinstachen oder mit ihren Blasrohren Pfeile auf ihn abschossen. Die Mutigsten setzten sich auf den Schädel, nachdem sie ihren Kriegsmantel über ihn gebreitet hatten. Nach beendeter Zeremonie würde der Bambus, der den Schädel trug, wieder ins Boot gepflanzt und die Gesellschaft kehrte nach Hause.

Die gleichen Zeremonien fanden am folgenden Tage mit den Nachzüglern statt.

Der zweite Tag wurde hauptsächlich dem Vorzeichensuchen an Opfertieren gewidmet. Den Anfang machte der Häuptling; alle übrigen folgten.

Der Häuptling opferte ein männliches Schwein und einen Hahn, diesmal vor allem den Geistern auf dem Batu Mili. In seiner schönsten Kleidung, umgeben von seinen vornehmsten Mantri unddājung, sprach der Häuptling auch jetzt die Geister selbst an; doch verstand ich ihn wegen der dröhnenden Schläge auf die Gonge nur schlecht. Während er sprach, hielt er den Hahn, um den man einen schönen, kostbaren Leibgürtel aus alten Perlen gelegt hatte, in der Hand. Das Tier wurde geschlachtet und der Bauch geöffnet, um nach der Beschaffenheit des Darmes, der Gallenblase und des Pankreas die Zukunft zu bestimmen. Ein glatter, nicht roter Darm, ein Pankreas, das nicht viel länger oder kürzer ist als die Darmschlinge, zwischen welcher es befestigt ist, und eine volle Gallenblase sind günstige Omina. Da der erste Hahn des Häuptlings die gewünschten Vorzeichen nicht aufwies, schlachtete er einen zweiten, der in der Tat eine bessere Zukunft prophezeite.

Darnach wurde auch das Schwein geschlachtet und seine Leber und Milz untersucht. Die Milz muss lang, dünn und ohne Ausbuchtungen am Rande sein, die Leber eine normale Grösse und Farbe zeigen und die gut gefüllte Gallenblase in richtigem Verhältnis zu den Lappen an der Unterseite der Leber stehen.

Glücklicherweise waren die Vorzeichen hier sogleich zufriedenstellend und konnte das Blut des Schweines und des zweiten Huhnes aufgefangen und mit gekochtem Reis und Hühnerfleisch dento̱angeboten werden.

Inzwischen hatten alle Männer, die an der Kopfjagd beteiligt gewesen waren, in der Galerie ihr Kriegskostüm angelegt und ihren Müttern und Angehörigen einen Hahn und ein Küchlein gebracht, um durch einige Priester und Priesterinnen für jede Familie gesondert die Vorzeichen zu beobachten.

Diedājungschnitten dem Küchlein den Hals durch und suchten dann die Zeichen. Darauf schlachteten sie den Hahn als Speise für Götter und Menschen. Sind die Vorzeichen bei dem ersten Küchlein nicht befriedigend, so werden andere getötet, bis die Omina günstig sind.

Die Opferspeise wurde den Geistern gelegentlich desngajo̱auf besondere Weise angeboten, so wie es nach grossen Expeditionen üblichist. Alle Familien flochten aus Bambus einen Rahmen von 2½ dm Seitenlänge. An die 4 Ecken des Rahmens wurden Schnüre befestigt und an einen Stock gebunden und darauf Kopf, Schwanz und Füsse des Hahnes unten an den Rahmen gehängt. Der Reis, das Huhn und das Blut wurden zwischen 8 Bananenblätter gelegt, zu einerkawitzusammengerollt und mit einem Bambus auf den Rahmen festgesteckt. Das Ganze stellte also, wie am Mendalam, eineblăkă ajo̱dar (T. I p. 126). Nachdem gegen Abend alles bereit war, hing man alleblăkăunter Kriegsrufen und Schlägen auf die Gonge oben in der Galerie auf.

Die an der Kopfjagd Beteiligten durften jetzt wieder Hühnerfleisch geniessen.

Nicht nur die Geister, sondern auch die Schwerter, Speere, Schilde, Gonge u.s.w. wurden gespeist, um sie günstig zu stimmen und ihreamei(Vater),inei(Mutter) undharin(Blutsverwandten) dazu zu bewegen; zu den Kajan zu kommen. Die Sklaven boten ihrekawitdem Schwerte des Häuptlings an.

Abends bemerkte ich, dass man auch den Schädeln Speise in Bananenblättern angeboten hatte. Mit einem der Schädel wurde wiederum eine Zeremonie vorgenommen. Alle Teilnehmer, auch der Häuptling, legten ihre schönste Kriegskleidung an und berührten wiederum mit Schwert und Speer den Schädel, worauf der älteste und angesehenste Mantri des Stammes eineme̥lămit ihnen vornahm, indem er die Männer mit Blättern, die er in Schweine- und Hühnerblut getaucht hatte, bestrich. Die Betreffenden mussten während der Zeremonie den einen Fuss auf einen alten Gong setzen.Kwing Irangin seinem malerischen Kostüm mit Kriegsmantel, grosser, mittingang-Federn verzierter Kriegsmütze und schönem Schild mit Haarschmuck wurde als erster behandelt. Der tiefe Ernst auf den Gesichtern, die feierliche Stille in der grossen, schwach beleuchtetenăwăwirkten ergreifend, und die Krieger, die zu vieren gleichzeitig vortraten, bildeten im schräge einfallenden Schein der Fackeln phantastische Gruppen.

Bei der Angst der Männer vor den Schädeln und den aufgerufenen Geistern liess sich ihre Gemütsverfassung begreifen, ebenso, dass sie zur Beruhigung ihrer Seele eine ernsteme̥lănötig hatten.

Nach beendeter Zeremonie betraten immer mehr Menschen dieăwă, alle so schön gekleidet, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Es sollte nämlich ein allgemeiner Tanz,ngarang, stattfinden, der erste seit vielen Jahren, da die Kajan nach der Brandschatzung ihres Dorfes imJahre 1885 noch keine so grosseăwăbesessen hatten. Nun war die 11 × 25 m grosse Galerie voll von Leuten, die in zwei grossen Kreisen am Tanze teilnahmen. Die Männer in Kriegsrüstung, die Frauen und Kinder in Festkleidung, fügten sich alle fröhlich und voller Eifer in den Reigen, der unter den Tönen der Gonge bis zum anderen Morgen fortgesetzt wurde.

Nach einer mehrstündigen Rast begaben sich die Männer gegen Mittag in 12 Böten ans andere Ufer, wo sie sich in malerischen Gruppen auf der Geröllbank und den Felsen lagerten. Jeder warf etwas Reis und Fischfleisch in den Fluss und ass selbst etwas davon. Hiermit war dasngajo̱beendet.Kwing Irangwollte jedoch jetzt, wo er nach dem Einzug ins neue Haus an eine Reise mit uns zur Küste denken durfte, die Gelegenheit benützen, um ein Vorzeichen für das Unternehmen zu suchen. Er nahm daher einen Flusskrebs in die Hand, erklärte dem Tier den Zweck der Probe und setzte es dann ein Stück weit in ein mit einem Spalt zum Beobachten versehenes Bambusrohr. Kroch das Tier zum langen Ende des Bambus, so war das Omen günstig, im entgegengesetzten Fall aber ungünstig. Zum Glück wählte der Krebs das lange Ende.

Nach der Heimkehr richtete jeder Festteilnehmer am Ufer vor dem Hause einen zugespitzten Pfahl auf und damit war das Fest beendet. Die Schädel wurden nicht in derăwă, sondern unter dem grossen Hause aufgehängt.

Die Häuser der Freien werden auf die gleiche Art wie die der Häuptlinge gebaut, nur ist das verwendete Material leichter und die Einrichtung einfacher. Das aufTaf. 37und 1–8 als Beispiel abgebildetepanjin-Haus hatte eine etwa 8 m tiefe und 8.5 m breiteamin, während dieăwăgleich breit aber weniger tief war. Betrachten wir zuerst den Querschnitt, dann die Seitenansicht und den Grundriss dieses Hauses.

Der Querschnitt fällt mit der Richtung des Dachfirstes zusammen und schneidet den Grundriss c der Wohnung über die Linie 1–2. Er zeigt, dass die Konstruktion derpanjin-Häuser mit der der Häuptlingshäuser übereinstimmt, dass sie jedoch in diesem Fall einfacher ist.

Das Gebäude wird getragen von den Eisenholzpfählen (h,dje̥he̱), welche dieālingg unterstützen. Auf diesen ruht eine doppelte Reihe von Balken r und s, welch letztere als Unterlage für die eigentlichenFussbodenbretter v dient. Die Diele zeigt von rechts nach links erst den Querschnitt der Bretter vor dem Eingang zurăwă(a auf dem Grundriss C), dann derjenigen vor dem Herdplatz, welche etwas höher liegen und schliesslich der viel höheren Bretter vor der Aussenwand, vor der die Schlafräume c2und c3liegen.

Seitenansicht eines panjin-Hauses.Seitenansicht einespanjin-Hauses.

Seitenansicht eines panjin-Hauses.

Seitenansicht einespanjin-Hauses.

Die Dachkonstruktion is derjenigen vonKwing IrangsHause sehr ähnlich. Rechts wird der Firstbalken von dem hohen Eisenholzpfahl h getragen, links von dem Eisenholzbalken u, der mit seinem zugespitzten Unterende in dem horizontalenpe̥njăpair eine Stütze findet. Ausserdem ruht der Firstbalken auf einem Holzgitter, das von dem Mittelbalken t gestützt wird. Getragen wird dieser Balken von denwalang bahi-uj und an der linken Seite überdies von dem Balken, an dem das kleine dreieckige Dach o und u befestigt ist. Auch hier sind die verschiedenen Teile entweder ineinander gefügt und mit Rotang gebunden oder mit Holzstiften befestigt, wie sie am Balken t zu sehen sind.

Die Seitenansicht (ATaf. 37) dieses Hauses zeigt nicht nur seine innere Anlage von vorn nach hinten, sondern auch den Bau der freien Seite, da ich als Beispiel das letzte Familienhaus der langen Häuser reihe gewählt habe, um die Konstruktion der Seitenwand vorführen zu können. Rechts auf der Zeichnung sieht man, dass die ganze hintere Haushälfte bei deraminmit Brettern i verschalt ist, die beinahe bis zu denbalang bahi-uj reichen und an einem Holzgitter k befestigt sind, das durch die Stützbalken derwalang bahi-uund des Daches gestützt wird. Die Galerie ist seitlich durch keine Wand abgeschlossen; wie die Treppe 1 andeutet, dient ihre hintere Hälfte als Eingang, die vordere ist, wie auch die Vorderseite des ganzen Hauses, durch ein offenes Holzgitter abgeschlossen.

Querschnitt durch dasselbe panjin-Haus.Querschnitt durch dasselbepanjin-Haus.

Querschnitt durch dasselbe panjin-Haus.

Querschnitt durch dasselbepanjin-Haus.

Über der Seitenwand liegt das dreieckige Dach, das aus oben zusammenlaufenden Sparren o besteht, die hier nur in der linken Hälfte gezeichnet sind und, wie auch an der Vorder- und Hinterseite, mit vielen Reihen von Schindeln n (ke̥pāng) bedeckt sind. Auch diepanjinwählen für diese in der Regel das gut spaltbare Tengkawang-Holz. Angegeben ist ferner noch, wie das Seitendach an der Berührungslinie mit dem Vorder- und Hinterdach durch eine Reihe schräg angebrachter Schindeln p geschützt wird.

Ein Blick auf den Grundriss C orientiert uns über den Bau dieses Hauses in horizontaler Ausdehnung.

Grundriss des panjin-Hauses.Grundriss despanjin-Hauses.

Grundriss des panjin-Hauses.

Grundriss despanjin-Hauses.

Von derăwăgelangt man über eine geschnitzte Türschwelle a in einen Raum, der rechts durch eine Wand vom Herdplatz geschieden ist und gradeaus durch die Vorderwand einer Schlafkammer c begrenzt wird. Der mittlere Raum derăwăist viereckig, an allen Seiten von einem um 1 Fuss erhöhten, beinahe 2 m breiten Fussboden eingeschlossen. In den Ecken finden sich auf letzterem Kammern, c, c2und c3; in denen die Familienglieder schlafen oder ihre Sachen aufbewahren. Zwischen der Tür und dem Schlafplatz c3in der rechten Ecke befinden sich, durch Wände voneinander getrennt, der Herdplatz und eine Vorratskammer b mit oder ohne Tür. Rechts, unmittelbar neben der Eingangstür, stehen gewöhnlich die Bambusgefässe mit Wasser.

Bei derăwăsind auch die beiden grossen Pfähle d im Durchschnitt angegeben; sie unterstützen die Vorderenden derwalang bahi-uauf dieselbe Weise wie beiKwing IrangsHause. Die Pfähle d scheiden, wie in der Galerie des Häuptlings, den hinteren Teil derăwă, der als Durchgang für den ganzen Stamm dient, von dem vorderen, den die Familie als Arbeitsplatz benützt. Auf dem Grundriss ist nur der hintere Teil derăwăgedielt gezeichnet, auf dem vorderen sind die Bretter zum Teil weggelassen, so dass man von oben auf diedọro̤̱ng eund diepe̥njăpaif sieht. Auch die hier in der Regel kleinen, aber sehr festenālingg aus Eisenholz mit den zugehörigendje̥he̱h, ebenfalls aus Eisenholz, sind angegeben.

Inneres einer Kajanwohnung A.Inneres einer Kajanwohnung A.

Inneres einer Kajanwohnung A.

Inneres einer Kajanwohnung A.

Die innere Einrichtung deraminlernt man am besten durch eine Betrachtung der beiden Tafeln 39 und 40 kennen. Erstere zeigt deutlich den Bau des Herdes. In der dunklen Ecke des Hintergrundes befindet sich die Eingangstür, links von ihr die erhöhte Diele mit der Bretterwand, an welcher ein Schild und ein Sonnenhut hängen. Die Hinterwand dieser Kammer ist mit aufgerollten Palmblattsäcken verziert. Links oben hängt ein Fischnetz und eine Rotangmütze. Rechts von der Tür sieht man eine Bretterwand und dann den Herd nebst den Regalen mit Brennholz und Küchenvorräten, die hier durch den Rauch getrocknet und konserviert werden. An der Bretterwand hängt ein Bambusgestell mit europäischen Tellern und darüber wieder ein aufgerolltes Wurfnetz, unter welchem die Kette (awit) deutlich zu sehen ist. Gut sichtbar ist ferner die erhöhte Diele vor dem Herde und auf diesem die Dreifüsse und das eiserne Kochgefäss. Der Mitte zu liegen Rotangmatten auf der Diele ausgebreitet.Taf. 40giebt die andere Hälfte derselbenaminwieder. Hier sehen wir links die Fortsetzungder Küchenregale, dann nach rechts zu einen Vorratsraum mit einem Reiskorbe unten und darüber Regalen. In der Ecke befindet sich eine halbgeschlossene Schlafkammer, in der das in eine Matte gerollte Kissen (hle̱n) liegt. Die Wand ist auch hier mit Palmblattmatten verziert und mit allerhand Gegenständen behängt. Die rechte Hälfte des Bildes zeigt die linke Seitenwand des Hauses, längs welcher die erhöhte, mit einer grossen Rotangmatte bedeckte Diele läuft. Den Reichtum des Besitzers dieseramin, des alten OberpriestersBo Jok, beweist die Reihe schöner, wenn auch neurertempajan, die hauptsächlich zur Aufbewahrung von Reis dienen. Links von dentempajanstehen zweiingan dawan(Körbe), welche den Hausschatz enthalten. Um sie beim ersten Alarmzeichen in Sicherheit bringen zu können, stehen sie inkiāng, Tragbutten (SieheTaf. 54 a). Auf dieingansind zwei Gonge gebunden, wie sie bei religiösen Zeremonien von den Priestern benützt werden. Rechts von dentempajansteht ebenfalls einingan dawan, aber ohnekiāngund zu beiden Seitenpsau, Tragkörbe aus Rotang, voller aufgerollter Matten (samit).

Inneres einer Kajanwohnung B.Inneres einer Kajanwohnung B.

Inneres einer Kajanwohnung B.

Inneres einer Kajanwohnung B.

An der Holzwand, an welcher die mit einem Dechsel bearbeiteten Bretter zu unterscheiden sind, hängen Schwerter, eine dicke Kriegsjacke und eine Sitzmatte (tabin) für Männer. Über dem allem ein Regal aus dünnen, runden Stöcken, auf dem Matten und Körbe aufbewahrt werden. Rechts in der Ecke hängen von der Decke wieder Kriegsmützen mit Federschmuck herab.

Von dem Bau der Mittelwand und der Eingangstür (be̥taman) macht man sich am besten nachTafel 28eine Vorstellung. Die übereinander greifenden Wandbretter sind mit Rotang aneinander gebunden und stehen auch hier auf einer horizontalen Planke, welche als Getäfel dient. Bemerkenswert ist die Umrahmung von Tür und Schwelle, die ganz aus hübsch geschnitzten Figuren besteht, denen das Genitalmotiv zu Grunde liegt. Die an die Wand gelehnten Bambusgefässe dienen, um das Schweinefutter nach unten zu tragen.

Beim Einzug einespanjinin seine neue Wohnung begeben sich alle Familienglieder, die wertvollsteningan dawanauf dem Rücken, unter Beckenschlag in dieamin ajaund tun, als ob sie das gute Vorzeichen, das der Häuptling seinerzeit für sein eigenes Haus gesucht hatte, mitnähmen. Nachdem sie in der eigenenaminetwas gegessen haben, holen sie aus derselben Grube, welche der Häuptling gegraben hatte, Erde für den Herd. Das erste Feuer wird aus deramin ajaherübergebracht; es darf zwei Tage lang nicht ausgehen. Dicht neben ihrem Wohnhause bauen die Bahau und Kĕnja kleine Scheunen (le̥po parei) zur Aufbewahrung von Reis und Wertgegenständen. Diese Scheunen stehen ebenfalls auf Pfählen, welche zum Schutz gegen Mäuse und Ratten auf halber Höhe oft grosse Holzscheiben durchsetzen oder mit Blech beschlagen werden. Die Pfähle sind weniger hoch als die der Wohnhäuser und die Bodenfläche der Scheunen selbst beträgt meist nicht über 4–5 qm. Die Scheunen werden aus dem gleichen Material wie die Häuser gebaut. Der gerade First wird nur von den Häuptlingen an den beiden Enden mitbang pakatverziert.

Über den Häuserbau der Kĕnja, der in mancher Hinsicht von dem der Bahau abweicht, soll bei späterer Gelegenheit noch einiges berichtet werden.

Charakter der Industrie bei den Bahau und Kĕnja—Herstellung von Kleidung: Spinnerei-, Weberei; Verzierung durch Figuren, Stickereien, Knüpfarbeiten; Baumbastkleidung—Schmieden: Werkzeuge—Eisengewinnung; Herstellung von Arbeitsgerätschaften, Lanzen, Schwertern; Verzierung der Schwerter—Schnitzerei: Griffe und Scheidend Holz- und Bambusschnitzerei—Flechterei: Zubereitung von Rotang,kĕbalan, tika, samit; Flechten von Körben, Matten, Hüten; Flechtarbeit für Waffen—Töpferei—Bootsbau: Wahl und Behandlung des Materials; Roharbeit; Endbehandlung—Kalkbrennerei—Herstellung von Schmuck aus Steinen und Perlen: Wert der Perlen, ihre Herkunft, Verwendung; Rolle der Perlen in der Kulturgeschichte.

Charakter der Industrie bei den Bahau und Kĕnja—Herstellung von Kleidung: Spinnerei-, Weberei; Verzierung durch Figuren, Stickereien, Knüpfarbeiten; Baumbastkleidung—Schmieden: Werkzeuge—Eisengewinnung; Herstellung von Arbeitsgerätschaften, Lanzen, Schwertern; Verzierung der Schwerter—Schnitzerei: Griffe und Scheidend Holz- und Bambusschnitzerei—Flechterei: Zubereitung von Rotang,kĕbalan, tika, samit; Flechten von Körben, Matten, Hüten; Flechtarbeit für Waffen—Töpferei—Bootsbau: Wahl und Behandlung des Materials; Roharbeit; Endbehandlung—Kalkbrennerei—Herstellung von Schmuck aus Steinen und Perlen: Wert der Perlen, ihre Herkunft, Verwendung; Rolle der Perlen in der Kulturgeschichte.

Die Industrie trägt bei den Bahau- und Kĕnjastämmen völlig den Charakter einer Hausindustrie. Jede Familie stellt nur für sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung die erforderlichen Gegenstände her. Dass jemand mit einer grossen Anzahl Gehilfen arbeitet, kommt denn auch nicht vor; höchstens hält sich ein Schmied einen Knecht, der ihm regelmässig hilft; aber auch Meister und Knecht üben ihr Handwerk nur neben dem Landbau aus, der häufig auch bei ihnen die Hauptsache bleibt. Von Grossindustrie ist also keine Rede, und bei der Beurteilung des auf diese Weise Produzierten muss berücksichtigt werden; dass die Arbeit nicht von Personen geleistet wird, die sich ihr ausschliesslich widmen, wie in der europäischen Industrie. Den eingeborenen Handwerkern fehlt daher die durch ständige Herstellung gleicher Gegenstände erworbene Fertigkeit. Ferner arbeiten sie mit mangelhaften Hilfsmitteln und werden durch ihre einfachen und ärmlichen Verhältnisse gezwungen, billiges Material zu verwenden. Sowohl Bahau als Kĕnja verarbeiten denn auch selbst kein Silber oder Gold; was an Zierraten aus diesen Metallen in ihrem Lande verfertigt wird, stammt von Malaien her.

Ein anderer auf den Fortschritt lähmend wirkender Umstand ist, dass in den verschiedenen Industriezweigen kein Unterricht erteilt wird, sondern jeder Anfänger selbst in mehreren Fächern Übung zu erlangen suchen muss; höchstens bietet sich ihm Gelegenheit, von einemanderen Handwerker die Arbeit abzusehen oder ihm bei derselben zu helfen.

Fühlt sich jemand zu einem bestimmten Fach hingezogen, so verhindern ihn oft die Sorgen um seinen und seiner Familie Unterhalt, seiner Neigung Folge zu leisten.

Da jeder die meisten zum Leben erforderlichen Dinge selbst herstellt und die Ausübung eines bestimmten Handwerks keinen einträglichen Erwerb bildet, wird ein eingeborener Fachmann nicht, wie bisweilen ein europäischer, gerade durch Sorge und Not zu den höchsten Leistungen angeregt; die besten Produkte werden im Gegenteil von Gliedern wohlhabender Häuptlingsfamilien oder Freien hervorgebracht; Unbemittelte dagegen leisten nur selten etwas Besonderes.

Ein Vorteil für die dajakische Industrie liegt darin, dass ihr ganzes künstlerisches Können und ihr Geschmack sich auf das Gebiet des Handwerks konzentrieren, da bei ihnen nicht, wie in höherstehenden Gemeinwesen, eine bestimmte Kunst, wie z.B. die Bildhauerkunst oder Malerei, vorhanden ist, die nur der Kunst halber Gegenstände hervorbringt. Die Industrie der Bewohner Borneos kann, trotz der bescheidenen Grenzen, innerhalb welcher sie sich bewegt, in einigen Zweigen als Kunstindustrie bezeichnet werden. Mit der reinen Kunst entwickelterer Völker steht diese sogar in engem Zusammenhang.

Dass unter den oben geschilderten Umständen die Industrie der Dajak nicht zur vollen Ausbildung hat gelangen können, vielmehr das Kennzeichen einer beschränkten, Umgebung trägt, ist also begreiflich; immerhin sind ihre Leistungen noch so bedeutend und umfassend, dass jedes Fach im folgenden eine eingehende Betrachtung verdient. Alles, was sich speziell auf das Kunstgebiet bezieht, wie z.B. die Erklärung der dajakischen Verzierungsmotive, wird imfolgenden Kapitelgesondert behandelt werden.

Arbeitende Kajanfrauen.Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Von allen Industriezweigen ist die Bekleidungsindustrie für die Bevölkerung Mittel-Borneos die wichtigste. Nach den noch aus alten Zeiten erhalten gebliebenen Kleidungsstücken zu urteilen, haben die Dajak diese ursprünglich hauptsächlich aus Baumbast verfertigt und ist die Weberei erst später bei ihnen eingeführt worden. Zu dieser Ansicht führte mich vor allem die Tatsache, dass bei fast allen Stämmen für die Weberei dieselben beschränkenden Bestimmungen zu finden sind, die für alles Fremdländische zu gelten pflegen: so darf bei den zu denOt-Danum gehörenden Ulu-Ajar am Mandai nicht im Hause selbst, sondern nur in besonders zu diesem Zwecke errichteten Hütten gewebt werden; derselbe Brauch herrscht bei den Kĕnja. Bei den Kajan am Blu-u ist den Priesterinnen das Weben verboten, und so bestehen noch mehr derartiger Vorschriften. Doch muss die Webekunst bereits vor langer Zeit in Mittel-Borneo eingeführt worden sein, denn bei einigen Stämmen ist sie schon wieder verschwunden. Letzteres hängt mit der auch in so mancher anderen Hinsicht auf die inländische Kultur zersetzend wirkenden Berührung mit der Küstenbevölkerung zusammen. Die Herstellung eins Stoffes kostet nämlich Männern und Frauen viele Arbeit, da sie auch das erforderliche Material erst anbauen (Baumwolle und Ananasfasern) oder im Walde suchen müssen (Lianenfasern). Dann muss dieses zu Fäden verarbeitet, gesponnen oder aneinandergeknüpft und schliesslich gewebt werden. Alle diese auf primitive Weise vorgenommenen Prozeduren erfordern viel Zeit und Mühe. Infolgedessen bevorzugen die Eingeborenen den bei ihnen eingeführten europäischen Kattun, der nicht teuer und nach ihrer Ansicht schön bedruckt ist, und verfertigen das eigene Fabrikat nur noch für starke grobe Kleidung; in den reichen Familien wird auch noch zum Luxus gewebt.

Webende Kajanfrau.Webende Kajanfrau.

Webende Kajanfrau.

Webende Kajanfrau.

Weniger als die eigengewebten Stoffe sind die aus Baumbast durch europäische Produkte verdrängt worden, weil die Baumbastkleidung viel müheloser herzustellen und dabei dauerhaft ist.

Augenblicklich weben von den Stämmen der Bahau und Kĕnja nur noch diejenigen, die in zu grosser Entfernung von der Küste leben, um sich in billiger und genügender Weise mit eingeführten Zeugen versehen zu können. So weben hauptsächlich die Frauen der Kajan und Pnihing am oberen Mahakam und die der Kĕnja in Apu Kajan. Die südlicher wohnenden und überdies reicheren Long-Glat und Ma-Suling betreiben die Weberei jetzt überhaupt nicht mehr, doch liessen sie mich noch alte Webereien ihrer Vorfahren sehen, wie sie auch die Bahaustämme am oberen Kapuas noch aufweisen konnten.

Die Dajak verwenden zum Weben folgendes Material: zwei Arten von selbstgebauter Baumwolle; Ananasfasern, die man erhält, indem man von langen Blättern auf hierfür bestimmten Brettern (Taf. 61, c) mit scharfen Bambusspähnen die weichen Teile fortkratzt, die übrigbleibenden Fasern ausspült, trocknet und in der Sonne bleicht; eine Art von Lianenfasern, die mantengāngnennt und vor allem für Stricke und Netze gebraucht und endlich 3 Arten von Baumbastkĕdĕob, nĕgongunddamei, die sich nach dem Auswaschen und Trocknen zu langen Fäden spalten lassen. Dertengāngbesteht aus dem Stamm einer Liane, die sich nach dem Trocknen auch mit den Fingern leicht in lange feine Fasern spalten lässt. Die Baumbastfasern werden nicht wie die destengāngzu Fäden zusammengedreht, sondern aneinander geknüpft und dann nicht als Einschlag, sondern nur als Kette benützt; zu ersterem wird dann Baumwolle odertengāngverwendet.

Die Pnihingfrauen am Mahakam wussten sich auf besondere Weise dunkelblaue Baumwollfäden zu verschaffen. Sie kauften eine Art von lose gewebtem dunkelblauem Kattun, der für weiche Lendentücher bei ihnen eingeführt wird, zogen aus dem Zeug die Fäden aus und verwebten diese dann zu ihren eigenen Stoffen.

Das Spinnen der Baumwollfäden geschieht mittelst Stäbchen, welche auf die in der oberen Abbildung vonTaf. 45dargestellte Weise gehandhabt werden. Die Frau rechts hält in der rechten Hand die Baumwolle, während sie mit der linken das mit einer schweren Scheibe aus Stein, Muschel oder Baumfrucht versehene und auf einer harten glatten Unterlage ruhende Stäbchen zum Drehen bringt. Die Feinheit des so hergestellten Fadens ist sehr verschieden und hängt hauptsächlich von der Geschicklichkeit der Spinnerin ab.

Die Frau links auf dem Bilde dreht aus den Fasern vontengāngeinen Faden. Die hierfür gebräuchlichen Faserstücke sind etwa 3–4 dm lang und werden zu zweien derart zusammengedreht, dass ihre Enden auf verschiedener Höhe liegen. Die Fasern werden auf bestimmte Weise mit dem Ballen der Hand auf dem blossen Bein gerieben und so zu einem sehr gleichmässigen Faden vereinigt, der durch Hinzufügung neuer Faserstücke stets verlängert wird.

Röcke der Kajanfrauen.Röcke der Kajanfrauen.

Röcke der Kajanfrauen.

Röcke der Kajanfrauen.

Früher war auch das Färben von Baumwolle sehr im Schwange; man färbte sie braun, indem man die Fäden im Morast liegen liess, rot durch Eintauchen in Drachenblut, grün durch Kochen in dem grünen Farbstoff einer Liane. Gegenwärtig finden die von den Malaien vielfach eingeführten Anilinfarbstoffe mit ihrem sehr lebhaften Kolorit allgemeine Verwendung. Bei den Bahau und Kĕnja sah ich nie die Methode desikat, der Knotenfärberei, anwenden, d.h. das Bedecken gewisser Teile der zu färbenden Fäden mittelst Pflanzenfasern, wohl aber unter den Batang-Luparstämmen und Ot-Danum. Ein einfaches Tuch, das ich bei den Mahakamkajan kaufte, war allerdings mit Anwendung der Bindemethode gefärbt worden, doch ist seine Herkunft unsicher.

Das Weben geschieht bei den Dajak nach der aufTaf. 42dargestellten Weise mit dem gewöhnlichen, einfachen Apparat, der im indischen Archipel sehr verbreitet ist. Mit diesem Webstuhl stellen sie nur einfache Arten von Zeug her. Das Weben in Mustern verstehen sie nicht, sie können nur Rauten herstellen, die in allerhand Variationen bei den verschiedenen Stämmen wiederkehren. Eine Abwechslung im Gewebe rufen sie hauptsächlich dadurch hervor, dass sie die Fäden der Kette in Farbe und Material ändern, ein Verfahren, das als Beginn einer Figurenweberei betrachtet werden kann. Die so gewebten Zeugstücke sind so schmal, dass für einen Frauenrock zwei übereinander genäht werden müssen.

Unfertiger Frauenrock.Unfertiger Frauenrock.

Unfertiger Frauenrock.

Unfertiger Frauenrock.

Das Spinnen und Weben wird von den Bahau als eine ausschliesslich weibliche Arbeit aufgefasst; die Männer fürchten, bereits durch die Berührung eines Webstuhls an ihrer Männlichkeit einzubüssen (takut dawiT. I p. 350) und sind daher zum Tragen desselben nicht zu bewegen.

Die verschiedenen Stoffe der Dajak dienen alle zur Herstellung von Kleidungsstücken; die aus Baumbast und Lianenfasern gewebten werden für Arbeitskleider gebraucht; für Frauen verfertigt man aus ihnen einfache Röcke (Taf. 19 T. I) und Jacken mit oder ohne Ärmel nach dem Modell vonTaf. 49, für Männer Lendentücher und die gleichen schlichten Jacken. Die weissen und farbigen Zeuge aus Baumwolle (bura) und Ananasfasern (usan) werden vorzugsweise für hübsche, bei Festen getragene Kleider verwandt.

Arbeitende Kajanfrauen.Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Die Verzierung dieser Festkleider wird für Männer und Frauen auf gleiche Weise vorgenommen, nämlich durch ausgeschnittene Zeugfiguren, Stickereien und Knüpfarbeit. Auf erstere Art verzierte Frauenröcke sind aufTaf. 43und44abgebildet. Die Ränder der 4 Röcke der Kajanfrauen bestehen aus geschmackvoll ausgeschnittenen Figuren von dunklem Zeuge, die auf weissen Kattun als Grund geheftet sind. Während die Borten von a, b und c gänzlich aus Streifen solcher Figuren bestehen, sind sie bei d in Dreieckform mit ebenfalls dreieckigen Stickereien kombiniert, derart wie sie aufTafel 46abgebildet sind.

Arbeitende Kajanfrauen.Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Arbeitende Kajanfrauen.

Röcke von dieser Form werden allgemein von den Kajanfrauen getragen; die Pnihing ziehen ein verziertes Mittelfeld vor, wieTaf. 44es in unvollendetem Zustande darstellt. An diesem Exemplar lässt sich die Art der Herstellung gut verfolgen: das ausgeschnittene dunkelblaue Kattunstück ist mit Pflanzenfasern um das Figurenfeld herumauf darunterliegenden weissen Kattun geheftet; auch die Linien der Figuren sind zu beiden Seiten mit schwarzen, auf dem Bilde kaum sichtbaren Fäden auf die Unterlage genäht. Einige Schatten auf der linken Seite deuten darauf, dass die Figuren hier noch nicht alle befestigt sind, wie es rechts der Fall ist. An dieser komplizierten Figur ist die Symmetrie eine absolute; sie kam zustande, indem man das noch unbearbeitete Zeugstück einmal zusammenfaltete, die Figuren ausschnitt und die beiden Teile dann auseinanderschlug. Während das Nähen der Röcke ausschliesslich von Frauen besorgt wird, ist das Ausschneiden der Figuren Sache der Männer. Diese legen das Zeug auf eine harte Unterlage, ein Brett z.B., und schneiden dann mit ihrem langen Messer (nju) die Figuren aus freier Hand aus. Dabei gebrauchen sie keine Vorlage oder Zeichnung auf dem Zeug, sondern schneiden nach freier Phantasie aus. Den ganzen Entwurf haben sie augenscheinlich bereits fest im Kopfe, denn sie ziehen die Hauptlinien schnell und ohne Zögern; die Einzelheiten des Ornaments scheinen sie sich erst allmählich auszudenken und erst während der Arbeit sorgfältig auszuarbeiten. Dass sie später auf die Verbesserung eventueller Fehler nicht viel Mühe verwenden, beweisen die Fäden, die an den ausgefransten Figurenrändern noch überall zum Vorschein kommen. Die Verzierung dieses Rockes zeugt in hohem Masse von den künstlerischen Fähigkeiten des Pnihing, der sie zustande brachte; der Entwurf ist sehr schön und reich kombiniert, die Gruppierung der Figuren als Mittelstück mit zwei Seitenstücken gut gedacht. Die Anwendung einer so komplizierten Arbeit für einen so vergänglichen Gegenstand wie einen Rock spricht für die geringe Mühe, die sie dem Künstler gekostet haben muss. Das Werk beweist zugleich eine grosse Geschicklichkeit in der Handhabung von Linien. Die dajakische Vorliebe für Tiermotive verleugnet sich auch hier nicht; zu beiden Seiten des Mittelstückes erkennen wir je zwei aufgerichtete Tierfiguren mit 4 Füssen und Schwänzen (1–8). An den Rändern seitlich sind noch je zwei Masken wiedergegeben, wie die Augen (g) und die stilisierten Nasenöffnungen (10) beweisen (Siehe Näheres folg. Kap.). Die Röcke der Kajanfrauen aufTaf. 43sind alle nach dem gleichen Prinzip zusammengesetzt: in der Mitte ein Feld (Fig. b, 4) aus einfarbigem, un- oder schwachgemustertem europäischem Stoff, womöglich aus Seide, zu beiden Seiten und unten verzierte Ränder (3), die durch Streifen von einer (bei Fig. c) oder mehreren Zeugarten (Fig. a, b, d)vom Mittelfelde abgegrenzt werden. Eine derartige begrenzende Borte, nur breiter, wird auch zwischen dem Felde 4 und dem breiten oberen Rand des Rockes angebracht, der stets aus einem Streifen von dunkelrotem Flanell oder Kattun bestehen muss. Gegenwärtig verwendet man für diese Borten am liebsten eingeführte Gold- oder Silberposamente, wie dies auch bei Fig. c der Fall ist; doch sind für die unteren und seitlichen noch immer am gebräuchlichsten Streifen von verschiedenfarbigem Flanell oder Kattun, die sich meistens sehr hart neben einander ausnehmen und einen lebhaften, aber unschönen Effekt hervorrufen. Besonders grosse Sorgfalt wird auf den breiteren, trennenden Streifen zwischen dem Oberrand des Rockes und dem unteren Teil verwendet. In den Figuren a und c besteht er aus einem breiten Stück Goldposament, in b (2) und d aus einem zwar nicht hübschen, aber doch besonderen Stoffe.


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