1. Darfur.
Das Gebiet von Darfur, welches in früherer Zeit von den negerartigen Stämmen Tadjo und For (Fur) bewohnt war, folgte bis zum 15. Jahrhundert n. Chr. Fürsten aus dem erstgenannten Stamme. Um diese Zeit kamen muhammedanische Mitglieder des aus Tunis stammenden arabischen Geschlechts der Tundjer nach Darfur. Abd el Kerim Tundjer wurde der Schwiegersohn des letzten Königs Kor aus dem Hause der Tadjo und der Begründer der jetzt noch in Darfur regierenden Dynastie. Die Tadjo wurden nach dem Westen von Darfur gedrängt, wo sie bis in die jüngste Zeit ein kleines selbständiges Sultanat besassen.[78]Das Königshaus der Tundjer vermengte sich in der Folge mit Töchtern der Stammeshäupter der For.
Darfur war das mächtigste Sultanat im östlichen Sudan, bis Ende des vorigen Jahrhunderts Wadai sichvon Darfur unabhängig machen konnte.[79]Weitere Rivalen von Darfur waren die östlich des Nils lebenden Fürsten von Sennar. Kordofan und Bahr el Ghazal waren bis zu dem Auftreten Zuber Paschas Darfur mehr oder weniger tributär. Durch das Vordringen der Egypter verloren die Sultane von Darfur, nachdem sie bereits 1825 Kordofan eingebüsst hatten, zunächst ihre nordöstlichsten Gebiete, dann nahm Zuber ihnen im Süden einen Landstrich nach dem anderen fort.[80]Im Jahre 1873 rückte Zuber im Auftrage Ismail Paschas in Darfur selbst ein. Der jugendliche Sultan Ibrahim, der letzte König von Darfur, fiel 1874 im Kampfe, und damit hatte die Dynastie der Tundjer in Darfur für geraume Zeit zu herrschen aufgehört. Darfur wurde eine egyptische Provinz. Die übrig gebliebenen Mitglieder der entthronten Fürstenfamilie wandten sich nach Westen und gründeten unter Ibrahims Neffen Harun er Raschid ein eigenes Sultanat in Urmija, dem Gebiete der früheren Tadjo-Fürsten. Im Jahre 1878 wurde Slatin Pascha[81]egyptischer Gouverneur vonDarfur. Er nahm sofort den Kampf gegen Harun auf,[82]der niemals aufgehört hatte, das Land zu beunruhigen. Im Jahre 1880 fiel Harun. Die zersprengten Reste seiner Verwandten sammelten sich unter Abdullahi Dudbenga im Djebel Marra, wo sie der Regierung Slatins nicht mehr gefährlich wurden.
Anfang 1882 begann die mahdistische Bewegung in Darfur. Nach vielen Kämpfen wurde Slatin durch seine Offiziere gezwungen, sich dem Mahdi zu ergeben. Dudbenga ging zu den Mahdisten über, und von nun an sahen die Tundjer sich gezwungen, dem Mahdi und später dem Chalifa Gefolgschaft zu leisten. Zur Zeit der Wiedereroberung des Sudan durch die Egypter war das einflussreichste Mitglied dieser Tundjer, Ali Dinar, ein Vetter Haruns und Dudbengas, einer der Heerführer des Chalifa Abdullahi geworden. Als die englisch-egyptischen Truppen im Jahre 1897 vor den Mauern Omdurmans standen, erkannte Ali Dinar die Situation und verliess in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht mit etwa 2000 Bewaffneten den Chalifa, um sich geraden Wegs nach Darfur zu wenden. Vorher war es ihm gelungen, dem Sirdar einen Brief zu senden, in welchem er ihn seiner Ergebenheit versicherte.In Darfur, wo nur wenige überzeugte Anhänger des Chalifa sich befanden, machte er sich sehr bald zum Herrn des Landes, und die im Djebel Marra noch vorhandenen Tundjer huldigten ihm.
Auch in der Folge tauschte Ali Dinar mit den Gouverneuren des Sudan Lord Kitchener und Sir Reginald Wingate freundschaftliche Briefe aus, und wenn auch Darfur noch nicht in den Kreis der von Chartum aus direkt verwalteten wiedereroberten Bezirke einbezogen ist, so hofft die egyptische Regierung doch, dass sie von Ali Dinar keine Schwierigkeiten zu erwarten habe.
[78]Jetzt herrschen noch Fürsten aus dem alten Hause der Tadjo in Dar Tama, einem seit einiger Zeit in losem Tributverhältnis zu Wadai stehenden kleinen Gebirgslande im Westen von Darfur.[79]Eine officielle Anerkennung der Selbständigkeit Wadais erfolgte erst zur Zeit des Chedive Ismail Pascha, als die egyptische Regierung nach der Eroberung Darfurs dem Sultan Ali von Wadai mitteilen liess, dass sie mit Wadai, dessen Fürsten sie als unabhängige Souveräne betrachte, in gute Beziehungen zu treten wünsche.[80]Vergl. oben S. 5.[81]Slatin, früher Offizier in österreichischen Diensten, war von Gordon im Jahre 1877 nach Egypten berufen worden. Er wurde damals schon zum Inspekteur des Sudan ernannt, darauf wurde er Gouverneur von Süd-Darfur mit dem Sitze in Dara und endlich von ganz Darfur mit dem Sitze in Fascher. Das seine Gefangenschaft unter den Derwischen behandelnde Buch „Feuer und Schwert im Sudan 1879–1895“ ist das wichtigste Quellenwerk für die Zeit der mahdistischen Herrschaft.[82]Damals kämpfte Gessi noch im Süden Darfurs gegen Soliman, den Sohn Zubers, und Rabeh.
[78]Jetzt herrschen noch Fürsten aus dem alten Hause der Tadjo in Dar Tama, einem seit einiger Zeit in losem Tributverhältnis zu Wadai stehenden kleinen Gebirgslande im Westen von Darfur.
[78]Jetzt herrschen noch Fürsten aus dem alten Hause der Tadjo in Dar Tama, einem seit einiger Zeit in losem Tributverhältnis zu Wadai stehenden kleinen Gebirgslande im Westen von Darfur.
[79]Eine officielle Anerkennung der Selbständigkeit Wadais erfolgte erst zur Zeit des Chedive Ismail Pascha, als die egyptische Regierung nach der Eroberung Darfurs dem Sultan Ali von Wadai mitteilen liess, dass sie mit Wadai, dessen Fürsten sie als unabhängige Souveräne betrachte, in gute Beziehungen zu treten wünsche.
[79]Eine officielle Anerkennung der Selbständigkeit Wadais erfolgte erst zur Zeit des Chedive Ismail Pascha, als die egyptische Regierung nach der Eroberung Darfurs dem Sultan Ali von Wadai mitteilen liess, dass sie mit Wadai, dessen Fürsten sie als unabhängige Souveräne betrachte, in gute Beziehungen zu treten wünsche.
[80]Vergl. oben S. 5.
[80]Vergl. oben S. 5.
[81]Slatin, früher Offizier in österreichischen Diensten, war von Gordon im Jahre 1877 nach Egypten berufen worden. Er wurde damals schon zum Inspekteur des Sudan ernannt, darauf wurde er Gouverneur von Süd-Darfur mit dem Sitze in Dara und endlich von ganz Darfur mit dem Sitze in Fascher. Das seine Gefangenschaft unter den Derwischen behandelnde Buch „Feuer und Schwert im Sudan 1879–1895“ ist das wichtigste Quellenwerk für die Zeit der mahdistischen Herrschaft.
[81]Slatin, früher Offizier in österreichischen Diensten, war von Gordon im Jahre 1877 nach Egypten berufen worden. Er wurde damals schon zum Inspekteur des Sudan ernannt, darauf wurde er Gouverneur von Süd-Darfur mit dem Sitze in Dara und endlich von ganz Darfur mit dem Sitze in Fascher. Das seine Gefangenschaft unter den Derwischen behandelnde Buch „Feuer und Schwert im Sudan 1879–1895“ ist das wichtigste Quellenwerk für die Zeit der mahdistischen Herrschaft.
[82]Damals kämpfte Gessi noch im Süden Darfurs gegen Soliman, den Sohn Zubers, und Rabeh.
[82]Damals kämpfte Gessi noch im Süden Darfurs gegen Soliman, den Sohn Zubers, und Rabeh.